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16. Dezember 2018 |
Tipps für Anfänger Kaninchenrassen Schaukalender

Ingo Wensing, Helle Großsilber

Ingo Wensing, Helle Großsilber

Seit 30 Jahren Helle Großsilber

Wenn es um die Rasse Helle Großsilber geht, bringt man diese in Deutschland sicherlich fast immer mit dem Züchter Ingo Wensing in Verbindung. Seine Hellen Großsilber setzen Standards in den deutschen und sogar europäischen Zuchten. Wenn man die Erfolge der letzten Bundes- und Europaschauen in Betracht zieht, ist er zweifelsohne der Spitzenzüchter in dieser Rasse. Bei einem Besuch bei Ingo Wensing in Gronau, nahe der niederländischen Grenze, konnten interessante Einblicke in seine erfolgreiche Zucht mitgenommen werden.
 
Ingo Wensing, Helle Großsilber
 
Die ersten Kontakte zur Kaninchenzucht hatte Ingo Wensing bereits als kleiner Junge. Damals war er regelmäßig mit seinen Eltern auf einem Campingplatz im Emsland, wo im Sommer immer Jungtierschauen stattfanden. Diese Veranstaltungen begeisterten ihn und er freute sich schon immer früh auf die nächste Schau. Die Mitglieder des dortigen Vereins sagten schon damals immer: „Aus Dir kann bestimmt mal ein Kaninchenzüchter werden…“. Womit sie auch Recht behielten. Mit acht Jahren fing er mit der Zucht an. Sein erstes Interesse galt damals den Roten Neuseeländern. Doch man sagte ihm, dass die Rasse zu schwer zu züchten sei. Und so übernahm er von einer älteren Züchterin die Hellen Großsilber. Diesen ist er bis heute – mehr als 30 Jahre – treu geblieben.

Ingo Wensing, Helle Großsilber
Die Hellen Großsilber
werden überwiegend
auf Stroh gehalten.
 
 

Seine Zuchtanlage hat er an seinem Elternhaus, nur wenige Meter von seinem eigenen Haus entfernt. In den 60 Buchten werden die Kaninchen überwiegend auf Stroh gehalten. Die Tiere sitzen direkt in großen Kunststoffschubladen. Als Grundlage dient gehechseltes Stroh in den Ecken, das die Feuchtigkeit besonders gut aufnimmt. Im Außenbereich gibt es einen Quarantäne-Stall für Tiere, die von den Ausstellungen zurückkommen. So wird die Gefahr minimiert, eventuelle Krankheiten im Bestand einzuschleppen. Außerdem gibt es zwei große Freigehege mit jeweils einer kleinen Hütte. Dort tummeln sich von Frühjahr bis Herbst Häsinnen mit Jungtieren oder kleine Gruppen von mehreren Häsinnen.

Ingo Wensing, Helle Großsilber
Bei der Verpaarung ist auch auf die Feinheiten
der Deckfarbe zu achten. Einehelle Deckfarbe
mit schöner Silberung und Stich sollte
möglichst mit einer etwas dunkleren,
bläulichen Deckfarbe kombiniert werden.

Gezüchtet wird in drei Linien – zwei feste Linien, von denen jede besondere „Stärken“ aufweist und eine dritte Linie, die hauptsächlich zum „Ausprobieren“ gedacht ist. Zuchtfreund Wensing setzt jährlich etwa 10 Häsinnen und 5 Rammler zur Zucht ein. Darunter sind auch einige mehrjährige Tiere. Ein Rammler, der gut vererbt hat, muss ja nicht unbedingt durch einen jüngeren ersetzt werden. Wenn Ingo Wensing erprobte Tiere aus der Zucht nimmt, gehen diese an andere Züchter weiter. So hat er später immer noch die Möglichkeit, auf diese wertvollen Tiere zurück zu greifen. Bundesweit arbeitet er mit sieben bis acht Züchtern eng zusammen. Durch diese Kontakte weiß man um die Vor- und Nachteile der anderen Hellen Großsilber Bescheid und kann gezielt Tiere austauschen.

Durch seinen hohen Anspruch in der Zucht und das Augenmerk au f viele Feinheiten konnte er seine Hellen Großsilber stetig verbessern. Der Lohn dafür waren etliche Titel auf Europa- und Bundesschauen. Ein Traumergebnis erzielte er mit 389,5 Punkten auf der Westfälischen Landesschau 2009 in Hamm. In Bezug auf die Körperform erfolgt die Auswahl der Zuchttiere ohne Kompromisse. Neben einer gleichmäßigen Breite und einer optimal abgerundeten Hinterpartie sind die markanten Köpfe, die fleischigen und offen getragenen Ohren, sowie ein guter Stand das absolute Muss. Die speziellen Feinheiten der Deck- und Unterfarbe werden durch die jahrelange Erfahrung bei den Zuchttieren gezielt kombiniert.

Ingo Wensing, Helle Großsilber

 
 
 
 
 
 
 


  
Bei der Fütterung legt Ingo Wensing großen Wert auf ein gutes gehaltvolles Heu, das auch Brennesseln und Disteln enthalten darf. Dazu reicht er frisches Wasser und Pellets. Alle zwei bis drei Tage füttert er ein Müslifutter, um den Kaninchen Abwechslung zu bieten. Einmal pro Woche gibt es Vitakalk, um die Hellen Großsilber mit den entsprechenden Spurenelementen und Calcium zu versorgen. Besondere Freude bereitet Ingo Wensing die jährliche Aufzucht der Jungtiere, die ja in den ersten Wochen schwarz sind. Mit ca. 4 Monaten bekommen sie ihre eigentliche Grundfarbe. Erst dann lässt sich einschätzen, wie sie sich farblich entwickeln. Gezogen werden etwa 80 Jungtiere pro Jahr. Erfahrungsgemäß, so berichtet Zuchtfreund Wensing, haben Tiere mit dunkler Augen- und Krallenfarbe auch die besten Unterfarben. Diese findet auch im Bereich des Afters und der Blumenoberseite große Beachtung.

In seinem Verein W2 ist Ingo Wensing seit 4 Jahren Zuchtwart und Zuchtbuchführer. Davor betreute er in der Funktion als Jugendleiter 15 Jahre lang die Jugendgruppe. Hier schwärmt er noch von den Aktivitäten. Neben Tierbesprechungen wurden auch Fahrten in den Freizeitpark organisiert. Darüber hinaus ist ihm die Clubarbeit wichtig. In seinem Silberclub W16 Münsterland, dessen 2. Vorsitzender er ist, können durch die Zusammenarbeit der Züchter die einzelnen Positionen der Silberkaninchen verbessert werden. Im Club finden zudem Tierbesprechungen mit Preisrichtern statt. Dabei werden die Tiere zuerst in kleinen Gruppen besprochen und später gemeinsam. Dieses hilft den Züchtern, ihre Tiere aus verschiedenen Sichtweisen zu betrachten.

Ingo Wensing, Helle Großsilber Ingo Wensing, Helle Großsilber
Häsin  Rammler

Die bundesweiten Silberclub-Vergleichsschauen sind, ebenso wie Bundes- und Europaschauen, ein Höhepunkt jeder Saison. Hier nimmt Zuchtfreund Wensing sich die Zeit, die befreundeten Züchter aus verschiedenen Landesverbänden zu treffen und zu fachsimpeln.

Einen besonders guten Kontakt hatte er auch zu dem leider verstorbenen Preisrichter und Silberzüchter Hermann Leißing aus Haselünne. Dieser war ohne Frage ein Kenner der Silberkaninchen und Ingo Wensing war nicht nur des öfteren an seiner Stallanlage, sondern auch als Zuträger auf Ausstellungen dabei. Aus dem Erfahrungsschatz dieses erfahrenen Züchters konnte er viel mitnehmen.

In dem Gespräch mit Ingo Wensing konnte man feststellen, dass er auch gerne Tipps an andere Züchter weitergibt und unterstützt. Als besonderen Tipp hebt er noch hervor, dass es wichtig ist, sich immer den gesamten Wurf zu betrachten. Fehler, die bei mehreren Tieren eines Wurfes auftreten, werden meistens auch von den schöneren Tieren vererbt. Mit dieser Erfahrung werden auch die Verpaarungen hinsichtlich der Silberung zusammengestellt.

Wir bedanken uns für die interessanten Einblicke in die Zucht der Hellen Großsilber.

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