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21. August 2017 |
Tipps für Anfänger Kaninchenrassen Schaukalender

Jörg Hess, Marburger Feh

Ein Macher im ZDRK wird 50!

Zur Identität eines Menschen gehört seine Biografie und zur Identität eines Rassekaninchenzüchters seine ganz eigene Zuchtgeschichte. Mit diesem Züchterporträt tauchen wir diesmal in das Züchter- und Funktionärsleben unseres großartigen ZDRK-Vizepräsidenten Jörg Hess ein.

Umgeben vom Naturpark Schwarzwald, wo sattgrüne Wiesen, sanft ansteigende Weinberge, ausgedehnte Wälder und eiszeitliche Karseen die Vielfalt der Natur ausmachen liegt Pforzheim. Im südlichen Stadtteil Büchenbronn ist Jörg Hess mit seiner Lebensgefährtin Silvia und seiner Tochter Julia zu Hause.
 
Einmal Marburger, immer Marburger!

Der gebürtige Büchenbronner konnte nun kürzlich seinen 50. Geburtstag feiern und dass er einmal zur Rassekaninchenzucht kommen würde, war mehr oder weniger Zufall. Seine drei Nachbarn, die zur damaligen Zeit aktive Züchter in seinem Heimatverein waren, machten ihm das Hobby mehr und mehr schmackhaft, sodass er im Jahr 1984 letztendlich den Entschluss fasste Rassekaninchenzüchter zu werden und in den Verein C23 Büchenbronn eintrat und diesem auch noch bis heute aktiv die Treue hält. Im selben Jahr übernahm er von einem Züchter des Vereins, welcher altersbedingt seine Zucht aufgeben musste, seine ersten Zuchttiere. Als er die Tiere sah, könnte man meinen es war Liebe auf dem ersten Blick und so zogen die Marburger Feh Kaninchen mit ihrer pastellartig zarten Fehfarbe in seine Stallanlage ein, deren Zucht er sich nunmehr 33 Jahre verschrieben hat und viele Höhen und Tiefen dieser Rasse miterleben durfte.

Rassenvielfalt hautnah erleben!


Faszinierend fand Jörg Hess von Anfang an bereits die im Zentralverband gegebene Rassenvielfalt. Jede einzelne Rasse hat in seinen Augen ihren ganz besonderen und eigenen Charme und insbesondere auch unterschiedliche Zuchtziele und -ansprüche und genau aus diesem Grund wurde das Interesse an der Zucht weiterer Rassen immer größer. Entsprechend fanden sehr schnell weitere Rassen neben den Marburger Feh, wie unter anderem die Perlfeh, dessen Zucht Jörg Hess aktuell im Herdbuch betreibt, ihren Platz in seiner Stallanlage. Man könnte schon fast sagen, es gibt bis heute kaum eine Rasse, mit der sich Jörg Hess nicht auskennt. Dieses wertvolle Wissen basiert letztendlich nur auf der Basis der eigenen Zuchtversuche und durch die Kontakte der jeweiligen Züchter der Rassen. So liegt es natürlich auch auf der Hand, dass Jörg Hess sich nicht nur auf eine Mitgliedschaft im Verein beschränkte, sondern auch in Spezialclubs eintrat um hier auch gezielt und aktiv an der Verbesserung der Rassen mitzuwirken. Derzeit ist er Mitglied im Feh-, Widder-, und Rexclub, auf diesem Wege haben sich natürlich unzählige Zuchtfreundschaften gebildet und der Bekanntheitsgrad von Jörg stieg in Deutschland von Jahr zu Jahr. Mit seinen zahlreichen Clubkameraden pflegt er zudem eine sehr gute Züchterfreundschaft und hier tauscht man durchaus Zuchttiere gegenseitig aus, oder man stattet dem Zuchtfreund einen Besuch ab um die ein oder andere Häsin decken zu lassen.

Zur Basis zurück

388, 389, 390 Punkte - all dies sind Bewertungen, die einen Züchter zwar durchaus stolz machen und mittlerweile teilweise Gang und Gebe sind, doch angestrebt werden sie von Jörg Hess nicht. Sein Hauptaugenmerk in der Zucht liegt vielmehr bei einer über Jahre gleichbleibenden und konstant guten Tierqualität, die sich möglichst durch alle seine Rassen gleichermaßen durchzieht. So hat er sich zum Ziel gesetzt, dass innerhalb der Rassen mit einer jeweils geringen Anzahl an Jungtieren, eine jährliche qualitative Verbesserung feststellbar ist. Ein „sehr gutes“ Tier, dessen Bewertung bekanntlich bei 95,0 Punkten anfängt, in einem Zuchtgruppenergebnis ab 382 Punkten sollte seiner Meinung nach für jeden Züchter bereits ein Erfolg darstellen. Um dies zu erreichen, bedarf es bei einer geringen Anzahl an Jungtieren und einem kleinem Zuchtstamm in erster Linie einer strengen Selektion, die auf sehr gute Zuchterfahrung basiert, denn meistens liegen seine Ergebnisse ja deutlich über seinem gesetztem Ziel.

Aus dem täglichen Stallgeschehen


Jörg Hess ist von Beruf seid 30 Jahren Verwaltungsfachangestellter und leitet den Bereich der Flüchtlingsunterbringung. Dieser Job verlangt ihm natürlich allein schon viel ab und so findet er seinen täglichen Ausgleich bei seinen Tieren. In seiner Stallanlage finden insgesamt 40 Tiere im Innenbereich und 60-70 Tiere im Außenbereich ihren Platz. Aufgrund der Rassenvielfalt in seiner Stallanlage fallen auch die Größen der Buchten je nach Rasse unterschiedlich aus. Derzeit beherbergt er neben seinen zwei Hauptrassen den Marburgern und Perlfeh noch Chin-Rexe, Weiße Neuseeländer, Separator und die wunderschönen Luxkaninchen.

Während der Zuchtsaison verzichtet Jörg Hess auf den Einsatz von Wurfkisten, seine Häsinnen bauen ordentliche Nester mit dem im Stall zur Verfügung stehendem Stroh und Heu. In das neue Zuchtjahr startet Jörg Hess ja wie bereits erwähnt mit einem recht kleinem Zuchtstamm. Das sind insgesamt rund 30 Zuchttiere, die alle samt täglich mit einer Mischung aus Pellets und Pferdemüsli versorgt werden. Ebenfalls reicht Jörg Hess seinen Feinschmeckern als kleinen Leckerbissen getrocknetes Brot. Sollten einmal Verdauungsbeschwerden auftreten, reicht er zusätzlich Grünfutter wie z.B. Petersilie.

Robust müssen die Tiere sein


Jörg Hess legt viel Wert auf einen sehr gesunden Zuchtstamm, die nicht sehr anfällig für Krankheiten sein sollten. Entsprechend richtet er auch hiernach seine Selektion aus, stets nach dem Motto „Nur die Stärksten kommen durch“. Dennoch ist es ihm gerade in der heutigen Zeit unheimlich wichtig, dass seine Tiere einen ausreichenden Impfschutz gegen RHDV-1 und RHDV-2 haben.

 
 Perlfeh, Landesmeister Herdbuch, 766,0 P.,
Jörg Hess

Schaugeschehen

Jörg Hess präsentiert seine eigenen Tiere überall dort, wo es möglich ist. Das sind Vereins,- Kreis-, Club-, Landes-, Bundes-, und Europaschauen von denen er auch bereits zahlreiche Titel mit nach Hause bringen konnte. Zu seinen Erfolgen zählten neben dem Bundesjugendmeister 1985 mit Marburger Feh, der Europachampion bei den Marburger Feh auf der Europaschau in Wels, zahlreiche Landesmeistertitel sowie mehrfache Vereins-, Kreis- und Clubmeistertitel. Sehr gerne stellt er jedoch auch auf kleinen allgemeinen Schauen aus, um hier einfach auch aktiv die kleinen Vereine unterstützen zu können und die Schau attraktiver mit unterschiedlichen Rassen für die Öffentlichkeit gestalten zu können.

Hoch geschätzter Funktionär


Ja das ist er wirklich! Man könnte schon fast sagen, überall dort wo er aktiv als Züchter tätig ist, dort hat er auch Verantwortung übernommen und übt diese ehrenamtlichen Tätigkeiten mit sehr viel Leidenschaft, Herzblut und Engagement aus.

Dieses vorbildliche Handeln ist gerade in der heutigen zeit keine Selbstverständlichkeit mehr und verdient auf diesem Wege schon eine hohe Anerkennung. So wahrt er den Posten des 1. Vorsitzenden im Verein seit 26 Jahren, im Kreisverband seit 25 Jahren im Landesverband Baden-Württemberg seit 12 Jahren sowie seit nunmehr seit fast 20 Jahren im Feh-Club. Zudem ist er Leiter der Badischen Herdbuchabteilung seit 2013 und zu guter Letzt ist er seit 2014 ZDRK-Vizepräsident, der stets auf die unterschiedlichsten Situationen eingeht und lösungsorientiert handelt. Durch seine bodenständige und stets freundliche Art wird er von zahlreichen Züchter unheimlich geschätzt. Auch ist Jörg Hess stets da zur Stelle, wo einmal „Not am Mann“ ist. Hilfsbereitschaft ist das A und O in unserer großen Züchterfamilie.

Als vielbeschäftigter Funktionär bleibt es natürlich nicht aus, dass  Jörg Hess sehr viel im Jahr durch die Gebiete des Zentralverbandes reist. Sei es mit seinen eigenen Kaninchen oder im Sinne seiner Ämter. Damit er dies alles unter einen Hut bekommt, erhält er Unterstützung von seiner Lebensgefährtin und seiner Tochter, die sich in der Zeit liebevoll um seine Tiere kümmern. 

Mach weiter so...

Mit Jörg Hess haben wir einen sehr erfahrenen und überaus engagierten Züchter in unseren Reihen, der mit sehr viel Herzblut das Hobby „Rassekaninchenzucht“ aktiv betreibt. Vorbildlich und beispielhaft übt er seine ehrenamtlichen Tätigkeiten mit großer Leidenschaft im Sinne der Zucht aus und ist dabei auch stets für ein kleines „Späßchen“ zu haben.

Lieber Jörg, wir hoffen dich noch unzählige Male zwischen den Käfigreihen begrüßen zu dürfen und wünschen Dir und Deiner Familie auf diesem Wege weiterhin viel Erfolg bei deiner Zucht.


Marina Walks
Fotos: Uwe Klostermann

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