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16. Dezember 2018 |
Tipps für Anfänger Kaninchenrassen Schaukalender

Wie entstehen Kaninchenkrankheiten?

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  Ein rundum zufriedenes
  und gesundes Kaninchen

Gesunde Kaninchen - Kranke Kaninchen

Vor der Darstellung einzelner Krankheitsbilder sollen einige wichtige Grundbegriffe der Tiermedizin erläutert werden. Gesunde Kaninchen zeigen eine völlig ungestörte Funktion aller Organsysteme. Sie nehmen ihre Umgebung wahr, sie reagieren auf Reize aus der Umwelt, sie fressen normal, ihre Kotballen sind geformt, sie laufen umher, Trächtigkeit, Geburt und Jungtieraufzucht verlaufen ungestört, im Stall ist kein Niesen oder Schnupfen zu hören, Haut und Haare zeigen keine Verschorfungen oder Verschmutzungen. Ein gesundes Kaninchen macht einen rundherum zufriedenen Eindruck – sei es, dass es als Einzeltier in der Wohnung umherläuft, in der Rassekaninchenzucht eingesetzt oder unter wirtschaftlichen Bedingungen gehalten wird.
  
Eine Krankheit entsteht durch Störung oder Schädigung der normalen Körper- und Organfunktionen. Als Folge dieser Störungen oder Schädigungen entstehen vorübergehende oder bleibende Einschränkungen der Funktions- und Gebrauchsfähigkeit. Sie können als Allgemeinerkrankung den gesamten Körper des Tieres erfassen oder nur einzelne Organe betreffen (Organerkrankung). Solche Organerkrankungen können ohne Folge für das Kaninchen sein, oder sie breiten sich weiter im Körper aus und führen dann auch zur Allgemeinerkrankung.
   
Die Entstehung von Krankheiten ist abhängig von:
 
– der Gesamtverfassung des Tieres (Konstitution),
– der Krankheitsbereitschaft (Disposition) und
– der Einwirkung innerer und äußerer Krankheitsursachen.
  
Die Gesundheit des Kaninchens wird also nicht nur vom Tier beeinflusst, sondern ganz entscheidend für die Gesundheit sind die Einwirkungen aus der Umgebung der Tiere und das Vorhandensein von Krankheitserregern.
Auf Grund dieser Bedingungen kann es durchaus vorkommen, dass Kaninchen unter gleichen Umwelteinflüssen gehalten, gefüttert und versorgt werden und nur einzelne Tiere erkranken, während andere, auch Stallnachbarn, sich bester Gesundheit erfreuen.
 
Zur Krankheitsabwehr steht dem Kaninchen wie den anderen Säugetieren ein komplexes Abwehrsystem (Immunsystem) zur Verfügung, welches sich in einem wohl abgestimmten Gleichgewicht zur Umgebung findet. Dieses empfindliche Gleichgewicht kann sehr leicht gestört werden, so dass es zum Ausbruch einer Erkrankung kommt. Beispielsweise sind fast alle Kaninchen von Kokzidien (einzellige Parasiten) befallen, ohne dass eine Erkrankung festgestellt wird: Zwischen Parasit und Wirt besteht ein Gleichgewicht. Stress durch Schwergeburt, Absetzen oder schlechtes Stallklima stören das Gleichgewicht. Die Kokzidien können sich im Tier vermehren, weil die Körperabwehr nicht mehr ausreicht. Dann entwickelt sich die Kokzidiose zur Krankheit. An der Entstehung einer solchen Erkrankung sind mehrere Faktoren beteiligt: Man spricht von multifaktoriellen Krankheitsursachen. Das Körperabwehrsystem reagiert also einerseits höchst empfindlich auf belastende Faktoren; andererseits ist es durchaus in der Lage, das Kaninchen vor Krankheiten zu schützen, indem spezifische und unspezifische Abwehrstoffe gebildet werden. Die Auseinandersetzung mit einem nicht-körpereigenen Stoff (z. B. Viren, Bakterien) führt immer zur Aktivierung des Immunsystems und zur Bildung von spezifischen Abwehrstoffen. Diesen Vorgang macht man sich bei der Impfung zu Nutze: Man verabreicht dem Kaninchen einen Krankheitserreger in abgetöteter oder abgeschwächter Form. Der Körper produziert daraufhin spezifische, gegen diesen Erreger gerichtete Abwehrstoffe, die ihn nach Eintritt der vollen Immunität vor den entsprechenden Krankheitserregern schützen. Ein gut funktionierendes Immunsystem ist der beste Garant für die Kaninchen-Gesundheit.

Krankheitsursachen und Gesundheitskontrolle

Erkrankungen äußern sich durch mehr oder weniger deutliche Symptome.

Diese Symptome können sein:

– fehlende Futteraufnahme, Appetitlosigkeit,
– veränderter Kot, Durchfall,
– Aufblähen des Bauches, gluckernde Geräusche beim Befühlen,
– erschwerte Atmung, Flankenschlagen, verklebte, verkrustete
   Nasenöffnungen, Nasenausfluss, verschmutzte Innenflächen der
   Vorderläufe,
– Kopf-Schiefhaltung, Gleichgewichtsstörungen,
– Augenausfluss, Verdickung der Augenlider, Verkleben der Augenlider,
– Gewichtsverlust, Abmagerung,
– Hautverletzungen, Hautentzündungen mit Verdickungen, Abszesse in der
   Haut oder Unterhaut,
– Haarausfall, Haarlosigkeit (herdförmig bis allgemein),
– Veränderungen am Gesäuge,
– Veränderungen an den Geschlechtsorganen (männlich oder weiblich).

Krankheitsursachen können sein:
 
– Erbfehler,
– Ernährungsfehler,
– Haltungsfehler,
– Infektionen durch Viren, Bakterien, Pilze, ein- oder mehrzellige Parasiten,
– Vergiftungen,
– Verletzungen.

Wichtig für die Erkennung einer Erkrankung ist die genaue Beobachtung der Tiere oder des Einzeltieres, damit Abweichungen vom Normalen frühzeitig erkannt werden. Je schneller Veränderungen beim Tier festgestellt werden, desto besser sind die Heilungschancen.
 
Wichtig sind:
 
– genaue Beobachtung und regelmäßige Kontrolle der Tiere,
– richtige Beurteilung der Krankheitszeichen, keine lange Verzögerungen bei
   der Erstellung der Diagnose (der Tierarzt ist behilflich),
– frühzeitig einsetzende Behandlungsmaßnahmen durch den Tierarzt.

Erbfehler in Form von Missbildungen an den Gliedmaßen oder am Kopf sind bei Kaninchen seltene Vorkommnisse und haben kaum eine größere Bedeutung.

Ernährungsfehler sind dagegen häufig zu beobachten. Sie entstehen durch die Verfütterung von verdorbenen Pflanzenteilen (gegorenes, schimmeliges Futter) oder durch eine fehlerhafte Zusammensetzung des Futters, so dass es zu Vitamin- und Mineralstoffmangel oder Unterversorgung kommt. Außerdem ist zu beobachten, dass durch die Verfütterung von Grünpflanzen Krankheitserreger wie Viren und Bakterien eingeschleppt werden können, die von Wildkaninchen stammen. Die Viren der RHD und Myxomatose werden aber vor allem über Insektenstiche von Wild- auf das Hauskaninchen übertragen. In der Wohnung gehaltene Kaninchen benagen oft alle erreichbaren Grünpflanzen, aber auch Einrichtungsgegenstände.

Stresssituationen führen oftmals zur Verminderung der Körperabwehr und bieten krankmachenden Mikroorganismen die Gelegenheit, sich zu vermehren und eine Infektionskrankheit zu verursachen. Als Infektion bezeichnet man das Eindringen, Haften, Vermehren und Ausbreiten von Krankheitserregern in einem Wirtsorganismus. Von einer Infektionskrankheit spricht man, wenn als Folge einer Infektion Krankheitserscheinungen auftreten.

Infektionskrankheiten entstehen durch:
 
– direkte Schädigung einzelner Organe (Organerkrankung) oder des gesamten
   Organismus (Allgemeinerkrankung) durch die Krankheitserreger (Viren,
   Bakterien, Pilze, ein- und mehrzellige Parasiten),
– Bildung von Giftstoffen (Toxinen) durch die Erreger (Organ-,
   Allgemeinerkrankung).

Viren sind kleinste Krankheitserreger, die sich nur innerhalb lebender Zellen vermehren und bei allen Säugetieren Krankheiten verursachen können. Die Vermehrung der Viren geschieht in der lebenden Körperzelle mit deren Hilfe und deren Stoffwechsel. Viren befallen meist bestimmte Organsysteme und lösen durch Zellschädigungen die typischen Organerkrankungen aus, z. B. Atemwegserkrankungen (Influenza-Viren, Darmerkrankungen (Rota-Viren), Hauterkrankungen (Myxomatose). Allerdings sind auch Allgemeinerkrankungen mit schwerwiegendem Krankheitsverlauf bekannt (RHD). Da für die Virustherapie in der Tiermedizin nur bedingt Medikamente (Interferon) zur Verfügung stehen, kann lediglich versucht werden, die Organschäden zu lindern, d. h. es werden die Symptome behandelt. Meist sind jedoch vorbeugende Schutzimpfungen möglich, gut wirksam und anzuraten.

Bakterien sind einzellige Lebewesen. Nur ein kleiner Teil aller vorkommenden Bakterien hat krankmachende Wirkung. Bakterien sind gekennzeichnet durch:
 
– eine Zelle mit kernähnlicher Struktur,
– einen eigenen Stoffwechsel,
– Vermehrung durch Teilung,
– Anzüchtbarkeit im Labor auf unbelebten Nährböden (Agarmedien).
 
Zur Vermehrung mit Anzüchtung benötigen die Bakterien eine günstige Umgebung und optimale Temperaturen (Hautbakterien ungefähr 28–30 °C, andere Bakterien 37 °C). Einige Bakterien können auch in der Umgebung der Tiere mehrere Jahre überleben und ansteckungsfähig bleiben (Desinfektion beachten!).

Pilze vermehren sich durch Teilung und Sprossung. Sie verursachen als so genannte Dermatophyten Hauterkrankungen und – wenn sie mit verschimmeltem Futter aufgenommen werden – Darmerkrankungen. Unter den Pilzen gibt es aber auch Toxinbildner, diese Toxine können die Organe schädigen.

Als Parasiten werden einzellige (Protozoen, z. B. Kokzidien) oder mehrzellige (z. B. Würmer) Lebewesen aus dem Tierreich bezeichnet, die auf Kosten der Kaninchen leben. Sie können als Innenparasiten (Endoparasiten) im Körperinneren (z. B. im Darm) leben oder sie schädigen als Außenparasiten (Ektoparasiten) Haut und Haare der Tiere.

Endoparasiten befallen die Wirtskaninchen, wenn diese – meist mit dem Futter – die ansteckungsfähigen Stadien aufnehmen. Im Tier entwickeln sich die mehrzelligen Parasiten zu erwachsenen Würmern, die wieder Eier ablegen; diese werden mit dem Kot ausgeschieden. Die einzelligen Parasiten vermehren sich zunächst ungeschlechtlich, um schließlich über die Ausbildung von männlichen und weiblichen Zellen auch Dauerformen zu bilden, die als Oozysten ausgeschieden werden. Die Zeit von der Aufnahme der Parasiten bis zum Ausscheiden der Parasiteneier ist die Präpatenzperiode. Die Kaninchen sind während dieses Zeitraumes schon von den Parasiten befallen, aber der Befall lässt sich durch eine parasitologische Kotuntersuchung nicht nachweisen. Wurmmittel richten sich in den meisten Fällen gegen die erwachsenen Würmer, so dass eine Bekämpfung der Parasiten in der jugendlichen Phase oft nicht die gewünschte Wirkung hat. Der für die Kaninchen besonders problematische Kokzidienbefall muss mit einem spezifischen Kokzidienmittel behandelt werden. Eine parasitologische Kotuntersuchung zur Feststellung, um welchen Parasitenbefall es sich handelt, ist Voraussetzung einer erfolgreichen Behandlung. Da die Übertragung der Parasiten immer über die Außenwelt erfolgt, kann durch entsprechende Desinfektion und Hygiene der Parasitenkreislauf auch außerhalb des Tieres unterbrochen werden. Dazu müssen spezielle parasitenwirksame Desinfektionsmittel eingesetzt werden. Auch Außenparasiten sind auf diesem Wege zu bekämpfen.

Verletzungen fügen sich die Kaninchen häufig gegenseitig bei Beißereien zu. Solche Beißereien entstehen durch Rangordnungskämpfe unter heranwachsenden männlichen Tieren oder wenn die Besatzdichte in einem Käfig zu groß ist. Fehlerhafte Käfigkonstruktionen führen zu Hängenbleiben mit den Gliedmaßen. Scharfe Ecken und Kanten sind oft die Ursache für Hautverletzungen. Falsches Festhalten durch unerfahrene Tierhalter hat schon häufig zu Frakturen der Wirbelsäule geführt.

Vergiftungen (Intoxikationen) entstehen durch die Aufnahme von Giftstoffen mit dem Futter. Als mögliche Gifte kommen Pflanzengifte, Schwermetalle, Insektenbekämpfungsmittel und Pflanzenschutzmittel in Frage.

Diagnosestellung

Um eine Erkrankung zu erkennen, sollten anhand einer Checkliste mögliche Einflussfaktoren und Krankheitszeichen zusammengetragen werden. Dies erleichtert dem zu Rate gezogenen Tierarzt die Arbeit, ist aber auch für den Tierhalter hilfreich und lässt ihn oft schon selbst Krankheitsursachen erkennen. Um zu einer sicheren Diagnose einer Erkrankung zu kommen, sind oft Untersuchungen verschiedener Proben in einem Laboratorium notwendig:

1. Proben zur bakteriologischen Untersuchung
 
– Tupferproben von Nasen, Augen, Rachen, Ohren, Kot, Scheidenausfluss,
   Abszessinhalt, Urin u.a.
– Milchproben, Kotproben, Spermaproben, Hautproben.
 
Diese Proben sollten mit entsprechenden, sterilen Tupfern genommen werden und zur Vermeidung der Austrocknung während des Transportes (Postversand) in einem Transportmedium aufbewahrt werden. Milch-, Kot-, Harn- und Spermaproben müssen in sterilen, auslauf- und bruchsicheren Gefäßen verschickt werden.
 
– Organe oder Organteile von gestorbenen Tieren bzw. geschlachteten Tieren.
 
Bei Versand solcher Proben ist es wichtig, dass diese schnell und gekühlt in ein Untersuchungslabor geschickt werden. Besser ist, wenn der Tierhalter
diese Proben in das Labor bringt und dabei gleich über das vorliegende Problem berichtet.

2. Proben zur parasitologischen Untersuchung
 
– Kotproben: Die Proben müssen frisch entnommen werden, für den Versand
   gilt oben Gesagtes,
– Haut- und Haarproben: Von erkrankten Hautstellen müssen aus den
   Randbezirken die Proben genommen werden. Hautproben sollten so
   genommen werden, dass die Oberfläche abgeschabt wird.
  
Werden Proben an ein Untersuchungslabor geschickt, sollten diese von einem guten Vorbericht begleitet sein, damit im Labor das Krankheitsproblem richtig eingeordnet wird.

Aus: Winkelmann „Kaninchenkrankheiten“

 

   
Kaninchenkrankheiten. Johannes Winkelmann.
112 S., 61 Farbf., 17 Zeichn., 17 Tabellen, kart.
ISBN 978-3-8001-4230-9.
Preis inkl. MwSt. € 29,90

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