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19. Dezember 2018 |
Tipps für Anfänger Kaninchenrassen Schaukalender

Die Bedeutung der Rohfaser

Weniger Durchfallverluste

Diese Nährstoffgruppe umfasst im Wesentlichen die Gerüstsubstanzen der Pflanzen. Hierzu gehören Cellulose, Pentosane und Lignin. Diese sind für die Gesundheit der Kaninchen von zentraler Bedeutung. Rohfaser ist für den gleichmäßigen Transport des Futters durch das Darmsystem verantwortlich, ähnlich den menschlichen Ballaststoffen. Steigende Rohfasergehalte haben eine schnellere Darmpassage und somit weniger Durchfallverluste zur Folge. Die Passagezeit wird umso mehr beschleunigt, je höher der Anteil des nahezu unverdaulichen Lignins in der Rohfaserfraktion ist. Das Kaninchen ist aufgrund seiner Besonderheiten im Verdauungssystem sehr gut vorbereitet, relativ große Mengen eigentlich geringverdaulicher pflanzlicher Futtermittel aufzunehmen und für Erhaltung und Leistung zu verwerten. Je höher der Rohfasergehalt einer Ration ist, desto geringer ist aber die Verdaulichkeit. Jedoch kommt es bei zu geringen Rohfasergehalten zu Verdauungsstörungen.

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In den Dickdarm gelangen die größeren Teile des Darminhaltes. Wenn die Partikel im Darminhalt fein, d.h. kleiner als 0,1mm sind, gelangt dieser Teil des Darminhaltes in den Blinddarm. Bei ausgewachsenen Tieren sollte der Rohfaseranteil in der Ration daher mindestens bei 15 % liegen, bei Jungtieren höher als 16 % und bei hochtragenden und säugenden Häsinnen zwischen 14 und 15 %. Der Rohfasergehalt (insb. Lignin) gewinnt umso mehr an Bedeutung, je höher der Infektionsdruck durch schlechte hygienische Verhältnisse ist (gemeinsame Haltung von Eltern- und Jungtieren, mangelhafte Desinfektion des Stalles). Es sollte jedoch nicht nur die Rohfaser allein betrachtet werden, sondern die verschiedenen Faserfraktionen in die Bewertung mit einbezogen werden (Lignocellulose, Hemicellulose, Pektine).

NDF: Neutrale Detergentien Faser
Diese Fraktion umfasst die im Futter enthaltenen Hemicellulosen, Pektine, Cellulose und Lignin.
ADF: Saure Detergentien Faser
Zu dieser Fraktion zählen die im Futter enthaltene Cellulose und Lignin (= Lignocellulose). Aus der Differenz zwischen NDF und ADF ergibt den Gehalt an Hemicellulosen.
ADL: Saures Detergentien Lignin
Mit dieser Fraktion wird Lignin erfasst. Über die Differenz zwischen ADF und ADL kann der Gehalt an Cellulose in einem Futtermittel bestimmt werden.
DF: Verdauliche Faser
Nach Gidenne (2003) wird diese Fraktion aus der Summe der Hemicellulose (NDF - ADF) und der wasserunlöslichen Pektinen (WIP) ermittelt.
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Rohfaser: Cellulose, Pentosane, Lignin, Suberin, Cutin
N-freie Extraktionsstoffe: Inulin, Hemicellulose, Pektine


In der folgenden Tabelle sind daher die Mindestgehalte z. B. an Lignocellulose (ADF), Lignin (ADL) und die Menge der Stärke (speziell in der Absetzphase) im Alleinfutter für Kaninchen angegeben.

Tab.1: Nährstoffempfehlungen im Alleinfutter für Kaninchen in g/ kg Futter (Lebas 2005, Auswahl)
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Damit diese Werte bei der Zusammenstellung eines Kaninchenfutters auch entsprechend berücksichtigt werden können, sind in der Tabelle 2 für verschiedene Kaninchenfutterkomponenten u.a. die Gehalte an NDF, ADF, ADL, wasserunlösliche Pektine (WIP) sowie die daraus berechnete verdauliche Faser (DF) dargestellt.

Tab. 2: Nährstoffgehalte wichtiger Futtermittel in der Kaninchenfütterung (nach Gidenne, 2003, Maertens et al., 2002; eigene Daten)
 
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Fazit:
Für den Transport und die Darmtätigkeit ist die unverdauliche Faser, insbesondere Lignin von besonderer Bedeutung. Daher eignet sich später geschnittenes Heu (Pferdeheu) besser für Kaninchen, als Heu vom zweiten oder dritten Schnitt.
 
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Das Heu auf der linken Seite enthält deutlich mehr Lignin und ist daher aufgrund der gröberen Struktur für Kaninchen besser verdaulich.
Für die Umsetzung biologischer Materialien sorgen die verdaulichen Fasern, Pektin und Hemicellulose. Darüber hinaus ist ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen beiden Faserfraktionen wichtig, denn ein zu hoher Anteil verdaulicher Faser erhöht das Krankheitsrisiko. Zudem kann eine Optimierung bezüglich der Faserkomponenten direkt zu einer Reduzierung von Darmerkrankungen führen. Die optimale Nutzung der Faserkomponenten in der Fütterung führt auch zu einer Verminderung der Stickstoffausscheidung.
Besonders im Kaninchenfutter ist daher eine optimale Kombination der einzelnen Faserfraktionen entscheidend, um ernährungsbedingte Erkrankungen zu vermeiden und das Verdauungssystem und somit die Immunabwehr positiv zu unterstützen.

Maike Dedek
Muskator Werke GmbH, Mannheim
www.ovator.de

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