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16. Dezember 2018 |
Tipps für Anfänger Kaninchenrassen Schaukalender

Rainer Retschitzegger, Österreich

Ein bekanntes Gesicht der EE

Die Erinnerungen an die letzte euro-päische Preisrichterschulung in Dänemark sind noch frisch und man erinnert sich gerne wieder an all die Züchterfreunde, die teilweise mehrere 1000 km auf sich nahmen, um den europäischen Gedanken in der Rasse-kaninchenzucht immer lebendiger zu gestalten. Doch einfach so, geht es nun dann aber auch wieder nicht. Hierzu gehören auch einheitliche Richtlinien, besonders wenn es um die Ermittlung der Besten geht. Und genau dafür gibt es den Europastandard, der durch die EE-Standardkommission verfasst wurde und ständig angepasst wird. Hierzu benötigt es dann Personen, die mit ihrem besonderen Engagement vorangehen. Davon ist einer sicherlich Rainer Retschitzegger aus dem österreichschen Hinterstoder. Und dass der Oberösterreicher keineswegs ein „Hinterstädter“ ist, so wie es der Ortsname irrtümlich vermuten lässt, davon könnt ihr Euch im folgenden Porträt selbst überzeugen.

Die Heimat von Hannes Trinkl und Rainer Retschitzegger

In einem Seitenarm des Stodertals wohnen Rainer und seine Frau Rosa in der idyllschen Tambergau direkt an der Steyr. Seine Heimatgemeinde, der Alpengebirgsort Hinterstoder, ist für viele noch ein unbekanntes Fleckchen Erde. Umgeben von den Bergriesen des Toten Gebirges (mehrere Zweitausender) befindet sie sich in einem landwirtschaftlich geprägten Tal, welches Inbegriff für Entschleunigung und Nachhaltigkeit ist. Vielleicht ist das der Ursprung für Rainers Gelassenheit – denn so schnell bringt man ihn nicht aus der Ruhe. Auch ist seine Heimat für den „Alpenurlaub ohne Autostress“ noch eher was für Insider. Es sei denn, man ist ein Fan des Wintersports. Denn bereits seit 1986 finden im örtlichen Skigebiet Alpine Skiweltcuprennen statt. Auf der Hannes-Trinkl-Weltcupstrecke (benannt nach dem aus der Region stammenden Abfahrts-Weltmeister von 2001) sammelten schon Skirennfahrer-Größen wie Hermann Maier, Marcel Hirscher oder auch die „Wilde Hilde“ (Gerg) ihre Weltcuppunkte. Doch sonst ist der ruhige Ort eine Oase der Entspannung und liegt ziemlich zentral in Österreich, somit nur einen „Kaninchensprung“ von Wels entfernt. Nur läppische 60 km sind es zum österreichischen Kaninchenmekka, wo schon viele nationale Großschauen, aber auch die Europaschau stattfanden. Meistens war und ist Rainer dann in vorderster Reihe als Organisator und Mitarbeiter mit dabei.

Ein bekanntes Gesicht des RÖK und der EE

Als aktiver Kaninchenzüchter im Rassezuchtverband Österreichischer Kleintierzüchter (RÖK) ist er dort auch vielseitig engagiert. Im hiesigen Verband bekleidet er das Amt des Bundesspartenobmanns Kaninchen und ist zusammen mit seinem Kollegen Wolfgang Hammerl der Admin der Sparte Kaninchen. Zudem ist er schon seit 22 Jahren Preisrichter in der Sektion Oberösterreich und auch schon lange Zeit Mitglied der RÖK-Standardkommission. Unter anderem setzte er sich dann auch für die Einführung des Europastandards im RÖK ein, welcher nun seit ein paar Jahren mit nationalen Ergänzungen maßgebend ist.

Nachdem er sich jetzt auch schon einige Jahre als Präsident der EE-Standardkommission um die Zusammenführung der Rassen in Europa und um den Europastandard kümmerte, ist er seit diesem Jahr auch der Spartenleiter Kaninchen der EE und tritt somit in die Fußstapfen von Erwin Leowsky.
 

EE-Standardkommission 2016                                                                      Foto: Markus Vogel


So zählt er in Europa irgendwie schon zum Inventar. Wegen seiner Erfahrung und seiner Bekanntheit ist er eben eine der Anlaufstationen für die Züchter und ihre Belange und dabei hat er für jeden Züchter, egal ob national oder international, stets ein offenes Ohr und verfolgt alle Aktivitäten rund um die Kaninchenzucht sehr aufmerksam. Dafür benötigt es eben auch seine besondere Fähigkeit: Die innere Ruhe.

„In der Ruhe liegt die Kraft“

 Kaninchen- und Taubenzüchter vereint, v.l.
 Stefan Kreim aus Stein/Sachsen, Jens
 Passecker (Taubenzüchter, A), Rainer 
 Retschitzegger (Spartenobmann Kaninchen im
 RÖK), August Heftberger (Spartenleiter Tauben
 im RÖK) und Bernd Röhlig aus Zwota/Sachsen.

Das ist eine dieser Aussagen, die man vom Beamten im Bundesministerium für Landesverteidung als erstes zu Hören bekommt, wenn es anscheinend wieder ein „brennendes“ Problem gibt. Anscheinend bringt einen „Stoderer“ nichts so schnell aus der Fassung. Mit seinen 57 Jahren hat er aber auch schon sehr viel Erfahrung und weiß, dass sich viele Probleme gemeinsam besser lösen lassen. So vermittelt er in seinen Tätigkeiten auch immer das Gefühl eines Miteinanders. Das macht ihn aus – als „einen von uns“. Er versteht es aber auch, sein Augenmerk auf die wesentlichen Punkte unseres Hobbies zu fokussieren und auch dementsprechend für eine Entscheidung zu sorgen. „Selbst mal mit hinlangen“ gehört hier dann auch mal dazu. „Hier sollte man sich nicht zu schade sein.“ Und weil Hinterstoder irgendwann sogar mal zum bayrischen Herzogtum gehörte, „is‘s koa Wunda, dassa so sympathisch rüba kummt.“ Aber auch im ZDRK fühlt er sich zuhause und hat selbst als Hallenmeister auf Bayernschauen in Straubing tatkräftig zugepackt. Als aktiver Züchter sollte das für jeden selbstverständlich sein.

Oberösterreich ist die züchterische Heimat

Rainer und seine Tochter Martina sind im oberöstereichischen Mühlenviertel dem Rassezuchtverein E1 Region Gusental angeschlossen, der wiederum zur Gruppe 2 - Linz gehört - im Landesverband der Rassekleintierzüchtervereine Oberösterreich mit Tier-, Natur- und Umweltschutz. Nicht nur züchterisch sind Rainer und Martina eine Gemeinschaft, sie wirkt auch als Sekretärin aktiv im RÖK mit. Zudem sieht man beide häufig als EDV-Verantwortliche bei verschiedensten Schauen und Rainer wird zudem als Referent für verschiedenste Themen der Rassekaninchenzucht sehr geschätzt. Hierzu bereist er als EE-Repräsentant auch andere Länder, wie z.B. 2017 Deutschland und Rumänien.

Seine Rasse, die Farbenzwerge russenfarbig schwarz-weiß

Die Russenzwerge sind seine Herzensrasse. Auch wenn er schon seit 1984 Rassekaninchen (z.B. Weißgrannen und Farbenzwerge in schwarz, Thüringer oder Blau-Rexe) züchtete, so verbindet man ihn immer mit den Farbenzwergen russenfarbig. Kein Wunder, denn er züchtet sie bereits seit 1989 und konnte mit ihnen schon die größten Erfolge feiern: Er wurde sowohl in Brno (1998) als auch in Wels (2000) Europameister und holte ansonsten schon mehrfach sowohl Bundes- als auch Landesmeistertitel. Normalerweise zieht er um die 25 Jungtiere, wobei hier dann bis zu vier Rammler und acht Häsinnen zum Einsatz kommen. Mit der Wurfgröße von zwei bis vier Jungtieren gibt er sich zufrieden, denn „das ist halt für Zwerge normal“. Ein besonderes Zucht-geheimnis hat er hierbei nicht. Lediglich auf eine lange Aufzuchtzeit legt er sein Augenmerk, d.h. dass die Jungtiere möglichst lange bei der Mutter sind. Er hat so nur beste Erfahrungen gemacht. Züchterisch achtet er hier besonders auf den Zwergentyp. Hierfür stehen dann Doppelbuchten zur Verfügung. Ansonsten ist seine mit 80 Buchten ausgestattete Stallanlage eine wie jede andere auch. Die Boxenmaße betragen 60x60 cm bzw. 80x80 cm.

Sallander in Zuchtgemeinschaft

Seit nunmehr drei Jahren widmet er sich, in Zuchtgemeinschaft mit seiner Tochter Martina, auch den Sallandern in heller „Milchkaffeefarbe“; wie es eben der Europastandard fordert. Hier werden dann ca. 30 Jungtiere gezogen. Wegen der großen Würfe reichen hier dann zwei Rammler und vier Häsinnen.

Gefüttert werden Pellets, handgewendetes Heu und Karotten. Auf die Betonung „handgewendetes Heu“ legt er einen besonderen Wert, auch wenn sich dahinter ein klein wenig Ironie verbirgt. Dabei kann er sich sein bekanntes Grinsen nicht mehr verkneifen. Für ihn ist ein solches Heu ja „normal“ und mit diesem Schlagwort wurde gutes Bergwiesenheu den Züchtern schon mehrfach und einfach „übertrieben teuer“ angeboten. Die besondere Qualität dieses Heus will er aber trotzdem nicht schmälern. Heu ist in seinen Augen unverzichtbar für die Vitalität der Kaninchen. Doch zurück zu den Sallandern: An diesen fasziniert ihn die Farbe und findet die sich in Europa unterschiedlich entwickelnden zwei Farbvarianten bedenklich. Ihm wären gleiche Vorstellungen über die Farbausprägung lieber, auch wenn beide Nuancen ihre Anhänger begeistern.

Neue Ziele im Visier

Bei der diesjährigen EE-Tagung in Dänemark wurde Rainer Retschitzegger einstimmig zum neuen Spartenleiter Kaninchen der EE gewählt und wird sich nunmehr nunmehr mit viel Engagement für die Rassekaninchenzucht in Europa einsetzen. 

Markus Grillenbeck

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