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19. Dezember 2018 |
Tipps für Anfänger Kaninchenrassen Schaukalender

Drinnen oder draußen – Haltungsformen im Vergleich

In freier Wildbahn sind die scheuen Kleintiere nur sehr selten zu beobachten. Für eine artgerechte Haltung muss vor allem für genügend Auslauf gesorgt werden.
 
Bildquelle: pixabay, © Katrien_Frison, CC0 Public Domain

Wer sich ein Kaninchen oder ein anderes Kleintier anschaffen will, sollte sich rechtzeitig mit den Möglichkeiten der verschiedenen Haltungsformen auseinandersetzen. Ob ein Tier drinnen oder draußen gehalten wird, hängt vor allem vom Platz ab, der individuell zur Verfügung steht. Bei beiden Arten ist es machbar, für den Nager eine artgerechte Umgebung zu schaffen. Dennoch gibt es gewisse Eigenheiten zu beachten.
 
Egal ob ein einzelnes Kaninchen oder eine ganze Zucht: Für die Tiere ist sowohl eine Haltung im Freien als auch drinnen denkbar. Wenn bestimmte Punkte erfüllt werden, können sich die Kleintiere in einem Gehege oder Stall in beiden Fällen wohl fühlen. Was genau jeweils bedacht werden muss und welche Haltungsform wann die bessere ist hängt dabei von verschiedenen Kriterien ab. 

Das Hauskaninchen

Einzelne Tiere werden von vielen Familien gerne als Spielgefährten für die Kinder oder als Hobby in der Freizeit gehalten. Dabei sind Kaninchen eigentlich sehr schreckhafte Fluchttiere und sollten nicht als Spielzeug dienen. Da es sich um sehr soziale Tiere handelt, ist es auch ratsam, mindestens zwei Exemplare zusammen zu halten, damit sie nicht alleine sind.
 
Nicht alle Kaninchen sind dafür geeignet, in unseren Breitengraden im Freien gehalten zu werden, da einige kein ausreichendes Winterfell ausbilden. Folgende Rassen sollten zumindest im Winter drinnen bleiben:

  • Rexkaninchen
  • Angora Kaninchen
  • Teddyzwerge
  • Löwenköpfchen
  • Sehr kleine Zwergkaninchen
     
1. Platzbedarf

Der relativ große Platzbedarf von Kaninchen sollte auch bei einer Haltung in der Wohnung respektiert werden. Handelsübliche Kleintierkäfige sind dafür in der Regel zu klein. Pro Tier sollte mit einer Grundfläche von etwa zwei Quadratmetern gerechnet werden. Bei mehreren Kaninchen ist somit auch genügend Raum für das charakteristische Revierverhalten.
 
Statt eines Stalls haben sich hier größere Gehege oder eigene Kaninchenzimmer bewährt. Ausgerüstet mit einem Unterschlupf, verschiedenen Beschäftigungsmöglichkeiten, sowie dem Futter- und dem Toilettenplatz können die Tiere dort eigenständig umherhoppeln und bekommen ausreichend Bewegung.
 
Alternativ zu den Käfigen aus den Tierhandlungen kann auch ein eigenes Gehege gebaut werden. Wenn die Außenwände etwa einen Meter hoch sind, darf der Käfig dann oben offenbleiben. So wird eine bessere Luftzirkulation gewährleistet. Auch ein kleineres Gehege mit der Möglichkeit zu einem Freilauf ist denkbar.
 
Folgende Einrichtungsgegenstände sollten bei einer Haltung im Haus vorhanden sein:

  • Schlafplatz: Für jedes Tier sollte ein eigener Platz zur Verfügung gestellt werden. Ein Haus oder anderer Unterschlupf wird dazu mit ausreichend Kleintierstreu (ca. fünf Zentimeter) als bequeme Schlafunterlage versehen. Darüber empfiehlt sich eine zusätzliche Lage Stroh oder Heu.
  • Toilettenplatz: Hier eignet sich ein Katzenklo, das mit passendem Kleintierstreu ausgestattet wird. Katzenstreu darf nicht verwendet werden, da es möglicherweise gefressen werden und zu verschiedenen Erkrankungen führen kann.
  • Buddelkiste: Um dem Buddeltrieb der Tiere gerecht zu werden eignet sich eine Kiste mit Sand.
  • Wasserschale: Eine Schale ist für Kaninchen die artgerechtere Weise, Wasser aufzunehmen. Auch bezüglich der Reinlichkeit sind diese in manchen Fällen zu bevorzugen. Da meist nur grober Schmutz hineingerät, lässt sich die Schale zügig reinigen. Bei Wasserflaschen muss sehr penibel auf Sauberkeit geachtet werden, da sich sehr schnell Bakterien oder Algen bilden können.
  • Futternapf: Ein stabiler großer Napf kann von mehreren Tieren gleichzeitig genutzt werden und wird nicht so schnell umgestoßen.  
  • Nagemöglichkeiten: Um Einrichtungsgegenstände wie das Häuschen oder Klettermöglichkeiten zu schützen sollte den Tieren eine andere Gelegenheit zum Nagen zur Verfügung gestellt werden. Äste, Zweige oder Rinden sollten dafür regelmäßig ausgetauscht und erneuert werden.
     
Die geselligen Kleintiere teilen sich gerne einen Futternapf. 
                                                             Bildquelle: pixabay, © Felber, CC0 Public Domain

 
 
2. Erziehung zur Stubenreinheit

Bei einer Haltung im Haus, können die Tiere wie Katzen zur Stubenreinheit erzogen werden. Werden die Kaninchen beobachtet, kann genau herausgefunden werden, welche Ecke bevorzugt als Toilettenplatz genutzt wird. An diese Stelle sollte dann das Katzenklo platziert werden. Dennoch kommt es immer wieder vor, dass auch im übrigen Gehege Köttel verteilt werden. Deshalb ist es notwendig, diese regelmäßig zu entfernen.

3. Besonders zu beachten

Für die Kaninchen sollte ausreichend Möglichkeiten, sich zu beschäftigen vorhanden sein. Neben den verschiedenen Spielsachen ist auch eine größere freie Fläche zum Toben und Springen vorzusehen, damit die Tiere dort ihren Bewegungsdrang ausleben können. Wird es den Kleintieren langweilig, weil die Umweltreize von außen fehlen, werden sie sich anderweitig Beschäftigung suchen. Dies kann dazu führen, dass sie Einrichtungsgegenstände unkontrolliert anknabbern, die Toilettenkiste ausbuddeln oder sich gegenseitig am Fell knabbern.

4. Raumklima

Die Tiere fühlen sich in der Regel zwischen 15 und 20 Grad Celsius am wohlsten. Deshalb muss im Sommer auch drinnen für eine angenehme Raumtemperatur gesorgt werden. Ventilatoren sind zur Belüftung nicht geeignet, da die permanente Zugluft zu Augenentzündungen oder Erkältungen führen kann.
 
Zudem darf die Luft auch im Winter nicht zu trocken sein. Eine Luftfeuchtigkeit von etwa 50 Prozent ist ideal. Hier kann bei Bedarf mit einem Luftbefeuchter oder Verdunstungsschalen auf der Heizung nachgeholfen werden.

Nicht alle Kaninchen eignen sich für eine Haltung im Freien. Nur wenn ein schützendes Winterfell ausgebildet werden kann, dürfen die Kleintiere bei niedrigen Temperaturen draußen bleiben.
 
Bildquelle: pixabay, © 753446, CC0 Public Domain

Kaninchen draußen halten

Ohne Bedenken können die Kleintiere auch in einem Stall oder Gehege im Freien gehalten werden. Hier spielt vor allem der Witterungsschutz – sowohl vor Kälte und Feuchtigkeit, als auch vor Hitze und starker Sonneneinstrahlung – eine Rolle. Dies gilt nicht nur für den Schlafplatz und Unterschlupf, sondern auch für den Futterplatz. Mit verschiedenen Maßnahmen kann dafür gesorgt werden, dass Wasser- und Futternapf frostfrei bleiben.
 
Außerdem sollte sichergestellt werden, dass keine unerwünschten Eindringlinge wie Marder oder Füchse in das Gehege eindringen können.
 
1. Käfige oder Buchten im Freien

Für mehrere Tiere oder eine ganze Zucht bietet sich meist eine platzsparende Haltung in ausreichend großen Käfigen an. Diese können auch übereinandergestapelt werden. Die Buchten dürfen nicht ungeschützt in der Sonne aufgestellt werden. Auch Zugluft ist zu vermeiden, wobei gleichzeitig eine ausreichende Belüftung gewährleistet sein muss. 
 
Die Käfige sollten auch zum Reinigen gut zugänglich sein. Zumindest für den Boden sollte ein urinbeständiges Material (z. B. Siebdruckplatte) verwendet werden. Da die Tiere keine extreme Hitze vertragen, ist im Sommer für Schatten und gute Belüftung zu sorgen. Im Winter sollte gegebenenfalls noch ein zusätzlicher Kälteschutz angebracht werden. Ideal wäre der Zugang zu einem geschützten Freigehege.
 
2. Außenhaltung im Freiland
 
Wenn kein Bodenfrost vorhanden ist, können die Kaninchen auch komplett in einem Außengehege gehalten werden. Meist ist es so möglich genügend Auslauf zur Verfügung zu stellen. Dennoch sollte ein witterungssicherer Unterschlupf vorhanden sein. Dies kann eine geschützte Hütte oder ein Verschlag sein, der mit ausreichend Stroh und Heu ausgepolstert ist.
 
Auch im Freiland sollten die Tiere nicht alleine sein, damit sie sich bei kalten Temperaturen gegenseitig wärmen können. Für den Sommer sollten zudem schattige Plätze vorhanden sein. Wenn ein paar Punkte berücksichtigt werden, ist die Haltung im Freien sehr artgerecht und bietet einige Vorteile:
 

  • Schlafplatz: Je nach Witterung muss ein geschützter Stall vorhanden sein oder die Tiere schaffen sich durch Buddeln eine eigene Höhle. Diese kann zusätzlich mit Holz- oder Steinplatten geschützt und mit Stroh und Heu ausgepolstert werden.
  • Toilettenplatz: Im Freien suchen sich die Kaninchen selbst ihren Ort, an dem sie sich erleichtern. Je nach Größe des Auslaufs muss trotzdem für ausreichend Sauberkeit gesorgt werden.
  • Futterplatz: Dieser sollte ebenfalls vor Sonne und Regen geschützt sein. Wasser muss regelmäßig getauscht und nachgefüllt werden. Auch hier ist in jedem Fall auf Hygiene und Sauberkeit zu achten. 
  • Buddeln und Nagen: Im Freien bieten sich den Tieren vielfältige Möglichkeiten, ihren Bedürfnissen nachzukommen. Da teilweise sehr tief gebuddelt wird, muss das Gehege auch hier ausreichend Schutz bieten, damit die Kaninchen nicht flüchten können. 

Fazit

Beide Haltungsformen bieten verschiedene Vor- und Nachteile. Drinnen muss den Kleintieren genügend Abwechslung sowie ausreichend Bewegungsmöglichkeit zur Verfügung gestellt werden. Einrichtungsgegenstände sind vor unerwünschtem Benagen zu schützen. Ein ausgewogenes Raumklima und ein sauberes und hygienisches Gehege sorgen für gesunde Tiere.

Ein mit Stroh gepolsterter Käfig ist für die Haltung im Freien gut geeignet. Mit einem geschützten Gehege auf einer Wiese kann den Tieren noch mehr Auslauf geboten werden.                                                                         Bildquelle: Fotolia, © dglimages

 
Im Freien bietet sich den Kaninchen in einem Außengehege meist automatisch mehr Abwechslung, und Möglichkeiten, ihrem Nage- und Buddeltrieb nachzugehen. Draußen ist auf einen ausreichenden Witterungsschutz sowie ebenfalls große Sauberkeit im Stall zu achten, um verschiedene Krankheiten vorzubeugen.
 
Haben die Tiere drinnen oftmals unter Bewegungsmangel und schlechtem Raumklima zu leiden, ist bei der Freilandhaltung darauf zu achten, das Gehege auch vor dem Einschleppen von Krankheiten durch andere Tiere oder verschiedene Umwelteinflüsse zu schützen. Dafür sollten die Kaninchen regelmäßig beobachtet und auf Parasiten oder Krankheiten untersucht werden. Regelmäßige Kontrollbesuche beim Tierarzt und ein passender Impfschutz sind bei beiden Haltungsformen ratsam. 

Ein Artikel von Martina Sandhaus
 

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