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16. Dezember 2018 |
Tipps für Anfänger Kaninchenrassen Schaukalender

Jürgen Schwarz, Farbenzwerge

Die Farbenzwergzucht ist stark verbunden mit dem Namen Jürgen Schwarz. Seine vielfältigen Erfolge lassen einen neugierig werden, wie er diese erreicht hat und wie er eigentlich zur Rassekaninchenzucht kam.

Begonnen hat alles, als er ein kleiner Bub war und seinem Großvater geholfen hat, die Hauskaninchen zu versorgen. So kam er zum ersten Mal in Kontakt mit Kaninchen und allem, was dazu gehört, wie Füttern, Misten, aber auch Streicheln. 1982 wurden er und sein Freund Jürgen Poisel (mittlerweile Sachsengold-Züchter) auf die Jungtierschau des wiederbelebten Vereins Z 83 Ilshofen aufmerksam. So wurde diese auch gleich besucht und dort wurden sie als neue Mitglieder für die im Januar startende Jugendgruppe gewonnen. Natürlich waren am Anfang noch viele Fragen zu klären, was beispielsweise für die Zucht benötigt wird und was alles beachtet werden muss. Natürlich mussten auch die Eltern einverstanden sein und deshalb begann Jürgen mit Weißgrannen, schwarz, da die Tiere bezüglich der Größe „küchentauglich“ sein mussten. So wurde er bei der Mai-Versammlung 1983 Mitglied im Z 83 Ilshofen. Schon zwei Jahre später kamen als zweite Rasse die Weißen Neuseeländer dazu. Nach und nach tauchte Jürgen immer tiefer in die Welt der Rassekaninchenzucht ein. Durch Besuche von Club-, Landes- und Bundesschauen steigerte sich die Begeisterung. Weihnachts- und Geburtstagsgeschenke gab es meistens in Form von Fachzeitschriften oder neuen Zuchttieren.

 

Mit 16 Jahren trat Jürgen dem Neuseeländerclub Württemberg-Hohenzollern, trotz gewisser Widerstände im Heimatverein, bei. Kaum 18 Jahre, fahrtauglich und motorisiert, besorgte er sich seine ersten Traumkaninchen – Farbenzwerge, weißgrannen schwarz. Im Verein wurde dann ein Antrag für eine 5-mm-Zwergkaninchen-Tätowierzange gestellt, was mit Murren und „muss das sein, Du sollst richtige Kaninchen züchten“ trotzdem besorgt wurde. So ging es 1988 mit seinen Zwergen los und es hat ihn bis heute nicht mehr los gelassen.

Bis heute sind noch weitere Farbenschläge dazu gekommen. So seit 2000 – anfangs noch als Neuzüchtung - die Farbenzwerge, schwarzgrannen, seit 2005 die Farbenzwerge, weißgrannen blau zusammen mit Rainer Utz durch Übernahme der Tiere des viel zu früh verstorbenen Freundes Jürgen Eckert, und seit 2013 Zwergwidder, rhönfarbig. Für seine Tochter Emely kamen 2008 die schwarzen und für Tochter Enrica 2011 die blauen Farbenzwerge dazu.

Durch den „Niedlichkeitsfaktor“ war Jürgen schon immer von den Farbenzwergen fasziniert. Ebenso durch den Gesamteindruck von Kopf, Ohr, Form und Typ, den verschiedenen Farben und deren Vererbung. Besonders bei den weißgrannenfarbig schwarzen fasziniert ihn der Kontrast von schwarz und weiß im Wildfaktor. Deshalb waren es bei ihm zu Jugendzeiten als erste Rasse schon die Weißgrannen, schwarz.

Seine Stallanlage

Die Stallanlage ist, wenn man sie das erste Mal sieht, faszinierend. Insgesamt sind es 115 Buchten mit den Größen von  60 x 70 bis zu 60 x 90 cm. Hinzu kommen noch mehrere Laufställe von 3 m² bis zu 25 m² Grundfläche. Darin werden die Zuchthäsinnen während ihrer Zuchtruhe zusammen gehalten. Der Vorteil ist, dass sie so kaum verfetten. In den kleineren Laufställen ist meist ein Rammler mit bis zu 10 Häsinnen zusammen, die auch im Laufstall die Jungtiere werfen und großziehen. Die Außenstallungen sind mit einer Tränkanlage ausgestattet, die von März bis November im Betrieb ist. Diese Ställe haben keine Kotwanne. Die Stallanlage zeigt Richtung Westen und die morgendlichen  Sonnenstrahlen wärmen die Anlage. Am Nachmittag ist es durch das große Scheunengebäude im Hintergrund schön schattig.

 

Der Innenstall dient der Aufzucht der Jungtiere. In der kalten Jahreszeit kann der Raum über die Zentralheizung des Hauses frostfrei gehalten werden. Zuchtfreund Schwarz setzt dann auch Wurfkisten ein, die gerne von den  angenommen werden. Besonders wichtig sind für ihn die Stallkarten an den einzelnen Boxen. Bei den Rammlern sind hier vier und bei den Häsinnen drei Generationen vermerkt. Nur so kann Jürgen gewährleisten, dass er die für ihn wichtigen Rückverpaarungen von Großvater/Mutter und Urgroßvater/Mutter auch richtig durchführen kann.


Zwergenzucht

In der Zwergenzucht ist es wichtig, großen Wert auf die Fruchtbarkeit und die Aufzuchtleistung innerhalb der Linien zu legen. Bei Jürgen Schwarz werden hervorragende Zuchttiere im hohen Alter  noch erfolgreich eingesetzt, was für eine vitale Linie spricht. Außerdem selektiert er auf ruhige Tiere mit einem guten Stand, die sich schön präsentieren. Dieser Faktor ist vererblich und kann seiner Meinung nach nur zu 10% antrainiert werden.

Die Zuchttiere werden schon vor Beginn der Schauen ausgesucht und viele davon werden erst gar nicht ausgestellt. Die Jungtiere werden sehr früh abgesetzt, wie es die Natur vormacht. Dadurch verringerte sich das Jungtiersterben auf fast null. Pro Jahr werden bei seiner Hauptrasse sechs Zuchtrammler und zwölf Zuchthäsinnen eingesetzt und ca. 30 Jungtiere gezogen. Bei den anderen  Farbenschlägen sind es drei bis vier Zuchtrammler und sechs bis acht Zuchthäsinnen mit jeweils 15 Jungtieren.

Die Zuchttiere wählt er nicht alleine aus, hierbei ist ihm auch die Meinung von Vereinskollegen wichtig. So werden gegenseitig die Stallungen besucht und die Tiere besprochen. Hier greift das Mehraugenprinzip. Der Zusammenhalt im Verein ist Jürgen sehr wichtig und der Verein Z 83 Ilshofen ist ein Paradebeispiel für eine intakte Vereinsfamilie. Der Verein ist geprägt durch das gleichwertige und familiäre Miteinander und durch die Achtung und Wertschätzung der Arbeit und das Können des Anderen. Diese Ehrlichkeit und Hilfsbereitschaft versucht Jürgen auf allen Ebenen der Organisation umzusetzen und so auch Züchterfreundschaften aufzubauen, die durch innige Freundschaften und züchterische Zusammenarbeit geprägt sind. Zwar wird auf den Schauen mit viel Ernst diskutiert und mit gesundem Ehrgeiz um die Trophäen gerungen, aber trotz allem werden untereinander Tiere verkauft oder getauscht – auch sehr gute Zuchttiere. Dieses ist seiner Meinung nach auch der Grund, weshalb der Zuchtstand auf einem hohen Niveau ist und die Anzahl der erfolgreichen Züchter sehr groß ist.

Trotz des hohen Zuchtstandes gibt es immer noch Verbesserungsmöglichkeiten in den Rassen. Zuchtfreund Schwarz fände es von Vorteil, wenn die Positionen 5 und 6 im Standard bei den weißgrannenfarbigen Farbenzwergen geändert würden. Die Position 5 beinhaltet aktuell die kompletten Abzeichen und die Deckfarbe und Position 6 hingegen nur die Unterfarbe. Eine Verfeinerung der Positionen wäre wünschenswert. Wenn in Position 5 nur die Abzeichen und in Position 6 die Deck- und Unterfarbe bewertet würde, wäre die Aufteilung sinnvoller (eine Änderung der Positionen 5 und 6 würde aber 90 Prozent der Farbenschläge bei den Zwergrassen betreffen), so die Meinung von Jürgen Schwarz.

Schauen

Präsent ist Jürgen immer auf den Vereinsschauen seines Heimatvereins sowie der dazu gehörigen Kreisschau des KV Schwäbisch Hall, auf den Clubschauen des Hermelin- und Farbenzwergeclubs Württemberg-Hohenzollen und den Clubvergleichsschauen sowie auf den Landesschauen Württemberg-Hohenzollern, den Landesclubschauen, Bundeskaninchenschauen, Bundesrammlerschauen und auf Europaschauen. Und dieses überragend erfolgreich, bewiesen durch mehrfach errungene Titel, wie Clubmeister, Württembergischer Meister, Deutscher Meister und sogar Europameister.

 Bundes-Rammerschau Ulm 2015
 Bundes-Kaninchenschau
 Karlsruhe 2013
 Bayernschau Straubing 2008
 
 Bundes-Kaninchenschau
 Karlsruhe 2009

Auch durch diese Tatsache wurde der Verein Z 83 Ilshofen zu einem bekannten Verein, der mittlerweile 350 Farbenzwerge in den verschiedensten Farbenschlägen tätowiert und auf allen großen Schauen mit dieser Rasse stark und erfolgreich vertreten ist. Seit 1998 führt Jürgen den Posten des ersten Vorsitzenden. Zudem ist er der zweite Kreiszuchtwart Kaninchen, zweiter Vorsitzender des Hermelin- und Farbenzwergeclubs Württemberg-Hohenzollern sowie Rassesprecher für seltene Farbenschläge in der AG der Zwergkaninchenzüchter.

Seine Tiere

Die Tiere von Jürgen sind bedingt durch seinen Beruf an unregelmäßige Fütterungszeiten gewöhnt. So wird mal morgens um 6 Uhr gefüttert und Tags darauf erst um 22 Uhr oder später. Deshalb ist es für ihn wichtig, dass die Tiere immer Zugriff auf Wasser und hervorragendes Heu haben. Das Heu wird erst sehr spät im Juli selbst gemacht. Ebenso legt er Wert auf ein staubfreies, langes, nicht geschnittenes Gerstenstroh, das die Kaninchen auch sehr gerne als Rohfaser zu sich nehmen. Als Nassfutter bekommen sie im Sommer Gras und im Winter Futterrüben und Möhren. Bei den Pellets setzt er auf getreidefreie oder getreidearme Sorten und wenn Getreide, dann Dinkel. Dieses Futter  wurde zusammen mit dem Futtermittel-Lieferanten kreiert. Die Zwerge bekommen nur maximal fünfmal die Woche Pellets.


Jürgen mit Tochter Emely 12 Jahre und Enrica 9 Jahre

Jugendarbeit ist ihm wichtig

Die Jugendarbeit sieht Jürgen Schwarz als wichtig und absolut vorrangig an. Dieser Aufgabe muss sich seiner Meinung nach der gesamte Verein – auch mit großem Zeiteinsatz - widmen. Dazu müssen das Image der Kleintierzucht, der Auftritt des eigenen Vereins und seiner Mitglieder sowie der Stellenwert in der Gemeinde ins positive Licht gerückt werden. Dies kann durch Veranstaltungen mit und ohne Tiere, informativer Pressearbeit über das Vereinsgeschehen oder das Verhalten und die Aussagen der Mitglieder in die richtige Richtung gelenkt werden. Zuchtfreund Schwarz führt dazu aus, dass die Aussage: „meine überschüssigen Tiere schlachte ich“ auch schöner werden kann. Eine andere Außenwirkung hat dann z.B. die Aussage: „…werden der Küche zugeführt.“

Ostermakrt Z 83 2012

Erst wenn diese Voraussetzungen stimmen, ist es möglich, Jugendliche, die Interesse an Kaninchen haben, für die Kleintierzucht und für „DEN Verein“ zu begeistern.

Der Verein Ilshofen hat Glück und kann momentan fast 30 Jugendliche in der Jugendgruppe betreuen. Neue Jugendliche, die in den Verein kommen, erhalten vom Verein  die ersten Zuchttiere. Dabei wird besonders darauf geachtet, dass es eine „einfache“ Rasse ist, die noch kein anderes Kind züchtet. Ebenso wird ihm ein erfahrener Züchter als Pate zur Seite gestellt, der immer für seine Fragen und die seiner Eltern ein offenes Ohr hat und mit  Rat und Tat hilft, Tiere für die Schauen mit aussucht und gegebenenfalls auch mitnimmt. Hier werden nicht nur kleinere Schauen besucht, sondern auch größere, wo der Bär tobt. Aus Sicht von Jürgen Schwarz muss man es auch akzeptieren, dass es eine Zeit gibt, wo die Kaninchen in den Hintergrund geraten und die Freunde, die Ausbildung und das Ausleben wichtiger sind. „Gelingt es jedoch später nach der Sturm- und Findungszeit, den früheren Jungzüchter wieder für den Verein und die Arbeit mit Kaninchen zu begeistern, ist mir um die Zukunft der Kleintierzucht nicht bange“, so Zuchtfreund Schwarz und ergänzt: „Wie hat Napoleon schon verlauten lassen: wer die Jugend hat, hat die Zukunft.“
Clubarbeit schon in frühen Jahren.
 

Familientag Z 83

Schon mit 15 Jahren war Jürgen Schwarz Mitglied im Neuseeländer-Club und lernte das Schöne an der Clubarbeit kennen. Seit 21 Jahren gehört er dem Hermelin- und Farbenzwerge-Club an. Bei den überregionalen Clubschauen war er, wenn es machbar war, immer mit dabei, um den Zuchtstand seiner Tiere und deren Stellenwert festzustellen. Gleichzeitig freut er sich immer auf das Treffen von Freunden und Züchterkollegen. Das gemeinsame und spezifische Arbeiten an den Feinheiten der Rassen führt hier zu stetigen Verbesserungen in den Zucht.

Auch die Arbeit in der AG, mit ihren Funktionären und Rassesprechern, die positiv wie negativ auf den Zuchtstand hinweisen, hält Jürgen für eine absolut wichtige Institution. Hierbei darf auch das gemeinsame, ausgiebige Feiern nicht zu kurz kommen. Das Gesellige mit „Pfleideres Vesperbox“, bayrischem Holzfassbier, norddeutschem Matjeshering, badischem Wein und vieles mehr verbindet und lässt einen, wie man heute sagt, „upchillen“ – den Alltag für einen Moment vergessen.
 

Jasmin Groß

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