ZeitschriftE-Paper kleintiernewsSchnupperabo kleintiernews 3 Monate
deutschnederlandsenglish
16. Dezember 2018 |
Tipps für Anfänger Kaninchenrassen Schaukalender

Farbenzwerge lohfarbig

Ein Zwergkaninchen mit besonderer Herausforderung

Sie sind ohne Frage ein aparter Farbenschlag unserer Farbenzwerge und eine Bereicherung für jede Ausstellung. Die Rede ist von den lohfarbigen Farbenzwergen. Dieser Farbenschlag ist mittlerweile seit mehr als 30 Jahren im Standard des ZDRK zugelassen. Als Herauszüchter dieses schönen Farbenschlages dürfte Oswald Grimm aus Pforzheim-Huchenfeld genannt werden, der das Vorhaben, die Lohfarbe auf die Zwerge zu übertragen, über Jahrzehnte verfolgte. Seine ersten Zuchtversuche fanden bereits in den sechziger Jahren statt und brachten neben den hauptsächlich schwarzlohfarbigen auch welche in blauloh und havannaloh hervor.

Da die Lohkaninchen als relativ „alte“ Rasse sehr beliebt waren, fanden auch die Farbenzwerge lohfarbig schnell viele Freunde in ganz Deutschland. Der geringere Platzbedarf für die Zwergrasse spielt hier bestimmt eine entscheidende Rolle. Aber auch ins benachbarte Ausland und bis in die USA sollen Tiere gegangen sein.

Seit den achtziger Jahren konnte eine gute Entwicklung der Rasse auf den großen Schauen verzeichnet werden. Die Qualität konnte vor allem in den letzten Jahren gut verbessert werden. Sieht man sich die Kataloge der letzten großen Schauen an, so standen auf der Bundesschau in Karlsruhe insgesamt 310 lohfarbige Farbenzwerge in allen vier Farbenschlägen. Und auf der Bundes-Rammlerschau in Rheinberg waren es immerhin auch 115 Tiere in drei Farbenschlägen.

In den Anfangsjahren haben einige Züchter noch andere Farbenschläge eingepaart, um den Rassetyp zu verbessern. Dadurch konnte man damals auch mal Pech haben, dass andere Farbenschläge in den Würfen fielen. Doch mittlerweile kann man die Farbenzwerge lohfarbig als durchgezüchtet ansehen – zumindest was die Farbvererbung angeht.

Ein Jungzüchter, der sich diesem Farbenschlag von Anfang an verschrieben hat, ist mein Vereinskollege Dominik Wiehle aus Melle-Neuenkirchen. Anfangs haben ihm viele von einer so schwierigen Rasse abgeraten. Aber er hatte viel Glück, dass er gute Ausgangtiere bekommen konnte und durch gezielte Zuchtauswahl und Selektion konnte er bereits einen Europachampion stellen und wurde Deutscher Jugendmeister in Karlsruhe. Anhand seiner Zucht kann man sehen, wie weit die Farbenzwerge lohfarbig mittlerweile verbessert wurden.


1,0 Farbenzwerg lohfarbig schwarz,
97,0 Pkt., Champion,
2. Rassebezogene Europaschau in Werlte,
Dominik Wiehle, Melle

Gewicht
Das Idealgewicht der Farbenzwerge liegt bei über 1,1 kg bis maximal 1,35 kg. Das Mindestgewicht auf den Alttierschauen muss mindestens ein Kilogramm betragen; wird jedoch mit Punktabzug gestraft. Ebenso wird beim Höchstgewicht verfahren, das bei maximal 1,5 kg liegen darf.
 
Ein ausgeprägter Zwergentyp ist möglich
Der Standard fordert einen ausgeprägten Zwergentyp, der sich von den anderen Rassen abhebt. Der Körper soll gedrungen, walzenförmig und vorne und hinten gleichmäßig breit sein. Die Häsinnen sollen sich von den Rammlern kaum unterscheiden.

In der Qualität der Formen gehen einige Zuchten noch stark auseinander. So sind bei den Lohfarbigen teilweise auch noch größere Typen anzutreffen, die eine längere Körperform aufweisen. Hier gilt es, in der Zucht das Augenmerk auf die kleineren typischen Tiere zu richten. Besonders die Rammler sollten nicht zu groß sein.

Bei Dominik Wiehle konnte ich Rammler verschiedener Jahrgänge sehen, die schon sehr kurz und gedrungen waren und eine gleichmäßig breite und gut abgerundete Form zeigten. Aus dem letzten Zuchtjahr hatte er einen sehr kleinen, kompakten Rammler, der auch andersfarbigen Farbenzwergen um nichts nachstand.

Auf ein dichtes Fell ist zu achten
Schwachpunkt in einigen Zuchten ist noch die Felldichte. Die Felle haben zwar im Prinzip eine gute Struktur und gehen gut in die Ausgangslage zurück, wenn man mit der Hand dadurch streicht. Doch oft fehlt einfach die Dichte der Unterwolle. Grundsätzlich soll sich das Fell von dem anderer Rassen unterscheiden. Es soll kurz und dicht sein und infolge der feinen Struktur fühlt es sich weicher an. Auch die Ohren müssen gut behaart sein.
Bei meinem Vereinskollegen waren besonders die Tiere von diesem Jahr in dieser Hinsicht sehr vielversprechend. Sie zeigten schon frühzeitig eine schöne Dichte in Verbindung mit einer feinen Struktur.

Markante Köpfe sind gefordert
Laut Standard ist der Kopf im Verhältnis zur Kleinheit des Tieres recht groß. Er soll kurz und kräftig sein und eine ausgeprägte Backenbildung haben. Die Stirn- und Schnauzpartie wird breit gefordert und die Augen sollen groß sein und etwas hervortreten. Hier stehen die Lohfarbigen von Dominik Wiehle schon vielen anderen Zwergen um nichts nach. Auch die ideale Ohrlänge von 5,5 cm wird bei vielen Tieren schon erreicht. inige Zuchten neigen noch zu recht langen Ohren. Und bei mehr als 6 cm bis zur Höchstlänge von 7 cm gibt es Punktabzüge. Die Ohren sollen zusammenstehend, nach oben leicht v-förmig geöffnet getragen werden und kräftig im Gewebe sein.


Jungrammler aus der Zucht von Dominik Wiehle
mit schöner Brustlohe, intensiver Bauchfabre
und gut gefärbter Blumenunterseite

Die Zeichnung des Lohkaninchens ist maßgebend
Bezüglich der Zeichnung ist die Beschreibung des Lohkaninchens heranzuziehen. Wobei hingegen bei diesen in Position 4 die Kopfzeichnung und in Position 5 die Rumpfzeichnung bewertet wird und bei den Farbenzwergen diese beiden Merkmale in Position 5 zusammengefasst werden. Vom Preisrichter müssen also alle Zeichnungsmerkmale bei der Punktvergabe berücksichtigt werden.

Die lohfarbige Einfassung der Nasenlöcher soll scharf abgegrenzt sein. Dieses ist vor allem bei den Jungtieren anfangs nicht gegeben. Doch auf den Herbstschauen muss diese Forderung natürlich erfüllt werden. Zur Kopfzeichnung gehören zudem die Kinnbackeneinfassung, die bis zum Genick geht, die nicht zu breiten und geschlossenen Augenringe und die beiden lohfarbigen Flecken am Ohrenansatz. Die Ohren müssen stark lohfarbig eingefasst sein. Das gänzliche Fehlen eines Zeichnungsmerkmals wird bei der Bewertung mit „nicht befriedigend“ gestraft.

Die Brustzeichnung soll breit sein und erstreckt sich vom Kinn, zwischen den Vorderläufen hindurch bis zur Bauchfarbe. Der Bauch soll ebenfalls eine feurige Lohfarbe zeigen. Die lohfarbigen Seitenspitzen nehmen etwa zweidrittel der Rumpfhöhe ein. Ebenfalls lohfarbig sind die sogenannten Zehenpunkte, die deutlich in Erscheinung treten. Der Genickkeil soll nicht zu groß sein.
In Bezug auf die Rumpfzeichnung gibt es schon sehr feine Rassevertreter, die mit den großen Lohkaninchen mithalten können. Bei Dominik Wiehle konnte ich etliche Tiere mit einer sehr schönen, gleichmäßigen Seitenzeichnung begutachten, die ebenfalls eine intensive lohfarbige Blumenunterseite haben.

Die Farbe setzt besondere Akzente
Gewünscht ist eine intensive und glänzende Deckfarbe. Je intensiver die Deckfarbe ist, desto ausgeprägter treten die Zeichnungsmerkmale in Erscheinung. Man benötigt natürlich hier, wie auch bei den anderen Rassen, den passenden Zeitpunkt für die Ausstellung. Wenn die Tiere gut durchgehaart sind und „in der Blüte stehen“ haben sie die schönsten Farben. In Vorbereitung auf die Schau kann man hier einiges mit regelmäßigem Bürsten und der passenden Fütterung positiv beeinflussen. Neben den schwarzen Lohzwergen sind auch die blauen, havannafarbigen und fehfarbigen zugelassen. Die Letzteren zählen noch zu den absoluten Raritäten.

Wer das Besondere und vor allem Zwergkaninchen liebt, hat mit den Farbenzwergen lohfarbig bestimmt seine Rasse gefunden. Man muss sich bei der Zucht nur vor Augen halten, dass nicht alle Nachkommen dem Zwergentyp entsprechen und vielleicht etwas zu lange Ohren bekommen oder einfach nicht im gewünschten Gewichtsrahmen bleiben. Aber 100% Ausstellungstiere hat man bei keiner Rasse.
 

Quellnachweis:
P. Rinker, Deutscher Kleintierzüchter, Nr. 17, Ausgabe 13. Sept. 1996
Standard 2004, Zentralverband Deutscher Kaninchenzüchter e.V.

 

 

Zurück