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19. Juni 2019 |
Tipps für Anfänger Kaninchenrassen Schaukalender

Deutsche Riesen wildfarben

Die Majestäten unter den Rassekaninchen

Imposant und majestätisch sind wohl die typischen Beschreibungen eines Deutschen Riesen. Exklusivität gepaart mit einer beeindruckenden Größe bestimmen bereits seit Jahrhunderten das markante Erscheinungsbild dieser Rasse, was sie schlicht und ergreifend zu den "Königen der Rassekaninchen" macht.



Mit rund 13.450 Jungtieren aus 618 Zuchten im Zuchtjahr 2017 (TGRDEU-Datenerhebung vom 29.06.2018) führen die Deutschen Riesen wildfarben die Beliebtheitsskala mit großem Abstand bei den Großen Rassen an. Doch auch hier ist wie bei vielen anderen Rassen auch die Tendenz sinkend.

Entstehungsgeschichte 

Als Vorfahre unserer Deutschen Riesenkaninchen gilt der flämische Riese. Dieser wurde bereits im 16. Jahrhundert in der Gegend von Gent im belgischen Flandern gezüchtet und gilt als Vorfahre vieler Kaninchenrassen auf der ganzen Welt.

Über die genaue Herauszüchtung gibt es leider keinerlei Aufzeichnung, es wird jedoch vermutet, dass er aus einer Reihe von Fleisch- und Pelzkaninchenrassen stammt. Zur Herauszüchtung sollen zudem "Steenkonijn" (Steinkaninchen - bezogen auf die alte belgische Gewichtsgröße von einem Stein oder etwa 3,76 kg) und auch die bereits ausgestorbene europäischen Rasse Namens "Patagonier" Pate gestanden haben. "Patagonier" war einst eine große Kaninchenrasse, mit langen Ohren, die in Belgien und Frankreich gezüchtet wurde. Auch geht man davon aus, dass es zu regelmäßigen Kreuzungen zwischen flämischen Riesen und großen Widdern gekommen sein soll.

Wie Dr. Gerhard Hochstrasser berichtete, zogen deutsche Soldaten Anfang des 19. Jahrhunderts durch Belgien und brachten auf ihrer Heimreise flämische Riesen mit nach Deutschland. Wie diese Riesenform entstanden ist, darüber liegen keinen genaue Unterlagen vor. Friedrich Joppich nahm an, dass auch hier eine Mutation vorliegen muss, die sich in einer außer-gewöhnlichen Größe der Tiere zeigte. Weiter führte er aus, dass "die Vererbung der Größe der Tiere als Erbanlage in den Tieren vorhanden sein muss, andernfalls entstehen keine Riesenkaninchen. Durch Zuchtauswahl besonders großer Tiere und entsprechender Haltung und Fütterung war es möglich, erstaunlich schwere Kaninchen zu züchten." Die ersten importierten Riesen waren ca. 5 kg schwer und entsprachen einer heutigen mittelgroßen Rasse. Mit diesem Gewicht wurden sie im ersten deutschen Standard im Jahr 1893 aufgeführt.

Wohl keine andere Rasse erregte bei der Einführung in Deutschland ein solches Aufsehen und gewann so schnell an Beliebtheit, wie das Flämische Riesenkaninchen (später Belgisches Riesenkaninchen). Die deutschen Züchter legten ihre Zucht nach der Aufnahme in den Standard hauptsächlich auf die Steigerung des Gewichtes aus. So gelang es den Züchtern innerhalb von 20 Jahren ausgewachsene Riesenkaninchen zu zeigen, die ein Gewicht von 8 - 9 kg und darüber hinaus aufwiesen.

Das Zuchtziel ging eine Zeitlang soweit, dass neben dem Gewicht auch die Länge der Tiere ins Unfassbare gesteigert wurde. Auch die Bewertungen auf Ausstellungen nach der Körper- und Ohrenlänge sowie nach hohen Gewichten wurde festgelegt, sodass hier zwangsläufig eine Überzüchtung die Folge war. Das längste und schwerste Tier war das Wertvollste, ohne Rücksicht auf dessen Zuchtleistungsveranlagung. Tiere mit 76 cm Körperlänge wurden von deutschen Züchtern bald zur Forderung, wozu noch eine hohe Stellung des Körpers auf langen Läufen hinzukam, sodass man von "Windhunden" sprach, denen am Bauch weitere Beine fehlten, um den schweren Rumpf zu tragen.

Diese veränderte Riesenform war jedoch sehr gefragt und die Tiere wurden in großer Anzahl in verschiedenen Ländern zu hohen Preisen exportiert. Als Anerkennung für hervorragende Leistungen der deutschen Züchter bei der Verbesserung der Rassemerkmale wurde die Rasse im Jahr 1937 in "Deutsches Riesenkaninchen" umbenannt.

Ab diesem Zeitpunkt wurde jedoch die Riesenzucht von allerhand Kritikern eingebremst, die die Wirtschaftlichkeit dieser großen Rasse im Vergleich zu den frohwüchsigen mittelgroßen Rassen nicht sahen. Wo sie Recht hatten, hatten sie Recht, denn die Riesenkaninchen stellten die Züchter sowohl vor züchterische als auch vor haltungsbedingte Herausforderungen. Also musste das übertriebene Gewicht und der langgestreckte Rumpf wieder weichen. Die Herabsetzung des Gewichts reichte jedoch noch nicht aus, dass die Riesenkaninchen in der Zeit des Nationalsozialismus zu den Wirtschaftsrassen zählen durften.

Und so hinterließ auch der 2. Weltkrieg seine Spuren bei der Riesenkaninchenzucht. Dennoch sind viele gute Rassevertreter erhalten geblieben, sodass sich die Zucht schnell von den Folgen des Krieges erholte. Es dauerte nicht lange und die Deutschen Riesenkaninchen präsentierten sich in großer Anzahl auf den Schauen und konnten viele Züchter für sich begeistern. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass das Riesenkaninchen einen ganz wesentlichen Anteil an der Verbreitung der Rassezucht in Deutschland hat. Auch bei der Verbesserung von Merkmalen anderer Rassen, insbesondere bei der Größe und Gewicht, standen die Riesenkaninchen Pate.

Zucht und Haltung

Wer sich für die Zucht von Deutschen Riesen entscheidet, dem muss bewusst sein, dass diese Zucht sehr viel Raum und Platz sowie reichlich Futter in Anspruch nimmt. Deutsche Riesen benötigen ein Buchtenmindestmaß laut "Richtlinie für die Haltung und Zucht von Rassekaninchen im ZDRK" von 110 cm Länge, 80 cm Breite und 70 cm Höhe. Eine Haltung auf Rosten ist aufgrund der hohen Gewichte weniger geeignet, da diese zu Kahlstellen an den Läufen führen können. Deshalb sollte eine Haltung auf Stroh in Kombination mit einer saugfähigen Unterstreu, wie beispielsweise Hobelspäne oder Strohmehl bevorzugt werden.

Es empfiehlt sich die Buchten von Riesenkaninchen mit flexiblen Zwischenwänden zu bauen, die je nach Bedarf herausgenommen oder zu einer Wurfkiste (Mindestmaß 45 cm Breite, 60 cm Tiefe, 45 cm Höhe) verschoben werden können. Durch das einfache Herausnehmen, kann das Buchtenmaß ohne großen Aufwand verdoppelt werden. Das hat den Hintergrund, da diese Rasse eine sehr hohe Wurfstärke aufweist. 8-14 Jungtiere sind keine Seltenheit und werden in der Regel auch unproblematisch von den Häsinnen aufgezogen. Viele Jungtiere bedeuten jedoch auch, dass diesen ein hohes Platzangebot für die Entwicklung zur Verfügung gestellt werden muss.

Mit der Zucht sollte möglichst früh begonnen werden, da die Tiere ausreichend Zeit benötigen um sich zu entwickeln. Häsinnen sind in der Regel im Alter von 8-11 Monaten und Rammler mit 10-12 Monaten voll entwickelt. Zwar schaffen auch spätgeborene Jungtiere, aufgrund deren Frohwüchsigkeit, das geforderte Normalgewicht zu erreichen, jedoch ist der Typ noch nicht ausgeprägt.

Der Rassestandard

Die Deutschen Riesen sind im Rassestandard des Zentralverbandes Deutscher Rasse-Kaninchenzüchter e.V. in der Abteilung I (Normalhaar) bei den Großen Rassen auf Seite R-2 zu finden.

Position 1: Gewicht

Der Mindestgewichtsrahmen liegt zwischen 6,00 bis 6,49 kg. Tiere in dieser Gewichtsspanne erzielen 8 Punkte. Für Gewichte zwischen 6,50 bis 6,99 kg werden 9 Punkte vergeben. Das Normalgewicht beträgt 7,00 kg und darf 11,50 kg nicht überschreiten, wobei wir festhalten müssen, dass das Höchstgewicht schlicht und ergreifend so gut wie nie erreicht wird. Vielmehr können wir heutzutage auf vielen Schauen sehr schöne Rassevertreter der Deutschen Riesen mit einem Gewicht zwischen 8,00 und 9,50 kg beobachten, die nicht selten von den Preisrichtern bevorzugt werden, da sie beeindruckende Typmerkmale aufweisen.

Position 2: Körperform, Typ und Bau

Ein Deutscher Riese muss standardgemäß eine dem Gewicht entsprechende Größe und damit verbunden eine Körperlänge aufweisen. Die Körperlänge wird nach wie vor bei dem verlangten Normalgewicht mit etwa 72 cm und mehr gefordert. Diese Rasse hat einen großen, gestreckten Körper mit einem entsprechenden breiten und tiefen Rumpf sowie starkem Knochenbau. Zudem ist der Körper vorne und hinten gleichmäßig breit und stark bemuskelt. Die gerade verlaufene Rückenlinie endet in einer gut abgerundeten Hinterpartie mit einer langen und gut am Körper anliegenden Blume. Ein Problem dieser Rasse sind teilweise oder gänzlich versteifte Blumen, wovon nicht selten ganze Zuchten von betroffen sind. Hier ist nach wie vor eine Selektionsarbeit notwendig.

Hinsichtlich der Körperlänge stellen wir uns einmal die Frage, ob diese Standardforderung eigentlich noch zeitgemäß ist? Denn die Anforderungen an die Größe und Länge des Tieres stammen noch aus der Zeit, in dem die Menschen einen großen wirtschaftlichen Nutzen an den Deutschen Riesen sahen. Das dies heutzutage nicht mehr der Fall ist, der Auffassung war auch die Arbeitsgemeinschaft der Riesen-züchter im ZDRK und stellte den Antrag an die Standard-fachkommission die Körperlänge in der neuen Standardbeschreibung nicht mehr aufzuführen. Der neue Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Riesenzüchter im ZDRK, Hans Prüfling, begründete den Antrag damit: "...da das Messen der Körperlänge bei der Bewertung von den Preisrichtern selten erfolgt und zum Großteil nur geschätzt wird, obwohl dies im Standard steht, wäre es sinnvoll die 72 cm zu streichen."

Sicherlich muss man nun bedenken, dass die Körperlänge eine Besonderheit der Rasse ist, die schon allein mit dem Namen "Deutscher Riese" ausgedrückt wird. Es ist eben ein spezielles, wenn nicht sogar das Typmerkmal schlechthin, welches ein Deutscher Riese schlicht und ergreifend mitbringen muss. Ein kurzer Typ würde gleichzeitig einen ungewollten Übergang zum Wienertyp bedeuten (wie auf dem Bild links ersichtlich). Es macht heutzutage den Anschein, dass einige Tiere die geforderte Körperlänge nicht mehr aufweisen. Selbst der im Standard abgebildete Rassevertreter zeigt sich verhältnismäßig "kompakt". Die Züchter sind von den langen Tieren abgewichen, denn diese bewähren sich nicht lange in der Zucht. Probleme mit losen Schultern, eckigen Hinterpartien, lange Auftritte und Senkrücken sind nur einige von vielen Problemen, die diese Tiere aufweisen können. Es gibt heutzutage viele Zuchten, die den Spagat zwischen "Wienertypen" und zu langen Typen gefunden haben. Die Größe der Tiere wird durch ihre Körpermasse ausgedrückt. Dadurch haben sich gleichzeitig die Rückenlinien und Hinterpartien deutlich verbessert. 

Des Weiteren führt die Art und Weise wie die Körperlänge der Riesenkaninchen gemessen wird, immer wieder zu Diskussionen. Laut Ausführungsrichtlinie des DPV soll das Riesenkaninchen "...in natürlicher Haltung von der Nasenspitze bis zur hochgelegten Blume..." gemessen werden. In dieser Haltung ist es natürlich sehr schwer,  eine genaue Länge zu messen.

Hier sollten meiner Meinung nach die Arbeitsgemeinschaft der Riesenzüchter im ZDRK und die Standardfachkommission einen gemeinsamen Weg finden, der sowohl den Tierschutzgedanken, als auch das Rasseideal fördert, denn der Riese ist und bleibt der Größte unter den Rassekaninchen.

Ein Ansatz wäre beispielsweise ein Monitoring über Länge und Größe sowie eine Analyse für alternative Messmethoden. Hier könnte ein Lösungsweg gefunden werden, der sowohl der einen als auch der anderen Argumentation rechnung trägt.

Kommen wir nun zu den Läufen. Die Deutschen Riesen haben kräftige und breit gestellten Hinterläufe, die parallel zum Körper stehen. Große Beachtung müssen die Hinterläufe im Bezug auf vorhandene Hinterlaufwammen erhalten, die vermehrt bei den Deutschen Riesen auftreten, jedoch unbeachtet bleiben. Auch Beinwammen am Hinterlauf sind keine Seltenheit. 



Die geraden Vorderläufe sind ebenfalls kräftig und bewirken eine ausreichende Bodenfreiheit, was bedeutet, dass der Abstand zwischen Bauchpartie und Boden genügend groß sein soll. Viele Rassevertreter zeigen einen sehr schönen Auftritt. Eine übertrieben hohe Stellung ist jedoch nicht erwünscht, ist aber häufig auf Ausstellungen zu sehen. Dies liegt insbesondere an zu langen Vorderläufen.



Ein weiteres Problem in der Riesenzucht sind die losen Fellhäute. Zwar ist bei Häsinnen eine gut geformte und nicht zu große Wamme erlaubt, dennoch sollte das Zuchtziel eine vollständige Wammenfreiheit sein. Doppelwammen, schiefe Wammen sowie Zottelwammen sind weit verbreitet. Auch Bein- und Bauchwammen mindern das majestätische Erscheinungsbild dieser schönen Rasse.

Selbst an den Augen, werden lose Fell-
häute in Form von abstehenden Augen-
liedern sichtbar. Hier ist nach wie vor großer Handlungsbedarf. Die Spitzenzuchten beweisen jedoch, dass es auch ohne
Wammen geht.
 
Position 3: Fellhaar

Das Fellhaar der Deutschen Riesen wildfarben wird dicht und gut begrannt gefordert und weist eine ideale Länge von etwa 4 cm auf.

Diese Position hat sich in den vergangenen Jahren verbessert. Die extrem langen, dünnen und weichen Felle gehören heutzutage zum Glück der Vergangenheit an. Die Felle sind insgesamt kürzer geworden, auch deren Dichte und Struktur, die abhängig von der Menge der Deck- und Grannenhaare sowie deren Stärke und Elastizität ist, hat an Qualität zugenommen.

Dennoch muss man sich eingestehen, dass die Dichte in vielen Zuchten vom Ideal noch ein Stück entfernt ist. Hinzu kommt, dass einige Rassevertreter ein recht grobes Grannenhaar besitzen, was wiederum die Elastizität des Fellhaares negativ beeinflusst. Die Begrannung soll zwar kräftig, aber nicht hart sein. Außerdem sollte sie nicht zu lang aus dem Deckhaar herausragen.

Die anspruchsvolle Aufgabe in der Riesenzucht be-steht also darin, alle ausschlaggebenden Parameter wie Länge, Dichte, Struktur und Elastizität in den Linien im optimalen Verhältnis zu vereinen. Das dies möglich ist, machen uns die Spezialisten dieser Rasse bereits vor. Dann gehören auch Kahlstellen an den Läufen und/oder im Genick der Vergangenheit an. Zwar stellen sie flächendeckend kein allgemeines Problem bei den Riesenkaninchen dar, sollten aber züchterisch im Auge behalten werden.

Position 4: Kopf und Ohr

Der Kopf der Deutschen Riesen soll in einem harmonischen Verhältnis zu seiner Körpergröße stehen. Er ist groß, weist dementsprechend eine breite Stirn- und Schnauzpartie auf und hat kräftig ausgeprägte Backen. Eine leichte Wölbung auf dem Nasenrücken bewirkt sowohl bei Häsinnen als auch bei den Rammlern eine edle und schöne Form des Kopfes im Seitenprofil. Zu beachten ist, dass die Köpfe der Häsinnen nicht so ausgeprägt und insgesamt etwas eleganter sind.

Der aktuelle Zuchtstand zeigt, dass kaum Tiere gibt, die diesem Rasseideal nicht ansatzweise nahe kommen. Anzumerken ist jedoch, dass die Köpfe teilweise etwas feiner und nicht so ausgeprägt wirken, da wie bereits beschrieben, die Felle kürzer geworden sind. Teilweise sind aus diesem Grund in Position 4 noch Anstrengungen nötig, um den Zuchtstand zu verbessern. Es sollte jedoch nicht in das "Extreme" gezüchtet werden, denn das bedeutet gleichzeitig neue züchterische Herausforderungen wie beispielweise tiefliegende Augen, die zu einem vermehrten Tränenfluss führen können. Ein gesundes Mittelmaß sollte die Richtlinie für zukünftige Verbesserungen im Bereich der Kopfbildung sein.

Bei den wildfarbigen Deutschen Riesen fließen die Ohren ebenfalls in die Position 4 ein und stellen ein weiteres charakteristisches Rassemerkmal dar. Die Ohren sollen der Größe des Tieres entsprechen und kräftig im Gewebe sein. An den Enden sind sie schön gerundet und werden V-förmig und offen getragen. Diese Tragweise rundet das harmonische Erscheinungsbild ab. Teilweise neigen Rassevertreter dazu, die Ohren breit zu tragen, auch können wir beobachten, dass die Ohren nach vorne kippen. Ersichtlich wird diese unschöne Haltung meistens dann, wenn man das Tier im Stall oder Käfig im entspannten Zustand beobachtet.

Die ideale Länge soll 19 cm und mehr betragen. Die gewünschte Ohrenlänge zeigen die Deutschen Riesen wildfarben bisweilen in Perfektion und lassen kaum Wünsche offen. Hier sind 21 bis 23 cm keine Seltenheit. Allerdings sollte man übertrieben lange Ohren nicht weiter als Zuchtziel anstreben, da in der Regel bei diesen Rassevertretern die Ohren faltig werden. Auch an der Struktur muss noch züchterisch gearbeitet werden.

Von "grau" zu "wildfarben"

Bei dem Begriff „Grau“ handelte es sich um eine stark grobe Sammelbezeichnung für eine Vielzahl farblicher Erscheinungsformen, wie wild-, hasen-, dunkel-, eisengrau sowie hasenfarbig. 

Beliebtheit einerseits und Vielfalt im äußeren Erscheinungsbild andererseits lassen es angebracht erscheinen, die aktuellen Vorgaben für die Meldung zu den Schauen zu klären.

Eine Schwierigkeit für den Züchter bestand und besteht darin, dass die Farbenschläge selten in Reinform vorkommen. Ihre unscharfe Trennung unter der Sammelbezeichnung „Grau“, ihre recht ungenaue Beschreibung in den bisherigen Standardtexten, die wenig kontrollierte Verpaarung der Farben in der Zuchtpraxis und die oft recht oberflächliche Bewertung der jeweiligen Farbanforderungen sind wohl die Ursachen dafür, dass es zu Vermischungen der Erbanlagen und demzufolge auch zu Mischformen im Erscheinungsbild kam.

Der allgemeine Teil des neuen Standards versucht durch eine präzisere Beschreibung der fünf anerkannten idealtypischen Farbenschläge Eisen-, Dunkel-, Wild- und Hasengrau sowie Hasenfarbig und ihrer fehlerhaften Abweichungen ein wenig Ordnung in die Vielfalt zu bringen.

Einerseits sollte dadurch die Reinzucht der vorgenannten fünf „grauen“ Varianten wieder gefördert und durch die korrekte Bezeichnung jedes Einzeltieres im Zuchtbuch und im Rahmen der Schaumeldung eingefordert werden, andererseits durften nunmehr die unterschiedlichen grauen Farbenschläge beschränkt gemeinsam in einer Zuchtgruppe ausgestellt werden (Eisengrau plus Dunkelgrau; Wildgrau plus Hasengrau). Alle anderen Kombinationen sollten zum Ausschluss vom Zucht-gruppenwettbewerb führen. Das Vorhaben, „dem Vermischen von Anlagen innerhalb der Schwarzwildfarbigkeit ein Ende zu setzen“ und zugleich eine Zuordnung zu zwei Farbgruppen zu ermöglichen, wurde in der Fachwelt sehr begrüßt (Eknigk, a.a.O., S. 28), zumal die phänotypischen Ähnlichkeiten innerhalb der Farbgruppen zu einer gemeinsamen Zuchtgruppenzugehörigkeit einluden.
 
Position 5: Deckfarbe und Schattierung

Im Grunde handelt es sich bei dem Farbenschlag "wildfarben" um zwei klassische Farbenschläge, nämlich wildgrau und hasengrau. Hinzu kommen die nicht mehr aus der Welt zu schaffenden diversen Kombinationen dazwischen, was trotz einfacher Zählung mindestens 3 Farbenschläge ausmacht. Oder besser gesagt: Zwischen den beiden Farbenschlägen wild- und hasengrau liegt ein sehr vielfältig ausgeprägter Mischbereich, der sogar noch darüber hinaus in Richtung hasenfarbig und dunkelgrau variieren kann.

Auf diesen genetischen Hintergrund geht auch die Farbbeschreibung im neuen Standard ein. So kann die Deckfarbe der wildfarbenen Deutschen Riesen je nach Ausprägung der Schattierung und der gelben Farbanteile in ein intensives bis helles Graubraun variieren.

Die Deckfarbe und die dunkle, bündelartige Schattierung, die durch die überstehenden Grannenhaare hervorgerufen wird, sollen sich gleichmäßig über den ganzen Rücken erstrecken und möglichst intensiv die Seiten erfassen. An Brust und Läufen ist die Schattierung weniger intensiv ausgeprägt. Eine zu lange Granne, wie sie teilweise noch vorzufinden ist, bewirkt in Kombination mit einer schwachen Zwischenfarbe, dass die Deckfarbe insgesamt matter und dunkler erscheint. Großen Einfluss hat hier sicherlich der fehlende Einfluss von Hasengrau. Hier stehen die Riesenzüchter auch in Zukunft noch vor der Aufgabe die Deckfarbe satter zu bekommen.


Unterschiede der Deckfarbe bei den wildfarben Deutschen Riesenkaninchen können auftreten

Die Wildfarbigkeitsabzeichen sind deutlich erkennbar. Hierzu gehören der bräunliche Genickkeil, die weißen bis cremefarbigen Nasen- und Augeneinfassungen sowie die Kinnbackeneinfassung, die ebenfalls weiß bis cremefarbig ist und in die graubraune Farbtönung übergeht.

Der Ohrenrand ist schwarz gefärbt und sauber abgegrenzt. Ein flächendeckendes Problem sind nach wie vor unreine Ohrenränder (siehe Bild links), die oft deutlich in Erscheinung treten.

Die Blumenoberseite ist dunkel und mit grauen Stichhaaren intensiv gesprenkelt.

Die Deckfarbe am Bauch, an der Unterseite der Blume und an den Hinterseiten der Vorderläufe und an den Innenseiten der Hinterläufe ist weiß bis cremefarbig. Auf beiden Seiten zeigt sich je ein bräunlicher bis rostbrauner Schoßfleck. Die Augenfarbe ist braun, die Krallenfarbe ist dunkelhornfarbig bis schwarz.

Position: 6: (Zwischen- und) Unterfarbe

Die Zwischenfarbe ist nur auf dem Rücken und an der Brust und an den Körperseiten vorhanden. Sie ist bräunlich bis intensivrostbraunrot, möglichst scharf abgegrenzt und ca. 4-7 mm breit. Die Zwischenfarbe hat wie bereits erwähnt einen Einfluss auf die Deckfarbe. Hier sollten sich die Züchter zur Aufgabe machen, dass diese wieder intensiver ausgeprägt wird. 

Die Unterfarbe ist stahlblau bis bläulich und erstreckt sich über den gesamten Körper und sollte bis zum Haarboden reichen. Als häufiger Fehler sind zum Haarboden hin aufhellende Unterfarben zu nennen.

Bei der Zucht der Farbe muss also auf ein klares Farbenspiel im Trichter und eine saubere Abgrenzung der Zwischenfarbe geachtet werden. Auch eine am Haarboden nach weiß hin aufhellende Unterfarbe gilt es konsequent zu verdrängen.

Mein Dank für die Zusammenarbeit geht an den Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Riesenzüchter im ZDRK, Hans Prüfling und Zfr. Herbert Henn. 
 

© Bilder und Bericht Marina Walks
 

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