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16. Dezember 2018 |
Tipps für Anfänger Kaninchenrassen Schaukalender

Die fahlroten Burgunder

Eine Mittelgroße Rasse mit Eleganz

Sie gehören zu den Mittelgroßen Rassen und präsentieren sich in einer elegant gestreckten Körperform. Das Burgunderkaninchen hebt sich nicht nur mit seiner schlankeren Form von den Roten Neuseeländern ab, sondern liegt mit einem Ideal von 4,25 bis 5,25 kg etwas höher im Gewicht. Die Farbe ist im Gegensatz zum Sattrot der Neuseeländer gelbrot gefordert. Die Einfassung der Nase, Augen und Kinnbackeneinfassung heben sich deutlich heller ab.

In Europa wurden die ersten Burgunderkaninchen schon vor rund hundert Jahren gezüchtet. Die ersten Tiere gab es in Frankreich. Dort wurde die Rasse bereits 1919 anerkannt. Bis zur Anerkennung in den Standard des ZDK hat es noch bis 1986 gedauert. Dieses ist dem Engagement und der Ausdauer einiger zielstrebiger Züchter zu verdanken.

Verfolgt man die Ergebnisse der großen Schauen der letzten Jahre, so kann das Niveau dieser aparten Rasse bezüglich der Qualität mit den meisten anderen Rassen mithalten.


1,0 Burgunder, 97,0 Punkte, HBZ auf der 57. Allgemeinen Niedersächsischen Kaninchenschau 2008, Hinrichs Saathoff, Rechtsupweg. Das gleiche Tier ist ist auch oben rechts zu sehen.

Schon zeit Jahrzehnten kann man die Schweiz als Hochburg der Burgunderzucht bezeichnen. Und bei unseren „Nachbarn“ wurde immer viel Wert auf eine gute Stellung gelegt, die sich bei dieser Rasse bis heute hervorragend durchgesetzt hat. Wenn die Tiere bei der Bewertung auf den Tisch kommen, zeigen sie sich fast immer in guter Positionierung. Ein weiteres Markenzeichen ist der leicht gestreckte Körperbau. Ein kurzer, massiger Typ ist nicht gewünscht.
 
In Deutschland gab es eigentlich seit der Zeit nach dem 1. Weltkrieg immer ein paar Zuchten. Der 2. Weltkrieg brachte die Zuchten weitestgehend zum Erliegen und es dauert einige Jahre bis die ersten Tiere wieder in Deutschland auftauchten. In Deutschland hat sich in den fünfziger Jahren Dr. Kißner mit der Rasse beschäftigt und verschiedene Veröffentlichungen herausgebracht. Er hat unter anderem die besondere Wirtschaftlichkeit der Burgunderkaninchen herausgestellt.

Ein Züchter, der sich in der Burgunderzucht und um die Anerkennung in Deutschland besonders verdient gemacht hat, dürfte Gerhard Pichel aus Brakel sein. Ich habe ihn Anfang der neunziger Jahre persönlich auf den Teutoburger-Wald-Schauen in Georgsmarienhütte und der ANK in Osnabrück kennengelernt.
Im Jahr 1978 erwarb er aus einer Zucht in der Nachbarschaft die ersten Tiere. Die Ursprungstiere dieser Zucht, die eigentlich zu Schlachtzwecken gezogen wurden, stammten aus der Schweiz. Bis zur Anerkennung hat er Zuchttiere in alle Teile Deutschlands abgegeben und die Verbreitung der Rasse vorangebracht.

In den früheren Jahren hat man versucht, die Burgunder durch Einkreuzung anderer Rassen zu verbessern. Hauptsächlich Rote Neuseeländer sollen hier eingesetzt worden sein. Diese Vorgehensweise ist nicht zu empfehlen und hat offensichtlich nie Fortschritte gebracht. Zu rötliche Deckfarben oder gar ein bräunlicher Anflug haben den Zuchten eher Rückschläge gebracht. Die Unterscheidung vom Roten Neuseeländer muss klar erkennbar sein. Der Import von schweizer Tieren in den achtziger Jahren dürfte der Rasse die entscheidende Richtung gegeben haben.


1,0 Burgunder, 97,5 Punkte, EE-Champion
und ZDRK-E auf der Europaschau in
Leipzig 2006, Roland Gutting, Neustadt

Mittelgroße Rasse

Mit einem Mindestgewicht von 3,25 kg und einem Idealgewicht von über 4,25 kg bis zu einem Höchstgewicht von 5,25 kg gehören die Burgunder zu den Mittelgroßen Rassen. Kaninchen, die den gewünschten gestreckten Körper zeigen, sollten hier auch im oberen Bereich der Gewichtsskala liegen. Kurze oder eher leichte Tiere sollten nicht in die Zucht eingesetzt werden.

Kein „Neuseeländer-Typ“ gefordert

Bei der Form der Burgunder ist im Gegensatz zu vielen anderen Rassen ein Umdenken gefragt. Hier ist kein walzenförmiger, blockiger Rumpf gefordert, der sich mittlerweile bei den meisten deutschen Rassen durchgesetzt hat.
Gefordert wird ein leicht gestreckter Körper mit einer ebenmäßigen Rückenlinie, der vorne und hinten möglichst gleich breit ist. Der Hals besitzt einen kräftigen Nacken. Die Läufe werden im Standard als kräftig und mittellang beschrieben. Diese bewirken im Idealfall eine hohe Stellung und die gewünschte Bodenfreiheit.
 
In den meisten Zuchten hat sich die gute Stellung weitestgehend durchgesetzt. Die Tiere präsentieren sich auf dem Preisrichtertisch hervorragend. Zuchten, in denen diese Stellung fehlt, sollten durch entsprechende Einpaarungen verbessert werden. Denn rein durch Üben mit den Tieren kann man diesen Fehler nicht ausmerzen. Hier spielt auch die Vererbung eine Rolle.

Gut begrannte Felle gefordert

Das Fellhaar ist mittellang gewünscht, soll in der Unterwolle sehr dicht und insgesamt gleichmäßig begrannt sein. Bei den Ohren ist auf eine gute Behaarung zu achten. Die Felldichte ist in einigen Zuchten noch verbesserungsfähig. Die Begrannung ist meistens schon sehr ansprechend.

 


1,0 Burgunder, 97,5 Punkte, Bundessieger der 22. Bundes-Rammlerschau Kassel 2009, Roland Gutting, Neustadt

Köpfe etwas länglicher

Das typische Burgunderkaninchen zeigt einen kräftigen Kopf mit einer breiten Stirn- und Schnauzpartie. Die Backen der Rammler sind ausgeprägt.
Die Ohren gut aufgesetzt und fest im Gewebe sein. Sie sind im Vergleich zu anderen Mittelrassen etwas länger, passen damit aber harmonisch zu dem leicht gestreckten Körper. Sie sollen V-förmig getragen werden.
Bei den Ohren muss darauf geachtet werden, dass diese nicht zu dünn oder faltig sind.

Die gelbrote Deckfarbe

Die Deckfarbe wird gelbrot und warm im Ton gewünscht. Hier muss ein deutlicher Unterschied zu den Roten Neuseeländern erkennbar sein. Die Deckfarbe wird am gesamten Körper gleichmäßig gewünscht. An Nase, Augen und Kinnbacken sind die Einfassungen hell bis cremefarbig. Ebenfalls cremefarbig soll die Bauchdeckfarbe sein. Die Unterseite der Blume hingegen ist weiß. Die Augen der Burgunder sind braun und die Krallen dunkelhornfarbig.

Bei der Deckfarbe ist auf den passenden Farbton zu achten. Ein blasser Farbton oder ein dunkler Anflug werden als Fehler geahndet.

Unterfarbe insgesamt heller

Während die Unterfarbe bei den Roten Neuseeländern der Deckfarbe möglichst ähnlich sein soll, wird sie bei den Burgundern heller als die Deckfarbe gefordert. Sie soll auch rein und warm im Ton sein, wird zum Haarboden hin jedoch heller und ist am Haarboden weißlich. Die Bauchunterfarbe hingegen ist noch etwas heller und am Haarboden weiß.
Als leichte Fehler gelten ein bräunlicher Anflug, eine leichte Durchsetzung oder eine angedeutete Zwischenfarbe.

Die Zukunft der Burgunder

Mit ihrer schlankeren und eleganten Form haben die Burgunder viele Freunde gewonnen. Man sieht sie zwar nicht auf jeder Lokalschau, doch es haben sich über die ganze Republik Züchter für diese schöne Rasse gefunden.
Wenn auch bei vielen anderen Rassen die Zahlen an Zuchten und Jungtieren zurückgehen, bestätigen die Statistiken der TGRDEU einen konstanten Stamm an Züchtern. Wer auf der Suche nach einer größeren und auch wirtschaftlichen Rasse ist, sollte sich die Burgunder auf einer der nächsten Schauen einmal genauer anschauen!

Michael Gerker


 

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