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23. Oktober 2019 |
Tipps für Anfänger Kaninchenrassen Schaukalender

Veröffentlichungen des ZDRK

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Nach offizieller Genehmigung des ZDRK werden wir Fachbeiträge, Änderungen des Standard und der Allgemeinen Ausstellungsbedingungen oder weitere Informationen des ZDRK nach Veröffentlichung in unserem Fachorgan der Kaninchenzeitung hier für Euch bereitstellen.

Zudem findet Ihr viele weitere wertvolle Informationen und Tipps zur Rassekaninchenzucht unter der Rubrik Tipps für Profis...
  
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Sonderbericht Neuzüchtungen Dezember 2009

Sonderbericht Neuzüchtungen

Sonderbericht über die Neuzüchtungen auf der 29. Bundesschau in Karlsruhe von Walter Hornung, Münster


Von „stark gefährdet“ bis „anerkennungsreif“

Im Dezember 2005 fasste die Standard-Fachkommission des ZDRK den Beschluss, „ab dem 01.01.2006 für die nächsten 5 Jahre keine weiteren neuen Neuzüchtungen zuzulassen“. Diese Entschieidung ist zwischenzeitlich mit sehr viel Kritik kommentiert worden, aber angesichts des Einstiegs in das “Nationale Fachprogramm zur Erhaltung und nachhaltigen Nutzung tiergenetischer Ressourcen“ verbunden mit der Absicht, die bestehenden Rassen zu sichern und zu schützen, angesichts der Konfrontation mit immer wieder neuen Zulassungsanträgen, obwohl im kurz zuvor erschienenen Standard 2004 einige neue Rassen und Farbenschläge ihre Anerkennung erfahren hatten, und angesichts der Warnungen aus der Fachwissenschaft vor zu starker Aufspaltung der Zuchten in „kleinste Populationen“, welche das Risiko „genetischer Drift“ in sich bergen (z.B. Prof. Dr. Wolfgang Rudolph), war dieser Zulassungsstopp wohl unumgänglich, um die zu diesem Zeitpunkt zugelassenen Neuzüchtungen im fraglichen Zeitraum gründlich aufzuarbeiten, das heißt ihre Eignung als Rassen unter Anwendung der Zucht- und Zulassungsvorschriften sowie auf der Basis der Erfahrungen, die aus der Beobachtung der Entwicklung gewonnen werden konnten, einer eingehenden Prüfung zu unterziehen. Das Moratorium neigt sich nun mit Riesenschritten dem Ende zu, und das bedeutet auch mit großer Wahrscheinlichkeit das Ende der einen oder anderen jetzigen Neuzüchtung, weil die mit der Zulassung verbundenen Erwartungen in keiner Weise erfüllt werden konnten. Es kann sich aber auch hier und da die Anerkennung und den Aufstieg in den Rang einer Standardrasse bzw. eines anerkannten Farbenschlags ergeben. Die Streichung von Neuzüchtungen, die sich als ungeeignet erwiesen haben, bietet weiterhin die Chance, neuen Interessenten und neuen Interessen, die sich in den letzten 5 Jahren entwickelt haben, das Tor zum ZDRK zu öffnen.

Da die Freunde von kleintiernews es gewohnt sind, mit Rankings konfrontiert zu werden, orientiert sich die Reihenfolge der Analysen - abweichend von den sonst üblichen Berichten über die Neuzüchtungen - nicht an der systematischen Rassenliste, sondern am aktuellen Stand der Dinge beginnend mit den am stärksten von der Streichung bedrohten und abschließend mit der Rasse, die ihre Qualitätsreife bereits nach der BRS in Kassel bestätigt bekommen hat, den roten Zwergsatin. Die Einschätzungen, die ich hinsichtlich der Zukunftschancen der einzelnen Neuzüchtungen vornehmen werde, beruhen einzig und allein auf den Ergebnissen der eigenen Auswertungen und auf persönlichen Abwägungen; sie sind daher in keiner Weise als offiziell oder gar als verbindlich anzusehen. Andererseits lässt schon die Auswertung der reinen Meldezahlen eine relativ klare Grenzziehung zu. Die Spreu trennt sich schon deutlich erkennbar vom Weizen, denn die eine Hälfte der zugelassenen Rassen bzw. Farbenschläge stellte 85 % der ausgestellten Neuzüchtungen, die andere Hälfte der Varianten den Rest von nur 15 %.

Am unteren Ende der Skala stehen leider die mantelgescheckten Farbenzwerge in der thüringerfarbig-weißen Variante. Für diesen seit 2004 genehmigten Farbenschlag liegen insgesamt nur 7 Züchtungsgenehmigungen aus 5 Landesverbänden vor, und der Farbenschlag glänzte in Karlsruhe durch Abwesenheit, was die Verlängerung der Züchtungsgenehmigung besonders gefährdet, zumal bereits in Kassel nur 4 Tiere und zudem mit relativ schlechter Bewertung gestanden hatten.

Sonderbericht Neuzüchtungen

An zweitletzter Stelle sind die Champagne-Silberkaninchen zu nennen; sie wurden 2005 kurz vor dem Stopp zugelassen. Absolut enttäuschend war ihr Meldeergebnis. Waren in Kassel noch 12 Tiere ausgestellt worden, so war in Karlsruhe von den zwei gemeldeten Tieren nur eins da. Alleiniger Aussteller war Roland Lüdge, Voerde-Spellen; der 1.0 war von guter Qualität und erhielt mit 8/6 einen ZDRKE. Obwohl sich die Zahl der genehmigten Zuchten 2009 von 3 auf 6 verdoppelt hat, belegen die fehlende Ausstellungsaktivität und die immer noch mangelhafte Verbreitung, dass die mit der Zulassung verbundenen Erwartungen bei weitem nicht erfüllt worden sind, denn beides ist nach 5 Jahren absolut zu wenig. Diese alte europäische Rasse in der als Nachzüchtung betriebenen Schweizer Zuchtrichtung, d.h. mit dunkleren Abzeichen, steht bei uns in Konkurrenz zu unseren Hellen Großsilbern, die sehr verbreitet sind und in Spitzenqualität gezüchtet werden. Schaut man sich das Titelbild der Kaninchenzeitung 1/2010 an, dann liegt der Verdacht nicht fern, dass auch bei unseren „Hellen“ der eine oder andere „Abzeichensilber“ herausfällt. Die Liebhaber dieser Zuchtrichtung sollten sich daher wohl eher auf den Tag einstellen, wo ein einheitlicher und in allen Mitgliedsverbänden anerkannter Europastandard die Zucht dieser Variante im ZDRK ermöglicht.

Ebenfalls massiv gefährdet sind die thüringerfarbigen Zwergschecken. Wenn - wie in diesem Jahr – der Herauszüchter krankheitsbedingt ausfällt, dann sieht es recht düster aus. Nur 6 Zuchten sind registriert. Von den 6 aus 2 Zuchten gemeldeten Tieren waren nur 5 eingestallt worden, von diesen musste eins wegen eines anhängenden Backenpunktes mit nb bewertet werden. Vier blieben also in der Wertung: 2 x sg 8/4, SachE für Dirk Wohlgemuth, Chemnitz, 1 x gt 6/0, 1 x bf 4/0. Angesichts der geringen Verbreitung und Population (TGRDEU 2008: 2 Zuchten, 76 Tiere einschließlich Elterntiere) wird es sehr schwer sein, diesen Farbenschlag durchzubringen.

Nicht viel besser steht es um die wildfarben-weiße Variante der mantelgescheckten Farbenzwerge. (Der neuen Terminologie folgend sind hier die wildgrau-weißen und die hasengrau-weißen zusammengefasst.) Bei dieser Rasse haben sie nach den thüringerfarbig-weißen die geringste Verbreitung und Ausstellungsaktivität vorzuweisen. In den Käfigen saßen nur 5 von 7 gemeldeten Tieren aus 3 Zuchten und 3 LVs. Zwei von ihnen mussten mit nb bewertet werden. Auch die restlichen 3 konnten wenig überzeugen: Mängel in Form und Typ sowie der Mantelzeichnung.

Aus dem Zuchtversuch einer Genetik-Expertin sind die japanerfarbig blau-gelb-weißen Holländer entstanden. Die Herauszüchterin stellt sich aktuell offenbar neuen Herausforderungen. (Anm. der Redaktion: Lesen Sie dazu bitte auch die Richtigstellung von Heidrun Eknigk).
Jedenfalls geht es seit einigen Jahren mit dieser Neuzüchtung kontinuierlich abwärts; sie trägt mittlerweile mangels Verbreitung alle Merkmale einer genetischen Drift. Von den insgesamt 8 Tieren wurde die Hälfte von Manfred Grass, Dillendorf vorgestellt. Bei nur einem seiner Tiere konnte die Hinterpartie positiv bewertet werden, dafür war die Ringzeichnung zu weit nach hinten versetzt (nb). Die drei anderen Rassevertreter erreichten zweimal gt 6/1 und einmal bf 4/0. Die vier anderen Tiere kamen aus einer bisher noch nicht registrierten Zucht; sie mussten leider allesamt wegen schwerer Fehler mit nb bewertet werden. Fazit: Es muss schon ein Wunder geschehen, wenn diese Variante der Holländerkaninchen über das Zuchtjahr 2010 hinaus in der Genehmigungsliste fortbestehen soll.

Schwer werden es auch die seit 1997 in Arbeit befindlichen thüringerfarbig-weißen Mecklenburger Schecken haben. Fünf Züchter aus 3 LVs steuerten 12 Exemplare bei. Obwohl es sich um den Farbenschlag mit der längsten Laufzeit handelt, konnten die Tiere bei weitem nicht mit den anderen Farbenschlägen der Rasse mithalten. Gegenüber der BRS in Kassel ist eher ein Rückschlag zu verzeichnen. Das Normalgewicht hatten 8 Tiere nicht erreicht, bei zweien war die Geschlechtsentwicklung nicht altersgemäß und somit nicht befriedigend. Nur eine Häsin konnte als „toller Typ“ eingestuft werden, wie die Preisrichter es formulierten. Ansonsten überwogen die Mängel bei der Fellhaut, den Hinterpartien und der Brustbreite. Sehr gute Fellhaarbeschaffenheit (5) und fehlende Dichte (5) hielten sich die Waage. Kein Tier konnte in der Kopfbildung überzeugen; schwache Köpfe (3) und faltige Ohren (10) wurden bestraft. Weniger dramatisch sah es nur bei den Zeichnungsmerkmalen aus; hier gab es nur vier Bemängelungen. Aber außer einer positiven Bemerkung zur Unterfarbe gab es in Position 6 nur negative Urteile, davon 8 Mal wegen „bläulicher Unterfarbe“, ein Fehler, der auch bei den gleichfarbig-gescheckten Zwergwiddern nicht selten anzutreffen ist. Leider lag das Ergebnis der neun durchbewerteten Tiere nur zwischen gt 6/2 und bf 4/0. Nach 8 Jahren Zuchtarbeit ist das alles zu wenig.

Auf der Grenze zwischen Streichung und Fortbestand, d.h. weiterer Bewährung stehen die Großen Marder, blau. Der Herauszüchter und Marder-Experte Joachim Kapp versteht nicht ganz, warum die blauen Großmarder bei der Erstellung des Einheitsstandards 1991 nicht zusammen mit der „braunen“, d.h. eigentlich schwarzmarderfarbigen Variante aufgenommen wurden. Aktuell sind 2008 bei den großen Braunmardern 14 Zuchten mit Zuchtmeldungen (TGRDEU) in Erscheinung getreten, die blauen immerhin mit 9 von 14 als Neuzüchtung registrierten Zuchten. Fünf Züchterinnen und Züchter aus 4 LVs stellten 16 von 18 gemeldeten Tieren vor, was gegenüber Kassel eine leichte Steigerung bedeutet. Dennoch wurden die Anfang des Jahres geäußerten Erwartungen nicht erfüllt, zumal auch hinsichtlich der Qualität weiterhin Abstriche zu machen waren: Ein knappes Drittel der Tiere erreichte das Klassenziel nicht, davon 3 „Fast-Homozygoten“ wegen fehlenden Rückenstreifens (nb) und eine gänzlich einfarbige Häsin (oB). Diese Tiere sind zwar unentbehrlich für die Zucht, wenn sie, wie im vorliegenden Fall, in Form und Typ überzeugen, aber in die Konkurrenz gehören hinreichend standardgemäß gezeichnete Tiere. Das ist wiederum nur durch eine entsprechende Zuchtbasis und –breite zu erreichen. Erfreulicherweise überwogen die GrM mit positiver Bemerkung in Position 2 (8:4), während der besondere Fellhaarcharakter der Rasse immer noch Schwierigkeiten bereitet, z.B. bei der schwachen Behaarung der Läufe. Die besonderen Schwierigkeiten der Rasse zeigen sich nicht nur bei der Zeichnung, sondern auch bei der Deckfarbe: nur die Hälfte der Tiere war „fertig“, d.h. sg, die andere Hälfte noch fleckig. Sehr gute Abzeichen konnten nur in zwei Fällen gelobt werden, ansonsten wurde vor allem ein schwacher bzw. unvollständiger Rückenstreifen (7) festgestellt. Nur eine Bemängelung, aber 6 positive Einschätzungen gab es bei der Unterfarbe. So zeigten die Ergebnisse bei den durchbewerteten Tieren Licht und Schatten in gleichmäßiger Verteilung: 8 mal sg und 8 mal gt/bf. Das beste Tier zeigte in Käfig 30795 wieder einmal der Marderexperte Jo Kapp, Triebes; sein mustergültiger 1.0 erhielt 4 positive Bemerkungen, nur das Fellhaar war noch nicht ausgereift. Der Lohn war ein ZDRKE. Da dieser Farbenschlag unentbehrlich ist für die Weiterentwicklung der Großmarder überhaupt, sollte er eine Chance bekommen.

Sonderbericht Neuzüchtungen

Von den 19 Satin, rhönfarbig mussten drei Tiere ausgeschlossen werden, zwei wegen Geschlechtsmissbildung, einer wegen einer Kahlstelle. Man mag sich wundern, dass ich dies als ein positives Zeichen werte, denn eine in den letzten Jahren häufig angemahnte Ausschlussquelle spielte in Karlsruhe keine Rolle: Die pigmentlosen Krallen scheinen mit Erfolg bekämpft worden zu sein. Lange Zeit ohne Weiterentwicklung, scheint dieser Farbenschlag nunmehr trotz der etwas geringeren Ausstellungsaktivität züchterisch im Aufwind zu sein; er ist bereits seit 2000 zugelassen. Diesmal kamen nur 8 Rammler und 11 Häsinnen aus 4 Zuchten und 3 LVs. Fast 70% der Tiere erreichten eine sehr gute Bewertung. Ohne Bemängelung blieben Kopf und Ohren (Position 4) und der Satinfaktor (Position 5); hier schlugen je 12 positive Einschätzungen zu Buche. Einige Zuchtarbeit wird noch auf die Perfektionierung von Zeichnung und Farbe zu verwenden sein; in Position 6 überwogen leicht die Kritiken. Zwei mit sg 8/5 erfolgreiche Häsinnen von Reinhold Bittes, Martinshöhe wurden mit einem ZDRKE bzw. LVE belohnt; einen Sachehrenpreis mit ebenfalls sg 8/5 bekam Hans-Georg Hax, Grefrath.

Bei den Schwarzgrannen-Rexen muss man sich aufgrund der Grannenstruktur der Rexkaninchen darüber im Klaren sein, dass eine klassische farbige Begrannung kaum möglich ist und eher als Anflug zu bezeichnen wäre. Unter dieser Prämisse scheinen sie sich nach längerer Stagnation fortzuentwickeln. Bei dieser Rasse wurden im Laufe des Jahres 4 weitere Zuchten registriert. In stattlicher Zahl mit 16 Rammlern und 12 Häsinnen aus 7 Zuchten und 4 LVs waren sie angetreten. Der in Kassel festgestellte Trend hat sich auch bezüglich der Qualität bestätigt, denn die Zahl der mit sg bewerteten Tiere hat sich fast verdreifacht, darunter einmal sg 8/6 und sieben Mal sg 8/5. Andererseits blieb ein Viertel der Tiere mit nb auf der Strecke, allerdings wegen typischer Rexmängel: Bauchwammen und Kahlstellen an den Hinterläufen. Bei den Körperformen überwogen die positiven Einschätzungen die Bemängelungen (12 zu 5) und in Position 3 hielten sich die schwachen Laufbehaarungen mit den sehr guten Fellhaarqualitäten die Waage. Nur positive Einschätzungen gab es bei den Köpfen, ein faltiges Ohr wurde erwähnt. Deckfarbe, Gleichmäßigkeit und Farbbegrannung wurden doppelt so oft gelobt (11) wie getadelt (5), aber siehe oben. Die Unterfarbe war in 11 Fällen schneeweiß und entsprechend positiv bewertet. Das beste Tier - einen Rammler mit sg 8/6: ZDRKE - zeigte Michael Fink, Göppingen; für einen 1.0 mit sg 8/5 bekam Ernst Mardetschläger, Ditzingen, einen LVE. Mit einem weiteren LVE für eine mit sg 8/5 bewertete Häsin wurde der Herauszüchter Erich Fischer, Neidlingen belohnt.

Feine Farbenzwergtypen erfreuten das Auge beim schwarz-weißen Farbenschlag der mantelgescheckten Farbenzwerge. Dieser befindet sich seit 2003 in der Entwicklung und scheint auf dem Weg zur Anerkennung zu sein. Er ist hinsichtlich der Verbreitung (31 Zuchten in 13 LVs), der Ausstellungsfreudigkeit (18 Rammler und 10 Häsinnen aus 9 Zuchten in 7 LVs) und der Qualität (kein Tier nb, 46% sg-Tiere) zweifelsohne am weitesten entwickelt, aber natürlich gibt es auch noch Dinge, die verbessert werden könnten, wie die Detailanalyse zeigt. In Position 2 wurden v.a. die vorstehenden Hüftbeine (15) moniert, aber ein Drittel der Tiere konnte in dieser Position überzeugen. Sehr gute Fellhaaranlagen wurden bei 24 Tieren festgehalten, wenig Unterhaardichte wurde nur zweimal festgestellt. Überraschend wurde in zwei Fällen „weich“ als negatives Kriterium notiert; „weich“ soll das Fellhaar doch sein, sagt der Standard. Wie stark der Zwergkaninchentyp von der Kopfbildung profitiert, ließ sich daran ablesen, dass sage und schreibe 27 der 28 Tiere hier ein sg bekamen, davon 16 gleichzeitig für Länge, Trageweise und Gewebe der Ohren. Nur ganz wenige Tiere hatten etwas lange oder dünne Ohren. Das Hauptproblem ist und bleibt die Zeichnung: Nur 4 Tiere zeigten keine Beanstandungen, alle anderen zeigten Farbflecken im Brust- und Vorderfußbereich, weiße Flecken im Schnauzbereich, teilweise gefärbte Unterlippen, oder es fehlte der Stirnfleck, aber kein Fehler war so gravierend, dass nb hätte vergeben werden müssen. Bei der Farbreinheit gab es ein Patt zwischen Lob (sg) und Kritiken wegen Durchsetzung. Es bleibt also noch einiges zu tun. Den Klassensieger stellte Michael Macke, Lohne-Kroge: sg 8/5, Käfig 30836. Mit ebenfalls sg 8/5 erhielt Peter Rolfes, Kroge einen ZDRKE. Der Berichterstatter hängt hier den blau-weißen Farbenschlag dran, obwohl dieser das vorstehende Qualitätsniveau noch nicht nachweisen kann.

Sonderbericht Neuzüchtungen

Der Grund: Die registrierten Zuchten der schwarz-weißen und der blau-weißen Farbenschläge sind weitgehend identisch. Aus 8 Zuchten und 5 LVs kamen 5 Häsinnen und 11 Rammler, von denen drei wegen schwerer Farb- bzw. Zeichnungsmängel das Klassenziel nicht erreichten. Bei diesem Schlag muss der Größenrahmen bearbeitet werden, denn sieben Tiere lagen entweder über (5) oder unter (2) dem Normalgewicht. Vier Tieren mit uneingeschränkt positiver Einschätzung von Form, Typ und Bau standen 9 mit negativer Einschätzung dieser Position gegenüber. Nur das Fellhaar konnte bei den meisten Tieren (13) überzeugen. Die Bewertungen zu Kopf und Ohren, zur Zeichnung und zur (Nicht-)Reinheit der Farbe entsprachen im Schnitt denen der schwarz-weißen Variante. Ein Rammler von Ralf Adams, Großefehn hatte mit sg 8/4 die Nase vorn und erhielt einen ZDRKE.

Auch bei den Mecklenburger Schecken fasse ich die wildfarben- (ehemals wild-/hasengrau-)weißen und die eisengrau-/dunkelgrau-weißen, d.h. die im weiteren Sinne schwarzwildfarbig-weißen zusammen. Sie haben in der Summe gute Chancen, bald anerkannt zu werden. Von der Verdopplung der Meldezahl in Karlsruhe profitierten am meisten die wildfarben-weißen: Die 25 Tiere (6 Zuchten) überzeugten auf den ersten Blick durch ein sehr rassetypisches Erscheinungsbild. Wie sehr dieses mitbestimmt wird durch die optische Wirkung von Kopf und Ohren zeigte sich bei der Übereinstimmung der positiven Bemerkungen in Position 2 (17) und 4 (16). In zwei Fällen korrelierte die negative Kritik an Form und Typ mit schwacher Gewichtsentwicklung, je fünfmal mussten etwas schwache Kopfbildung bzw. Ohrenstruktur bemängelt werden. Die Mantelzeichnung, die 19 positive Erwähnungen fand, wurde teilweise mit Zusätzen wie „toll“ und „prima“ hervorgehoben. Nur in der Hälfte der Fälle konnte das Fellhaar gelobt werden; genau so oft wurden Dichte, Struktur und Länge („etwas kurz!“) bemängelt. Auch an der Reinheit der Farbe muss noch gearbeitet werden, oft wegen weißer Durchsetzung v.a. der Ohren. Zwei Tiere blieben als Fehlfarben ohne Bewertung, da der hasenfarbige Schlag nicht als Neuzüchtung genehmigt ist, ein Tier fiel wegen eines weißen Büschels am Ohr durch. Insgesamt aber ergab sich ein sehr positiver Niederschlag der Entwicklung, denn in drei Fünfteln der Fälle wurde sg und in weiteren 5 Fällen gt erreicht. Den mit sg 8/7 bewerteten Klassensieger stellte Marion Kämmerer, Niederrossla, einen ZDRKE (sg 8/7) und einen LVE (sg 8/6) konnte Albrecht Tröster, Riednordhausen verbuchen. Je zwei eisengrau-weiße bzw. dunkelgrau-weiße MSch wurden von Dietmar Bertsche, Salem vorgestellt. Wie schon in Kassel heimste er einen wohlverdienten ZDRKE ein, diesmal für eine in allen Positionen als sehr gut eingestufte dunkelgrau-weiße Häsin in Käfig 30659.

Bei den Zwergfuchskaninchen ist seit der Streichung der blauen nur noch die gelbe Variante in Arbeit; hier handelt es sich um die Neuzüchtung mit der absolut längsten Laufzeit. Umso größer war die Überraschung in Karlsruhe, denn sie hatten ihr Meldeergebnis gegenüber Kassel fast verfünffacht; die Konzentration auf einen Farbenschlag scheint Früchte zu tragen. Acht Rammler und 20 Häsinnen kamen aus 5 LVs und 7 Zuchten. Mit der größeren Verbreitung scheint auch ein Qualitätssprung verbunden zu sein, denn 10 Tiere erreichten die Note sehr gut, 13 weitere gut. Der Berichterstatter sieht sich gezwungen, das nach Kassel gefällte Urteil über diesen Farbenschlag wohl zu revidieren: Umso erfreulicher! Erfreulich auch das Bewertungsergebnis der 3 Häsinnen von Marianne Franck, Lübben: sg 8/6 KLS, sg 8/5 ZDRKE, sg 8/5 LVE. Die Stärken und Schwächen verteilten sich wie folgt: Während in Kassel die Hälfte (3) wegen stark weißer Durchsetzung der Deckfarbe durch das Sieb fiel, musste in Karlsruhe kein Tier in dieser Position ausgeschlossen werden; hier waren anatomische Veränderungen (2) und blaue Unterfarbe (1) verantwortlich. Bis auf drei Tiere mit leichten Abweichungen lagen alle im Normalgewicht. Obwohl der Typ ansprechend erscheint, zumal die etwas langen Ohren wegen der Fellhaarlänge nicht so sehr auffallen, muss an der Körperform noch sehr gearbeitet werden; hier gab es 18 Bemängelungen aber nur 5 positive Anmerkungen. Kaum Kritik (2) gab es am Fellhaar, bei mehr als der Hälfte der Tiere aber positive Urteile. In der Position 4 gab es oft ein Patt, positiv die Kopfbildung, negativ die Ohrlänge (s.o.). Bei einem guten Drittel der Tiere (10) gab die Deckfarbe zu positiver Wertung Anlass; dunkle Ohrenränder (6) und melierte bzw. leicht durchsetzte Decke (3) wurden auf der anderen Seite festgehalten. Helle Unterfarbe schlug zweimal als leichter Fehler zu Buche; dagegen zeigten 12 Tiere eine sehr gute Unterfarbe. Bei erneuter Bestätigung dieser Entwicklung sollte man über Weiteres nachdenken.

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Die wiederauferstandenen schwarzlohfarbigen Hasenkaninchen befinden sich wohl auch auf dem Wege zur Anerkennung, trotz noch zu leistender Zuchtarbeit. Sie wären „durch“, lägen sie alle auf dem Stand der Zucht von Fritz Reiß, Dietenhofen, B 477. Es wurden insgesamt 66 Tiere aus 6 Landesverbänden eingestallt. Das ist eine Verdopplung gegenüber Kassel und ein gutes Ergebnis, aber nicht unbedingt das Optimum, denn die Genehmigungsliste zählt 84 Zuchten in 15 Landesverbänden; 2008 wurde ein Bestand von 81 Vatertieren, 119 Muttertieren und erstaunlichen 853 Nachzuchttieren erfasst; 2009 wird es nicht viel anders sein. Mit großem Erstaunen habe ich festgestellt, dass aus dem LV Westfalen, wo 13 Zuchten - nach Bayern die meisten - registriert sind, nicht ein einziges Tier vor Ort war. Dennoch sind die Erwartungen hinsichtlich Ausstellungsfreudigkeit und Verbreitung auf ZDRK-Ebene bereits erfüllt. Wie steht es nun um die Qualität? Ohne Zweifel wurde die Richtung von Fritz Reiß angegeben. Er stellte 6 Rammler und 2 Häsinnen aus und erreichte mit diesen eine Durchschnittsbewertung von bewundernswerten sg 8/5,6 - zwei Rammler mit der Höchstbewertung sg 8/7. Der Zuchtstand ist allerdings in den einzelnen Zuchten sehr unterschiedlich. Der Anteil der Tiere mit ordentlicher bis hervorragender Zeichnung nimmt zwar ständig zu, aber Zeichnungs- und sonstige Mängel können nicht verschwiegen werden. Leider muss festgehalten werden, dass fast 20% der Tiere von der weiteren Bewertung ausgeschlossen werden mussten, nur 6 Tiere wegen Zeichnungs- oder Farbmängeln, der Rest in den Positionen 2 und 3, letztere wegen Kahlstellen an den Läufen. Ebenso unbefriedigend ist, dass 20% das Normalgewicht nicht erreichten; überwiegend waren dies Kreuzungstypen, die auch wegen fehlender Typlänge oder massiger Erscheinung Kritik einstecken mussten. Das Problem vieler Hasenkaninchen, nicht nur der schwarzlohfarbigen, sind die vorstehenden Hüftbeine. Negative Urteile gab es bei 25 Tieren, hinzu kamen in neun Fällen Probleme mit der Blume. Andererseits erhielt ein gutes Viertel der Tiere sehr gute Noten für Form und Typ. Es geht auch hier aufwärts. Wegen wenig Unterhaardichte bekamen 20 Tiere negative Bemerkungen in Position 3, dem gegenüber wurden Länge und Dichte in 44 Fällen positiv hervorgehoben. Der Rassewert dieser Neuzüchtung wird maßgeblich bestimmt durch die Läufe und die Zeichnung. Was die Läufe anbelangt, scheint der Durchbruch geschafft zu sein, denn 50 positive Bemerkungen schlugen hier zu Buche; dem standen nur 12 negative Bemerkungen wegen nicht hinreichender Länge oder etwas kräftiger Ausprägung gegenüber. Bei der Kopf- und Rumpfzeichnung gab es oft ein Patt; es paarten sich positive Urteile über die Kopfzeichnung oder die Bauchlohe mit Einschränkungen wegen schmaler oder schwacher Brustlohe (30) oder unschöner Augenringe (8). Die Lohfarbe im Afterbereich und an der Blumenunterseite (16) muss vielfach noch verbessert werden. Immerhin erhielten 12 Tiere ein uneingeschränktes Lob in Position 5. Die Reinheit der Farbe ist ebenfalls in positiver Entwicklung. Einigen Kritiken wegen durchsetzter Schnauzpartien, Ohrenränder oder Deckfarbe am Rumpf standen nicht weniger als 45 uneingeschränkt positive Anmerkungen gegenüber. Die Detailanalyse zeigt also, wo der Hebel noch anzusetzen ist. Bei der Auswertung der Gesamturteile ist als recht erfreuliche Bilanz festzuhalten, dass fast die Hälfte der Tiere mit „sehr gut“ und weitere 21 mit „gut“ vom Tisch gingen. Der eingangs erwähnte Züchter Fritz Reiß wurde verdientermaßen mit 2 Klassensiegern, einem ZDRKE und einem LVE ausgezeichnet. Ein weiterer ZDRKE ging an Heinz Kaschel, Wiedergeltingen für eine mit sg 8/6 bewertete Häsin.

Die Reifeprüfung bestanden haben schon Anfang des Jahres 2009 die Zwergsatin, rot. Von den 69 in Karlsruhe gemeldeten Exemplaren aus 14 Zuchten und 10 LVs fehlten 4 Rammler und zwei Häsinnen. Trotz 4 nb-Urteilen kann festgestellt werden, dass der hohe Stand der letzten Jahre gehalten wurde, denn mit 27 Tieren landete fast die Hälfte im sehr guten Bereich. Mit einer Ausnahme waren die übergewichtigen Tiere verschwunden, aber bei den Hinterpartien und der Fellhaardichte überwog die Kritik noch das Lob: 30 zu 20 bzw. 35 zu 25. Die typbestimmenden Köpfe und Ohren waren erfreulich entwickelt, aber das Glanzstück dieser Rasse ist im wahrsten Sinne des Wortes der Seidenglanz, der bei allen durchbewerteten Tieren als sehr gut eingeschätzt und in vielen Fällen mit „Topp“, „Super“ usw. hervorgehoben wurde. Nun ist abzuwarten, ob die Zuchttierbestandserfassung 2009 die geforderte Populationsbreite nachweist; die Zeichen stehen nicht schlecht. Natürlich sollen auch die Preisträger nicht vergessen werden: Bernhard Graf, Neustadt stellte die Klassensiegerhäsin sg 8/6 und erreichte mit einem Rammler - ebenfalls mit sg 8/6 bewertet - einen ZDRKE. Den anderen ZDRKE bekam die Zgm. Schröder für einen Rammler mit dem gleichen Bewertungsergebnis.

Im vorstehenden Bericht habe ich eine klare Trennungslinie angedeutet, die das Fortbestehen oder die Streichung einer derzeitigen Neuzüchtung bedeuten kann. Wenn also nach dem Ende der mehrfach angesprochenen Erprobungsphase die eine oder andere Neuzüchtung aus der Genehmigungsliste gestrichen wird, dann ist dies nur die konsequente Ausführung von AAB § 4, der besagt, dass Neuzüchtungen aberkannt werden, „sofern nach einer Dauer von fünf Jahren keine weitere Verbreitung festgestellt wurde“ bzw. des von der Fachkommission im Jahre 2003 einstimmig gefassten und vom damaligen Geschäftsführer veröffentlichten Beschlusses, dass „Neuzüchtungen, welche die zahlenmäßigen und qualitativen Forderungen nach 8 Jahren nicht erfüllen, als Rasse nicht anerkannt werden können und aus der Liste der Neuzüchtungen herauszunehmen sind.“
Seit der Europaschau in Leipzig haben sich Interessengruppen gebildet, die sich mit Rassen beschäftigen, die im ZDRK weder im Standard, noch in der Liste der zugelassenen Neuzüchtungen verzeichnet sind, die aber bereits in Leipzig im Europastandard beschreiben waren bzw. jüngst auf der Europaschau in Nitra ein offizielles Preisrichterurteil erhielten. Die Bereinigung der Neuzüchtungsliste wird zwar schmerzhaft für die betroffenen Zuchten sein, sie wird aber auch unumgänglich sein, wenn den angedeuteten neuen Entwicklungen Rechnung getragen werden soll. Die Hürden für die Genehmigung solcher eventueller neuer Neuzüchtungen sind aber deutlich höher gelegt als vor dem 01.01.2006. Wenn die Bedingungen erfüllt werden, warum sollte dann nicht auch die Chance zur Innovation genutzt und ein angemessener Prüfungszeitraum für neue Rassen eingeräumt werden?

Walter Hornung

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