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16. Dezember 2018 |
Tipps für Anfänger Kaninchenrassen Schaukalender

Thomas Lenz aus Naunheim

Der erfolgreiche Widder-züchter lebt sein Hobby

Die Eifel ist nicht nur für seine schöne Landschaft mit Burgen und Schlössern bekannt, sondern auch für „Waldi“ Lehnertz, dem schlag-fertigen Antiquitätenhändler von „Bares für Rares“. Auch sind die Eifler besonders für ihre Gast-freundschaft und Gemütlichkeit bekannt.

In den verwinkelten und sagen-umwobenen Tälern gibt es zahl-reiche Kaninchenzüchter, die hier ihre Heimat haben. Einer dieser besonderen „Käuze“, wie sich die Eifler schon mal selbst bezeichnen, ist der zugezogene Thomas Lenz.

Vom Ostsee-Platt zum Eifler-Platt

Thomas erblickte vor mehr als 46 Jahren in Putbus auf der Insel Rügen das Licht der Welt und verbrachte dort seine Kindheit. Als junger Mann ging es für Thomas zunächst zur NVA (Nationale Volksarmee), die ihn mit der Wende in den Westen ziehen ließ. Bei den Gebirgsjägern in Bad Reichenhall im südlichsten Bayern absolvierte er dann seinen Wehrdienst bis 1996, ehe er dann einen komplett neuen Weg einschlug und weit in den Westen zog.

In Dortmund machte er eine Umschulung und wurde berufsbedingt in der Eifel sesshaft. So bezog er 1997 am Rande der Vulkaneifel eine Betriebswohnung mit Garten, welche er später sogar kaufte. Während seiner damaligen heimatlichen Besuche traf er sich immer häufiger mit einer seiner Jugendfreundschaften, so dass die Rüganerin Silvana erneut sein Herz eroberte. Mittlerweile sind die beiden seit über 20 Jahren ein
Paar und leben zusammen mit ihren drei Söhnen David, Domenik und Timo in dem kleinen Ort Naunheim in der Nähe der wohl bekanntesten Burg der Eifel: Die Burg Eltz mit ihrer imposanten Schatzkammer. Sie gilt als Idealbild einer Deutschen Burg und wird jedes Jahr von tausenden Touristen besucht. Doch davon bekommt man glücklicherweise im ruhigen Naunheim wenig mit, wo Thomas bei seiner Familie von der Arbeit gerne seine Auszeit nimmt. Hier fühlt sich die Familie wohl. Und auch für Thomas scheint es keine große Umstellung gewesen zu sein, denn man spricht ja auch dort „Platt“.

Ein Rüganer in der Eifel

Wer den Thomas kennt, wundert sich nicht, warum er so gut in die Eifel passt. Denn mit seinem grimmigen Blick passt er gut zu den „Käuzen“ und eifler Originalen, die ihren eigentlich netten Kern und ihren ansteckenden Humor damit nur verstecken wollen. Thomas ist als unbremsbarer lustiger Züchterfreund bekannt und wird für sein „Unterhaltungs-programm“ gerade an Züchterabenden sehr geschätzt. Dies führt am Ende aber sogar oft so weit, dass mancher sich der Fröhlichkeit, die Thomas während seiner tollen Geschichten, Witze und Anekdoten versprüht, hilflos ausgesetzt sieht und sich dem Schicksal eines Bauchmuskelkaters hingeben muss.

Thomas zieht eben alle in seinen Bann und mit der Zweisamkeit am Nachbartisch ist es normalerweise auch vorbei. Der umtriebige Geselle ist eben eine auffallende, aber sehr angenehme Persönlichkeit. Und eigentlich ist er schon, obwohl er ein „Zugezogener“ ist, ganz ein Eifler; dem es egal ist, was der Rest der Welt heimlich denkt und deshalb stets offen und ehrlich ist. Dies ist eine lobenswerte, doch nicht immer bequeme Tugend, die aber Thomas ausmacht. Und das wird auch in seinem Umfeld sehr geschätzt.

Blaue Wiener schon in der Hobbyzucht

Schon als Sechsjähriger hatte Thomas in seiner Heimat auf Rügen Kaninchen gehalten. Vor allem die Blauen Wiener hatten es ihm angetan. Allerdings waren diese aber in erster Linie für die Fleischerzeugung gehalten worden, auch wenn er sogar damals schon kurzzeitig Mitglied in einer Jugendgruppe war. Aber da passte es einfach nicht. Nach seinem Wehrdienst und seinem Umzug in die Eifel begann ihn das Fieber wieder zu packen und er schaffte sich wieder Kaninchen zur Hobbyhaltung an. Doch dieses Mal waren es eigentlich doch immer tätowierte Tiere, so dass er 2003 die ersten Kontakte zum Kaninchenzuchtverein RN48 Kaisersesch aufnahm. So begann seine züchterische Laufbahn 2004 mit dem Eintritt in den KZV RN48.

Mit dem Einstieg mussten die „Misch-Masch-Kaninchen“ weichen und wegen Zuchtaufgabe eines Vereins-kollegen kam er zu den Deutschen Widdern wildfarben, die er bis 2008 züchtete und danach wegen der eisengrauen Widder an seine Silvana übergingen. Der RN48 war und ist ein gut geführter Verein, wo sich schon damals sehr viele gut bekannte Züchter tummelten und wo ihm sehr viel beigebracht wurde. Hier wurde Thomas dann auch schnell zu dem heute exzellenten Widderzüchter und erhielt bereits 2007 sogar die Staatsplakette des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz.

Jugendarbeit und Mitgliederwerbung sind ihm wichtig

2013 erfolgte dann der Wechsel zum RN72 Mayen-Hausen, weil er zusammen mit anderen Züchtern dem Verein neues Leben einhauchen wollte, da er nur noch acht Mitglieder zählte. Inzwischen fühlt sich die Familie in dem Verein sehr wohl, weil sie dort auch von Anfang an sehr gut aufgenommen wurden. Dort übernahm Thomas auch sofort das Amt des Jugendleiters - erstmal für ein Jahr. Inzwischen wurde er in diesem Ehrenamt mehrfach bestätigt und bekleidet diese Funktion in vorbildlicher Weise. Unter anderem organisierte er mit seinen Vereinskollegen 2013 das erste gemeinsame Jugendzeltlager der drei Landesverbände Rheinland-Nassau, Saar und Rheinland-Pfalz in Ettringen und ist seitdem immer mit dabei. Und ohne seine Spezialität, dem Aschenbraten, wären diese Zeltlager um eine Attraktion ärmer.

 Thomas beim aschen-braten im Jugendzeltlager: Jedes Jahr sein Job.

Die Jugendarbeit und auch das Vereinsleben sind ihm sehr wichtig. Darum war er auch schon von 2008 - 2014 als Kreisjugendleiter aktiv und steht jetzt seit 2014 als stellvertretender Kreisvorsitzender in der Verantwortung. Man schätzt sein Engagement für die Jugend. Aus diesem Grund wurde ihm das silberne Ehrenzeichen für Jugendarbeit verliehen. Auch trägt er maßgeblichen Anteil daran, dass der Verein RN72 inzwischen wieder 42 Mitglieder zählt: „Man muss die Leute einfach ansprechen. Kaninchen haben sie ja so oder so“ beschreibt Thomas seine Vorgehensweise.


Und fügt gleich hinten dran, dass auch in der Angelegenheit RHD-Impfung endlich mal ein Konsens geschaffen werden muss. Viele Halter und inzwischen auch Züchter seien der Meinung, dass es sich nicht lohnt, die Tiere zu schützen. „Da kannst du dann nur selten mit dem Argument kommen, dass wir organisierte Züchter hier besser gewappnet sind. Die Preise sind meistens zu hoch und die Impfstoffe nicht zwingend für unsere Rassekaninchen geeignet“ führt Thomas weiter an. Das zeigt, dass Thomas mit Herzblut dabei ist. Und darum scheut er sich auch nicht, noch weitere Verantwortung zu übernehmen und ist nun auch seit 2015 der Zucht- und Tierschutzbeauftragte im Verein RN72, wo er auch noch der Zuchtbuchführer ist. Viele Aufgaben, die es erstmal unterzubringen gilt.


Außerdem ist er auch noch Mitglied im RKZV SR95 Nalbach und im Widderclub Saar.

Futtermeisterin Silvana

Aufgrund seiner Tätigkeit als Stahl-bauschlosser bereist Thomas als Monteur ganz Deutschland. Seine Firma ist spezialisiert auf die Neu-errichtungen und Umbauten von Stahlhallen, wodurch es auch schon vorkam, dass die eine oder andere Halle für Kleintierzüchter dabei war.

Während er dann unter der Woche seiner beruflichen Tätigkeit nach-geht, werden die heimischen Tiere von seiner Frau Silvana versorgt, die mindestens so „widderverrückt“ ist wie Thomas.

Seine Zucht

Über 100 Jungtiere aus vier Rassen werden jedes Jahr herangezogen. Darum befinden sich die 90 Kaninchenställe in Betonbauweise und noch ca. 30 weitere Holzställe in direkter Nähe zum Haus. Es waren früher sogar mal mehr Ställe - bis zu 250 Stück - und alle nach den Vorgaben der Rheinland-Pfalz auch ordentlich angemeldet. Und damals hatte man bei den Lenzens auch noch eine Menge anderer Rassen und Farbenschläge der Widder. Allerdings war das nur sehr schwer mit der wenigen freien Zeit zu bewältigen, so dass man schlussendlich reduzieren musste. So macht es nun aber auch richtig Spaß und man hat auch Zeit für anderes und Silvanas Sommerurlaub in der alten Heimat auf Rügen ist jedes Jahr gesichert.

Die Holzställe mit den Maßen 120 x 80 cm sind ideal für die Aufzucht von großen Rassen und befinden sich ebenfalls in einem Außenstall mit Schiebetür. So sind die Tiere gegen die Wettereinflüsse geschützt. Mit der Nachzucht in der kalten Jahreszeit hat er wenig Probleme, denn es werden in der Regel nur gute Tiere mit besten Muttereigenschaften eingesetzt.

Die Fütterung der verschiedenen Widder in verschiedenen Größen und Farben ist sehr abwechslungsreich und individuell auf das Zuchtjahr abgestimmt. So werden die Pelletmischungen mit gängigem Pferdemüsli angereichert und je nach Bedarf zusammengestellt.

Außerdem werden Heu und verschiedene frische und getrocknete Kräuter gereicht. Und die Tagesrationen sind selbstverständlich auf die Rassen und die Jahreszeit abgestimmt.

In diesem Jahr züchtet Thomas die Deutschen Widder in den Farben dunkel-/eisengrau und schwarz und Silvana ebenfalls die Großen, aber in wildfarben. Lediglich die Söhne haben sich kleineren Kaninchen verschrieben: So züchtet Timo die Zwergwidder weiß RA und Domenik fällt mit seinen Castor-Rexen sogar aus der Reihe der Schlappohren. Aber wie es nun mal so ist, wenn der Nachwuchs älter wird: Die Hauptverantwortlichen der Familienzucht sind nun mal die Eltern Thomas und Silvana, wobei sie als Futtermeisterin unentbehrlich und maßgeblich an den Erfolgen beteiligt ist.

Mehrfach hohe Auszeichnungen

Thomas und seine Silvana sind in der Züchterszene keine Unbekannten mehr, sondern zählen inzwischen schon zu den ganz Großen der Widderzucht. Das ist ja auch kein Wunder, wenn man die ganzen Titel sieht, die die ganze Familie inzwischen gesammelt haben. Besonders die hohen Auszeichnungen der verschiedenen Bundesministerien und Landeskammern sind hier erwähnenswert, denn mit insgesamt zwei Staatsplaketten, einem Ministerteller, sechs Kammerpreisen und unzähligen ZDRK-Ehrenpreisen haben wir hier schon eine imposante Aufzählung. Ergänzt wird das alles mit den verschiedensten Meister- und Siegerpreisen, wozu vor allem die vielen Landesmeister und Siegertiere der ganzen Familie, aber auch die jeweils 3 Deutschen Meister bzw. Deutschen Vizemeister von Thomas selbst mit den schwarzen und eisengrauen Deutschen Widdern erheblich dazu beitragen. Herausragend war bestimmt auch der Jugendeuropameister von Sohn Timo in Leipzig mit den eisengrauen Zwergwiddern. Einziger Wermutstropfen in dieser Liste ist das Fehlen des Vereinsmeistertitels. Den konnte auch Thomas noch nicht erringen. Doch so hat er noch ein Ziel und das spornt ihn nur noch mehr an.

Geheimrezept für den Erfolg

Besondere Kniffs und Tricks hat er keine und er kennt auch kein Geheimrezept für den Erfolg. Allerdings sind für ihn ehrliche und offene Züchterfreundschaften, in denen Zuchttiere einfach so und kollegial getauscht werden, die Basis für eine erfolgreiche Zucht auf höchstem Niveau. Selbstverständlich hat jeder auch seine eigene Meinung über das Aussehen der Rasse, wie auch Thomas. Bei seinen dunkel- und eisengrauen Widdern achtet er vor allem auf gefärbte und gesprenkelte Hinterläufe. Ähnliches Augenmerk hält er auch auf die Hinterläufe der Wildfarbenen, die auch grau/braun gefärbt sein sollen. So sind meistens auch die Unterfarben intensiver. Dabei gilt für ihn: „Je dunkler, desto besser.“ Doch am Ende macht man doch nur gemeinsam eine Rasse besser.

„Alles für den Widder, alles für den Club“

So brachte es Thomas erst vor kurzem auf Facebook treffend zum Ausdruck. Die passionierten Widderzüchter Thomas und Silvana Lenz haben fast ihr ganzes Leben nach den Widdern ausgerichtet. So werden selbst mal die Urlaube einfach bei einem Zuchtfreund geplant, wie z.B. bei seinen Zuchtfreunden Heidi und Rolf Witte aus Hohnstorf vom HH52 Sachsenwald (Hamburg), die er gerne als seine „Zieheltern“ bezeichnet. Ebenfalls in sehr engem Kontakt stehen Thomas und Silvana zu ihrem Zuchtfreund Albrecht Tröster aus Riethnordhausen. Dieser hatte 2016 seinen ganzen Bestand wegen RHD verloren, konnte aber dank Thomas und Silvana wieder den Spaß an den Deutschen Widdern finden. Und weil ja Thomas so viele kennt und er so viele Freundschaften nicht nur hat, sondern pflegt, möchte er somit allesamt von hier aus auch ganz herzlich grüßen.

„Mir ist jede Freundschaft enorm wichtig, als dass ich eine einfach so hervorheben möchte“. So trifft man sich, wann immer es geht und so haben sich schon regelrecht Rituale eingebürgert. Sobald die ersten Daten zu Großschauen bekannt sind, startet das Netzwerk den Freunde-Suchlauf und innerhalb kürzester Zeit steht fest, wer wann und wo ist und wo man sich trifft. „Die Zuchtfreundschaften sind das Salz in der Suppe und müssen gelebt werden.“ Viele dieser Freundschaften sind eben aus Clubzusammenkünften entstanden, denn für ihn ist die Mitarbeit in der Widder-AG nicht nur in der Mitgliedschaft begründet, sondern er lebt sie.

Als 1. Vorsitzender des Widderclubs Rheinland-Nassau leitet er die Geschicke dort schon seit mehreren Jahren und ist regelmäßiger Teilnehmer verschiedenster Veranstaltungen im Verbandsgebiet und darüber hinaus.

Im Landesverband fungiert er sogar als stellvertretender Clubobmann. Aber auch als Ausstellungsleiter oder bei der Durchführung der unzähligen Sammeltransporte zeigt sich Thomas gerne einsatzbereit und verantwortlich, und die Zuchtfreunde wissen, dass sie sich auf ihn verlassen können. Die Europaschau in Dänemark ist fest eingeplant und die Bundesrammlerschau in Halle steht auch schon auf der Agenda. Da freut er sich natürlich auf ein Wiedersehen mit vielen Widderfreunden aus der ganzen Republik, wenn er diese nicht auch schon vorher auf der Widder-AG-Schau, bei gegenseitigen Besuchen oder sonst wo getroffen hat.

„Klick-Klack“  und darum mögen sie ihn alle

An Freunden und Bekannten mangelt es dem Thomas nicht, auch wenn er vor allem auf Facebook gerne mal gefoppt wird, weil er mal wieder auf einem der vielen Fotos, die er und seine Freunde zu Hauf posten, in bekannter Manier „grimmig und ernst aus der Wäsche schaut“. So ist er halt, der „Ossi-Kauz“ aus der Eifel. Und er liebt es, denn er teilt auch gerne mal aus oder foppt ahnungslose Zucht-freunde mal so aus der Laune heraus.

Die bayrischen Zuchtfreunde werden sich gerne an die kleine Anekdote des „schwarzen Zwergwidders mit dem Holzbein“ erinnern, die ihm seit jener Widder-AG-Schau in Weinzier-lein einen weiteren Spitznamen eingebracht hatte - „Klick-Klack“ in Anlehnung an Captain Ahab von „Moby Dick“.

Ich kenne keinen, der ihm für seine Späße jemals längere Zeit böse sein könnte. Und auch wenn Thomas immer für einen Spaß gut ist, bleibt für ihn die Kameradschaft das Wichtigste: „Ich freue mich immer gerne mit den anderen, auch wenn ich nicht gewonnen habe.“ Lieber offen und ehrlich durch die Züchterwelt und hier und da mal ein Späßchen, wie Thomas es macht - das sollte unter Zuchtfreunden doch immer möglich sein. Und er ist eben nicht nur ein Mann vieler Worte. Nein, er packt auch an. Also bleib so wie du bist - deine Freunde lieben dich dafür.

Markus Grillenbeck

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