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21. Mai 2018 |
Tipps für Anfänger Kaninchenrassen Schaukalender

Kommissarischer ZDRK-Präsident Hartmann

Wohin du auch gehst, nimm dein ganzes Herz mit

Mit diesem Spruch, den ich nie vergessen werde, verabschiedete mich meine Frau zu einer Landesverbands-tagung vor einigen Jahren. Dieser Satz begleitet mich bis zum heutigen Tag, an dem ich mich, liebe Leserinnen, lieber Leser, bei Ihnen und Euch vorstellen möchte als kommissarischer Präsident unseres ZDRK, eingesetzt vom ZDRK-Präsidium anlässlich der Leipziger Bundeskaninchenschau am 15. Dezember 2017. Dankbar erinnere ich mich zu allererst an unseren verstorbenen Freund Erwin Leowsky, der mit einem großen Arbeitspensum, stets auf Augenhöhe mit jedem Züchter, als mein Vorgänger dieses Amt ausfüllte. Das überwältigende Votum des Präsidiums ist für mich Verpflichtung und Ansporn zugleich, alles zu geben, dass unser schönes Hobby Rassekaninchenzucht gut verwaltet, aber in erster Linie auch gestaltet wird.

Auf dem „Zweiten Bildungsweg“ zur Rassekaninchenzucht

Eines Tages war er einfach da! Zweifarbig, Schwarz-weiß, mittelgroß und gemütlich! Ein „Holländer“, wie man mir sagte. Er saß da, flitzte in seinem Gehege herum – einfach sympathisch. Das geräumige Gehege wurde mitgeliefert vom Onkel meiner Frau aus Memmingen-
Steinheim im schwäbischen Teil Bayerns und passte sehr gut in unseren noch nicht angelegten Garten unseres neuen Eigenheims. Und das „Häsle“, wie wir im Schwäbischen sagen, weckte mein Interesse.

Für den jungen Schulmeister an seiner Realschule, der sich mit Büchern und Lehrplänen befasst, war dieser Garten mitsamt dem besagten Holländer-Kaninchen der ideale Ausgleichsort zum Berufsalltag. Aber Rasse-kaninchenzucht als Hobby? Auch hier bedurfte es eines sanften Anstoßes meiner Frau Ute. Das Mitteilungsblatt unserer Gemeinde Alfdorf lag aufgeschlagen eines Abends beim Vesper neben meinem Teller. Ein kleiner Textblock, gelb markiert, lenkte meine Aufmerksamkeit auf eine Einladung des Kleintierzüchtervereins Z 349 zur „Monatsversammlung“ im Gasthaus Stern. Der Vorsitzende, Harry Heuse, begrüßte zwei Tage später den neuen Gast! Nein, nicht mich, sondern meine Ute, die ich zur ersten Versammlung alleine geschickt hatte. Hatte ich Elternabend? Eher nein. Es war, um der Wahrheit die Ehre zu geben, mein indirektes, auch zögerndes Herantasten  an eine neue, für mich völlig unbekannte Welt. „Guck mal, wie es dort so zugeht“, hatte ich ihr mit auf den Weg gegeben. Und ich kann im Nachhinein sagen, „es ging zu“ und zwar sehr gut! Beim darauf folgenden Monatstreff war ich dabei, wie der Pfennig, wie wir sagen und so waren die monatlichen Versammlungen am Freitag mit anschließendem Binokeln mein idealer Einstieg in dieses wunderschöne und faszinierende Hobby Rassekaninchenzucht. Ja und so ging es los!

Aus dem einen Holländer wurden meine Weißen Neuseeländer, denen ich bis heute die Treue halte und die auch aktuell zusammen mit Zwergwiddern, wildfarben, eher die Leidenschaft meiner Frau Ute, den züchterischen Mittelpunkt  im Hause Hartmann darstellen. Im Jahre 1981, es war unser erstes Ausstellungsjahr, fiel der erste „97er“ der Vereinsgeschichte, 22 Jahre nach Gründung des Vereins und lückenloser Vereinsschau seit 1959. Unvergesslich bleibt für mich der Ehrenpreis, den ich in Händen halten durfte: Ein ZDK-Becher, golden glänzend, mit zweizeiliger Gravur „Sonder-Ehrenpreis 1981“.

Viele Preise kamen und wurden archiviert, aber dieser Becher hat seinen unübersehbaren Ehrenplatz im Hause Hartmann, auf unserem Bauernschrank in der Wohn-Küche, am Boden noch das Original-Herkunftsschild „Pokale und Ehrenpreise, Dietrich, Bergstraße 5, noch mit vierstelliger Postleitzahl, 6781 Eppenbrunn“. An dieser Stelle, so viel Zeit muss sein: Beste Grüße in die Pfalz, an dich, lieber Freund Arno.

Apropos Preise, Auszeichnungen und Ehrenzeichen:  Alle erhielten ihren gebührenden Platz in unserem Hause, überstrahlt aber nur von einer unsichtbaren Ehrengabe. Dieser größte und nicht zu bezahlende Preis sind die Menschen, die ich in diesem Hobby kennen- und schätzen gelernt habe und die in ihrer landsmannschaftlichen Vielfalt, in ihren Mundartfärbungen und mit ihren Charaktereigenschaften in meinem Leben nicht mehr weg zu denken sind. Von Würselen bis Ertingen, von Lanzendorf nach Niederroßla und von Bliesen nach Nordhorn, von Werlte weiter nach Siebenbäumen geht hier diese gedankliche Reise und könnte noch um mehrere Stationen erweitert werden.

Aber auch ein Blick in die Vergangenheit ist mir wichtig. Dankbar erinnere ich mich an Züchterpersönlich-keiten in unserem Landesverband, wie Adolf Grün, Z 5 Backnang  und Albert Köhler vom Z 330  Nufringen, die mein Züchterleben begleiteten und mich prägten. Ja, Vorbilder eben, unbezahlbar. Nie vergessen, nie aus dem Sinn.

Eingebettet in meinen Schwäbischen Kosmos

Wie beschreibst du dich selber, Uli Hartmann, welche Konturen erhält dieses kleine Selbstbildnis?

In etwa so: Ein in der Wolle gefärbter Schwabe, getränkt mit dem, was mir wichtig ist: Heimat, Dialekt und Traditionen, mit großer Liebe für meine Streuobstwiesen, unseren guten schwäbischen Most und den Obstler, den ich selber daraus brenne. Holzmächer aus Leidenschaft. Was noch? „Kirbebua“ aus Beutelsbach im Remstal , der in diesem Jahr voller Dankbarkeit und mit seinen Schulkameradinnen und -kameraden der Volksschule das Goldene Jubiläum feierte und im Festzug die zweihändige Wengert-Rätsche schwang. Das sind für mich Traditions- und Lebenslinien, die mir viel bedeuten.

Noch was: Unser bereits erwähnter Garten wuchs mit uns und legte sich sichtbare Jahresringe zu und ist mit all seinen werdenden und vergehenden Seiten ein verwunschener Wohlfühlort, ein Refugium für Leib und Seele, unser zweites Wohnzimmer, möbliert mit all seinen Kakteen und den vielen Bonsais, den Gräsern und den Fetten Hennen in allen Größen und Farben. Abgerundet wird dieses große Glück, wenn „meine“ Mauersegler, diese Könige der Lüfte, in den ersten Maitagen, und das schon seit Jahrzehnten, den Weg zu uns in die Riedstraße 10 finden, um dort ihre Jungen groß zu ziehen und unserer geliebten einäugigen Katze. Das alles dürfen wir erleben und genießen im Gleichklang mit unseren heranwachsenden Kaninchen, die das Glück wir haben, in einer „Neubausiedlung“ an unserem Haus gehalten werden können.

Für was stehe ich in meinem neuen Amt im ZDRK?

Zwei Sätze hat mir mein Vater mit auf den Weg gegeben, die mich bis heute leiten und begleiten. „Sorgfalt geht vor Schnelligkeit“, der eine und stets noch hinterher schiebend, „Was du heute kannst besorgen, verschiebe nicht auf morgen.“ Dies war und ist für mich Richtschnur und Maß, sowohl in meinem langen Berufsleben, als auch in der Ausübung meiner Ehrenamtstätigkeiten.

Die verantwortungsvolle Weiterentwicklung der Zucht, die Stärkung und Intensivierung der Schulungsarbeit wird uns begleiten und fordern. Als leidenschaftlicher Clubzüchter schlägt eben mein Herz besonders für diesen wichtigen Bereich unseres Hobbys. Wenn die Vereine das Herz unserer Organisation darstellen, so ist die Clubarbeit der Motor jeglicher züchterischen Weiterentwicklung und Innovation.

Tierschutz und Tierwohl rücken immer stärker in den Vordergrund und müssen mit bedacht und mit einbezogen werden. Die Einstellung gegenüber dem Mitgeschöpf Tier hat sich in der jüngeren Vergangenheit gravierend verändert und macht nicht vor der Rassekaninchenzucht halt. Hier müssen wir Antworten finden, die zwischen der klaren Positionierung der Rassekaninchenzucht im landwirtschaftlichen Zusammenhang und dem Bedürfnis mancher, die unsere Kaninchen als Haus- und Heimtiere sehen, vermitteln und Kompromisslinien aufzeigen. Unstrittig ist aber, dass die Zukunftsfähigkeit unseres Hobbys davon abhängt, in wie weit es uns gelingt, anstehende Herausforderungen zu erkennen und die Bereitschaft aufzubringen, diese beherzt anzunehmen. Veränderung und Wandeln sind keine Bedrohungsszenarien, sondern der Normalfall in unserem Leben.

Wer führen will, muss dienen können

Um es gleich vorneweg zu sagen: Ich habe keine wohlfeilen Rezepte, mit denen ich mich auf den Marktplatz stelle und diese in die Welt hinausposaune, wohl aber Ideen, die ich mit allen in unserer großen Organisation gemeinsam besprechen und wenn es geht, umsetzen möchte.

Gerne arbeite ich im Team, dessen Stärken, aber auch unübersehbare Schwächen mir nicht unbekannt sind. Aber wer Verantwortung zu übernehmen bereit ist, muss auch Mut zur Führung haben.

Führen heißt für mich kommunizieren und vorleben, verstehen und delegieren, wirken und entscheiden, aber in erster Linie: dienen. Ein „altes“ Wort mit jedoch so tiefer und aktueller Bedeutung.

Leidenschaft und Augenmaß sind mir wichtige Wegbegleiter, das erstere bedeutet für mich, dass du von einer Sache selber begeistert sein musst, um andere begeistern zu können oder um es mit den Worten Augustinus‘ auszudrücken: „In dir muss brennen, was du an anderen entzünden willst“.
 

Organisatorischer Steckbrief Ulrich Hartmann

 

  • Geboren 1948 in Häfnerhaslach, Kreis Ludwigsburg
  • Fachschulrat am Pädagogischen Fachseminar in Schwäbisch Gmünd
  • seit Januar 2013 Pensionär

 

Werdegang in der Rassekaninchenzucht
 

  • Eintritt in die Organisation: 1981
  • Verein Z 349 Alfdorf, dort in mehreren Funktionen u.a. 10 Jahre Kassierer
  • Seit 1989 im Ausschuss des Kreisverbandes Schwäbisch Gmünd. Aktuelle Funktion: 3. Kreisverbands-Vorsitzender
  • Neuseeländer-Club Württemberg und Hohenzollern: 1. Vorsitzender seit 1988 bis heute
  • Vereinigte Spezialclubs von Württemberg und Hohenzollern: langjähriger Schriftführer
  • Gründung eines Vereins Z 555 Kaninchenfreunde Pfahlbronn 2005, hier: 1. Vorsitzender


Tätigkeit im Landesverband
 

  • 1990 auf der JHV in Nufringen zum 2. Verbands-Schriftführer und Chronisten gewählt
  • 1992 – 2006 Schriftführer
  • Verfasser der Chronik zum 100-jährigen Bestehen des Verbandes 1995
  • seit 2006: 1. Vorsitzender des Rassekaninchenzüchterverbandes Württemberg und Hohenzollern e.V.


Tätigkeiten im ZDRK
 

  • Schriftführer seit 2014


Ehrungen in der Organisation
 

  • Kreisverband: Goldene Ehrennadel
  • Neuseeländer-Club: Goldene Ehrennadel
  • Clubvereinigung Württemberg und Hohenzollern: Goldene Ehrennadel
  • Landesverband: Goldene Ehrennadel, Verdienstmedaille und Verleihung des Titels „Meister der Schwäbischen Rassekaninchenzucht“
  • im  ZDRK 1999 zum „Meister der Deutschen Rassekaninchenzucht“ ernannt
  • Ehrung des Landes Baden-Württemberg: Ehrennadel des Landes für besondere Verdienste im Ehrenamt (2010)
     

Ulrich Hartmann, 31.12.2017

 

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