ZeitschriftE-Paper kleintiernewsSchnupperabo kleintiernews 3 Monate
6. April 2020 |
Tipps für Anfänger Kaninchenrassen Schaukalender

Hans-Heiko Böger aus Langen

Ein Züchter mit großem Herz 

Heute stellen wir Euch in unserem Porträt nicht nur einen ganz besonderen Rassekaninchenzüchter vor, sondern es ist auch eine schöne Geschichte über verschiedene Kapitel der „Symbiose von Mensch und Kaninchen“. Hans-Heiko Böger, seine Familie und die Kaninchen bieten uns dieses Mal eine andere Sichtweise auf unser schönes Hobby. Sie zeigen uns, dass Rasse-kaninchenzucht deutlich mehr ist, als nur das Streben nach Perfektion und nach Meistertiteln. Mit ihrer offenen und freundschaftlichen Art steckt Familie Böger einen richtig an, obwohl es für alle gar nicht immer so einfach war.

Den Alltag meistern

Hans-Heikö Bögers ältester Sohn Christian ist frühkindlicher Autist mit einer geistigen Behinderung und reagiert auf Phosphat, Zucker und Milch. Es war daher sowohl für die Eltern als auch für die gesamte Familie natürlich nicht einfach, mit solch einer besonderen Situation normal umzugehen. Sie mussten die besonderen Bedürfnisse Christians erst kennenlernen und den Tagesablauf organisieren. Und weil Heiko als gelernter Elektriker schon sehr viele Jahre im Containerterminal in Bremerhaven auch noch im Schichtdienst arbeitet, war es nochmals eine besondere Herausforderung das Familienleben zu organisieren. Doch die Familie war eine Einheit und sie meisterten alle Herausforderungen mit Herz.

Als der Hausarzt der Familie den Rat gab, sich ein Kaninchen als Streicheltier anzuschaffen, waren alle sofort Feuer und Flamme. Nach dem Motto „Geh neue Wege!“ unternahm man zuversichtlich die nächsten Schritte und somit zog 1985 ein kleines Zwergkaninchen bei der Familie ein.

Mit Berührungen Ängste lindern

Sofort kümmerte sich Christian mit großer Freude um sein Kaninchen und wünschte sich schnell weitere. Auch die Geschwister Jenny und Stefan liebten die Kaninchen und bekamen auch welche für sich. Und so entwickelten sich die Kaninchen zu einer wichtigen Säule der Familie.

Leider vergessen wir alle allzu oft, wie gut uns Berührungen tun. Obwohl wir wissen, wie wichtig etwa der körperliche Kontakt von Neugeborenen zur Mutter ist, beschreiten doch immer mehr Menschen ihren Lebensweg allein. Doch mit der Zeit vermissen wir alle irgendwann das angenehme Wohlgefühl, welches Berührungen auslösen können. Und so erweichen unsere Kaninchen ständig die Herzen der härtesten Kerle.

Anders als bei Menschen mit Hautkontaktängsten gehören Berührungen, wie ein Handschlag, doch einfach zum Alltag. Darum werden diese Hürden in den Therapien mit dem Streicheln von Tieren überwunden. Dabei übermittelt vor allem die Haut als sensibler Sensor die kleinsten Berührungen ans Gehirn. Dort kommt es dann zur Ausschüttung des Hormons Oxytocin, auch „Hormon der Nähe“ genannt. Unter Wirkung dieses Hormons werden sogar Schmerzen gelindert und gar Ängste genommen, Verkrampfungen können sich lösen. Das ist eben einer der tollen Effekte, die wir allgemein von der Tiertherapie kennen.

Kaninchen als „Streichel“-Therapie

Mit der Zeit sprach es sich herum, was für total positive Effekte die Kaninchen bei Christian selbst und im Familienleben der Bögers bewirkten. So kamen Viele auf die Familie zu und es entwickelten sich dabei auch viele gute Kontakte und neue Freundschaften.

„Wir fahren mit unseren Kaninchen in Wohnheime mit behinderten Senioren, die mit den Tieren sichtlich entspannter werden, oder auch in die Schule.“ Und der Spaß, den die Kinder, Damen und Herren dabei haben, bereitet auch Heiko und seiner Frau Petra immer sehr viel Freude. So sind es eben doch die kleinen Dinge des Alltags, die einen wirklich bewegen können. Man muss sie nur fühlen, hören oder sehen wollen.

 „Genieße jeden Tag, wenn du die Augen offen hast!“, diese Lebensweise hat sich die Familie Böger auf die Fahne geschrieben und ihr Leben auch danach ausgerichtet. Nach diesem Motto gibt es jeden Tag etwas Neues zu entdecken und das beginnt bei den Bögers bereits vor der Haustür. 

 

Die Kamera darf bei dem Hobbyfotografen natürlich nicht fehlen.

Ein Lehrgarten vor der Haustür

Vor ihrem Eigenheim am Rande der Stadt Langen im Landkreis Cuxhaven existiert auf ca. 2.000 m² quasi eine Mischung aus einem Botanischem Garten und einem Kleintierzoo. Aufgrund der Lebensmittel-unverträglichkeit und der bewussten Ernährung in der Familie wird Obst und Gemüse natürlich auch im Garten angebaut. Doch neben verschiedensten Pflanzenarten überrascht uns Heiko auch mit einem wunderbaren Blütenmeer aus über 180 Schwert- und Tagliliensorten. Außerdem fühlen sich in unzähligen Volieren und Freilaufgehegen jede Menge andere Tiere geborgen. Und an dem 17m langen, von Heiko selbstgebauten Bachlauf inmitten des Anwesens, der in einen wunderschön angelegten Teich mündet, kann man hautnah erleben, was Natur bedeutet. Auch deshalb besuchen viele Kindergärten, Jugendgruppen oder auch Schulklassen dieses kleine besondere Fleckchen Natur und gehen hier wissbegierig auf Entdeckungstour.

Heiko und seine Frau geben dabei an den verschiedenen Plätzen ganz viele Informationen und wecken mit ihrer hautnahen Entdeckungstour (Krallenschneiden, Streicheln, …) auch alle Sinne der Besucher. Vor allem für Kinder und behinderte Menschen ist das jedes Mal etwas Besonderes. Heikos Erlebnisgarten weckt die Neugier und die Abenteuerlust und ist dabei immer wieder neu. Besonders im Frühjahr, wenn im neuen Grün und zwischen den frisch erblühenden Blumen der erste tierische Nachwuchs ihre Welt erkundet.

Heiko und Petra vermitteln Kindern so auch Vertrautheit und Geborgensein. Sie erfahren so, dass auch wir Menschen Teil der Natur sind. Denn diese sehr naturnahen Exkurse fördern nicht nur die Begegnung mit der Natur und mit den Tieren, sondern sie lassen alle „das Leben“ mit anderen Augen sehen, indem sie zu Tieren, Bäumen und Blumen eine Beziehung – gar persönliche Verbindung - aufbauen.

Symbiose von Mensch und Tier

Durch die innige Verbundenheit der Bögers zu der Natur und auch durch die hohe Wertschätzung der Tiere tummeln sich eben neben den vielen Kaninchen auch noch etliche Meerschweinchen, Sittiche und Finken sowie Laufenten, Wachteln und Hühner. Zum Teil werden diese auch organisiert gezüchtet. Dabei genießen z.B. die Seidenhühner einen besonderen Status als „Landschaftsgärtner“. Denn durch eine doppelt angelegte Grundstücksumzäunung kümmern sich diese automatisch um die Heckenpflege. Aber auch die Laufenten tragen zur Gartenpflege bei. Sie sind die Schneckenpolizei und helfen dabei, den Plagegeistern herr zu werden. Diese tierischen Helfer sind eine Erleichterung im Alltag und ein weiterer Beweis für eine gelungene Symbiose von Mensch und Tier. Doch die vielen Tiere und die tolle Lilienzucht bedeuten auch viel Arbeit. Sein persönliches Paradies ist inzwischen der Lebensmittelpunkt für ihn und seine Familie, wo sie Ruhe und Entspannung finden. Es ist aber auch ein Rückzugsort, an dem man vor allem Kraft tanken kann. So schaffte ein einziges Kaninchen etwas ganz Wunderbares - Heikos ganz besondere Beziehung zur Natur und den Tieren. Und das sogar, obwohl er als Kind am Rande von Bremerhaven schon mit Hühnern und Kaninchen in einem großen Garten aufgewachsen ist.

Kaninchen verwerten gehört auch dazu

Schon als Jugendlicher wurden jedes Jahr Deutsche Widder von seinem Großonkel geholt, die aber nur als Schlachtkaninchen gehalten wurden. So ist es auch heute noch für ihn – und natürlich auch für seine Familie – ganz normal, dass Kaninchen geschlachtet werden. Denn trotz aller Tierliebe wissen die Bögers, das Kaninchen auch als Nutztier zu schätzen. Als abwechslungsreiche Delikatesse bereichert es z.B. als leckere Wurst oder edles Gulasch die häusliche Speisekarte. Früher wurden selbst die Felle verwertet und verarbeitet, doch heute lohnt sich dieser Aufwand nicht mehr und so blieb dies auf der Strecke.

So ist es auch mit den anderen Tieren. Aufgrund der Lebensmittelunverträglichkeit von Christian musste auch bei der Essenswahl auf bestimmte Sachen geachtet werden. Dies schärfte letztendlich auch das kulinarische Bewusstsein auf „gutes Essen, von dem man auch weiß, wo es her kommt“. Obwohl einige Kaninchen in doch regelmäßigen Abständen geschlachtet werden, bleiben andere dafür verschont. „Die dürfen immer bleiben“ sagt Heiko. Er selbst hat - im Gegensatz zu seinen Kindern – kein „echtes“ Lieblingskaninchen, aber dennoch ein paar Favoriten. Immerhin ist er ja auch ein begeisterter Rassekaninchenzüchter. Dabei haben es ihn die rhönfarbigen Rassen besonders angetan.

Die Exoten aus der DDR

Nach dem Einzug des ersten Zwergkaninchens kamen schnell weitere hinzu. Bei der Suche nach neuen Mitbewohnern entdeckte Heiko 1986 auf einem Foto ein Rhönkaninchen. Er war sofort Feuer und Flamme für die Rasse mit dem “birkenfarbigen“ Farbspiel aus weißer Grundfarbe und schwarzen Flecken, Tupfen und Streifen. Leider gab es diese Rasse nur in der ehemaligen DDR. Doch er schaffte es, an Rassetiere zu kommen und war so einer der ersten Rhönkaninchenzüchter in Westdeutschland. Fortan beschäftigte er sich intensiv mit den Rhönkaninchen und brachte es sogar so weit, dass er rückblickend sagen kann, alle rhönfarbigen Rassen in seinem Stall gezüchtet zu haben.

Rhönfarbige Kaninchenrassen sind seine Passion

Den Rhönkaninchen blieb er über dreißig Jahre treu und kümmerte sich um deren Verbreitung. Mit einigen Züchtern gelang es auch sehr schnell, den Zuchtstand deutlich zu verbessern. Gerade in puncto Körperform und Fellhaar konnte durch konsequente Linienzucht die Qualität rasch verbessert werden. Nur sind die Rhönkaninchen auch eine Zeichnungsrasse, doch kann man diese nur bedingt durch gezielte Linienzucht steuern. Für ihn kam daher die Zeichnung immer erst an letzter Stelle und er achtete in dem Zusammenhang viel mehr auf eine kräftige Farbe. Dennoch braucht es hier ein besonderes Fingerspitzengefühl, um erfolgreich zu sein. Aber ein richtiges Zuchtgeheimnis hat er nicht. Er begründet seine Erfolge in der guten Zusammenarbeit mit Züchtern aus ganz Deutschland und auch aus dem Ausland.

Eine große Familie

Auch wenn er und seine Familie inzwischen sehr viele Freundschaften im In- und Ausland geschlossen haben, hat er zu ein paar Bestimmten doch eine besondere Verbindung. Zuerst sind da mal die Züchter vom T636 Steinheid e.V., wo auch über die Rhönkaninchen Freundschaften entstanden und er auch lange Jahre Mitglied war.

Gleiches gilt auch für den Rhönkaninchenclub Schweiz, den er von der ersten Stunde an unterstützt. Denn nach der Gründung im Jahr 2000 fanden Dank seiner Unterstützung viele Rhönkaninchen den Weg in die Schweiz und so verhalf er dadurch den Schweizer Zuchten zu ihrem schnellen und erfolgreichen Aufbau. Somit war er maßgeblich bei der Aufnahme der Rasse in den Schweizer Standard beteiligt und konnte dies 2007 bei dieser „Historischen Generalversammlung“ mit dem Schweizer Club feiern (siehe Bild oben). Seitdem bestehen viele Freundschaften, obwohl die Rasse vielleicht gar nicht mehr gezüchtet wird.

Wie auch mit „alten“ Zuchtfreunden aus der großen und vor allem ehrlichen Familie der Rhönkaninchenzüchter (siehe Bild oben). Es ist ihm immer eine Freude, sich mit den Zuchtfreunden zu treffen und nicht nur Fach zu simpeln. Inzwischen kennt man sich auch privat sehr gut.

Erfolg durch Zusammenarbeit

Durch den regelmäßigen Austausch der Rhönkaninchenzüchter schaffte man es auch bald, bezüglich der Genvarianz eine gute Streuung im Land zu bekommen. Hierbei zählt nach wie vor Ehrlichkeit zu einer der großen Tugenden bei den Rhönzüchtern. Zucht- und Vererbungsfehler werden genauso offen diskutiert, wie mögliche Zuchtgeheimnisse. Nur so war es auch möglich, eine insgesamt hohe Wurf- und Aufzuchtleistung konstant zu halten. 6-8 Jungtiere sollte bei den meisten Rassen möglich sein. Er selbst betreibt schon immer Linienzucht und setzt dabei meistens auf zwei Rammler und 5 Häsinnen je Rasse. Für ihn der beste und schnellste Weg zum Erfolg. Hier sind ihm aber vor allem auch die Vitalität, die Fruchtbarkeit und die Aufzuchtleistung sehr wichtig. Das sind klassische Aspekte einer Herdbuchzucht, womit er sich fortan auch sehr intensiv beschäftigte. 

Eine Koryphäe in der Herdbuchzucht

Sein Wohnort Langen liegt genau an der Grenze zu Bremerhaven, so dass der Niedersachse doch auch schon immer starken Einfluss aus Bremen erfährt. So kam es auch, dass er über Theo Ulps, ehemaliger Herdbuchobmann im Landesverband Weser-Ems, mit dem Herdbuch in Kontakt kam und 2000 dem Herdbuch Bremen beitrat und auch gleich den Vorsitz übernahm. Sein Engagement wurde auch auf ZDRK-Seite erkannt und er wurde kurze Zeit später zum Kassierer im ZDRK-Herdbuch gewählt. Dieses Amt übte er dann bis 2018 aus, ehe er in diesem Jahr auch den Vorsitz im Herdbuch Bremen übergab. Gerne steht er mit Rat und Tat zur Verfügung, doch die Erfahrung lehrte ihn: „Man muss auch rechtzeitig aufhören wollen“.

Als Anerkennung seiner Verdienste um die Herdbuchzucht wurde er 2018 zum Deutschen Meister der Herdbuchzucht im ZDRK ernannt. Außerdem wurde er zum „Meister der Bremischen Rassekaninchenzüchter“ ernannt. Heute züchtet er im Herdbuch mit den rhönfarbigen Rassen Farbenzwerge und Löwenköpfchen.

Ohne großen Schnick-Schnack

Seine beiden Hauptrassen sind vorrangig in Holzställen in offener Bauweise mit 57 Buchten in den Maßen 70x70cm untergebracht. Diese selbstgebauten Ställe hat er mit Rosten und Liegebrettern ausgestattet. Dort sitzen die Kaninchen auf Stroh. Außerdem schwört er auf die Gruppenhaltung von Häsinnen während der Zuchtruhe und belässt je Rasse immer drei Häsinnen zusammen in einer Voliere. Im Winter kommen die Häsinnen in einen Innenstall und für eine erfolgreiche Nachzucht stellt er Wurfkisten zur Verfügung. Gefüttert wird alles, was im Garten als Futter zur Verfügung steht, wobei Trockenfutter (Pellets) und Heu die Basis sind. Als Leckerbissen oder bei Verdauungsschwierigkeiten gibt es dann auch mal Kräuter, ebenfalls aus dem Garten. Ansonsten verzichtet er auch wegen einer bewussten Ernährung auf sonstigen Schnick-Schnack.

30 Jahre Farbenzwerge rhönfarbig

In seiner langen Züchterlaufbahn hat er schon so viele verschiedene Rassen im Stall gehabt. Darunter auch zu Beginn die Blauen Wiener, die er sogar im Club züchtete. Oder aber die Schwarzen Wiener, mit denen dann später Sohn Christian erfolgreich weiter züchtete. Doch er hat eben ein Faible für rhönfarbige Kaninchen. So geschah es auch, dass schon 1987 die ersten Farbenzwerge in der gewünschten Farbe in die heimische Stallanlage zogen. Hier galt es ihm vor allem auch der besseren Verbreitung dieses seltenen Farbenschlags und so kam auch hier ein weiterer großer Kreis an Zuchtfreunden zu Stande. Bis heute hält er ihnen die Treue und konnte viele Preise und Titel gewinnen. Und immer wieder kamen andere Rassen und Farben hinzu. So bekamen dann auch Jenny und Stefan ihre eigenen Rassen. Beide waren dann auch einige Zeit als Jugendzüchter mit den Zwergwidder schwarz-weiß und den Deutschen Kleinwiddern rhönfarbig erfolgreich. Besonders ungewöhnlich dabei sind sicherlich die Kleinwidder. 

Deutsche Kleinwidder rhönfarbig

Für Heiko hat jede Rasse ihren besonderen Anreiz. Darum verwundert es nicht, dass er dann auch die Idee hatte, die reizvolle Zeichnung der Rhönkaninchen bei den Kleinwiddern zu züchten. Kurzerhand wurden mit den wenigen Züchtern Kontakt aufgenommen, wobei sich hier herausstellte, dass der Genpool sehr begrenzt war. Dies reizte ihn gleich noch mal mehr und er setzte sich auch hier das Ziel, auch diesem Farbenschlag zu einer besseren Verbreitung zu verhelfen. Aufgrund seiner Methode auf Linienzucht lag es auf der Hand, auch diese Rasse im Herdbuch anzumelden, wofür er 2001 auch die Anerkennung bekam. Doch dann verliebte er sich in Dänemark in eine neue Rasse – die „Lionheads“.

Seine neue Liebe, die Löwenköpfchen

Überaus angetan von dem possierlichen Erscheinungsbild dieser Rasse fiel ihm plötzlich auf einer der vielen Rhönkaninchen-schauen, wo man ihn auch meistens antrifft, ein, dass man diese doch auch in rhönfarbig züchten könnte. Er kannte sie ja nur in wildfarbig und dreifarbig gescheckt. Seit der Zulassung als Neuzüchtung im Jahr 2010 beschäftigt er sich nun intensiv mit der Zucht seiner neuen Lieblinge, den Löwenköpfchen in rhönfarbig. Wie auch bei den anderen Rassen schon, liegt sein Augenmerk bezüglich der Standardanforderungen natürlich wieder auf dem Typ und dem Bau. Hier achtet er auf die gestreckte Körperform und auch auf kräftige Vorderläufe mit schönem Auftritt. Doch auch in den anderen Positionen sieht er Verbesserungspotential. So vermisst er bei den meisten Tieren eine gute Fellhaarstruktur. Hier mangelt es ihm vor allem an der Dichte und die Ohren sind leider zu oft noch nicht normal behaart. Auch sollte die Kopfbildung im Auge behalten werden, wie auch die oftmals zu kurzen oder zu langen Ohren. Nachdem ihn hier die Zeichnung und die Farbe erstmal nicht „so“ interessieren, versucht er lieber die Rassemerkmale „Bart, Stirnbüschel, Mähne und Rumpfvlies“ zu verbessern, denn vor allem im Rumpfvlies haben die Züchter noch mit großen Mängeln zu kämpfen. Trotz aller Kritik sieht er die Löwenköpfchen auf einem guten Weg und hat am Ende doch noch eine Anmerkung zur Farbe: Die Krallenfarbe ist seiner Meinung nach noch ein großes Problem, denn zu Wenige achten noch auf die intensiv hornfarbige Pigmentierung. „Je dunkler, desto besser“, sagt er auch als Preisrichter, der weiß, dass bei der Bewertung es oft ein schmaler Grad zwischen pigmentiert und pigmentlos ist.

Im Ehrenamt aufgegangen

Als Preisrichter der Preisrichtervereinigung Hannover konnte er auch aus dieser Perspektive schon diese und viele Erfahrungen machen und sammeln. Aber auch in seinen anderen Ehrenämtern war er immer sehr aktiv. So war er auch über 20 Jahre Vereinszuchtwart und fast 15 Jahre Vereinskassierer. Vereinsarbeit ist die Basis für eine erfolgreiche Kaninchenzucht. So durfte er sogar dabei sein, als 2014 der Rassekaninchenzuchtverein F11 Geestland e.V. gegründet wurde und er Zuchtwart wurde. Leider wird der Verein dieses Jahr aus strukturellen Gründen aufgelöst und er schloss sich jetzt den Zuchtfreunden vom F158 Bremervörde an. Zudem fühlt er sich auch in der Clubarbeit zuhause. In ihr sieht er die Zusammenführung der Interessen und den offenen Dialog als besonders wichtig. Doch die Jugendarbeit liegt ihm besonders am Herzen.

Jugendarbeit von der Pike an

Schon als Jugendlicher durfte er es erfahren, wie schön es ist, im Kreis Gleichgesinnter ein gemeinschaftliches Hobby betreiben zu können. So liebte er es Fußball, Basketball oder Tischtennis zu spielen. Auch am Tanzsport fand er als 14-Jähriger eine Zeit lang Gefallen. Doch das alles geht nicht ohne Ehrenamt. Hierzu bedarf es immer bereitwillige Personen, die neben Aufgaben vor allem auch Verantwortung übernehmen. So war es für ihn gar keine Frage, auch mal als Trainer oder Betreuer im Jugendfußball tätig zu sein.

Hans-Heiko Böger ist immer für ein Späßchen zu haben...

Aber auch in der Rassekaninchenzucht kümmerte er sich um den Nachwuchs. In 8 Jahren als Vereinsjugendleiter und 4 Jahren als Kreisjugendleiter stellte er einiges auf die Beine. Regelmäßig standen Bastelstunden oder Ausflüge auf dem Programm. Und schon damals wusste er die Kinder und Jugendlichen für die Natur und natürlich auch für die Kaninchen zu begeistern. Viel soziales Engagement für jemanden, der noch voll im Arbeitsleben steht und der neben einem „Kleintierzoo“ ja auch noch seine Familie hat.

Enge Familienbande

Und seine Familie ist es auch, die ihm immer wieder die Kraft gibt, um die Herausforderungen immer wieder annehmen zu können und auch zu bestehen. Inzwischen haben die Kinder ihr eigenes Leben: Christian hat seine eigene Wohnung mit einer 1:1-Betreuung und Jenny und Stefan haben ihre eigenen Familien gegründet. Zudem haben beide ihren beruflichen Mittelpunkt im sozialen Sektor gefunden: Jenny als Heilerziehungspflegerin und Stefan arbeitet als Sozialversicherungs-angestellter. Dennoch sind sie alle immer miteinander in Kontakt und besuchen sich so oft es geht. Selbst in den sehr zeitraubenden Abschnitten seiner Züchterlaufbahn wusste er seine Frau und die Kinder immer hinter sich. Sie waren es auch, die die Tiere versorgten, wenn er zur Arbeit war oder mal wieder „im Auftrag der rhönfarbigen Kaninchen“ unterwegs war.

Doch nun hat er sich etwas zurückgezogen, denn es geht langsam in Richtung „Ruhestand“. „Es Zeit, dass ich an mich und meine Frau denke.“ Beide sind Großeltern von zwei Enkeln, mit denen sie auch noch viel Zeit verbringen wollen.

Heiko und seine Familie zeigen uns, wie wichtig das Miteinander für uns Menschen ist. Denn nur ein richtiges Miteinander vermittelt uns die Freude und den Spaß, um niemals das wirklich Wichtige aus den Augen zu verlieren.

Markus Grillenbeck

Zurück