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16. Dezember 2018 |
Tipps für Anfänger Kaninchenrassen Schaukalender

Praxistipps für die Zucht von Rassekaninchen

Kaninchenzucht

Der Beginn der Zucht beginnt bereits im Herbst mit der Planung der Verpaarungen und hängt weitgehend von der Witterung und den Stallverhältnissen, von der gezüchteten Rasse sowie von der Zahl der Würfe ab, die für das Zuchtjahr vorgesehen sind. Zudem ist der Zuchtbeginn vielfach abhängig von den Ausstellungsterminen, an denen die Tiere teilnehmen sollen. In der Regel findet die Zuchtsaison von Oktober bis Mai statt. Pro Häsin werden meist 2 bis 3 Würfe im Jahr angestrebt. Durch eine ganzjährige Zucht kann die Nachkommenzahl wertvoller Tiere erhöht werden, wodurch die Selektionsmöglichkeiten zunehmen. Gerade durch eine hohe Selektionsintensität wird der Zuchtfortschritt erheblich gefördert.
  
Zuchtwahl
Für die Zucht sollten nur Tiere gewählt werden, die wichtige Grundeigenschaften hinsichtlich Gesundheit, Fruchtbarkeit und Vitalität erfüllen. Bei der Auswahl der Zuchttiere ist ein strenger Maßstab anzulegen an Körperform, Rassenmerkmale sowie die eigene Leistung und die der Wurfgeschwister oder Vorfahren. Da sich der züchterische Fortschritt mit zunehmender Zahl der zu berücksichtigenden Merkmale verlangsamt, müssen entsprechend dem im Vordergrund stehenden Zuchtziel Zugeständnisse bei weniger wichtigen Merkmalen oder Eigenschaften gemacht werden. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit von Kompromissen: Man muss jeweils das Exterieur- oder Leistungsmerkmal am stärksten berücksichtigen, welches am wichtigsten erscheint und die anderen Merkmale zurückstellen.  
   
Zuchteinsatz
Hinsichtlich des Alters beim ersten Zuchteinsatz ist zu unterscheiden zwischen der Geschlechts- und der Zuchtreife. Die Geschlechtsreife (etwa ab dem 5. Lebensmonat) kennzeichnet den Beginn der Fortpflanzungsfähigkeit. Die Zuchtreife schließt demgegenüber die von der Nährstoffversorgung abhängige körperliche Entwicklung mit ein. Im Allgemeinen ist die Zuchtreife dann erreicht, wenn das für die Rasse typische Normalgewicht erreicht ist. Bei der Auswahl der Rammler müssen besonders strenge Maßstäbe an Befruchtungsfähigkeit und Vererbung gelegt werden. Die Deckfähigkeit allein bietet noch keine Gewähr für die Zuchttauglichkeit. Der Deckeinsatz erfolgt erst nach Erreichen der Zuchtreife. Eine ausreichende Spermaqualität bleibt erhalten, wenn der Rammler zwei- bis dreimal wöchentlich zum Decken eingesetzt wird. Bei stärkerer Belastung sollte anschließend eine Ruhepause eingelegt werden. Nach mehrmonatigen Ruhepausen kann die Deck- und Befruchtungsleistung des Rammlers reduziert sein. Unter der Voraussetzung optimaler Haltungs- und Fütterungsbedingungen können Rammler drei Jahre und länger eingesetzt werden. Zuchthäsinnen werden aus Jungtieren ausgesucht, deren Mütter in wiederholten Würfen überdurchschnittliche Fruchtbarkeits- und Aufzuchtleistungen (Säugeleistung und Nestpflege) unter Beweis gestellt haben. Da die Häsin in der Regel nicht mehr Junge aufziehen kann, als sie Zitzen hat, müssen Häsinnen mit hoher Zitzenzahl in der Zucht eingesetzt werden. Die Zahl der Zitzen variiert innerhalb der verschiedenen Rassen zwischen 6 und 12. Die erste Belegung der Häsin sollte nicht vor dem Erreichen der Zuchtreife erfolgen, um ihre eigene Entwicklung nicht zu stören. Mit fortschreitendem Alter lässt die Fruchtbarkeit nach. Auch eine Verfettung führt in der Regel zu verschlechterten Zuchtleistungen. Solange die Häsin problemlos trächtig wird und eine ausreichende Zahl an Jungtieren pro Wurf aufzieht, ist sie für die Zucht geeignet.
 
Verpaarung
Etwa 2-3 Wochen vor der geplanten erstmaligen Verpaarung wird die Häsin in eine Einzelbox gesetzt. Bei Gruppenhaltung von geschlechtsreifen Häsinnen kann es durch gegenseitiges Bespringen zur Ovulation und daraus resultierend zur Scheinträchtigkeit kommen. Während der Scheinträchtigkeitsperiode kann die Häsin nicht erneut belegt werden kann, sondern erst nach etwa 17-18 Tagen mit Beginn des Nestbaues. Zur Paarung wird die Häsin zum Rammler gesetzt. Die Häsin wird durch den typischen Geruch der Rammlerbucht stimuliert. Der Rammler ist in seiner gewohnten Umgebung sexuell aktiver. Infolge des Paarungsspieles und des anschließenden Deckaktes wird bei der Häsin die Ovulation ausgelöst, so dass kurze Zeit nach der Paarung Eizellen für eine erfolgreiche Befruchtung im Eileiter bzw. in der Gebärmutter vorhanden sind. Lässt sich eine Häsin nicht auf Anhieb decken, sollte man sie für 4-6 Stunden in eine Bucht unmittelbar neben dem Rammler einstallen, so dass sie Sicht- und Geruchskontakt mit dem Rammler hat. Bei besonders hitzigen Häsinnen ist gelegentlich Hilfestellung während des Deckvorgangs nötig. Um Rammler vor Beißereien der Häsin wegen der möglichen Verletzungsgefahr zu schützen, sollte der Züchter solche Häsinnen während des Deckaktes am Kopf festhalten.
Einige Züchter wenden erfolgreich das Belegen der Häsin in einer Gruppe an. Dazu wird der Rammler ein Woche vor dem Belegungsbeginn in die Laufbox gesetzt. Die Häsinnen, max. 5 pro Rammler, werden dann gleichzeitig zum Rammler gesetzt und verbleiben dort bis zur erfolgreichen Befruchtung.

Werfen und Wurfkontrolle
Das Wildkaninchen ist von Natur aus ein Höhlenbewohner und setzt seine Jungen in einer 30-40 cm tiefen Erdhöhle ab. Auch unser Hauskaninchen ist in seinem Wurfverhalten noch von diesem Instinkt geprägt. Deshalb wird der Häsin ein geschlossener Wurfkasten bereits einige Tage vor dem Werfen zur Verfügung gestellt. Sofort nach dem Werfen erfolgt die erste Nestkontrolle zur eventuellen Entfernung der Nachgeburten sowie lebensschwachen Jungtiere und Totgeburten. Kommen mehrere Häsinnen gleichzeitig zum Werfen, so können in den ersten Tagen nach dem Werfen die Würfe ausgeglichen werden, um damit die Voraussetzung für eine gleichmäßige Entwicklung der Jungtiere zu schaffen. Das bedeutet, dass von großen Würfen überzählige Jungtiere den Häsinnen mit kleineren Würfen zugesetzt werden. Um die Abstammung der umgesetzten Jungtiere nachzuvollziehen, sollten die Tiere gekennzeichnet werden. Dieses kann durch eine Markierung mit einer Tätowiernadel oder mit einem hautverträglichen Filzschreiber erfolgen. Stark zurückgebliebene und unterentwickelte Jungtiere sollte man nach der Wurfkontrolle entfernen, um sie vor dem Hungertod zu bewahren. Ist der Nestbau unzureichend, kann der Züchter durch Zupfen der Wolle in der Zitzenregion der Häsin das Nest auffüllen. Ab dem 2. Lebenstag der Jungtiere kann man der Häsin den Zugang zum Nistkasten versperren und nur unter Aufsicht zum Säugen ein- bis zweimal am Tag zu lassen. Die getrennte Haltung von Häsin und Jungtieren während der Säugezeit verringert den Infektionsdruck mit Krankheitserregern, die von der Häsin auf die Jungtiere übertragen werden können wie z.B. Coccidiose, Schnupfen). Aus hygienischen Gründen müssen die Nester täglich kontrolliert werden, um verendete Tiere so schnell wie möglich zu entfernen. Bei Bedarf wird dabei Nesteinstreu ergänzt bzw. sofern sie durchnässt ist erneuert.


Geschlechtsunterscheidung
bei Jungtieren

Säugen und Absetzen
Innerhalb der ca. fünf Minuten dauernden Säugezeit nehmen die Jungen eine Milchmenge auf, die bis zu 30 % des Eigengewichts der Jungtiere betragen kann. Die blind geborenen Jungtiere sind in den ersten Lebenswochen auf die Muttermilch als alleiniges Nahrungsmittel angewiesen. Zehn Tage nach der Geburt öffnen sie die Augen. Eine Woche später beginnen sie, das Nest zu verlassen. Die tägliche Milchleistung der Häsin erreicht bei beliebiger Aufnahme eines Mischfutters zwischen dem 19. und 23. Tag nach dem Werfen ihren Höhepunkt. Am 21. Lebenstag beträgt der Anteil der Muttermilch an den von Jungtieren aufgenommenen Nährstoffen noch etwa 90%. Die erzeugte Milchmenge ist neben der erblichen Veranlagung sehr stark von der Fütterung abhängig. Mit Grünfutter wird im Vergleich zur beliebigen Aufnahme eines Alleinfutters für Zuchttiere trotz Gewichtsverlustes der Häsin nur etwa 60 % der Milchmenge erzeugt. Bei unzureichender Ernährung der Häsin während der Säugezeit ist auch der Abfall der Säugeleistung bei den folgenden Würfen infolge erschöpfter Körperreserven größer. Das an die Häsin verabreichte Futter muss daher umso nährstoffreicher sein, je kürzer die Zwischenwurfzeit ist. Eine Verlängerung der Säugezeit über 5 Wochen hinaus bringt für die Jungtiere keinerlei Vorteile mehr. Nach der dritten Woche fällt die Milchleistung stark ab. In der 8. Woche sind allenfalls noch 10 % der Milchleistung im Vergleich zur 3. Woche zu erwarten. Häufig hat zu diesem Zeitpunkt die Milchbildung ganz aufgehört.
  
Absetzen der Jungtiere
Das Absetzen der Jungtiere kann ab dem 28. Lebenstag erfolgen. In der Praxis haben sich verschiedene Modelle zum Absetzzeitpunkt durchgesetzt. Teilweise werden die Jungkaninchen bis zur achten Lebenswoche bei der Häsin belassen.


Expertenteam Kaninchen
Muskator Werke GmbH
c/o Jürgen Vedder
Otto-Hahn-Straße 40
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www.ovator.de

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