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16. September 2019 |
Tipps für Anfänger Kaninchenrassen Schaukalender

Farbenzwerge luxfarbig

Farbenzwerge luxfarbig
1,0 Farbenzwerg luxfarbig, 96,5 Pkt.,
7. Landesoffene Rammlerschau Sachsen ´08
Züchter: Dieter Heydenreich
 
Foto: kleintiernews.de

Eine züchterische Herausforderung

Begeistert vom Farbspiel des Luxfelles reifte bei uns im Jahr 1995 der Gedanke diesen Farbenschlag bei den Farbenzwergen zu züchten, da er ja vom Standard her zugelassen war. Aber da für meine Frau und mich die Kreuzung mehrerer Farbenschläge aus Platzgründen nicht in Frage kam, machten wir uns Deutschland weit auf die Suche nach Züchtern, die diesen seltenen Farbenschlag in Ihren Stallanlagen haben.

Doch dies erwies sich schwieriger als gedacht. Auf keiner Ausstellung die wir besuchten, war kein Farbenzwerg luxfarbig zu sehen. Auch Gespräche mit uns bekannten Züchtern aus Deutschland sowie Anfragen in den Niederlanden ergaben keinen Erfolg. Sollte es wirklich keinen Züchter geben, der sich mit diesem Farbenschlag beschäftigt? Also, was sollten wir machen. Doch die Genehmigung auf die Kreuzungszucht beantragen oder weiter suchen. Wir waren enttäuscht und ratlos. Also blieben wir beim Altbewährten und züchteten weitere zwei Jahre unsere Farbenzwerg schwarz, ohne aber den Gedanken im Hinterkopf zu verlieren.

Ein Bericht im Deutschen Kleintierzüchter Ausgabe 05/97 von der Zuchtgemeinschaft Guder über fehfarbige Farbenzwerg ließ uns neue Hoffnung zukommen... Viele Telefonanrufe, jede Menge Geduld und ca. 1500 km Wegstrecke waren unsererseits nötig bis wir die ersten Farbenzwerge, luxfarbig unser Eigen nennen durften. Aber letztendlich wurden wir belohnt und fanden zwei Züchter, die Tiere für uns hatten. Zwischen Oktober´98 und März´99 fanden 1,1 Farbenzwerg, luxfarbig aus der Zucht von Andreas Todter (Owen/Teck) und 3 Häsinnen von Jürgen Schwarzer (Rüsselsheim) in unserer Zuchtanlage ein neues Zuhause.

Fabrenzwerge luxfarbig
Fotos Rieger

 





        
  
Ab diesem Zeitpunkt bevölkerten 1,4 Farbenzwerg, luxfarbig unsere Stallungen. Die Zucht konnte beginnen. Im Jahr 1999 haben wir dann 17 Tiere als Nachzucht gezogen. Diese Tiere waren der Grundstock für unsere heutige Zucht. In den ersten zwei Jahren unserer Zucht vielen in den Würfen außer luxfarbigen auch fehfarbige und manchmal perlfehfarbige Tiere. Auch von fehlfarbigen Tieren wurden wir nicht verschont, so dass sich sogar Jungtiere mit silbergrauer Deckfarbe und bläulicher Unterfarbe im Wurf befanden. Doch diese Phase der Aufspaltung konnten wir durch strenge Selektion sehr gut entgegenwirken. Insgesamt haben bis zum heutigen Zeitpunkt 360 Farbenzwerg, luxfarbig das Licht der Welt in unserer Zuchtanlage erblickt.

Unsere Zuchthäsinnen werfen zwischen 2 und 8 Jungtiere und ziehen diese mit guter bis sehr guter Milchleistung auf. Wir achten bei der Verpaarung darauf, dass wir großrahmige Häsinnen mit typischen Rammlern verpaaren. Und so können wir uns jedes Jahr immer wieder über Jungtiere freuen, die vom Typ her einen kurzen, gedrungenen Körperbau aufweisen und hinten schön abgerundet sind. Weiterhin haben sich eine schöne Kopf- und Ohrenbildung in unserer Zucht gefestigt. Auch zeigen unsere Nachzuchttiere einen hervorragenden Stand.

Schwieriger ist es schon die ideale Färbung zu züchten. Ist der schleierartige Überzug der Deckfarbe in unserer Zucht schon sehr gut vorhanden, sieht es bei den Unterfarben ganz anders aus. Hier kann bei den Jungtieren erst ab dem ca. 5. bis 6. Monat über die Qualität entschieden werden. Die Unterfarbe am Rücken sowie an allen sichtbaren Teilen des Körpers kann im Jungtieralter noch bläulich erscheinen und erst nach der Haarung weiß werden. Auch die Bauchunterfarbe ist nicht einfach zu handhaben, da sie oftmals durch Abwesendheit glänzt oder nur zum Teil oder zu schwach vorhanden ist und in gewisser Weise auch abhängig von der Zwischenfarbe ist, die bräunlich rot und scharf abgegrenzt sein soll und mal mehr oder weniger vorhanden ist. Und gerade diese Zwischenfarbe ist entscheidend für das Farbspiel der Luxfarbe. Ebenso wirkt sich das kürzere Fellhaar auf die Farbe aus. Und das Wichtigste ist wie bei allen Rassen jede Menge Glück.
 

Farbenzwerge luxfarbig
Foto: kleintiernews.de

Also, man sieht schon, es sind sehr viele Faktoren, die hier mitwirken, um
ein ideal gefärbtes Tier zu erhalten. Aber genau das ist es, was den Reiz an den Tieren ausmacht. Punktejägern und Pokalfetischisten können wir von einer Zucht dieses Farbenschlags nur abraten, denn der schnelle Erfolg ist mit diesen Tieren nicht zu erreichen. Vielmehr sind Geduld und Ausdauer gefragt, um die Farbenzwerge luxfarbig in ihrem Erscheinungsbild dem Standard näher zu bringen und sie vor allem in Europa zu verbreiten. Bis jetzt haben wir an insgesamt 14 Züchter aus Deutschland, Österreich und Tschechien Tiere abgegeben wobei nicht alle dem Farbenschlag treu geblieben sind.

Unsere Zuchtanlage (Innenstallung, Ziegelbauweise mit Holzanbau) besteht heute aus 42 Einzelbuchten teils selbstgebaut, teils gekauft (Kirschstein, Piehler). Davon sind 16 Buchten in der Größe 60 cm x 70 cm und 26 in der Größe 60 cm x 60cm. Die Tiere sitzen in Kunststoffwannen auf Tiereinstreu und Stroh. Auch bei den Kirschsteinställen, die ja bekanntlich mit Rosten ausgestattet sind, wird mit Stroh aufgestreut. Als Fütterungsmethode bevorzugen wir die einmalige abendliche Fütterung. Das Hauptfutter besteht aus Wasser, Heu und Pellets und getrockneter Petersilie. Zusätzlich füttern wir Mohrrüben und frische Petersilie. Gelegentlich gibt es noch getrocknetes Brot und ab Juni/Juli Topinambur. Häsinnen mit Jungtieren bekommen zweimal wöchentlich Multivitamin über das Trinkwasser verabreicht.

Weitere Züchter
 Kurt Hölbing, Jena (LV Thüringen), Dieter Müller, Neckarsteinach (LV Baden), Stanislav Kulanda, Krasna Hora (Tschechien), Erich Wimmer, Brunn im Gebirge (Österreich), ZGM. Rieger, Aystetten (LV Bayern)

Farbenzwerge luxfarbig

Foto: kleintiernews.de
 

Erbbiologische Betrachtung

Lesen wir eingehender die Zuchtgeschichte und den zitierten Beitrag, so erkennen wir, wie nahe sich die erwähnten Farbenschläge perlfehfarbig, luxfarbig und fehfarbig aus genetischer Sicht stehen. Wohlbemerkt aus genetischer nicht aus züchterischer Sicht! Den Züchter hat nur der eine Farbenschlag zu interessieren, der gerade von ihm gezüchtet wird. Weshalb?

Gucken wir uns die drei Fellfarben einmal genauer an. Am besten gelingt der Vergleich anhand von Formeln, weil wir da deutlich sehen, welche Unterschiede sich infolge der Kombinationen von Farbanlagene bei den Herauszüchtungen der Ursprungsrassen herauskristallisiert haben. Die genetische Grundlage der „großen Vorbilder“ wurde durch züchterische Leistung auf die Zwerge übertragen.

Hier lässt sich die schrittweise Veränderung am leichtesten erklären, wenn wir von einem schwarzwildfarbigen Urtyp (dem sogenannten grauen Wildfell) ausgehend.

ABCDG/ABCDG = schwarzwildfarbig (umgangssprachlich: Grau), wird hier nicht näher beschrieben,
ABCdG/ABCdG = blauwildfarbig, typischer Rassevertreter ist das Pf, durch die Rasse BlgrW auch als blaugrau bekannt,
ABcdG/ABcdG = luxfarbig (luchsfarbig wäre richtiger) - nach dieser Formel-Darstellung
könnte man diese Farbe auch blaubraunwildfarbig oder fehwildfarbig nennen,
ABcdg/ABcdg = fehfarbig, es liegt keine Wildfarbigkeit vor.

(c) Heidrun Eknigk

Die Blauwildfarbigkeit
 

Dieses Farbbild ist insbesondere durch die Faktorenpaare dG/dG gekennzeichnet ist. Alle anderen Grundfaktoren (A, B und C) bleiben im Vergleich zur vollen Wildfarbigkeit - genannt Grau - unverändert. Was ist passiert? Der Faktor für die Dichte der Schwarzeinlagerung im Haar wird gemindert (verdünnt, aufgehellt). D mutierte zum rezessiven Faktor „d“ und ist in doppelter Form d/d vorhanden, folglich reinerbig vorhanden. Alle schwarzen Anteile aus dem uns bekannten schwarzwildfarbigen Haarkleid haben eine Veränderung zu blau erfahren. Folglich wird die Deckfarbe blaugrau gefordert.

Da der Wildfarbigkeitscharakter (G/G) von dieser Farbverdünnung von Schwarz zu Blau nicht betroffen ist, bleiben auch hier wieder die hellen Körperzonierungen und die Bänderungen des Einzelhaares erhalten. Somit werden bei Scheitelung der Behaarung auch bei der Beispielsrasse Pf vom Haarboden aufwärts als Abstufungen in Unter-, Zwischen- und
Deckfarbe erkennbar. Die Deckfarbe stellt sich als eine Mischung aus blauen und grauwirkenden Haaren auf einem blauen Farbgrund dar. In Folge des Zusammenspiels hellgrauer und etwas dunklerer Grannenhaarspitzen erhält die Deckfarbe ihren besonderen Reiz, nämlich das Erscheinungsmerkmal „Perlung“.

Die Luxfarbe (Fehwildfarbe)
 
Der Vertreter für diese Farbkombination ist die Rasse des Monats Farbenzwerg, luxfarbig. Eine Kombinationszucht von Perlfeh und Marburger Feh ließ diese Kaninchenfellfarbe und deren Fellträger - das Luxkaninchen - etwa um 1920 entstehen. Eine interessante und attraktive Rasse mit der zusätzlichen Genveränderung von Schwarz (CC) zu Braun (cc). Folglich kennzeichnen zwei Veränderungen sowohl die Formel als auch die Fellfarbe des ehemals schwarzwildfarbigen Ausgangstypen: cdG/cdG.
Daraus schlussfolgernd müssen in der Decke bei unserer Rasse des Monats dem luxfarbigen Zwerg blaue und braune Farben sichtbar werden. Dem Betrachter stellt sich dieses Farbbild vergleichsweise heller als das der Pf als lichtes Blau mit schwacher, durchscheinender bräunlichroter Tönung dar. In der Standardsprache heißt das: „ein lichtes Blau mit silbrigem Glanz und mit einer von der Zwischenfarbe her schwach durchscheinenden braunroten Tönung“. Anhand der oben aufgezeigten Formel erkennen wir, die Fehwildfarbigkeit basiert auf dem G im Zusammenhang mit den mutierten, nun kleingeschriebenen Faktoren c und d, so bleiben auch bei dieser Rasse/Farbanlage die Einzelhaarzonierung und die Körperzonierungen erhalten.
Auch hier können wir die Aussage über Einzelhaarzonierung überprüfen, indem wir z. B. einen Felltrichter blasen und die Unter-, Zwischen- und Deckfarbe betrachten.
Eine blaugraue Iris passt zu beiden bis hierher beschriebenen Genotypen, nur finden wir bei der Lux-Variante ein Auge, dass bei günstigem Lichteinfall leicht rötlich erscheint.

Die einfarbigen Fehbehaarung
 
Das Marburger-Feh-Kaninchen ist hier als Beispielsrasse zu nennen. Die Deckfarbe präsentiert sich in einem lichten Blau, das von einem bräunlichen Schleier leicht überzogen ist. Die kürzere Behaarung an Kopf, Ohren und Läufen verstärkt den bräunlichen Schleier bei zurücktretendem Blau. Das gesamte Farbbild wirkt „ruhiger“ im Vergleich zu den luxfarbigen Vertretern. Wie bei allen einfarbigen Rassen wird das Farbbild am ganzen Körper gleichmäßig verlangt und ist frei von Zonierungen nach Art der Wildfarbigkeit. Nur die Bauchfarben sind stets etwas matter, was auf die geringere Begrannung in diesem Bereich zurückzuführen ist. Die Augenfarbe ist auch hier wieder passend zur genetischen Farbgrundlage blaugrau und leuchtet wie bei den Luxfarbenen bei entsprechendem Lichteinfall rötlich. Dieses Merkmal in den Bereichen der Iris und der Pupille basiert auf der durch Mutation bzw. durch die Kombination mutierter Faktoren: Farbverdünnung (D zu d) und Farbreduzierung C zu c. Es ist keinesfalls vergleichbar mit dem rot durchscheinenden

Augenhintergrund beim Teil- oder Vollalbino, sondern begründet sich aus der Farbreduzierung C zu c = Minderung des schwarzen Pigmentes.
Da diese Rasse einfarbig ist, weicht die Unterfarbe nicht wesentlich vom Ton der hellblauen Deckfarbe ab, sie grenzt demzufolge auch von dieser nicht scharf ab und sollte bis zum Haarboden herab reichen.

Wir bedanken uns bei ZGM. Rieger für diesen Bericht und die Fotos.
(C) 2008 RKZ-Forum.com

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