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19. Oktober 2017 |
Tipps für Anfänger Kaninchenrassen Schaukalender

Lohkaninchen

Wer kennt sie nicht? Das Lohkaninchen zählt wohl unbestritten zu den beliebtesten und farblich schönsten und interessantesten deutschen Kaninchenrassen. Leider sind diese nicht mehr auf jeder Vereins- oder Kreisschau zu sehen, jedoch in der Regel auf den Landes- sowie Bundesschauen zählen sie stets zu einer der am stärksten vertretenen Kaninchenrasse. Wenn man sich die Meldezahlen der letzten Bundeskaninchenschauen näher betrachtet, so standen stets alleine bei dem begehrten schwarzen Farbenschlag über 300 Rassevertreter. In diesem Jahr findet die 19. überregionale Vergleichsschau der Lohzüchter im ZDRK im bayrischen Himmelkrohn statt. Dort werden sich wieder alle Spezialisten dieser wunderschönen Rasse treffen, sodass wir euch vorab alle vier Farbenschläge vorstellen und im direkten Vergleich gegenüberstellen wollen. So tauchen wir zunächst in die Geschichte der vier Farbenschläge ein.


0,1 Lohkaninchen, schwarz, 97,5 Pkt., Landessieger, Züchterin: Marina Walks

Der Ursprung der Lohkaninchen, schwarz

Das Lohkaninchen stammt ursprünglich aus Großbritannien. Mr. Cox setzte im Jahre 1883 auf einer kleinen Insel Schwarzsilberkaninchen in allen Schattierungen, Holländerkaninchen in leider unbekannten Farbenschlägen und fahlfarbige Wildgehegekaninchen aus. Die Kaninchen konnten sich auf der Insel frei entfalten und nach Belieben fortpflanzen. Dies war zu der Zeit in Großbritannien eine gängige Haltungsform. Jahre später fand Mr. Cox unter den Kaninchen eines, welches den heutigen Lohkaninchen schon etwas ähnlich sah. Es zeigte bereits eine schwarze Decke und ungefähr die bekannten, jedoch sehr aufgehellten, Lohabzeichen.

In den darauffolgenden Jahren befassten sich einige englische Züchter mit der Weiterzucht der „Cox´schen Kaninchen“. Die recht kleinen und gedrungenen Tiere waren zwar von den Abzeichen her schon relativ gut ausgeprägt, der erhoffte Erfolg im Bezug auf eine Verbesserung der Intensität der Lohfarbe blieb jedoch aus. Die Nachzucht war nach wie vor nur cremefarbig bis graubraun. Der daraufhin unternommene Versuch die Cox´schen Kaninchen mit größeren grauen und braunen Tieren zu kreuzen schlug genauso fehl, wie der Versuch, die Tiere anschließend wieder zurückzukreuzen. Zwar verbesserte man die Intensität der Lohe  ein wenig, jedoch ging dies auf Kosten des satten Schwarzes der Deckfarbe. Als man schließlich züchterisch nicht mehr weiter wusste, paarte man Hasenkaninchen ein, welche nun endlich den erwünschten Erfolg in der Lohfarbe brachten. Leider setzte sich dabei aber auch der „Hasentyp“ mit langen Ohren und gestrecktem Körperbau durch, so dass man erneut mit Wildkaninchen-Rammlern zurückkreuzte, was wiederum die Lohe verblassen ließ.

 Lohkaninchen, schwarz, Züchter: Marina Walks

Nach Deutschland kamen die ersten Lohkaninchen im Jahr 1896 durch R. Rottloff, Ehrenfriedersdorf im Erzgebirge. Die „Samtröckchen mit den Goldborten“, wie man sie damals liebevoll nannte, wurden, wie wenige Jahre zuvor in England, auf dem europäischen Festland und auch in Übersee begeistert aufgenommen. Unerfreulicherweise wurden die Lohkaninchen 1936 in Deutschland zur Sportrasse erklärt und die meisten Züchter wandten sich daraufhin den anerkannten Wirtschaftsrassen zu. Durch die Folgen des 2. Weltkrieges kam die Lohkaninchenzucht nahezu zum Stillstand. Nach Ende des Krieges begann man mit den wenigen verbliebenen Tieren die Zucht wieder aufzubauen. Im Laufe der folgenden Jahre gelang dies mehr und mehr, insbesondere durch gute Clubarbeit, so dass sich vor allem das Schwarzlohkaninchen bis heute großer Verbreitung erfreut und zu den meistgezüchteten Rassen zählen.        

Leider hat es in der Geschichte der deutschen Lohkaninchen, schwarz eine Reihe fataler und illegaler Einkreuzungen gegeben, die z.T. die Verbesserung der Körperform (auch gerade der Kopfbildung) oder der Lohfarbe zum Ziel hatten. Es sei nur an die weißen Neuseeländer erinnert, unter deren Folgen die Schwarzloh „platt auf dem Tisch liegend“ immer noch zu leiden haben. Weitere Fehler als Folgen verschiedener Einkreuzungen sind: schwarze Ohrrandpunkte (Alaska), breite Ohrenstellung, zu langes Fell (Alaska und Weiße Neuseeländer), blaue Unterfarbe in der Lohfarbe der Blumenunterseite (Deilenaar), Verschwinden der Schoßflecken, versteifte Blumen usw.

Herauszüchtung der Braunlohkaninchen

Das Braunlohkaninchen, heute im deutschen Rassestandard fälschlicherweise als Lohkaninchen havanna bezeichnet, ist derzeit der zweit meist verbreitete Farbenschlag der Lohkaninchen in Deutschland gem. TGRDeu. Als Herauszüchter der Braunlohkaninchen gilt der Preisrichter Deitermann aus Wuppertal, der erstmals im Jahr 1909 diese Tiere als Spaltprodukte ausstellte. 1929 wurden die damaligen Braunlohkaninchen als Neuzüchtung in Deutschland anerkannt. Diese führten jahrelang nur ein Schattendasein neben den Schwarzlohkaninchen. Dies mag daran gelegen haben, dass der Farbkontrast, durch die weniger intensiv hervortretende Lohe, zunächst nicht so wirkungsvoll in Erscheinung trat, wie beim Schwarzlohkaninchen. Durch starke Zuchtverbesserungen seit Anfang der 90er Jahre erfreuen sich die Braunloh inzwischen immer größerer Beliebtheit. Im Jahr 2004 wurden die Braunlohkaninchen im deutschen Rassestandard umbenannt zu Lohkaninchen havannafarbig, was bei den organisierten Züchtern dieser Rasse und in der Arbeitsgemeinschaft der Lohclubs im ZDRK zu nachhaltigem Entsetzen und Unverständnis führte, denn in dieser Rassebezeichnung spiegeln sich zwei unterschiedliche eigenständige Typen der braunen Farbe wider, die im Grunde nichts miteinander zu tun haben und dem Braunloh nicht entspricht. Viele Lohkaninchen havannafarbig stehen im Jahre 2016 ihren schwarzen Brüdern in Nichts mehr nach. Viele unsaubere Kopfzeichnungen gehören der Vergangenheit an. Tiere aus Spitzenzuchten zeigen auch einen hervorragenden Stand.

Blaulohkaninchen - nicht nur ein Nebenprodukt der Schwarzlohzucht

Die Blaulohzucht ist ebenfalls englischen Ursprungs. 1894 waren sie noch selten zu sehen aber schon 1898 wurden die ersten Blauloh auf Ausstellungen gezeigt.

Jungtier Lohkaninchen, blau, Züchterin: Marina Walks

Nach dem 1. Weltkrieg galten die Blauloh als Nebenprodukt der Schwarzlohzucht, mit dem sich nur wenige beschäftigen wollten. Einige Idealisten machten sich etwas später daran, reine Blaulohstämme aufzubauen. Leider erhielten die Tiere bei Ausstellungen eine derart lieblose Bewertung, dass die meisten Züchter die Zucht schon bald wieder einstellten. Auch nach dem 2. Weltkrieg änderte sich nichts an der Situation, damals waren es ebenfalls nur ein paar unbeirrbare Züchter, die bei der Stange blieben.

In den 70er Jahren sollte es dann endlich mit der Blaulohzucht aufwärts gehen. Führend galt zur der Zeit Zuchtfreund Werner Breitgoff, der sich sehr aktiv mit der Blaulohzucht beschäftigte. Zu der Zeit wiesen die Blauloh noch keine richtige Lohe auf, diese trat maximal cremefarbig in Erscheinung. Weitere aktive Züchter und Idealisten aus dieser Zeit waren außerdem Gerhard Larsen, Bernd Anton, Wilhelm Glady, Walter Maisch, Hans-Werner Range und Edgar Schreiber. Im Laufe der Jahre stießen neben diesen „Pionieren“ noch weitere Züchter hinzu.

So verbesserte sich die Blaulohzucht über die Jahre hinweg stetig, bis Mitte der 90iger Jahre einige sogenannte Zuchtfreunde hinzukamen und ohne es dem jeweiligen Landesverband zu melden, Schwarzloh mit einkreuzten. Ziel dieser „Züchter“ war es möglichst schnell an den Zuchtstand der schwarzen Rassevertreter heranzukommen. Dies führte dazu, dass die Deckfarbe der Nachzuchten immer dunkler wurde. Auf den ersten Blick konnte man die Blauen teilweise kaum noch von den Schwarzen unterscheiden. Außerdem bekam die Unterfarbe einen braunen Anflug bis hin zu brauner statt blau-
grauer Augenfarbe. Zur Jahrtausendwende drohten die „echten“ Blauloh, da sie in der Lohe weniger intensiv waren, fast von den „Gepanschten“ verdrängt zu werden. Dies lag leider vielfach auch an einer falschen Bewertung der Deckfarbe auf den Ausstellungen. Bei der die oftmals viel zu dunklen Decken nicht gestraft wurden, sondern das Hauptaugenmerk nur auf die verbesserte Lohfarbe fiel.

Mithilfe aus Österreich importierter „hell-blauer“ Lohkaninchen konnte die hellere Variante der Blauloh „rückaufgebaut“ werden. Hierbei half der enge Kontakt von Werner Breitgoff zu den österreichischen Züchtern, die regelmäßig Gäste der AG der Loh-Clubs sind und ebenfalls international attraktive Clubschauen organisieren. Da jedoch die Gewichte in Österreich geringer sind als die in Deutschland, so hatte man nachhaltig mit Gewichtsproblemen zu kämpfen. Die Blauloh hatten nun eine schöne Deckfarbe, aber wiesen Gewichte von 2,0 bis 2,6 kg auf. Im Laufe der Zuchtjahre wurden auch Tiere aus Schweizer Zuchten eingekreuzt. Diese wiesen einen schönen Stand auf und hatten eine schöne Deckfarbe, jedoch litt die Lohfarbe unter der Einkreuzung, diese wurde zu blass, sodass diese Tiere beim Vergleich mit den schwarzen Kollegen immer das Nachsehen hatten. Zwischenzeitlich gibt es trotz z.T. wieder rückläufiger Zuchttierzahlen sehr ansprechende Blauloh mit erneut besser werdender Lohfarbe bei konstant blauer Deckfarbe.

Fehlohkaninchen - die jüngsten in der Familie der Lohkaninchen

Jüngster Vertreter in der Familie der Lohkaninchen sind die Fehloh, welche ursprünglich aus einer Kreuzung aus Braun- und Blauloh entstanden sind. Die Fehlohkaninchen entstanden (mit der Farbe der Marburger Feh) mehrmals unabhängig voneinander bei verschiedenen Züchtern, so Franz Edinger Darmstadt, 1924 bis 1936, Richard Horstmann, Wilster („nach dem Zweiten Weltkrieg“), und Wilhelm Ellermann, Heeren-Wevern 1951. Vor dem Zweiten Weltkrieg wurden fehfarbige Loh als „Darmstädter Fehloh“ ausgestellt. Im Jahr 1994 wurde von Zuchtfreund Bernd Hahnewald die Wieder-Zulassung dieses Farbenschlages beantragt. In einem alten Kaninchenbuch war er auf die Farbschläge gold- und fehfarbig aufmerksam geworden, und diese fehfarbigen Lohkaninchen weckten sein züchterisches Interesse. Nachdem Bernd Hahnewald bereits ein Jahr später verstarb, bemühten sich noch weitere Züchter um diesen Farbenschlag. Anfang 1997 erhielten gleich mehrere Züchter die Genehmigung als Neuzüchtung von ihren Landesverbänden. Im Jahr 2003 befassten sich bereits rund 20 Züchter aus ganz Deutschland mit den Fehlohkaninchen. Die Anerkennung durch die ZDK-Standardkommission erfolgte schließlich Ende 2003. Leider bestimmen zwei verschiedene Deckansätze die Zucht der fehfarbigen Lohkaninchen: Zum einen die reine Lehre der Herauszucht aus braunen und hellen, blauen Lohkaninchen und zum anderen die Einkreuzung (z.T. auch illegal) der Marburger Feh. Die Anhänger letzterer Richtung sind überzeugt, dass ausschließlich durch die Einkreuzung der Marburger Feh die Fehfarbigkeit der Lohkaninchen ideal entwickelt werden kann. Allerdings zeigen aktuelle (illegale) Herauszuchten aus den beschriebenen braunen und blauen Lohkaninchen, dass es äußerst ansehnliche, frohwüchsige und fruchtbare Fehloh mit imposanten Körperformen geben kann. Auch hier sollte Transparenz und Rechtstreue bei den Zuchten wiedererlangt werden.

Lohkaninchen und deren Zuchtstand heute


Wer sich einmal mit der Zucht von Lohkaninchen beschäftigt, bei dem wird sofort das Züchterherz höher schlagen, denn die Lohkaninchen  ziehen einen sofort mit ihrem Wesen in ihren Bann. Viele Zuchten weisen noch den ursprünglichen unheimlich liebevollen, gutmütigen und gelassenen Charakter auf, aus dem Grund sind die Lohkaninchen auch gerade bei den Jugendlichen so sehr beliebt. Dennoch findet man zunehmend Lohkaninchen, welche das Gegenteil in Form von Lebhaftigkeit aufweisen.

In der Regel ziehen Zuchthäsinnen zwischen 4-6 Jungtiere, bei einer hohen Milchleistung, auf. Bereits die Nestlinge der Lohkaninchen strahlen eine unheimliche Ruhe und Gelassenheit aus. Häufig kann man als Züchter dieser Rasse beobachten, dass Lohkaninchenjungtiere eine längere Zeit im Nest verbringen als Jungtiere anderer Rassen. Sind sie einmal aus dem Nest und fangen das Fressen an, so sind sie bereits sehr neugierig und zutraulich. Zu weiten Teilen ist leider über die Jahre die Wurfstärke in vielen Zuchten (insbesondere der schwarzen) sehr zurück gegangen, auch die Vitalität der Tiere hat gelitten. Die so genannte Enterocolitis spielt in vielen Zuchten eine große Rolle. Gerade hier sollte züchterisch dran gearbeitet und entsprechend nach den Kriterien der Wurfstärke und insbesondere Vitalität selektiert werden, auch wenn diese Vorgaben nicht im Standard festgelegt sind und nicht zu einer besseren Bewertung führen! Aber eine bessere „Selektionsbreite“ in den Zuchten kann der Rasseentwicklung nur gut tun. Diese ist aber nur in „gesunden“ Beständen gegeben. Ein weiteres Übel, dass leider nach wie vor verbreitet ist, ist der Kaninchenschnupfen. Hier muss konsequent durchgegriffen werden, damit die Bestände sich gesund entwickeln und keine Gefahren auf den Ausstellungen lauern.

Die Lohkaninchen gelten bisweilen als eine sehr gut durchgezüchtete Rasse, gerade der schwarze und havannafarbige Farbenschlag. In der Regel sind viele Jungtiere ausstellungsfähig. Der zuweilen recht hohe Zuchtstand unserer heutigen Lohkaninchen ist nicht zuletzt der Arbeitsgemeinschaft der Lohclubs im ZDRK zu verdanken, welche durch Zuchtfreund Werner Breitgoff ins Leben gerufen wurde. Durch seinen unermüdlichen Einsatz zur Förderung und Weiterentwicklung der Lohzucht, insbesondere zur Festigung eines einheitlichen Zuchtzieles, konnte ein solch hohes Zuchtniveau erreicht werden. Leider zeigt sich aber eine allgemeine Entwicklung zur Verengung der genetischen Breite in den Lohzuchten. Hierfür gibt es unterschiedliche Gründe: Als Extreme fallen die sehr geringe Tierzahl bei den Blauloh und bei den Schwarzloh der unheimliche Ehrgeiz der Züchter auf. In der Folge sind fast alle blauen Lohkaninchen in Deutschland irgendwie miteinander verwandt. Für die Schwarzen gilt, dass bei den zwanzig besten Sammlungen der Bundesschau davon mehr als 80 % miteinander verwandt sind.

Hiermit muss sich die Arbeitsgemeinschaft der Lohclubs im ZDRK intensiv auseinandersetzen. Ggf. müssen Einkreuzungsmaßnahmen überlegt werden, die die genetische Vielfalt wieder ermöglichen. Leider ist es heute nicht mehr so, dass in jedem Lokalverein Schwarzloh verfügbar sind. In den 80er Jahren war dies kein Problem, da gab es über Deutschland verteilt ausreichend unabhängige Populationen, die die genetische Breite garantiert haben. Die heutige Mobilität in Verbindung mit dem gewachsenen Ehrgeiz und durch die Ausrichtung auf die extreme Verbesserung der Lohfarbe hat die genetische Vielfalt in der Rasse verschlechtert. Insofern ist eine immer wieder stattfindende „Herauszucht“ zum Beispiel bei den Fehloh ein geeignetes Mittel, die Genetik gesund zu erhalten. Diese sollte aber kontrolliert und legal erfolgen. Hierzu gibt es Instrumente im ZDRK, die die Standardkommission gewähren kann. Wie aber eine Verbesserung bei den schwarzen und blauen Lohkaninchen erfolgen kann - letztere hatten bereits eine erste „Auffrischung“ durch die österreichischen Tiere - sollte sorgfältig diskutiert und überlegt werden.

Gewicht

Die Lohkaninchen zählen im deutschen Rassestandard zu den Kleinen Rassen. Sie haben ein Idealgewicht von 2,50 bis 3,25 kg. Gerade der schwarze und havannafarbige Farbenschlag gelten noch als sehr frohwüchsig und sie haben ihr Mindestgewicht von 2,0 kg häufig bereits nach 5 Monaten erreicht. In ihrer absoluten Blüte weisen sie ein Gewicht von 2,9 bis 3,1 kg auf. Zuchttiere können dabei sogar aus dem Gewichtsrahmen hinauswachsen. So befinden sich zahlreiche Zuchttiere von bis zu 3,5 kg in den Stallanlagen der Züchter. Die Lohkaninchen blau und fehfarbig hingegen haben in den letzten Jahren immer wieder mit Gewichstproblemen zu tun. Dies spiegelte sich auch gerade auf der Bundeskaninchenschau in Kassel wieder, dort wiesen sowohl Blau- als auch Fehloh aus dem Frühjahr des Jahres einen Gewichtsrahmen von teilweise unter 2,5 bis 2,6 kg auf. Ob dieses auf den Rückgang der Zuchten und den dadurch entsprechenden Wegfall von Zuchttieren zurückzuführen ist, wäre eine erklärbare Möglichkeit. Es sollte daher unabhängig von den Rassemerkmalen großen Wert darauf gelegt werden, dass Lohkaninchen unter 2,8 kg nicht mehr in der Zucht eingesetzt werden, um die Gewichte wieder an die Obergrenze heranzuführen. Ideal sind Zuchttiere mit 3 kg Körpergewicht!

Körperform – Typvolle Rassevertreter

Ein Lohkaninchen muss einfach durch seinen Typ zu überzeugen wissen. Ein ausgeprägter kurzer Kopf mit breiter Stirn und straff aufrecht getragenen „fleischigen“ Ohren, die oben schön abgerundet und in ihrer Länge entsprechend harmonisch zum Körper passen, sagen bereits auf dem ersten Blick viel über diese Tiere aus. Dazu ein walzenförmiger gedrungener Körper mit schön abgerundeter Hinterpartie und kräftigen Vorderläufen, stellen das Ideal des Lohkaninchens in allen Farbenschlägen dar.

0,1 Lohkaninchen, schwarz, Züchterin: Marina Walks

Die Lohkaninchen schwarz und havanna sind hier deutlich Vorreiter. Man beobachtet heute eine hohe Qualität und sehr typvolle Tiere mit walzenförmigen Körperformen, ausgeprägter Backenbildung und breiter Stirnpartie. Gab es vor einigen Jahren noch wunderschöne Rassevertreter der Fehlohkaninchen, so kränkelt dieser Farbenschlag leider in den letzten Jahren etwas. Typvolle Rassevertreter werden leider immer weniger, was aber auch auf die geringen Gewichte zurückzuführen ist. Bei den Blaulohkaninchen ist es ähnlich, schmale Vorderläufe, nach vorne verjüngter Rumpf und teilweise eckige Hinterpartien müssen in den kommenden Jahren strikt selektiert werden.
Jedoch ist bei allen Farbenschlägen auf die Haltung und Struktur der Ohren Acht zu geben. Man beobachtet auf großen Schauen immer wieder Tiere mit einer breiten Ohrenstellung. Viele Tiere stellen sich auf dem Bewertungstisch besser dar, als im Käfig oder Stall. Hier muss der Züchter objektiv den Tatsachen ins Auge sehen. Breite Ohrenstellungen im Käfig können auch durch Ermüdungserscheinungen durch die Ausstellung hervorgerufen werden. Jedoch sollten die Tiere im Stall diese Haltung der Ohren aufweisen, so sind sie für die Weiterzucht nicht dienlich. Im Bezug auf die Struktur der Ohren fällt auf, dass einige Rassevertreter, egal in welchem Farbenschlag, zuweilen eine recht dünne und faltige Ohrstruktur aufweisen. Hier spielt mit Sicherheit auch die Länge der Ohren eine entscheidende Rolle. Im Europastandard müssen die Ohren eine Länge zwischen 8-10 cm aufweisen. Das Ohr muss jedoch harmonisch zum Typ der Tiere passen. Aus züchterischer Sicht gefallen die Tiere am besten, bei denen das Ohr den Nackenkeil abdeckt und in der Spitze mit diesem endet. Zu einem gut im Gewichtsrahmen liegenden Typ passen aber auch die Ohren im unteren Maßangabenbereich, wenn die Tiere weiterhin frohwüchsig sind und ausreichend Junge bringen.

Sehr zum Positiven und auch deutlich hat sich in den letzten Jahren der „Stand“ der Lohkaninchen verbessert. Lagen die Lohkaninchen früher hingegen nur so auf dem Preisrichtertisch, so sieht man heute schon zahlreiche Rassevertreter, die sich erhaben mit einem dazugehörigen schönen Auftritt präsentieren. Aber auch hier kommt es auf die körperlichen Voraussetzungen an. Ein Lohkaninchen was vom Exterieur, gerade im Bezug auf Länge und Stabilität der Vorderläufe, nicht die Voraussetzungen mitbringt, wird sich auch nicht schön präsentieren können. Daher ist aus züchterischer Sicht stets auf die Länge, Korrektheit und Stabilität der Vorderläufe zu achten. Hier spielt auch die Vorbereitung der Tiere auf die Ausstellungen eine erhebliche Rolle. Was aber genetisch nicht gegeben ist, kann nicht antrainiert werden. Die Lohkaninchen schwarz und havannafarbig sind hier zum Teil ihren Brüdern des fehfarbigen und blauen Farbenschlages voraus.

Das Fellhaar der Lohkaninchen

Das Fellhaar der Lohkaninchen zeichnet sich durch eine schöne, gleichmäßige und nicht zu kurze Begrannung aus. Hier herrscht eine überwiegend sehr gute Qualität in den Zuchten aller Farbenschläge. Nur noch teilweise beobachtet man zu dichte und sehr kurze Felle, wo das Verhältnis Länge, Dichte und Grannenhaare einfach nicht mehr stimmt und das Fell nicht mehr vernünftig in seine Ausgangsposition zurückläuft. Auf der anderen Seite gibt es noch die Rassevertreter mit langen und dünnen Fellen zu sehen. Hier gilt es auch in Zukunft einen Mittelweg durch evtl. Ausgleichspaarungen zu finden, was jedoch auch immer wieder Tiere hervorbringt, die die unerwünschten Haarlängen zeigen. Es ist zu beachten, dass das Lohkaninchen eine „mittellange“ Haarlänge aufweisen soll.

Kopfzeichnung

Die Kopfzeichnung der Lohkaninchen setzt sich aus insgesamt sechs einzelnen Merkmalen zusammen. Diese umfassen die saubere und scharf abgegrenzte Naseneinfassung, die gleichmäßigen nicht zu großen lohfarbigen Augenringe, die Einfassung der Kinnbacken und die lohfarbig eingefassten Ohren, sowie die dazugehörigen lohfarbigen Ohrenpunkte, die in Erscheinung treten müssen. Auch die Farbe aller lohfarbigen Abzeichen im Bereich der Kopfzeichnung werden in dieser Position bewertet. Der Zacken beidseitig unter dem Kinn findet im Standard keine Beachtung.

Im Bereich der Kopfzeichnung treten innerhalb der Farbenschläge teilweise große Unterschiede auf. Wenn man sich die Lohkaninchen einmal näher betrachtet, so fällt auf, dass diese Unterschiede häufig gerade im Vergleich von Nord nach Süd auftreten können. Dies liegt auch an den Geschmäckern der Züchter. Man beobachtet Zuchten im nördlichen Raum, mit breiten Augenringen und teilweise unsauber eingefasster und melierter Naseneinfassung, jedoch mit sehr gut hervortretenden Ohrenpunkten und durchgehender Kinnbackeneinfassung. Je weiter man in den süddeutschen Raum kommt, je feiner werden in der Regel die Abzeichen der Kopfzeichnungen. Schmale Augenringe, dabei jedoch scharf abgegrenzte Naseneinfassungen, fallen hier immer wieder auf. Die Ohrenpunkte hingegen treten in der Regel bei einer feineren Kopfzeichnung meist nur noch schwach in Erscheinung. Hier gilt es in Zukunft gerade bei diesen Tieren darauf zu achten, dass die Ohrenpunkte nicht nur noch angedeutet sind.

 Deutlich in Erscheinung tretende Ohrenpunkte
 
 Schwach in Erscheinung tretende
 Ohrenpunkte

Die Größe der Augenringe sollten in der Regel bei einer Beurteilung des Lohkaninchens keine Rolle spielen, es sei denn, sie weisen eine rasseuntypische Breite auf. Bei der Beurteilung der Augenringe kommt es auf die Gleichmäßigkeit und Intensivität der Farbe an. Es soll, ein farbintensiver schöner Ring ohne Ausläufer und Unterbrechung sein. Eine Augeneinfassung, wie wir sie bei den Weißgrannen haben, sollte er nicht darstellen. Jedoch kann ein Tier mit einem gleichmäßigen „breiten“ Augenring die selbe Punktzahl in dieser Position erzielen, wie ein Lohkaninchen mit einem etwas schmalen Augenring, vorausgesetzt er ist gleichmäßig, gut geschlossen und die anderen bewertungsrelavanten Merkmale in der Position der Kopfzeichnung entsprechen dem Ideal im Rassestandard. Zu bedenken ist jedoch, dass bei Rassevertretern mit schmäleren Augenringen die Farbe nicht so intensiv in Erscheinung treten kann, wie bei ausgeprägteren Augenringen. Wichtig ist jedoch, dass der Augenring gerade im unteren Bereich geschlossen ist und eine Breite von mind. 2 mm aufweist. Die größten Probleme bereiten daher die Augenringe und die damit zusammenhängende Naseneinfassung. Viele Züchter sind der Meinung, dass bei diesen Zeichnungsmerkmalen ein gewisser Zusammenhang besteht. Es gibt aber auch  Tiere, die mehr als ausreichend breite Augenringe und trotzdem eine saubere Naseneinfassung haben. Hier gilt dennoch der fatale Grundsatz: Je höher der Lohfaktor, je ausgeprägter die Abzeichen.

Bei der Kinnbackeneinfassung herrscht auch züchterischer Handlungsbedarf, nicht nur im Hinblick auf die blau und fehfarbigen Lohkaninchen. Oftmals ist bei einigen Tieren nicht klar zu erkennen, ob die Kinnbackeneinfassung durchgehend oder unterbrochen ist. Bei Tieren, wo es auf dem ersten Blick nicht klar definierbar ist, kann man die Durchgängigkeit überprüfen, indem man das überdeckende Fellhaar nach oben streicht. Schöner sind natürlich die Tiere, wo man von Weitem schon erkennt, dass die Kinnbackeneinfassung in gleichmäßiger Breite durchläuft und vorhanden ist.

Rumpfzeichnung

Die Rumpfzeichnung der Lohkaninchen wird ebenfalls aus mehreren unterschiedlichen Merkmalen gebildet. Auch diese Merkmale müssen einzeln und zueinander passend den Anforderungen des Standards entsprechen. Da ist zunächst die breite lohfarbige Brustpartie, die vom Kinn beginnend zwischen den Vorderläufen hindurch bis hin zum Bauch reichen sollte. Zum Anderen die lohfarbige Bauchdecke, die lohfarbige Blumenunterseite, die lohfarbig eingefassten Innenseiten der Läufe, die lohfarbigen Zehenpunkte und der lohfarbige Nackenkeil. Zusätzlich sollte ein lohfarbiger etwa 2 cm breiter Streifen seitlich am Bauch in Erscheinung treten und möglichst scharf abgegrenzt sein. Dieser Streifen sollte aber in der selben hohen lohfarbigen Intensität ausgeprägt sein wie die Bauchdecke selbst. Früher war dieser Streifen intensiver gefärbt als der Bauch. Weiterhin umfasst die Rumpfzeichnung die gleichmäßig verteilten lohfarbigen Seitenspitzen, die sich möglichst gerade am Rumpf des Tieres entlang erstrecken und etwa 2/3 (!!!) der Rumpfhöhe einnehmen sollten und auch im Beckenbereich vorhanden sein müssen.

 Althäsin mit wunderschöner breiter Brustlohe

Probleme bereitet bei einigen Tieren immer noch die Breite der Brustlohe. Sie ist zum Teil von vorneherein schon zu schmal oder wird im Laufe des zunehmenden Alters der Tiere immer schmaler, hier gilt es weiterhin züchterisch gegenzusteuern. Unter Lohzüchtern sagt man auch, dass die Tiere im Alter verblühen. Häufig beobachtet man dieses Phänomen bei Tieren der Lohkaninchen schwarz, die eine sehr feurige Lohfarbe aufweisen und auch bei den Tieren, wo die Kinnbackeneinfassung nicht durchgehend und der Nacken-keil sehr schmal ist. Denn im Grunde stehen alle Abzeichen, sowohl Kopf- als auch Rumpfzeichnung, miteinander in Verbindung. Bei einer breiten Brustlohe ist häufig die Kinnbackeneinfassung durchgehend und der Nackenkeil fällt entsprechend breiter aus.
 

 Bei diesem Tier läuft die Brustlohe
 ein

Bei den lohfarbigen Seitenspitzen sieht man gerade bei den schwarzen und havannafarbigen Rassevertretern sehr schöne Tiere. Probleme bei der Gleichmäßigkeit der Seitenspitzen weisen jedoch noch die Lohkaninchen des blauen und fehfarbigen Farbenschlages auf. Oftmals sind sie sehr ungleichmäßig verteilt und reichen nicht bis zu einer Höhe von 2/3 des Rumpfes.        
       
                              

Ein weiterer Punkt, dem kaum noch Beachtung geschenkt wird, ist die scharfe Abgrenzung an den Vorder- und Hinterläufen. Schaut man sich die Lohkaninchen genauer an, so fällt auf, dass einige Rassevertreter diese Zeichnung nur noch schwach aufweisen.

Auch wird in dieser Position die Farbe der lohfarbigen Abzeichen bewertet. Der Begriff „feurige“ Lohfarbe dürfte gerade für die Farbenschläge blau und fehfarbig nicht zutreffend sein. Denn hier gilt der Grundsatz: Deckfarbe und Lohfarbe müssen miteinander harmonieren! Nach bisherigem Wissensstand können diese Farbenschläge genetisch bedingt nicht so eine intensive Lohfarbe aufweisen, wie die Rassevertreter des schwarzen Farbenschlages. Dies liegt an dem Aufhellungsfaktor. Der blaue Farbenschlag trägt z.B. den schwächsten Lohfaktor (y³) in der Familie der Lohkaninchen. Entsprechend kann bei diesen Tieren die Lohfarbe nicht so intensiv in Erscheinung treten wie im Standard über alle Farbenschläge hinweg gefordert wird.

Farbe

In der Position „Farbe“ wird ausschließlich die schwarze, havannafarbige, blaue und fehfarbige Deckfarbe und die entsprechend des Farbenschlages vorgegebene Augen- und Krallenfarbe beurteilt.

Es ist wichtig, dass die Deckfarbe bei allen Farbenschlägen einen guten Glanz zeigt und abgesehen von den Seitenspitzen, keine Durchsetzung mit weißen oder lohfarbigen Haaren aufweist. Die Grundfarbe muss somit bei allen Farbenschlägen rein sein. Weiß oder andersfarbig durchsetzte Ohrenränder werden auch in dieser Position gestraft.

Bei den Lohkanichen blau sollte die Deckfarbe ein intensives reines Blau sein, ähnlich dem des Blauen Wieners (der allerdings auch verschiedene Abstufungen in der blauen Deckfarbe aufweist). Jedoch fällt in dieser Position auf, dass wir immer wieder mit unterschiedlichen Farbvariationen zu tun haben. Man sieht auf Schauen Rassevertreter, die ein extrem helles Blau aufweisen, dann die Rassevertreter in dem gewünschten mittlerem Blau und wiederum Rassevertreter in einem dunklen Blauton, bei dem natürlich die Intensität der Lohfarbe wieder besser zur Geltung kommt. Jedoch steht damit auch in Verbindung, dass die Augenfarbe nicht mehr das gewünschte Blaugrau aufweist, sondern in Richtung braun geht. Häufig werden jedoch bei der Bewertung die Tiere des dunklen Farbschlages bevorzugt, was nicht richtig ist. Das selbe Problem weisen die Rassevertreter der fehfarbigen Lohkaninchen auf. Auch bei diesen wird die Deckfarbe immer dunkler und auch weißt die damit in Verbindung stehende Augenfarbe nicht mehr den gewünschten Farbton auf. Die Deckfarbe soll nach wie vor ein zart abgetöntes, lichtes Blau und mit einem leichten bräunlichen Schleier überzogen sein. Ein dunkler Farbton stellt somit nicht das Zuchtziel dieser schönen Rasse dar.

Mein Fazit

Ein einheitlicher Rassestandard für alle vier Farbenschläge ist gerade im Bezug auf die genetischen Voraussetzungen und Unterschiede der Lohkaninchenzucht nicht förderlich. In der jetzigen Fassung ist er insbesondere bei der Befassung mit der Deckfarbe, der Lohfarbe und der Unterfarbe (in der Decke und in den Lohabzeichen) nicht eindeutig. Dies erschwert zum einen die Zuchtausrichtung und zum anderen die Bewertung der Rasse. Insofern ist neben anderen Punkten hier dringend Handlungsbedarf bei der anstehenden Änderung des Standards, um die Lohkaninchenzucht auch in Zukunft zu fördern. Ein Dank für die Zusammenarbeit und für die zur Verfügungsstellung von Informationen geht an dieser Stelle an Dr. Thomas Schneider (Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Lohclubs im ZDRK), Christoph Schuhmacher, Johann Biermann und Rainer Sondershaus.


Marina Walks
 

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