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21. Mai 2018 |
Tipps für Anfänger Kaninchenrassen Schaukalender

Englische Schecken

Die edelste Scheckenrasse

Zweifelsfrei gehören die Englischen Schecken zu den edelsten Scheckenrassen, die wir heutzutage auf Schauen bewundern können. Ihr „sportlicher Typ“ in Verbindung mit einer einzigartigen und vollendeten Kettenzeichnung finden große Faszination und ziehen sowohl Besucher einer Schau als auch Züchter in ihren Bann. Aktuell sind die Englischen Schecken in den Farbenschlägen Schwarz-weiß, Blau-weiß, Thüringerfarbig-weiß und Dreifarbig in unserem Rassestandard zugelassen.

Trotz ihrer Schönheit müssen wir jedoch leider feststellen, dass sich laut TGRDEU diese uralte Rasse mittlerweile auf der Vorwarnstufe der Roten Liste befindet, was vielen Züchtern sicherlich nicht bewusst ist. Die Anzahl der gemeldeten Zuchttiere belief sich beispielsweise im Zuchtjahr 2016 auf insgesamt 2.505 Tiere (Tendenz weiterhin rückläufig), von denen 1.632 Häsinnen und 873 Rammler in allen anerkannten Farbenschlägen deutschlandweit im Zuchteinsatz sind. Blicken wir nur 10 Jahre zurück, so belief sich die Anzahl der Zuchttiere noch auf insgesamt 4.162. Das macht einen prozentualen Rückgang der Zuchttiere um 39,8% aus.

Dieser Rückgang spiegelt sich auch bei den Meldezahlen der Bundesschauen wider. Waren im Jahr 1995 noch 498 Tiere auf der Bundesschau zu sehen, so waren es in Kassel 2015 nur noch 201 in allen vier Farbenschlägen, was ein Minus von 59,6 % ausmacht.

Für mich als Autorin und Züchterin sind diese Zahlen schon in gewisser Weise beunruhigend, denn es könnte in weiteren 10 Jahren sehr schlecht um diese wunderschöne Rasse stehen, wenn sich nicht wieder mehr engagierte Züchter für die Zucht von Englischen Schecken begeistern lassen und die Erfolgsgeschichte weiterführen. Doch woran liegt nun dieser Rückgang explizit? Das möchte ich gern in diesem Rasseporträt näher erörtern.

Die Entstehungsgeschichte der Schecken

Gescheckte Kaninchen sind laut literarischen Aufzeichnungen bereits im 16. Jahrhundert neben einfarbigen Kaninchen immer wieder aufgetaucht.

Der Ursprung unserer heutigen Scheckenrassen geht auf die „Belgischen Landkaninchen“ zurück, die unbestritten zu den ältesten Schecken zählen. Von Belgien aus wurden sie aufgrund ihres Gewichtes von ca. 4 bis 5 kg nach England und Frankreich importiert und dort auf Märkten zu Wirtschaftszwecken verkauft.

Im Jahre 1892 wurde das „Belgische Landkaninchen“ von Altmeister Lorenz Todt aus Mühlheim, von Belgien auch nach Deutschland eingeführt und bereits 1897 in der Klasse „Kreuzungstiere“ auf Schauen gezeigt. Mit Aufnahme in den Standard erfolgte eine Umbenennung der Rasse in „Deutsches Landkaninchen“, die besonders in der Krefelder Gegend gezüchtet worden ist.

Ein charakteristisches Merkmal der „Deutschen Landkaninchen“ war der fehlende Schmetterling – aufgrund dessen wurden sie auch als blanknasige Schecken bezeichnet. Vom „Deutschen Landkaninchen“ wurde eine etwas feinere Knochenbildung gewünscht, welche dann auch ein etwas geringeres Körpergewicht mit sich brachte.

Im weiteren Verlauf der Zucht wurde vermehrt Wert auf das Vorhandensein der Schnauzenzeichnung (Schmetterling) gelegt. In Belgien und Frankreich war bereits eine derartige Rasse unter dem Namen „Papillon“ (Schmetterling) bekannt.

Im Jahre 1904 wurde bereits der internationale Zuchtgedanke in Bezug auf das Vorhandensein des Schmetterlings bestärkt und man fand auf einer Kaninchenschau im französischen Paris „Große Schmetterlingskaninchen“ und auch „Englische Schmetterlingskaninchen“.

Englische Herkunft

Die Englischen Schecken zählen zu den ältesten der uns heute bekannten Scheckenrassen, wenn wir das Holländerkaninchen, das ja eine andere Art von Scheckung ausgebildet hat, außer Betracht lassen.

Bei den Engländern stand bei der Herauszüchtung neuer Rassen immer der sportliche Aspekt im Vordergrund – so auch bei der Herauszüchtung der „Englischen Schecken“, die somit als veredelte Form aus den gescheckten Landkaninchen herausgezüchtet wurden.

Keine der uns bekannten Schecken, wie beispielsweise Deutsche Riesenschecken oder die Rheinischen Schecken, die alle deutscher Herkunft sind, zeigt eine so auffällige Verfeinerung der Scheckenzeichnung wie die Englischen Schecken.

Während nun, wie bereits erwähnt, zur damaligen Zeit in Belgien und Frankreich die gesamte Kaninchenzucht rein auf Wirtschaftlichkeit ausgerichtet war, überließ man den Engländern die kleinere sportliche Zeichnungszüchtung.

Die ersten Scheckenkaninchen waren in ihrer Mehrheit von grau-weißer Farbe (heute: wildfarben-weiß). Schwarz-weiße Rassevertreter kamen hingegen nur selten vor. So auch die Anfangstiere der englischen Zuchtrichtung, die um 1860 hauptsächlich in grau-weiß zu finden waren.

  Rob Bon, 1889; Quelle: Das Englische Scheckenkaninchen Verlag F. Poppe

Ähnlich gescheckte Landkaninchen tauchten zur selben Zeit aber auch bereits in Deutschland auf, die sogar ein sehr gutes Ausgangsmaterial für die gleiche Züchtung darstellten. So befand sich z.B. in der zoologischen Sammlung der Landwirtschaftlichen Hochschule in Berlin ein ausgestopftes Kaninchen von schwarz-weißer Farbe, das 1885 erworben wurde. Dieses Tier zeigte schon alle bei den Englischen Schecken verlangten Zeichnungsmerkmale, wie beispielsweise Schmetterling, Augenringe, Aalstrich und Anlagen zur Kettenzeichnung. Auf jedem Fall war die Zeichnung dieses Tieres schon wesentlich besser als die des bekannten englischen Preisgewinners „Rob Bon“, der 1889 in der englischen Fachpresse als hoher Preisträger gezeigt wurde. Dieser hatte sehr viel Ähnlichkeit mit einem „Brabanter“, von denen ich im letzten Rasseporträt der Holländerkaninchen bereits berichtet habe. Somit können wir davon ausgehen, dass auch Holländerkaninchen zur Entstehung der Rasse beigetragen haben.

In Deutschland haben längere Jahre Verwechslungen zwischen dem Japanerkaninchen und dem Englischen Schecken stattgefunden. Noch bis ins Jahr 1900 wurde dieser Schecke oft als japanisches Kaninchen aufgeführt. Auch im Jahre 1889 wurde die Rasse in England noch nicht unter ihrem heutigen Namen erwähnt.

Aus der alten Literatur tauchten jedoch vielmehr Schecken mit der Bezeichnung „Common Rabbit“ auf, die bereits 1966 in England bekannt waren und deren Entstehung auf die bereits eingangs erwähnten belgischen Landkaninchen zurückzuführen ist.

Ausgestellt wurde diese fein gezeichnete Rasse im grau-weißen Farbenschlag um 1885. Nur zwei Jahre später präsentierten sich in Leeds (eine Großstadt im englischen Metropolitan County West Yorkshire) schwarz-weiße Tiere aus der Zucht von A. Townsend. Im selben Jahr wurde diese Rasse in madagaskarfarbig-weiß (heute: thüringerfarbig-weiß) präsentiert.

Den eigentlichen Aufstieg machten die Englischen Schecken jedoch erst, als dann im Jahre 1891 ein englischer Sonderverein bestimmte Zeichnungsrichtlinien für gescheckte Kaninchen aufstellte. Somit erfolgte eine stufenweise Umzüchtung der Zeichnung, deren Entwicklungsstadien im Laufe weniger Jahre gewaltige Fortschritte machten. Dies hatte eine zahlenmäßig sehr große Verbreitung der Rasse zur Folge. So wurden bereits ein Jahr nach der Gründung schon 59 Tiere ausgestellt und in den nachfolgenden Jahren wurde die Beliebtheit der Rasse so groß, dass 1905 beispielsweise schon 263 Tiere auf der englischen Clubschau vorgestellt wurden, wobei jedoch die grau-weißen Tiere in die Minderheit gerieten. Hier beherrschten die schwarz-weißen und madagaskarfarbig-weißen Rassevertreter eindeutig das Feld.

Import nach Deutschland

Im Jahr 1900 wurden sodann die ersten Englischen Schecken rein englischer Abstammung nach Deutschland eingeführt. Der erste deutsche Züchter, der sich ernsthaft mit dieser Rasse beschäftigte, war wie von Joppich aufgeführt, Leon Courtain aus Gmünden am Main, der den ersten Club der Rasse mit Hans Otto Bamberg gründete, Standardrichtlinien für die Rasse ausarbeitete und in den folgenden Jahren Tiere auf Schauen präsentierte. Diese Tiere standen  in keiner Weise den besten englischen Rassevertretern nach. 

In Norddeutschland befanden sich sehr gute Schiffsverbindungen nach England, aufgrund dessen wurden dann noch mehrfach Tiere aus England nach Deutschland eingeführt und teilweise auch persönlich von Schiffsleuten mitgebracht. Der Umstand, dass diese Züchtung in England als eigentliche Rasse herausgezüchtet wurde, sicherte den englischen Züchtern so auch noch eine zeitlang einen Vorsprung. Dieser bestand vor allen Dingen darin, dass sie lange Jahre einen finanziellen Nutzen hatten, da sie für gute und selbst noch für normal gute Tiere ganz enorme Preise verlangten.

Deutsche Züchter konnten bereits 1912 auf ausländischen Schauen, so auf der Internationalen Ausstellung in Petersburg, auf Tiere eigener Zucht die höchsten Auszeichnungen (Goldmedaille) erringen. Dies war der Verdienst eines Hamburger Züchters, der sich mit den madagaskarfarbigen Tieren sehr feiner Zeichnung an der Schau beteiligte. Auch im übrigen Reichsgebiet wurden um diese Zeit recht gute, fein punktierte Tiere herausgezüchtet. Ein Jahr später in Leipzig, wo von jeher das große Stelldichein aller prominenten Züchter war, erreichte ein gewisser Zuchtfreund Seifert, Neustadt bei Coburg, gleichwertige Ergebnisse. In den nachfolgenden Jahren entwickelte sich eine recht ausgebreitete Zucht. Auch in umliegenden Ländern war das Interesse für diese Rasse sehr groß, sodass die Folgezeit mit sich brachte, dass viele Zuchttiere aus Deutschland in Nachbarländer exportiert wurden.

Neubeginn der Zucht

Der 2. Weltkrieg und die Einstufung in Wirtschaftsrassen hatte zur Folge, dass die Zucht der Englischen Schecken fast völlig am Ende war, denn sie galten zu der Zeit als unwirtschaftlich. Einige Individualisten hielten einzelne Zuchttiere zu der Zeit sogar heimlich in ihren Stallanlagen in einem Versteck. Nach dem 2. Weltkrieg musste quasi aus dem Nichts heraus die Zucht dieser wunderschönen Rasse wieder aufgebaut werden. 

Nun lag in Deutschland auch in der Nachkriegszeit noch das Augenmerk auf Fleischerzeugung. Die Englischen Schecken waren jedoch zu der Zeit nicht das, was sie heute verkörpern. Es waren eher plumpe Tiere.

Bekamen nun damals die Preisrichter Tiere unter 4 kg auf den Preisrichtertisch, so sollen sie ausgerufen haben, dass es gar keine richtigen Engländer seien. Es war ein harter und steiniger Weg bis zur Anerkennung. Wie viele Diskussionen und Überschätzungen von nebensächlichen Merkmalen es wohl gegeben hat, mag man sich nicht vorstellen. So fand man beispielsweise zuerst die Ausläufer auf den Dornfortsätzen der Wirbelsäule sehr schön und besser als einen „Aalstrich“, der eine Breite von 8 bis 9 cm ausweisen durfte.

Doch diesen Herausforderungen stellte man sich und formte das englische Kaninchen zu der wunderschönen Zeichnungsrasse, die wir heute im Standard beschrieben haben. Betrachten wir nun den langen Weg und das Geschick der Pioniere der Englischen Scheckenzucht, die quasi aus vorgeformten Rohmaterial, wie wir anhand von Rob Roy erkennen können, das faszinierende Rassekaninchen von heute geschaffen haben, so verdient diese Zuchtarbeit großen Respekt und Anerkennung.



Dreifarbige Englische Schecken


Reinhold Opfermann hatte sich zum Ziel gesetzt möglichst bunte Kaninchen zu züchten. So wurde 1984 die Idee geboren, die Englischen Schecken dreifarbig zu erzüchten. Eine Rheinische Schecken Häsin und ein schwarz-weißer Englischer Schecken-Rammler waren die Ausgangstiere für dieses Zuchtvorhaben.

Die Nachzucht aus dieser Verpaarung war überwiegend japanerfarbig und teilweise wiesen sie nur mehr oder weniger große weiße Abzeichen auf. Die wenigen Schecken, die aus dieser Verpaarung hervorgingen, zeigten kaum einen Ansatz von Kettenzeichnung. Die nächste Generation hingegen, die auf Rückpaarungen basierte, sah dann schon etwas besser aus. In der Schweiz waren zu der Zeit bereits im Standard dreifarbige Schecken vorhanden, deren Herauszüchtung auf gleichem Wege im Jahre 1967 erfolgte. Diese Tiere entsprachen genau dem Zuchtziel von Reinhold Opfermann.

So importierte er im Jahre 1987 die ersten Tiere von Silvan Christ, Erschwill und Jost Konradi, Oberleittnau nach Deutschland. Mit diesen Tieren und seinem eigenen Zuchtstamm ging die Zucht dann sehr schnell voran. 1988 zeigte somit Reinhold Opfermann erstmals diese Tiere auf der Landesschau in Fulda. Bundesweit erfolgte die erste Vorstellung auf der Bundes-kaninchenschau in Stuttgart im Jahr 1990. Dort präsentierte er sechs dreifarbige Englische Schecken, die dort als Neuzüchtung präsentiert wurden. Unter diesen sechs Tieren war zu der Zeit bereits eine Häsin, die mit dem Prädikat „sg“ ausgezeichnet wurde. Dreifarbigkeit hieß bei dieser so schwierig zu züchtenden Rasse jedoch, dass dies die Zucht nochmals erschwerte. Aber es lag sicherlich an der menschlichen Neugier, sich auch solcher interessanten Experimente anzunehmen, und das bis heute mit Erfolg. Die Nachfrage nach Zuchttieren war erstaunlich groß.

Die Scheckung

Die Scheckung des Haarkleides vieler Haustiere gilt als „das“ Domestikationsmerkmal schlechthin. Schon bei Wildkaninchen können Farbabweichungen gegenüber der Wildfarbe auftreten, jedoch kann auch hier eine Scheckung vorkommen. Wildlebende Kaninchen haben jedoch mit dieser Art von Zeichnung keine Chance zu überleben, da sie sehr auffällig sind und von natürlichen Feinden leichter gesehen werden können.

Doch nun fragen wir uns doch einmal, was „Scheckung“ an sich grundsätzlich bedeutet, wie sie entsteht und welche Arten von Scheckung es heute zu unterscheiden gilt.

Wir unterscheiden in der Rassekaninchenzucht grundsätzlich in zwei Zeichnungstypen, nämlich zum einen die Holländerscheckung – oder auch Plattenscheckung genannt  – und zum anderen die Punkt- oder Fleckenscheckung.

Beide Arten von Scheckung haben gemeinsam, dass sie in der Ausprägung der Merkmale sehr unterschiedlich auftreten können, wie wir an den Beispielen Deutsche Riesenschecken, Rheinische Schecken, Holländer, Mecklenburger Schecken, Dalmatiner und Englische Schecken ganz deutlichen erkennen können.

Die Englischen Schecken zählen zu den Punktschecken und gelten in ihrer ausstellungsfähigen Form als spalterbig. Als reinerbig betrachten wir die homozygoten Weißlinge, die anstelle eines Schmetterlings in der Regel nur noch kleine Überbleibsel links oder rechts der Schnauze aufweisen. Zudem sind sie nur andeutungsweise und meist ungleichmäßig gezeichnet. Ebenfalls reinerbig (homozygot) sind die vollfarbigen Nachkommen aus der Verpaarung zweier typisch gezeichneter Schecken. Die sogenannten „Aussteller“ liegen somit zwischen den beiden reinerbig hell- und vollfarbigen Nachkommen und tragen die Symbole Kk, wobei K als Scheckungsfaktor anzusehen ist.

Der Scheckungsfaktor K ist ein dominater und auch veränderbarer Faktor der Fellfarbe. Er bewirkt, dass bei einem einfarbigen Tier eine Bildung von Farbe flächenartig verhindert wird. Das bedeutet, dass die Ausprägung einer durchgängig gefärbten Fellfarbe gestört wird.

Das Besondere bei der Punktscheckung ist, dass der K-Faktor über die Farbausbildung dominiert, obwohl er für die Entstehung von Typenschecken immer erst den k-Faktor benötigt. Es handelt sich somit bei der Entstehung von Typenschecken um einen intermediären Erbgang. Es ist somit egal, welche reinerbige Farbe das Zeichnungsbild aufweist, die Spalterbigkeit bezieht sich ausschließlich auf die Ausprägung der Scheckung. Es handelt sich somit um eine Gesetzmäßigkeit nach zweiter Mendelscher Regel.

Als Beispiel: Ein Englischer Schecke schwarz-weiß hat die Erbformel ABCDgk/ABCDgK. Aus dieser Erbformel ist deutlich erkennbar, dass es sich grundsätzlich um ein einfarbig schwarzes Tier handelt (ABCDg/ABCDg). Nun finden wir in der Erbformel die Buchstaben k/K, wobei der Scheckungsfaktor K nur einmal vorhanden ist, das ergibt somit den sogenannten Typenschecken, wie wir ihn auf Ausstellungen bewundern können.

Bei der Verpaarung von zwei Typenschecken untereinander haben wir demzufolge vier Möglichkeiten für die neue Zusammensetzung der Erbanlagen in der F1-Generation. Diese sind:

1. KK = 25 % Weißlinge (ABCDgK/ABCDgK)
2. Kk = 25 % spalterbige Typenschecken (ABCDgK/ABCDgk)
3. kK = 25 % spalterbige Typenschecken (ABCDgk/ABCDgK)
4. kk = 25 % reinerbig, einfarbig schwarze Tiere (ABCDgk/ABCDgK)

Dass dieses theoretische Zahlenverhältnis in der Praxis nur sehr selten auftritt, ist jedem Scheckenzüchter bekannt und hat unter anderem folgenden Grund: Es müssten 4er, 8er oder 12er Würfe fallen. Nun treten bei der Neuzusammensetzung der Gene die sogenannten „Weißlinge“ mit der reinerbigen Erbanlage K/K auf, die wie eingangs erwähnt, nur noch sehr geringe Farbanteile aufweisen und deren Zeichnung größtenteils unterdrückt wird. Diese Nachkommen gelten als wenig bis nicht lebensfähig.


 Dieser Rassevertreter ist reinerbigund trägt 
 "kk" in seiner Erbformel. Er kann als
 homozygot einfarbiges Tier auf Schauen
 ausgestellt werden.
 Dieses Tier ist ein sogenannter "Weißling",
 
der bereits die Geschlechtsreife erreicht hat.
 
 

Die vollgefärbten, in unserem Beispiel „schwarzen“ Nachkommen sind ebenfalls reinerbig. Verpaart man diese jedoch untereinander, fallen aus dieser Verpaarung ausschließlich schwarze, ungescheckte Tiere, da sie den Scheckungsfaktor K nicht tragen.

Typenschecken würden somit nur aus der Verpaarung „Weißling“ K/K und einfarbiges Tier k/k fallen. Doch diese Art von Verpaarung wird von erfahrenen Züchtern abgelehnt, da generell die Meinung herrscht, dass die „Weißlinge“ nur eingeschränkt lebens- und zuchtfähig sind. Dies resultiert daraus, dass der K-Faktor mit einem sogenannten Letalfaktor gekoppelt ist. Unter dem Letalfaktor verstehen wir nach mendelschen Regeln eine aufspaltende Erbeinheit, die zum Tode des Trägers führen kann, bevor er die Geschlechtsreife erreicht. 

Nun sind Erbkrankheiten, wie Letale in den meisten Fällen monogen, das bedeutet, sie werden von einem bestimmten Gen beeinflusst bzw. verursacht. Der Scheckungsfaktor K ist so ein Gen, das die Wissenschaftler auch Oligogen nennen. Dieses Gen ist ein unselbstständiges Gen, das durch Anhäufung von sog. Modifikationsgenen bestimmte Merkmale verstärken, abschwächen oder völlig unterdrücken kann. Dies ist jedoch immer vom mengenmäßigen Vorhandensein abhängig.

Es ist richtig, dass der Scheckungsfaktor K eine krankhafte Veränderung im Enzymhaushalt darstellt. In der Fachliteratur unterscheidet man in vier Letalfaktoren:

1. strenger Letalfaktor - alle befallenen Tiere sterben
2. subletale Wirkung - Sterblichkeit von mehr als 90 %
3. semiletale Wirkung - 50 % der Nachkommen erreichen nicht die
    Geschlechtsreife
4. subvitale Wirkung - Sterblichkeit liegt unter 50 %


Diese Auflistung zeigt somit deutlich auf, dass nicht jeder Weißling nach seiner Geburt zum Tode verurteilt ist, weil die Letalfaktoren in unterschiedlicher Stärke enthalten sein können.

Die Zucht der Englischen Schecken

Englische Schecken gelten als sehr frohwüchsig. Die Züchter dieser Rasse legen sehr viel Wert auf Wurfstärke und Aufzuchtverhalten der Häsinnen. Denn große Würfe ermöglichen dem Züchter eine höhere Anzahl an ausstellungsfähigen Typenschecken. Doch auch ein Typenschecke stellt nicht immer das Ideal dar. Auch hier können immer wieder ungewünschte Merkmale auftreten, wie beispielsweise doppelte Backenpunke oder auch das Fehlen von Backenpunkten, wenn wir nur die Kopfzeichnung betrachten.

Die Standard-Fachkommission wird hier mit dem neuen Standard neue Richtlinien ausarbeiten, die sicherlich die Zucht etwas erleichtern und auch den tierschutzrechtlichen Aspekt in den Vordergrund stellen wird.

In der Zucht selbst gibt es die gleichen Schwierigkeiten, wie bei anderen Scheckenrassen auch. Durch die Kettenzeichnung gestaltet sich die Zucht jedoch etwas schwieriger. Die frühere Auffassung, dass durch eine Paarung von zwei Typenschecken ein Ausgleich in der Zeichnung geschaffen wird und auch die Merkmale gefestigt werden, ist bereits durch erbbiologische Forschungen lange überholt. Weißlinge kommen beispielsweise, aufgrund deren mangelnden Vitalität nicht zum Zuchteinsatz, sodass hier bereits aktiver Tierschutz betrieben wird. Vielmehr zieht man bei der Zucht der Punktschecken die Verpaarung eines einfarbigen Tieres (k/k) mit einem Typenschecken (K/k) vor. Dies hat den Vorteil, dass nur noch homozygot einfarbige Punktschecken und Typenschecken aus dieser Verpaarung hervorgehen.

Inwieweit sich jedoch bei diesem Zuchtschema die Zeichnungsmerkmale anhäufen könnten und das klare Zeichnungsbild mit der Zeit verloren gehen könnte, können wir nicht vorhersagen, es ist dennoch möglich. Denn schon Altmeister Friedrich Joppich schrieb: „Die Kunst der Zucht liegt gerade darin, eine saubere, feinpunktierte Zeichnung zu erhalten, die auch farblich die größte Reinheit aufweist.“

Früher konnten die Scheckenzüchter die einfarbigen Nachkommen nur für die Weiterzucht oder Fleischgewinnung verwenden. Die Standard-Fachkommission des ZDRK hat während ihrer Sitzungen in Templin und Ulm jedoch zucht-
lenkende Beschlüsse gefasst und einen Weg geebnet, die den Züchtern nunmehr ermöglicht,  diese einfarbigen Tiere auch auszustellen.

So wurde unter Punkt 6 die Bewertung homozygoter vollständig farbiger Tiere bei den Punktscheckenrassen aufgenommen. Darin heißt es wie folgt:

„Nach dem Abschluss langjähriger intensiver Beratungen hat die Fachkommission mit dem Ziel der gesicherten Umsetzung der entsprechenden Zuchtrichtlinie vom 17.11.2001 Beschlüsse zur Erarbeitung von Bewertungsbestimmungen für homozygot einfarbige Punktschecken gefasst. Die entsprechenden Bewertungshinweise zur Einzeltierbewertung für die Rassen DRSch,  RhSch,  KlSch,  ESch und ZwSch wurden beraten und verabschiedet; sie werden in der Fachpresse und in der Lehrschrift als Ergänzungsblätter zur Entnahme veröffentlicht und in den künftigen Standardtext eingearbeitet. Hinsichtlich der Tiermeldung und Einordnung bei Ausstellungen werden sie wie ein eigener Farbenschlag behandelt; Inkrafttreten 1.10.2015. Weitere Hinweise zur Bewertung der Homozygoten anderer Rassen (z.B. Marderrassen) sind im Beratungsprozess und sollen ebenfalls eingearbeitet werden.“

Der Rassestandard

Die Englischen Schecken werden im Rassestandard unter den Kleinen Rassen geführt. Ihr Normalgewicht beträgt 2,5 kg wobei das Höchstgewicht 3,25 kg nicht überschreiten darf. 

Körperform, Typ und Bau


Der leicht gestreckte Körper weist feine Gliedmaßen auf, die den Englischen Schecken eine mittelhohe Stellung verleihen und so diese edle Scheckenrasse unterstreicht. Die Rückenlinie soll ebenmäßig verlaufen und hinten gut abgerundet sein. Diese spezifische Beschreibung des Rassetyps finden wir bei keiner anderen Rasse im Standard wieder und hat folgenden Grund: Auf einem leicht gestreckten Körper kommt die Rumpfzeichnung erst richtig zur Geltung. Von großer Bedeutung ist dabei eine sehr gute Stellung der Tiere, worauf die Züchter sehr großen Wert legen müssen. Liegt ein Rassevertreter auf dem Preisrichtertisch, geht oftmals rein optisch die Kettenzeichnung direkt in die Seitenflecken am Schenkel über. Der gute Stand bewirkt jedoch, dass die Kette vom Genick beginnend ihre optimale leicht geschwungene Form erhält.


 
Kommen wir nun zu den Gliedmaßen. Diese sollen feiner sein, als bei anderen Kleinen Rassen wie beispielweise bei Lohkaninchen oder Kleinsilber, die wir an dieser Stelle auch als Gegenbeispiele für eine unerwünschte kurz, gedrungene Körperform beim Englischen Schecken erwähnen können. Eine zu feine Körperform hingegen, wie wir sie im Extrembeispiel beim Hasenkaninchen vorfinden, ist ebenfalls nicht gewünscht. 

Der Kopf ist aufgrund der leicht gestreckten Körperform nicht so dicht am Rumpf angesetzt wie bei kurzgedrungenen Rassen, auch sollte er gegenüber kurz, gedrungenen Rassen etwas länger in Erscheinung treten. Dieses Merkmal soll ebenfalls die Eleganz der Englischen Schecken unterstreichen. Dies gilt auch für die Ohren und deren Struktur. Sie sind fein und nicht zu grob in ihrem Gewebe. Auch hier können wir als Gegenbeispiel den Kopf und die Ohren eines Kleinsilberkaninchens heranziehen. Die Ohren des Englischen Schecken müssen insgesamt länger sein als bei gedrungenen Rassen, jedoch ist züchterisch auch ein offen getragenes Ohr anzustreben. Dies mag vielleicht aufgrund der feineren Struktur als absurd klingen, ist jedoch machbar.

Fellhaar

Das Fellhaar der Englischen Schecken ist mittellang, dicht in der Unterwolle sowie fein und gleichmäßig begrannt. Ebenfalls sind die Ohren sehr gut behaart.

Das Fell, insbesondere deren Struktur, spielt bei der Zucht von Englischen Schecken eine sehr entscheidende Rolle. Es ist Träger der rassetypischen Merkmale und sorgt für klare Farben. Es hat somit einen positiven Einfluss auf die Rassemerkmale, denn wie wir wissen, kann die gleiche Zeichnung auf verschieden langen Fellen sehr unterschiedlich wirken.
                                                      
Wichtig ist die feine und gleichmäßige Begrannung, die nicht zu lang sein sollte. Weist ein Tier eine zu lange Granne auf, so würde diese in die feinen Zeichnungsmerkmale hineinreichen, was ein Fehleindruck von der Zeichnung zur Folge hätte und sie verwaschen erscheinen lässt (siehe Bild).

Eine klare Abgrenzung der Zeichnungsmerkmale kommt somit bei einem kurzem und dichtem Fell optimal zum Ausdruck. Ein dichtes Unterhaar gibt dann dem Fell seine so wichtige „Griffigkeit“. Zu beachten ist jedoch, dass das Fell der Englischen Schecken insgesamt von seiner Beschaffenheit nicht mit anderen kleinen Rassen zu vergleichen ist. Es fühlt sich grannenreicher an.

Kopfzeichnung

Die Kopfzeichnung besteht aus dem Schmetterling, den Augenringen, den Backenpunkten und den Ohren. Allgemein betrachtet entspricht somit die Kopfzeichnung die der anderen uns bekannten Punktscheckenrassen.

Als „Schmetterling“ betrachten wir die jeweilige farblich in Erscheinung tretende Zeichnung an der Schnauze. Zum Schmetterling gehört der sog. „Dorn“, von dort aus entfalten sich zu beiden Seiten gleichmäßigder die „Flügel“, die dann den Unterkiefer der Englischen Schecken vollausgeprägt beidseitig einfassen. Beides sind entscheidende Merkmale einer Typenschecke und daher wollen wir hier mal genauer drauf eingehen:

Beginnen wir mit dem „Dorn“. Der aktuelle Rassestandard beschreibt ihn als schön abgerundet. Hinsichtlich Länge und Breite steht jedoch nichts geschrieben. Somit ist davon auszugehen, dass er in seiner Ausprägung ein harmonisches Gesamtbild mit dem Schmetterling ergeben soll. Doch dies liegt sicherlich im Auge des Betrachters und hier stecken die Probleme bei der Bewertung. Eine klare Differenzierung ist so meines Erachtens nicht möglich, denn der eine Preisrichter mag ihn vielleicht etwas länger und der andere etwas kürzer und breiter! Als leichter Fehler wird ein „unschöner Dorn“ beschrieben, doch dies ist meiner Auffassung nach ein weitläufiger Begriff, der keineswegs einen bestimmten Fehler klar definiert. Es fehlt somit an einer klaren Beschreibung des Dorns, die sowohl Größe als auch Breite klar definiert. Auch wenn das auch mit der Kopfgröße und Schnauzpartie zusammenhängt.

Kommen wir nun zu den Schmetterlingsflügeln. Diese müssen wohl geformt und harmonisch proportioniert am Dorn beginnen. Die Flügel entfalten sich am Dorn, erstrecken sich von dort gleichmäßig zu den Mundwinkeln, sodass sie den Unterkiefer optimal einfassen. Allerdings ist hier nicht beschrieben, ob die Einfassung auch das Berühren bzw. das leichte Einfärben des Unterkiefer bedeutet. Genaueres ist nicht dokumentiert, jedoch über Jahre hinweg geschult worden und eine beidseitige leichte seitliche Färbung des Unterkiefers durch die tiefreichenden Flügel erforderlich. Ist dies nicht der Fall, so zieht dies meist folgende typischen Fehler mit sich: Ein schmal angelegter Flügel, sorgt in seiner verringerten Ausprägung dafür, dass der Unterkiefer nicht vollständig erreicht werden kann. Solche Tiere sollten im Übrigen auch nicht zur Zucht eingesetzt werden, denn schmale oder gar einseitige Kiefereinfassung vererben sich hartnäckig. Zwar gelten ja die Englischen Schecken als spalterbige Rasse, was jedoch nicht bedeutet, dass sich Rassemerkmale nicht in einer gewissen Art züchterisch festigen lassen. Diese Festigung ist beispielsweise bei der Ausprägung des Schmetterlings bereits sehr gut erfolgt und in den Linien stabilisiert.

Gelegentlich können leichte Zacken (Ausläufer) am Schmetterling vorkommen, die als leichte Fehler gestraft werden. Als schweren Fehler betrachten wir einen unvollständigen Schmetterling sowie einen fehlenden Dorn, große Zacken in den Schmetterlingsflügeln und ein gänzliches Fehlen der Unterkiefereinfassung oder am Unterkiefer geschlossene Einfassung, die jedoch selten vorkommen.

Die Augenringe werden geschlossen, schmal und gleichmäßig breit verlangt. Eine Ausnahme macht jedoch die häufig auftretende kleine Zacke im oberen Bereich der Augenringe, die nicht als Fehler angesehen wird. Im Übrigen steht die Ausprägung der Augenringe sowie die Zacken genetisch in Verbindung mit der Rumpfzeichnung.

Je feiner die Rumpfzeichnung wird, umso schmaler werden die Augenringe, die Zacke und auch der Ohrenansatz sind in der Regel höher angesetzt. Dies liegt daran, dass der Scheckungsfaktor in Verbindung mit den Modifikationsgenen sich großflächiger über die „Grundfarbe“ der Tiere legt. Dies hat auch zur Folge, dass die Farbe (schwarz, blau, ect.) nicht so kräftig in Erscheinung tritt.

Tiere, bei denen tendenziell größere Seitenflecken in Erscheinung treten, zeigen oftmals etwas breitere, aber auch gleichmäßigere Augenringe, bei denen die Zacke kaum noch erkennbar ist. Hier bleibt es sicherlich spannend, wie im neuen Rassestandard 2018 die Beschreibung ausfallen wird. 

Als weiteres Zeichnungsmerkmal der Kopfzeichnung werden die freistehenden Backenpunkte angesehen, die sich unterhalb der Augenringe befinden und sowohl rund als auch oval in Erscheinung treten dürfen. Auch hier finden wir jedoch keinerlei Angaben im Rassestandard zur Größe, was eine Differenzierung deutlich erleichtern würde.

Es kann vorkommen, dass in einem Wurf Jungtiere mit ein- oder beidseitig anhängenden Backenpunkten, ein- oder beidseitig doppelten Backenpunkten sowie fehlenden Backenpunkten fallen, dies wird jedoch immer als schwerer Fehler angesehen. Ebenso wie nicht geschlossene Augenringe. Doch ab wann wird ein doppelter Backenpunkt als doppelter Backenpunkt angesehen und ab wann als Spritzer? Auch dies liegt sicherlich im Auge des Betrachters. Ist es ein Spritzer, wenn er kleiner ist als der eigentliche Backenpunkt, oder ist ein Spritzer eine minimale Anhäufung von farblichen Haaren in der weißen Farbe? Eine genaue Größe wird hier im Standard nicht beschrieben und somit liegt hier die Entscheidung beim Preisrichter. Ebenso kann es vorkommen, dass ein zweiter Backenpunkt, zwischen Kinnbacke und Rumpf auftaucht. Fraglich ist natürlich in welcher Position in dem Fall gestraft wird? Auch hier ist im Rassestandard nichts beschrieben.

Als letztes Zeichnungsmerkmal in der Position 4 fließt die  Ohrenzeichnung der Englischen Schecken in die Bewertung ein. Sie setzt sich an der Ohrwurzel scharf am Kopf ab.
 
Rumpfzeichnung

Typisch für die Englischen Schecken ist deren auffällige Rumpfzeichnung. Diese wird aus dem Aalstrich und den beidseitigen Ketten und Seitenflecken gebildet. Der Aalstrich beginnt unmittelbar hinter den Ohren im Nacken und zieht sich, etwa 2 cm breit, gleichmäßig wie ein Pinselstrich bis hin zur Blumenspitze. Ist er zwischendurch unterbrochen gilt dies als schwerer Fehler. Ist der Aalstrich jedoch im Bereich vom Genick bis zum Ende der Schulterblätter sowie im Bereich der hochgelegten Blume unterbrochen, so stellt dies einen leichten Fehler dar. 

Die charakteristische Kettenzeichnung beginnt seitlich hinter den Ohrwurzeln im Nacken und verläuft fein punktiert, mehrreihig, schräg oder leicht gewölbt bis zu den Weichen und stellt dort in größeren Punkten den Übergang zu den Seitenflecken her. Die Seitenflecken sind klein, stehen einzeln frei und bedecken die Lenden- und Schenkelpartie. Etwa vorhandene Flecken an der Brust, Bauch, Läufen oder an der Unterseite der Blume bleiben unberücksichtigt.

Zu achten ist insbesondere auf die Feinheit der Zeichnung. Was beispielsweise bei einem Kleinschecken als kräftig gezeichnet wirkt, würde bei einem Englischen Schecken als grob und unfein ausfallen. Gerade die exakten und feinen Punkte zeichnen die Rumpfzeichnung aus und stehen im Gesamtbild harmonisch im Einklang zwischen den Körperproportionen und den Zeichnungsmerkmalen.

Hier liegen selbstverständlich die züchterischen Schwierigkeiten, denn zum einen können Tiere zu einer einreihigen Kette neigen und zum anderen können Kettenpunkte ineinander übergehen, sodass es zu einer Strichbildung kommt. Eine zweireihig aufgelockerte und freistehende Zeichnung weist häufiger Unterbrechungen auf, als eine breit angelegte etwas volle Zeichnung. Doch sind die Seitenflecken zu groß ausgefallen, so kommt es auch hier zu einem unsauberen und verwaschenem Zeichnungsbild. Auch sind ungleichmäßige Ketten oder gar eine sehr hohe Zeichnung im Bereich der Schenkel keine Seltenheit. Oft findet man gerade im Beckenbereich hochstehende Punkte, die im Extremfall zu stark zusammenhängenden Zeichnungsmerkmalen mit dem Aalstrich führen können und einen schweren Fehler darstellen.

 Bei diesem Tier sind sowohl hochgestellte
 Punkte als auch ein unterbrochener Aalstrich

 vorhanden
.
 Dieses Tier zeigt eine ungleichmäßige
 Seitenzeichnung.
 

Schwierig wird es bei der Bewertung, da zu allem Überfluss beide Körperseiten voneinander abweichen, d.h. das eine Seite wirklich sehr schön gezeichnet sein kann, die andere hingegen vielleicht nicht mal die kleinsten Anforderungen erfüllt.

Das Zeichnungsmuster hat sich durch intensive Zuchtarbeit sehr stark verbessert, was durch die Festigung von Modifikationsgenen im Zusammenspiel mit dem Scheckungsfaktor schon gut gelungen ist. Eine Einengung der mendelschen Merkmale ist hier im gewissen Maße somit möglich, aber nur schwer zu erreichen, denn außer der Zeichnung stehen selbstverständlich weitere Rassemerkmale im Fokus.

Farbe

Zugelassen sind die Englischen Schecken in den Farbenschlägen Schwarz-weiß, Blau-weiß, Thüringerfarbig-weiß und Dreifarbig. Die Grundfarbe wird im Standard in Deck- und Unterfarben als rein weiß beschrieben. Doch wer jetzt aufmerksam gelesen hat, der wird an dieser Stelle feststellen, dass aus genetischer Sicht, das reine Weiß nicht die Grundfarbe der Englischen Schecken darstellt, sondern die im jetzigen Standard beschriebene jeweilige Zeichnungsfarbe.
Da sich ja nun der Scheckungsfaktor in seiner weißen Ausprägung über die jeweilige Grundfarbe legt, müsste hier eine Änderung der Bezeichnungen angestrebt werden. Zeichnungsfarbe wäre somit das reine Weiß. Zu den Grundfarben hingegen zählen die anerkannten
 Farbenschläge schwarz-weiß, blau-weiß, thüringerfarbig-weiß und dreifarbig.

Die zur Zeit beschriebenen „Zeichnungsfarben“ schwarz bzw. blau sollen rein und nicht mit andersfarbigen Haaren durchsetzt sein und zudem einen guten Glanz besitzen.

Die Zeichnungsfarbe der thüringerfarbigen Rassevertreter ist gelblichbraun und mit einem rußartigen Anflug versehen, der an den kurz behaarten Zeichnungsmerkmalen wie Kopf, Nase und Ohren am stärksten in Erscheinung tritt. Die Kette ist etwas heller getönt.

Da sich ja bekanntlich bei den „Thüringer-Kaninchen“ an den Seiten und der Hinterschenkel ein breiter, rußartiger dunkler Streifen in Erscheinung tritt, sprich sich in diesem Bereich die Abzeichen des Thüringers befinden, so kommen diese auch bei den thüringerfarbig-weißen Englischen Schecken zum Vorschein. In der Mitte der Schenkel hingegen, verändert sich wiederum die Farbe in die eigentliche Deckfarbe der Thüringer. Diese stellt ein gelbrötlich braun mit dunkel gespitztem Grannenhaar dar.

So kommt es in dem Bereich vor, dass dort zweierlei Zeichnungsfarben auftreten. Zum einen weisen die Punkte in dem Bereich eine gelbrötlich braune Farbe auf und zum anderen treten dunkle Punkte zum Vorschein, die laut derzeitigem Rassestandard jedoch zum Ausschluss führen müssten. Auch die Unterfarbe variiert an diesen Stellen – findet jedoch keine Beschreibung im Standard. Die Zeichnungsfarbe der Dreifarbigen ist schwarz-gelb. Sie ist ebenfalls rein und nicht mit andersfarbigen Haaren durchsetzt. Mit der Ausnahme der Backenpunkte, die einfarbig sein dürfen, müssen alle Zeichnungsmerkmale zweifarbig sein. Der Anteil der Zeichnungsfarbe schwarz und gelb sollte zudem annähernd im gleichen Verhältnis stehen.

Fazit

Dieses einzigartige Erscheinungsbild der Kettenzeichnung fasziniert fast alle Züchter der Welt. Allerdings sind eben die Anforderungen an eine Scheckenzucht nun mal sehr hoch gesteckt, so dass bis jetzt viele Züchter eher Abstand davon genommen haben. Da nun aber der Zuchtstand bei den Englischen Schecken doch schon hoch ist und es dabei die Dreifarbigen auch wieder aus dem Tal geschafft haben, könnten die neuen Standard-
vorschriften tatsächlich wieder für einen Aufschwung bei ihnen und den übrigen Punktscheckenrassen sorgen.

 

Marina Walks
Quelle: Kaninchenvererbung Band 1 von Heidrun Eknigk
Unsere Kaninchen, Handbuch der Kaninchenzucht von 1942

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