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18. September 2018 |
Tipps für Anfänger Kaninchenrassen Schaukalender

Neue Düngeverordnung - Das müssen Kaninchenhalter beachten!

Auch wenn Kaninchen im Vergleich zu Rindern, Schweinen, Pferden und Schafen „nur“ kleine Nutztiere sind, so darf man nicht unterschätzen, dass auch bei der Rassekaninchenzucht im Laufe des Jahres allerhand Mist, je nach Anzahl der Zucht- und Jungtiere, zusammen kommt. Durch das Misten leisten wir einen wesentlichen Beitrag für das Wohlbefinden unserer Tiere und es fließt auch in den Tiergesundheitsbereich ein, denn in verunreinigten Buchten können sich beispielsweise viele krankmachende Bakterien bilden und vermehren.

Nun ist es für einige Züchter nicht ganz einfach ihren Mist zu entsorgen. Gerade in Wohnsiedlungen ist die Entsorgung von Mist immer wieder eine Herausforderung. Auf dem Dorf ist es hingegen schon etwas einfacher. Entweder fährt man seinen Mist zum benachbarten Landwirt, der diesen auf seinen Ländereien ausbringt, oder er wird unkonventionell vor Ort kompostiert und zur Bodenverbesserung genutzt.

Seit 2017 wurde im Rahmen einer umfassenden neuen Düngeverordnung die Lagerung, das Inverkehrbringen, Zwischenlagern und Ausbringen von Mist noch strenger reguliert.



Seit dem 01.01.2018 sind die Vorgaben der Europäischen Wasser-Rahmenrichtlinie und die neuen Anforderungen an die Lagerung von Wirtschaftsdünger durch eine novellierte Düngeverordnung bundesweit verpflichtend. Ziel dieser Verordnung ist zum einen eine bedarfsgerechte Versorgung von Grünland und angebauten Pflanzen und dass die Oberflächengewässer, wie auch das Grundwasser in einem gesunden Zustand verbleiben und von schädlichen Substanzen (Nährstoffüberversorgung) freigehalten werden.

In der Verordnung geht es zum einen um eine Reduzierung der Nitratbelastung im Grundwasser und des Weiteren kommt der Verringerung von Phosphor- und Stickstoffeinträgen in den Fließgewässern größere Bedeutung zu. Alles in Allem ein vernünftiger gedanklicher Ansatz, um das biologische Gleichgewicht für Mensch, Tier und Umwelt in Einklang zu bringen.

Von den neuen Vorgaben sind ab sofort nicht mehr ausschließlich Vollerwerbsbetriebe, sondern auch Hobbyhalter betroffen. Eine Herausforderung besteht in Zukunft darin, dass viele Landwirte aufgrund der neuen Düngemittelbilanzierung ungern betriebsfremden Mist auf ihren Flächen ausbringen wollen.

Kaninchenmist als Wirtschaftsdünger?

Festmist ist ein Gemisch aus Kot, Harn, Einstreu (Stroh, Sägespäne) und Futterresten, der bei der Haltung von Tieren in Stallungen mit Einstreu anfällt. Der Kot der Tiere ist in der Regel vollständig, der Harn je nach Einstreu, Haltung und Tierart zu unterschiedlichen Anteilen im Festmist enthalten. Festmist ist aufgrund seiner Konsistenz und seines Trockenmassegehaltes ein stapelfähiges Gemenge.

Im landwirtschaftlichen Stoffkreislauf wird der Festmist als langsam fließende Nährstoffquelle und zur Reproduktion der organischen Substanz des Bodens genutzt. Festmist ist nach § 1 Nr. 2 des Düngemittelgesetzes ein Wirtschaftsdünger, der im landwirtschaftlichen Produktionsprozess entsteht und Nutzpflanzen mit dem Zweck zugeführt wird, ihr Wachstum zu fördern, ihren Ertrag zu erhöhen oder ihre Qualität zu verbessern. Für Festmist werden an mehreren Stellen der Düngeverordnung (DüV) Vorgaben zur guten fachlichen Praxis getroffen, andererseits wird Festmist von einigen Festlegungen der DüV nicht berührt. Wenn Festmist wie auch Gülle zur Düngung entsprechend der DüV eingesetzt wird, handelt es sich um Wirtschaftsdünger.

Werden jedoch die Grundsätze des Düngemittelgesetzes und der DüV im Rahmen der landwirtschaftlichen Verwertung außer Acht gelassen, so wird der Festmist zu Abfall und es gelten die Bestimmungen des Abfallrechts.

Lagerung von Kaninchenmist

Jeder Kaninchenhalter steht in der Verpflichtung ein befestigtes, wasserundurchlässiges, zu drei Seiten geschlossenes und seit 2017 auch abgedecktes Mistlager nach wasserschutzrechtlichen Vorgaben vorzuhalten. Hierbei muss das unkontrollierte Ablaufen von Sickerflüssigkeit vermieden werden.

Eine Abdeckung des Mistlagers ist seit 2017 Pflicht. Die Abdeckung muss jedoch nicht unbedingt durch eine massive Dachfläche erfolgen, auch das Abdecken mit Folie ist hierbei erlaubt. Da Festmist zum Verrotten Feuchtigkeit und Luft benötigt, ist die Nutzung von z.B. Rüben- oder Gartenflies möglich oder sogar wünschenswert.



Vorgegeben wird ab sofort auch die Mindestgröße einer Lagerfläche für Festmist. Sie soll in unserem Fall ein anfallendes Kaninchenmistvolumen für mind. einen Monat vorhalten können (ab 2020 sogar für 2 Monate). Um dies zu berechnen, sieht die neue Verordnung entsprechende Tabellen vor, aus denen sich der flächenmäßige Bedarf errechnen lässt. 

Eine befestige Mistplatte ist sehr kostenintensiv und darf zudem nur mit entsprechender Baugenehmigung erstellt werden. Vor Anlage ist demnach auf jeden Fall bei der örtlichen Baubehörde ein Bauantrag zu stellen. Im Außenbereich werden solche Maßnahmen für nicht Landwirte in fast allen Fällen sogar abgelehnt. Als kostengünstige Alternative, gerade für kleine Bestände, empfiehlt sich das Aufstellen mobiler Lagerflächen wie z.B. mit einem abgedeckten Anhänger oder sickerundurchlässigen Wannen. Je nachdem ob der Mist ausgebracht oder kompostiert werden soll.

Detaillierte Informationen zu ortsgebundener Lagerung von Kaninchenmist erhaltet ihr bei den Bezirksstellen der Landwirtschaftskammern im Sachgebiet Düngerecht.

Abgabe an Landwirte

Wer seinen Mist an einen Landwirt abgeben kann, darf dies auch weiterhin so handhaben. Der abnehmende Landwirt ist jedoch von seiner Seite aus verpflichtet, einen Nachweis über die Annahme zu erbringen, da überbetriebliche Nährstoffströme im Rahmen einer Verbringungsverordnung/Wirtschaftsdüngernachweisverordnung zu dokumentieren sind.

Aus der im vergangenen Jahr in Kraft getretenen Verbringungsverordnung ergeben sich umfangreiche Dokumentationspflichten, die bei der überbetrieblichen Wirtschaftsdüngerverwertung einzuhalten sind.

Mit der Verordnung über das Inverkehrbringen und Befördern von Wirtschaftsdüngern (WDüngV), kurz Verbringungsverordnung, sollen die überbetrieblichen Nährstoffströme nachvollziehbar und damit auch kontrollierbar gemacht werden. Sie gilt für landwirtschaftliche Betriebe, gewerbliche Tierhaltungen, Biogasanlagen, Lohnunternehmer, Vermittler, Beförderer und Importeure von Wirtschaftsdüngern. Die Verbringungsverordnung ergänzt damit die Bestimmungen der Düngeverordnung und ist von allen Betroffenen einzuhalten.

Von den Aufzeichnungs-, Mitteilungs- und Meldepflichten sind Betriebe befreit, die weniger als 200 Tonnen Frischmasse in Verkehr bringen, befördern oder aufnehmen. Die Bestimmungen gelten nicht für landwirtschaftliche Betriebe, die nach den Vorschriften der Düngeverordnung keinen Nährstoffvergleich erstellen müssen und bei denen die Summe aus dem Stickstoffanfall ihrer eigenen Tierhaltung und der aufgenommenen Stickstoffmenge 500 kg im Jahr nicht überschreitet. Weiterhin sind diejenigen ausgenommen, die zwei oder mehr Betriebe alleinverantwortlich bewirtschaften, in denen der Dünger anfällt und verwertet wird. Die Betriebe dürfen aber nicht weiter als 50 km auseinander liegen.

Zwischenlagerung von Kaninchenmist

Einige Kaninchenhalter haben eigene Grünlandflächen, von denen sie eigenes Heu für ihren Bestand machen. Auf diesen Flächen wird oftmals der Mist zwischengelagert, bis er im Frühjahr als Dünger ausgebracht wird.

Diese Zwischenlagerung gilt nur als eine übergangsweise Maßnahme mit dem Ziel der mittelfristigen Einarbeitung. Sie hat immer unter gewässerschutzrechtlichen Gesichtspunkten zu erfolgen. Es darf hierbei zu keiner Belastung des Oberflächen- und Grundwassers kommen.

Die Lagerung darf nur auf landwirtschaftlichen Nutzflächen erfolgen und ist keine Alternative zur ortsfesten Lagerung. Sie darf im Außenbereich nicht länger als ein halbes Jahr an einem Ort betrieben werden, danach ist die Lagerfläche zu wechseln. Der Mist muss ein Trockengehalt von mindestens 25 Prozent aufweisen und darf nur in einer pflanzenbedarfsgerechten Menge vor Ort zwischengelagert werden. Das Lager ist mietenförmig bei möglichst kleiner Grundfläche anzulegen und darf maximal 2 m hoch sein.

Der Abstand zu Oberflächengewässern und Gräben muss mindestens 20 Meter betragen. Der Abstand zu Wassergewinnungsanlagen mindestens 150 Meter. Eine Lagerung in Wasserschutzgebieten in der Zone II ist streng untersagt. Alle Mistlager müssen auch hier mit Folie oder Vlies abgedeckt sein.
Ausbringung von Kaninchenmist

Kaninchenmist oder der damit hergestellte Kompost sind kein besonders rasant wirksamer Stickstoff-Dünger mit intensiver Nährstoffwirkung. Aus der relativ mäßigen Mineralisation ergibt sich, dass Kaninchenmist keine intensive Ertragswirkung besitzt. Noch geringer ist die Nährstoffwirkung, wenn als Einstreu Holzspäne verwendet werden. Dennoch ist die Ausbringung seit 2017 ebenfalls beschränkt worden. Während der Zeit vom 15. Dezember bis 15. Januar gilt ein Ausbringeverbot. Auch die Abstände zu Gewässern und Gräben wurden erweitert. Es gilt ein Mindestabstand von 4 m zu oberirdischen Gewässern, mit präziser Ausbringungstechnik verringert sich diese auf 1 Meter. Innerhalb eines Abstandes von 1 Meter zur Böschungsoberkante darf nicht gedüngt werden. Auf Flächen mit 10 Prozent Hangneigung darf innerhalb eines Abstandes von 5 Meter zur Böschungskante nicht gedüngt werden.

 

Marina Walks

Quelle:
Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL)
Landwirtschaftskammern der Länder
Düngegesetz
Düngeverordnung

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