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13. Dezember 2017 |
Tipps für Anfänger Kaninchenrassen Schaukalender

Wetterumschwung setzt unseren Kaninchen zu

Erst Hitze, dann Gewitter ….

Die Haltung und Zucht von Kaninchen hat sich in den letzten Jahren stark verändert. So haben unsere Kaninchen gerade im Sommer nicht nur mit Hitze zu tun, sondern auch mit starken Wetterumschwüngen und Temperaturschwankungen. Ein Sommer, wie er früher einmal war, mit durchgehenden langen warmen Sommertagen gibt es in der heutigen Zeit leider nicht mehr. Bundesweit verzeichnen wir nach extrem warmen Sommertagen einen gleichzeitigen Absturz von Temperaturen durch Auftreten von Gewittern und Unwettern, gerade das setzt unseren Tieren sehr zu. Jedem ist bekannt, dass gerade die Tiere diese Unwetter, das Donnern und Blitzen, nicht zuordnen können. Die daraus ständig entstehenden Luftdruckveränderungen verursachen einen für uns auf den ersten Blick nicht erkennbaren Stress bei unseren Kaninchen.

Wie geht der Organismus der Kaninchen mit schwankenden Temperaturen um?

Kaninchen reagieren ausgesprochen empfindlich auf schwankende Temperatureinflüsse.  Oft spüren sie anstehende Wetterveränderungen weitaus früher, als wir Menschen. Dies liegt an ihrem ausgeprägten Temperaturwahrnehmungssinn, der wie bei allen Säugetieren auch als Thermorezeption bezeichnet wird. Nervenzell-Endungen in der Haut von Kaninchen oder auch in deren Schleimhäuten dienen als Temperaturwahrnehmungsorgan. Sie erzeugen bestimmte Nervenimpulse, die sich nach Abhängigkeit von der Temperatur verändern und über Nervenfasern ins Gehirn weitergeleitet werden.

Die Warm- und Kaltrezeptoren unserer Kaninchen spielen dabei die Hauptrolle. Sie senden bei gleichbleibender Temperatur stets eine konstante Zahl an Impulsen an das Gehirn. Eine plötzliche Temperaturveränderung beantworten die Rezeptoren mit einer sprunghaften, „überschießenden“ Änderung der Impulsfrequenz bis auf einen Maximal- bzw. Minimalwert, je nach Anstieg oder Abfall der Temperatur. Im Anschluss pendelt sich dann die Frequenz auf einen neuen (höheren oder tieferen) Wert ein.

Ändert sich entsprechend die Temperatur in einem ständigen Wechsel und treten dabei sogar große Schwankungen auf, wie wir sie in der Vergangenheit oft feststellen mussten (von 12 Grad auf über 30 Grad und wieder zurück), hat der gesamte Organismus unserer Kaninchen damit zu tun, sich auf die neuen Verhältnisse einzustellen.

Auch Luftdruckveränderungen als Folge setzen hierbei den Tieren zusätzlich zu. Hinzu kommt, dass die Thermoregulation unserer Kaninchen auf Hochtouren läuft. Bei Wärmeanstieg muss das Herz der Tiere dafür sorgen, dass das aufgewärmte Blut auf dem schnellsten Weg abgekühlt wird, um einen möglichen Hitzschlag zu vermeiden. Der Blutdruck der Tiere steigt somit an, damit die überschüssige Wärme über die Ohren, die als einziges Organ zu deren Thermoregulation dienen, aus dem Körper transportiert werden kann und das Blut sich entsprechend abkühlt. Sinkt die Temperatur, so senkt sich auch der Blutdruck und der Puls der Tiere wieder ab. Gerade bei geschwächten und älteren Tieren wird dadurch der Kreislauf stark beansprucht.

Als Folge entwickeln unsere Tiere einen für uns auf den ersten Blick nicht erkennbaren Stress, der sich in erster Linie in Form von Fressunlust  erkenntlich zeigt. Die Kaninchen bauen innerhalb kürzester Zeit an Substanz ab und werden somit in ihrer Entwicklung erheblich gestört. Stress drückt bekanntlich auch wie beim Menschen auf die Abwehrkräfte. Unregelmäßige Futteraufnahme mindert die so wichtige kontinuierliche Durchläufigkeit des Magen- und Darmtraktes. Darmerkrankungen, wie Kokzidiose oder sogar Enterocolitis, haben entsprechend ebenso leichtes Spiel, wie Endo- und Ektoparasiten (z.B. Milben), für die das feucht-warme Klima ein willkommenes Zuhause ist.

Langanhaltender Stress kann aber auch zahlreiche andere Krankheiten nach sich ziehen. Häufig tritt gerade in den Sommermonaten der so genannte „Stressschupfen“ auf, der nur schwer von dem ansteckenden Kaninchenschnupfen zu unterscheiden ist. Durch die beschleunigte Atmung der Tiere, wie sie bei Stresssituationen hervorgerufen wird, erweitern sich die Gefäße und sondern so teils Schleim ab, der sich dann in Ausfluss aus der Nase erkenntlich zeigt. Hält dies über einen längeren Zeitraum an, so können Bordetellen und Pasteurellen die Atmungsorgane der Kaninchen befallen und der vorerst „harmlose“ Stressschnupfen entwickelt sich über kurz oder lang zum ansteckenden Kaninchenschnupfen.

Krankheitserreger können allgemein bei dieser Witterung schneller übertragen werden, als bei gleichbleibenden warmen Temperaturen. In den durch Starkregen überschwemmten Gebieten kann dies vor allem durch die Vielzahl von Insekten geschehen. Die Verbreitung von Myxomatose-Viren, sowie RHD- und RHDV-2- Viren erfolgt bekanntlich auf einem rasanten Weg, den wir bisweilen nicht aufhalten können. Das einzige, was uns übrig bleibt, ist entsprechende Vorkehrungen und Schutzmaßnahmen zu treffen.

Wie können wir Züchter bei Hitze unterstützend einwirken?

In der Regel kommen Kaninchen mit gleichbleibenden Wetterverhältnissen und leichten Temperaturschwankungen relativ gut zurecht; sie sind in der Lage, sich innerhalb kürzester Zeit auf diese einzustellen und auch zu reagieren. Heutzutage beobachtet man jedoch, dass viele Tiere mit den sehr stark schwankenden Temperaturen mit häufigen Fellwechseln reagieren. Teilweise beobachten wir auch, dass die Tiere gar nicht mehr durch die Haarung kommen, da der gesamte Organismus der Tiere durcheinander ist und sich stets auf die neuen Verhältnisse einstellen muss.

So stehen wir Züchter in der Pflicht, es unseren Tieren an heißen Sommertagen so leicht wie möglich zu machen. Dabei können wir mit folgenden Dingen unterstützend dazu beitragen:

Frisches Wasser

Kaninchen benötigen an heißen Tagen ausreichend frisches Wasser, denn die Hauptfunktion des Trinkens bei Hitze besteht darin, den Flüssigkeitsverlust im Körper auszugleichen. Dabei sollte allerdings darauf geachtet werden, dass nicht zu kaltes Wasser gereicht wird, da kaltes Wasser im Körper des Tieres das falsche Signal auslöst. Die äußere als auch die innere Temperatur des Tieres wird über Sinneszellen wahrgenommen. Kaltes Wasser übermittelt diesen Zellen allerdings die Information, dass die Körpertemperatur angehoben werden muss, was somit genau das Gegenteil bewirkt. Die optimale Wassertemperatur sollte daher bei 20 bis 25 Grad liegen, um den Körper der Tiere bei der Abkühlung zu unterstützen.

Tipp: Dem Trinkwasser gelegentlich Vitaminzusätze beimischen. Erhöhter Flüssigkeitsverlust kann zu einer Vitamin- und Mineralstoff-unterversorgung führen. 

Eine Bodenfliese sorgt für Kühlung.

Für frische Luft sorgen

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass für genügend Frischluftzufuhr gesorgt wird. Dabei empfiehlt es sich, Fenster und Türen weitestgehend zu öffnen, damit die Luft im Stall ausreichend zirkulieren kann. Reicht diese Zirkulation nicht aus, so empfiehlt es sich, Ventilatoren im Stall aufzustellen. Weiterhin sollte direkte Sonneneinstrahlung auf die Tiere unterbunden werden.

Tipp: Von Wässerung der Stallgasse oder Aufhängen von feuchten Tüchern ist empfehlenswerter Weise Abstand zu halten. Es entsteht durch die Verdunstung des Wassers ein subtropisches Klima. Die Luftfeuchtigkeit im Stall steigt enorm an, so dass Sauerstoff nicht mehr ausreichend transportiert werden kann. Die Gefahr einer Erstickung der Tiere steigt! Zudem wird ein zusätzlicher Nährboden für Bakterien geschaffen.

Ausmisten

Bei Hitze sollte in geringen Abständen der Stall gemistet werden, denn durch die biologischen Prozesse erzeugt Mist bekanntlich zusätzlich Wärme in den Buchten der Tiere. Ist der Stall frisch gemistet, so haben die Kaninchen die Möglichkeit, die Einstreu zur Seite zur ragen, um sich dort auf der Kotwanne oder auf dem Stallboden Kühlung zu verschaffen. Durch frische Einstreu entsteht zudem keine zusätzliche Belastung durch Ammoniak.                  

Fütterung

Es empfiehlt sich gerade bei Hitze, den Tieren in den Abendstunden, wenn sich die Temperaturen absenken, das tägliche Futter zu reichen. Dabei sollten die Nippeltränken stets auf ein eventuelles Leerlaufen überprüft werden. Sollte bei vereinzelten Tieren eine Fressunlust auftreten, dann sollte man keinesfalls einen Futterwechsel vornehmen, denn sobald sich das Tier erholt hat, so wird der Appetit auch wieder angeregt werden. Um einen Flüssigkeitsverlust zusätzlich auszugleichen, kann Grünfutter den Futterplan im Wesentlichen sehr gut aufwerten. Hier ist jedoch zu beachten, dass das Grünfutter nur in der Menge verfüttert wird, die die Tiere auch auffressen. Die Gabe sollte ausschließlich über Raufen erfolgen, denn die Tiere nehmen das Grünfutter häufig an warmen Tagen als Kühlung an und legen sich entsprechend darauf. Somit kommt es zum so genannten „Warmliegen“. Entsprechend sind Futterreste am nächsten Morgen aus den Buchten der Tiere zu entfernen.

Tipp: Bei Zuchttieren ist gerade während der Zuchtruhe auf deren Vitalität zu achten. Übergewichtige Tiere kommen mit Hitze schlechter zurecht als normalgewichtige Tiere. Deshalb sollte das Futter während der Zuchtruhe auf deren Bedürfnisse optimiert werden.

Was tun bei Hyperventilation?

Der gesamte Bestand sollte gerade an warmen Tagen genauestens beobachtet werden. Wirkt ein Tier besonders abgeschlagen, zeigt Fressunlust und hat entsprechend nur wenig getrunken, fällt zudem eine deutlich erhöhte Atemfrequenz und Herzrasen auf, so sind dies meist die ersten Anzeichen einer Hyperventilation. In dem Fall müssen wir als Züchter schnellstens eingreifen. So sollten die Ohren des Tieres mit einem Lappen angefeuchtet und entsprechend gekühlt werden, damit die Thermoregulierung unterstützt wird. Das Kaninchen sollte weiterhin an einen „kühlen“ Ort gebracht werden, bis sich der Kreislauf des Tieres stabilisiert hat.

Tipp: In Salzwasser getränkte Backsteine für kurze Zeit in die Kühltruhe gelegt, halten die Kälte für einen längeren Zeitraum und können dem Tier in die Bucht gelegt werden, damit es sich daran bei Bedarf zusätzlich Kühlung verschaffen kann.

Fazit

Die Haltungsbedingungen gerade im Sommer sind von Stallanlage zu Stallanlage sehr verschieden. Der eine Züchter muss sich mehr Gedanken darüber machen, ein angenehmes Klima für die Tiere zu schaffen, der andere nicht, da seine Stallanlage ganz andere Voraussetzungen mit sich bringt. Die Klimaveränderung macht grundsätzlich nicht nur den Menschen zu schaffen, sondern auch unseren Tieren. Hier als Züchter verantwortungsbewusst und mit dem richtigen Hintergrundwissen zu handeln, macht die warmen Sommertage für unsere Kaninchen angenehmer, denn sie wissen instinktiv was zu tun ist – unsere Aufgabe ist es, sie dabei zu unterstützen und für angenehme Verhältnisse zu sorgen

Marina Walks

 

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