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24. September 2019 |
Tipps für Anfänger Kaninchenrassen Schaukalender

Die Genetik hototfarbiger Rassen

Hototfarbige Rassen
Punktscheckungsanteile
Plattenschungsanteile/Holländerfaktoren
Stellungnahme Henry Majaura zum Beitrag

Bernhard GluttingEinzigartig sind sie zweifelsfrei. Nicht nur hinsichtlich des aparten Erscheinungsbildes sondern auch im Bezug auf die Genetik, die hototfarbigen Kaninchenrassen.

Begonnen mit der Ursprungsrasse Weiße Hotot wurden im Laufe der Zeit Farbenzwerge hototfarbig und auch Zwergwidder hototfarbig herausgezüchtet. Auf der Europaschau 2004 in Prag war sogar eine hototfarbige Rexkaninchenhäsin zu bewundern.

Weiße Hotot Hotot-Rex
Ursprungsrasse Weiße Hotot, beeindruckend, apart und schön anzusehen.
Eine Rarität: Hotot-Rex. Diese Häsin wurde auf der 25. Europaschau 2006 in Leipzig ausgestellt von Josef Jilek, Budislav CZ und mit 95.0 Pkt. bewertet.
 

Das anziehende Erscheinungsbild, bei dem die schwarze Zeichnungsfarbe nur bis auf schmale Augenringe zurückgedrängt ist, ist bei allen drei Rassen mit der Erbformel ABCDgKs1,… / ABCDgks1,… gekennzeichnet.

Hierbei bedeutet der Anteil ABCDg die schwarze Grundfarbe. Vereinzelt fallen auch Tiere mit andersfarbigen Augenringen. So befanden sich in den Anfangsjahren meiner Hototzucht auch Tiere mit brauner und blauer Zeichnungsfarbe. Diese treten hin und wieder durch die betriebene Inzucht vereinzelt in Erscheinung.

Weiße Hotot in schwarz, braun und blau
Weiße Hotot in den Farben schwarz, braun, blau.

Folglich sollen die hototfarbigen Rassen bei einer schwarzen Grundfarbe auch braune Augen ganz nach der Standardforderung haben. Es fallen jedoch auch Tiere mit braun-blau-marmorierten oder sogar ganz blauen Augen.

Weiße Hotot mit blauen Augen
Weißes Hototkaninchen mit schwarzem Augenring und gänzlich blauem Auge.

Diese blauen Augen treten sehr wahrscheinlich durch das Vorhandensein der Holländerfaktoren in Erscheinung, indem durch den Pigmentverlust (zurückgedrängte schwarze Grundfarbe) auch die Pigmente in der Iris verloren gehen und somit das Auge blau erscheint.Teilweise gibt es wohl berechtigte Annahmen, die diese braun-blau marmorierten oder teilweise auch ganz blauen Augen, auf Einkreuzungen von Weißen Wienern (Hermelin BlA, Zwergwidder weiß BlA) zurückführen. Dieses Phänomen der marmorierten oder ganz blauen Augen zeigt sich bei allen drei hototfarbigen Rassen. 

Punktscheckungsanteile

Wie erwähnt handelt es sich bei allen hototfarbigen Rassen um spalterbige Tiere mit Punkt- und Plattenscheckungsanteilen in Kombination.

Diese Tatsache ist sich bei allen genetischen Betrachtungen hototfarbiger Tiere stets vor Augen zu halten. Bei allen drei hototfarbigen Rassen haben wir es nicht mit reinen Punktschecken zu tun. Die bedeutende Wirkung des Holländerfaktors ist keinesfalls zu vernachlässigen.

Bei den reinen Punktschecken, wie zum Beispiel DRSch, RhSch, KlSch, Esch, ZwSch, sind die als standardtypisch definierten Tiere nach dem Einheitsstandard spalterbig in Form von K/k. Das bedeutet, dass die Paarung solcher Tiere untereinander theoretisch, gemäß der Mendelschen Regeln, 25 % einfarbige Tiere (k/k), 50 % Typschecken (K/k) und 25 % Hellschecken bzw. Chaplins (K/K) ergibt. Grundsätzlich ergibt eine Verpaarung von reinerbig einfarbigen Tieren mit Hellschecken theoretisch 100 % Typschecken.

Die Zeichnung der Typschecken ist im Wesentlichen gekennzeichnet durch die Kopfzeichnung in Form von Schmetterling mit Dorn, Backenpunkten, Augenringen und vollständig gefärbte Ohren. Die Rumpfzeichnung besteht aus einem Aalstrich, der sich bis zur Blumespitze durchzieht und den Seitenflecken.

Die Reinerbigkeit bei Punktschecken zeigt sich in der Realität meist durch ein kaum gezeichnetes Tier, die sogenannten Hellschecken, Chaplins.

In der Fachzeitschrift Kaninchen vom 01.04.2010, Ausgabe 07/2010, Seite 8, in dem Bericht „Englische Schecken“, finden wir im letzten Abschnitt einige Äußerungen zu dem Thema Hellschecken bzw. Chaplins, die man, meiner Meinung nach, in diesem Zusammenhang so nicht unkommentiert stehen lassen kann.

So wird von Herrn Majaura behauptet, „... die geteilte oder zerrissene Form des Schmetterlings ist dann jedoch ein untrügerisches Zeichen für das Vorliegen der Hellscheckung (Chaplins)“.

Nach der Definition von Herrn Majaura handelt es sich also bei den beiden folgenden stark gezeichneten und nicht gerade schwach entwickelten „Stall-hasen“ um reinerbige Hellschecken (Chaplins), da der Schmetterling geteilt ist. Die Tiere haben einen geteilten Schmetterling, sind jedoch weitaus stärker als Typenschecken gezeichnet. Siehe Kaninchenzeitung, Ausgabe 7/2010, Seite 8.

Nach dieser Aussage von Herrn Majaura wären wir also jetzt alle in der Lage, die Genetik eines Tieres an der Ausbildung des Schmetterlings zu bestimmen. Ferner würde dies bedeuten, dass unter anderem nicht nur ein Großteil der Dalmatiner-Rexe und auch ein Teil der Stallhasen reinerbig wären, denn last but not least hätten wir da ja auch noch die hototfarbigen Rassen.

Zwerg-Rex dalmatiner schwarz-weiß
Zwerg-Rex dalmatinerfarbig „Taka-Tiki“ aus der Zucht von Daniel Bürling, Mechernich, dem amtierenden deutschen Meister in dieser Rasse, beim „Erdbeeren pflücken“. Auch dieses Tier soll (wie wohl viele Dalmatinerrexe auch) nach der Definition von Herrn Majaura eine reinerbige Hellschecke (Chaplin) sein, da der Schmetterling geteilt ist.
Übrigens fallen auch bei den Dalmatinerrexen einfarbig schwarze Tiere.

Die hototfarbigen Rassen tragen ja, wie oben erwähnt, bekanntlich auch die Punktscheckungsfaktoren neben den Plattenscheckungsfaktoren. Somit wären dies nach der Definition von Herrn Majaura alles Hellschecken, da ja schon gar kein Schmetterling mehr vorhanden ist. Dies kann jedoch in keinster Weise bestätigt werden, weil hier sonst etwa 50% der eventuell vorhandenen Chaplins durch die vorhandenen Semiletalfaktoren frühzeitig verenden müssten, was jedoch in der Realität bei weitem, glücklicherweise, nicht der Fall ist.

Unten ein Bild von einer „Stallhäsin“ mit geteiltem Schmetterling, Seitenzeichnung und 7 prächtigen Jungtieren. Die Jungtiere, welche gar keinen oder einen geteilten Schmetterling haben, sind alle bis jetzt über die 20. Lebenswoche hinaus gekommen. Wären dies Hellschecken, so sollten eigentlich schon einige auf Grund der Semiletalfaktoren verendet sein. Dies ist aber nicht der Fall.

Kräftige Stallhäsin mit 7 ebensolchen Jungtieren. Nach der Definition von Herrn Majaura sind dies alles Hellschecken (Chaplins), da bei jedem Tier der Schmetterling geteilt ist.
 
 

Dass eine schwach gezeichnete Scheckenhäsin mit unterbrochenem Schmetterling 7 Jungtiere groß zieht (oben angesprochene Ausgabe, Bild Seite 8 unten) ist meiner Meinung nach aus wissenschaftlicher Sicht noch lange kein Beweis dafür, dass es sich hierbei um eine Hellschecke (Chaplin) handelt.

Besteht nicht doch die Möglichkeit, dass es sich hierbei um eine schwach gezeichnete Typenschecke (Kk) handelt? Wird dies allen Ernstes mit einem geteilten Schmetterling ausgeschlossen?

Nach all diesen Darstellungen und vielen verbleibenden offenen Fragen steht wohl die Aussage, dass „... die geteilte oder zerrissene Form des Schmetterlings ein untrügerisches Zeichen für das Vorliegen der Hellscheckung (Chaplins) ist“, meiner Meinung nach auf sehr wackeligen Beinen.

Bestätigend finden wir in dem Meisterwerk „Vom Wildtier zum Haustier“ 3. Auflage 1977, von Hans Nachtsheim und Hans Stengel Seite 68 in der Abbildung 39 ein Englisches Scheckenkaninchen homozygot (Weißschecke KK) welches keinen erkennbar geteilten Schmetterling zeigt, jedoch sehr schwach gezeichnet ist, was die Weißschecken (Chaplins) schließlich kennzeichnet.

Somit würde auch diese Darstellung nicht der Definition von Herrn Majaura entsprechen, indem Chaplins einen geteilten Schmetterling zeigen.

Es gibt also auch Zeichnungsmuster, wobei der Schmetterling vollkommen geschlossen ist und nahezu keine Rumpfzeichnung vorhanden ist. Auch bei solchen Kaninchen kann es sich um Weißschecken (Chaplins) handeln.

Der Faktor für Punktscheckung ist mit einem so genannten Letalfaktor bzw. Semiletalfaktor verknüpft, der dazu führt, dass Hellschecken (K/K) grundsätzlich eine deutlich verminderte Lebensfähigkeit aufweisen.

Zweifelsfrei handelt es sich bei dem Letalfaktor bzw. Semiletalfaktor um eine herabgesetzte Widerstandskraft die unter anderem bei den Hellschecken bzw. Chaplins auftritt. Der Letalfaktor kann jedoch theoretisch durch Mutation bei allen Rassen vorkommen.

Semiletalfaktoren sind in homozygoter (reinerbiger) Form meist tödlich.
Der Semiletalfaktor besagt ja nur, dass ein gewisser prozentualer Anteil frühzeitig verendet. Das bedeutet jedoch auch zweifelsfrei, dass Hellschecken durchaus weit über die Schlachtreife von etwa 12 Wochen heranwachsen können. Auch können diese theoretisch das Erwachsenenalter erreichen und sogar Jungtiere zeugen.

Dass die Kennzeichnung von Chaplins aber ein geteilter Schmetterling sein soll ist, nicht nur meiner Meinung nach, sehr fragwürdig, wie die vielen offenen Fragen bestätigen.

Dominante Letalfaktoren können bereits in heterozygoter (mischerbiger) Form zum Tode führen. Sie können auch sporadisch durch Mutation (Erbänderung) entstehen. Diese dominanten Letalfaktoren treten theoretisch nicht nur bei Punktschecken auf.

Bei hototfarbigen Rassen zeigen sich die vorhandenen Punktscheckenanteile in Form von deutlichen, einzelnen auftretenden Zeichnungsmerkmalen. Dies kann zum Beispiel ein einzelner Seitenpunkt sein oder ein punktueller Ansatz des Aalstriches. 

Auch bei diesem Tier sind die Anlagen für die Punktscheckung vorhanden und sichtbar. Rezessiv (verdeckt) ist jedoch der Holländerfaktor vorhanden im Vergleich zu einer reinen Punktschecke.
 
 

Würde es sich hierbei um eine reine Punktschecke handeln, so würde man wohl eindeutig von einer Weißschecke (Chaplin) sprechen. Solche Tiere sind jedoch frohwüchsig und leistungsfähig. Vielleicht auf Grund des wirkenden Holländerfaktors wie eingangs erwähnt.

Bei hototfarbigen Tieren sollte man sich also immer bei genetischen Betrachtungen vor Augen halten, dass wir es hier mit keiner reinen Punktschecke zu tun haben. Ansonsten wäre dieses hototfarbige Erscheinungsbild und den Leistungsgraden, die diese Tiere kennzeichnet, auch gar nicht möglich.

Wären hototfarbige Tiere reine Punktschecken, so hätten wir es wahrhaftig mit Chaplins/Weißschecken zu tun. Dies ist jedoch ein Widerspruch zu der Vitalität hototfarbiger Tiere und bestätigt somit indirekt die Wirkung der Holländerfaktoren.

Das diese Kombinationswirkung von Punkt- und Plattenschecke bei allen drei hototfarbigen Rassen vorhanden ist steht außer Frage. Wie jedoch genau diese beiden Faktoren sich gegenseitig beeinflussen bleibt im Detail noch zu beantworten.

Plattenscheckungsanteile/Holländerfaktoren

Für die Plattenscheckung wird umgangssprachlich auch der Begriff Holländerzeichnung verwendet. Diese wird symbolisch in der Form s1, s2, s3, s4, … dargestellt. Hierbei geben die einzelnen Zahlen den Grad der Ausprägung von der Verdrängung der Grundfarbe an. Ein großes S steht bei der Plattenscheckung für Nichtscheckung.

Die Plattenscheckungsanteile zeigen sich bei hototfarbigen Rassen in Form der Holländerzeichnung in mehr oder weniger standardgemäßer Ausprägung der Zeichnungsmerkmale. Hierbei zeigen sich Zeichnungsmuster, die der standardgeforderten Holländerzeichnung teilweise schon recht nahe kommen. In vielen Fällen ist das Vorhandensein des Holländerfaktors bei allen hototfarbigen Rassen an der holländerfarbigen Zeichnung unschwer zu erkennen.

Sehr deutliche Anzeichen der Plattenscheckung zeigen sich in den Würfen hototfarbiger Tiere. Oben ein Wurf Farbenzwerge hototfarbig des amtierenden deutschen Meisters in dieser Rasse Thorsten Kurz, Bad Kreuznach.

Das Vorhandensein der Kombination von Punkt- und Plattenscheckung wird in der Praxis somit bei allen hototfarbigen Rassen mit dem Auftreten von deutlichen Anzeichen der Punktscheckung und Plattenscheckung bestätigt.

Nachfolgend 2 Archivbilder von Weißen Hototkaninchen, die die Anlagen von Punkt- und Plattenscheckung eventuell vereint verkörpern.

Zusammengefasst haben wir es also bei allen 3 hototfarbigen Rassen mit spalterbigen Tieren der Erbformel ABCDgKs1,… / ABCDgks1,… zu tun. Dies bedeutet, dass neben den standardgerecht gezeichneten Tieren auch Tiere mit Punktscheckenanteilen und Tiere mit deutlichen Anzeichen der Plattenscheckung fallen. Manchmal erweckt es den Anschein, als wären diese beiden Zeichnungstypen in einem Tier vereint, wie die beiden vorherigen Bilder zeigen.

In der Fachzeitschrift Kaninchen vom 07. Mai 2010, Ausgabe 09/2010, Seite 7 finden wir folgenden Wortlaut von Herrn Majaura in seinem Bericht „Hototfarbige Zwergwidder“ im Bezug auf die Zucht der Zwergwidder hototfarbig.

„Dabei lebt der Züchter hototfarbiger Zwergwidder vom Vorteil, dass die Rasse reinerbig ist und Spaltprodukte in der Holländerzeichnung nicht vorkommen. Das gilt zumindest für die Linien, die ich in der beschriebenen Zeitspanne kennenlernte.“

Weiterhin gibt es die Aussage von Herrn Majaura:
„Der Züchter hototfarbiger Zwergwidder kann mit diesem Farbenschlag also arbeiten wie mit jeder anderen Farben- oder Abzeichenrasse auch“.

Letztere Aussage entspricht nicht der Realität, da wie bereits mehrfach erwähnt und durch Bilder dokumentiert, auch in der Zucht der Zwergwidder hototfarbig holländerfarbige Tiere vorkommen können und diese Rasse somit nachweislich spalterbig ist. Bei den Zwergwiddern hototfarbig, handelt es sich nicht um eine Farben- oder Abzeichenrasse!

Weiter heißt es: „Daraus ist zu folgern, dass hototfarbige Zwergwidder in dem oben eingegrenzten Bereich reinerbige Schecken, also Chaplins sind, an denen die Holländerfaktoren ebenfalls wirken.“

Nach Herrn Majaua kann eine Rasse also in „oben eingegrenzten Bereich“, wie immer dieser Bereich auch definiert sein mag, reinerbig sein. Folglich scheint es da ja auch andere Bereiche zu geben, in denen die Rasse nicht reinerbig ist!

Wie bereits erwähnt sollte man hier nicht den Fehler machen und von eventuell einzeln vorhandenen reinerbigen Tieren auf die ganze Rasse schließen.

Nach dieser simplen Theorie hätten wir es ja dann bei allen Scheckenrassen mit reinerbigen Rassen zu tun, da hier ja auch die KK-Kombination (reinerbig Weißschecken, Chaplins) möglich ist.

 

Ein Wurf hototfarbige Zwergwidder aus der Zucht von Ewald Kleemann, Welver-Klotingen mit 2 holländerfarbigen Tieren.
Eine Zwergwidderhäsin hototfarbig aus der Zucht von Ewald Kleemann mit 9 Jungtieren wobei 2 holländerfarbig sind.

Bei Zwergwiddern hototfarbig kommen auch holländerfarbige Tiere vor, was folgende Bilder beweisen. Dies widerlegt somit eindeutig die Aussage von Herrn Majaura, dass es sich bei den Zwergwiddern hototfarbig um reinerbige Schecken (in eingegrenztem Bereich!?!) handelt und der Züchter hototfarbiger Zwergwidder mit diesem Farbenschlag arbeiten kann wie mit jeder anderen Farben- oder Abzeichenrasse auch.In einem zweiten Wurf warf die gleiche Häsin 4 hototfarbige Tiere mit schmalem Augenring bei gleichem Vater. Ein Jungtier zeigt hierbei deutliche Anzeichen der Punktscheckung. Somit wäre in der Praxis auch bestätigt, dass hototfarbige Tiere, die in einem Wurf nur hototfarbige Tiere mit schmalen Augenringen werfen, auch holländerfarbige Tiere werfen können.

Zwergwidder „Schlappi Schlappohr“ aus einem Wurf Zwergwidder hototfarbig (beide Eltern hototfarbig) in der Obhut von „Ida“.
 

Weiter heißt es in oben angesprochenem Bericht, „Inzwischen hat sich auch Hermann Schmitt der Sache angenommen und die Richtigkeit meiner These an einer Linie der Farbenzwerge hototfarbig nachgewiesen, die ebenfalls über standardgerecht gefärbte und vitale Chaplins verfügte.“

In dem fachlich sehr guten und emotionslosen Bericht von Hermann Schmitt, Rodenbach, Fachzeitschrift „Kaninchen“ 18/2009 Seite 6ff „Vom Genotyp der Weißen Hotot“ wird lediglich von möglichen „einzelnen Individuen“ gesprochen, die reinerbig sein können aber nicht von der Rasse Farbenzwerge hototfarbig an sich oder von ganzen Linien.

Dies ist meines Erachtens völlig korrekt, hier nur von möglichen einzelnen Individuen zu sprechen und nicht gleich die ganze Rasse mit einer Reinerbigkeit zu deklarieren.

Denn wie mit den folgenden Bildern, und bereits oben aufgezeigt, wird schwarz auf weiß bewiesen, dass die Richtigkeit der These von Herrn Majaura wohl doch nicht zu trifft, da auch bei den Farbenzwergen hototfarbig holländerfarbige Tiere fallen, genau so wie bei den Zwergwiddern hototfarbig und der Ursprungsrasse Weiße Hotot auch.

Folglich handelt es sich auch bei den Farbenzwergen hototfarbig und Zwergwiddern hototfarbig um spalterbige Rassen und keine Farben- oder Abzeichenrassen. Die Reinerbigkeit tritt höchstens bei einzelnen Individuen auf. Hierbei wäre dann auch noch zu klären, ob es sich um reine Punktschecken (KK) handelt oder aber der Holländerfaktor rezessiv vorhanden ist (Ks1,…/Ks1,…).

Wenn der zweite Fall eintritt (Ks1,…/Ks1,…) wäre dann zu klären, in wie weit hier der Semiletalfaktor, welcher eine verminderte Lebensleistung bewirkt, überhaupt zur Geltung kommt und man hier überhaupt von Chaplins/Weißschecken reden kann.
Wie bereits erwähnt ist es hier sehr bedeutend und meiner Meinung nach fachlich falsch, wenn von einzelnen Individuen auf die ganze Rasse geschlossen wird. Diese Differenzierung macht Herr Schmitt, in seinem fachlich sehr guten Bericht, schon.

Holländerfarbige Zwerge aus einem Wurf Farbenzwerge hototfarbig aus der Zucht von Torsten Werner, Bad Honnef. Farbenzwerg holländerfarbig aus einem Wurf Farbenzwerge hototfarbig aus der Zucht von Michael Isaacs.
Am Kopf bereits sehr aufgehelltes Tier. Die Ohren sind überwiegend weiß und es zeichnen sich schon die überbleibenden Augenringe ab. Sehr deutliche Merkmale der Plattenscheckung sind zu erkennen.
Ein holländerfarbiger Farbenzwerg als sogenannte Fehlfarbe aus einem Wurf Farbenzwerge hototfarbig x Farbenzwerge hototfarbig von Michael Isaacs. Auf diesem Foto sind doch sehr markante Zeichnungsmerkmale der Holländerzeichnung zu sehen. Auch hierbei handelt es sich um ein Tier aus einem Wurf Farbenzwerge hototfarbig. Interessant hier der Fleck auf dem Nasenrücken.

Ferner können weitere Züchter das Auftreten holländerfarbiger Tiere bei den Farbenzwergen hototfarbig bestätigen, wie zum Beispiel Wilfried Müller, Welver-Klotingen.

Das Phänomen, welches sich bei Herrn Majaura und wohl auch bei Herrn Schmitt zeigt, scheint mir vielleicht auch darin begründet, dass die Tiere vielleicht nicht über mehrere Generationen rein verpaart sind, und hier meine ich hototfarbig x hototfarbig, sondern auch einfarbige Tiere einkreuzt wurden.
Hieraus ergeben sich dann zwangsläufig Nachkommen mit Punktscheckungsmuster, da die Punktscheckung gegenüber der Plattenscheckung dominant ist und Plattenscheckung verdrängt.

Dieses Phänomen hat Herr Schmitt in seinem angesprochenen Bericht bestätigt, mit einem Kreuzungsversuch von Weiße Hotot mit Roten Neuseeländern. Hierbei wird der Holländerfaktor unterdrückt und es zeigen sich nur einfarbige Tiere bzw. Punktschecken und keine holländerfarbigen Tiere.

Verpaart man jedoch rein hototfarbige Tiere untereinander über mehrere Generationen, so zeigen sich in der Regel auch die holländerfarbigen Tiere wieder. Kreuzt man jedoch einfarbige Tiere ein, so zeigen sich die holländerfarbigen Tiere grundsätzlich nicht, da wie erwähnt, die Punktscheckung gegenüber der Plattenscheckung dominant ist.

Kreuzt man einmalig ein reinerbig einfarbiges Tier ein, so kann der Holländerfaktor auch über mehrere Generationen nicht in Erscheinung treten.

Folglich ist die Aussage von Herrn Majaura, dass sich bei hototfarbigen Zwergwiddern und Farbenzwergen hototfarbig keine holländerfarbigen Tiere zeigen, wohl auf seine Tiere und Erfahrungen zu beziehen aber nicht auf die Allgemeinheit.

Somit ist es auch nicht richtig von einer Reinerbigkeit bei Zwergwiddern hototfarbig und Farbenzwergen hototfarbig zu reden, wobei die Ursprungsrasse Weiße Hotot spalterbig sein soll.

Durch die Möglichkeit von (Ks/Ks) bei hototfarbigen Rassen kann die Reinerbigkeit vielleicht bei einzelnen Tieren vorhanden sein. Dies jedoch auf die Rasse zu beziehen ist meiner Meinung nach nicht korrekt.

Auch bei den Weißen Hotot fallen Würfe, die nur aus hototfarbigen Tieren bestehen. Dies ist auch keine Seltenheit. Es wäre jedoch eine völlig falsche Schlussfolgerung zu behaupten, dass hier eine Reinerbigkeit der Rasse vorliegt, da auch hier immer wieder holländerfarbige Tiere in den Würfen fallen genau wie bei den Zwergwiddern hototfarbig und Farbenzwergen hototfarbig auch, sofern man keine gravierenden Einkreuzungen vornimmt.

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass wir es also bei allen 3 im ZDRK-Standard zugelassenen hototfarbigen Rassen, zweifelsfrei mit spalterbigen Schecken zu tun haben, wobei Einzeltiere, wie bei anderen Punktscheckenrassen auch, reinerbig sein können, jedoch nicht die Rasse an sich.

Hier ändert auch nichts daran, dass dieser Farbenschlag (Weiße Hotot) im ZDRK-Standard bei den Abzeichenrassen geführt wird.

Weiße Hotot-Häsin mit Jungtieren
Oben eine Weiße Hotothäsin mit mittlerer Zeichnungsbreite und 8 hototfarbigen Jungtieren. Hier muss keine Reinerbigkeit vorliegen, damit nur hototfarbige Jungtiere fallen.
 
 
 

Wie Eingangs erwähnt und wohl auch mit diesem Bericht bestätigt haben wir es bei allen drei, im ZDRK-Standard zugelassenen hototfarbigen Rassen, schon mit etwas Außergewöhnlichem zu tun. Die Zucht aller drei hototfarbigen Rassen gestaltet sich grundsätzlich, verglichen mit anderen Scheckenrassen, wie zum Beispiel Deutsche Riesenschecken oder Rheinischen Schecken, als relativ einfach.

So gibt es nicht selten Würfe, die nur aus hototfarbigen Tieren und manchmal auch nur aus ausstellungsfähigen Tieren bestehen.

Da bei den hototfarbigen Rassen jedoch nur ein Zeichnungsmerkmal vorhanden ist, werden auch bei der Bewertung dieses Merkmales andere Maßstäbe angesetzt als zum Beispiel bei der Bewertung eines Augenringes bei einer Englischen Schecke.

Bei den Zwergwiddern ist zu beachten, dass die Zeichnung in Position 6 bewertet wird und nicht wie bei den Weißen Hotot und bei den Farbenzwergen in Position 5.

Die Zeichnung soll im Ideal 3-5 mm breit sein. Zeichnungen die breiter sind erscheinen nicht gerade sehr apart, sind jedoch für die Weiterzucht von sehr großer Bedeutung und Nutzen. Solche Tiere haben vielleicht weniger auf Ausstellungen etwas verloren, sind jedoch für die Weiterzucht von großem Wert. Ulrich Reber schreibt in seinem Bericht „Weiße Hotot“, in der Fachzeitschrift Kaninchen, Ausgabe 14/2009, dass „Augenringe mit über sechs Millimetern Breite ein Kaninchen entwerten“.

Hier muss man auf jeden Fall die Einschränkung machen, dass dies vielleicht auf die Bewertung hototfarbiger Tiere auf Ausstellungen zutreffen mag, jedoch keinesfalls für die Zucht. Es ist nicht nur meine Meinung, indem hototfarbige Tiere mit breiter Zeichnung meistens sogar wertvoller für die Zucht sind als Tiere mit einer gleichmäßig schmalen Zeichnung.

Jeder langjährige Züchter hototfarbiger Rassen wird mir grundsätzlich bestätigen, dass sozusagen die Zeichnungen tendenziell immer schmaler werden. Aus diesem Grunde verwenden erfahrene Züchter sehr gerne Tiere mit einer etwas breiteren Zeichnung für die Weiterzucht.

Bei schmaleren Zeichnungen kommt es nämlich auch schon mal vor, dass die Tiere recht konstitutionsschwach sind. Manchmal sind solche Tiere auch krankheitsanfälliger und bleiben in der Entwicklung zurück. Es kann auch bestätigt werden, dass solche Tiere dann auch schon mal unnormal früh verenden.

In solchen Fällen, bei hototfarbigen Tieren mit sehr schmalen Augenringen, kann man dann schon einmal berechtigt in Erwägung ziehen, dass hier eine Reinerbigkeit, sprich das Vorhandensein des Semiletalfaktors bei Weißschecken, Chaplins, vorliegt.

Aus eigener Erfahrung ist es aber auch völlig falsch hier wiederum alle hototfarbigen Tiere mit schmalen Augenringen in diesen „Topf“ einzugruppieren.

So gab es bei mir in der Vergangenheit schon Tiere mit nur etwa 2 mm Zeichnungsbreite, die aber auch sehr gute und leistungsstarke Mütter waren und auch holländerfarbige Tiere hervor brachten.

Blickt man noch weiter über den Tellerrand hinaus, so zum Beispiel nach Frankreich oder die Schweiz, so wird man feststellen, dass dort Tiere auf Ausstellungen gezeigt werden, die schon sehr schmale Augenringe haben. Aber auch hier fallen holländerfarbige Tiere wie oben aufgezeigt.

Somit ist eine schmale Zeichnung bei hototfarbigen Tieren noch lange kein Indiz, dass wir es dann mit einer Weißschecke (Chaplin) zu tun haben. Auch bei Farbenzwergen hototfarbig und Zwergwiddern hototfarbig können holländerfarbige Tiere fallen – auch bei Elterntieren mit schmaler Zeichnung.

Stirbt ein schwach gezeichnetes hototfarbiges Jungtier, so führen viele Personen dies auf eine Reinerbigkeit und einen vorhandenen Semiletalfaktor zurück (Weißschecke, Chaplin).

Es ist jedoch auch so, dass nicht nur in Zeiten der Enterocolitis Tiere mit breiteren Augenringen und sicherlich auch Tiere in jeder Rasse als Jungtiere sterben. Sind dies dann auch alles Semiletalfaktor behaftete Tiere oder Chaplins?

Was ich hiermit sagen will ist doch die reale Möglichkeit, dass es sich bei frühzeitig verendenden hototfarbigen Tieren mit schmalen Augenringen nicht zwingend um Weißschecken (Chaplins) handeln muss. Vielfach wird es einfach so behauptet. Jedoch der wissenschaftliche Beweis, dass es wirklich so ist wird in der Regel nie erbracht. Folglich sollte man hier alle nur denkbaren Möglichkeiten in Betracht ziehen und analysieren. Nur dann wird man weiter kommen, indem man nicht auf seiner vorschnell gefassten Meinung beharrt.

Es ist also wie schon mehrfach erwähnt unabdingbar bei der Betrachtung eines hototfarbigen Tieres, sich ständig die Kombination von Punkt- und Plattenscheckung vor Augen zu halten.

Dies wird alleine schon bei der Betrachtung des Erscheinungsbildes (Phänotyp) eines hototfarbigen Tieres deutlich. Hätten wir es hier mit einer reinen Punktschecke zu tun, so würde man ja zweifelsfrei von einer Weißschecke (Chaplin) sprechen. Somit wären alle hototfarbigen Tiere Weißschecken bzw. Chaplins. Dies ist aber sicherlich nicht der Fall auf Grund des wirkenden Holländerfaktors. Ferner treten bei allen hototfarbigen Rassen holländerfarbige Tiere auf.

Wie genau diese Wechselwirkung zwischen Punkt- und Plattenscheckung wirkt und welchen Einfluss dieser Faktor auf die Vitalität der Tiere hat wäre gegebenenfalls noch genauer zu untersuchen.

Oben ein Weißes Hototkaninchen mit nicht zu schmaler und nicht zu breiter Zeichnung. Auch ist eine sehr gute Gleichmäßigkeit vorhanden. Bei Tieren mit einer etwas breiteren Zeichnung kommt auch die Zeichnungsfarbe besser zur Geltung und wirkt intensiver.

Sicher ist jedoch, dass diese Wechselwirkung bei hototfarbigen Tieren vorhanden ist, da sich grundsätzlich auf die Dauer keine hototfarbigen Tiere aus reinen Punktschecken (ohne Holländerfaktor) erzüchten lassen. Hier hätten wir es dann wie erwähnt mit Chaplins/Weißschecken zu tun. Aus diesem Grunde muss es da noch etwas anderes geben.

Wer also schon immer großes Interesse an Scheckenkaninchen hatte, dem wäre mit der Wahl einer hototfarbigen Rasse für den Beginn der Scheckenzucht sicherlich sehr geholfen, weil doch ein Großteil der Nachkommen bei allen hototfarbigen Rassen ausstellungsfähig ist.

Verschwiegen werden soll jedoch auch nicht, dass es bei den hototfarbigen Rassen auch Besonderheiten in der Zucht gibt. Ich bin jedoch der Meinung, dass diese Besonderheiten bei jeder Rasse vorhanden sind und es die ultimativ leicht zu züchtende Rasse einfach nicht gibt.

Wer jedoch Interesse an einer der drei hototfarbigen Rassen hat, sollte sich meiner Meinung nach, einem Club anschließen, da man hier am effektivsten weiter kommt und in der Regel auch kompetente und hilfsbereite Ansprechpartner vorfindet.

Als Fazit bleibt festzuhalten, dass auch bei hototfarbigen Rassen reinerbige Tiere vorkommen können, wie bei jeder anderen Punktscheckenrasse auch. Jedoch sollte von diesen einzelnen Individuen nicht auf die ganze Rasse geschlossen werden. Dies wäre aus fachlicher Sicht sicherlich nicht korrekt, da alle drei hotatfarbigen Rassen gemäß der Erbformel (Kk) spalterbig sind und bei jeder hototfarbigen Rasse nachweislich holländerfarbige Tiere fallen.

Bernhard Glutting

 

Stellungnahme von Henry Majaura zum Beitrag

Das Lesen eines Beitrages fängt bereits bei der Überschrift an. Mein Beitrag handelte von den Englischen Schecken, nicht von gescheckten Stallhasen und auch nicht von Weißen Hotot.

Niemals habe ich behauptet, Schecken mit unterbrochenem Schmetterling seien grundsätzlich Chaplins. Müssen sie auch gar nicht, da bei Zufallstieren eine Selektion auf Zeichnungsmerkmale nicht stattfand. Genauso sind Weiße Hotot ohne Schmetterling keine Chaplins, da hier eine jahrzehntelange Selektion auf Blanknasigkeit stattfand. Entsprechend verfügen sie durch Wirken der sog. Modifikationsgene über keinen Schmetterling mehr. Bei Englischen Schecken fand eine über 100 Jahre währende Selektion auf einen Schmetterling statt. Das führte zur Festigung der Anlage zur Ausbildung dessen, was wiederum die sog. Modifikationsgene bewirken. Diese Festigung der Punktscheckenmerkmale insbesondere am Kopf ist heute soweit fortgeschritten, dass sie in geordneten Linien nicht nur in allerhöchsten Ausnahmefällen noch fehlen, sondern auch höchst selten noch unvollständig sind. Selbst die Verpaarung völlig blutsfremder Tiere bringt in überwältigender Mehrheit Typschecken mit vollständiger Kopfzeichnung, was aber nicht bedeutet, dass diese dann auch komplett fehlerfrei sind.

Nachzucht aus Englischen Schecken, die einen geteilten Schmetterling aufweist, zeigt (das muss sicherlich nicht zu 100% so sein) in überwältigender Mehrheit auch die typische verminderte Zeichnung der Chaplins. Und gerade bei ihnen durch Semiletalfaktoren hervorgerufene verminderte Vitalität und höhere Sterblichkeit vorauszusetzen ist ganz einfach nur des Verfolgen eines "alten Hutes", da mir bundesweit sowohl die Aufzuchtfähigkeit als auch die Zuchtfähigkeit von Chaplins aus Englischen Schecken von ihren Züchtern bestätigt wurde. Selbst bei den Rheinischen Schecken gibt es hierzu bereits hervorragende Anlagen. Die Riesenschecken allerdings verhalten sich noch weitestgehend nach der klassischen Lehre. Das mag m.E. daran liegen, dass bei ihnen außer der Zeichnung mit der Größe ein weiterer Selektionsschwerpunkt nach wie vor gesetzt ist, wodurch es wegen geringerer Festigung der Zeichnung noch keine Verlagerung des Schwerpunktes der Selektion auf Merkmale der "Wirtschaftpositionen" und der Vitalität gibt.
Sollte bei den Englischen Schecken dennoch einmal ein Tier auftreten, das trotz geteilten Schmetterlings kein Chaplin ist, dann kann das als absoluter Ausnahmefall vernachlässigt werden. Das von Herrn Glutting genannte Foto übrigens stammt aus den 1930er Jahren. Damals war die Zeichnung der Englischen Schecken durch Modifikationsgene längst nicht so gefestigt wie heute.

Die im genanten Beitrag abgebildete Häsin allerdings war mit an 100% grenzender Wahrscheinlichkeit eine Chaplin-Häsin. Sie brachte übrigens nicht nur einen Zufallswurf, sondern wurde in zwei Jahren je zweimal mit einem einfarbigen Rammler verpaart und brachte immer ausschließlich Typschecken. Ein absoluter Volltreffer war das erste Zuchtjahr, in dem alle 12 Nachzuchttiere zur Ausstellung gelangten. Die beste ZG kam auf 385,5 Pkt.
Interessant in diesem Zusammenhang ist vielleicht noch, dass es bei einigen mantelgescheckten Rassen, hier sind die rot-weißen Mecklenburger Schecken federführend, Linien gibt, in denen Chaplins von Typschecken von Fall zu Fall kaum zu unterscheiden sind. Dort gibt es fließende Übergänge. Chaplins aus Mantelschecken können somit recht voll gezeichnet sein und sind dann von schlechten Typschecken nur schlecht auseinander zuhalten. Hier müssen die Chaplins noch nicht einmal durch einen zerrissenen Schmetterling auffallen.
Genau das trifft auch auf die WH zu, bei denen die "Einfarbigen" in der Regel Merkmale der Holländerzeichnung aufweisen und die Chaplins hin und wieder nur schwer von den typischen Hotot zu unterscheiden sind. Diese zeigen in der Regel recht schmale Augenringe, teilweise unvollständige oder diesen nur einseitig. Nur sind diese Merkmale wegen der fließenden Übergänge von Tier zu Tier nicht verlässlich, genau wie blau marmorierte Augen auch nicht. Denn auch sie können wegen der gleichzeitig wirkenden Holländerfaktoren alle drei Spaltprodukte der WH betreffen. Genotypisch ergibt die Nachzucht aus reinen Hotot (A....Ks1,.../A....ks1,...) die Aufspaltung in 25% ein-(holländer-)farbige (A...ks1,.../A...ks1,...), 50% typische Hotot (A...Ks1,.../A...ks1,...) und 25% Hotot-"Chaplins" (A...Ks1,.../A...Ks1,...). Wegen der jahrzehntelangen Selektion auf Reduzierung der Zeichnungsmerkmale finden wir im Phänotyp allerdings nur zwei Erscheinungen in der Nachzucht von WH, nämlich 25% holländerfadrbige und 75% hototfarbige, die ihrerseits dann jedoch zu 67% spalterbig (typisch) und zu 33% reinerbig (Chaplins) sind. Chaplins aus WH zeigen leider oft die typischen, vom Semiletalfaktor (Megacolon) hervorgerufenen Erscheinungen, wie mir u.a. Achim Utke, den ich als langjährigen WH-Züchter sehr schätze und mit dem ich in regelmäßigem Kontakt stehe, bestätigte. Die meisten Linien der Farbenzwerge hototfarbig folgen demselben Erbschema. Dass dieser Farbenschlag ausschließlich aus reinerbigen Chaplins besteht habe ich nie behauptet. Könnte ich auch gar nicht, da ich u.a. gelegentlich auch Einblick in die Zucht des Vorsitzenden des 1. WH-Club, Götz Rühmke habe.

Meine Zwergwidder allerdings sind Chaplins. Seit 1995 habe ich den Farbenschlag und ich habe noch nie andere als hototfarbene Nachzuchttiere besessen, selbst in 8er Würfen nicht. Kreuzungen mit einfarbigen Zwergwiddern, derzeit mit chinchillafarbenen bringen immer zu 100% dalamatinerfarbige. Diese haben meistens einen geteilten Schmetterling, hin und wieder nur einen einseitigen. Es ist m.E. davon auszugehen, dass die in Herrn Gluttings Darstellungen gezeigte Häsin und ihre Nachzucht ebenfalls eine dalmatinerfarbige ist und hototfarbene Vorfahren hat. Daher die gefleckten Ohren und die geteilten Schmetterlinge. Die Erklärung hierfür wird sicherlich wieder zu einem Aufschrei führen, ist aber plausibel: Dalmatiner Schecken und Weiße Hotot als typgezeichnete sind genetisch dasselbe und unterscheiden sich genau wie Mantel- von Englischen Schecken lediglich durch eine andere Kombination von Modifikationsgenen. Während es bei WH eine Selektion und damit genetische Festigungung auf Zeichnungsarmut und lediglich die Augenringe gibt, fand bei den Zufalls-Dalmatinern überhaupt keine Selektion statt und es stellte sich die Zwischenform aus sehr voller Zeichnung und Zeichngsleere ein. Verpaare ich einen dieser Zufalls-Dalmatiner mit einem hototfarbenen, dann fallen, wie zu erwarten ist, 50% dalmatinerfarbene und 50% hototfarbene. Es findet also die typische Vererbung statt, wie sie auch bei der Verpaarung von Chaplins mit Tyschecken auftreten würde.

Entsprechend sind natürlich nur diese beiden Genotypen zu erwarten. Genauso brachte eine erst im letzten Herbst vorgenommene Testpaarung eines dalmatinerfarben Rammler (Abbildung in meinem Beitrag über die hotofarbenen Zwergwidder) mit einer chinchillafarbenen Häsin aus Reinzucht folgerichtig zwei einfarbige und drei Dalmatiner. Dass diese in ihrer Zeichnung selbstverständlich nichts mit Standard-Dalmatinern gemein haben können, versteht sich wegen der fehlenden Selektion auf Zeichnungsqualität von selbst. Sie zeigen aber wesentlichen Merkmale der Dalmatinerzeichnung, wie gefleckte Ohren, unterbrochene Aalstriche und einen geteilten (teilweise einseitigen) Schmetterling. Diese haben sie der Wirkung der Holländerfaktoren zu verdanken. Die Blesse führt z.b. zur Teilung des Schmetterlings. Die Auflockerung der Ohrenfärbung scheint ebenfalls in den Holländerfaktoren verankert zu sein.

Dass die Punktscheckung über die Plattenscheckung dominiert, ist sachlich falsch. Ein Dominanzverhalten gibt es immer nur an einem einzigen Genort, nicht jedoch in getrennten, wie das bei den Loci K und S der Fall wäre. Dass aus der Paarung von WH mit einfarbigen Rassen immer gefleckte Tiere fallen ist kein Hinweis auf Dominanz (richtig: Epistasie) der Punktscheckung sondern die Bestätigung der Darstellung oben, wonach auch die Fleckenzeichnung der Dalmatiner eine Kombination aus Punkt- und Plattenscheckung ist. (Aber vorsicht, es gibt auch Dalmatiner aus reiner Punktscheckenzucht. Diese sind aber meistens nicht so schön.) Gefleckte Tiere fallen aber auch in der Nachzucht aus völlig blutsfremden Holländerverpaarungen, wobei sich die Flecken dann meistens in den typischen farbigen Bereichen der Rasse konzentrieren.

Fazit:

1. Die Aussage, geteilte Schmetterlinge als typisches Merkmal von Chaplins der ESch auf grundsätzlich alle Punktschecken anzuwenden, ist eine Verfälschung meiner Darlegungen im genannten Beitrag zu den ESch.

2. Gefleckte Tiere aus Hototnachzuchten können mit Punktschecken nicht gleichgesetzt werden und verhalten sich wegen der Kombination mit Holländerfaktoren im Phänotyp auch völlig anders.

3. Eine Dominanz der Punktscheckung über die Plattenscheckung gibt es nicht.

4. Es gibt nachweislich (und das ist offenbar die Mehrzahl) Linien der hototfarbenen Zergwidder, die sich ausschließlich aus reinerbigen Schecken (Chaplins) rekrutieren und komplett reinerbige Nachzucht produzieren. Meinen "Schnellschuss" aus einem Beitrag 2006, wonach dies für alle Linien gilt, bitte ich zu entschuldigen. Damals war mir aber Gegenteiliges nicht bekannt. Das, obwohl man ja als Züchter dieser Rarität auf jeden Kontakt zur Rasse engewiesen ist.

Henry Majaura

 

PS. In meinem in 2006 zitierten Beitrag von Wieberneit und Koll. (Subvitale Schecken, DKZ 1992), wurde als Ergebnis der anatomischen Untersuchungen u.a. angeführt, dass die Kotballen von Chaplins deutlich größer sind als diejenigen ihrer Wurfgeschwister. Ich kann des bestätigen. Die Kotballen der hototfarbenen in meiner Zucht sind deutlich größer als z.B. die der chinchillafarbenen Zwergwidder, die ich derzeit auch im Stall habe.

 

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