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26. Mai 2019 |
Tipps für Anfänger Kaninchenrassen Schaukalender

Satin-Kalifornier

Satin Kalifornier

Große Erfolge einer seltenen Rasse

Zuchtgeschichte
 
Im Jahre 1988 wurden die ersten Satin-Kalifornier aus den USA nach Deutschland eingeführt, einige Züchter kümmerten sich sehr intensiv um die Verbesserung und stellten immer wieder Tiere auf Bundesschauen aus. So auch 1993 in Essen, hier konnten die 43 ausgestellten Tiere von 7 Züchtern die Standardkommission überzeugen und somit wurden die Satin-Kalifornier, elfenbein/schwarz ab 1994 im deutschen Kaninchenstandard anerkannt.

Standard
 
Satin Kalifornier
 
Das Normalgewicht liegt wie bei allen Satinkanichen über 3,25 kg und das Höchstgewicht beträgt 4,00 kg, die Satin-Kalifornier erreichen das Normalgewicht bei ausgewogener Fütterung im Alter von 6 – 8 Monaten. Die Körperform ist leicht gedrungen, die Tiere haben einen guten Stand und sehr schöne runde Becken, eckige Hinterpartien sind die Seltenheit. Probleme bereiten teilweise lose Brustfelle und Wammen bei Häsinnen, was jedoch meistens ein Fütterungsfehler ist. Der ausgesprochen blockige Typ der Weißen Neuseeländer ist unerwünscht; der Typ der Satinkaninchen ist feiner und eleganter. Hierzu passt auch der Kopf, er ist kurz und breit, aber nicht so ausgeprägt wie bei den blockigen Rassetypen, der Unterschied zwischen Rammler und Häsin soll am Kopf erkennbar sein. Die Ohren sind in ihrer Länge passend zum Körper und fest und stabil im Gewebe, sie werden offen getragen und faltige Ohren sind eine Seltenheit. Die Satin-Kalifornier haben sehr schöne mittellange Felle mit einer sehr guten Dichte und die Ohren sind gut behaart. Die Verdünnung der Haarstruktur und der Satinfaktor ist sehr gut vorhanden, somit ist auch der geforderte seidenartige Glanz am ganzen Körper gegeben.

Zeichnung und Farbe

Das besondere Rassemerkmal der Satin-Kalifornier ist die Zeichnung und die Farbe. Bei der Zeichnung handelt es sich um eine Kälteschwärzung, sie erfasst die äußeren Körperteile, die nicht so stark durchblutet werden. Da ist zum einen der Kopf mit der Maske und den Ohren. Die Maske soll eine länglichrunde, ovale Form haben und gut abgerundet sein, sie soll die Nase bedecken und seitlich bis zum Oberkiefer reichen, sie darf auch den Unterkiefer einfassen. Die Maske soll nicht zu groß sein und nicht über die Augenhöhe reichen, für mich ist sie am schönsten, wenn sie in der unteren Hälfte der Augen endet. Die Ohren sind an der Wurzel scharf abgegrenzt und werden komplett von der Abzeichenfarbe erfasst, hellere Stellen sind unerwünscht. Den anderen Teil bilden die Vorderläufe, die Hinterläufe und die Blume. Das vorderste Glied der Vorderläufe soll komplett gezeichnet und möglicht scharf abgegrenzt sein, wobei die scharfe Abgrenzung ein Problem darstellt. Die Hinterläufe sind bis über das Sprunggelenk von der Abzeichenfarbe erfasst. Auch hier ist eine scharfe Abgrenzung gefordert, die auch überwiegend vorhanden ist. Die Blume wird in ihrer ganzen Länge von der Zeichnung erfasst.
 
Zugelassen sind die Farbenschläge schwarz und havannabraun, wobei die Schwarzen am weitesten verbreitet sind. Ich möchte auch die Anerkennung der Havannabraunen in Frage stellen, denn hier ist die Schwierigkeit mit der Intensität der Farbe und Abzeichen noch größer als bei den Schwarzen.
Die Grundfarbe ist elfenbeinfarbig, die Augen sind rot durchleuchtend. Hier ist zum Glück der Zusatz –weiß entfallen, der noch im alten Standard vorhanden war, denn wir wollen ja keine weißen Tiere wie man sie in Zuchten der Satin-Elfenbein immer häufiger sieht. Bei den Satin-Kalifornier ist das Elfenbein meiner Meinung nach am Schönsten. Bei den Elfenbeinfarbigen verschwindet es leider immer mehr. Die Grundfarbe ist mit gutem Glanz versehen, hier besteht eine Wechselwirkung mit der Dichte des Felles. Wenn die Felle sehr dicht sind, erscheinen sie nicht so glänzend, weil der Lichteinfall dann nicht mehr so groß ist. Die Zeichnungsfarbe soll möglichst intensiv sein und einen satten Farbton aufweisen; sie soll rein sein, das heißt ohne Durchsetzung mit weißen Haaren. Hier gibt es keine Probleme. Ich habe noch nie einen Satin-Kalifornier mit durchsetzter Zeichnungsfarbe gehabt oder gesehen. Die Krallenfarbe ist horn bis dunkelhornfarbig; sie ist abhängig von der Farbintensität der Läufe. Etwas Augenrandanflug, ein kleiner Farbfleck an der Kehle oder auf der Wamme ist erlaubt, aber nicht erwünscht.

Satin Kalifornier im Freigehege










 
  
Besonderheiten

 
Die Farbe und Zeichnung der Satin-Kalifornier entsteht aufgrund einer Kälteschwärzung. Die Tiere benötigen zur vollen Ausbildung der Farbe und der Zeichnung die Kälte während der Geburt und der Säuglingszeit. Jungtiere, die am ganzen Körper einen rußartigen Schleier haben, der nach drei Monaten während der Haarung wieder verschwindet, haben die intensivste Zeichnungsfarbe. Weiterhin benötigen die Tiere zur Bildung von schönen Abzeichen mit kräftiger Farbe geräumige, luftige Buchten. Hier kann die Luft zirkulieren und es staut sich keine Wärme. Denn Wärme wirkt sich ganz klar negativ auf die Schwärzung aus. Ich habe schon Zuchttiere mit sehr dunkler Farbe und komplett schwarzen Hinterläufen an Züchter abgegeben. Ein Züchter beklagte sich im Herbst des nächsten Jahres, er hätte keine ausstellungsfähigen Kaninchen gezogen. Sie waren alle zu hell.
Bei einem Besuch stellte ich fest, dass er seine Kaninchen in einem relativ kleinen Innenstall, in sehr schmalen, tiefen Buchten hält. In diesem Stall war zur Ausbildung einer kräftigen Farbe nicht genug Kälte vorhanden, denn die Wärme staute sich in den Buchten. Selbst die Zuchttiere hatten nicht mehr ihre intensive Farbe. Dieser Züchter hat den Farbenschlag leider wieder aufgegeben, denn er war nicht bereit etwas an seinen Haltungsbedingungen zu ändern. Interessant war für mich, dass ein Kaninchen, das an eine Nachbarstochter als Streicheltier abgegeben wurde, eine kräftige Farbe und gute Abzeichen hatte, es wurde in einem Außenstall, der frei im Garten stand, gehalten.
 
Satin Kalifornier
 
Beobachtungen und Hinweise
 
Es besteht ein direkter Zusammenhang zwischen der Intensität der Zeichnungsfarbe, der Zeichnung der Ohren, der Läufe speziell der Hinterläufe und der Größe der Maske. Wenn die Abzeichen eine kräftige, intensive tiefschwarze Farbe haben und die Hinterläufe und Blume komplett gezeichnet und auch tiefschwarz sind, dann ist die Maske häufig etwas groß, aber noch standardgemäß. Der Nachteil hierbei ist, dass die Masken im Winter bei Frost größer und zackig werden und sich Augenrandanflug bildet, manchmal zeigen sich auch Augenringe. Diese Tiere sind dann leider nicht mehr ausstellungsfähig, aber für die Zucht sehr wertvoll. Das Gegenteil sind Tiere mit sehr schön ausgebildeter Maske und gut gezeichneten Ohren, hier ist die Farbe mehr mattschwarz und nicht so intensiv, meistens nur grau-braun-schwarz. Die Vorderläufe sind dann noch braun-schwarz, aber die Hinterläufe und Blume sind nur braun und häufig nur bis zur Hälfte gezeichnet. Diese Tiere erhalten häufig in Position 6 hohe Bewertungen, weil sich die Preisrichter von der gut geformten Maske blenden lassen. Für die Zucht sind diese Tiere nur bedingt geeignet. Anzustreben ist der gute Mitteltyp - eine mittelgroße Maske, scharf abgegrenzte Ohren und komplett gezeichnete Hinterläufe und Blumen mit einer satten Farbe.

Auf gar keinen Fall dürfen zur "Verbesserung" der Farbe andere Rassen, wie z. B. Alaska eingekreuzt werden, womit sich vor einigen Jahren ein Züchter auf einer Club-Vergleichschau rühmte. Seine Tiere hatten zwar kräftige Farben, aber der Rassetyp war nicht vorhanden, die Form war zu blockig, die Köpfe zu rund, die Ohren zu kurz, die Felle zu lang und Satinfaktor und Glanz waren fast nicht vorhanden. Dieser Züchter hat danach nie wieder Satin-Kalifornier ausgestellt, daraus lässt sich schließen, das ihn die Einkreuzung nicht weitergebracht hat. Das uns die Einkreuzung von Normalhaarrassen nicht weiterbringt, sieht man leider bei vielen Satin-Elfenbein, ihnen fehlt der komplette Satintyp und –faktor, man fragt sich, ob es nicht ein kleiner Neuseeländer ist. Blockige Form, lange Felle, runde Köpfe, kurze dickfleischige Ohren, kein Glanz, kein Satinfaktor und kaum noch elfenbein. Ich hoffe, dass hier der neue Standard umgesetzt wird und die Preisrichter diese Tiere hart bestrafen, so das wir wieder unsere echten, reinen Satin-Kaninchen sehen, denn leider wird auch schon bei anderen Farbenschlägen munter eingekreuzt, was bei intensiver Betrachtung der Tiere nicht zu übersehen ist.
Das es auch ohne Einkreuzung geht, sehe ich in meiner Zucht. In den 15 Jahren wurde nie eine andere Rasse oder Farbenschlag eingekreuzt. Meine Zucht hat sich nur durch gezielte Auswahl der Zuchttiere, sinnvolle Verpaarung, Verbesserung der Haltungbedingungen und das nötige Glück verbessert. Da die Satin-Kalifornier immer noch zu den seltenen Rassen gehören und die meisten Tiere in Deutschland aus meiner Zucht stammen, ist der Verwandschaftsgrad ziemlich hoch. Deshalb muss bei der Auswahl der Zuchttiere auf eine ausreichende Größe und gute Konstitution geachtet werden. Schwächlinge und zu kleine Tiere gehören nicht in die Zucht. Meine Zuchttiere liegen überwiegend an der oberen Gewichtsgrenze, ein Rammler darf auch mal kleiner sein, aber nicht unter 3,5 kg.

Zucht
 
Ich setze pro Jahr 5–8 Häsinnen zur Zucht ein, wobei ich dazu immer 5–6 Rammler im Stall habe. Die hohe Anzahl der Rammler hat sich im Laufe der Jahre bewährt, dadurch habe ich größere Variationsmöglichkeiten und ich kann mir ohne viel Zukäufe selber weiterhelfen und auch mal weiter zurückpaaren.

Satin Kalifornier Jungtiere

  
Ich setze auch hin und wieder Tiere mit zu großer Maske und Augenringen zur Zucht ein, um die intensive Farbe zu erhalten und zu kräftigen. Das hat sich sehr bewährt. Besonders wenn ich merke, dass die Tiere etwas hell werden. Aber ich verpaare nie hell mit hell und dunkel mit dunkel. Die Wurfgröße ist unterschiedlich und schwankt zwischen 2 und 8 Jungtieren pro Wurf, die in der Regel problemlos aufgezogen werden. Etwa 90 % der Jungtiere sind ausstellungsfähig. Für die Zucht haben sich die Monate von Mitte Januar bis Anfang April bewährt, danach ist es zu warm und die Tiere bekommen nur schwache Abzeichen und Farben.

Haltung
 
Ich halte meine Kaninchen in einem Offenstall, dessen Seitenwände in der oberen Hälfte komplett offen sind.
 
Satin-Kalifornier Stallanlage
    
Hierdurch habe ich einen optimalen Tageslichteinfall und eine sehr gute Luftzirkulation. Die Öffnungen werden im Winter mit Plexiglasscheiben verschlossen. In diesem Stall steht eine Doppelreihe Buchten Rücken an Rücken, somit kommt auch in die Buchten  sehr viel Tageslicht. Der Stall und die Buchten sind komplett aus Holz, die Kaninchen sitzen in Kotwannen auf Stroh.

Kaninchen Satin-Kalifornier Freigehegeimmer
Satin-Kalifornier im
Freigehege

In die Kotecken werden zum Aufsaugen des Urins zusätzlich Strohpellets gegeben. Die einzelnen Buchten haben eine Größe von 80 x 80 x 65 cm und sind alle mit einem Sitzbrett ausgestattet, was sehr gut angenommen wird und zusätzliche Bewegungsmöglichkeiten bietet. Die Zuchthäsinnen kommen nach Beendigung der Jungtieraufzucht bis Oktober in 3 Freigehege im Garten, mit der Grösse von jeweils von 2,5 x 7,5 m.

Fütterung
 
Satin-Kalifornier sind sehr gute Futterverwerter. Deshalb erfordert die Fütterung sehr viel Fingerspitzengefühl. Je nach Art der Fütterung muss ab  dem 4. – 5. Lebensmonat die Futtermenge rationiert werden, sonst werden sie lose und zeigen bald Wammen. Wobei es auch schon Häsinnen gibt, die mit 12 Monaten noch wammenfrei sind, obwohl sie mehrmals ausgestellt waren. Aber spätestens nach dem ersten Wurf werden auch sie lose und haben bald eine Wamme.

Ich füttere meine Kaninchen sehr abwechselungsreich, Wasser erhalten sie zur freien Aufnahme aus Nippeltränken. Gefüttert wird zweimal am Tag. Ich füttere gequetschtes Getreide (¾ Gerste, ¼ Hafer) gemischt mit ca. ¼ Zuckerrübenschnitzeln (unpelletiert), viel Grün- und Saftfutter, Heu und verschiedenes Beifutter. Als Beifutter gibt es je nach Jahreszeit, gemähtes Grünfutter, Futterzichorie, Markstammkohl, Grünkohl, Topinambur, Möhren, Futterrüben, Äpfel, getrocknete Brennesseln, Graspellets und alles was der Garten hergibt.
Die Getreidemischung besprühe ich mit einem Siliermittel auf der Basis von probiotischen Milchsäurekulturen. Das trägt zur Regulation der Verdauung und zur Unterstützung des Immunsystems bei. Hiermit habe ich sehr gute Erfolge. Die Würfe sind größer, die Milchleistung der Häsinnen ist gestiegen, die Jungtiere entwickeln sich besser und haben kaum Darmerkrankungen. Die verschiedensten Krankheitserscheinungen (die so genannte Enterocolitis) mit hoher Sterblichkeitsrate, die auf eine gestörte Magen- und Darmtätigkeit zurückzuführen sind, habe ich durch den Einsatz der probiotischen Milchsäurekulturen und die Umstellung der Fütterung auf strukturreiches Futter sehr gut in den Griff bekommen.
 
Ausblick
 
Harm SöchtigDas Interesse an diesem schönen Farbenschlag unserer Satinkaninchen ist groß. Ich habe seit 1994 in jedem Jahr ca. 10 – 20 Zuchttiere an andere Züchter in ganz Deutschland abgegeben. Doch leider geben viele sehr schnell wieder auf, wenn sie nicht gleich den gewünschten Erfolg haben. Ich wurde auch belächelt als ich mir 1993 auf der Bundesschau in Essen 1,2 der damals noch Neuzüchtung Satin-Kalifornier, elfenbein/schwarz gekauft habe. Doch durch intensive Zuchtarbeit und Verbesserung der Haltungsbedingungen wurden meine Kaninchen von Jahr zu Jahr besser und haben so ihren jetzigen hohen Zuchtstand erreicht.
Deshalb appelliere ich an alle Züchter nicht so schnell aufzugeben, wenn sich der Erfolg nicht sofort einstellt. Überprüft Eure Haltungsbedingungen, seid kritisch zu Euch selber und beobachtet Eure Kaninchen intensiv, um ihre Bedürfnisse zu erkennen.
Ein altes Sprichwort lautet: “Das Auge des Herrn mästet das Vieh“ - das heißt, die Tiere beobachten, ihre Bedürfnisse erkennen und dementsprechend handeln. Nur so kommt der erwünschte Erfolg. Unsere Kaninchen sind auf das angewiesen, was wir ihnen geben. In der Natur können sie sich das suchen, was sie brauchen Im Stall der Züchter dafür verantwortlich. Der Kauf von Spitzentieren und deren Zuchteinsatz ist noch lange nicht die Garantie zum Erfolg, denn sie brauchen optimale Haltungsbedingungen und Pflege um sich zu entwickeln und ihre Erbanlagen auszubilden - das gilt für jede Rasse.

Ich freue mich immer über interessierte Züchter und gebe sehr gerne Zuchttiere ab.

Harm Söchtig

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