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19. Dezember 2018 |
Tipps für Anfänger Kaninchenrassen Schaukalender

Vitamine und Spurenelemente

Zur Förderung der Fruchtbarkeit des Kaninchens

Das Kaninchen ist für seine sprichwörtliche Fruchtbarkeit bekannt. In der Praxis der Kaninchenzucht können in diesem Bereich aber Probleme auftreten. Der erfolgreiche Züchter kann sich bei der Belegung nicht allein an der jahreszeitlich beeinflussten Paarungsbereitschaft orientieren, sondern muss sich auch nach Terminen der Ausstellungen oder anderen wirtschaftlichen Gegebenheiten richten. Umso wichtiger ist die optimale Fütterung des Kaninchens, um alle Abläufe des Fruchtbarkeitsgeschehens zu unterstützen. Im folgenden Artikel sollen die wichtigsten physiologischen Vorgänge im Fruchtbarkeitsgeschehen des Kaninchens und die hiefür notwendigen Spurenelemente und Vitamine dargestellt werden.

Physiologie der Fruchtbarkeit

Im Gegensatz zu anderen Tierarten oder dem Menschen unterliegen Kaninchen keinem Brunstzyklus. Umwelteinflüsse und Paarungsreize beeinflussen die Hormonbildung im Gehirn. Spezielle Hormone (Luteinisierendes Hormon LH, Follikelstimulierendes Hormon FSH) steuern die Reifung der Eibläschen (Follikel) an den Eierstöcken, in denen sich die Eizellen befinden. Mit fortschreitendem Wachstum produzieren die Follikel das Brunsthormon Östrogen, welches die Paarungsbereitschaft der Häsin bei Vorhandensein von befruchtungsfähigen, reifen Follikel auslöst. Die Follikel bleiben etwa acht Tage befruchtungsfähig. In dieser Zeit ist die Häsin hitzig. Ihr Geschlecht ist infolge einer starken Durchblutung und Anschwellung gerötet. Die Häsin duldet den Aufsprung des Rammlers und unterstützt durch Anhebung der Hinterpartie in gestreckter Lage den Paarungsvorgang. Wenn kein Deckakt stattfindet, bilden sich die Follikel wieder zurück, wobei während dieser Rückbildung bereits die Reifung neuer Follikel beginnt. Der Eisprung (Freiwerden der Eizellen durch Öffnen der Follikel) wird beim Kaninchen durch den Deckakt ausgelöst und als provozierte Ovulation bezeichnet. Im Frühjahr ist die Anzahl der am Eierstock gebildeten Follikel am größten, während bei fettleibigen Häsinnen die hormonelle Steuerung verzögert sein kann. Nach erfolgter Befruchtung wird von den zu Gelbkörpern umgebildeten Follikeln ein Hormon zur Aufrechterhaltung der Trächtigkeit (Progesteron) gebildet. Nach Rückbildung der Gelbkörper zum Ende der Trächtigkeit oder im Falle der Nichtbelegung der Häsin nimmt die Konzentration des Trächtigkeitshormons Progesterons ab und es kommt unter Einfluss des Follikelstimulierenden Hormons (FSH) wieder zur Heranreifung neuer Eibläschen.
 
Vitamine, Spurenelemente, Förderung der Fruchbarkeit

In den Hoden des Rammlers werden die Samenzellen gebildet, welche in den anschließenden Nebenhoden gelagert werden. Bei Erregung oder zur Temperaturregulation können die Hoden in die Bauchhöhle (Leistenkanal) hochgezogen werden. Bei einem Samenerguss vermischen sich die Spermien mit den Sekreten aus den Geschlechtsanhangsdrüsen. Die Deckbereitschaft des Rammlers wird durch verschiedene, in den Hoden und in der Schilddrüse gebildete Hormone ausgelöst. Diese Vorgänge werden entscheidend durch äußere Faktoren wie zum Beispiel Lichteinwirkung und Temperatur beeinflusst. Die Lichteinwirkdauer wirkt sich neben der Paarungsbereitschaft auch auf die Geschlechtsreife und die Befruchtungsquote aus. In den Monaten mit kurzen Nächten bei gleichzeitig zunehmender Tageslänge sind die besten Ergebnisse zu erwarten. Die Deckfreudigkeit des Rammlers wird zudem durch die Duftstoffe hitziger Häsinnen angeregt. Dieser Geschlechtsgeruch wird mit Hilfe eines speziellen Geruchsorgans (Jacobsonsches Organ) geortet, die Aufnahme der Duftstoffe wird durch Flehmen verstärkt. Der erhöhte Zufluss arteriellen Blutes in Kombination mit dem geminderten Abfluss bewirkt die Versteifung des Penis, die für die Paarung und den Samenerguss notwendig ist.

Essentielle Vitamine und Spurenelemente für die Fruchtbarkeit

Einige Vitamine und Spurenelemente spielen eine besondere Rolle im Fruchtbarkeitsgeschehen, mit deren Hilfe die Abläufe optimiert werden können. Voraussetzung hierfür ist aber die art- und leistungsgerechte Versorgung des Kaninchens mit Makronährstoffen. Besonders wichtig sind Menge und Art der Rohfaser für ein leistungsfähiges Verdauungssystem und die angemessene Versorgung mit hochwertigen Proteinen, welche für Zellbildung, Wachstum und Milchproduktion notwendig sind.
Vitamin E schützt die Zellwände vor Radikalen und Peroxiden, die im Stoffwechsel entstehen. Bei einer ungenügenden Selen- und Vitamin E-Versorgung ist der Zellstoffwechsel beeinträchtigt und es kann zu Zellschädigungen kommen. Dadurch kann ein erhöhtes Absterben von Embryonen hervorgerufen werden. Vitamin E ist auch für die Entwicklung und Funktion der Eierstöcke, die Ausreifung und Befruchtungsfähigkeit der Eizellen und die spätere Entwicklung des Gelbkörpers erforderlich. Außerdem wirkt sich eine gute Versorgungslage auch fördernd auf die Kontraktionsfähigkeit der Gebärmutter und damit auf den Transport der Spermien zu den Eizellen aus. Vitamin C unterstützt das Immunsystem des Kaninchens. Ein Mangel an diesem Vitamin führt zu einer schlechteren Qualität der Spermien. Die Vitamine des B-Komplexes bezeichnet man auch als "Stoffwechselvitamine", da sie eine Schlüsselfunktion bei den normalen Vorgängen des Kohlenhydrat-, Fett- und Eiweißstoffwechsels einnehmen. Als Bestandteile von Enzymen spielen sie eine Vermittlerrolle beim Auf- und Abbau der verschiedenen Stoffwechselprodukte. Die Vitamine des Vitamin-B-Komplexes sind für zahlreiche Stoffwechselvorgänge und somit für einen ausgeglichenen Stoffwechsel essentiell. Ein Mangel kann sich in verschiedensten Stoffwechselstörungen sowie in der Schwächung der Immunabwehr als auch in Störungen im Fruchtbarkeitsgeschehen äußern. Der häufigste Vitaminmangel in Europa und Nordamerika ist der an Folsäure. Die Unterversorgung mit diesem Vitamin mindert die Empfängnisbereitschaft und führt beim Embryo zu Fehlbildungen. Wenn Folsäure und Vitamin B12 fehlen, kann das zu Störungen in der Funktion der Eierstöcke bis zur Unfruchtbarkeit führen.
Spurenelemente wie Eisen, Zink, Mangan, Kupfer, Selen und Jod sind Bestandteil vieler Enzyme und Hormone, die ihrerseits wichtig für das Fruchtbarkeitsgeschehen sind. Zum Teil sind es indirekte Effekte, die sich aus der Beeinflussung der Futteraufnahme, des Immunsystems, des Vitamin A- und Energiestoffwechsels ergeben. Hingegen ist die Wirkung vieler Geschlechtshormone direkt von der Zinkversorgung abhängig, da sie ohne Zink ihre Funktionsfähigkeit verlieren. Bei einem Zinkmangel können zum Beispiel die Geschlechtshormone die Entwicklung des Follikels nicht optimal regulieren. Zusätzlich beeinflusst dieses Spurenelement den
ß-Carotin-Vitamin A-Stoffwechsel im Follikel. Außerdem ist Zink auch direkt an der Zellteilung und –entwicklung der embryonalen Zellen sowie deren Differenzierung beteiligt. Mangan ist ebenfalls Bestandteil vieler Enzyme und ist dadurch in den Aufbau der Sexualhormone eingebunden. Die Progesteronbildung im Gelbkörper wird wesentlich von manganabhängigen Enzymen gesteuert. So stellt man bei einem Manganmangel vermehrt unregelmäßige Zyklen, ein vermehrtes Vorkommen von Gelbkörperzysten, eine erniedrigte Konzeptionsrate und auch vermehrt Aborte fest.
Auch auf die Spermienqualität üben die Spurenelemente einen erheblichen Einfluss aus. So werden von Zink wesentlich die Lebensdauer und zusammen mit Mangan auch die Beweglichkeit der Spermien beeinflusst. Jod beeinflusst die Entwicklung und Funktion der Hoden und damit die Spermienbildung.
  

Dr. Christiane Schultheiß
Muskator-Werke GmbH
http://www.ovator.d3
expertenteam-kaninchen@ovator.de

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