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21. November 2018 |
Tipps für Anfänger Kaninchenrassen Schaukalender

Rote Neuseeländer

Rote Neuseeländer

Wolfgang Elias porträtiert eine beliebte Rasse

Die Bezeichnung „Neuseeländer“ lässt vermuten, dass diese Rasse aus Neuseeland stammt. Die Herkunft dieser Tiere kann jedoch nicht genau bestimmt werden. So ist durchaus denkbar, dass englische Siedler zu Beginn des 19. Jahrhunderts die sogenannten „Scotch rabbits“ nach Neuseeland gebracht und diese Tiere eventuell zur Entwicklung der Roten Neuseeländer beigetragen haben. Seit ca. 1915 sind Rote Neuseeländer in Kalifornien bekannt (teilweise unter dem Namen „American Reds“). Hier wurden sie vermutlich unter Verwendung von Hasenkaninchen und gelbwildfarbigen Riesenkaninchen herausgezüchtet. Da diese Rasse als Fleischrasse gelobt wurde, kam sie von Kalifornien nach England, Holland und Frankreich und etwa 1930 auch nach Deutschland, konnte allerdings die in sie gesetzten Erwartungen damals nicht erfüllen. Nach dem Zweiten Weltkrieg sollen norddeutsche Züchter Rote Neuseeländer aus Holland und süddeutsche Züchter Rote Neuseeländer aus Frankreich, Österreich und der Schweiz importiert haben. Es gab somit zwei Typen von Roten Neuseeländern: In Norddeutschland sah man eine dunkle und in Süddeutschland eine helle Deckfarbe. Nach und nach wurden dann in Deutschland Neuseeländer-Clubs gegründet (erstmals 1958 in Pfungstadt), die sich zum Ziel setzten, diese Rasse ständig zu verbessern und dem Idealbild immer näher zu kommen bzw. dadurch nach Möglichkeit den Abstand zu den meistens doch besseren Ausstellungs-Ergebnissen (höhere Punktzahlen bei den Bewertungen) der Weißen Neuseeländer zu verringern, obwohl man natürlich diese beiden Rassen nicht vergleichen darf.

Zeitpunkt der Würfe

Häsinnen dieser Rasse sollte man bereits im Dezember erstmalig decken, damit die ersten Jungtiere im Januar geboren werden.

Rote Neuseeländer
 
Die durchschnittliche Anzahl von Jungtieren pro Wurf beträgt etwa sechs bis sieben Junge. Die Tiere benötigen etwa sieben bis acht Monate, bevor sie sich in der Körperform voll entwickelt haben. Für die im Sommer stattfindenden Jungtier-Ausstellungen sind diese Würfe dann bestens geeignet. Ein zweiter Deckakt sollte im März bzw. April erfolgen, damit noch weitere geeignete Ausstellungstiere für die Herbst- und Winterschauen zur Verfügung stehen. Ein Jungtier, das sich nicht für eine Ausstellung eignet, kann bereits im Alter von ca. zwölf bis fünfzehn Wochen mit einem Lebendgewicht von etwa 2 bis 2,5 Kilogramm geschlachtet werden. Die Roten Neuseeländer sind gute Fleischlieferanten. Ihr Fleisch ist feinfaserig und sehr zart.

Gewicht

Die Roten Neuseeländer gehören zu den Mittelgroßen Rassen. Ihr Normalgewicht beträgt über 4,0 Kilogramm, das Mindestgewicht 3,0 Kilogramm und das Höchstgewicht 5,0 Kilogramm. Als Idealgewicht wird die Spanne zwischen 4,4 und 4,8 Kilogramm angesehen, weil ein Tier dann die beste Körperform zeigt und Gewichtsverluste bei mehreren Ausstellungen innerhalb kurzer Zeit gut verkraften kann. Das Normalgewicht sollte in etwa sieben Monaten erreicht werden.

Körperform, Typ und Bau

Die Körperform des Roten Neuseeländers ist leicht gestreckt und walzenförmig. Das Tier sollte vorn und hinten gleich breit und die Hinterpartie gut abgerundet sein. Der Hals ist kaum erkennbar und der Nacken kurz und kräftig. Auch die mittellangen Läufe sollten kräftig sein. Bei Häsinnen ist zwar eine kleine wohlgeformte Wamme erlaubt, es sollte vom Züchter jedoch angestrebt werden, Häsinnen ohne Wammen zu züchten. Die Blume sollte zum Körper passen und straff angelegt sein. Als Faustformel wird häufig gesagt, dass die Blumenlänge zwei Drittel der Ohrenlänge betragen soll. Jahrelange Erfahrungen haben gezeigt, dass immer wieder einmal Tiere in allen Positionen bei Jungtierschauen sehr gut bewertet werden, diese dann aber vor den Alttierschauen nur schwer oder überhaupt nicht auf das Mindestgewicht zu bringen sind. Diese Typen haben auch als Alttiere oft noch eine schöne Körperform bzw. sind hinten schön rund, wollen aber einfach nicht oder nur schwer zunehmen, obwohl man ihnen bestes Futter bzw. auch eine große Futterauswahl zur Verfügung stellt. Diese Tiere sind oft klein und gedrungen und man sollte sie auf keinen Fall für eine weitere Zucht einsetzen, denn dieses Manko wird sich vererben! Man sollte zur Zucht durchaus eine schwere Häsin (allerdings muss hier auch wieder darauf geachtet werden, dass die Häsin vor dem Decken nicht zu schwer bzw. verfettet ist, denn dann wird sie nicht aufnehmen oder hat Probleme beim Werfen) oder besser einen
schweren Rammler einsetzen, der dann das entsprechende Gewicht bzw. die Größe in die Nachzucht bringt.

Fellhaar

Die Behaarung sollte mittellang sein, ca. 3 – 3,5 Zentimeter und die Begrannung darf nicht zu grob sein. Die Unterwolle ist sehr dicht und die Ohren sollten gut behaart sein. Ein weiches Fell muss vom Züchter ausgemerzt werden. Um zu prüfen, ob ein Tier ein weiches Fell trägt, fährt der Züchter mit der Hand durch das Fell. Bleibt dieses stehen bzw. geht es nur sehr langsam in die Ausgangsposition zurück, handelt es sich um das besagte weiche Fell.

Rote Neuseeländer










Der Kopf ist kräftig und kurz, Stirn und Schnauze sind breit. Die Backen sind voll entwickelt. Der Kopf der Häsin sollte feiner geformt sein und sich von einem Rammlerkopf unterscheiden. Festgestellt wurde mehrfach, dass Rammler mit sehr kräftigen Köpfen leicht zu tränenden Augen neigen. Hier muss der Züchter dann aufpassen, denn dadurch könnte das Fell unter bzw. neben dem Auge in Mitleidenschaft gezogen werden bzw. es entsteht hier oftmals eine Kahlstelle! Die Ohren werden straff aufrecht in der „V-Stellung“ getragen, sind gut behaart und mittellang und sollen zum Körper des Tieres passen. Ideal wäre eine Ohrenlänge von etwa 11 bis 12,5 Zentimeter. Sie sollten gut abgerundet sein. Ein erfahrener Züchter gab zu DM-Zeiten einmal den Tipp, dass ein 5 DM-Stück in die Rundung passen sollte. Bei den Ohren ist darauf zu achten, dass sie nicht faltig sind und die Ohrenränder weder einen schwarzen Anflug zeigen noch weiß durchsetzt sind. Erfahrungen haben gezeigt, dass bei sehr dunkler Deckfarbe des Tieres die Gefahr besteht, dass die Ohrenränder schwarz durchsetzt sind (eine Bestrafung würde in der Position „Deckfarbe und Gleichmäßigkeit“ erfolgen)! Die Spürhaare müssen cremefarbig sein. Um die Farbe der Spürhaare zu testen, empfiehlt es sich, ein weißes Blatt hinter die Spürhaare zu halten. So kann man leichter erkennen, ob sie cremefarbig sind, denn wenn man die Spürhaare lediglich gegen das Licht betrachtet, erscheinen sie reinweiß!

Deckfarbe und Gleichmäßigkeit

Die Deckfarbe soll glänzend, am ganzen Körper gleichmäßig und sattrot sein. Sie reicht vom Rücken her über die Flanken bis zur Bauchpartie nach unten. Augenringe und Kinnbackeneinfassung des Tieres haben eine hellere Gelbfärbung, allerdings dürfen sie nicht reinweiß sein. Kinn, Innenseiten der Läufe, der Bauch und die Blumenunterseite sind gelblich getönt und dürfen ebenfalls nicht reinweiß sein. Die Augenfarbe des Roten Neuseeländers ist braun. Die Krallen sollen dunkelhornfarbig sein. Abweichungen hiervon sind fehlerhaft.

Unterfarbe

Nach Möglichkeit soll die Unterfarbe der Deckfarbe ähnlich sein und sich bis zum Haarboden ohne Durchsetzung erstrecken. Je satter die Unterfarbe, desto ist sie. Eine satte Unterfarbe bewirkt eine satte Deckfarbe!

Bewertungspositionen und Fehlerbeispiele

Position 1 = Gewicht (20 Punkte)

3,0 kg = 15 Punkte
bis 3,25 kg = 16 Punkte
bis 3,5 kg = 17 Punkte
bis 3,75 kg = 18 Punkte
bis 4,0 kg = 19 Punkte
über 4,0 kg = 20 Punkte (Idealfall!)
über 5,0 kg = nicht befriedigend (nb)

Ein guter Züchter wird das auszustellende Tier immer auf dem Normalgewicht haben, um nicht bereits in dieser Position unnötigerweise wertvolle Punkte abzugeben! Erfahrungsgemäß ist auch die Körperform nicht voll ausgeprägt bzw. hinten nicht schön abgerundet, wenn das Tier Untergewicht hat.

Position 2 = Körperform, Typ und Bau (20 Punkte)

Rote Neuseelände, Herdbuch-LV-Schau des LV Weser-Ems,Ruth und Klaus Deters, Jever
0,1 Rote Neuseeländer 96,5 Punkte,
Herdbuch-LV-Schau des LV Weser-Ems 2008,
Zgm. Ruth und Klaus Deters, Jever
 

In dieser Position ist beispielsweise auf loses Brustfell, eckige Körperformen, spielende Blume, vorstehende Schenkel, lose Schultern usw. zu achten, um keine Punkte abzugeben. Ein Wammenansatz bei einem Rammler, fehlende Hoden, gespaltener Penis usw. haben die Bewertung „nb“ zur Folge.

Position 3 = Fellhaar (15 Punkte)

Hier ist auf die Dichte des Felles zu achten. Es darf weder dünn noch weich sein und muss genügend Granne besitzen. Weiterhin sollte fehlende Unterwolle vermieden werden.

Position 4 = Kopf und Ohren (15 Punkte)

Zu vermeiden sind ein spitzer oder schmaler Kopf, eine breite Ohrstellung, dünne und faltige bzw. zu kurze oder zu lange Ohren usw.

Position 5 = Deckfarbe und Gleichmäßigkeit (15 Punkte)

Farblose oder helle Krallen führen ebenso zu Punktabzügen (zweierlei Krallen bzw. gänzlich farblos = „nb“!) wie z.B. eine etwas helle Schoßpartie des Tieres, meliertes bzw. fleckiges Fell, fehlende Gleichmäßigkeit in der Deckfarbe oder eine helle Unterseite der Blume. Eine zu helle Deckfarbe, mit schwarzen Haaren durchsetzte Decke, weiß oder schwarz durchsetzte Ohrenränder, stark weiß durchsetzte Deckfarbe oder eine reinweiße Bauchfarbe oder Blumenunterseite erhalten die Bewertung „nb“!
 

Position 6 = Unterfarbe (10 Punkte)

Fehlerhaft ist eine unreine, weiß durchsetzte Unterfarbe bzw. eine Unterfarbe, die nicht im gleichmäßigen Ton bis zum Haarboden reicht.

Position 7 = Pflegezustand (5 Punkte)

Hier werden z.B. Kotballen an den Krallen, Schmutz im Fell, nicht gekürzte Krallen oder nicht gesäuberte Geschlechtsecken usw. bestraft. Jeder Züchter sollte bei einer Ausstellung in dieser Position eigentlich die volle Punktzahl einkalkulieren und seine Tiere dementsprechend schaufertig gemacht zu einer Ausstellung bringen. Saubere und gepflegte Ausstellungstiere sollten eine Selbstverständlichkeit sein!

Ausstellungen

Rote Neuseeländer sind heute sehr beliebt und auf fast allen Ausstellungen vertreten. Jährlich im Oktober findet die Neuseeländer-Club-Vergleichsschau statt, bei der neben Weißen Neuseeländern auch etwa 400 bis 600 Rote Neuseeländer von Club-Züchtern aus ganz Deutschland gezeigt werden. Inzwischen besteht eine Arbeitsgemeinschaft der Neuseeländer-Clubs im ZDRK.

Wolfgang Elias

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