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19. Dezember 2018 |
Tipps für Anfänger Kaninchenrassen Schaukalender

Die tierschutzgerechte Haltung von Kaninchen

Wer sich ein Kaninchen zulegen möchte, der muss sich insbesondere mit tierschutzgerechten und somit zum Wohl der Tiere ausgerichteten Haltung von Kaninchen auseinander setzen. Um den Tieren jedoch eine artgerechte Haltung anbieten zu können, muss man als Hobbyzüchter und Halter mit den ethischen Grundsätzen der Kaninchen vertraut sein. Nur dann kann eine optimale, auf die Bedürfnisse der Kaninchen abgestimmte Unterbringung gewährleisten und eine erfolgreiche Haltung zum Wohl der Tiere garantieren.

Die Ethologie unserer Kaninchen

fotolia - Bernd Wolter

Kommen wir nun zuerst zu den Verhaltsweisen der Wildkaninchen, von denen unsere Kaninchen bekanntermaßen abstammen. Sie leben in der freien Wildbahn in kleinen oder größeren Gruppen. Meist bestehen diese so genannten Kolonien aus einem männlichen und mehreren weiblichen Tieren sowie deren Jungtiere. In der Kolonie bildet sich eine feste Rangordnung innerhalb der einzelnen Geschlechter, sodass jedes einzelne Tier in der Gruppe genau seinen individuellen Stellenwert besitzt. Ein ranghohes Tier schafft sich durch drohen und beißen Distanz, wobei es bei den rangniedrigen Tieren zu Verletzungen und permanentem Stress kommen kann.

Das friedliche Zusammenleben der Wildkaninchen wird durch den Wechsel zwischen Nähe und Distanz durch die Nutzung von weitläufigen Flächen sowie deren natürlichen Gegebenheiten wie z.B. Büsche, Steine, Erhöhungen oder sogar durch aktiv von den Kaninchen gestalteten Rückzugsmöglichkeiten (Erdröhren), die auch insbesondere beidrohender Gefahr von ihnen genutzt werden, gewährleistet. Ihr Revier markieren sie durch das Absetzen von Kot, Urin und durch Drüsen unterhalb des Kinns. 

Kaninchen sind dämmerungsaktiv, oftmals kann man sie jedoch auch beim Sonnenbaden am frühen Morgen beobachten. Die Phasen des Ruhens und der Aktivität wechseln ständig. Droht plötzlich Gefahr signalisieren sie dies ihren Artgenossen durch lautes "Pfeifen" und klopfen mit ihren Hinterläufen auf die Erde, was auch als sogenanntes „trommeln“ bezeichnet wird. Die einzelnen Mitglieder der Kolonien greifen dieses "trommeln" auf, damit auch jedes Mitglied gewarnt wird.

Der ursprüngliche Lebensraum der Kaninchen waren karge Biotope mit guter Deckung und einem trockenen Untergrund, mit Grabemöglichkeiten, in denen sie in Gruppen in duftmarkierten Territorien (Kot, Urin, Kinndrüsensekret) leben. Sie haben jedoch eine gute Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Biotope, was dazu führte, dass sie sich auch in urbanen Bereichen angesiedelt haben. Sie nehmen in ihren Aktivitätsphasen Futter in kleinen Portionen auf (ca. 90 mal in 24 Stunden). Dies ist erforderlich, um den Nahrungsbrei vom Magen in den Dünndarm zu befördern, denn die Magenmuskulatur ist beim Kaninchen nur schwach entwickelt. In dem umfangreichen Dickdarm wird die Zellulose aufgeschlossen, eine Anpassung an die rohfaserreiche Ernährung in den ursprünglichen Lebensräumen. Eine Besonderheit der Kaninchen ist, dass sie einen ausgeprägten Nagetrieb haben, den sie an Ästen und Zweigen, aber auch an trockenen Halmen, Stängeln und jungen Pflanzen ausüben.

Kaninchen bewegen sich langsam in hoppelndem Gang, nur auf der Flucht sind sie deutlich schneller. Jungtiere bewegen sich häufiger spontan und schneller als Alttiere, wobei sie charakteristische Haken schlagen und Sprünge machen. In der Ruhephase liegen sie lang ausgestreckt in Seiten- oder Bauchlage, junge Tiere häufig in Kontakt mit Artgenossen.

Dieses Wissen, gibt uns die ethischen Bedürfnisse und das arttypische Verhalten unserer Rassekaninchen vor, denn trotz der Domestizierung sind den Rassekaninchen die ethischen Verhaltensmerkmale und Bedürfnisse erhalten geblieben, welche bei jeder Haltungsform der Tiere stets zu berücksichtigen sind.

Gruppenhaltung zur Kontaktpflege

Bei der Gruppenhaltung ist eine gewisse Sachkunde durch den Halter Grundvoraussetzung. Niemand sollte sich dieser Haltungsform verschließen, nur weil sie bedeutet, noch mehr Acht auf seine Schützlinge zu geben. Denn es ist doch für jeden Halter eine Bereicherung, wenn sich mehrere Kaninchen oder Kaninchenfamilien in Gruppen in einer Box, einem Gehege oder einem Freilauf vergnügt bewegen; hierbei rennen, laufen oder herumspringen und sie somit ihren natürlichen Bedürfnissen nachkommen können. So wird auch das Sozialverhalten der Tiere gestärkt. Für die Gruppenhaltung eignen sich insbesondere große Gehege.

Bei der Gruppenhaltung ist jedoch besondere Sorgfaltspflicht und Erfahrung durch den Halter angesagt. Die Tiere müssen ausreichend Platz haben, um das "Nähe- und Distanz-Verhältnis" wahren zu können. Auch Rückzugsmöglichkeiten müssen für die Tiere geschaffen werden. Die einzelnen Tiere für die Gruppen müssen gezielt nach Charaktereigenschaften zusammen gestellt werden, um heftige Rangordnungskämpfe mit Beißereien und Verletzungen zu unterbinden. Zu dominante Tiere in einer Gruppe lösen bei subdominanten Tieren erheblichen Stress aus, der zu Erkrankungen führen kann. Somit ist es die Aufgabe des Halters, die Tiere zu beobachten und "Quertreiber" aus der Gruppe zu entfernen. Auch ist zu beachten, dass sich nicht jede Rasse für eine Gruppenhaltung eignet.

Freilandhaltung – der Himmel auf Erden

Für viele Tierfreunde gilt diese Haltungsform als "der Himmel auf Erden". Sicherlich bietet die Freilandhaltung den Kaninchen viele Geruchs-, Nage- und Fressreize sowie die Möglichkeit, sich ausdauernd zu bewegen, zu hüpfen, zu hopsen und zu rennen. Auch anderen Beschäftigungsmöglichkeiten kann dort nachgegangen werden, z.B. Scharren und Graben. Allerdings müssen auch bei dieser Haltungsform Rückzugsmöglichkeiten geschaffen werden. Hier sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt. Vom ausgehülltem Baumstumpf, über einen Strohballen, bis hin zum Kaninchenpalast, alles nehmen die Tiere sehr gerne an.

Aber "der Himmel auf Erden" birgt auch Gefahren für die Hauskaninchen, die bei der Planung eines Freilandgeheges unbedingt beachtet werden müssen. Denn neben dem Wetter und unterschiedlichen Temperaturen sind hier die Kaninchen auch noch ihren natürlichen Räubern ausgesetzt. Neben Marder, Fuchs und Co. muss man hier unbedingt auch an Hund und Katz oder Angriffen aus der Luft rechnen – Greifvögel und Eulen finden mit den Hauskaninchen doch oft unerfahrene und einfache Beute.



Aus diesem Grund müssen Freilandgehege im Garten besonders gesichert werden. Es empfiehlt sich beispielsweise, den Kaninchenzaun ausreichend (ca. 50 cm) in der Erde einzugraben, damit sich nicht das ein oder andere Kaninchen unter dem Zaun durchbuddelt und im privaten Garten auf Entdeckungstour geht. Auch schützt diese Maßnahmen vor anderen Räubern, die sich ggfs. unter dem Zaun ins Innere des Geheges hindurchgraben könnten. Zudem sollte das Freilandgehege im oberen Bereich durch einen Kaninchendraht verschlossen sein.

Weiterhin sollte darauf geachtet werden, dass den Tieren im Sommer genügend Schatten zur Verfügung steht.

Kontakt zu den Tieren bewahren

Wichtig bei einer Gruppenhaltung sowohl im Freien, als auch in Innengehegen ist der regelmäßige direkte Kontakt zu den Lieblingen. Wird dieser Kontakt nicht gewahrt, so kann es dazu führen, dass die Kaninchen scheu werden, oder gar ein wenig verwildern. Ist der Kontakt dann nicht mehr so gegeben, kann der Halter die Kaninchen auch nur noch schwer kontrollieren. Diese Kontrollen auf Wohlbefinden, Verletzungen oder Krankheiten sind sehr wichtig, denn in Gruppenhaltung ist z.B. auch eine gezielte Behandlung einzelner oder mehrerer Tiere sehr schwierig. Auch die Futteraufnahme der einzelnen ist schwer einzuschätzen und ein Fall mit Parasiten oder Schadinsekten ist nur schwer auszumachen. Womit wir beim Thema "Zecken" wären, die natürlich bei der Freilandhaltung immer wieder in den Fellen unserer Schützlinge gefunden werden. Dessen sollte man sich bewusst sein.

Viele Faktoren entscheiden


Wie man schlussendlich seine Kaninchenhaltung plant, um den Tieren eine art- und tierschutzgerechte Unterbringung zu ermöglichen, ist jedermanns eigene Entscheidung, welche aber von sehr vielen anderen Faktoren beeinflusst wird. Das beginnt bei den baurechtlichen Vorschriften, nach denen dann die gesamte Planung aufgebaut werden kann. Denn Größe und Platz bestimmen auch die Rasse und die Arbeitszeit und Futterbeschaffung müssen am Ende auch gut organisiert sein. Und ob nun die Kaninchen in einem Außen- oder Innengehege untergebracht sind, ist unrelevant, wenn sich der Halter an die Vorgaben zum Schutz der Tiere hält. Letztendlich muss man nur das Beste für sich und die Kaninchen herausholen, denn nur ein glückliches Kaninchen hat einen glücklichen Halter!


Marina Walks
Markus Grillenbeck
 

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