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19. September 2019 |
Tipps für Anfänger Kaninchenrassen Schaukalender

Leistungsstand und Bewertung der Schwarzlohkaninchen

auf der 30. Bundes-kaninchenschau in Erfurt

Allgemeines

Die Lohkaninchen der Allgemeinen Klasse waren komplett in einer Halle untergebracht. Die Jugend- und Herdbuchabteilung waren gemeinsam in einer anderen Halle untergebracht. In dieser Halle waren die Umweltbedingungen deutlich besser. Problematisch waren in beiden Hallen die Lichtverhältnisse, was eine objektive Beurteilung der Deck- und Lohfarbe unmöglich macht. Die Schwarzlohkaninchen wurden im ABCD-Modus von 2 Preisrichtergruppen bewertet. Gravierende Unterschiede beider Gruppen hat es nicht gegeben, allerdings konnte man Unterschiede innerhalb der Gruppe erkennen.

Statistik

In der Allgemeinen Klasse wurden 444 Tiere in 111 Zuchtgruppen gemeldet. Lediglich 2 Zuchtgruppen fehlten und 2 Zuchtgruppen fielen durch Tiere mit dem Urteil nb aus der Wertung. Insgesamt ist das Bewertungsergebnis erfreulich, weil lediglich eine Zuchtgruppe unter einem Ergebnis von 380 Punkten blieb und immerhin 42 Zuchtgruppen 384 Punkte und mehr erreichten, was einen Bewertungsdurchschnitt von 96 Punkten und mehr voraussetzt. 8 Zuchtgruppen erreichten 386 Punkte und mehr, wozu ein Bewertungsdurchschnitt von 96,5 Punkten notwendig ist. Ohne die Berücksichtigung der 2 fehlenden Gruppen lagen somit 45,78% der Zuchtgruppen mit ihren Tieren im oberen sg-, hv- und vorzüglich Bereich.

In der Jugendabteilung wurden 22 Zuchtgruppen mit 88 Tieren gezeigt, was Rückschlüsse auf die Beliebtheit unserer Schwarzlohkaninchen bei den Jugendlichen zulässt. Hier sind die Clubs aufgefordert, dieses Potenzial rechtzeitig für unsere Clubarbeit zu bearbeiten und zu aktivieren.

Im Herdbuch waren 2 Große Sammlungen gemeldet, wovon eine fehlte und 4 weitere Tiere in einer Zuchtgruppe standen.

Ergebnisse

Deutscher Meister mit 388,0 Punkten wurde der Zuchtfreund Michael Stumpp aus dem Landesverband Württemberg–Hohenzollern. Vizemeister mit 387,5 Punkten wurde der Zuchtfreund Willibald Wenzel aus dem Landesverband Thüringen.

Den Bundessieger mit 97,5 Punkten stellte der Zuchtfreund Michael Stumpp und die Bundessiegerin mit 97,5 Punkten stellte Christoph Schumacher aus dem Landesverband Rheinland.

Die Klassensieger stellten die Zuchtfreunde Herbert Henn LV Hannover, Horst Hirthe LV Thüringen, Siegfried Kobras und Erwin Meyer LV Bayern mit jeweils 97,0 Punkten sowie Andreas Ziller LV Württemberg – Hohenzollern mit 97,5 Punkten.

Deutscher Jugendmeister mit 386,5 Punkten wurde Leon Schwarz aus dem LV Westfalen und Vize Jugendmeisterin mit 386,0 wurde Hanna Sterzing aus dem LV Thüringen. Diese Beiden stellen auch die Siegertiere mit jeweils 97,0 Punkten.

Im Herdbuch wurde Habbe Tuchscheerer mit 812,0 Punkten Deutscher Herdbuchmeister. In der Herdbuchabteilung wurde als Einzelergebnis zweimal 97,5 und einmal 97,0 Punkte erreicht. Bei einer Bewertung dieser Tiere in der Allgemeinen Klasse hätten es diese Tiere im Wettbewerb schwer gehabt diese Ergebnisse zu erreichen.
Eine weitere Analyse der Tiere in der Jugend und der Herdbuchabteilung führe ich nicht durch, sondern konzentriere meinen Bericht auf die Allgemeine Klasse, weil hier die Mehrzahl unserer Clubzüchter vertreten ist.


 
Kommentierung zur Bewertung in den Positionen 1 bis 6

Grundsätzlich ist festzustellen, dass die ausgestellten Tiere keinen einheitlichen Typ zeigten, sondern in den Positionen 1 bis 6 zum Teil deutliche Unterschiede aufwiesen. Dies ist erstmal kein Problem, lässt es doch die Vermutung zu, dass genügend Unterschiede im Rahmen der Genetik vorhanden sind, was für den Bestand einer Rasse vorteilhaft ist.
 
In der Position 1 gab es zum Teil erhebliche Gewichtsunterschiede. Dies reichte von Tieren, die fast am Höchstgewicht angekommen waren und Vertretern, die gerade das Normalgewicht erreicht hatten. Ob Tiere mit einer Feststellung eines Gewichts von 2505gr. dies auch erreicht haben, wage ich mal zu bezweifeln. Wie solche Vertreter dann aber auf 19 Punkte in der Köperform kommen, kann ich nicht nachvollziehen. Persönlich finde ich eine Gewichtsspanne zwischen Normal- und Höchstgewicht von 750gr. zu groß. In dieser Position sollten die Clubs darüber diskutieren, welcher Gewichtsrahmen als Zuchtziel anzustreben ist.
Bedingt durch die gravierenden Unterschiede in der Position1 waren auch deutliche Unterschiede in Körperform, Typ und Bau vorhanden. Nicht alle Tiere entsprachen dem Standard, der den Körper gedrungen und walzenförmig fordert. Außerdem ließ die Kopfbildung bei einigen Rammlern den Wunsch nach mehr Stirnbreite und Backenbildung zu. Die noch vor Jahren weit verbreitete breite Ohrenhaltung war zwar immer noch vereinzelt vorhanden, viele Tiere zeigten aber eine gute Ohrenhaltung. Allerdings sind dünne und faltige Ohren nicht selten. Häsinnen mit losen Brustfellen wurden leider nicht konsequent in der Bewertung zurückgesetzt. Dies tut der Zucht nicht gut. Vereinzelt waren auch Rammler mit der Tendenz zum Wammenansatz vorhanden, was bei der Bewertung nicht vermerkt wurde. Abfallende Rücklinien wurden leider bei der Bewertung nicht negativ beurteilt. Oft wurden diese Tiere mit 19 Punkten in der Körperform belohnt, weil keine Beckenknochen zu spüren sind.
Bei der Betrachtung des Fellhaars zeigte sich die Unterschiedlichkeit der Rassevertreter, wie in der zuvor beschriebenen Position. Allerdings fand ich manche Bemerkung auf den Bewertungsurkunden schon etwas eigenartig, wie zum Beispiel, „etwas lange Granne – 13,5“. Der Standard fordert aber eine gleichmäßige und nicht zu kurze Begrannung. Weil dies kein Einzelfall war, hilft hier bei der Bewertung ein Blick in den Standard!
Festzuhalten ist, dass in der Position 3 erhebliches Verbesserungspotenzial vorhanden ist, was vor allem die Struktur (weiches Fellhaar) und die Dichte (Unterwolle) betrifft. Weiterhin hatten einige Tiere mit dünnen und faltigen Ohren auch eine schwache Behaarung der Ohren.
 
Für die Beurteilung der Positionen 2 und 3 ist festzustellen, dass durch die Standardänderung, bei einem Punktabzug ab 1,5 Punkten zwingend zu schreiben, die Bewertung nicht besser geworden ist. Einige Bemerkungen auf den Bewertungsurkunden lassen doch eine gewisse Hilflosigkeit vermuten, zumal wenn es sich um Tiere handelt, die noch nicht voll entwickelt sind. Der Wunsch der Standardkommission Punktabzüge zu begründen ist grundsätzlich zu begrüßen, führt aber oft zu Alibibemerkungen und Fehleinschätzungen. Es ist für die Bewertung besser, den amtierenden Preisrichtern einen gewissen Ermessensspielraum zu gewähren.

Gemeinsam für die Positionen 4 und 5 gilt der alte Ausspruch: „Das A und O ist das Loh!“ Wenn in Position Kopfzeichnung etwas kritisiert wurde, handelte es sich meistens um die Bemerkung ungleiche Augenringe. Aus meiner Sicht ist dies eine Unsitte, die immer weiter um sich greift. Unsere Lohkaninchen sind keine Zeichnungsrasse, sondern eine Abzeichenrasse. Das bedeutet, dass es sich um lohfarbig gefärbte Wildfarbigkeitsabzeichen handelt. Deren Ausprägung kann man zwar im gewissen Rahmen verändern, was aber immer zu Veränderungen der Abgrenzung zwischen Lohfarbe und Deckfarbe führt. Gerade der saubere und klare Kontrast ist das, was den Reiz und die Schönheit unserer Lohkaninchen ausmacht. Der Standard fordert nicht zu breite, jedoch gleichmäßige und gute geschlossene Augenringe mit einer kräftigen Lohfarbe. Damit ist aber sicherlich nicht gemeint, dass diese eine kreisrunde Form haben müssen! Viele Tiere hatten sehr schöne lohfarbige Augenringe, die gut geschlossen waren und naturgemäß am unteren Augenlied etwas schmaler waren. Wie die Bemerkung ungleiche Augenringe angewendet wurde, ist aus meiner Sicht mit dem Standard nicht vereinbar, wenn im Gegenzug Tiere mit groben Augenringen (Ausläufern) und schwacher Lohfarbe in der Bewertung bevorzugt werden. Außerdem sind mir Tiere aufgefallen, die an den Augenringen dermaßen schaufertig gemacht wurden, dass sie keine schwarzen Wimpern mehr hatten. Das ist eindeutig Tierquälerei und muss mit deutlichen Punktabzügen bestraft werden. Wie bei den meisten Ausstellungen, wurde auch in Erfurt Kritik in dieser Position fast nur im Rassemerkmal Augenringe geübt. Die anderen vier Merkmale fanden kaum Beachtung, obwohl eine nennenswerte Anzahl von Tieren schwache Ohrenpunkte, lohfarbige Ohreneinfassungen und Kinnbackeneinfassungen hatten.

Die Paradedisziplin der Schwarzlohkaninchen ist die Rumpfzeichnung. Warum hier nicht stärker differenziert wurde, erschließt sich mir nicht. In der Regel wurden 14,5 Punkte vergeben, ohne die vorhandenen Unterschiede zu berücksichtigen. Entscheidend für die Qualität eines Tieres ist die intensive Lohfarbe mit einer breiten Brustlohe. Solche Tiere bei der Bewertung positiv herauszustellen kann doch nicht so schwierig sein! Es waren genug hervorragende Tiere mit diesen Eigenschaften vorhanden, wo die Vergabe der vollen Punktzahl gerechtfertigt gewesen wäre. Diese Tiere wurden eindeutig gegenüber den Tieren mit schmaler, dunkler Brustzeichnung, was nicht nur Häsinnen betraf, benachteiligt. Weiterhin blieb bei der Bewertung die Beurteilung der Seitenspitzen in der Regel unberücksichtigt. Der Standard fordert diese kräftig lohfarbig hervortretend und auf ca. 2/3 der Rumpfhöhe gleichmäßig verteilt. Tiere mit einem kurzen Fellhaar können diese Forderung aus meiner Sicht nicht erfüllen.

Als Fazit ist festzuhalten, dass der Brustzeichnung bei der Zucht wieder mehr Beachtung gegeben werden muss. Die Spitzentiere auf der Bundesschau hatten hiermit keine Schwierigkeiten. Wenn dann noch die vom Standard geforderte Körperform mit einer gewissen Bodenfreiheit vorhanden ist, gehört unser Schwarzlohkaninchen sicherlich zu den schönsten Rassen!

Die korrekte Bewertung der Position 6 war unter den von mir Eingangs beschriebenen Lichtverhältnissen sicherlich nicht möglich. Positiv ist zu bemerken, dass falsche Bemerkungen, die Farbe betreffend, nicht in den Positionen 4 und 5 auftauchten. Allerdings erhielt ein Großteil der Tiere in dieser Position eine Bewertung zwischen 9 und 9,5 Punkten, in der Regel ohne Bemerkung. Wie wichtig diese Position ist, zeigt sich bei Fehlern, die in den Zuchten weit verbreitet sind, wie Durchsetzung mit weißen und lohfarbigen Haaren in der Decke oder weiße Durchsetzung der Ohrenränder.
Die Veränderung im Standard bei der Krallenfarbe, durch zulassen von dunkelhornfarbigen Krallen, ist aus meiner Sicht nach wie vor ein Fehler. Gerade eine kräftige tiefschwarze Deckfarbe mit gutem Glanz muss unser Zuchtziel sein. Trotz der ungünstigen Lichtverhältnisse, ließ eine Anzahl von Tieren erahnen, dass sie diese Forderung erfüllten. Festzuhalten ist, das schwarz nicht gleich schwarz ist und bei der Bewertung die Tiere, die einen bräunlichen Anflug in der Deckfarbe haben, durch Punktabzug bestraft werden müssen. Außerdem gibt es einige Tiere, die statt einer glänzend schwarzen Deckfarbe eher eine anthrazitgraue Deckfarbe haben.

Weiterhin ist mir in dieser Position aufgefallen, dass es bei der Bewertung anscheinend keinen Unterschied gemacht hat, ob die lohfarbigen Grannen am Kopf (Backen) entfernt wurden oder nicht. Persönlich halte ich das Entfernen dieser Haare für Tierquälerei. Es handelt sich um Grannenhaare (Leithaare), die sicherlich mit Nervenzellen verbunden sind und dem Kaninchen als Höhlenbewohner, bei der Orientierung helfen. Aus genetischer Sicht ist ein Lohkaninchen, was dem Standard entspricht, ohne diese lohfarbigen Grannen nicht zu züchten, deshalb dürfen diese Haare nicht entfernt werden. Eine negative Bemerkung in der Position 6, ist deshalb nicht angebracht. Hierzu müssen die Clubs aus meiner Sicht eine klare Stellungnahme an die ZDRK Standardkommission abgeben, damit bei der Bewertung Klarheit herrscht.


Thomas Mendrzik

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