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16. Dezember 2018 |
Tipps für Anfänger Kaninchenrassen Schaukalender

Josef Burkhard sen., Rexkaninchenzüchter

 

Name: Josef Burkhard sen.

Wohnort: Kötz

Beruf: Schlosser im wohlverdienten Ruhestand

Rassen: Castor-, Schwarz-, Lux- und Gelb -Rexe

Mitglied im ZDRK: seit 1965

Verein: B 341 Günzburg

Landesverband: Bayern
 

 

Wie bist Du zur Rassekaninchenzucht gekommen?

Bereits mein Vater war aktiver Tauben- und Kaninchenzüchter. Er legte zwar mehr Wert darauf, die Kaninchen in der Küche verarbeiten zu lassen, aber ich habe dieses Hobby so übernommen und übergangslos weitergeführt. Einst bekam ich von einem Zuchtfreund eine Deutsche Riesen Häsin mit Jungtieren und dies war somit der Startschuss im Jahr 1965 mit dem Züchten zu beginnen. Ich trat in den Verein B 341 Günzburg ein, den ich heute noch aktiv beiwohne.

Aktuelle Kaninchenrassen

Derzeit züchte ich Rexekaninchen in vier verschiedenen Farbschlägen. Meine Stallungen bewohnen derzeit Castor-, Schwarz-, Gelb- und Lux-Rexe.

Warum diese Rassen?

Nach langer Zucht der Riesen erwachte 1986 mein großes Interesse an den Rexen. Auf vielen Schauen gesehen, gefielen sie mir immer besser. Auch hat mich die Anzahl der vielen Farbschläge sehr begeistert. Ein besonderer Reiz stellt für mich die einzigartige Fellstruktur der Rexe dar. Auch die Typen und Formen dieser Rasse gefallen mir bis heute noch sehr gut. Meine ersten Rexe, die Schwarzen, Castor- und Luxfarbigen beheimate ich heute noch in meinen Stallungen und züchte diese weiterhin mit ungebremster Freude. Leider kann ich mich nicht unbedingt für die Klein-Rexe begeistern. Trotzdem wünsche ich dieser Rasse viel Erfolg auf ihrem Weg und läge es in meiner Verantwortung, würde ich dort die Farbschläge castorfarbig, luxfarbig, marderfarbig blau, schwarz und gelb zulassen. Da diese Farbschläge auch bei den großen Rexen sehr beliebt sind, würde es sicherlich auch eine gute Verbreitung bei den kleineren Vertretern geben. Trotz der großen Liebe zu den Rexen, könnte ich mir alternativ auch durchaus vorstellen, einmal die Rheinische Schecken als „normale“ Rasse zu züchten, da diese mir ebenfalls sehr gefallen. Bislang ergab sich diese Situation noch nicht und so werde ich vorab weiterhin meinen geliebten Rexen die Treue halten.

Anzahl der Zucht- und Jungtiere

Für die angegebenen Farbschläge komme ich im Jahr mit insgesamt 10-12 Häsinnen und 4-6 Rammler aus, sodass ich eine große Anzahl an Jungtieren erhalte

Größe und Besonderheiten der Stallanlage

Aufgrund meiner damaligen Zucht von Deutschen Riesen, stehen den Rexen seit Anbeginn ausreichend große Einzelbuchten zur Verfügung. Diese haben die Maße 0,90 x 0,90 cm oder 0,80 x 0,80 cm. Insgesamt verfüge ich mit meinem Sohn, der selber auch aktiver Rexzüchter ist, über 130 Buchten von denen 36 als Innenstall gepflegt werden. Alle restlichen stehen als Außenställe zur Verfügung. In den Innenställen pflege ich meine schwarzen Rexe, da diese dem Sonnenlicht nicht zu stark ausgesetzt werden können. Zuviel Sonne bewirkt bei schwarzen Rassen immer einen unerwünschten rostroten Schleier auf der Decke oder an den Seiten, was verständlich zu Punktabzügen führt.

Meine großzügigen Buchten sind alle mit Kotwannen ausgestattet. Da ich größten Wert auf saubere Ställe lege, werden diese regelmäßig von mir gereinigt und frisch eingestreut.

Alle meine Kaninchen halte ich auf erstklassigem Gerstenstroh. Eine zusätzliche Einstreu wie Hobelspäne oder Häcksel verwende ich nicht.

Fütterungsmethode

Etwas Spezielles gibt es hier nicht zu erzählen. Ich reiche den Kaninchen das ganze Jahr gutes Heu und Wasser. Ansonsten gibt es Pellets mit 1/3 Gerste vermischt und im Sommer steht reichlich frisches Grünfutter auf dem Speiseplan. Während der Zuchtruhe verringere ich die Zugabe von pelletiertem Futter um knapp die Hälfte der sonst üblichen Menge.

Vorschläge zur Verbesserung Deiner Rassen

Jede Rasse und auch jeder Farbschlag ist anders und muss auch separat betrachtet werden. Anlässlich der Bundeskaninchenschau in Kassel 2015, als auch bei den vielen vergangenen ADRC Schauen konnten die Rexkaninchen aller Farbschläge in Summe mehr als gut abschneiden. Dies beweist eindeutig, dass sich die Rasse auf einem sehr hohen Zuchtstand befindet, was mich als Rex Züchter natürlich sehr erfreut. Schöne Typen und Formen sind meines Erachtens nicht mehr das Problem bei den Rexen. Die meisten Zuchtlinien sind hier bestens aufgestellt. Ich verstehe allerdings oft nicht den Eintrag auf Bewertungsurkunden, dass in Position 3 die Felle zu weich sein sollen. Es werden Punkte abgezogen, obwohl es der Standard für die Rexe so fordert. Auch bei der Dichte sind sich viele nicht einig. Felldichte ist nicht gleich Felldichte und es gilt ein gesundes Mittelmaß zu finden. Dies liegt auch in den Händen der Preisrichter, welche die gesamten Zuchten mittels Bewertung letztendlich steuern.

Länge und Dichte sollten gerecht bewertet werden und aufgrund der Schwere eines Merkmals mit bis zu einem Punkt gestraft werden. Das Problem der wenigen oder fehlenden Spürhaare ist wohl nur noch bei den Castor Rexen zu erkennen. Alle anderen Rassen sind hier sehr gut aufgestellt. Wichtig ist auch eine gute Zusammenarbeit zwischen den Züchtern. Tiere austauschen und sich gegenseitig helfen ist für alle ein sehr großer Vorteil. Dies macht unter anderem auch einen Spitzenzüchter aus und dazu zähle ich als Beispiel meine Zuchtfreunde Jürgen Bär aus Bayreuth und Erwin Schmidt aus Nidda / Ulfa sehr gerne auf. Viele andere, die regelmäßig an den Spitzen einer Rasse stehen werden es sicherlich ähnlich sehen, dass nur ein miteinander jedem zum erhofften Erfolg verhilft und die Rasse weiter nach vorne bringt.

Auf welchen Schauen treffen wir Dich und Deine Tiere?

Mir ist jede Schau sehr wichtig. Darum trifft man mich und meine Tiere auf der Vereinsschau bis hin zur Europaschau. Jede Schau hat seine Berechtigung und auch die kleineren Ausstellungen müssen mit guter Tierqualität beschickt werden, um eine gute Werbung in der Öffentlichkeit machen zu können. Eine Landes-, Bundes- oder Europaschau ist immer wieder etwas ganz besonderes, da man sich hier europaweit mit Züchtern vergleichen darf. Dort trifft sich die Welt der Rassekaninchenzüchter zum friedlichen und fairen Wettstreit. Was begehrt ein Züchterherz denn noch mehr, als dort teilnehmen und viele Freunde treffen zu können.

Deine Erfolge in der Zucht

Ich hatte die große Ehre 3x Europameister zu werden. Einmal auf die Schwarzen in Brünn, den Luxfarbigen in Wales und mit den Castorfarbigen in Prag. Mit Schwarz-, Castor- und Lux-Rexen konnte ich insgesamt 10 x Deutscher Meister werden. Als jemals höchste Zuchtgruppe stellte ich 388,5 Punkte mit den Castor Rexen und bislang konnte ich 3 x die Note 98,0 Punkte auf meine Tiere erlangen. Obenauf kommen noch 12 Landesmeistertitel.
 

   

Ämter in der Organisation

Viele Ämter habe oder begleite ich aktuell noch. So war ich 24 Jahre Zuchtwart im Verein B 341 Günzburg, 12 Jahre Zuchtwart im Rex-Club Bayern, 10 Jahre Zuchtwart im Kreisverband und seit 38 Jahren bin ich Tätowiermeister im Verein und tätowiere 700 bis 800 Tiere im Jahr.

Weitere Hobbys

Seit 1965 bin ich Schiedsrichter im Fußball und pfeife auch heute noch viele Spiele regelmäßig in den unteren Spielklassen. Mit Stolz kann ich aktuell auf 2.320 gepfiffene Spiele zurück blicken und es werden wohl auch noch ein paar mehr werden. Dies bereitet mir auch sehr große Freude und es hält mich frisch und gesund.

Besondere Tipps oder Anmerkungen

Spezielle Ratschläge habe ich im klassischen Sinne nicht. Ich füttere so gut es geht völlig normal und vermeide so gut es geht, dass an meine Tiere Chemie gelangen kann. Impfen war dieses Jahr ein großes Thema. Bevor ich lange nachfragen muss, mache ich mich meist selbst sehr zeitnah schlau und handele auch frühzeitig. So habe ich auch dieses Jahr alle meine Tiere 2 x mit der gewohnten RHD Impfung behandeln lassen. Mehr ist als Schutz für die Kaninchen in meinen Augen nicht notwendig. Alle anderen Medikamente werden auf sicher nie den Weg in meinen Stall finden. Was die Züchter betrifft ist dies ein zweischneidiges Schwert. Leider gönnen einem die meisten nicht den erreichen Erfolg. Niemand sieht, welche Arbeit man divh aus Freude am Tier macht und kommen dann die verdienten Erfolge, erntet man sehr oft keine Anerkennung sondern Missgunst. Mich würde es freuen, wenn die Züchter wieder etwas mehr aufeinander zugehen würden, Freundschaften pflegen und das sich jemand fast gleichwohl für einen Erfolg freuen kann, wie auf den eigenen. Wer Erfolg haben will, muss auf saubere Ställe achten und das Ausgangsmaterial muss einmal richtig ausgesucht werden. Nur mit sehr guter Qualität sollte man in eine Zucht starten, was aber nicht bedeutet, dass es alles nur V- Tiere sein sollten. Einmal koordiniert ausgewählt, stehen einem mit guten Zuchttieren erfolgreiche Jahre bevor, ohne dass man neue Tiere kaufen muss

Man sollte auch nicht immer auf die amtierenden Preisrichter schimpfen, wenn einmal eine Bewertung nicht so gut ausgefallen ist, wie man es sich erhofft hatte. Sich ehrlich der Bewertung stellen und auch einmal prüfen, ob der Preisrichter nicht doch Recht hatte mit seinen Punktabzügen. Ich selbst hatte vor ca. 12 Jahren auf der ADAC Schau eine zum damaligen Zeitpunkt unglaubliche Zuchtgruppenbewertung. Diese lautete 97,5; 97,0; 97,5 und n.b. und auch ich war im ersten Moment sehr verstimmt. Aber ich entdeckte auch den weißen Büschel auf dem Vorderlauf, den ich im Stall übersehen hatte und somit hat der Preisrichter nur ehrlich und bestens geschult seine Arbeit gemacht. Dies hat mir für die Zukunft geholfen, noch besser die Tiere für eine Schau vorzubereiten und bis heute ist mir solch eine Panne nicht mehr passiert. Also erst genau schauen oder zuhören, bevor man andere ohne Grundlage vorverurteilt. Zum Abschluss soll jeder seinen eigenen Weg beschreiten, aber diesen niemals zu verbissen. Wir üben ein Hobby aus, welches uns Ablenkung und Erholung bieten soll. Alles andere macht die Rassekaninchenzucht auf kurz oder lang kaputt, was sich niemand wünschen sollte. Noch können wir viel bewirken und es werden auch die nächsten Jahre immer ausreichend Züchter bereit sein, kleine wie große Schauen mit Kaninchen zu beschicken. Jetzt geht es um die Zeit nach uns und dafür müssen wir alle unseren Beitrag leisten, um der Rassekaninchenzucht im ZDRK ein Fortbestehen sichern zu können.

 

 

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