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29. Januar 2022 |
Tipps für Anfänger Kaninchenrassen Schaukalender

Deutsche Riesen gelb

Rasse des Jahres 2021

1,0 Deutscher Riese gelb aus der Zucht von Bernd Laumann


Anlässlich der jährlich vom Zentralverband Deutscher Rasse-Kaninchenzüchter e.V. organisierten „Wahl zur Rasse des Jahres“ entschieden im Jahr 2021 die Deutschen Riesen gelb das Rennen mit großem Abstand für sich.

Dieser Erfolg lässt sich auch auf das Konto der großen Riesenzüchterfamilie gutschreiben, denn sie haben die Chance erkannt und die Initiative ergriffen - so wurde auf die Wahl aufmerksam gemacht und fleißig die Werbetrommel gerührt. Damit sind die „Giganten in Gelb“ im Jahr 2021 nicht nur zu einem werbewirksamen Aushängeschild für die Öffentlichkeitsarbeit innerhalb unserer Verbandsstrukturen gekrönt worden, sondern stellen gleichzeitig eine sehr gute Möglichkeit dar, die Zuchtarbeit innerhalb der Arbeitsgemeinschaft der Riesenzüchter Clubs im ZDRK im Verband an die Züchterschaft zu tragen.

Schon längst zählen die Deutschen Riesen gelb nicht mehr zu den Exoten unter den Riesenkaninchen, vielmehr haben sie sich in den letzten 20 Jahren zu einem festen Inventar entwickelt, welches seit jeher für erfolgreiche Zuchtarbeit steht. Dieser Erfolgskurs der Rasse wird nicht zuletzt durch den hervorragenden Zusammenhalt unter den gelben Riesenzüchtern innerhalb der Arbeitsgemeinschaft, ihren freundschaftlich und fairen Umgang sowie fachlichen Austausch untereinander in Kombination mit einem gesunden Maß an züchterischem Ehrgeiz untermalt.

Die Redaktion von kleintiernews macht nun den Anfang und stellt die Deutschen Riesen gelb nebst allen wissenswerten Informationen rund um die Rasse des Jahres in einem Porträt zusammen.

Entstehung der Riesenkaninchen

Als Vorfahre der Deutschen Riesenkaninchen gilt das „Flandrische Riesenkaninchen“. Dieses wurde bereits im 16. Jahrhundert in der Gegend von Gent in der belgischen Provinz Flandern gezüchtet. Um 1890 soll es laut Literaturangaben über 15.000 Zuchten von Riesenkaninchen in Flandern gegeben haben. Dies waren vor allem Arbeiterfamilien, die die Tiere aufgrund ihrer großen Felle und aufgrund ihres Fleisches hielten. Von dort aus trat die Rasse dann ihren Siegeszug in andere Länder an.

Über die genaue Entstehung der Flandrischen Riesen gibt es keinerlei Aufzeichnung, es wird jedoch vermutet, dass er aus einer Reihe von Fleisch- und Pelzkaninchenrassen stammt. Zur Herauszüchtung sollen zudem „Steenkonijn“ (Steinkaninchen - bezogen auf die alte belgische Gewichtsgröße von einem Stein - 3,76 kg) und auch die bereits ausgestorbene europäischen Rasse Namens „Patagonier“ Pate gestanden haben. „Patagonier“ war einst eine große Kaninchenrasse, mit langen Ohren, die in Belgien und Frankreich gezüchtet wurde. Auch geht man davon aus, dass es zu regelmäßigen Kreuzungen zwischen Flandrischen Riesen und großen Widdern gekommen sein soll.

Wie die „Riesenform“ des Kaninchens letztendlich entstanden ist, darüber lässt sich ebenfalls nur mutmaßen. Nachtsheim ging davon aus, dass es neben den wachstumshemmenden Genen, die zu Zwergrassen führen, auch wachstumsfördernde Gene geben müsse, die sich in besonders angereichter Form im Genpool der Riesenkaninchen wiederfinden. Es müsse sich somit um eine Mutation handeln, was Altmeister Friedrich Joppich ebenfalls annahm. Er erklärte: „Die Vererbung der Größe muss als Erbanlage in den Tieren vorhanden sein, andernfalls entstehen keine Riesenkaninchen. Durch Zuchtauswahl besonders großer Tiere und entsprechender Haltung und Fütterung war es möglich, erstaunlich schwere Kaninchen zu züchten.“

Riesenkaninchen kommen nach Deutschland

Anfang des 19. Jahrhunderts zogen deutsche Soldaten durch Belgien und brachten auf ihrer Heimreise um das Jahr 1890 die ersten Flandrischen Riesen mit nach Deutschland.

Die ersten Riesen waren ca. 5 kg schwer und hatten eine Körperlänge von 50 bis 60 cm. Der Großteil der Tiere war wildfarbig, es befanden sich aber auch Tiere mit Holländerzeichnung darunter. Wohl keine andere Rasse erregte bei der Einführung in Deutschland ein solches Aufsehen und gewann so schnell an Beliebtheit, wie das Flandrische Riesenkaninchen. Im Jahr 1893 wurde die Rasse in „Belgisches Riesenkaninchen“ umbenannt und im ersten Deutschen Rassestandard aufgeführt.

Gleichzeitig traten die Riesenkaninchen ihren Siegeszug durch ganz Europa an, was allerdings zur Folge hatte, dass sich die Zuchtziele weitgehend unterschieden. Während sich die holländischen und englischen Züchter stark auf die Farbreinheit konzentrierten, so legten die deutschen Züchter ihre Zucht nach der Aufnahme in den Standard hauptsächlich auf die Steigerung des Gewichtes und der Körperlänge aus. Um 1900 hatten die in Deutschland gezüchteten Riesenkaninchen Gewichte von 6,5 kg und Körperlängen von rund 63 cm. Nur 10 Jahre später wurden die Tiere mit 7,5 kg und rund 78 cm Körperlänge angegeben, so dass in den folgenden Jahren eine Reihe von Standardanpassungen folgte. Diese Riesenform war sehr gefragt und die Tiere wurden in großer Anzahl in verschiedene Länder zu hohen Preisen exportiert. Als Anerkennung für hervorragende Leistungen der deutschen Züchter bei der Verbesserung der Rassemerkmale wurde die Rasse im Jahr 1937 in „Deutsches Riesenkaninchen“ umbenannt.

Ab diesem Zeitpunkt wurde jedoch die Riesenzucht von allerhand Kritikern eingebremst, die die Wirtschaftlichkeit dieser großen Rasse im Vergleich zu den frohwüchsigen mittelgroßen Rassen nicht sahen. Man war der Auffassung, dass die Riesenkaninchen die Züchter sowohl vor züchterische als auch vor haltungsbedingte Herausforderungen stellten. Also mussten das Gewicht und der langgestreckte Rumpf wieder weichen. Die Herabsetzung des Gewichts reichte jedoch noch nicht aus, dass die Riesenkaninchen in der Zeit des Nationalsozialismus zu den Wirtschaftsrassen zählen durften.

Und so hinterließ auch der 2. Weltkrieg seine Spuren bei der Riesenkaninchenzucht. Dennoch sind viele gute Rassevertreter erhalten geblieben, sodass sich die Zucht schnell von den Folgen des Krieges erholte. Es dauerte nicht lange und die Deutschen Riesenkaninchen präsentierten sich in großer Anzahl auf den Schauen und konnten viele Züchter für sich begeistern.

In den 50er, 60er, 70er und 80er Jahren bereicherten weitere Farbenschläge die Farbpalette der Deutschen Riesenkaninchen, darunter befanden sich auch Gelbe, die allerdings bis in die 90er Jahre nur vereinzelt zu sehen waren. Sie zählten damit zu den Exoten unter den Riesenkaninchen. Hierbei handelte es sich um Tiere um die 6 kg, die absolut nicht mit dem Zuchtstand der Deutschen Riesen wildfarben mithalten konnten. Neben den Gewichtsproblemen, kamen Konstitutionsschwächen hinzu sowie zu kurze, schmale und faltige Ohren.

Einige Liebhaber und Anhänger der Rasse leisteten seit den 80er Jahren, wie beispielsweise Johannes Renninghoff und Wolfgang Hermann,  eine enorme züchterische Arbeit, die relativ schnell erste Früchte trug. Je mehr Tiere auf Ausstellungen präsentiert wurden und verhältnismäßig gute Bewertungen erzielten, umso mehr Züchter wurden auf die Rasse aufmerksam und beteiligten sich an der Zucht. Ca. 20 Jahre später ab dem Jahr 2000 sind als wesentliche Wegbereiter dieses Farbenschlages auch die ZGM Best und Thorsten Kellermann zu nennen. In der jüngeren Vergangenheit haben u. a. folgende Züchter wertvolle Arbeit geleistet und beständig auf den großen Riesenschauen, Bundesschauen, teilweise sogar Europaschauen mitgewirkt:  Bernd Biefel, Mark Gorges, Tino Grund, Gregor Kühn, Bernd Laumann, Armin Leins, Uwe Möhler, Siegfried Palmi, Martin Polster, Hans Werner Ratje, Anette Römisch, Sonja Rosbach, Wilfried Schulze, Tanja Sommer und Christian Zellner zu nennen. Gemeinsam haben sie es geschafft, die Deutschen Riesen gelb auf einen Stand zu bringen, wo er heute steht.

Zucht-, Tierzahl- und Ausstellungsentwicklung in Deutschland

Die Deutschen Riesen gelb haben sich in den letzten 15 Jahren zu einem der beliebtesten Farbenschläge der Deutschen Riesenkaninchen entwickelt, was wir anhand der Zuchten- und Tierzahlentwicklung aus den TGRDeu-Bestandsdaten seit dem Jahr 2006 deutlich erkennen können. Demnach zählen sie heute nach den Deutschen Riesen wildfarben und weiß, zum drittstärksten Farbenschlag was Zuchten und Tierzahlen angeht.

Zunächst betrachten wir uns die TGRDeu-Datenerfassung der Zuchtjahre 2009 bis 2019 einmal näher, die Aufschluss über die vorhandene Diversität dieses Farbenschlages gibt. Hier ist festzustellen, dass die Anzahl der Zuchten über einige Jahre hinweg einen Aufwärtstrend zu verzeichnen hatte. Beschäftigten sich im Zuchtjahr 2009 noch 85 Züchter mit der Rasse, so sind es im Zuchtjahr 2019 105, was in der Gesamtheit einen Zuwachs von 20 Zuchten bedeutet. Auffällig in der Datenerfassung ist jedoch auch der Rückgang der Zuchten in den Zuchtjahren 2015-2017, der unter anderem auch mit dem bundesweiten Auftreten der RHDV-2 in Verbindung gebracht werden kann. Ab dem Zeitpunkt hielten sich die Zuchten dennoch sehr beständig, was bei einer großen Rasse heutzutage nicht selbstverständlich ist.

Die erreichten Jungtierzahlen machen deutlich, dass bei den Deutschen Riesen gelb eine hohe genetische Diversität vorhanden ist, die züchterisch auch ausgeschöpft werden sollte. Dies geschieht bei der Zucht von Deutschen Riesen gelb seit Jahren durch die enge Zusammenarbeit der einzelnen Züchter, die sich jeweils auf die Verbesserung bestimmter Rassemerkmale spezialisiert haben und einen regelmäßigen Zuchttieraustausch durchführen. Durch die Zusammenführung der Linien ergänzen sie die Rassemerkmale und fördern gleichzeitig die Leistungsmerkmale (Fruchtbarkeit, Wurfstärke und Aufzuchtleistung) sowie die Gesundheit der Tiere und kommen ihrem Rasseziel näher.

In diesem Zusammenhang ist auch besonders hervorzuheben, dass es dem Engagement einzelner Clubmitglieder innerhalb der Arbeitsgemeinschaft der Riesenzüchter im ZDRK zu verdanken ist, dass neben der turnusgemäß alle zwei Jahre stattfindenden und sehr gut beschickten überregionalen Clubvergleichsschau zusätzlich zahlreiche offene Clubschauen im gesamten Verbandsgebiet ausgerichtet werden, die ein zusätzliches zur Schau stellen in Verbindung mit der Überprüfung der Tierqualität ermöglichen sowie eine Plattform für den Tieraustausch bieten. Die Ausstellungshighlights der Zuchtjahre bilden dann die Bundes-Rammler-, Bundes-Kaninchenschauen sowie die Europaschauen, bei denen die Deutschen Riesen gelb mittlerweile ebenfalls sehr gut im Vergleich zu weiteren Farbenschlägen der Riesenkaninchen vertreten sind. Wurden beispielsweise zur Bundes-Kaninchenschau in Karlsruhe im Jahr 2013 noch 60 Deutsche Riesen gelb, zur Bundes-Kaninchenschau in Kassel im Jahr 2015 insgesamt 95 Tiere und im Jahr 2017 in Leipzig auf der Bundes-Kaninchenschau 119 Tiere gezeigt. In Karlsruhe auf der Bundes-Kaninchenschau im Jahr 2019 wurden insgesamt 101 Deutsche Riesen gelb ausgestellt, damit bildeten sie den drittstärksten Farbenschlag der dort ausgestellten Riesenkaninchen.

Charaktereigenschaften

Die Deutschen Riesen gelb zeichnen sich durch ihre ruhige und ausgeglichene, aber dennoch aufmerksame Art aus. Dadurch, dass ihre Versorgung, das Hygiene- und Stallmanagement täglich einige Zeit in Anspruch nimmt, werden die Deutschen Riesen gelb bereits sehr früh an den Kontakt und Umgang mit dem Menschen gewöhnt. Sie sind dementsprechend bereits als Jungtiere dem Züchter sehr schnell positiv und freundlich zugewandt. Zudem erfreuen sich die Züchter immer wieder an der überaus neugierigen Charaktereigenschaft der Jungtiere.

Haltungsanforderungen

Die Haltung von Riesenkaninchen ist aufgrund ihrer Größe aufwendiger und auch kostenintensiver, als die von kleineren Rassen. Allem voran muss sie die hygienischen als auch die rasse-spezifischen Anforderungen berücksichtigen. Die Haltungs-anforderungen richten sich zunächst gemäß der ab dem 01.10.2013 in Kraft getretenen „Richtlinie für die Haltung und Zucht von Rassekaninchen des ZDRK“ (Stand: 16.03.2013). Da die Deutschen Riesen gelb zu den großen Rassen im ZDRK gezählt werden, benötigen sie ein Mindestmaß für Einzelbuchten von 110 cm Breite, 80 cm Tiefe und 70 cm Höhe. Daraus resultiert ein weitaus größerer Platzbedarf der gesamten Stallanlage, als im Vergleich zu kleineren Rassen. Die Richtlinie des ZDRK gibt vor, dass die Haltungseinrichtung selbst nach ihrer Bauweise, den Materialien und dem jeweiligen Pflegezustand so gestaltet sein muss, dass Schmerzen, vermeidbare Leiden und Verletzungen unterbleiben.

Die erhöhten Sitz-/Liegebretter werden von den Deutschen Riesen gelb sehr gerne genutzt. Hier ein abgesetztes Jungtier aus der Zucht von Johannes Renninghoff.

Im Hinblick auf den Pflegezustand der Tiere ist zu berücksichtigen, dass für eine tiergerechte Haltung immer eine trockene und rutschfeste Bodenfläche, die die arttypische Bewegung der Tiere ermöglichen, als Grundvoraussetzung gilt. Bevorzugt wird daher die Haltung auf Stroh, die durch eine saugfähige, harnbindende Unterstreu ergänzt wird. Stroh hat zudem den großen Vorteil, dass es den Tieren reichlich Beschäftigung bietet und damit gleichzeitig eine Anreicherung der Stallstruktur gewährleistet wird. Die Reinigung der Stallungen sollte in regelmäßigen Abständen erfolgen. Bei Häsinnen mit Jungtieren ist zu beachten, dass die Reinigungsintervalle verkürzt werden, da große Würfe auch große Mengen Kot und Urin hinterlassen, die nicht nur die Sauberkeit der Buchten, sondern auch das Stallklima negativ beeinflussen würden.

Aufgrund der Tatsache, dass die Riesenkaninchen für ihre vollständige Entwicklung und bis zum Erreichen ihres Ausstellungsgewichtes mehr Zeit benötigen als vergleichsweise kleinere Rassen, beginnt die Zucht bereits in den Monaten November/Dezember des Vorjahres und erstreckt sich in der Regel bis in den März hinein. Angesichts der daraus resultierenden Hauptaufzuchtzeit in den Wintermonaten ist ein Innenstall sehr zu empfehlen, der insbesondere die Jungtiere vor äußeren Witterungseinflüssen schützt.

Die einzelnen Buchten sollten nach Möglichkeit so konzipiert sein, dass sich die Bodenfläche während der Jungtieraufzucht problemlos auf die doppelte Buchtengröße erweitern lässt. Dies kann mit Hilfe von herausnehmbaren Zwischenwänden oder mit Durchlässen erfolgen. Tragenden Häsinnen könnte ein abgetrenntes Wurfabteil zur Verfügung gestellt werden, welches durch eine Zwischenwand in der Bucht eingerichtet werden kann. Dies hat den Vorteil, dass sich die Jungtiere nicht beim versehentlichen Herausziehen aus dem Nest durch die Mutter (nach dem Säugen), in der großen Doppelbucht „verlaufen“ können. Sie finden dann nur sehr schwer den Weg zurück ins Nest, was in der kalten Jahreszeit ihren sicheren Tod bedeuten würde.



Viele Riesenzüchter verdunkeln dieses Wurfabteil, indem sie die Türgitter in dem Bereich abhängen. Die Häsin kann hier somit ungestört ihr Nest bauen und die Jungtiere aufziehen.

Werden Wurfkisten im Stall oder zum Anhängen an der Tür eingesetzt, so müssen diese ein Mindestmaß von 45 cm Breite, 60 cm Tiefe und 45 cm Höhe aufweisen. Johannes Renninghoff erläuterte mir im Gespräch zu diesem Rasseporträt, dass es bei dem Einsatz von Wurfkisten seiner Meinung von Vorteil ist, dass in den Wurfkästen ein nach hinten abgeschrägter Boden eingebaut wird - ähnlich einer Setzröhre bei den Wildkaninchen. Dadurch liegen die Jungtiere in einer Kuhle und die Gefahr eines Herauskrabbelns aus dem Nest würde verringert werden.

Für den Transport zu Ausstellungen setzt der ZDRK ebenfalls Mindestmaße für Transportverhältnisse fest. Sie umfassen für große Rassen eine Fläche von 1.925 cm², was eine Größe von 55 cm Tiefe, 35 cm Breite und 40 cm Höhe entspricht. Diese Maße gehen zum Teil über die Anforderungen an Tiertransportbehältnisse für Kaninchen hinaus, die in der Tierschutztransport-Verordnung vom 11.06.1999 vom Gesetzgeber festgelegt wurden.

Besonderheiten zur Zucht

Das Herz eines jeden Züchters schlägt höher, wenn er im Frühjahr durch seine Stallanlage geht und auf viele gesunde und vitale Jungtiere blickt und somit alle geplanten Verpaarungen Früchte getragen haben. Doch um dorthin zu kommen, steht der Riesenzüchter vor einigen Aufgaben. Die Zuchtplanungen orientieren sich bei der Riesenzucht in der Regel an der Ausstellungssaison. Das bedeutet, dass der Züchter schon früh entscheidet, welche Schauen er im jeweiligen Zuchtjahr mit seinen Tieren beschicken möchte. Da sich, wie eingangs berichtet, für die Riesenzüchter einige Ausstellungsmöglichkeiten ergeben, werden die Wurftermine darauf zeitlich abgestimmt, damit den Nachzuchttieren ausreichend Zeit für die Entwicklung eingeräumt werden kann und schlussendlich ein ausgereifter gelber Deutscher Riese dem kritischen Auge des Preisrichters vorgestellt werden kann. Für Club-Vergleichsschauen, die regelmäßig im Oktober stattfinden, bedeutet das, dass die Jungtiere bereits im November bis spätestens Januar geboren sein sollten. Je nach Bedarf kann dann mit Hilfe von Wärmelampen für eine angemessene Stalltemperatur gesorgt werden.

Bei Riesenkaninchen ist es nicht unüblich, dass sie Würfe mit zehn oder sogar mehr Jungtieren zur Welt bringen. Aus diesem Grund ist es unerlässlich, dass der Züchter die Anzahl der Zitzen bei den zur Zucht einzusetzenden Häsinnen zählt. Eine Zuchthäsin mit 10 Zitzen liefert für ihren Nachwuchs die besten Voraussetzungen für einen guten Start ins Leben.

Sind die Jungtiere planungsgemäß geboren, so setzen einige Riesenzüchter Wärmelampen ein. So stellt die tägliche Nestkontrolle eine weitere wichtige Maßnahme dar, um die Milchleistung der Häsin zu kontrollieren. Dabei werden alle Jungtiere aus dem Nest genommen, gezählt und auf ihren Ernährungs- und Entwicklungszustand überprüft. Bei großen Würfen, deren Jungtieranzahl über die Zitzenanzahl hinausgeht, kann es passieren, dass das eine oder andere Jungtier etwas zurückbleibt, da es von den stärkeren Geschwistern vom Gesäuge verdrängt wird. Im Idealfall haben jedoch alle Jungtiere die gleiche Größe und weisen wohlgenährte, runde Bäuche auf. Wichtig in diesem Zusammenhang ist, dass während der Laktation der Wasserbedarf der Häsinnen steigt. Während der Aufzucht in den Wintermonaten kommt jedoch erschwerend hinzu, dass durch das Gefrieren des Wassers auf den Züchter ein häufigeres Auswechseln der Wasserquelle zu kommt, um den Milchfluss und die Milchproduktion der Häsin sicherzustellen. Nur so kann allerdings die Zuchthäsin die Leistung erbringen, die auch genetisch in ihr verankert ist.

Aufzucht und frühzeitige Selektion

Die Riesenzüchter können recht schnell an die Grenze ihrer Stallkapazität gelangen, wenngleich auch nur wenige Würfe geboren wurden. Das bedeutet, dass der frühzeitigen Selektion bei der Riesenkaninchenzucht eine besondere Bedeutung zukommt. Schon früh werden die Tiere auf einen Tisch gesetzt, damit der Züchter sie in Augenschein nehmen kann. An diesen Tagesablauf gewöhnen sich die Tiere sehr schnell, was zudem den Vorteil hat, dass sie mit dem „sich präsentieren“, wie es auf einer Ausstellung gefordert wird, vertraut gemacht werden.

Die erste Selektion der Jungtiere beginnt dann im Absetzalter von acht bis zwölf Wochen. Die Auswahl der jungen Riesenkaninchen orientiert sich dann weitgehend nach den zu bewertenden Positionen des Rassestandards und erfordert Fachkenntnis vom Züchter, denn dieser besitzt nach der Zeit ein gutes Auge für die unterschiedlichen Entwicklungsphasen seiner Jungtiere. In erster Linie geht es nun um die Größenentwicklung und Korrektheit des Körperbaues. Jungtiere, die den rassetypischen Anforderungen nahe kommen, sind denen vorzuziehen, die körperliche Schwächen aufweisen. In diesem Zusammenhang ist es auch sinnvoll die Gewichte der Jungtiere in regelmäßigen Abständen zu kontrollieren.

© Johannes Renninghoff
   

Je nach Stallgröße empfiehlt es sich nach der ersten Selektion die Jungtiere paarweise zusammenzusetzen und spätestens mit Beginn der Geschlechtsreife zu vereinzeln. Nach der ersten Haarung der Jungtiere kann dann auch mit der Selektion auf farbliche Fehler begonnen werden.
Bei der Selektion selbst sind Vermerke im eigenen Zuchtbuch unerlässlich. Hier sollten sowohl positive als auch negative Bemerkungen zu den einzelnen Tieren gemacht werden, die dann am Ende bei der Zuchttierauswahl sehr von Bedeutung sind. Schließlich sollten nur frohwüchsige und vitale Tiere den Weg in die Zucht finden.

Besonderheiten zur Fütterung

Die Riesenkaninchen haben einen wesentlich höheren Futterbedarf als vergleichsweise kleinere Rassen. Dementsprechend ist die Haltung und Aufzucht von Jungtieren auch wesentlich kostenintensiver. Gleichzeitig fallen dabei auch größere Mengen an Mist an, für den jeder Riesenzüchter eine Möglichkeit der Entsorgung, entweder für den Eigenbedarf im Garten oder bei einem benachbarten Landwirt, sorgen muss. Idealerweise eignet sich der Mist als Dünger für den Anbau von Grünfutter wie beispielsweise Luzerne im Sommer oder auch Grünkohl oder Markstammkohl als zusätzliche Futterquelle für den Winter. 

Foto © Johannes Renninghoff

Während der Jungtieraufzucht sollte mindestens zweimal am Tag gefüttert werden, da insbesondere hohe Wurfzahlen dem Muttertier während der Laktation sehr viel abverlangen. Beginnen die Jungtiere zu fressen, so steigert sich kontinuierlich ihr Futterbedarf, wie auch der erfahrene Züchter der Deutschen Riesen gelb, Johannes Renninghoff, zu berichten weiß: „Ich bin selbst immer wieder erstaunt, welche Mengen „verdrückt“ werden. Man gewinnt den Eindruck, junge Riesenkaninchen sind „nimmersatt“. Kommt man in den Stall, sind eigentlich immer welche am Fressen.“ Und so vertilgen kleine Riesenkaninchen schon erstaunliche Mengen an Heu von allerbester Qualität, Äste, Grün- und Kraftfutter etc. Hier hat jeder Riesenzüchter sein „Geheimrezept“, um den Tieren einen abwechslungsreichen Speiseplan zu bieten. Johannes Renninghoff führt aus: „Als Einsteiger unterschätzt man sehr leicht den enormen Futterbedarf von Riesenkaninchen. Zu beobachten ist dies sehr oft bei Haltern, deren Riesenkaninchen häufig nicht einmal das Mindestgewicht erreichen, nicht selten sogar weit darunter liegen. Die Fütterung ist einer der größten Unterschiede zu anderen Rassen und sehr wichtig, wenn man mit Riesenkaninchen als Züchter erfolgreich sein will.“

© Johannes Renninghoff
   

Der Rassestandard

Die Deutschen Riesen gelb zählen im Rassestandard des ZDRK (Stand: 2018) nach primärem Einteilungskriterium nach Haartyp und für die Normalhaarrassen nach Größenzuordnung zu den Großen Rassen und sind in der Abteilung I (Normalhaar) gelistet. Im Rasseverzeichnis ist die Beschreibung der Rasse auf den Seiten R-2 bis R-5 zu finden. Die Beurteilung erfolgt nach den Bewertungsvorschriften des ZDRK aufgrund ihres äußerlichen Erscheinungsbildes.

Gewicht

Der Mindestgewichtsrahmen liegt zwischen 6,00 bis 6,49 kg. Tiere in dieser Gewichtsspanne erzielen 8 Punkte. Für Gewichte zwischen 6,50 bis 6,99 kg werden 9 Punkte vergeben. Das Normalgewicht beträgt 7,00 kg und darf 11,50 kg nicht überschreiten.

Nachdem die Deutschen Riesen gelb Anfang der 80er Jahre noch Gewichte von 5 bis 6 kg auf die Waage brachten, so haben die Züchter in den vergangenen 40 Jahren stark an der Rasse gearbeitet. Heutzutage weist der Großteil der Tiere stattliche Gewichte zwischen 8,0 und 9,5 kg auf, wobei auch schon einzelne Rassevertreter die 10kg-Grenze leicht überschritten haben. Damit bringen sie ideale Voraussetzungen mit, dem geforderten Größenrahmen und Rassetyp gerecht zu werden.

Rassevertreter, die Gewichte zwischen 7,0 - 7,5 kg aufweisen, haben im Vergleich zu schwereren Tieren das Nachsehen, da ihnen der Rahmen, sprich die Größe und in der Regel auch die Körperlänge fehlt.

Körperform, Typ und Bau

Vorab ist zu sagen, dass es schon sehr beeindruckend ist, was in den letzten Jahren durch intensive Zuchtarbeit für eine Qualitätssteigerung in der Position 2 erreicht wurde. Auch wenn festgehalten werden muss, dass die Gesamtheit der Deutschen Riesen gelb noch nicht mit dem wildfarbigen Farbenschlag vergleichbar ist, so ist es dennoch umso erfreulicher, dass mittlerweile sehr gute Bewertungen in der Position 2 den Aufwärtstrend und die gute Züchterarbeit belegen. Gerade mit diesen Tieren gilt es jetzt auch in Zukunft die Fehler aus qualitäts-schwächeren Linien zu verdrängen, um in der Gesamtheit dem Zuchtziel näher zu kommen und vielleicht sogar an der Qualität des wildfarbigen Farbenschlages anzuknüpfen. „In Einzelfällen ist dies zweifelsfrei schon gelungen. Das wird auch des Öfteren auf den Schauen zwischen den Stallreihen bei Züchtergesprächen erwähnt. Da sind sich im Grunde alle einig. Selbst bekannte Züchter der wildfarbenen Tiere bestätigen diese Einschätzung.“, so Johannes Renninghoff.

Hinsichtlich der Beurteilung des Gesamterscheinungsbildes, zu dem die geforderte Körperform als Gesamteindruck aller körperlichen Merkmale, der Rasse- und Geschlechtstyp als auch alle anatomischen Merkmale, die zum Körperbau zählen, gehören, gehe ich nun näher auf die rassespezifischen Anforderungen in der Position 2 ein.

Wurde bis vor kurzem die Körperlänge der Deutschen Riesen mit 72 cm und mehr gefordert, so hat die Standardfachkommission auf ihrer Arbeitstagung anlässlich der Bundes-Kaninchenschau in Karlsruhe am 13.12.2019 beschlossen, dass aufgrund einer Eingabe der Arbeitsgemeinschaft der Riesenzüchter im ZDRK die spezifische Längenangabe aus der Rassebeschreibung der Deutschen Riesen gestrichen wird (Presseinformation der Standardfachkommission Nr. 1/2020).

Auch wenn nun ein genaues zahlenmäßig aufgeführtes Mindestmaß an Körperlänge nicht mehr gefordert wird, so muss dennoch bedacht werden, dass die Körperlänge eine Besonderheit der Rasse darstellt, die schon allein mit dem Namen „Deutscher Riese“ ausgedrückt wird. Es ist eben ein spezielles, wenn nicht sogar das Typmerkmal schlechthin, welches die Rasse schlicht und ergreifend mitbringen muss und dementsprechend auch einleitend im Rassestandard zur Position 2 wie folgt hervorgehoben wird: „Das Tier muss eine dem Vollgewicht entsprechende Größe und Länge besitzen“. Würde es einem Tier also an Körperlänge fehlen (siehe rechtes Tier auf dem Bild), so würde sich diese Tatsache immer negativ auf die Gewichte auswirken, außerdem erscheinen die Tiere zu massig oder einfach plump. Deshalb wurden die leichten Fehler auch um die Formulierung: „...leichte Abweichungen vom Typ, durch etwas kurze Körperlänge oder tiefe Stellung“ ergänzt. Auch bei den schweren Fehlern gab es eine Ergänzung, die nun wie folgt lautet: „...insbesondere stark vom Typ abweichender Rumpf, z.B. durch zu kurze oder gedrungene Körperlänge“.

Weiter beschreibt der Rassestandard das Riesenkaninchen mit einem großen und lang gestreckten Körper, der einen entsprechend breiten und tiefen Rumpf sowie starken Knochenbau besitzt. Zudem ist der Körper vorne und hinten gleichmäßig breit und stark bemuskelt. Die Anforderungen zum Knochenbau werden teilweise noch nicht erfüllt, denn hier sind die Deutschen Riesen gelb noch nicht so stark ausgeprägt, wie vergleichsweise die Wildfarbenen. Oftmals fehlt ihnen auch noch die gewünschte Körperbreite, vor allem im Bereich der Vorderpartie. Dadurch kommt es nicht selten zu einer Verjüngung des Rumpfes.

Ein lang gestreckter und sowohl vorne als auch hinten gleichmäßig breiter Rumpf.

Die Schulterblätter sollen fest am Körper anliegen und dürfen sich in der Bewegung nicht auf- und abbewegen. Damit schließen sie glatt mit der Rückenlinie ab, die in eine gut abgerundete Hinterpartie und einer langen und gut am Körper anliegenden Blume übergeht. Lose Schulterblätter sowie ein Knick hinter dem Schulterblatt können bei diesem Farbenschlag auch hin und wieder vorkommen (siehe Bild unten).

Nicht selten wird dieser leichte Fehler dann optisch durch eine leicht aufgeworfene Rückenlinie verstärkt.

Ein weiterer und nicht selten auftretender Fehler sind die teilweise oder gänzlich versteiften Blumen. Hier ist nach wie vor eine Selektionsarbeit notwendig. Ebenso bei der Anforderung zu einer abgerundeten Hinterpartie.

Es folgen die Anforderungen zu den Läufen, die ebenfalls ein Zeichen für den starken Knochenbau darstellen. Die Vorderläufe werden gerade, stark und breit gestellt gefordert. Die Hinterläufe sollen ebenfalls breit gestellt und parallel zum Körper verlaufend sein. Die Vorderläufe sind bei einigen Rassevertretern noch verhältnismäßig schwach ausgeprägt und müssen dementsprechend durch Zuchtarbeit verbessert werden, denn sie sind mitentscheidend für den Typ, da

 Schwache Vorderläufe
 gehören zu den
 leichten Fehlern.
 
 Die Dt. Riesen gelb sollen 
 starke Läufe besitzen.
  

sie die freie Stellung ermöglichen. Schwache oder gar feine Vorderläufe sind nicht dafür konzipiert, dass Gewicht des Riesenkaninchens zu tragen. So kann es zu einem langen Auftritt kommen. Die Riesenkaninchen sollen eine ausreichende Bodenfreiheit aufweisen, das heißt der Abstand der Bauchpartie vom Boden soll genügend groß sein. Doch wird die übertrieben hohe Stellung des Hasentyps abgelehnt.
 

Ein weiteres Problem sind die losen Fellhäute und deshalb können wir häufig auf den Bewertungskarten den Vermerk „loses Brustfell oder lose Brustpartie“ lesen. Dieser Vermerk ist nur der Vorbote für eine spätere Wammenbildung, die nicht nur am Hals, sondern auch an den Vorder- und Hinterläufen sowie am Bauch sichtbar werden. Selbst an den Augen, können lose Fellhäute in Form von Augentaschen sichtbar werden.

Zwar ist bei Häsinnen eine gut geformte und nicht zu große Wamme erlaubt, dennoch sollte das Zuchtziel eine vollständige Wammenfreiheit sein, denn durch mehrere dominant vererbende Gene wird eine Wamme an die Nachzucht vererbt. Auch ein Rammler trägt diese Erbanlagen in sich, obwohl bei ihm die Wammenbildung größtenteils durch das Geschlechtshormon unterdrückt wird. Die Erbanlage ist nicht zu unterschätzen, auch wenn Wammen durch Umwelteinflüsse entstehen können. Dementsprechend gilt, dass eine fest anliegende Fellhaut bei beiden Geschlechtern immer eine wesentliche Grundvoraussetzung sein muss, die die Grundlage für eine Wammenfreiheit der nachfolgenden Generation darstellt. Die Spitzenzuchten beweisen, dass es auch ohne Wammen geht.

Fellhaar

Bei der Bewertung des Fellhaares müssen insgesamt fünf Faktoren berücksichtigt werden. Diese umfassen die Länge des Deckhaares, die Dichte der Behaarung, die Struktur (das Zusammenspiel von Grannen-, Deck- und Unterhaar), die Elastizität (Eigenschaft des Fellhaares nach dem Gegenstreichen in die Ausgangsposition zurückzukehren) und der Reifezustand (bezogen auf den wiederkehrenden jahreszeitlich bedingten Fellwechsel).

Der Rassestandard fordert bei den Deutschen Riesen gelb ein etwa 4,0 cm langes Deckhaar, wobei es nicht gemessen sondern geschätzt wird. Das rechte Bild dient deshalb zur Veranschaulichung.

Für die Qualität des Fellhaares ist die Dichte des Unterhaares mitentscheidend. Sie wird durch das Gegenstreichen des Fellhaares mit der flachen Hand festgestellt. Bei einem dichten Fellhaar, so wie es der Standard von den Deutschen Riesen gelb fordert, ist der Haarboden nur wenig sichtbar. Ein Fellhaar mit dichter Unterwolle, gut entwickeltem Deckhaar und guter Begrannung hat auch gleichzeitig eine harmonische Struktur. Schlussendlich kehrt dieses Fellhaar mit guter Elastizität nicht schlagartig in die ursprüngliche Lage zurück, wenn man mit der flachen Hand gegen das Haar streicht.

Das Fellhaar der Deutschen Riesen gelb hat sich in den vergangenen Jahren in einigen Linien deutlich verbessert. Dies beweisen uns die Spitzentiere der letzten großen Schauen, wo sogar 19,5 Pkt. in der Position 3 erzielt werden konnten. Dennoch muss man sich eingestehen, dass die breite Masse vom Ideal noch ein Stück entfernt ist und somit Schwächen in der Fellhaarqualität aufweist.

Die Felle der Deutschen Riesen gelb sind häufig weich, lang und es fehlt Struktur, wie das rechte Bild zeigt. Auf dem linken Bild ist hingegen eine ansprechende Fellhaarstruktur und Länge vorhanden.

Es mangelt überwiegend an Dichte und Struktur, die abhängig von der Menge der Deck- und Grannenhaare sowie deren Stärke und Elastizität ist. Zudem wünscht man sich die Felle in der Gesamtheit auch ein wenig kürzer, um in Kombination das Fellhaar „vollgriffiger“ zu bekommen.

Die anspruchsvolle Aufgabe in der Zucht der gelben Riesen besteht also weiterhin darin, alle ausschlaggebenden Parameter wie Länge, Dichte, Struktur und Elastizität in den Linien im optimalen Verhältnis zu vereinen. Das dies möglich ist, machen uns die Spezialisten dieser Rasse bereits vor.

Kopf und Ohren

Der Kopf der Deutschen Riesen gelb wird groß, mit breiten, starken, vollen Backen und einem gut entwickelten Ober- und Unterkiefer gefordert. Er soll in einem harmonischen Verhältnis zur Körpergröße stehen.

Insgesamt muss man sagen, dass sich die Kopf-und-Ohr-Position deutlich verbessert hat. Dies beweisen einige Bewertungen von 15,0 Punkten auf Großschauen.

Um das geforderte Zuchtziel eines breiten Kopfes zu erreichen, wird züchterisch Wert auf eine breite Stirn- und Schnauzpartie gelegt. Nicht zuletzt bewirkt eine leichte Wölbung auf dem Nasenrücken eine schöne und imposante Form des Kopfes im Seitenprofil. Dieses Ziel ist allerdings in der breiten Masse noch nicht gefestigt, so dass es bei den gelben Riesen noch zu Unterschiede kommen kann. So gibt es Rassevertreter, die einen sehr gerade verlaufenden Nasenrücken zeigen, wodurch der Kopf im Seitenprofil etwas an Stärke verliert. Ebenso zeigen einige Häsinnen einen recht schmalen oder auch spitzen Kopf, wo es somit an Kopfausbildung fehlt und es zu Abzügen bei der Bewertung kommt.

Der Kopf soll groß und mit starken Backen versehen sein. Beim Rammler wird diese Anforderung besonders deutlich (Bild re.). Häsinnen hingegen sind insgesamt etwas feiner, wodurch sich die Geschlechter optisch voneinander unterscheiden lassen.

Bei den gelben Deutschen Riesen fließen die Ohren ebenfalls in die Position 4 ein und stellen ein weiteres charakteristisches Rassemerkmal dar. Bei den Ohren kommt es nicht alleine auf die Länge an, sondern auch auf die Tragweise und Struktur. Deshalb fordert der Standard Ohren, die insgesamt der Größe des Tieres entsprechen, sehr kräftig sind und gut getragen werden. Ihre ideale Länge beträgt 19 cm und mehr.

In Relation zur Größe des Tieres heißt es rückfolgernd, dass die Ohren von Tieren im oberen Gewichtsbereich länger sein sollten, als die von leichteren Tieren, denn dadurch bewirken sie ein harmonisches Gesamtbild des Tieres und tragen nicht unerheblich zum imposanten Erscheinungsbild bei, welches dann noch durch die offene Tragweise der Ohren abgerundet wird. Leider ist dieses Zuchtziel noch nicht in allen Linien verankert. Zwar kommen schon viele Tiere vor, die kräftig strukturierte, offen getragene und im oberen Bereich gut abgerundete Ohren, in V-förmiger Stellung mit einer Länge zwischen 21 und 23 cm zeigen, allerdings stehen ihnen ebenso viele Tiere gegenüber, die faltige Ohren oder eine unschöne Tragweise aufweisen.

Die Ohren sollen ein kräftiges Gewebe aufweisen und werden offen getragen (Bild links). Bei dem 2. Tier v. li. sehen wir ein faltiges Ohr, welches insgesamt auch offener getragen werden könnte. Auf die V-förmige Haltung (2. Bild v. re.) der Ohren ist zu achten. Eine breite Ohrenstellung, wie das rechte Tier zeigt, ist unerwünscht.

Johannes Renninghoff hat in diesem Zusammenhang einen züchterisch wertvollen Tipp: „Bei den Jungtieren im Alter von 3 – 5 Monaten kommt es gelegentlich vor, dass sie die Ohren nicht aufrecht halten können. In diesem Stadium ist das Gewebe noch nicht stark genug, das sehr schnell gewachsene Ohr entsprechend zu halten. Hin und wieder knickt auch schon mal das Ohrende etwas ein. Erfahrungsgemäß sind diese beiden Erscheinungsformen oftmals nur temporär. Sie legen sich wieder, wenn die Tiere älter werden und es auf die Ausstellungen zugeht. Hier braucht es Geduld! Man muss den Riesen einfach Zeit geben.“

Deckfarbe und Gleichmäßigkeit

In der Position 5 wird die Deckfarbe und ihre Gleichmäßigkeit beurteilt. Die Deckfarbe ist ein intensives gelb, welches mit gutem Glanz versehen ist und sich über den gesamten Körper im sichtbaren Bereich gleichmäßig erstreckt. Die Deckfarbe am Bauch, an der Unterseite der Blume und an den Innenseiten der Vorder- und Hinterläufe sowie im Bereich der Wildfarbigkeitsabzeichen ist weiß bis cremefarbig. Die Augenfarbe ist braun, die Krallenfarbe ist hornfarbig.

Die Deckfarbe und Gleichmäßigkeit hat sich ebenfalls in den letzten Jahren schon zunehmend verbessert, wenngleich die Natur unterschiedliche Farbnuancen der Gelbwildfarbigkeit auftreten lässt. Dies wird durch die Anhäufung von Gelbverstärkern (y-Faktoren) hervorgerufen, die ein intensives Gelb zu einer orangefarbenen Deckfarbe modifizieren. Auf der anderen Seite können aber auch hellere Farbnuancen im Vergleich zur geforderten Deckfarbe auftreten. Bei diesen Tieren treten nicht selten aufhellenden Flanken auf, die durch die Gelbwildfarbigkeit hervorgerufen werden. Dies wurde mit der Standardformulierung „nur im sichtbaren Bereich“ relativiert. Das bedeutet, dass leicht aufhellende Flanken zu tolerieren sind, da sie sich außerhalb des sichtbaren Bereiches befinden.


Das linke Bild (oben) zeigt die geforderte weiß bis cremefarbige Bauchunterseite, als Folge der Gelbwildfarbigkeit. Am Kopf werden die Wildfarbigkeitsabzeichen (Augen-, Kinnbacken- und Naseneinfassung) ebenfalls weiß bis cremefarbig sichtbar (siehe Bild rechts oben).

Helle Flanken (Bild links unten) bleiben bei der Bewertung unberücksichtigt, da sich die
Flanken, von oben betrachtet, außerhalb des sichtbaren Bereiches befinden.
Die Deckfarbe muss sich gleichmäßig über das Tier (Bild rechts unten) verteilen. Leichte Farbabweichungen, wie der sichtbare Ruß, gelten als leichter Fehler.

 
Erhebliche Probleme bereitet hingegen in einigen Linien noch eine unreine Deckfarbe und/oder der dunkle Anflug, der insbesondere an den Ohrenrändern, den Grannenspitzen und der Blumenoberseite sichtbar wird. Je nach Ausprägung wird das Auftreten als leichter oder sogar schwerer Fehler gestraft. Es scheint immer noch eine Folge der Einkreuzung von wildfarbigen Deutschen Riesen zu sein, von denen man sich Verbesserungen des Typs, der Form und des Felles versprach. Jetzt heißt es das Auftreten von dunklem Anflug insbesondere am Kopf, den Ohrenrändern, der Blumenoberseite als auch in der Decke durch gezielte Selektion zurückzudrängen, um eine reine intensiv gelbe Deckfarbe in den Linien dauerhaft zu festigen. Dass dies gelingt, zeigen uns Tiere aus den führenden Zuchten.  

Ein weiterer, immer mal wieder auftretender Fehler sind weiße Durchsetzungen der Deckfarbe. Häufig werden diese am Ohrensaum sichtbar. Außerdem ist auf weißliche Binden an den Vorderläufen zu achten.



Unterfarbe

Die Unterfarbe wird etwas heller als die Deckfarbe gefordert. Die Bauchunterfarbe ist insgesamt heller und am Haarboden weiß. Vor der Einführung des neuen Rassestandards hat es eine entscheidende Änderung in dieser Position gegeben und so stellt eine am Haarboden aufgehellte bis weißliche Unterfarbe keinen Fehler mehr dar (Standard R-5), was für Erleichterung bei den Riesenzüchtern führte, denn eine bis zum Haarboden reichende Deckfarbe war züchterisch nicht umsetzbar. Leider findet diese Änderung vereinzelt auf Ausstellungen noch keine Umsetzung, so dass es immer wieder zu Vermerken kommt „hellt am Haarboden auf“. Dies ist natürlich für die Züchter sehr ärgerlich. Festzustellen ist, dass je heller eine gelbe Deckfarbe im Erscheinungsbild wird, je heller wird auch ihre Unterfarbe. Eine ins rötliche tendierende Deckfarbe wird hingegen abgelehnt, auch wenn sie weniger Aufhellung bei der Unterfarbe zeigt. Dies sollte zumindest als erster Hinweis für die richtige Beurteilung der Farbnuance der Deckfarbe berücksichtigt werden. Ausnahmen bestätigen selbstverständlich die Regel.

Fazit

Wer sich mit der Zucht von Deutschen Riesen gelb befassen möchte, der ist in der Arbeitsgemeinschaft der Riesenzüchter im ZDRK jederzeit herzlich willkommen. Die Züchterfamilie der gelben Riesen gibt gerne Tipps und wertvolle Anregungen zur Zucht und stellt geeignetes Tiermaterial für den Zuchtbeginn bereit.  

Ein herzlicher Dank für die tolle Zusammenarbeit gilt an dieser Stelle an die Zuchtfreunde Johannes Renninghoff, Bernd Laumann sowie Tanja und Jörg Sommer, die uns  sowohl bei der Berichterstattung als auch bei den Tierfotos unterstützt haben.


 Bericht © Marina Walks
Fotos © Martina Gerker und Johannes Renninghoff


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