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22. September 2018 |
Tipps für Anfänger Kaninchenrassen Schaukalender

Rhön-Rexe

Rhön Rexe, Michale Gerker

Seit 10 Jahren als Rasse anerkannt

Mittlerweile sind die Rhön-Rexe seit etwas mehr als 10 Jahren im Standard des ZDRK anerkannt. In der Entstehungsphase der Rasse und auch nach der Zulassung hat ständig ein fester Züchterstamm an der Verbesserung der Rasse gearbeitet und jährlich ca. 400 bis 600 Jungtiere gezogen. Seit etwa einem Jahr ist wieder ein größeres Interesse an den Rhön-Rexen zu verzeichnen. Als Herauszüchter dieser Rasse liegt es mir besonders am Herzen, die Rhön-Rexe weiter zu verbreiten. Neuanfängern helfe ich gerne mit Adressen oder auch Tieren weiter. Um eine Adressliste auf den aktuellen Stand zu bringen, ist es jedoch erforderlich, dass ich von allen aktiven Züchtern eine Adress-Info bekomme.

Jetzt nach 10 Jahren möchte ich noch einmal auf die Entstehung "meiner Rasse" eingehen. Die ersten Züchtungen der Rhönfarbe unternahm Karl Becker aus Stadtlengsfeld in Thürigen Ende der sechziger Jahre. Er verpaarte Kleinchinchilla und japanerfarbige Kaninchen, die aus Rheinischen Schecken stammten. Dabei ahnte er damals bestimmt nicht, was er damit ins Rollen brachte. Denn er erzüchtete auf diesem Wege das Rhönkaninchen, dessen Zeichnung wir heute auch bei einigen weiteren Rassen kennen. Durch den Chinchillafaktor wurde das Gelb der japanerfarbigen Tiere unterdrückt und es entstand ein Kaninchen in der Größe der Kleinchinchilla mit weißer Grundfarbe und streifig-geblümter schwarzgrauer Zeichnung.

Neue Zeichnungsvariante zuerst bei Rhönkaninchen

Schon 1973 wurden die ersten Rhönkaninchen auf der DDR-Siegerschau in Leipzig ausgestellt und Mitte der siebziger Jahre begann man auch in Westdeutschland mit der Rhönkaninchenzucht. 1981 wurden die Rhönkaninchen in der DDR zugelassen und 1985 erfolgte die Zulassung in der Bundesrepublik. Durch Lücken im Standard wurden dann auch Farbenzwerge rhönfarbig ausgestellt und Ende der achtziger Jahre wurden Deutsche Kleinwidder und Widderzwerge in rhönfarbig erzüchtet und vorerst als Neuzüchtung auf Landes- und Bundesschauen gezeigt.

Die rhönfarbigen Kaninchen gefielen mir schon immer, doch zuerst züchtete ich Dalmatiner-Rexe in dreifarbig. Da es sich hierbei um eine spalterbige Rasse handelt, fallen auch einfarbige Tiere, sprich japanerfarbig. Die meisten dieser Rexe waren aber fast schwarz und hatten eigentlich keine Ähnlichkeit mit Japanern. Doch die Tiere mit mehr Gelbanteil hatten eine interessante Zeichnung, die an die Rhönkaninchen erinnerte. Dadurch faßte ich Ende 1989 den Entschluß rhönfarbige Rexe zu erzüchten - im Prinzip auf dem gleichen Weg wie damals Karl Becker. Anhand der Japaner-Rexe konnte man ahnen, wie die noch etwas kontrastreichere grau-weiße Zeichnung auf dem Rexfell aussehen würde, doch es war noch schwer vorstellbar, da ja noch niemand ein solches Kaninchen gesehen hatte.

Günter Rektor verfolgte die Anfänge der neuen Rasse

Mir war klar, dass Kreuzungsversuche und Neuzüchtungen genehmigungspflichtig sind und so stellte ich, bevor ich überhaupt mit der ganzen Zucht begann, im Februar 1990 einen Antrag an den Landesverband Weser-Ems. Diesem Antrag fügte ich eine Musterbeschreibung bei, wie später einmal die Standardforderug aussehen sollte. Das war eine wirklich spannende Sache, da ich damals noch Jungzüchter war und wir gerade im Biologieunterricht die Vererbungslehre durchnahmen. Jetzt konnte ich die Mendelschen Gesetze auch einmal praktisch ausprobieren.

Rhön Rexe, Michale Gerker

Im März 1990 ließ ich zwei japanerfarbige Rexhäsinnen, die eine fast schwarz, die andere zu etwa gleichen Teilen gelb und schwarz, bei einem Zuchtfreund von einem Chin-Rex-Rammler belegen. Aus dieser Verpaarung fielen planmäßig nur graufarbige Nachkommen, die entfernte Ähnlichkeit mit Castor-Rexen hatten.

Anfang Juni kam dann die große Überraschung. Unser damaliger Landesverbandsvorsitzender Günter Rektor und einige weitere Mitglieder des Landesvorstandes kamen und wollten sich das Zuchtvorhaben vor Ort ansehen. Die Jungtiere hatten mit Rhön-Rexen nicht viel gemeinsam, doch das hatte man auch nicht erwartet. Günter Rektor erklärt mir, dass diese Jungtiere zuerst mit einem “K” für Kreuzung vor dem Vereinszeichen tätowiert werden mussten.

Die beiden Häsinnen warfen im Juli noch einmal von einem anderen Chin-Rex-Rammler und so hatte ich aus vier Würfen ca. 25 Nachkommen, die sich hervorragend entwickelten. Bei so vielen Tieren konnte man schon sehr gut aussuchen. Ich behielt von den grauen Rexen 4 Rammler und 12 Häsinnen und nahm hier ab Oktober 1990 Geschwisterpaarung vor, um vorerst zwei getrennte Linien zu behalten. Nach der Mendelschen Vererbungslehre sollten bei dieser Art der Weiterzucht unter 16 Jungtieren 9 graue, 3 chinfarbige, 3 japanerfarbige und 1 rhönfarbiges herausfallen.

Aller Anfang ist schwer

Die Vererbungslehre war für viele nur trockene Theorie. Kein Züchter aus dem Bekanntenkreis konnte sich vorstellen, daß aus dieser Kreuzung Rhön-Rexe fallen. In den ersten Würfen der F2-Generation gab es wirklich nur einfarbige Nachkommen und nach mehreren Monaten kamen auch mir erhebliche Zweifel. Erst am 26. Februar 1991 lag der erste Rhön-Rex im Nest und der war fast weiß, mit nur einem Fleck am Kopf und am Schenkel. Die Vererbungslehre hat mich ganz schön im Stich gelassen. Bei den japanerfarbigen Rexen mußten versteckte andere Anlagen vorhanden gewesen sein, denn von über 200 Nachzuchttieren von Oktober 1990 bis April 1991 waren nur 5 rhönfarbige dabei. Zwei davon waren formlich nicht besonders ansprechend, so dass im Endeffekt mit nur 3 Tieren weitergezogen wurde. Im September kam dann schon ein Wurf der F3-Generation zur Welt und alle acht Jungtiere waren rhönfarbig. Da die Rhön-Rexe ab dem 10.10.1991 als Neuzüchtung (nicht mehr als Kreuzug) zugelassen wurden, bekamen diese jetzt ein “N” vor dem Vereinstäto.

Schnell gab es auch Züchter, die großes Interesse zeigten und ab Anfang 1992 züchteten Klaus Karschewski (LV Weser-Ems) und Manfred Möhlmann (LV Westfalen-Lippe) mit. Das folgende Zuchtjahr verlief nicht sehr erfolgreich, die Zeichnung war meistens zu voll und so konnten auf der Bundes-Rammlerschau im Februar 1993 in Oldenburg nur 4 Tiere ausgestellt werden. Das Ergebnis: 3 x sehr gut, 1 x gut.

Rhön Rexe, Michale Gerker, Klaus Karschewski Rhön Rexe, Michale Gerker, Klaus Karschewski
Klaus Karschewski mit Jungtieren aus 2009  


Anfangs sehr großes Interesse

Nach dieser Schau, die mit einigen Werbemaßnahmen begleitet wurde, war der Zuspruch riesengroß. Jetzt wurden auch Zuchttiere in die südlichen Landesverbände abgegeben. Besonders in den Landesverbänden Bayern und Hessen-Nassau fanden sich viele Züchter. Die Rhön-Rexe wurden dann auf mehreren Landesverbandsschauen gezeigt und auch in größerer Anzahl auf den Bundesschauen. Es gab sehr gute Ergebnisse, aber auch harte Rückschläge. So wurden zuerst auch sehr stark gezeichnete Rexe ausgestellt, was gar nicht einmal bemängelt wurde. Doch schlimmer waren die Wammen, lose Fellhaut und teilweise auch Kahlstellen an den Läufen. Mehrere Züchter gaben bei diesen Schwierigkeiten und dem Warten auf die Zulassung die Zucht wieder auf. Die anderen blieben hartnäckig dabei und verbesserten innerhalb kurzer Zeit durch Selektion ihre Linien. Ganz unabhängig von allem erzüchtete Marc Arheidt aus Karlsruhe die Rhön-Rexe Mitte der Neunziger auf gleichem Weg heraus. Dies war sehr vorteilhaft, da man so fremdes Blut in die Zucht bekam.

Der eigentliche Durchbruch der Rhön-Rexe kam dann auf der Bundes-Rammlerschau 1999 in Saarbrücken. Dort standen 32 Rhön-Rexe von 6 Züchtern aus 5 Landesverbänden. Sehr ansprechend waren die Formen und markanten Köpfe, ebenso der Größenrahmen und die Zeichnungen.In den Reihen der Neuzüchtungen waren jetzt viele Besucher anzutreffen, die einfach begeistert waren.

Das Ergebnis hat dann letztendlich auch die Standardkommission überzeugt, so dass die Rhön-Rexe am 1.1.2000 in den Einheitsstandard des ZDK aufgenommen werden.

Auch im Ausland zugelassen

Auch in Tschechien war damals sofort Interesse vorhanden. Zuchtfreund Josef Semirád bekam im Sommer 1993 Tiere von mir und fand Mitstreiter für die Rasse. Die Züchter bauten sich danach eine eigene Linie auf. Dort wurden die Rhön-Rexe sogar schon früher als bei uns zugelassen. Außerdem gab es auch Züchter in Luxemburg. Desweiteren wurden auf der Europaschau 2009 in Nitra 4 Tiere aus Slovenien ausgestellt und auch in Österreich gibt es mehrere Züchter, die sich dort um eine Anerkennung bemühen wollen.

Die Standardforderungen der Rhön-Rexe

Die Bewertung erfolgt nach folgenden Positionen:
1. Gewicht
2. Körperform und Bau
3. Fell
4. Kopf und Ohren
5. Zeichnung
6. Farbe
7. Pflegezustand

Rhön Rexe, Michale Gerker, Klaus Karschewski
1,0 Rhön-Rex aus der Zucht von Klaus Karschewski, Lotte-Büren

Aufgrund der Abstammung habe ich mich von Anfang an entschieden, die Rhön-Rexe bei den größeren Rexrassen einzuordnen. Das geforderte Gewicht liegt somit bei 3,5 bis 4,5 Kg. In der Anfangszeit waren die Tiere größenmäßig sehr unterschiedlich. Einige kamen nur knapp auf Gewicht, andere lagen bei 4,3 kg. Heute haben sich die größeren durchgesetzt und des öfteren liegen überjährige Tiere auch oberhalb des Höchstgewichtes. Gefordert wird wie bei allen Rexrassen der Rextyp. Er entspricht dem Urtyp des Castor-Rex. Die einzelnen Körpermerkmale treten stärker in Erscheinung als bei den Normalhaarrassen. Jedoch darf man als Züchter nicht zu große Kompromisse eingehen. Leicht abstehende Schenkel z. B. sollten nicht akzeptiert werden.
Der Körper wird leicht gestreckt gefordert, möglicht gleichmäßig breit. Die Rückenlinie verläuft ebenmäßig, die Hinterpartie ist gut gerundet. Insgesamt haben sich die Tiere in dieser Hinsicht deutlich verbessert. Bei den Läufen sollte darauf geachtet werden, dass sie gerade und kräftig sind und die Tiere sich in einer bodenfreien Stellung gut zeigen. Der Hals tritt kaum in Erscheinung. Bei den Häsinnen sollte man weiter bestrebt sein, die Wammen wegzuzüchten. Nur bei überjährigen Tieren werden sie sich nicht vermeiden lassen, wie es auch bei den anderen Rexrassen der Fall ist. Beim Rammler darf sie auch für die Zucht nicht akzeptiert werden. Ebenfalls muß man auf Tiere mit loser Fellhaut oder Falten am Bauch verzichten.

Gute Fellqualität besonders wichtig

Bei den Fellen ist eine Länge von 17 bis 20 Millimeter gefordert, bei der Bewertung wird dies zwar nicht nachgemessen, aber die Haarlänge sollte nicht zu kurz werden. Außerdem muß man in der Zucht auf Tiere mit zu harter oder zu langer Granne verzichten. Die feinen nicht gekrümmten Grannenhaare sollen mit dem Unterhaar in gleicher Höhe abschneiden. Die Grannenspitzen dürfen aus dem Wollflaum höchstens 1 Millimeter herausragen. Bei einem Dichten, weichen Fell kommt die Zeichnung am besten zur Geltung. Die einzelnen Haare dürfen weder wellig sein noch Locken bilden. Sie müssen über eine genügende Stabilität verfügen. Wenn man mit der flachen Hand über das Fell streicht, sollen sie fast senkrecht stehen bleiben oder nur langsam in ihre Ausgangslage zurücksinken. Bleiben die Haare gegen dem Strich liegen, so ist dies ein Anzeichen von zu dünnem Fell. Der Nacken ist möglichst lockenfrei. Kahlstellen an den Sprunggelenken müssen bei gestrecktem Lauf verdeckt werden.

Kopf und Ohren

Bei den meisten Rexrassen gehört diese Position zur Körperform. Bei den Rhön-Rexen haben wir uns entschieden, diese als eigene Position aufzunehmen.
Der Kopf ist ein wenig länglich. Stirn- und Schnauzenpartie sind breit. Die Backen sollen kräftig sein, so dass der Kopf schön rundlich wirkt. Die Ohren sollen straff aufgerichtet getragen und in der Länge und Breite zum Körper passen. Durch die Felllänge erscheinen sie etwas länger als bei den Normalhaarrassen. Die Züchter sollten auch besonders darauf achten, daß die Ohren an den Spitzen nicht faltig sind, sondern schön offen getragen werden. Diesbezüglich hat man auf den letzten Bundesschauen viele hervorragende Vertreter gesehen.

Hauptrassemerkmal ist die Zeichnung

In Hinsicht auf die Zeichnung hat sich die Standardkommission an die Beschreibung der Rhönkaninchen gehalten. Gefordert wird eine Zeichnung aus Flecken Streifen und Spritzern, die über den ganzen Körper möglichst gleichmäßig verteilt sein sollen. Kopf, Ohren und Läufe sind mit einbezogen. Die Blume bleibt unberücksichtigt. Hier möchte ich ergäzend erwähnen, dass man keine gleichmäßig “schimmelige” Zeichnung möchte. Sie sollte etwas streifig bzw. getigert sein. Es müssen auch klare weiße Stellen vorhanden bleiben. Eine scharf abgegrenzte, symmetrische Zeichnung wie sie beim Japanerkaninchen gefordert wird, ist nicht erwünscht. Zu den leichten Fehlern gehören: Fehlen von Zeichnung an einem Ohr oder beiden Vorderläufen; etwas volle, grobe oder verschwommene bzw. etwas schwache Zeichnung und geteilte Kopfzeichnung. Zu den schweren Fehlern gehören: Gänzliches Fehlen von Zeichnung am Kopf und/oder an beiden Ohren; kreuzweise geteilte Kopf- und Ohrenzeichnung; zu große Zeichnungsfelder bzw. Felder ohne Zeichnung, die mehr als ein Viertel des Körpers bedecken; stark verschwommene Zeichnung. In der Zucht sollte man nicht auf Tiere mit japanerähnlicher Zeichnung verzichten. Diese vererben meist schöne kräftige Farben.

Interessantes Farbspiel

Auf dem Kurzhaar entsteht ein wunderbares Farbspiel aus der weißen Grundfarbe und der graufarbig bis schwarzgrauen Zeichnungsfarbe. Je intensiver und klarer die Farben sind, umso besser ist das gesamte Farbbild.
Es muß besonders differenziert werden, dass in dieser Position die Zeichnung nicht mitbewertet wird. Ein zu vollgezeichnetes Tier darf hier nicht noch ein zweites mal bestraft werden. Die Krallenfarbe ist im Vergleich zu den Rhönkaninchen meist dunkelhornfarbig, wobei sie auch hellhornfarbig erlaubt ist. Eine weiße (pigmentlose) Krallenfarbe führt zum Ausschluss. Die Augenfarbe ist braun.

Zur Zucht

Die Zucht der Rhön-Rexe ist nicht mit der einer Scheckenrasse zu vergleichen. Die Standardbeschreibung grenzt diese Rasse nicht so stark ein und man kann einen Großteil seiner Tiere ausstellen. Die Würfe fallen jedoch unterschiedlich aus. Dabei ist es fast egal, ob man mit hellen, dunklen oder gutgezeichneten Rhön-Rexen züchtet. Die meisten Züchter verfahren wohl nach dem Schema hell x mittel oder mittel x dunkel. Selbst bei gleichen Verpaarungen kann das Ergebnis jedesmal anders aussehen. Es kann Würfe mit 8 gutgezeichneten Nachkommen geben oder es kann auch mal nur eines sein. Die Häsinnen werfen meist sehr gut. Sieben bis neun Jungtiere sind keine Seltenheit.

Die Rhön-Rexe werden in fast allen Landesverbänden gezüchtet. Nur leider gibt es bisher überall nur wenige Züchter. Um Neuanfängern zu helfen und eine aktuelle Adressliste zu erstellen, bitte ich um Übersendung von Adressen an meine E-Mail-Adresse

Michael Gerker
redaktion@kleintiernews.de
 

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