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19. Oktober 2018 |
Tipps für Anfänger Kaninchenrassen Schaukalender

Horst Witting, Castor Rexe

Mit Herzblut widmet er sich der Zucht der Castor-Rexe

kn/Hille-Rothenuffeln. Alle die Horst Witting gut kennen, vor allem seine Vereinskollegen und Clubfreunde, können unterstreichen mit wie viel Engagement und Herzblut er die Zucht seiner Castor-Rexe betreibt. Er hat das richtige Gespür und die Erfahrung zur Auswahl der Zuchttiere und in seiner jahrzehntelangen Zucht viele große Erfolge errungen.
Horst Witting, Castor Rexe
 
Die Leidenschaft zur Kaninchenzucht kam nicht durch Zufall. Bereits der Großvater, der eine Gärtnerei im Ort betrieb, züchtete Kaninchen und hatte unter anderem schon Mitte der 60er Jahre Castor-Rexe im Stall. Auch sein Vater war Kaninchenzüchter und war viele Jahre Vorsitzender des Vereins W 90.

Die Zuchtkaninchen wurden damals überwiegend im hannoverschen Raum eingekauft. Anfang der siebziger Jahre, er muss damals etwa 14 Jahre alt gewesen sein, so erinnert sich Horst Witting zurück, bekam er von seinem Opa 20 Mark für einen Zuchtrammler geschenkt. Und dann ging es zur Landesverbandsschau nach Hannover. Und dort kaufte sich Horst Witting seinen ersten Castor-Rex-Rammler. Dieser machte 92,5 Punkte und kostete 15 Mark. In den siebziger Jahren waren Bewertungen von 95 Punkten schon besonders hoch und so hatte er für den Start ein gutes Tier.

An einem Samstagmorgen verabredeten wir uns zum Fototermin bei Horst Witting zu Hause an der Stallanlage, um zu zeigen was die über 40-jährige Zucht heute für Ausstellungstiere bringt. Er ist mit seinen Spitzentieren nicht nur in seinem Kreisverband Minden-Lübbecke bekannt, sondern bundesweit ein Begriff. Darüber hinaus hat er mehrere Kontakte zu Züchtern im benachbarten Ausland - seine Castor-Rexe sind gefragt.

Aber das ist nicht verwunderlich, denn in der aktuellen Schausaison hat er bereits mehrmals Zuchtgruppen mit 390 und mehr Punkten gehabt. Ergebnisse, von denen ein Kaninchenzüchter eigentlich nur träumen kann!

Horst Witting, Castor Rexe


Doch bei all diesen Erfolgen ist Zuchtfreund Witting immer ein „Züchter" geblieben. Jemand, bei dem man sich Tipps holen kann, einer der auch gerne schöne Tiere abgibt und sich freut, wenn damit gute Nachzucht gezogen wird. Er hilft anderen beim Schaufertigmachen – ein „richtiger Züchter" eben.

Neben seiner Tätigkeit als Jugendwart im Verein engagiert er sich im Siedlerbund und der Kirchengemeinde und ist natürlich für seine Familie da.

Man lässt sich regelrecht von seiner Begeisterung anstecken, wenn er von seinen Aktivitäten erzählt.

Horst Witting, Castor Rexe

Ein unvergessenes Erlebnis war für Horst Witting die Bundes-Kaninchenschau 1987 in Stuttgart. Alleine hat er einen Sammeltransport mit 120 Tieren durchgeführt. Bei Schnee und Eis ist er nach Stuttgart gefahren und war insgesamt 12 Stunden unterwegs. Der Einsatz hat sich gelohnt. Zuchtfreund Witting stellte auf der größten Kaninchenschau aller Zeiten bei mehr als 1300 Castor-Rexen die Siegerhäsin mit 97,0 Punkten.

Viele weitere große Titel folgten. So wurde er im Jahr 2000 Nationaler Meister auf der Europaschau in Wels. Auf den Bundesschauen 2001 in Bremen und 2005 in Nürnberg stellte er jeweils einen Bundessieger.

Natürlich kann es in jeder Zucht Rückschläge geben. Davon blieb auch Horst Witting nicht verschont. Doch auch dann wird kontinuierlich an der Verbes-serung der Rasse weitergearbeitet.

Mit dem Züchter Günter Schwanitz aus Uslar verbindet ihn eine über 25-jährige Freundschaft. Hier wurden regelmäßig Zuchttiere ausgetauscht.

Jährlich werden 70 bis 100 Jungtiere gezogen und schon früh selektiert. Mit etwa zehn Wochen wird entschieden, welche Tiere auf die Ausstellungen gehen. Die anderen werden abgegeben.

In der Zucht achtet Witting gezielt auf Bauchfalten. Hiermit hat er in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen gesammelt und dieses Problem mittlerweile in seiner Zucht ausgemerzt. Außerdem sind ihm die Spürhaare bei seinen Rexen sehr wichtig. Anhand seiner Tiere kann man sehen, dass auch dieses Kriterium dem Standard entspricht. Die Erfahrung hat gezeigt, dass bei Fellen mit härterer Granne auch die Spürhaare besser in Erscheinung treten. Dieses führt dann wiederum zu den hellen Seitenspitzen bei den Castor-Rexen, was man möglichst vermeiden möchte. Horst Witting hat mittlerweile beide Merkmale wunderbar vereint. Bei besonders dichten Fellen kann man feststellen, dass die Grannenhaare viel dichter stehen und die Castorfarbe dadurch dunkler wirkt. Hier ist natürlich das Fingerspitzengefühl des Preisrichters gefragt.

Die aktuellen Anforderungen des Standards wünschen eine bodenfreie Stellung. Hier, so stellt Horst Witting fest, kann man schnell einen Punkt mehr in der Bewertung erreichen, wenn die Kaninchen sich gut präsentieren. Täglich setzt er mindestens zwei bis drei Tiere auf den Tisch. Vorher geht er nicht ins Bett.

Horst Witting, Castor Rexe

Auch über die „kleinen Geheimnisse" seiner Zucht hat uns Zuchtfreund Witting einiges verraten.
Er züchtet in drei Linien und kauft dadurch selten fremde Tiere dazu. Dadurch weiß er relativ genau, wie die Vererbung aussieht.
Grundsätzlich meint er, dass Rexkaninchen eine spezielle Pflege brauchen. Für die Fellqualität wird einiges getan. Die Rexe werden 4 Wochen vor den Schauen regelmäßig mit einem feinen Sägeblatt gekämmt. Dieses regt die Durchblutung der Haut an und entfernt die losen Haare. Außerdem bekommen die Tiere etwas ölhaltiges Futter, damit das Fell einen schönen Glanz bekommt.

Bei der Fütterung setzt Witting ganz klar auf die Devise „Weniger ist mehr"! Pelletiertes Futter wird nur wenig gereicht. Die Grundnahrung der Tiere besteht aus Möhren, Steckrüben, Runkeln, trockenem Brot und Äpfeln.

Bei der Fütterung von Heu werden keine Kompromisse eingegangen. Wenn die Wiesen überdüngt werden, besteht die Gefahr, dass das Heu unbekömmlich für die Kaninchen ist. Es wird nur Heu von ungedüngten Naturwiesen verfüttert. Wenn dieses nicht verfügbar ist, wird gutes Gerstenstroh gereicht. Auch hiermit wurden bereits gute Erfahrungen ge-sammelt – die Castor-Rexe fressen es gerne.

Die Jungtiere in der Absetzphase werden besonders vorsichtig gefüttert. Einige Tage wird gänzlich auf die Pelletfütterung verzichtet.

Für die Zukunft wünscht sich Horst Witting, dass die Rexzucht erhalten bleibt und die Züchter ehrlich zueinander sind.

Wir wünschen ihm weiterhin viel Erfolg in der Zucht und auf den nächsten Schauen und bedanken uns für das Interview.
 

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