ZeitschriftE-Paper kleintiernewsSchnupperabo kleintiernews 3 Monate
deutschnederlandsenglish
19. Dezember 2018 |
Tipps für Anfänger Kaninchenrassen Schaukalender

Kaninchen und Joghurt

Probiotische Milchsäurekulturen und positive Mikroorganismen in der Kaninchenzucht

An dieser Stelle möchte ich über meine Erfahrungen und Erfolge mit probiotischen Milchsäurekulturen und positiven Mikroorganismen in meiner Zucht berichten.

Probiotische Milchsäurekulturen kennen wir hauptsächlich aus dem Jogurt, hier hört man immer wieder, dass sie sich positiv auf die Darmflora und das Immunsystem auswirken sollen. Und was für den Menschen gut ist, kann ja für die Tiere auch nicht schlecht sein. Aber Kaninchen und Joghurt, dass passt doch irgendwie nicht zusammen.

Probiotische Milchsäurekulturen,positive Mikroorganisme, Kaninchenzucht

Aber wie denn dann?
 
Vor 3 Jahren bin ich durch einen Zuchtfreund auf ein flüssiges Siliermittel aufmerksam gemacht worden, das probiotische Milchsäurekulturen, positive Mikroorganismen und zudem auch noch zahlreiche wohltuende Kräuter in sehr hoher Konzentration enthält. In den vorhergehenden Jahren hatte ich in meiner Zucht Probleme mit der so genannten Enterocolitis, verbunden mit sehr hohen Jungtierverlusten, sowie schlechter Milchleistung und war mit dem Gesundheitszustand meiner Kaninchen nicht so recht zufrieden. Der Einsatz von Antibiotika, Impfung, regelmäßige Desinfektion, Selektion und was noch alles sonst empfohlen wurde, hatte keinen Erfolg gebracht. Außerdem war ich zu dem Entschluss gekommen, dass ich meine Kaninchen nicht durch die mehr oder weniger ständige Gabe von Medikamenten aufpäppeln und am Leben erhalten wollte. Meine Vorstellung war, das Immunsystem und die Abwehrkräfte auf natürliche Weise zu stärken und mein Interesse galt diesem natürlichen Mittel. Ich habe mich näher über das Siliermittel und seine Wirkungsweise informiert, was ich las und hörte, überzeugte mich jedenfalls sehr und ich war dann der festen Meinung, dass es mir bei der Lösung der Gesundheitsprobleme meiner Kaninchen sehr gut weiterhelfen kann.

Das Ganze war kurz vor der Vereinsschau 2004, ein guter Zeitpunkt für einen Versuch, denn meistens kamen meine Kaninchen mit Durchfall und nicht fressend von den Ausstellungen zurück. Ich gab das Siliermittel vor und während der Schau in das Trinkwasser, die Kaninchen haben die Ausstellung sehr gut überstanden und fraßen problemlos weiter. Sollten das schon die ersten positiven Auswirkungen sein, fragte ich mich? Das war der Anfang, aber nun erst mal einige Erklärungen.

Was ist Silierung und was passiert dabei?

Probiotische Milchsäurekulturen,positive Mikroorganisme, Kaninchenzucht

Die Silierung ist ein natürlicher Prozess zur Haltbarmachung von Tierfutter (Gras-, Mais, Rübenblattsilage usw.). Das Futter wird geerntet, zerkleinert, möglichst stark verdicht und unter Luftabschluss gelagert. Dann beginnt der Prozess der Fermentierung (findet auch bei der Herstellung von Sauerkraut statt). Hierbei wird von Milchsäurebakterien der in den Pflanzen enthaltene Zucker in Milchsäure umgewandelt, der ph-Wert sinkt und es entsteht ein haltbares, sehr gut verdaubares Tierfutter mit positiven Auswirkungen auf die Tiergesundheit. Wobei es sehr wichtig ist, dass das Futter sauber und trocken eingebracht wird und der absolute Luftabschluss gewährleistet ist, ansonsten kommt es zu Fehlgärungen und die Silage ist unbrauchbar. Gute Silage riecht säuerlich und frisch, alles andere gehört auf den Mist und nicht in den Stall!
Um die positiven Prozesse bei der Silierung möglichst schnell in Gang zu bringen und um Fehlgärungen zu vermeiden, wird dem Futter vor dem Verdichten das Siliermittel beigemischt. Das Siliermittel enthält probiotische Milchsäurekulturen und positive Mikroorganismen, beides sind Kleinstlebewesen (Bakterien, Viren, Pilze usw.), in sehr hoher Konzentration, die sich aufgrund mangelnder Nahrung in einem Ruhezustand befinden. In dem Futter finden sie nun reichlich Nahrung, sie beginnen sich sehr stark zu vermehren und die Silierung verläuft ohne Fehlgärungen, weil z.B. Schimmelpilze an der Vermehrung gehindert werden, das gewünschte hochwertige Winterfutter entsteht.

Kaninchen und Siliermittel?
 
Viele werden jetzt sagen, ich kann doch meinen Kaninchen kein Siliermittel eingeben, wer weiß, was da passiert. Doch wenn man sich über die Zusammensetzung und Wirkungsweise eines natürlichen Siliermittels einmal Gedanken macht, dann ist vieles einfacher zu verstehen.

Zur Herstellung des
Siliermittels wird Zuckerrohrmelasse in Wasser eingerührt, eine Kräutermischung dazugegeben und der Fermentierungsprozess mit einer speziellen Auswahl an Mikroorganismen in Gang gesetzt. Bei einer bestimmten,
gleich bleibenden Temperatur dauert das Verfahren ca. 3 Wochen, bei dem der Zuckergehalt in Milchsäure umgewandelt wird und der Kräuterauszug bei einem ph-Wert von 3,5 schließlich zur Ruhe kommt. Das fertige Siliermittel wird in Kanister abgefüllt und ist nun ca. 3 – 4 Monate haltbar. Wenn wir nun das Siliermittel unseren Kaninchen oder anderen Haustieren direkt über das Futter oder Wasser eingeben, passiert das, was in der Silage abläuft im Verdauungstrakt der Tiere.

Wie wirken die Milchsäurebakterien?
 
Die Wirkung der Milchsäurebakterien liegt primär in der Bedeutung für die Darmflora. Der Darm übernimmt eine hohe Abwehrleistung im Immunsystem und ist daher für die Gesundheit von hoher Bedeutung. Garant für die immunologische Leistung des Darmes ist die ausgewogene Zusammensetzung der Darmflora im Zusammenhang mit einer intakten Darmwand. Während des Verdauungsprozesses versorgen die Mikroorganismen die Darmschleimhaut mit Energie, sie lösen Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente und Enzyme aus der Nahrung und stellen sie dem Körper zur Verfügung. Die Milchsäure reguliert den ph-Wert im Verdauungstrakt und hemmt damit die Entwicklung pathogener (krankmachender) Erreger. Eine weitere wichtige Aufgabe der Darmflora ist die Entgiftung des Darms, sie baut Giftstoffe ab, die durch Gär- und Fäulnisprozesse der Verdauung entstehen. Schließlich regt eine gesunde Darmflora die Peristaltik (Bewegung) des Darmes an und unterstützt so den notwendigen Ausscheidungsvorgang.

Was geschieht im Darm?
 
 
Einerseits hindern Milchsäurebakterien und positive Mikroorganismen die Vermehrung von schädlichen Bakterien und Pilzen im Darm, sie sind sogar in der Lage, diese aus dem Darm zu verdrängen. Andererseits bauen sie die Darmflora wieder auf und verhindern somit Verstopfung und die Bildung von Giftstoffen. Die Mikroorganismen sorgen für ein gesundes Gleichgewicht im Darm und für ein besseres Innenklima im Körper. Das Immunsystem wird gestärkt, die Tiere werden wiederstands- und leistungsfähiger.

Wie wird das Siliermittel den Tieren gegeben?
 
Es gibt die Möglichkeit, das Siliermittel über Futter oder über das Trinkwasser zu geben. Ich sprühe das Siliermittel über das gequetschte Getreide, was meine Kaninchen zweimal täglich erhalten. Ich gebe das Futter in eine Schale, besprühe und menge dieses, bis es gleichmäßig angefeuchtet ist. Das Futter wird sofort verfüttert, ansonsten besteht die Gefahr, dass die Mikroorganismen vertrocknen und absterben. In der Anfangsphase habe ich den Fehler gemacht, das Futter für morgens schon am Vorabend angemengt, um morgens Zeit zu sparen. Im Winter hat das noch sehr gut funktioniert, aber als es wärmer wurde, habe ich mich gewundert, dass die Wirkung bei den Kaninchen nicht mehr so positiv war und die alten Probleme wieder auftraten. Die Enttäuschung war groß. Ich rief bei dem Hersteller an und schilderte meine Probleme. Gemeinsam kamen wir zu dem Ergebnis, dass die Mikroorganismen über Nacht absterben und so die Wirkung nicht mehr vorhanden ist.
Seitdem menge ich das Futter immer erst kurz vor dem Verfüttern an. In gleicher Weise kann man das Siliermittel auch über die Pellets geben.
Die Gabe über das Trinkwasser vermeide ich, weil die Nippeltränken sehr schnell schmierig werden und ca. alle 5 – 7 Tage gereinigt werden müssen. So habe ich mich für den Weg über das Futter entschieden, was sehr gut funktioniert.
Jungtieren gebe ich im Alter zwischen ca. 14 und 28 Tagen alle 2 – 3 Tage einen Tropfen unverdünnt ins Maul. Es ist faszinierend zu beobachten, wie die kleinen Kaninchen innerhalb weniger Tage einen regelrechten Wachstumsschub machen und Jungtiere die etwas struppig und schwach waren blühen regelrecht auf. Wenn Kaninchen mal nicht fressen und einen kranken Eindruck machen, dann gebe ich ihnen das unverdünnte Siliermittel mit einer Spritze direkt ins Maul, auch mehrmals. Eine Überdosierung ist fast nicht möglich, hier gilt noch das alte Sprichwort “viel hilft viel“, je mehr positives reinkommt umso schneller wird das Negative verdrängt. Nach dem Entmisten werden die Buchten und in unregelmäßigen Abständen die gesamte Stallanlage mit einer verdünnten Lösung ausgesprüht. Wichtig ist hierbei, dass nur saubere Spritzen und Sprühflaschen zum Einsatz kommen, um die nützlichen Helfer nicht zu schädigen, denn es sind ja Lebewesen, die durch Reste von Desinfektionsmitteln oder Medikamenten sehr schnell abgetötet werden.

Welche positiven Auswirkungen haben sich gezeigt?
 
Im zeitlichen Ablauf des Jahres betrachtet, fange ich bei den Zuchttieren an. Die Häsinnen werden leichter trächtig, die Würfe sind größer geworden und die Größe der Jungtiere innerhalb der einzelnen Würfe ist ausgeglichener. Vor der Anwendung des Siliermittels gab es bei meinen Tieren des Öfteren Probleme mit Gesäugeentzündungen und der damit verbundenen schlechten Milchleistung. Das ist im ersten Jahr immer noch teilweise aufgetreten. Den erkrankten Häsinnen habe ich das Siliermittel unverdünnt direkt ins Maul eingegeben und auch das Gesäuge eingesprüht und eingerieben. Die Entzündung ist sehr schnell abgeklungen und die Milchleistung hat sich normalisiert. In den Folgejahren sind keine Gesäugeentzündungen mehr aufgetreten und die Milchleitung hat sich erhöht. Damit verbunden sind die bessere Entwicklung und ein besseres Wachstum der Jungtiere. Beim Absetzen dieser gibt es kaum Probleme mit Fressunlust und Durchfällen.
Insgesamt sind die Kaninchen ausgeglichener, ruhiger und weniger anfällig bei der Futterumstellung. Die Umstellung auf Grünfutter passiert innerhalb von einer Woche, sonst habe ich dafür drei Wochen gebraucht, blätterweise angefangen, dann ganz langsam gesteigert. Die Futteraufnahme und -verwertung hat sich verbessert, die Kaninchen kommen schneller auf das Gewicht und in Ausstellungskondition, verfetten nicht so stark und neigen nicht so schnell zu Wammenbildung. Während und nach den Ausstellungen fressen meine Kaninchen zum größten Teil normal weiter, erkranken selten an Durchfall und bauen auch nicht so stark ab. Durch das Versprühen der Lösung im gesamten Stall hat sich das Stallklima verbessert, denn die Mikroorganismen verdrängen auch dort Fäulnisbakterien usw. und sorgen somit für bessere Luft im Stall.

Was gibt es sonst noch zu sagen?
 
Ich weise darauf hin, dass es sich bei den Milchsäurebakterien und positiven Mikroorganismen nicht um ein Allheilmittel handelt. Tierverluste gab es immer
und wird es auch weiter geben. Wir sollten uns nur fragen, ob es sinnvoll ist anfällige Tiere durch Medikamenteneinsatz hochzupäppeln und so die natürliche Auslese zu umgehen. Meiner Meinung nach ist das der falsche Weg, denn die Tiere werden immer anfälliger. Wichtiger ist es, einen robusten Zuchtstamm zu erzüchten. Hierbei können uns die Milchsäurebakterien und positiven Mikroorganismen sehr hilfreich zur Seite stehen. Tierverluste lassen sich auch dadurch nicht vermeiden, sie gehen jedoch auf ein erträgliches Maß zurück.
Es ist noch zu beachten, dass Antibiotika und Desinfektionsmittel alle Mikroorganismen abtöten, auch die positiven, deshalb ist die gleichzeitige Anwendung nicht zu empfehlen. Aus eigener dreijähriger Erfahrung kann ich sagen, es geht auch ohne. Die positiven Erfahrungen können von vielen Züchtern aus dem gesamten Bundesgebiet bestätigt werden, die das Mittel seit ca. einem Jahr einsetzten. Es gibt aber auch einige, die sagen, es bringt mir gar nichts. Ich möchte an dieser Stelle keinem etwas unterstellen, denn das sind meistens die Ungeduldigen, die gerne einmal alles ausprobieren und sofort eine positive Wirkung erwarten oder die positiven Auswirkungen nicht erkennen. Um diese zu erkennen, sollte man sich etwas intensiver mit dem Thema beschäftigen. Die Anwendungsmöglichkeiten sind fast unendlich und es ist faszinierend, die positiven Auswirkungen zu beobachten. Es gibt verschiedene Mittel und Möglichkeiten der Anwendung von Milchsäurekulturen und positiven Mikroorganismen. Ich verwende das Siliermittel “Silovit“ für meine Tiere, im Garten wird das “Terra Bio Power“ eingesetzt und für den Eigenbedarf nehme ich den “Kräuterbeer“, ein Kräuter-Heidelbeer-Getränk für den menschlichen Gebrauch. Alle drei Mittel sind in ihrer individuellen Zusammensetzung auf den jeweiligen Einsatzzweck abgestimmt.
Ich habe diesen Bericht nicht geschrieben, um Werbung für die Produkte zu machen, sondern um eine natürliche, relativ preisgünstige natürliche Möglichkeit zur Förderung der Gesundheit unserer Kaninchen vorzustellen.
 

Harm Söchtig
www.satin-kalifornier-soechtig.de
 

Weitere interessante Artikel:

» Satin-Kalifornier

Zurück