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16. Dezember 2018 |
Tipps für Anfänger Kaninchenrassen Schaukalender

Sönke Buchholz, Satin-Kaninchen

Leidenschaft für Satin-Kaninchen und historischen Sammlerstücken aus der Kaninchenzucht

kn/Hohne. Das Züchterporträt führte mich diesmal in den Landesverband Hannover nach Hohne im Landkreis Celle. Dort besuchte ich den Züchter Sönke Bucholz.

 

Er wohnt auf dem Feikenhof, wo die Familie unter anderem auch eine Pferdezucht betreibt. Sönke Buchholz hat sich jedoch hauptsächlich den Kaninchen verschrieben. Bereits mit sieben Jahren hatte er die ersten Tiere. Anfangs hatte er, wie er berichtet, Riesenschecken. Mit neun Jahren trat er in die Jugendgruppe ein und züchtete zuerst Deutsche Kleinwidder in weiß. Schon während seiner Schulzeit züchtete er 40 Jungtiere pro Jahr. Später bevölkerten für etwa 10 Jahre die blauen Kleinsilber seine Ställe. 

  Stallanlage 1988

Im Januar 2012 legte Zuchtfreund Buchholz die Preisrichterprüfung ab. Da er über die Jahre sehr unterschiedliche Rassen gezüchtet hat, kennt er natürlich auch viele rassetypische Feinheiten. So hatte er unter anderem Hasenkaninchen, Rhönkaninchen, Englische Schecken, Zwergwidder havanna- und marderfarbig und verschiedene Farbenschläge der Englischen Widder im Stall. Von 1997 bis 2007 hat er die Zwergwidder in lohfarbig schwarz, die damals gerade neu zugelassen waren, gezüchtet. In dieser Zeit wurden jährlich bis zu 150 Jungtiere gezogen. Dadurch war eine Selektion von guten Zuchttieren möglich und es konnten viele Tiere an neue Züchter abgegeben werden.
 
Diese großen Zahlen an Jungtieren und zugleich mehrere Rassen lassen jetzt den einen oder anderen bestimmt ins Grübeln kommen, doch bei Sönke Buchholz ist die Unterbringung und Versorgung kein Problem. Es stehen rund 200 Einzelbuchten zur Verfügung. Der Stall ist geräumig, mit zwei breiten Gängen angelegt. 

 Teilansicht der Zuchtanlage mit rund 200
 Einzelbuchten von Sönke Buchholz.
 Dieser Teil  der Ställe ist aus Beton und mit
 Kotschubladen ausgestattet.

Der Licht durchflutete Raum hat eine optimale Raumhöhe, sodass ein guter Luftaustausch stattfindet. Durch eine gute Isolierung des Daches und einem alten Baumbestand ringsherum sind hier auch im Sommer angenehme Temperaturen anzutreffen. Durch den gefliesten Boden lässt sich die mustergültige Anlage optimal sauber halten.

 Die großzügig angelegte Stallanlage bietet
 im Winter den passenden Schutz und kann
 komplett verschlossen werden.
 Im Sommer können Gittertüren eingehängt werden
 und die Tiere haben immer ausreichend Frischluft.
 Optimal ist auch die Höhe des Stalles.

Seit 2006 hat Sönke Buchholz die Satin-Thüringer als Hauptrasse und 2010 kamen die Satin-Blau und –Schwarz dazu.

 Mit seinen Satin-Schwarz konnte er im 
 vergangenen Jahr den Europa-Champion
 stellen.

Die Satin-Thüringer konnten über die Jahre wesentlich verbessert werden. Besonderer Wert wird auf eine schöne Körperform gelegt. Tiere mit eckigen Hinterpartien, wie sie in einigen Zuchten noch anzutreffen sind, gehören mittlerweile weitestgehend der Vergangenheit an. Die Tiere zeigen schöne, gleichmäßige Formen und auch einen schönen Stand. Ein weiterer Augenmerk wurde von Zuchtfreund Buchholz auf die Rückenlinien gelegt. Kaninchen, bei denen diese etwas knochig war, wurden nicht weiter zur Zucht eingesetzt. Die Ohren, die bei diesem Farbenschlag auch in Position 2 mit bewertet werden, können sich sehen lassen. Wie ich mich überzeugen konnte, werden diese bei vielen Tieren schön offen getragen und sind keineswegs faltig.

 Bei den Satin-Thüringer sind die
 Unterfarben teilweise schon so gut wie
 in Spitzenzuchten der normalhaarigen
 Thüringer.

Neben den schon hervorragenden Formen sind in der Zucht von Zuchtfreund Buchholz schon sehr gute Felle gefestigt. Struktur und Dichte sind so, wie man sich das wünscht. In der Zucht wurden hier auch besonders die Ohren beachtet, die vor allem auch auf der Rückseite gut behaart sein sollen. Wenn die Felle passend durchgehaart sind, ist auch automatisch ein schöner Satinfaktor vorhanden. Der Glanz kommt bei den thüringerfarbigen Satin besonders gut zum Ausdruck.

Die Deckfarbe bereitet im durchgehaarten Zustand in der Regel keine Probleme. Die Tiere haben im Großen und Ganzen die passende Farbnuance. Besonders in Hinsicht auf die Abzeichen konnte mir Sönke Buchholz einige schöne Rassevertreter aus 2013 zeigen. Die Zeichnung an den Hinterschenkeln kam schön heraus und die Zeichnung am Kopf sprach mich sehr an. Die Masken waren schön gezeichnet, so dass die Stirn nicht davon erfasst wurde. Zuchtfreund Buchholz erläuterte dazu, dass die Stirn bei älteren Tieren noch dunkler werden kann. Grundsätzlich wirkt die Deckfarbe der Satin-Thüringer am Kopf, bedingt durch die kürzere Behaarung, auch von Natur aus schon etwas dunkler als bei den normalhaarigen Thüringerkaninchen.

Für die Schausaison 2013 hat Zuchtfreund Buchholz einige vielversprechende Jungtiere bei den verschiedenen Farben seiner Satin.

Bei den Satin-Thüringer hat Sönke Buchholz eine Stammlinie, die er kontinuierlich weiter verbessert. Zusätzlich hat er weitere Linien zum Ausprobieren, in die auch immer wieder zugekaufte Tiere eingesetzt werden. Die intensive Beschäftigung mit dieser Rasse blieb nicht ohne Erfolg. So wurde er im Jahr 2011 in seinem Verein F20 Fuhsetal Vereinsmeister mit einem Traumergebnis von 390 Punkten. Als Aussteller auf Bundes- und Bundes-Rammlerschauen konnte er in den letzten Jahren bei diesem Farbenschlag viele hervorragende Tiere zeigen. Einen weiteren tollen Erfolg konnte Sönke Buchholz mit den Satin-Schwarz im vergangenen Jahr auf der Europaschau erzielen. Mit 97,0 Punkte stellte er den Europachampion. Auch mit seinen Satin-Siamesen konnte er in der Vergangenheit beachtliche Punktzahlen erreichen. Doch meistens war er der einzige Züchter mit diesem Farbenschlag und so war es auf Ausstellungen meistens uninteressant. Diesen Farbenschlag hat er im vergangenen Jahr aufgegeben.

 Beim regelmäßigen trainieren
 lassen sich schon die Favoriten
 für die kommende Schausaison
 herausfinden.


 
 Die Satin-Thüringer haben
 vielversprechende Formen und
 Felle und  präsentieren sich
 hervorragend.

Aktuell liegt ein weiterer Schwerpunkt auf der Verbesserung der blauen Satin. Das Hauptaugenmerk liegt auch hier erst einmal auf Form und Fell sowie auf schöne, rassetypische Köpfe und gut strukturierte Ohren. Aus diesem Zuchtjahr konnte er mir schon einige schöne Tiere präsentieren. 

 Die rollbare Waage lässt sich an die gewünschte Stelle fahren.
 Ein regelmäßiges Wiegen gibt wichtige Rückschlüsse.
 Guter Stand eines Satin Blau
 

Jährlich werden insgesamt 250 bis 300 Jungtiere gezogen und etwa 10 Schauen beschickt. Dabei sind die Clubvergleichsschauen und Bundes- bzw. Bundes-Rammlerschauen immer mit auf dem Plan. Bei der Fütterung werden Pellets mit einem kleinen Anteil an Taubenfutter gereicht. Hinzu kommt regelmäßig Heu und Wasser.

Die Tiere werden hauptsächlich mit Pellets, die mit etwas Taubenfutter angereichert sind, gefüttert.

Bei der großen Nachzucht werden natürlich auch Tiere geschlachtet. Und so steht bei Familie Buchholz auch mindestens zweimal die Woche Kaninchenfleisch mit auf dem Speiseplan. Zuchtfreund Buchholz hat einen Schlachter, der aus dem ausgelösten Kaninchenfleisch verschiedenste Wurstsorten herstellt. Aber auch Gerichte wie Kaninchenchengulasch oder Kaninchengeschnetzeltes isst er gerne. Neben seiner Tätigkeit als Preisrichter ist Sönke Buchholz Kassierer im Verein und im Satin-Club. Durch die verschiedenen Rassen, die er schon gezüchtet hat, ist er zudem Mitglied im Widder-Club und im Hasen-Club.

Eine seiner weiteren Leidenschaften ist das Sammeln von alten Büchern, Urkunden und Zeitungen. Einige Auszeichnungen z.B. aus den dreißiger Jahren konnte ich schon in seinem Aufenthaltsraum in seiner Zuchtanlage bestaunen und viele weitere „Schätze“ haben wir uns dann noch in der Wohnung angesehen.
 
Einige Urkunden mit Rasseabbildungen und eine große Rassetafel mit farbig gedruckten Kaninchenbildern aus dem Anfang des letzten Jahrhunderts dürften mit Sicherheit hohen Seltenheitswert besitzen. Es war interessant festzustellen, dass die Englischen Widder fast immer mit abgebildet wurden. Die Zeichnungen der Holländerkaninchen standen den heutigen Zuchten um nichts nach, wenn man den Bildern glauben darf. In der Scheckenzucht hingegen hat sich eine Menge getan. Hier sind die Punkte heute wesentlich klarer und freistehender.
      Diese Rassetafel dürfte über hundert Jahre alt sein und zeigt die Rassen der damaligen Zeit.
 
An dieser Stelle bedanke ich mich noch einmal bei Sönke für den Einblick ein seine Zucht und in die historische Sammlung. Wir wünschen ihm für diese Schausaison viel Erfolg!
 
Michael Gerker

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