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16. Dezember 2018 |
Tipps für Anfänger Kaninchenrassen Schaukalender

Große Marderkaninchen

Große Marderkaninchen
Foto kleintiernews.de

Eine spalterbige
Kaninchenrasse mit einem besonderen Reiz

Die Großen Marderkaninchen sind in Deutschland eine noch sehr junge Züchtung in der großen Palette der Mittelrassen. Wie alle Marderkaninchenrassen ist auch das Große Marderkaninchen spalterbig nach der Vererbungslehre von Gregor Mendel. Außerdem ein Teilalbino noch dazu.

Entstehung

Es steht wohl außer Frage, dass das Große Marderkaninchen aus dem Kleinen bzw. Normalen Marderkaninchen hervorgegangen ist. Wie Alfred Franke, Berlin im Mai 1997 schrieb, entstand der Große Marder kurze Zeit nach der Herauszüchtung des kleinen Marders, um 1925/26 in Rußland. Den Namen „Sowjetischer Marder“ trägt die Rasse schon seit 1931. Sicherlich wurde die Rasse nicht planmäßig erzüchtet, sondern ist durch Zufall beim Kreuzen der vorhandenen mittelgroßen Rassen entstanden. Auch in Tschechien und in den USA gibt es die Großen Marderkaninchen. Als 1979 der Standard der sozialistischen Länder erarbeitet wurde, beantragte der Zuchtfreund Jaroslav Fingerland die Anerkennung der Großen Marder, da sie bereits in der Slowakei gezüchtet wurden. 1980 wurden die Großen Marder in den Standard der sozialistischen Länder aufgenommen. Zu diesem Zeitpunkt wurde die Rasse in der DDR noch nicht gezüchtet. Hier wurden erst nach der Veröffentlichung der Rassebeschreibung der Großen Marder von den Zuchtfreunden der Spezialzuchtgemeinschaft (heute Club) der Marderzüchter, auf Initiative des Obmannes Joachim Kapp, Zuchtprogramme erarbeitet, um die Rasse nachzuzüchten.

Großmarder braun
1,0 Große Marderkaninchen braun, 97,0 Pkt. Clubschau Eckartsberga 2008
 
Leichter wäre es gewesen, Tiere aus anderen Ländern einzuführen, doch diese Möglichkeit gab es nicht. Anträge, Tiere aus Rußland einzuführen waren gestellt. Man hatte auch der SZG (Club) zugesagt 1,1 Große Marder zu erhalten. Woher die Tiere kommen sollten war nicht bekannt. Leider ist es nie zu dieser Einfuhr gekommen. Somit sind die Großen Marder eine Thüringer Züchtung. Durch den damaligen Weißfleischaufkauf in der DDR, sahen wir als Spezialzüchter (Clubzüchter) eine Möglichkeit Zuchtfreunde zu gewinnen, die sich mit dieser neuen Rasse beschäftigten. Gefragt waren damals frohwüchsige Rassen.

Die erste Paarung, die ich selbst ausprobierte, war ein Rammler der Rasse Weiße Neuseeländer, Gewicht 4,60 kg mit einer dunklen (homozygoten) Marderhäsin, Gewicht 3,60 kg. Die 7 geworfenen Jungtiere waren alle typisch.
Die Entwicklung der Jungtiere verlief ganz normal bis zur ersten Umhaarung. Danach stellte sich heraus, dass alle Jungtiere mehr oder weniger weiß durchsetzt waren. Doch der Anfang war getan, zumal diese Tiere auch ein Endgewicht von 3,60 – 3,80 kg erreichten. Neben dieser Variante wurden auch noch andere Rassen einbezogen z.B. Riesenkaninchen, blaue Wiener, Kalifornier und Havanna. Durch die hohe Fruchtbarkeit und Milchleistung der kleinen Marder wurden in den meisten Fällen übergroße Häsinnen vom kleinen Marder verwendet, um diese guten Eigenschaften auf die Nachzucht, welche Große Marder werden sollten, zu übertragen. Viele Paarungen waren nötig, um Aufschluß über die besten Vererber zu erhalten. Es fielen ja nicht nur marderähnliche Tiere (Russenmarder, Marderalbino, Dunkelmarder und Typtiere) an. Auch wildfarbige Tiere lagen im Nest und wurden aufgezogen und wieder in die Zucht eingebracht. Der Zuchtfreund Hartmut Hoeft aus Römhild hat hier großen Anteil bei der Verwirklichung der angeführten Verpaarungen. Die Begeisterung für diese Rasse war im Club sehr groß. Es war so, wie wir es uns vorgestellt hatten. Einige neue Mitglieder wurden im Club aufgenommen, die sich speziell für Große Marder interessierten. Man kann es sich kaum vorstellen, wieviele Tiere angefallen sind und aufgezogen wurden. Doch nach 5 Monaten wurden diese Fehlfarben und solche Tiere, die sich nicht für die Weiterzucht eigneten an den staatlichen Handel lebend verkauft. Wenn man bedenkt, dass es nicht solche Futtermittel gab, wie wir sie heute kennen, wurde sichtbar, dass die Großen Marder sehr frohwüchsig und futterdankbar waren. Das Hauptfutter war Grünfutter, Kartoffeln, Kohlrabi, Rüben, Markstammkohl sowie Heu und Wasser. Kraftfutter, wie Getreide hatte Seltenheitswert. Strenge Selektion, vor allem im Gewicht, waren erforderlich. Erst, wenn das Gewicht kein Problem mehr ist, werden die anderen Positionen in Angriff genommen. Durch die zielstrebige Arbeit von Zuchtfreund Hartmut Hoeft und der SZG – Marderkaninchen (Club) fand die Rasse 1990 auch Aufnahme in den Deutschen Einheitsstandard. Heute können wir feststellen, dass die Großen Marder ständig mehr Interessenten finden.

Verbreitung

Großmarder blau
1,0 GrM. blau sg 8/6 Klassensieger
Karlsruhe 2009

Das Hauptverbreitungsgebiet in Deutschland war Thüringen. Doch heute kann man feststellen, dass sich das Große Marderkaninchen immer größerer Beliebtheit erfreut. Auch in den anderen Bundesländern wie Bayern, Baden-Württemberg, Sachsen, um nur einige zu nennen, werden Große Marderkaninchen gezüchtet. Der Verkauf von Zuchttieren und auch die Ausstellungen belegen das. Außer in Deutschland wird diese Rasse z.B. in der Slowakei, in Rußland und sogar in den USA gezüchtet. Sicherlich gibt es auch noch andere Länder, wo die große Form der Marderkaninchen Interessenten findet. Vielleicht auch mit einer anderen Bezeichnung. In der Schweiz z.B. werden die Marderkaninchen nicht als Kleine, aber auch nicht als Große Marder gezüchtet. Die Tiere liegen dazwischen mit einen Normalgewicht von über 3,00 kg. Hier eine Übersicht der Bundesschauen, wo Große Marderkaninchen ausgestellt wurden. Zur 20. in Nürnberg und zur 21. in Essen waren noch keine Großen Marderkaninchen ausgestellt. In Stuttgart zur 22. standen bereits 12 Tiere in guter Qualität. Für mich war es erstaunlich, dass nach so kurzer Zeit nach der Einbringung in den Deutschen Einheitsstandard diese Rasse sich auf einer so großen Schau vorstellte. Dass die Rasse immer mehr Liebhaber findet, deutet sich auf der 23. Bundesschau an. Hier standen bereits 20 Tiere. Die Qualität war noch etwas unausgeglichen, von 92 Punkten bis 96 Punkten war alles vertreten. Doch bei 96 Punkte kann man schon von Spitzentieren sprechen, worauf sich aufbauen und in Zukunft hoffen läßt. Ich bin überzeugt, dass sich diese Rasse in den nächsten Jahren noch mehr verbreiten wird, wenn die Züchterschaft auf die guten Erbanlagen dieser Rasse aufmerksam wird.

Haltung

Die Haltung der Großen Marder unterscheidet sich im allgemeinen nicht von der anderer Rassen. Zu beachten sind aber die genetischen Anlagen sowie die Umwelt, was wichtige Faktoren bei der Entwicklung des Tieres sind.
Die guten Erbanlagen in Verbindung mit optimaler Haltung bringen die Leistung des Tieres an den Tag. Zu optimalen Bedingungen gehört in erster Linie der Stall und vor allem die Buchtengröße. Ebenso wichtig ist die Fütterung, Tränke, Tierbehandlung und Pflege. Besonders negativ wirkt sich eine unsachgemäße Fütterung auf die Entwicklung und Umfärbung der Tiere aus.
Es spielt dabei keine Rolle, ob man sich für eine einmalige oder zweimalige Fütterung entscheidet. Erforderlich ist aber, dass die Futterzeiten eingehalten werden, und dass ausreichend gefüttert wird. Das Futter sollte abwechslungsreich und gehaltvoll sein. Bei einer einmaligen Fütterung wird die Futterration so abgestimmt, dass eine normale Entwicklung gewährleistet ist. Da unsere Kaninchen nachtaktiv sind und 70 % des Futterbedarfs in der Nacht aufnehmen, wird am Abend gefüttert. Bei einer zweimaligen Fütterung verteilt sich die Futterration auf morgens und abends. Wobei auch hier die Abendfütterung zu ¾ des Futters betragen sollte. Zu unterscheiden wäre noch, ob ich mit der Fütterung Leistung von meinen Tieren erwarte, also ob Jungtiere aufgezogen werden sollen, oder ob die Jungtiere noch wachsen müssen. Hier muß die Fütterung auf diese Umstände abgestimmt sein. Sie erhalten dann ein Leistungsfutter. Sind die Tiere bereits ausgewachsen und die Alttiere in Zuchtruhe, so erhalten sie ein Erhaltungsfutter. Dieses Futter wird so abgestimmt, dass die Alttiere nicht verfetten, aber auch die Jungtiere nicht an Gewicht mehr zunehmen und auch nicht an Gewicht verlieren. Obwohl die Fütterung ganz wichtig ist, wäre eine Innenstallung für die Großen Marder zu empfehlen. Sie bringt für den Marderzüchter Vorteile. Besonders gegen Witterungseinflüsse wie Kälte, Wärme, Sonne und hohe Luftfeuchtigkeit bietet die Innenstallung mehr Schutz. Nicht weil Marderkaninchen solche Witterung nicht vertragen, sondern weil im Innenstall eine gleichmäßigere Temperatur, vor allem zwischen Tag und Nacht, herrscht. Diese gleichmäßigere Temperatur wirkt sich günstig auf die Deckfarbe aus. Ebenso verhält es sich mit der Luftfeuchtigkeit. Zu hohe Luftfeuchtigkeit ruft Fleckigkeit hervor. Ideal wäre eine Stallanlage mit herausnehmbaren Fenstern im Sommer. Im Herbst, wo die Witterung sich täglich verändert, setzt man die Fenster wieder ein. Somit haben die Tiere ein gleichmäßigeres Stallklima, was sich positiv auf die Farberhaltung der Deckfarbe auswirkt. Für die Großen Marder sind folgende Maße der Buchten zu empfehlen: 90 cm breit - 80 cm tief - 60 cm hoch

Außenstall

Der Außenstall bringt für den Marderkaninchenzüchter Vor- und Nachteile.
Der Vorteil liegt darin, dass die Tiere immer frische Luft haben. Der Nachteil einer Außenstallung ist, dass die Tiere mehr der Witterung ausgesetzt sind. Sie werden, vor allem im Herbst, mit den unterschiedlichen Temperaturen und vor allem der sehr unterschiedlichen Luftfeuchtigkeit am Tag (ziehmlich warm und trocken) und nachts (kalt und feucht) konfrontiert. Was zur Fleckigkeit führen kann. Außerdem hat der Züchter beim Versorgen der Tiere keinen Schutz vor Witterungseinflüssen wie Regen, Schnee, Sturm usw. Beim Bau einer Stallanlage sollte man folgende Punkte beachten:

1. Gesetzliche Bestimmungen
2. Richtiger Standort
3. Zweckmäßige Größe
4. Einrichtung zur Entlüftung
5. Hygienische Forderungen
6. Günstige Arbeitsbedingungen
7. Stalleinrichtung

Zucht

Die Rassekaninchenzucht der Großen Marderkaninchen unterscheidet sich eigentlich nicht von der des Kleinen oder Normalen Marderkaninchens. Wer sich mit  Marderkaninchen allgemein beschäftigt muß sich im Klaren sein, dass nicht alle Tiere, die in einem großen Wurf anfallen, für die Ausstellung geeignet sind.
Marderkaninchen sind, wie auch alle Punktscheckenrassen spalterbig. Diese Spalterbigkeit bezieht sich auf die Vererbungslehre von Gregor Mendel, der mit rot- und weißblühenden Erbsen diese Versuche durchführte. Diese Vererbungslehre besagt, dass z.B. in einem 12er Wurf 3 Russenmarder, 3 Dunkelmarder und 6 Typmarder anfallen müßten. Leider ist dies aber nicht immer so, diese Lehre bezieht sich auf ca. 100 Tiere der gleichen Paarung. Es ist auch durchaus möglich, dass in einem 10er Wurf nur 2 Typtiere anfallen, der Rest Dunkel- und Russenmarder. Viele Stallungen sind erforderlich. Es ist auch ratsam, den gesamten Wurf aufzuziehen, wenn er nicht übergroß ist. Man kann dabei gut feststellen, welche genetischen Anlagen vorhanden sind.
Nach wie vor steht das Gewicht dieser Rasse an erster Stelle. Werden die Fehlfarben (Dunkel- und Russenmarder) reduziert, so kann man gerade die Tiere entfernen, die vielleicht die beste Gewichtsentwicklung sowie andere gute Anlagen hatten. Wir als Marderkaninchenzüchter, ob Große Marder oder Normale Marder haben die Möglichkeit, Fehlfarben, mit besonders guten Anlagen und Eigenschaften, zur Zucht einzusetzen. Oftmals kommen aus den Paarungen mit Fehlfarben prima Rassevertreter. Da die Auswahl an Zuchttieren aufgrund der noch geringen Verbreitung begrenzt ist, hat man so die beste Möglichkeit, Tiere auszuprobieren. Es ist ja bekannt, dass Tiere aus einer Linie nicht gleich sind. Selbst aus einem Wurf sind Tiere unterschiedlich. Legt man das Aufspaltungsverhältnis von Gregor Mendel zu Grunde, dann müßte aus der Verpaarung Typmarder X Typmarder

25 % Dunkelmarder
25 % Russenmarder oder Albino
50 % Typmarder
 
anfallen. Die Wirklichkeit ist oftmals anders. Ich machte es am Beispiel eines 10er Wurfs deutlich. Hier noch weitere Beispiele, die in der Großmarderzucht möglich sind. Werden Dunkelmarder und Typmarder miteinander verpaart, dann fallen 50 % Dunkelmarder und 50 % Typmarder an. Setzt man Russenmarder oder Marderalbinos mit Typmarder ein, so erhält man 50 % Typmarder und 50 % Russenmarder oder Albinos. Diese prozentualen Angaben sind möglich, müssen aber in einem Wurf nicht eintreten. Anders dagegen bei der günstigsten Verpaarung der Marderkaninchen. Werden Dunkelmarder und Russenmarder verpaart, dann ist der gesamte Wurf ganz gleich wie groß er ist, Typmarder. Also 100 % Typtiere für die Ausstellung, wenn keine schweren Fehler wie z.B. Augenfehler, weiße Nasenspitze oder farblose Krallen vorliegen. Diese sind aber erst nach ca. 3 Wochen sichtbar, wenn die Jungtiere das Nest verlassen. Die Verpaarungen der Dunkelmarder bzw. Russenmarder  untereinander bringen keine Ausstellungstiere, da nur Dunkel- oder Russenmarder jeweils im Wurf anfallen. Diese Dunkel- oder Russenmarder sind untereinander verpaart reinerbig.

Schema:

 
Benötigt man jedoch Russenmarder oder Dunkelmarder für die Zucht, so kann man solche Paarungen durchführen. Man kann sich die besten Tiere aussuchen. In einem Wurf von 6 – 7 Tieren wird immer ein oder mehrere Tiere dabei sein, die sich durch besondere Anlagen hervortun. Es ist kein Geheimnis, dass man mit Fehlfarben die Zucht verbessern kann. Von dem Zuchteinsatz der Marderalbinos möchte ich abraten, da bei diesen Tieren der Russenfaktor fehlt und somit die Abzeichen immer schwächer werden. Im Moment ist es noch so, dass aus den Verpaarungen Typmarder X Typmarder überwiegend Albinos anfallen. Dies hat ihren Ursprung in der Herauszüchtung mit dem Weißen Neuseeländer. Wenn wieder aus den o.g. Paarungen Russenmarder anfallen, werden sich auch die Abzeichen an den Läufen verbessern. Zur Zeit sind sie noch meliert. Für sehr wichtig halte ich bei großen Würfen, die natürlich Selektion. Das heißt, ist der Wurf übergroß, so werden sich nur die stärksten und kräftigsten Jungtiere beim Säugen durchsetzen. Nach 2 – 3 Tagen hat die Natur entschieden, welche Jungtiere sich zur Aufzucht eignen und welche nicht. Gerade bei solchen Rassen, die noch eine geringe Verbreitung haben, ist diese Zuchtmethode angebracht. Um die Rasse zu stärken und auch in der Frohwüchsigkeit voranzubringen, spielt es dann keine Rolle, welche Tiere sich durchsetzen. Auch auf die Gefahr hin, dass Typmarder den Kräftevergleich verlieren. Nur so kann man dem Zuchtstamm Widerstandsfähigkeit anzüchten. Es nutzt der Rasse wenig, wenn selbst Kümmerer aufgezogen werden. Um die Deckfarbe zu verbessern bzw. noch zu verstärken, ist es erforderlich, dass hin und wieder Dunkelmarder eingesetzt werden. Es ist wie beim normalen Marderkaninchen, je öfter Typmarder untereinander verpaart werden, umso heller wird die Deckfarbe. Auch die Unterfarbe läßt in ihrer Intensität nach. Beim Großen Marderkaninchen ist es noch wichtiger den reinen Marder (Dunkelmarder) einzusetzen. Wie bereits angeführt wurden bei der Herauszüchtung der Großer Marder Weiße Neuseeländer verwendet. Diese Erbanlage zieht sich wie ein roter Faden durch die Großmarderzucht. Neben weißer Durchsetzung gibt es auch noch Wünsche in der Augenfarbe. Zuchtziel muß es sein, kräftig braune bzw, blaue Deckfarbe und Abzeichen mit der entsprechenden dunkelhorn- bzw. hornfarbigen Krallen- und braunen bzw. blaugrauen Augenfarbe. Auch die Unterfarbe sollte möglichst in dunkler Färbung an den dunklen Stellen bis zum Haarboden reichen. Je dunkler die Unterfarbe ist, umso wertvoller ist das Tier für die Zucht der Farbe. Kräftig dunkle Krallenfarbe, aber besonders eine kräftig braune Augenfarbe lassen auf viel Farbstoffeinlagerung schließen. Negativ ist, wenn die Krallenfarbe aufhellt, nur noch hellbraun ist oder die Unterfarbe helle Farbzonen an den dunklen Stellen aufweist. Im Moment würde ich auf den Zuchteinsatz von Großen Russenmardern verzichten, da man in keiner Weise eine Verbesserung erreicht. Im Gegenteil, die Farbeinlagerung wird immer weniger. Es ist ja bekannt, dass es neben dem normalen Braunmarder auch noch Blaumarder gibt. Auch die Großen Marder tragen oftmals die Anlage zu blau. Nicht besonders erfreulich ist es, wenn in den Würfen der Großer Marder neben braunen Tieren auch noch blaue Tiere anfallen. Diese blauen Tiere können russenfarbig sein, es können blaue Dunkelmarder, aber es können auch blaue Typmarder sein. Sind die blauen Tiere Fehlfarben, so ist es nicht schlimm, sind es aber Typtiere, dann fehlen diese an der Ausbeute der typischen Braunmarder. Zur Zeit sind Große Marder im blauen Farbenschlag erst ab Oktober 2012 zugelassen. Sind blaue Tiere in einem Wurf angefallen, so ist der Beweis erbracht, dass die Elterntiere auch noch spalterbig in der Farbe sind. Es ist auch durchaus möglich, dass die braunen Tiere aus diesem Wurf, blau in der Erbanlage tragen. Um genau Aufschluß zu erhalten, müßte man einen Reinerbigkeitstest durchführen. Der einfachste Weg wäre eine Geschwisterpaarung.
 
Woher kommt die Spalterbigkeit in der Farbe?
 
Da die normalen Marderkaninchen braun in der Farbe selten reinerbig sind, aber zur Zucht der Großen Marder verwendet wurden, wurde auch die Spalterbigkeit der Farbe mit auf die Großen Marderkaninchen übertragen.
Fallen aber Tiere im blauen Farbenschlag aus der Verpaarung Große Marder braun mit Große Marder braun mit an, so sollten sie mit aufgezogen und auch gekennzeichnet werden. Sollte es eines Tages soweit sein, wäre es kein Problem diesen Farbenschlag aufleben zu lassen. Viel wichtiger erscheint mir, den braunen Farbenschlag in den Positionen Form und Bau, Fell, Deckfarbe, Abzeichen und Unterfarbe zu verbessern. Obwohl sehr gute Fortschritte erreicht wurden, besonders in Körperbau und Form, neigen die Großen Marder zu loser Fellhaut. Es geht dabei nicht nur um den Brustbereich, sondern ganz allgemein. Die Fellhaut sollte straffer am Körper anliegen, dann würden auch das Brustfell und die störenden Wammen eingeschränkt werden. Wenn sich die Abzeichen klarer und kontrastreicher von der Deckfarbe abzeichnen sollen, muß sich auch an der Fellstruktur etwas ändern. Die Einkreuzung der Weißen Neuseeländer spielt hier eine große Rolle. Die Mehrzahl der Großen Marder weisen noch etwas langes Haar auf. Ebenso die Begrannung, welche noch etwas lang und instabil ist. Wollen wir den Rückenstreifen verbessern, was unbedingt erforderlich ist, muß das Fell in seiner Struktur und in der Länge verbessert werden. Im Moment ist der Rückenstreifen noch reichlich breit und verschwommen. Die Ursache ist das lange Haar. Etwas langes Haar wirkt sich auch auf die Lauffarbe aus, sie ist nicht so intensiv, als bei kürzerem Haar. Die Einkreuzung der Weißen Neuseeländer wirkt sich auch noch auf die Deckfarbe aus, sie ist bei vielen Tieren meliert. Der Normale oder Kleine Marder wird mit jeder Haarung dunkler, bis er nach 4 Jahren fast schwarz ist. Der Große Marder wird durch die Einkreuzung mit jeder Haarung heller und die Abzeichen verlaufen immer mehr bis sie nach einigen Jahren einfarbig hellbraun mit grauen Grannenspitzen sind. Diese melierte Farbe kennen wir auch beim Kleinen Marder, nur mit dem Unterschied, dass der Kleine Marder die Färbung bereits im Jugendalter trägt. Solche melierten Tiere stammen aus der Zuchtlinie von Kleinchinchilla ab. Eigenartig ist, dass die Unterfarbe beim Kleinen Marder, obwohl er immer dunkler in der Deckfarbe wird, sich ebenso aufhellt, wie wir es beim Großen Marder kennen. Obwohl dieser in der Deckfarbe immer heller wird.
Möchte man mit der Zucht der Großen Marder beginnen, so ist zu empfehlen einen erfahrenen Marderkaninchenzüchter aufzusuchen, um sich am lebenden Beispiel die Rasse erklären zu lassen. Allgemein kann man sagen, was für den Kleinen Marder zutrifft, kann man auch auf den Großen Marder beziehen, wobei das Normalgewicht der beiden Rassen der entscheidende Punkt ist. Genetisch unterscheiden sich beide Rassen nicht. Auch der Große Marder in braun trägt die Erbformel wie der kleine Marder. Genetisch gesehen sind alle Braun – u. Blaumarder, egal ob Groß od. Normalmarder Schwarzmarder.

 

 


Für den Anfänger würde ich die Zucht mit 2 Typtieren empfehlen. Der Rammler sollte in jedem Fall bewertet sein und ein Gewicht von 4,30 kg haben. Die Häsin sollte keinen nb. Fehler aufweisen, der genetisch bedingt ist und ein Gewicht von 4,50 kg und darüber haben. Während der Rammler eine kurze und gedrungene Form zeigen soll, kann die Häsin etwas länger in der Form sein.
Die Zucht mit Typtieren bringt für den Züchter, aber besonders für den Anfänger einige Vorteile. So z.B. wie sich die Elterntiere mit zunehmendem Alter farblich verändern. Ein wichtiger Faktor ist der erste Wurf. Aus der Verpaarung der 2 Typmarder erhalte ich mit Sicherheit Dunkelmarder, Typmarder und Russenmarder bzw. Albinomarder. Es liegen also alle Farbmöglichkeiten im Nest. Es ist auch möglich, dass blaue Marder mit anfallen. Wieviel von jeder Farbe angefallen sind ist unwichtig. Wichtig ist, dass zur Nestkontrolle alle Farben erkannt werden. Die russenfarbigen Tiere sehen rosa/fleischfarben aus. Die Typmarder sehen silbergraublau aus und die Dunkelmarder weisen eine dunkelblaue Färbung auf. Mit dieser Paarung habe ich alle Farbmöglichkeiten auf einmal zum Anschauen und unterscheiden. Befindet sich ein blaues, typisches Tier im Wurf so liegt es in der Farbe zwischen dem Dunkelmarder und dem Typmarder. Handelt es sich dabei um einen blauen Dunkelmarder so zeigt sich die Farbe wie ein brauner Typmarder, nur dass auch der Bauch dunkler gefärbt ist.


Die nächsten Würfe bereiten dann schon keine Schwierigkeiten mehr. Besonders hinweisen möchte ich darauf, dass die Färbung der Jungtiere erst nach einigen Stunden erfolgt. Also nicht so voreilig, denn kurz nach dem Werfen schauen alle Jungtiere noch gleich aus. Möchte man testen, ob alle Tiere richtig erkannt wurden, kann man im Zuchtbuch einen Vermerk machen.

Als Beispiel:

Marderwurf
Geborene Jungtiere: 8
davon: 4 Typmarder, 1 Russenmarder, 2 Dunkelmarder, 1 Tier blau?

Nach 2 Wochen verlassen die Jungtiere ab und zu das Nest, dann wird sich herausstellen, ob sich meine Notiz bestätigt. Zur Nestkontrolle immer die Häsin aus der Bucht nehmen. Die Hände mit Einstreu abreiben, damit keine fremden Gerüche an die Jungtiere kommen. Manche Häsin ist sehr sensibel bei Fremdgeruch und könnte das Nest zerstören. Beim Begutachten des Wurfes darauf achten, dass die Jungtiere vollständig sind. Es kann durchaus vorkommen, dass Erstlingshäsinnen beim abnabeln die Jungtiere verstümmeln. Diese Tiere werden entfernt. In den folgenden Würfen ist davon nichts mehr festzustellen. Die Zuchttiere der Großen Marder müssen das Normalgewicht erreicht haben. Als Idealgewicht halte ich beim Rammler 4,30 – 4,50 kg, die Häsin sollte nicht unter 4,50 kg wiegen. Die Ohrlänge 11,5 – 12 cm sind ein wichtiger Aspekt im Wachstum der Großen Marder. Hat ein Jungtier im  Jugendalter (12 – 16 Wochen) eine Ohrlänge von 11 cm und mehr, dann kann man darauf schließen, dass das Tier ein Gewicht von über 4,00 kg erreicht. Bei Ohrlängen unter 11 cm wird es schwer das Normalgewicht zu erreichen. Es ist interessant wie sich alle 4 Wochen das Gewicht und die Ohrlänge verändert. Jungtiere, die erst schnell zunehmen, aber dann in den weiteren 4 Wochen keine Zunahme haben, eignen sich für die Zucht nur begrenzt. Die Ursache für die fehlende Gewichtszunahme können durch Verdauungsstörungen  hervorgerufen werden. Auch andere leichte Krankheiten spielen dabei eine Rolle. Sie können aber auch genetisch bedingt sein. Hier sollte man die Elterntiere nicht mehr verpaaren. Jungtiere sollten eine gleichmäßige  Gewichtsentwicklung nehmen, umso wertvoller sind diese Tiere für die Zucht.
 
Fruchtbarkeit

Die Fruchtbarkeit ist für eine spalterbige Rasse von großer Bedeutung. Je größer der Wurf ist, umso mehr können auch Typmarder anfallen. Diese Typmarder sind die Tiere, die den Ausstellungszüchter interessieren. Es muß nicht so sein, was die mendelische Vererbungslehre besagt, dass sich das vorgegebene Aufspaltungsverhältnis von

25 % Russenmarder oder Marderalbino
50 % Typmarder und
25 % Dunkelmarder

auf einen Wurf bezieht. Dieses Aufspaltungsverhältnis bezieht sich auf viele Würfe der gleichen Paarung. Ziel ist es, so viel wie möglich Typtiere zu erhalten, dies ist aber nur in einem großen Wurf möglich. Um Fruchtbarkeit zu erhalten bzw. um fruchtbare Tiere zu züchten, ist neben der Selektion auch die Zitzenzahl der Elterntiere entscheidend. Der Kleine Marder z.B. besitzt eine hohe Fruchtbarkeit. Würfe von 10 Jungtieren sind fast normal, bis hin zu 16 Jungtieren. Diese Fruchtbarkeit ist z.T. bei der Herauszüchtung durch die normalen Marder auf die Großen Marder übertragen worden. Häsinnen, die nach 3 Würfen auf eine Wurfzahl von nur 15 Jungtiere kommen, sollte man aus der Zucht nehmen. Meistens wird die Jungtierzahl mit zunehmendem Alter der Häsin noch geringer. Ziel muß es sein, 8 Jungtiere pro Wurf anzustreben. Wenn man bedenkt, welche Erbanlagen betreffs Fruchtbarkeit von den Weißen Neuseeländern und den Kleinen Mardern in die Großen Marder übertragen wurde, dürfte es für diese neue Mittelrasse kein Problem sein.
 
Aufzuchtleistung


0,1 Großes Marderkaninchen, dunkelblau mit
gleichmäßigen 9er Wurf, davon 4 Jungtiere im
braunen u. 5 Tiere im blauen Farbenschlag.

Wie wichtig es ist, große Würfe zu erhalten, haben wir bereits erfahren. Doch ebenso wichtig ist es für eine spalterbige Rasse, eine hohe Aufzuchtleistung zu besitzen. Wurfstärke, Milchleistung und Aufzuchtleistung sind genetische Anlagen einer Rassezucht, die aber nicht jede Rasse und auch nicht jeder Stamm besitzt. Selbst in einer Rasse in einem Stamm kann es große Unterschiede geben. Was diese Anlagen in sich bergen, möchte ich versuchen aufzuzeigen. Wir Marderkaninchenzüchter sind über einen großen Wurf sehr erfreut. Sind in diesem großen Wurf auch noch mehrere Typtiere, schlägt das Herz gleich höher. Unser erster Gedanke ist dann, hoffentlich hat die Häsin auch genug Milch um diesen großen Wurf aufzuziehen. Bei den folgenden Nestkontrollen stellen wir dann fest, dass die Jungtiere recht unterschiedlich und faltig sind, obwohl alle Jungtiere am Wurftag gleichmäßig entwickelt waren. Worin liegt die Ursache fragen wir uns? Haben wir als Züchter einen Fehler gemacht oder hat die Häsin nicht genügend Milch für diesen Wurf?
Falls wir es noch nicht getan haben, schauen wir nach der Zitzenzahl des Muttertieres. Wir stellen fest, nur 7 Zitzen, aber 8 Jungtiere haben wir der Häsin belassen. Hier kann eine Ursache liegen. Möglich ist aber auch, dass die Häsin zwischen 9 und 11 Zitzen, aber eine schwach ausgebildete Milchleistung hat. Oder liegt es an der Erbanlage, dass die Häsin nur wenig Milch hat?
Erfahrungsgemäß ist bei Erstlingshäsinnen die Milchleistung noch nicht so gut, da sich alle Organe erst richtig ausbilden müssen. Im 2. Wurf ändert es sich in den meisten Fällen, wenn die Anlage zu hoher Milchleistung vorhanden ist.
Wie stell ich fest, ob und wieviel Milch die Häsin hat? Hier eignet sich besonders gut die getrennte Aufzucht. Nach dem Werfen wird die Häsin von den Jungtieren getrennt und dann täglich einmal zur gleichen Zeit wieder zu ihren Jungtieren gesetzt. Bevor ich das Muttertier zu den Jungen setze, wiege ich die Häsin. Nach dem Säugen, was ca. 4 – 6 Minuten dauert, nehme ich die Häsin wieder von den Jungtieren weg und wiege das Muttertier nochmal. So kann man am Gewichtsverlust feststellen, wieviel die Häsin Milch abgegeben hat. Eine weitere Ursache bei wenig Milch kann auch beim Züchter liegen z.B. wenn Fütterungsfehler vorliegen. Das wirkt sich sofort auf die Milchbildung und Milchleistung aus. Nach dem Werfen die Häsin nicht überfüttern. Nicht denken jetzt muß sie besonders gut gefüttert werden. Sicherlich nimmt die Häsin das Futter auch an, sie wird es hastig fressen, dabei ist es möglich, dass Verdauungsstörungen auftreten können. Besser ist es, das Muttertier ganz normal zu füttern, wie vor dem Wurf. Erst mit zunehmender Entwicklung der Jungtiere die Futterration langsam steigern. Die Anlage Milchleistung und Aufzuchtleistung stehen in unmittelbarer Verbindung und sind eigentlich nicht zu trennen. Eine weitere Möglichkeit die Milchleistung der Häsin zu prüfen, ist das Feststellen des  3 Wochengewichtes der Jungtiere. Je größer der Wurf desto höher muß die Milchleistung und wird auch die Aufzuchtleistung sein.
Ich möchte einen Vergleich mit 2 Häsinnen anführen.

Die Häsin I hat einen 5er Wurf. Die Jungtiere wiegen nach 3 Wochen im Durchschnitt 506 Gramm.

Die Häsin II hat einen 7er Wurf. Diese Jungtiere wiegen nach 3 Wochen im Durchschnitt 481 Gramm.

Obwohl die Jungtiere der Häsin I kräftiger sind und eine Gesamtgewicht von 2530 Gramm erreichen, ist die Häsin II in der Milchleistung besser, denn hier beträgt das Gesamtgewicht der 7 Jungtiere 3367 Gramm. Es ist ratsam, wenn man alle 4 Wochen die Tiere wiegt, um solche Vergleiche anzustellen. So kann man selbst innerhalb eines Zuchtstammes die besten Muttertiere ermitteln.
Viele Züchter setzen die Jungtiere bereits nach 6 Wochen ab, da sie nur noch wenig Milch von der Häsin bekommen können. In meiner Zucht werden die Jungtiere je nach Entwicklung mit 7 – 8 Wochen von der Mutter abgesetzt. Die kräftigsten Jungtiere zuerst, die etwas schwächeren etwas später.

 
Mehrmalige Wurffolge

Viele Züchter interessieren sich für Marderkaninchen, aber aufgrund der Spalterbigkeit, nehmen sie Abstand von der Zucht dieser Rasse. Sie nehmen an, eine große Zucht mit mehreren Häsinnen betreiben zu müssen, um zum Erfolg zu kommen. Sicherlich ist es mit einer größeren Zucht einfacher. Doch auch die Zucht mit 2 Zuchthäsinnen kann erfolgreich sein. Gerade bei spalterbigen Rassen ist es günstig, mehrmalige Wurffolge zu betreiben, ganz besonders beim Marderkaninchen, da das Aufspaltungsverhältnis in jedem Wurf anders ist. Im Absatz „Zucht“ ging ich bereits darauf ein. Ein ganz wichtiger Punkt der mehrmaligen Wurffolge ist, dass nicht alle Jungtiere des Jahres auf einmal, zu Anfang des Jahres, im Nest liegen. Durch die begrenzte Ausstellungsfähigkeit ist es für Marderkaninchenzüchter fast erforderlich, die mehrmalige Wurffolge zu betreiben. Somit hat man für die unterschiedlich angesetzten Ausstellungen immer Tiere zur Verfügung, die gerade im richtigen Moment ausgefärbt sind. Mit Erfolg kann man diese Tiere dann ausstellen.
Ein nicht weniger wichtiger Punkt ist, dass man mit dieser Methode Futter und Buchten sparen kann. Gerade bei zeitigen Würfen benötigt man viel Futter, wenn man diese Tiere im Herbst ausstellen möchte. Durch die geringere Zahl an Alttieren, die ich bei dieser Methode benötige, habe ich mehr Buchten für Jungtiere zur Verfügung. Außerdem wird noch Futter gespart, wegen weniger Alttieren. Es ist durchaus möglich, mit einer Marderhäsin 2 und 3 Würfe im Jahr zu setzen. Voraussetzung ist aber, dass nach dem ersten Wurf die Häsin am 42. – 45. Tag nach dem Werfen erneut gedeckt wird. Danach bleiben die Jungtiere noch 14 Tage bei der Häsin und werden dann nach 8 Wochen abgesetzt. Die Häsin hat nun noch 14 Tage Zeit, sich auf den neuen Wurf vorzubereiten. Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass dabei eine optimale Fütterung erforderlich ist. Hier ein Vorschlag wie durch mehrmalige Wurffolge, auch bei begrenzter Zucht, der Züchter sich trotzdem an Ausstellungen beteiligen kann.

1. Wurf:
gedeckt: 01. 01. 1998; geworfen am 02. 02. 1998; erneut nach 42. Tag gedeckt 16. 03. 1998 (2. Wurf); abgesetzt am 30. 03. 1998

2. Wurf:
geworfen am 15. 04. 1998; nach 42. Tag wieder gedeckt 27. 05. 1998 (3. Wurf); abgesetzt am 10. 06. 1998

3. Wurf:
geworfen am 24. 06. 1998; abgesetzt am 18. 08. 1998

Den 3. Wurf habe ich bewußt in diesem Zeitraum gewählt. Aus diesem Wurf kann man noch Zuchttiere auswählen, außerdem sind auch im Januar noch Ausstellungen. Legt man den ersten Wurf 4 Wochen früher, so kann man auch beim Großen Marder den 3. Wurf im Spätsommer noch mit Erfolg ausstellen.

Entwicklung der Deckfarbe und Abzeichen

Große Marderkaninchen sind nur im braunen Farbenschlag anerkannt. Um es gleich vorweg zu nehmen, die Deckfarbe und auch die Abzeichen lassen bei dieser Rasse noch einige Wünsche offen. Angestrebt wird eine „milchkaffeebraune“ Deckfarbe. Ich möchte diesen Ausspruch eines Mannes benutzen, den, wenn man von Marderkaninchen spricht einfach nennen muß, es war Altmeister Reinhold Bock Neustadt/O.  Wie auch die Normalen Marder, werden die Großer Marder das Nest bronzefarbig verlassen.


Großmarder, 3 Wochen alt,
rechts typisch blau, links dunkelblau

Nach 3 – 4 Wochen beginnt die Umhaarung. Das Nesthaar oder Saughaar, welches ganz weich ist, muß dem Jugendhaar weichen. Auffällig ist dabei, dass die Jungtiere der Großen Marder mit etwas längerem Fell, das Nesthaar länger tragen. Somit kommen auch die Abzeichen erst später zum Vorschein. Der Prozeß des Jugendfells zieht sich somit länger hin. Die Umhaarung beginnt immer an der Schnauzpartie, über den Augen und am Ohrenansatz. Während das Saughaar fast gleichmäßig graublau/bronzefarbig ist, färbt sich das neue Haar kräftig braun. Auch an den Läufen werden Farbveränderungen sichtbar. Die Vorderläufe an den Zehen beginnend, weisen ebenso die kräftig braune Färbung auf. Die Hinterläufe färben sich etwas später um. In den meisten Fällen wird die Hinterlauffarbe nicht so dunkel wie Maske, Ohren und Vorderläufe sind.

Mit 8 – 10 Wochen werden im Brustbereich Aufhellungen sichtbar. Die dunkle Brust färbt sich in hellbraun bzw. cremfarbig um. Bei einer gleichmäßigen Umfärbung und Umhaarung werden im Alter von 10 – 12 Wochen die Abzeichen deutlich. Der Rückenstreifen zeichnet sich deutlich ab. Auch wenn er z.Z. noch etwas breit und etwas kurz ist. Die Läufe, Blume, Maske sowie die Ohren lassen in diesem Alter die neue Färbung deutlich erkennen. Das Jungtierfell ist in der Farbe noch nicht so intensiv, läßt aber in dieser Situation auf die spätere Zeichnung schließen. Wie sich die Deckfarbe in der Endphase zeigt läßt Fragen offen. Im Alter von ca. 16 Wochen beginnt der ganze Prozeß von vorn. An der Maske beginnt die Umfärbung zum Hochzeitskleid zuerst. Es geht über Brust, über den Augen, den Ohren über den ganzen Rumpf weiter, bis jede Haarstelle umgefärbt ist. Am Bauch dauert dieser Prozeß am längsten.


GrM. blau typisch 4 Monate alt
mit sg Marderkreuz u. Maske
 



 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
  Oftmals sind die Tiere schon über 12 Monate, bevor auch diese Fellpartie die richtige Färbung angenommen hat. Beim Großen Marder, ich schrieb es bereits, ist der Rückenstreifen im ausgewachsenen Alter etwas kurz und etwas breit, wobei er im Jugendalter noch fast ideal war. Oftmals ist es so, dass Tiere auf Jungtierschauen mit der Bemerkung in Position 5 Abzeichen „Sg Rücken-streifen“ bewertet wurden. Auf Herbstschauen können diese Tiere nur selten diese positive Bemerkung wiederholen. Die Ursache liegt im Nachdunkeln der Deckfarbe und ganz besonders in der Haarlänge. Erst wenn sich die Haarlänge im Bereich mittellang ca. 3 cm bewegt, werden die Deckfarbe und besonders die Abzeichen in ihrer vollen Schönheit zum Ausdruck kommen.

Ursachen der Fleckigkeit

Neben den bereits angeführten Faktoren, gibt es noch viele andere Einflüsse, die Fleckigkeit hervorrufen. Was ist Fleckigkeit? Fleckigkeit sind vereinzelte Stellen im Fell, die farblich nicht zur Deckfarbe passen. Fleckigkeit hat nichts mit Umhaarung zu tun. Ganz entscheidend bei Fleckigkeit sind Ausstellungen. Hier sind andere Umweltbedingungen als im Stall, andere Gerüche und andere Futtermittel sind die Ursache. Da jeder Züchter seine Kaninchen anders füttert, wäre ein Vermerk in der Ausstellungsordnung angebracht, ob und welche Futtermittel zur Ausstellung verabreicht werden. Somit könnte eine Verstimmung im Verdauungsapparat abgewendet werden. Jeder Züchter könnte seine Tiere darauf einstellen. Die häufigste Ursache ist das unsachgemäße Anfassen beim Wiegen, das Zutragen und Herausnehmen aus den Käfigen. Fehlende Tränke, Transport usw. können Fleckigkeit hervorrufen. Auch Krankheiten, wie Kokzidose oder Verdauungsstörungen beeinträchtigen die Deckfarbe. Hinzu kommt noch feuchte, kalte Witterung, ständig wechselnde Temperaturen zwischen Tag und Nacht im Außenstall, wo die Tiere diesen Faktoren direkt ausgesetzt sind. Im Innenstall ist der Temperaturunterschied nicht so groß, was sich positiv auf die Erhaltung der Deckfarbe auswirkt. Der Gesundheitszustand ist von großer Bedeutung.
Das rechtzeitige Trennen der Geschlechter ist wichtig, um Beißereien zu vermeiden. Auch Kratz- und kleine Bißwunden färben sich im Jugendalter um und können auch nach den folgenden Haarungen als dunkle Flecke sichtbar bleiben. Fleckigkeit sind vereinzelte umgehaarte Stellen, die wenn sie sichtbar werden nachgedunkelt sind und sich von der Deckfarbe dunkel abheben.
Der Unterschied zwischen Fleckigkeit und Umhaarung liegt darin, dass Fleckigkeit vereinzelte Stellen im Fell umhaaren und so bis zur nächsten Umhaarung bleiben. Bei der Umhaarung wird das gesamte Haar am Tier von der Schnauzpartie bis Blumenspitze fortlaufend gewechselt. Bei anderen Rassen wie Holländer oder auch einfarbigen Tieren sind die Flecken zwar auch vorhanden, aber sie sind nicht so sichtbar, weil diese Flecken in der jeweiligen Farbe erscheinen. Meistens fehlt nur etwas Grannenhaar, also der Glanz an diesen Stellen.

Ohrlänge

Es ist kein Geheimnis, dass die Ohrlänge mit der Gewichtsentwicklung in Verbindung steht. Der erfahrene Züchter wird schon im Jugendalter feststellen können, ob die Tiere das Normalgewicht erreichen. Die Ohrlänge sollte in einem bestimmten Alter eine entsprechende Länge erreichen. Um das Normalgewicht zu erreichen, benötigt der Große Marder eine Ohrlänge von 11 – 12 cm. Sicherlich gibt es Ausnahmen, die Weißen Neuseeländer beweisen es uns,
10 cm Ohrlänge, aber trotzdem über 4,00 kg Gewicht. Doch beim Großen Marder kann man im allgemeinen davon ausgehen, dass 11 cm Ohrlänge erreicht werden sollten, um das Gewicht von über 4,00 kg leichter zu erreichen.

Hier die Entwicklung der Ohrlänge:

3 Wochen 5,0 – 5,5 cm
8 Wochen 8,0 – 8,5 cm
12 Wochen 10,0 – 10,5 cm
16 Wochen 11,0 – 12,0 cm

Große Marder mit einer Ohrlänge von 10,5 cm Endlänge entwickeln sich bis zum Alter von 4 Monaten genauso, wie solche Tiere die 11,5 cm Ohrlänge erreichen. Das Gewicht liegt im Bereich der angestrebt wird. Doch nach 4 Monaten ist das Wachstum der Ohren abgeschlossen und die Gewichtsentwicklung geht jetzt nur sehr langsam voran. Die geforderten Monatsgewichte werden nicht mehr erreicht. Es ist abzusehen, dass solche Tiere bei 3,50 – 3,80 kg nicht mehr zunehmen. In Ausnahmefällen schaffen solche Tiere auch noch das Normalgewicht von über 4,00 kg, doch es dauert viel länger, bis zu 10 Monaten.


Großmarder Jungtier

Tierbehandlung

Mit diesen Zeilen möchte ich nochmals darauf hinweisen, wie die Großen Marder behandelt werden sollten. Es ist eine Augenweide auf Ausstellungen eine Kollektion Marderkaninchen anzuschauen, die gerade in der Blüte der Deckfarbe und Abzeichen stehen. Doch leider ist es nicht immer so, dass Marderkaninchen, wenn sie ausgefärbt sind, zur Schau stehen. Oftmals ist es so, dass wenn die Tiere 4 Wochen vor der Schau angemeldet werden, ideal in Deckfarbe und Abzeichen sind, doch am Tag der Einlieferung bereits total verändert haben. Die Tiere sind fleckig geworden und haben somit ihre Schönheit verloren. Was sind die Ursachen dieser Veränderung? Einige wurden bereits angeführt. Oftmals hat der Züchter selbst Schuld an diesen negativen Veränderungen der Deckfarbe. Die Tierbehandlung spielt dabei eine große Rolle. Wie oft werden Tiere aus der Bucht genommen, z.B. bei der Stallsäuberung. Aber auch bei Tierbesprechungen, zu Versammlungen und in der Stallanlage, wenn gleichgesinnte Zuchtfreunde zu Besuch kommen. Ebenso beim regelmäßigen Wiegen der Tiere. Obwohl es selbstverständlich ist, wird es oft vergessen, die Fellhaut darf beim herausnehmen nicht gereizt werden. Man sollte das Tier nicht an der Fellhaut aus der Bucht oder Kiste nehmen. Wird das Tier an der Fellhaut gegriffen, so wird die Fellhaut sehr gereizt, wodurch sie dann stark durchblutet wird. Durch diese Blutzufuhr werden auch Nährstoffe an diese gereizten Stellen befördert, welche dann zu den Flecken führen. Hier kann der Züchter wesentlich entgegen wirken, indem er das Tier beim Tragen und herausnehmen aus der Bucht mit einer Hand an den Ohren und einer Hand unter dem Bauch stützt. Es wäre schön, wenn nicht nur die Züchter der Großen Marder, sondern auch die Zuträger auf Ausstellungen an diese Worte denken würden. Nur so können die Besucher sich an der Schönheit der Marderkaninchen erfreuen.

Gewichtsentwicklung - Großmarder

Das Normalgewicht beträgt über 4,00 kg. Das Mindestgewicht liegt von 3,00 kg und das Höchstgewicht geht bis 5,00 kg.

Bei den Jungtieren wird folgende Gewichtsentwicklung angestrebt:

3. Woche 4. Woche 8. Woche
400 – 500 gr. 500 – 700 gr. 1100 – 1400 gr.


12. Woche 16. Woche
1800 – 2200 gr. 2900 – 3100 gr.


20. Woche 24. Woche
3100 – 3500 gr. 3900 – 4000 gr.


Die 3 Wochen Gewichtsangabe ist sofern wichtig, da man die Milchleistung der Häsin erkennen kann. Es ist durchaus möglich, dass diese Durchschnittsgewichte überschritten werden. Hier spielt die Wurfgröße, die Milchleistung der Häsin, aber auch die Fütterung eine wichtige Rolle.
Zuchtziel muß es jedoch sein, auch die Großmarder in 6 - 7 Monaten auf ein Gewicht von über 4,00 kg zu züchten. Die Deckfarbe steht zu diesem Zeitpunkt in der Blüte bzw. dicht davor.

 

 

1. Gewicht
Normalgewicht 4,00 kg, Mindestgewicht 3,00 kg

2. Körperform und -bau
Der Körper ist leicht gedrungen. Der Rumpf soll vorn und hinten gleich breit und gut bemuskelt sein. Der Kopf ist der Größe der Rasse entsprechend ausgebildet, mit vollen Backen und dicht am Körper anliegend. Die Läufe sind kurz und kräftig. Die Ohren sind fleischig und an den Enden gut abgerundet. Bei älteren Häsinnen ist eine kleine, gut geformte Wamme zulässig.

3. Fell
Das Fellhaar ist mittellang, mit dichter Unterwolle und guter gleichmäßiger Begrannung. Die Ohren sind gut behaart.

4. Deckfarbe
Anerkannt sind der braune u. ab Oktober 2012 auch der blaue Farbenschlag in heller bis mittlerer Abtönung. Nicht zugelassen sind die dunklen, fast einfarbigen Tiere (Homozygoten). Die Deckfarbe ist von einem lichten Braun, das nach den Seiten und Flanken zu heller verläuft. Hinterschenkel und Schulterpartie sind etwas dunkler angedeutet. Backen, Brust und Bauch sind hellbraun. Die Augen sind braun bzw. graublau, je nach Lichteinfall rötlich durchleuchtend. Die Krallen sind dunkelhornfarbig bzw. hornfarbig.

5. Abzeichen
Über den Rücken zieht sich ein ca. 8 - 10 cm breiter dunkler Streifen, der seitlich nicht scharf abgegrenzt ist. Die Maske ist dunkel und verläuft ebenfalls nicht scharf abgegrenzt etwa in Augenhöhe aus. Ohren, Läufe und Blume sowie Augeneinfassung sind dunkel.

6. Unterfarbe
Die Unterfarbe paßt sich der Deckfarbe an, somit an den helleren Körperstellen heller, im Bereich der Abzeichen dunkler.

7. Pflegezustand
Siehe „Allgemeines“

Leichte Fehler
Allgemeine Form- und Fellfehler. Etwas dunkle oder fleckige Deckfarbe, leichte Durchsetzung mit weißen Haaren. Unvollständiger Rückenstreifen. Große, über Augenhöhe reichende Maske. Schwache oder verschwommene Abzeichen. Unreine, durchsetzte Unterfarbe.

Schwere Fehler
Allgemeine Form- und Fellfehler. Völlig dunkle Deckfarbe, stark weiß durchsetzte Deckfarbe; sichtbare weiße Flecken. Andere als die geforderte Augenfarbe, zweierlei oder farblose Krallen. Gänzlich dunkler Kopf und Ohren. Fehlen der dunklen Abzeichen. Stark unreine oder weiße Unterfarbe.

 

Bericht und Bilder Joachim Kapp

 

 

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