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16. Dezember 2018 |
Tipps für Anfänger Kaninchenrassen Schaukalender

Rotavirus beim Kaninchen

Häufigste Ursache für Durchfallerkrankung nach Schauen

Jeder Züchter kennt dieses Problem, gesunde Tiere werden zu einer Ausstellung gebracht, verbringen dort in der Regel zwischen 3 - 5 Tage und nach der Schau beginnt im heimischen Stall das Übel.

Die ausgestellten Tiere weisen nach der Ausstellung eine Fressunlust auf und als Folge dessen beginnt häufig starker Durchfall, der sich nach und nach durch den gesamten Bestand zieht. In den meisten Fällen ist eine Rotavirusinfektion dafür verantwortlich.

Was sind Rotaviren?

Rotaviren sind hochgradig ansteckende Erreger, die zu mäßigem bis starkem Durchfall beim Kaninchen führen können. Weltweit sind sie die häufigste Ursache für schwere Magen-Darm-Erkrankungen sowohl beim Menschen als auch beim Tier. Die Erkrankung tritt in der Regel das ganze Jahr auf, vorwiegend jedoch in der kalten Jahreszeit zwischen November bis April.

Übertragungsweg von Rotaviren

Rotaviren sind weltweit verbreitet und hochansteckend, ein Kontakt mit ihnen lässt sich praktisch kaum vermeiden. Sie verbreiten sich durch die Luft und befinden sich somit im Stroh, im Heu, im Staub, in Futtermitteln und auch in verunreinigtem Wasser. Ihre hohe Widerstandsfähigkeit in der Umwelt garantiert den Rotaviren zudem eine lange Überlebenszeit.
Jeder Bestand hat eine interne Keim- und Erregerbelastung unter denen auch Rotaviren sein können. Auf diese bestandsspezifischen Keime und Erreger ist das Immunsystem unserer Kaninchen eingestellt, sodass Krankheiten innerhalb des Bestandes in der Regel nicht ausbrechen.

Auf Ausstellungen kommen viele verschiedene Keime und Erreger aus den jeweiligen Beständen zusammen. In der Regel ist das Immunsystem ausgewachsener Kaninchen in der Lage, nach einer Infektion die Rotaviren aus dem Körper zu eliminieren, sodass es nicht zum Ausbruch dieser Krankheit kommt. Durch den Stress, denen die Tiere nicht nur auf einer Schau, sondern auch im Vorfeld durch bspw. Transport und Schauvorbereitung ausgesetzt sind, wird das Immunsystem jedoch geschwächt.

Hinzu kommt, dass auf Schauen eine Futterumstellung stattfindet, zum einen wird nicht das für die Tiere bekannte pelletierte Futter gereicht  und zum anderen erfolgt mit dem auf Schauen gereichten Heu ebenfalls eine Umstellung. Fütterungsfehler während der Schau begünstigen zudem einen Ausbruch der Krankheit. Häufig wird versehentlich das Futter mit Wasser vermischt, sodass die Tiere einen Nahrungsbrei zu sich nehmen. Auch wird das gereichte Trinkwasser häufig schnell verunreinigt. Durch die offenen Wasserbecher haben die Tiere die Möglichkeit, dass sie mit den Läufen dort hineintreten können. All diese Faktoren tragen dazu bei, dass der Magen- und Darmtrakt ins Ungleichgewicht gerät.  

Die größte Keimübertragung beginnt dann auf dem Bewertungstisch. In der Regel findet die Bewertung der Kaninchen nach dem A-B-C-D-System statt, sodass je ein Tier eines Züchters durch einen Preisrichter bewertet wird. Da sich Rotaviren im Stroh befinden können, können sie entsprechend auch im Fell der Tiere haften bleiben und so übertragen sie sich durch Anfassen der Tiere von einen auf das andere Tier. Zudem kann sich die Erregerkonzentration innerhalb einer Zuchtgruppe durch die Bewertung von vier Preisrichtern um ein vielfaches erhöhen.

Da die Rotaviren an dem Kaninchen haften bleiben können werden sie durch das natürliche Putzverhalten der Tiere auf dem oralen Wege aufgenommen und gelangen so in den Organismus der Kaninchen. Zur Infizierung reicht bereits eine ganz geringe Virenmenge aus.

Die Infektionskette läuft dann ihren natürlichen Weg in den Käfigen weiter. Da die Tiere nur durch Gitterstäbe voneinander getrennt sind, so können sie die Keime durch Kontakt weiterhin von einem Tier auf das andere Tier übertragen.

Das tückische an dem Virus ist, dass es sich so schnell ausbreitet und bereits von einem infizierten Kaninchen übertragen werden kann, bevor bei diesem überhaupt die ersten Krankheitssymptome aufgetreten sind.

Symptome

Nach einer Inkubationszeit von ein bis drei Tagen tritt beim Kaninchen in der Regel Fressunlust mit anschließendem Durchfall auf. Zudem wirken die Tiere oft müde und teilnahmslos. Da das Rotavirus in insgesamt sieben humanpathogene Spezies innerhalb seiner Gattung eingeteilt wird, zu denen weiterhin noch eine Reihe von untergeordneten Serotypen gehören, können die Krankheitssymptome unterschiedlich in ihrer Stärke ausfallen. So kann es vorkommen, dass der Durchfall vier bis fünf Tage andauern kann. Es kann auch vorkommen, dass einige Tiere nur Fressunlust zeigen, ohne jedoch an anschließendem Durchfall zu erkranken.

Bei Jungtieren tritt die Krankheit in den meisten Fällen am stärksten auf, sodass sie beim schweren Krankheitsverlauf sogar zum Tod der Tiere führen kann. Bei tragenden Häsinnen führt das Virus zudem häufig zu einem Abort (Fehlgeburt).

Tiere des Bestandes infizieren sich

Sehr oft wird beobachtet, dass nicht ausgestellte Tiere des Bestandes ebenfalls nach der Schau erkrankten, obwohl sie nicht auf der Schau waren und mit den ausgestellten Tieren nicht in Kontakt kommen.

Die Übertragung des Virus erfolgt überwiegend durch den Züchter insbesondere durch deren Kleidung, durch direkten und indirekten Kontakt der Tiere, durch Gegenstände wie Futterbecher, Transportkisten ect. und durch die Luft. Die ausgestellten Tiere bleiben nach einer Infektion und nach Ausbruch der Krankheit für einige Wochen noch Ausscheider des Virus, sodass die Infektionskette im Bestand seinen Lauf nehmen kann.

Fazit

Dort wo viele Lebewesen zusammen kommen besteht immer die Gefahr, dass Krankheiten sich verbreiten können. Es ist von großem Vorteil ausgestellte Tiere für zwei Wochen separat (abseits vom Bestand) zu halten. Zu beachten ist bei der Fütterung, dass erst der Bestand und dann die von der Schau zurückgekehrten Tiere gefüttert werden. Die Transportkisten sollten nach einer Schau gründlich gereinigt werden. Wichtig ist zudem, dass jeder Züchter, der von einer Ausstellung zurück kommt, seine Kleidung wechselt bevor er seinen Bestand aufsucht. Diese Maßnahmen können wir tun, um die Infektionskette so gut es geht zu unterbrechen, dennoch besteht immer ein kleines Restrisiko, wie auch wir Menschen, trotz strikter Hygienemaßnahmen an einem grippalen Infekt erkranken können.

Marina Walks
 

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