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15. September 2019 |
Tipps für Anfänger Kaninchenrassen Schaukalender

Weiße Hotot

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25 Jahre Zuchterfahrung von Bernhard Glutting

Ich habe sie noch heute, die Fachzeitschrift Deutscher Kleintierzüchter, Ausgabe Kaninchen, Nr. 3, 94. Jahrgang vom 08. Februar 1985. Diese fand ich in unserem damaligen Vereinsheim des SR65 Homburg-Erbach. Hierin ist auf den Seiten 6 und 7 ein Bericht über das Weiße Hototkaninchen von Hans Peter Scholz, RN56. 6 Bilder sind auch mit abgedruckt. 1,1 von Heinz Oelmann, Lippstadt, 1,1 von Palm Norheim, 1,0 von D. Römke und 0,1 von H. Callenbach, Delmenhorst. Als ich diese Bilder sah stand es fest. Das sind sie! Die und keine Anderen. Die müssen her. Faszinierende Schönheiten. Sie hatten etwas Fesselndes. Was genau weis ich bis heute noch nicht. Vielleicht einfach nur das faszinierende und anziehende Gesamtbild.

Da die Weißen Hototkaninchen heute immer noch recht selten sind, sei angemerkt, dass ich zuvor noch kein lebendiges Hototkaninchen gesehen hatte. Als Jugendzüchter gestaltet es sich schon schwierig größere Fahrten in Angriff zu nehmen. Glücklicherweise war es das letzte Jahr in der Jugend. So sah ich allen ernstes mein erstes Hototkaninchen, als ich mir von einem damaligen Spitzenzüchter, Heinrich Kardinal, Gütersloh eine 0-1 schicken ließ und die Transportkiste öffnete. Das Tattoo war W216-154. Dieses Tier war sogar auf der 17. BKS 1985 in Nürnberg ausgestellt, die ich leider nicht besuchen konnte. Dort erreichte das Tier 96,0 Pkt.

Wenn man diese Zeilen so liest, so ist es auch heut zu Tage immer noch sehr schwer vorstellbar, wie ich vor 25 Jahren zu meinem ersten Hototkaninchen kam. So sah ich allen Ernstes mein erstes lebendiges Hototkaninchen als ich die Kiste von Heinrich Kardinal öffnete.
 
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Vielversprechende Junghäsin aus 2010

Wenn man die Qualität der Tiere mit dem heutigen Zuchtstand vergleicht, liegen teilweise sicherlich Welten dazwischen. Für mich waren die Tiere damals einfach faszinierend und einfach wunderschön. Somit hatte ich eines von meinen 3 Start-Tieren mit denen alles begann. Mit nur einer Häsin lässt sich nunmehr schwer züchten. Also musste auch ein 1-0 her. Für mich gab es damals nur eine Adresse. Einen damals weiteren Spitzenzüchter aus Norheim in der Pfalz. Da ich damals schon kein Züchter war der nach Verkaufspreisen züchtete, bezahlte ich vor 25 Jahren für einen 3-jährigen 1-0 100 DM als Jugendzüchter, für das Tier P7-4340. Auch dieses Tier ließ ich mir schicken. Ich wusste wo ich hin wollte und dann spielt etwas Papier keine Rolle bei mir. Liest man einige Leserbriefe in den letzten Jahren in der Fachpresse, so erweckt es schon den Anschein, dass einige Züchter, oder besser gesagt Personen die sich Züchter nennen, anscheinend nach Verkaufspreisen züchten. Diese selbsternannten Züchter sind aber selbst nicht in der Lage Spitzentiere zu züchten, weil sie das Thema Züchten ganz einfach nicht verstanden haben. Ich gehe sogar soweit, dass wenn man solchen Personen ein Spitzentier gibt, sie nicht in der Lage sind, das vorhandene Potential zu erhalten, geschweige denn auszubauen.
 
Viele Jahre später bestätigte sich meine Zuchtauswahl in der Form, dass ich per Zufall einen Katalog von der 16. Bundeskaninchenschau in Hannover am 11.-12. Februar 1984 in den Händen hielt. Hierin ist zu entnehmen, dass Heinrich Kardinal damals Bundesmeister wurde und mein Rammler auf gleicher Schau mit 97,0 Punkten bewertet wurde. Da gerade in der Scheckenzucht 1,1 schon etwas dürftig ist, musste mindestens noch eine 0-1 her. Hier gab es im Saarland, meiner damaligen Heimat, eigentlich nur eine Adresse. Hans-Josef Halletz aus St.Wendel-Bliesen. Dies war wohl einer meiner beeindruckensten Momente als mich mein Vater damals nach St. Wendel-Bliesen fuhr, da ich als Jugendzüchter bekanntlich noch nicht selbst fahren durfte.

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Junghäsin aus 2010, vorzüglich im
Kopf, Ohren und Zeichnung

Der Stall war nicht unbedingt groß, aber einen ganzen Kaninchenstall fast nur mit Hotots besetzt zu sehen, wenn man vorher eigentlich noch keine gesehen hat, war schon phänomenal. Ich genoss einfach nur das Bild in dem Stall mit Weißen Hotots. Ich war einfach hin und weg und konnte mich gar nicht satt sehen. Ich glaube die Qualität der Tiere war völlig nebensächlich. Ich konnte die Qualität der Tiere wohl zum damaligen Zeitpunkt auch noch nicht richtig einschätzen. Ich war einfach nur von dem Gesamtbild unsagbar beeindruckt. Damals hätte man mir fast alles verkaufen können. SR141-4520 war mein Tier, das ich mir sogar unter mehreren aussuchen konnte. Ich hatte auch das gute Gefühl hier einen ehrlichen Züchter vor mir zu haben, der mir nichts Schlechtes gab, was sich im Nachhinein auch bestätigte. Und so fuhr ich in den Folgejahren noch mehrmals zu diesem Züchter um mir dort Tiere zu holen.

Das es eine sehr seltene Rasse, eine nicht gerade gut durchgezüchtete Rasse, eine nicht gerade leicht zu züchtende Rasse war oder dass ich vielleicht noch Jugendzüchter war interessierte mich damals alles nicht. Ich wusste nur, das sind sie. Man könnte auch sagen, Liebe auf den ersten Blick.

Alleine schon diese kurze Einführung kann einem heute deutlich machen, dass Erfolg in der Kaninchenzucht auf anderen Wurzeln wächst als auf dem Gedanken oder der Vorstellung möglichst hoch bewertete Tiere zu kaufen, in dem irrtümlichen Glauben, damit schnell zum Erfolg zu kommen. Hier gehört einfach viel viel mehr dazu als solch banale Gedankengänge und Handlungsweisen.

Wie oben aufgezeigt sind mir die Tattoos der ersten 3 Stammtiere, wie ich sie mal nennen will, noch bekannt. Und nicht nur das. Seit dem ersten Jahr wird bei mir ein lückenloses Zuchtbuch geführt. Das heißt im laufe der Zeit und der Technik ist daraus eine Excel-Datei geworden, bei der ich nach Eingabe des Tieres (Tattoo rechts, Tattoo links) per Knopfdruck einen Zuchtbuchauszug über die letz-ten 7 Generationen bekomme. Ich denke hier muss man nun kein Herdbuchzüchter sein um gerade mal 4 Generationen aufzuzeigen, geschweige den, den „Zuchtbuchauszug“ des ZDRK, wo gerade mal Vater und Mutter aufgelistet sind. Eine saubere Zuchtplanung und Dokumentation ist nicht zwin-gend an eine Herdbuchorganisation gebunden. Es geht auch anders, wobei ich die Form des Herdbuches respektiere und auch akzeptiere.

Diese Datei nehme ich auch hauptsächlich für Zuchtplanungen heran. So können Paarungen simuliert werden und man kann per Knopfdruck, durch die vorherige Eingabe der Tätowierung von Vater und Mutter, die letzten 7 Generationen sehen, von einer Paarung, die man machen möchte.

Theoretisch und praktisch lässt sich diese Ahnenverfolgung auch noch auf weitere Generationen als nur 7 aufzeigen bzw. ausdrucken, jedoch Ausdrucke auf DIN-A4 sind dann nicht mehr sehr gut leserlich. Die letzten 7 Generationen haben sich aber bis Dato als ausreichend bestätigt. Somit kann auch unter anderem genau verfolgt werden, dass ich im ersten Zuchtjahr 15 Tiere tätowiert bekam und der erste Hototwurf bei mir am 14.04.1986 fiel. Auch lässt sich nachverfolgen, dass bis zum heutigen Zeitpunkt, in den letzten 25 Jahren also, genau 1483 Weiße Hotot tätowiert wurden. Somit kommt man auf einen Jahresschnitt von fast exakt 60 tätowierten Weißen Hotot in den vergan-genen 25 Jahren.

Ich denke auch dieser großen Hilfe in Form eines elektronischen Zuchtbuches ist es zu verdanken, dass ich bereits nach 5 Jahren Hototzucht das erste Mal Deutscher Meister wurde. Und wen hatte ich damals geschlagen? Einen einstigen Spitzenzüchter aus Norheim in der Pfalz. Anfänglich gab es noch Stimmen die behaupteten, hier wäre Glück dabei gewesen. Diese Stimmen sind mittlerweile jedoch längst verstummt.

Aber auch solche, nicht gerade schöne Erfahrungen, bei denen einem der Erfolg nicht gegönnt wird, macht man im laufe von 25 Jahren Hototzucht. Die Erfahrung, dass es hier auch Neider und unfähige Züchter gibt macht man allzu oft. Aber wie heißt es so schön, Neid muss man sich erarbeiten. Ferner stehe ich auf dem Standpunkt wer erstmal überhaupt auf Ausstellungen ausstellt hat es grundsätz-lich schon verdient etwas zu gewinnen. Personen gibt es ja auch, welche auf Ausstellungen nahezu herumlungern und behaupten, dass ihre Tiere zu Hause ja viel besser und schöner sind. Auch hier ist jeder weitere Kommentar überflüssig. So etwas ist einfach unterste Schublade und äußerst unfair.

Nach meiner Meinung sollte man eine Kaninchenrasse nach 5 Jahren im Griff haben und sich in der Spitzengruppe auf Bundesschauniveau befinden. Zweifelsfrei spielt hier die Einstellung zu der Rassekaninchenzucht allgemein und seine Zielvorstellungen eine große Rolle. Ich bin mir sicher, wenn ich heute noch einmal bei Null anfangen würde, wäre ich spätestens in 5 Jahren wieder in der Spitzengruppe dabei. Egal in welcher Rasse. Bedeutend ist es hier nicht unbedingt ob man ganz vorne ist. Ausreichend ist es hier in der Spitzengruppe zu sein. Entscheidend ist zu wissen wo man hin möchte und vor allem zu wissen welchen Weg man dahin gehen muss. Will ich schöne Tiere haben und hier beziehe ich Schönheit auf die Standardforderungen oder begnüge ich mit dem olympischen Gedanken dabei zu sein ist alles. Mein Ziel stand fest.

Einen weiteren Faktor zum Erfolg ist sicherlich auch das Fachwissen. Dieses Fachwissen kostet, wie überall im Leben, nun einmal Geld. Viel Geld. Dies wird bei mir unter anderem in Form von über 100 fachliterarischen Werken zu dem Thema Kaninchen bzw. Tierzucht deutlich. In dem Falle ist der Erwerb der Bücher zum einen und zum anderen die Zeit sich mit den Büchern auseinanderzusetzen bzw. sie zu studieren ein weiterer Faktor. Ein geniales Buch, welches ich nahezu studiert habe und eines meiner Ersten war, ist das Buch von Karl Friedrich Dorn, „Rassekaninchenzucht“. Gefolgt von „Vom Wildtier zum Haustier“ von Hans Nachtsheim und Hans Stengel.

Gewiss gab es in all den Jahren auch Situationen, wo es relativ steil den Berg wieder hinunter ging bzw. die Motivation nicht gerade zum Besten stand. Manchmal war ich wirklich kurz davor alles hinzuwerfen, was man sich jahrelang mühevoll aufgebaut hatte. Man fragt sich manchmal schon wofür das Ganze überhaupt? Wozu tust du dir das denn an? Warum machst du dir die Arbeit überhaupt? Warum steckst du da so viel Geld hinein? So gibt es Situationen, in denen man sich ungerecht behandelt fühlt und die Welt nicht versteht.

So zum Beispiel auf der 26. BKS in Bremen, wo die Ausstellungsleitung nicht in der Lage war 40 WH an einem Tag von einer PR-Gruppe bewerten zu lassen. Hier waren 6 Preisrichter an 2 Tagen im Einsatz. Es hat somit die Ausstellungsleitung gegen die Ausstellungsbestimmungen verstoßen und kein Wort der Entschuldigung an den kleinen Züchter gerichtet. Meine Tiere waren damals –zugegeben- nicht reif für den Titel und ehrlich gesagt hätte ich Ihn damals auch nicht verdient gehabt. Aber das ist nicht der Punkt Es geht um das Prinzip und mit welcher Arroganz hier einige Verantwortlichen auftreten und der kleine Züchter ungerecht behandelt wird. Dies ist einfach nicht zu tolerieren.

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Vorzügliche Althäsin aus 2009

Tiefe Wunden sind heute noch von der Bewertung einer vorzüglichen Häsin, anscheinend nur nach meiner Meinung, auf einer bayrischen Landesschau bei mir vorhanden. Hier gab es eigentlich nichts anderes als ein ganz klares „V“. Als ich die Bewertung mit 96,5 Punkten sah und die einzelne Verteilung der Punkte stand für mich fest, keine Landesschau mehr zu besuchen. Der gute Preisrichter hatte sich doch tatsächlich erlaubt das das Tier mit 96,5 Punkten zu bewerten und in der Position 6 (Farbe) mit einer 9,0 abzufertigen. Solch eine Ohrfeige hatte ich noch nie bekommen. Das Tier war samstags bei der Besichtigung immer noch so weiß bzw. schwarz, dass man mindestens eine 9,5 vergeben musste. Auch hier stellte ich mir wieder die Frage, warum ich mich eigentlich das ganze Jahr bemühe die Tiere sauber zu halten und sie dann durch unfähige Personen in Weis wahrhaftig hinrichten zu lassen. Anscheinend fehlt hier einigen Personen in Weiß das Verständnis, was sie mit ihrem Urteil bewirken können. Wenn jemand nicht den Mut oder die Fachkenntnis hat, Kaninchen annähernd fair und kompetent zu bewerten, ich erwarte ja keine völlige Konformität mit meiner Bewertung, dann sollten die Personen besser zu Hause bleiben, damit Sie der Rassekaninchenzucht nicht mehr schaden als nutzen. Solche Personen haben trotz des weißen Kittels sicherlich keine weiße Weste.

Die Bewertung der weißen/schwarzen Farbe sind Dinge, die nichts mehr mit einer seltenen Rasse zu tun haben. Weiße Tiere hat man fast auf jeder Ausstellung. Und wenn diese nun mal Weiß sind, haben diese gefälligst auch die volle Punktzahl zu bekommen. Wer schon mal weiße Tiere im Stall gehabt hat und nicht auf Rosten hält, kann meine Äußerungen sehr wohl verstehen. Hier sollte vielleicht jeder Preisrichter mal weiße Tiere im Stall auf Einstreu gehalten haben, damit er dies besser einschätzen kann was es bedeutet ein Tier weiß zu halten. Und wenn es dann weiß ist sollte es auch angemessen bewertet werden und die Pos 6 nicht als „Hilfsposition“ missbraucht werden.

Mir mag es mittlerweile egal sein, aber wenn ich an Züchter denke, die vielleicht nur einmal im Leben ein Spitzentier haben werden diese wohl nie für ihre züchterische Arbeit belohnt.
 
Aber gut, dies sind dann einige Tiefen, die man so im laufe der Jahre durchlebt. Entscheidend scheint zu sein, dass man daraus lernt und die für sich besten Wege geht. Auch hier ist es wieder entscheidend wie man das Ganze verdaut. Leider gibt es einige Züchter, die sich vielleicht zu recht und aus meiner Sicht absolut verständlich aus solchen Gründen der Rassekaninchenzucht abwenden.

In solch beschriebenen Situationen sollte sich der Züchter auf sich und sein Wissen verlassen und nicht zwingend auf den Preisrichter. Deshalb ist es meiner Meinung nach sehr bedeutend, sehr schnell die nötigen Rassekenntnisse und Rasseforderungen zu erlangen. Der Preisrichter ist kein Zuchtrichter. Der Preisrichter hat lediglich zum Zeitpunkt der Bewertung den Zustand eines Kaninchens festzuhalten. Ob dies gut oder weniger gut gemacht wird sei mal an dieser Stelle sekundär.

Zuchtrichter ist der Züchter selbst! Wir Züchter haben die Zucht zu lenken und nicht der Preisrichter.

Von einem Preisrichter kann eben nicht verlangt werden zu wissen, wie gut die Milchleistung eines Tieres ist oder wie hoch die Widerstandskraft eines Tieres ist. Aus den Gründen ist auch eine Bezeichnung eines Preisrichters als Zuchtrichter völlig falsch. Mir ist es doch lieber ich frage den Züchter nach seiner Meinung, der das Tier das ganze Jahr über im Stall hat und will nicht das Preisrichterurteil wissen. Der Preisrichter hat ja das Tier vielleicht gerade mal 5 min vor sich. Wie will da jemand die Milchleistung, die Wurfstärke, die Widerstandsfähigkeit etc. beurteilen können. Geht einfach nicht! Ich bin der Zuchtrichter und nicht der Preisrichter.

In meiner langjährigen Praxis habe ich schon Personen kennengelernt, die grundsätzlich alle Rassekaninchen nach Jungtierschauen geschlachtet haben, die nur mit „gut“ bewertet worden sind. In diesem Zusammenhang habe ich bewusst die Bezeichnung Züchter vermieden. Solche Irrläufer an Personen werden nie zum Erfolg kommen. Aus dem Grund ist es wie bereits angesprochen unsagbar wichtig seine Rasse und die entsprechenden Forderungen bestens zu kennen.

Wenn man 25 Jahre eine Rasse züchtet hat man sicherlich Höhen und Tiefen erlebt. Neben einigen erwähnten Tiefen gab es auch beflügelnde Momente wie zuletzt auf der Bundeskaninchenschau in Karlsruhe. Einfach geil! Ein selbst für mich ungewohntes Gefühl sich in solchen Höhenlagen der Punktzahlen zu bewegen. Wobei ich mit meiner 25-jährigen Erfahrung mit Weißen Hotot der Meinung der Preisrichter nur zustimmen kann und bestätigen kann, dass dieses Ergebnis absolut vertretbar war und völlig in Ordnung ging. Meine Meinung ist sogar, dass nach oben noch Luft war. Das es dann, sozusagen als Bonbon, auch noch die besten 8 Tiere der gesamten Schau waren, bei über 30.000 Kaninchen, braucht glaube ich seine Zeit um dies zu realisieren und zu verdauen. Hier fühlt man sich dann einfach bestätigt für all die Investitionen und Verzichte, die man zugunsten der Rassekaninchenzucht gemacht hat. Zweifelsfrei entschädigt so ein Erfolg für vieles und geht runter wie Öl.

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- ohne Worte -

Blickt man in 25 Jahren Zucht einer Rasse auf 6 Deutsche Meistertitel und 3 Europameistertitel und fast schon unzählige Siegertiere zurück, um nur mal die bedeutesten Erfolge zu nennen, so kann ja nicht so viel falsch gewesen sein an der Politik, der Einstellung und dem Handeln, was man an den Tag gelegt hat. So ist es wohl die Kunst in der Kaninchenzucht keine Eintagserfolge zu erlangen sondern auf Jahre sich in der Spitzengruppe aufzuhalten.

Wie mein Vater schon sagte, Züchten bedeutet unter anderem nun mal planen auf Generationen. Ich möchte den Zusatz noch hinzufügen … und noch weit darüber hinaus.

Um die bereits angesprochene notwendige Rassekenntnis zu erlagen, sollte man wissen, wo der Hebel beim Züchten anzusetzen ist. Beim Weißen Hototkaninchen ist dies zum Beispiel nicht erst bei dem Rassemerkmal Kopf und Ohren oder Fell, nein, es fängt bei der Position 1, wie bei jeder Rasse im Gewicht an.

Das Gewichtsproblem, wobei die Tiere gerade mal, wenn überhaupt, die 4,0 kg-Grenze erreichen ist mir aus meiner Anfangszeit bekannt. Damit jedoch bewusst ist, das dies genau wie fast jedes andere Rassemerkmal, unter anderem eine Vererbungsgeschichte ist, wurde somit auch bei mir der Fokus auf das Gewicht gelegt und entsprechend gezüchtet. Heute erreichen meine Tiere größtenteils spielend die 4,5 kg-Grenze und nicht selten über die 5,0 kg hinaus. Folglich sind in meiner Zucht Gewichtsprobleme, wie sie heute anscheinend doch noch stärker verbreitet sind als gedacht, kein Thema mehr.

Dies ist der angesprochene Punkt mit dem Wissen, wo der Hebel in der Zucht anzusetzen ist. Auch sehr wichtig, zu wissen was kann ich züchterisch beeinflussen und was nicht. Wenn man dies weis sind die Zuchttiere entsprechend zu wählen wenn man in der Zucht weiter kommen will und nicht, wie bereits angesprochen, nach günstigen Tieren züchtet.

Grundlegende Kenntnisse der Vererbungslehre sind meiner Meinung nach der Schlüssel zum Erfolg.

Stellt man mir nach 25 Jahren Weiße Hototzucht die Frage ob ich den Weg nochmals gehen würde, so kommt eher ein „weis nicht“ oder ein „nein“ als ein klares „ja“. Die Begründung liegt meines Erachtens einfach darin, das es vielleicht schon absoluter Wahnsinn ist was hier an Aufwand hinsichtlich Zeit und Kosten getrieben wird bzw. wurde. Der Grund für mich weiter zu machen war meist der, dass mir die Kaninchen sehr viel zurück gaben und immer noch geben.
Und hier stehe ich auf dem Standpunkt, dass diese Kaninchen nicht unbedingt eine Tätowierung im Ohr haben müssen. Hier lässt sich der Wahnsinn sicherlich reduzieren.

Als Fazit bleibt festzuhalten, dass 25 Jahre Weiße Hototzucht genügend Zeitraum ist, um sehr viel Positives und auch weniger Gutes zu erleben. Letztlich entscheidend für die Durchhaltedauer sind hauptsächlich Faktoren wie eine eigene Meinung, Anwendung des erworbenen Fachwissens und ganz oben ein glückliches Empfinden bei dem Anblick seiner gesunden Tiere. Die meisten anderen Faktoren beeinflussen dann nur noch unwesentlich den Erfolg. Hätten die Weißen Hotot für mich nicht so etwas unbeschreiblich anziehendes, wären die ganzen Erfolge auf dieser langen Zeitspanne sicherlich nicht möglich gewesen.

Wohl die wenigsten Züchter und auch „alte Hasen“ würden allen ernstes einem Jugendzüchter die Rasse Weiße Hotot empfehlen mit der Aussicht, dass sie oder er eines Tages die besten Tiere von ganz Deutschland hat. Dies nicht nur auf die Rasse bezogen, nein, auch über alle Rassen hinweg.
 
Vielleicht ist dies sogar der Schlüssel zu meinem Erfolg, indem ich das eigentlich gar nicht vor hatte, sondern wie oben beschrieben, wenn gewisse Voraussetzungen vorhanden sind sich der Erfolg von selbst einstellt.

Hätte ich von Anfang an nach gut bewerteten Tieren gesucht wäre ich sehr wahrscheinlich Bruch gelandet. Die Bewertungen waren für mich völlig nebensächlich. Ich wollte mich eigentlich nur an dem Anblick eines hototfarbigen Tieres erfreuen.

Ein Erlebnis möchte ich in diesem Zusammenhang noch preisgeben. Ich züchtete auch mal mehrere Jahre Weiße Neuseeländer. Damals wollte ich von dem Spitzenzüchter Theodor Dülberg ein Tier kaufen. Hier bekam ich zur Antwort ich sei noch jung und möge mir doch selbst so einen guten Zuchtstamm aufbauen. Der Wortlaut war vielleicht nicht der Gleiche aber sinngemäß korrekt. Damals war ich schon etwas verärgert über Herrn Dülberg. Heute weis ich den wahren Wert dieser Aussage und bin ihm sehr dankbar, dass er mich auf den richtigen Weg geleitet hat. Ein Erlebnis, dass ich bis heute nie vergessen habe.

In meiner Berufsbranche würde man sagen, dass man etwas kapieren muss und nicht kopieren. Wenn man etwas kapiert hat ist man auf das Kopieren nicht mehr angewiesen. Dann hat man die Zügel selbst in der Hand und treibt nicht ziellos umher auf der Suche nach hoch bewerteten Tieren.

Grundsätzlich lässt sich dies alles auf alle Züchterinnen und Züchter, gleich welche Rasse gezüchtet wird, übertragen.


Bernhard Glutting, 91126 Rednitzhembach

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