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16. Dezember 2018 |
Tipps für Anfänger Kaninchenrassen Schaukalender

Grundlagen der Kaninchenfütterung


Rote Neuseeländer, Wolfgang Elias

Kaninchen sind Pflanzenfresser

Das Kaninchen gehört zu den Pflanzenfressern und ist deshalb auf die Verdauung von Pflanzenteilen wie Blätter und Pflanzenstengel ausgelegt.

Das Wildkaninchen hat in der freien Wildbahn die Möglichkeit, sich eine dem Nährstoffbedarf entsprechende Ration durch die Auswahl der verschiedenen Futterpflanzen und Pflanzenteile selbst zusammenzustellen. Auch die Futtermenge kann es abhängig von seinen Bedürfnissen frei wählen. Das Angebot variiert je nach Jahreszeit zwischen jungen eiweißhaltigen Pflanzen (im Frühjahr) und trockenen und verholzten Pflanzen (im Spätsommer und Herbst). Durch die Spezialisierung des Verdauungssystems können sich die Wildkaninchen im Winter auch mit Rinden, Zweigen und Ästen und gefrorenem Gras, das gegebenenfalls unter dem Schnee hervor gegraben wird, ernähren. Bedingt durch die geringe Nährstoffdichte im Grünfutter kann das Wildkaninchen seinen Nährstoffbedarf nur durch eine sehr hohe Menge decken. Teilweise muss das Wildkaninchen bis zu 60 % seines Körpergewichtes an Grünfutter fressen, d.h., ein zwei Kilo schweres Tier muss ca. 1,2 kg Frischfutter aufnehmen. Daher ist das Verdauungssystem des Kaninchens auch auf eine kurze Verweildauer des Futters im Verdauungstrakt ausgelegt.

Bei Rassekaninchen sind die Ansprüche aufgrund ihrer Größe, der Haltung und ihren Leistungen nicht mehr unbedingt mit denen der Wildkaninchen vergleichbar. Je nach Rasse sind die Tiere 3- bis 5-mal so schwer, so dass einige Rassekaninchen bis zu 5 kg Grünfutter fressen müssten. Zudem sind die Rassekaninchen auf das Futter angewiesen, welches der Züchter ihnen anbietet. Eine echte Futterwahl ist nicht möglich, so dass bei einem eingeschränkten Angebot an Futterpflanzen oder Gartenabfällen die Gefahr der Unterversorgung an Nährstoffen wie etwa Vitaminen besteht. Auch ein Überangebot an ungeignetem Futter kann Probleme bereiten etwa durch die Gefahr der Verfettung oder die Störung der empfindlichen Abläufe im Verdauungssystem.
Das Kaninchen nimmt am Tag etwa vierzig Portionen Futter zu sich. Die Mahlzeiten verteilen sich analog wie beim Wildkaninchen hauptsächlich auf die Dämmerungsphasen morgens und abends. In dieser Zeit wird ca. 70 % der Tagesfuttermenge aufgenommen. Die Fressdauer variiert zwischen zwei bis sechs Stunden am Tag und ist genetisch vorgegeben. Wird diese Zeit unterschritten durch Fehlen ausreichender Futtergaben und Verfügbarkeit von Heu, Grünfutter und Stroh oder werden die Tiere nicht artgerecht gehalten (monotone Umgebung, hohe Besatzdichte), kann es zu Kannibalismus und durch Belecken zur Aufnahme von Haaren kommen. Letzteres führt nicht selten zu einer festen Zusammenballung von Haaren im Magen (Bezoare, insbesondere bei Angorakaninchen) und verhindert im weiteren Verlauf den Durchgang und Weitertransport des Futters im Verdauungstrakt. Futterverweigerung, Apathie und schließlich Tod können die Folge sein.
 
In den unterschiedlichen Lebensphasen und abhängig von ihrem Geschlecht, der Größe, der Haltung und der Leistung haben Kaninchen einen unterschiedlichen Nährstoffbedarf. Der Erhaltungsbedarf umfasst die benötigte Menge an Nährstoffen, die zur Aufrechterhaltung der normalen Lebensfunktionen mit Organtätigkeit und Wärmeerhalt erforderlich ist. Beim Kaninchen beinhaltet der Erhaltungsbedarf auch den Nährstoffbedarf für Futtersuche und Verdauung. Erhaltungsfutter benötigen Zuchthäsinnen und Rammler während der Zuchtruhe sowie ausgewachsene Ausstellungstiere. In der Erweiterung werden beim Leistungsbedarf alle über die bloße Lebenserhaltung bei konstantem Gewicht hinausgehenden Anforderungen an die Nährstoffversorgung mit einbezogen. Leistungen des Kaninchens sind seine eigene Entwicklung und der Gewichtszuwachs, alle Fortpflanzungsleistungen wie Deckakt, Trächtigkeit und Milchbildung sowie das Wollwachstum. Durch die bedarfsgerechte Fütterung wird ein guter Ernährungszustand (Kondition) des Kaninchens erreicht. Im Gegensatz zur angeboren Konstitution ist die Kondition erworben. Durch eine gute Kondition kann eine schlechte Konstitution verdeckt werden. Die Beurteilung der je nach Lebensphase unterschiedlichen optimalen Kondition anhand des äußeren Erscheinungsbildes erfordert insbesondere bei Zuchttieren einige Übung und Erfahrung. Anhaltspunkte erhält man durch das Abtasten der Wirbelsäule am Rücken, die sicherste Information wird durch die regelmäßige Gewichtskontrolle der Tiere erreicht. Kaninchen müssen bis zur Schau ihr rassespezifisches Gewicht erreicht haben. Gewichtsverluste sind häufig eine Begleiterscheinung schwerwiegenderer Erkrankungen. Aber auch Übergewicht ist unerwünscht, so ist zum Beispiel ein starker Fettansatz die häufigste Ursache schlechter Fortpflanzungsleistungen. Für die Zucht sind Kaninchen in guter Zuchtkondition (leicht gepolstert ohne Depotfett) erwünscht, da sich diese sowohl auf die verschiedenen Fruchtbarkeitsparameter als auch auf die Milchleistung auswirkt.
 
Wichtige Parameter zur Beurteilung der Futterqualität sind Futterverwertung und Verdaulichkeit. Die Futterverwertung gibt Auskunft über den Nährwert des Futters und ist definiert über die Menge an benötigtem Futter für ein Kilogramm Zuwachs. Die Futterverwertung wird von mehreren Faktoren wie Alter der Tiere, Genetik, aufgenommenen Futtermenge und Energiegehalt des Futters beeinflusst. Die Futterverwertung ist umso besser, je nährstoffreicher und rohfaserärmer das Futter ist. Da aber das Kaninchen durch die Physiologie seines Verdauungstrakts auf rohfaserreiche Ernährung angewiesen ist, sind dem Streben nach einer guten Futterverwertung enge Grenzen gesetzt. Die Verdaulichkeit eines Futters wird mit Hilfe der Differenz zwischen den Nährstoffgehalten des Futtermittels und des Kots errechnet, indem die verdaute Menge zur aufgenommenen Menge ins Verhältnis gesetzt wird. Durch die Verdaulichkeit kann man den Wert eines Futtermittels bestimmen, da man den Anteil der vom Tier genutzten Nährstoffe aus dem Futter abschätzen kann. Die Verdaulichkeit einzelner Futtermittel ist nicht nur von den Nährstoffgehalten, sondern von mehreren Faktoren wie Alter der Pflanzen, Pflanzenart, Erntezeitpunkt etc. abhängig. Mit Hilfe der Futterverwertung und Verdaulichkeit kann der Züchter eine wirtschaftliche Beurteilung und Bewertung des Futters durchführen und einzelne Futtermittel vergleichen.

Expertenteam Kaninchen
Muskator Werke GmbH
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