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16. Dezember 2018 |
Tipps für Anfänger Kaninchenrassen Schaukalender

Willi und Dirk Overhage, Perlfeh und Zwergwidder thüringerfarbig-weiß


Willi und Dirk Overhage

Eine erfolgreiche Zuchtgemeinschaft

kn/Ascheberg. Wenn man die Kataloge der großen Schauen durchblättert, wird man bei den Perlfeh und den Zwergwiddern thüringerfarbig-weiß immer auf die Zuchtgemeinschaft Overhage treffen. Die Bundes- sowie Bundes-Rammlerschauen, die Überregionalen Widderclub-Vergleichsschau, die Landesschau Westfalen und die Allgemeine Niedersächsische Kaninchenschau in Osnabrück gehören zu den festen Terminen der engagierten Zuchtgemeinschaft. Über die Jahre konnten zahlreiche Titel errungen werden. So stellten Vater und Sohn bereits drei Mal einen Bundessieger, zahlreiche Landesmeister und Niedersachsenmeister. Die bisher höchste Auszeichnung war der Europameister 2006 in Leipzig. Und auf den noch fehlenden Deutschen Meistertitel wird kontinuierlich weiter hingearbeitet.

Interessant sind immer wieder die Geschichten, wie jemand zur Rassekaninchenzucht gekommen ist. Bei Overhages war es so, dass Vater Willi schon vorher Schlachtkaninchen gezogen hat. Im Jahr 1980 bot ihm der damalige Vorsitzende des Ortsvereins eine Großchinchilla-Häsin an. Diese sollte er unter der Bedingung bekommen, dass er dem Verein beitritt. Und so begann die Züchterlaufbahn. Im folgenden Zuchtjahr wurde ein Wurf mit der Häsin gezogen. Ein Vereinskollege meinte, dass alle Häsinnen aus dem Wurf nicht brauchbar seien und so schlachtete der damalige Anfänger diese. Behalten wurde nur ein Rammler, der dann sogar zur Kreisschau gemeldet wurde. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen. Es war damals mit 97,0 Punkten der beste Rammler der Schau! Dieser Rammler wurde in den Folgejahren zum Vergleich genommen, um selber besser einschätzen zu können, welche Nachkommen gut und welche nicht so gut für die Ausstellung sind. Auf diesem Wege konnten schnell selber Erfahrungen gesammelt werden.

Ab 1985 kamen dann die Perlfeh als Hauptrasse in den Stall. Diesen sind Willi und Dirk bis heute treu geblieben. Seit etwa zehn Jahren bevölkern zudem die Zwergwidder in thüringerfarbig-weiß die Stallanlage der Zuchtgemeinschaft Overhage. Diese wurden damals aus einer Zuchtaufgabe übernommen. Als dritte Rasse kann man die eisengrauen Zwergwidder bewundern, die eher in einem kleineren Rahmen gezogen werden.

Zuerst haben wir uns die Zuchtanlage im Garten von Vater Willi angeschaut. Die Wurfställe sind in Eigenkonstruktion aufgemauert und mit Rosten ausgestattet worden. Für Häsinnen mit Jungtieren steht jeweils eine Doppelbucht zur Verfügung, wobei die Hälfte dann mit Stroh eingestreut wird. Im Winter kann die Zuchtanlage geschlossen werden, sodass auch die ersten Würfe sicher aufgezogen werden können.

Eine Besonderheit sind die Wurfkisten, die in Zusammenarbeit mit einem Vereinskollegen gebastelt wurden. Als Material wurden siebdruckbeschichtete Sperrholzplatten verwendet. Der erhöhte Ausgang der Wurfbox verhindert, dass die Häsin nach dem Säugen Jungtiere mit hinausschleppt. Im Nestbereich wurde unter der Bodenplatte partiell ein Heizelement angebracht, das etwa die Größe einer Postkarte hat und eigentlich im Automobilbereich für Außenspiegel eingesetzt wird. Mit dieser Konstruktion wurden gute Erfahrungen gemacht. Willi Overhage erläuterte dazu, dass auch gar nicht der gesamte Bodenbereich der Wurfkiste beheizt werden muss. Dann würden sich nämlich die Jungen auf die gesamte Fläche verteilen. Bei einer kleineren Fläche liegen die jungen Kaninchen viel enger zusammen, da sie sich die wärmste Stelle suchen.

Die weiteren Ställe sind aus wasserfester Spanplatte bzw. Siebdruckplatten und alle mit Rosten und Kotschubladen ausgestattet. Bei dieser Haltungsform fällt wenig Mist an, den man im Siedlungsgebiet nur schwer entsorgen kann.

Die Zuchtanlage am Haus von Dirk Overhage ist in einem schönen Gartenhaus untergebracht. Hier sitzen überwiegend Jungtiere des laufenden Zuchtjahres, die schon einmal genauer unter die Lupe genommen werden.

In der Zucht hat es sich immer bewährt, mit ein paar Züchtern eng zusammen zu arbeiten. Die beiden Züchter erläuterten, dass man nicht voran kommt, wenn man jährlich auf Ausstellungen ein paar hochbewertete Tiere kauft und sofort im ersten Jahr einen Erfolg erwartet. Bei den Perlfeh arbeiten die beiden Züchter eng mit Heinrich Rademaker (LV Weser-Ems), Heiko Semmel (LV Hessen-Nassau) und Heinz Billmann (LV Rheinland) zusammen. Bei neuen Zuchttieren sollte man möglichst in seiner Linie bleiben und nicht immer wieder ganz fremde Linien einpaaren. Weitere Aspekte einer erfolgreichen Zucht sind laut der Zuchtgemeinschaft Overhage Ausdauer, eine gewisse Zielstrebigkeit, die Fütterung und natürlich ein „glückliches Händchen“. Zudem ist wichtig, dass man das ganze Jahr kontinuierlich bei der Sache ist.

Bei Willi und Dirk werden die Kaninchen zweimal täglich gefüttert. Es wird auf eine abwechslungsreiche und nicht zu starke Fütterung geachtet.
Die Tiere bekommen Pellets, Strukturfutter, Heu und Möhren. Zur Abwechslung gibt es auch mal Haselnuss- oder Brombeersträucher.

Für die Zucht der Perlfeh finden die beiden es nicht unbedingt sinnvoll, dass die bläuliche Unterfarbe im Afterbereich gefordert ist. Wenn diese gut vorhanden ist, werden meistens die Deckfarben dunkler und die Perlung geht zunehmend verloren. Bei den Perlfeh wird im Schnitt mit zwei Rammlern und vier Häsinnen gezüchtet.


Zwergwidder thüringerfarbig-weiß

Bei den Zwergwiddern thüringerfarbig-weiß wird dagegen mit drei Rammlern und acht Häsinnen gezüchtet. Hier spielt natürlich die Spalterbigkeit eine große Rolle. Mit Glück hat man zwei bis vier Schecken in einem Wurf. Die anderen Jungtiere sind einfarbig. Hinzu kommt, dass man bei den gescheckten Tieren auch Zeichnungsfehler hat. Diese Jungtiere werden meist frühzeitig als „Spieltiere“ abgegeben.

In der Zucht wird darauf geachtet, dass die Häsinnen nicht zu klein und typisch sind. Diese werden oft nicht tragend. Die Erfahrung hat gezeigt, dass Häsinnen, die im oberen Bereich der Gewichtsskala liegen, auch eine ansprechende Zahl an Jungtieren bringen. Bei den Rammlern hingegen achtet die Zuchtgemeinschaft Overhage auf kleine, widdertypische Tiere. Hier arbeitet man mit dem befreundeten Züchter Karl-Heinz Martin aus dem LV Hessen-Nassau zusammen.

Die eisengrauen Tiere, die aktuell nicht nur bei den Zwergwiddern sehr beliebt sind, benötigen auch ein gewisses Maß an Erfahrung. Obwohl es eine einfarbige Rasse ist, fallen hier nicht nur gleichfarbige Nachkommen. Neben den eisengrauen Jungtieren fallen auch schwarze.

Insgesamt züchten Willi und Dirk Overhage jährlich 70 bis 80 Jungtiere. Dafür stehen 65 Buchten zur Verfügung. In jeder Schausaison werden mindestens acht, überwiegend auch größere Schauen, mit den Kaninchen beschickt. Gerade auf den größeren Schauen ist es interessant, mit Züchtern der gleichen Rasse im Wettstreit zu stehen.

Neben der züchterischen Tätigkeit sind die beiden auch in verschiedenen Vorständen aktiv. Willi Overhage ist 2. Vorsitzender des örtlichen Vereins W 314 „Wellpütt“ Herbern. Mit ihren Widdern sind sie zudem Mitglied im Widderclub Grenzland. In diesem noch recht jungen Club ist Dirk Zuchtwart. Außerdem hat Dirk Overhage im Jahr 2002 die Preisrichterprüfung abgelegt und ist seitdem auf vielen Schauen im Einsatz. In der Preisrichtergruppe Hamm bekleidet er das Amt des Kassierers.

Auch in diesem Jahr konnte man schon zahlreiche vielversprechende Jungtiere sehen, die bestimmt ihre Punkte auf den Schauen machen werden. Ich wünsche dabei viel Erfolg und bedanke mich bei der Gelegenheit noch einmal für die tollen Einblicke in die Zucht.

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