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25. August 2019 |
Tipps für Anfänger Kaninchenrassen Schaukalender

Wolfgang Wüst aus Frechen

Ein Züchter mit rheinischer Gelassenheit

Wir möchten den sehr bekannten Rassekaninchenzüchter Wolfgang Wüst aus dem schönen Rheinland vorstellen. Dort wohnt er mit seiner Frau Kunigunde in der Stadt Frechen. Bis in die 1980er Jahre war die Region rund um Frechen geprägt durch den Kohleabbau, jedoch rekultivierte man seither die Flächen und es entstanden schöne Naturparks und Wälder. In einer geräumigen Wohnung wohnen die beiden nun schon seit vielen Jahrzenten. Wolfgang erlernte den Beruf des Gärtnerns, welchen er bis zum wohlverdienten Ruhestand ausübte. Zusammen mit seiner Frau war er zwischenzeitlich rund 14 Jahre in der Großgastronomie tätig und erbaute hier unter Anderem ein Kegelzentrum.
 
Auswanderung nach Australien brachte erste Lohkaninchen

Wolfgang ist in Frechen geboren, aufgewachsen und seiner Heimatstadt bis heute treu geblieben. In seiner Kindheit lebte gegenüber vom Elternhaus ein Landwirt, der in seiner Freizeit das Hobby der Rassekaninchenzucht betrieb und Lohkaninchen, schwarz züchtete.  Wolfgang hatte es diese Rasse angetan – diese Verbindung aus der edel schwarz glänzenden Deckfarbe mit den typischen Rassemerkmalen der Lohkaninchen. Doch der Landwirt war nicht bereit Tiere abzugeben und so blieb der Traum von den eigenen Tieren (zunächst) schlichtweg unerreichbar. Eines Tages wanderte der Nachbar nach Australien aus und Wolfgang durfte die noch verbliebenden Tiere übernehmen. Somit war sein Ziel erreicht und er war mächtig stolz über seine ersten Zuchttiere, welche bis vor wenigen Jahren über ein halbes Jahrhundert seine Stallungen beheimateten. Mit 14 Jahren trat er damals der Seniorenabteilung des RZKV R 124 Frechen bei, denn eine separate Jugendabteilung fand man zu damaligen Zeiten noch nicht vor.

Kaninchenställe im Pfarrgarten gebaut

Um seine Lohkaninchen unterbringen zu können bedurfte es natürlich dem Bau eines Kaninchenstalls. Unweit seines Elternhauses gab es eine Evangelische Kirche, an die ein Pfarrgarten angrenzte. Hier ging der Pfarrer häufig die Wege auf und ab, um seine Predigten vorzubereiten. Und dabei entdeckte er eines Tages den Wolfgang beim Bau von Kaninchenställen. Zunächst befürchtete Wolfgang, dass er unverzüglich seine baulichen Aktivitäten einstellen und aus dem viel Raum bietenden Garten abziehen muss. Doch der Pfarrer sah hierfür keineswegs die Notwendigkeit und begrüßte es sogar, dass hier Unterkünfte für
Kaninchen erbaut wurden. Selbstverständlich fanden die Kaninchenställe im Anschluss Platz außerhalb des Pfarrgartens und so startete er mit rund 35 bis 40 Buchten als junger Züchter.   
 
Zucht in der Kleintierzuchtanlage

Im Jahre 1971 gründete man den RKZV R 130 Frechen-Altstadt e.V., da man im bisherigen Verein R 124 Frechen unterschiedliche Ziele verfolgte. Hier bekleidet Wolfgang seit Gründung das Amt des Vereinsvorsitzenden. Den Mitgliedern dieses neuen Vereins war es wichtig, den Menschen eine Möglichkeit zur Zucht von Rassekaninchen zu bieten. Und so erbaute man nach einigen Jahren eine Vereinszuchtanlage. Diese vollständig in Eigenleistung errichtete Vereinszuchtanlage kostete damals rund 150.000,- DM. Erfreulicherweise erhielt man von der Landwirtschaftskammer einen Zuschuss von 50.000,- DM. Für den Rest bürgte Wolfgang persönlich. „Dies würde ich heute nicht noch einmal so machen“, erwähnt er in diesem Zusammenhang. „Aber man war damals etwas jünger und hat noch nicht so intensiv über mögliche Folgen nachgedacht. Und es hat geklappt und heute ist alles bezahlt“, schildert er glücklich. Einige Jahre später verwirklichte man dann noch eine angrenzende Halle, in der die Ausstellungen durchgeführt werden sollen. Aktuell ist die Vereinszuchtanlage mit zehn aktiven Züchtern besetzt, von denen man über den Tag verteilt immer einen antreffen kann. Auf dem knapp 1.000 m² großen Gelände hat Wolfgang des Weiteren noch ein Gewächshaus errichtet, sowie hütet dort einige Hühner. Auch Obstbäume, Grasflächen und frisches Gemüse sind dort vorzufinden. 

Mit über 100 Buchten hat Wolfgang ausreichend Platz, um seinem
Hobby nachzugehen. In geräumigen, aufgemauerten Buchten, die bei Bedarf durch Zwischenwände geteilt werden können, hält er seine Tiere auf Stroh.  Auf die Frage „Hattest du neben deinen Lohkaninchen, schwarz noch weitere Rassen im Stall und wenn ja, welche?“ antwortet er: „Ich habe fast alle Rassen im Stall gehabt – vom Deutschen Riesen bis hin zum Farbenzwerg“. Denn ihm als Preisrichter ist es wichtig, möglichst viele Rassen auch züchterisch im Stall kennenzulernen. Ihm gefallen schlichtweg auch alle Rassen, die unser ZDRK-Standard zu bieten hat.

Die Preisrichterprüfung legte er im Jahre 1971 ab, ist seither immer als Preisrichter unterwegs und hat inzwischen mehrere zehntausend Tiere bewertet. Seitdem war er ununterbrochen auf jeder Bundes-Rammlerschau und Bundes-Kaninchenschau als Preisrichter zugegen – häufig als Obmann. „Bis zu 40 Bewertungen pro Saison hatte ich“, brachte Wolfgang zur Sprache.

Bis vor einigen Jahre beheimateten die Lohkaninchen, schwarz als Stammrasse seine Stallungen. Dabei erinnert er sich daran, dass früher das Hauptaugenmerk bei den Lohkaninchen auf den Rassemerkmalen lag. In der damaligen Zeit freute man sich dann schon ganz besonders, eine Kopfzeichnung mit 14,0 Pkt. zu haben und das auch die Kinnbackeneinfassungen positiv durch die Preisrichter hervorgehoben wurden. Zu seinen Errungenschaften mit dieser Rasse zählen viele Meistertitel. Gerne denkt er hierbei an die 11. Bundes-Kaninchenschau mit angeschlossener 1. Europaschau in Stuttgart im Jahre 1970 zurück. Hier errang er mit den Lohkaninchen, schwarz gleich zwei Titel – zum einen den Titel des „Deutschen Meister“ und zum anderen wurde er „Europameister“. Eine wirklich bemerkenswerte Leistung. Im Jahre 1981 durfte er auf der Europaschau in Amsterdam (NL) mit seinen acht Tieren der Rasse Lohkaninchen, schwarz so ziemlich alles an Preisen mit nach Hause nehmen, welche es dort zu erringen gab. Hinzu kommen viele „Deutsche-Meister-Titel“ im Bereich der Herdbuchabteilung.

Der Reiz an der Herdbuchzucht

Als jüngerer Züchter hat man häufig Vorbilder, deren Eigenschaften und/oder Leistungen man bewundert. So war es auch bei Wolfgang, der zusammen mit seinen Vorbildern oft Ausstellungen und Veranstaltungen besucht hat. Hierbei imponierten ihm die zwei großen Schauklassen in der Herdbuchabteilung [1,0 mit 3+4 (Klasse 1) und 4+4 (Klasse 2)]. Denn das ist es, was seiner Meinung nach zählt – große und ausgeglichene Würfe. Und das reizte ihn hieran ganz besonders. Für ihn liegt der züchterische Anreiz nicht darin, zum Zeitpunkt der bevorstehenden Ausstellung die vier besten und sich momentan in der besten Kondition befindenden Tiere auszuwählen, sondern möglichst einen gesamten Wurf in ausgeglichener Qualität präsentieren zu können. Damals lag eine sehr gute Leistung vor, wenn man im Durchschnitt eine Punktzahl von rund 94,0 Pkt. erzielen konnte. „Nach einiger Zeit hob man dieses etwas an, um den Anspruch an die Tierqualität zu erhöhen“, erklärte Wolfgang. 

Im Jahre 1962 trat Wolfgang der Herdbuchabteilung des Landesverbandes Rheinischer Rasse-Kaninchenzüchter e.V. bei und übte hier bis 2017 für 32 Jahre die Tätigkeit als LV-Herdbuchobmann aus.

Des Weiteren bekleidet er seit nunmehr 19 Jahren das Amt des ZDRK-Obmanns für Herdbuch-zucht. Er setzt sich seit vielen Jahren somit aktiv für die Herdbuchzucht ein und arbeitet stets an der  Weiterentwicklung dieser Abteilung.

2017 wurde Wolfgang im Rahmen der ZDRK-Bundestagung in Isernhagen in Würdigung seiner Verdienste um die Deutsche Rasse-Kaninchenzucht zum Ehren-meister der Deutschen Rassekaninchenzucht ernannt und erhielt damit die höchste Auszeichnung im ZDRK. Wir gratulieren an dieser Stelle herzlichst. Des Weiteren ist er bereits seit einigen Jahren Ehren-vorsitzender im RKZV R 130 Frechen-Altstadt e.V., Ehrenvorsitzender im Herdbuch des LV Rheinland, Ehrenmitglied in der Preisrichtervereinigung Köln, Ehrenmitglied im LV Rheinland sowie Meister des Zentralverbandes Deutscher Rasse-Kaninchenzüchter.
 

Die Leidenschaft für die Japaner und Blauen Holicer

Aktuell beheimaten die Japaner und die Blauen Holicer seine Stallungen. Der Reiz an den Lohkaninchen schwand etwas – auch aufgrund der doch teilweise geringen Wurfstärke. Denn diese war notwendig, um entsprechende Herdbuchzucht zu betreiben.

Für die Japaner entschied er sich, da sie im Landesverband nach Versterben des letzten Japanerzüchters nicht mehr unter den Rheinischen Kaninchenzüchtern vertreten waren. Um jedoch diese wunderschöne Rasse zu erhalten, legte er sich wieder einige Zuchttiere zu, denn vor rund 50 Jahren beheimatete diese Rasse bereits einst seine Stallungen. Nun züchtet er die Japaner mittlerweile seit 10 Jahren. Wolfgang erinnert sich daran, dass er zu beginn Tiere miteinander verpaarte, die im Bezug auf die Zeichnung sehr ansprechend waren und alle den gewünschten Spaltkopf aufwiesen. Die Resultate dieser Verpaarungen entsprachen jedoch so gar nicht dem, was er sich vorstellte. Im Grunde genommen waren kaum Aussteller dabei. Daraufhin erkundigte er sich bei fachkundigen Züchtern und man teilte ihm mit, dass die Zeichnungen dem reinen Zufall unterliegen. Man müsse bei der Verpaarung den Fokus auf schöne Körperformen und gute Fellhaarstrukturen legen – den Rest kann man kaum bis gar nicht beeinflussen. „Und heutzutage findet man wirklich schöne Dichten bei den Fellen vor“, betont Wolfgang. „Auch ist die schwarze Farbe heute deutlich klarer und intensiver und nicht mehr so verwaschen wie früher.“

An Zuchttieren setzt er bei dieser Rasse rund zehn Häsinnen und drei Rammler ein. Bei der Auswahl geeigneter Zuchttiere legt er zum einen großen Wert auf gute Körperformen und Felle, aber auch auf ansprechende Zeichnungen. „Ein Tier mit einem einfarbig schwarzen Kopf oder einer vollständig schwarzen Rumpfseite findet in meiner Zucht keinen Platz.“ Die Wurfstärke liegt im Bereich zwischen sechs und zehn Jungtieren, aber auch Würfe mit 12 Jungtieren sind durchaus keine Seltenheit.

Als weitere Rasse hat er sich den Blauen Holicer verschrieben. Das erste Mal konnte er diese tolle Rasse auf der Europaschau in Leipzig unter die Lupe nehmen und fand umgehend großen Gefallen an diesen Tieren. Das Zusammenspiel des Typs und der Farbe gefielen ihm hierbei sehr. Von einem Züchter aus Bayern erhielt er seine ersten Zuchttiere und züchtet seither mit rund vier Häsinnen und in der Regel einem Rammler. Auch hier sind mitunter recht große Würfe zu erwarten – bis zu 11 Jungtiere liegen da schon mal im Nest. Das wiederum macht es für Herdbuchzucht attraktiv, sodass Wolfgang die Blauen Holicer im Herdbuch züchtet.

Neben qualitativ guten Tieren und einer möglichst hohen Wurfstärke legt Wolfgang zusätzlich großen Wert auf robuste und vitale Tiere. „Ich füttere alles was so kommt.“ Hierzu zählen neben dem Grundfutter Pellets, Heu und Wasser unter anderem auch Müsli, Haselnusszweige, Bananen, Kokosraspeln, Löwenzahn und Klee. Bei leichten Verdauungsschwierigkeiten machte er sehr gute Erfahrungen mit Haferflocken. Geimpft sind auch seine Tiere selbstverständlich gegen RHDV-1 und RHDV-2.

Jugend- und Clubarbeit

Kurz gingen wir auf das Thema Jugend- und Clubarbeit ein. Bei der Jugendarbeit nimmt Wolfgang an, dass häufig sich der Opa um die Tiere seines Enkels kümmert. Einen Aufschwung im Bereich der Jugend brachte für ihn jedoch ganz klar die Sparte „Kanin-Hop“. „Anfangs blickte ich dem Ganzen doch etwas kritisch entgegen, doch heute muss ich diese Zurückhaltung ganz klar revidieren“, erklärt Wolfgang. „Die Nachfrage im Bereich des Kanin-Hop ist nach wie vor hoch. Und wer weiß – vielleicht wächst dadurch der ein oder andere Züchter heran.“

Im Bereich der Clubarbeit konnte Wolfgang in den frühen Jahren nicht wirklich die Kernarbeit – die Zuchtarbeit – erkennen, sondern mehr das Verlangen nach dem Gewinnen eines recht großen Pokals. Doch schaut man sich heutzutage die Rassen an, so ist teilweise bereits der Höchststand der jeweiligen Rasse erreicht. „Es wurden viele Rassen deutlich verbessert“, resümiert Wolfgang. Aus heutiger Sicht sieht er die Clubarbeit sehr positiv und als ein wichtiges Instrument im Rahmen des ZDRK und der organisierten Rassekaninchenzucht.

Auch Wolfgang ist organisiert im Bereich des Clubwesens. Er gründete im Jahre 2012 den Japaner, Rhön & Schwarzgrannen-Club im Rheinland und ist hier als erster Vorsitzender tätig.  Des Weiteren ist er seit zwei Jahren der Rassesprecher der Japaner-Arbeitsgemeinschaft im ZDRK. Hier trifft man sich häufig im Erzgebirge mit sehr sympathischen und eng befreundeten Japaner-Züchtern, mit denen man dann konstruktive und tolle Gespräche führt.

Resümee

Seit mittlerweile 54 Jahren sind Wolfgang und Kunigunde glücklich verheiratet und brachten drei gesunde Kinder hervor, von denen eines einige Zeit ebenfalls aktiv Rassekaninchen züchtete. Seine Frau unterstützt ihn in jeder Situation und stärkt ihm bei allen Angelegenheiten den Rücken. Auch seine Kinder sind zu jeder Zeit vor Ort und unterstützen ihn bei seinem Hobby der Rassekaninchenzucht. Wolfgang setzt sich herausragend für unser Hobby ein – speziell im Bereich der Herdbuchzucht im ZDRK. Ihm gilt daher für seinen unermüdlichen Einsatz ein großer Dank, denn er hat in Zusammenarbeit mit den Herdbuchobmännern der einzelnen Landesverbände viel bewegt. Wir wünschen Dir, Deiner Frau und Deiner Familie weiterhin viel Gesundheit und nach wie vor viel Freude und Erfolg in der Rassekaninchenzucht.

Kürzlich feierte Wolfgang Wüst seinen 75. Geburtstag. Zu diesem besonderen Ehrentag möchten wir die herzlichsten Glückwünsche an unseren Ehrenmeister der Deutschen Rassekaninchenzucht überbringen.


Ralf Adams 
 

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