ZeitschriftE-Paper kleintiernewsSchnupperabo kleintiernews 3 Monate
deutschnederlandsenglish
19. Dezember 2018 |
Tipps für Anfänger Kaninchenrassen Schaukalender

Derek Medlock, Großbritannien

derek,medlock,kaninchen,kaninchenzüchter,rassekaninchenschauen

Rassekaninchenzüchter, Preisrichter, Vize-Präsident des British Rabbit Council und EE-Vertreter - Ein Mann mit großen Visionen

Jedes Jahr wählen die britischen Kaninchenzüchter einen neuen Vizepräsidenten für ihren Dachverband, der im Anschluss an seine Amtszeit für ein Jahr als Präsident des British Rabbit Council fungiert.

Im April wird Derek Medlock, der vielen Zuchtfreunden und Preisrichtern in ganz Europa als der EE-Vertreter für Großbritannien und als gern gesehener Besucher vieler Ausstellungen bekannt ist, diese Position übernehmen. Kleintiernews.de hatte die Möglichkeit, mit Derek exklusiv über seine Ziele, Hoffnungen und Wünsche für die nächsten zwei Jahre zu sprechen:

Seit wann züchten Sie Kaninchen? Welche Rassen haben Sie bisher gezüchtet?

derek,medlock,kaninchen,kaninchenzüchter,rassekaninchenschauen
van Beveren, Foto: Fur & Feather

Ich bin mit Tieren aufgewachsen. Mein Vater war Bauer. Er hatte Kühe und Schafe. Mein Onkel hielt Schweine. Von klein auf wollte ich meine eigenen Tiere, und mit Vaters Rat begann ich mit der Mast-Kaninchenzucht. Es war mein erstes Geschäftsunternehmen. Über meinen Onkel, der neben Schweinen auch Kaninchen züchtete, kam ich dann zu Rassekaninchen und Ausstellungen. Zuerst hatte ich Weiße Neuseeländer und Kalifornier, die sich sowohl zum Ausstellen als auch als Fleischkaninchen eignen. Später kamen noch die van Beveren und Lohkaninchen dazu, denen ich nun seit über 40 Jahren treu geblieben bin.

Was macht Ihre Leidenschaft an dem Hobby Kaninchenzucht aus?
  
Mitte der 80er Jahre traf mich ein schwerer Ausbruch von Myxomatose. Damals war ich viel mehr als Preisrichter tätig. Nachdem der Ausbruch und die Quarantänezeit vorbei waren, fing ich an, andere Rassen zu halten, die mich interessierten und an denen meine Kenntnisse als Preisrichter entwickeln konnte.
 
Anfangs, in den 70ern, habe ich hauptsächlich auf Lokalausstellungen in meiner Heimat Cambridgeshire ausgestellt. Später breitete sich das in alle Richtungen aus – London, Ealing, Peterborough… Die Vergleichsausstellungen der Lohkaninchen und Beveren trugen mich sogar noch weiter.
Seither habe ich auch viele Ausstellungen in Europa besucht. Meine erste Europaschau war in Dänemark in den 80ern. Ich fahre jedes Jahr zur ARBA Convention in die USA – das ist etwas ganz anderes, als ich gewohnt bin. Zuerst habe ich dort die Rassen und Farben studiert, dann das amerikanische System der Kaninchenhaltung, Zuchtmethoden und in den letzten Jahren das Bewertungssystem und Ausstellungsmethoden. Ich habe auch Vorträge gehalten über das weite Gebiet der verschiedenen Bewertungsmethoden.
Doch welche Methode ist die beste? Ich glaube, man sollte alle Methoden nehmen und dann von jedem die besten Punkte herausnehmen – das würde ein ausgezeichnetes System ergeben. Ich denke, unsere holländischen Zuchtfreunde werden dieses Ziel am ehesten erreichen, da sie den meisten Willen haben, Neues auszuprobieren.

Im Frühjahr übernehmen Sie den Vorsitz des BRC. Welche Aufgaben liegen Ihnen besonders am Herzen? Und wo sehen Sie Chancen, auch zukünftig Menschen für unser Hobby zu gewinnen?
 
Als BRC Präsident möchte ich – um mal auf dem Boden der Realität zu bleiben – versuchen, die Rassekaninchenzucht ein bisschen auf den Weg zu stupsen, auf dem ich Wachstum sehe. Wir alle wünschen uns mehr Mitglieder – das ist ein Gebiet, auf dem ich tätig sein will. Wir sollten von anderen lernen. Deutschland und seine 160.000 Mitglieder – erstaunlich für die heutigen Umstände.
Wer mich kennt, weiß schon, dass ich gern sehen würde, dass Großbritannien eine größere Rolle in Europa spielt. Ich bin seit 2001 der britische EE Vertreter.

Was werden Sie verändern, wo setzen Sie auf Traditionen?
  
Wie sehr haben sich doch über die Jahre die Dinge in der Kaninchenzucht verändert… Wir Briten waren auf unserer Insel gestrandet und eigentlich mit unserer Welt recht glücklich. Die Quarantäne-Gesetze unterbanden mehr oder weniger den Transport von Kaninchen vom und ins Ausland. Europa war damals außerhalb unseres Horizonts.
Heutzutage sind die Türen weit offen. Wir können mit unseren Tieren überall in Europa ohne Beschränkungen hinfahren, ausstellen, wo wir wollen und an Europaschauen teilnehmen. Eine ganz neue Ausstellungs-Welt steht uns jetzt offen, und wir müssen unsere Zuchtfreunde aufmuntern, dass wir uns mit unseren Nachbarn annähern können. Als Präsident des British Rabbit Council werde ich versuchen, diese Zusammenarbeit mit Europa zu vertiefen.

Noch nie gab es so viele unterschiedliche Aspekte in unserem Hobby wie heute. Die alten Hasen gingen – wie ich – einfach nur zu ihren Ortsklubs und genügten sich damit, mit dem einen oder anderen Zuchtfreund per Brief oder später per Telefon in Verbindung zu bleiben. Ich brauche keinem zu erzählen, was sich seither geändert hat… Heute gehen Zuchtfreunde zu ihren örtlichen Ausstellungen oder setzen sich in ihr Auto, um irgendwo in England, Schottland oder Wales eine Ausstellung zu besuchen. Oder sie nehmen die Fähre oder fahren durch den Tunnel, um sich mit Freunden überall in Europa zu treffen. Manche reisen sogar noch weiter.
Mit Internet in nahezu jedem Haus kann man mit allen möglichen Leuten über seine Kaninchen erzählen und Bilder von Ausstellungen in anderen Ländern sehen. Man kann Dinge diskutieren und wer eine Rasse oder Farbe findet, die ihm gefällt, hat es nicht schwer, diese zu erwerben.
Ich denke, wir leben in einer aufregenden Zeit. Großbritannien steht am Scheideweg. Ich bin Vorsitzender der Rassestandardskommission im BRC. Glaubt mir, es ist schwer, es allen recht zu machen…
Jahrzehntelang waren wir Briten mit unseren traditionellen Rassen zufrieden: die Flämischen Riesen, Holländer, Hasenkaninchen, Loh, Polish, Neuseeländer u.a.m. Die Aufgabe unserer Kommission bestand im Wesentlichen darin, die Standards für diese Rassen zu behüten. Heutzutage hageln die Änderungswünsche von „Neulingen“ nur so auf uns ein – nicht jeder möchte eine alte Rasse züchten. Natürlich hatten wir in den letzten 30 Jahren einige wunderbare Neuzüchtungen – die Hermelin/Farbenzwerge, Klein- und Zwergwidder und einige Rassen, die in unserem Verband für seltene Rassen eingebunden wurden. Leider geht es derzeit mehr darum, ob jetzt auch für eine neuere Rasse eine neue Farbe bzw. Zeichnung oder eine Rasse in einer verkleinerten Version erlaubt werden kann. Ich möchte nicht sagen, dass das gut oder schlecht ist. Aber wir kommen bald an den Punkt, wo wir unsere Zuchtfreunde fragen müssen, in welche Richtung sie die Rassekaninchenzucht tragen wollen.

Denken Sie, dass wir zukünftig die Rassevielfalt erhalten können? Oder wird sich die Rassevielfalt Ihrer Meinung nach in der europäischen Zusammenarbeit noch erweitern?
 
Unsere Rassen auf Europa-Ausstellungen: Ich muss sagen, da sind wir gehandikapt. Warum? Die Standards von vielen unserer alten Rassen, z.B. die Holländer, Loh, Polish usw., wurden erstellt, als wir nur unsere Zuchtmerkmale zu beachten hatte. Als diese Rassen in anderen Ländern standardisiert wurden, richteten diese sich meistens nach unseren Vorgaben, doch dann entwickelten sich die Rassen im Wesentlichen unabhängig weiter. Durch regelmäßigen Erfahrungs- und Tieraustausch zwischen Frankreich, Belgien, Holland und Deutschland bleiben die Unterschiede zwischen diesen Ländern gering. Da Deutschland das mitgliedsreichste Mitlied der EE ist, basiert der Europastandard auf dem deutschen Rassestandard – und warum auch nicht. Wir Briten gingen standardmäßig andere Wege und da wir erst seit relativ kurzer Zeit aktiv in der EE mitmachen, finden nun, dass unsere Standards bisher ignoriert wurden. Daher gibt es jetzt Rassen, die zwar denselben Namen tragen, aber nicht dem gleichen Standard folgen – meine Lohkaninchen sind ein typisches Beispiel: die kann ich in Europa nicht ausstellen.
Seit ich an EE Tagungen teilnehme, habe ich es geschafft, dass zwei unserer britischen Rassen in den Europa-Standard aufgenommen wurden: die Polish/Zwerghasen und die Löwenköpfchen.

Wenn ich richtig informiert bin, haben Sie bereits an mehreren Preisrichterschulungen auf europäischer Ebene und an den Sitzungen der Europäischen Standardkommission teilgenommen.
Welchen Stellenwert hat hier die Britische Kaninchenzucht und in wie fern werden unsere Rassen berücksichtigt?

  
Das Thema Kaninchenbewertung habe ich schon angesprochen.
Wenn man von den Bewertungssystemen aller Ländern das Beste zusammennimmt, dann bekommt man meiner Meinung nach das ideale Bewertungssystem – und wie schon gesagt, die Holländer sind dem am nächsten. Es gibt jede Menge Mängel an unserem Bewertungssystem – die eigentliche Bewertung und wie die Ergebnisse der Bewertung aufgezeichnet werden. Unsere britischen Preisrichter wählen das beste Tier in jeder Klasse bis hin zum Best in Show. Wir bewerten ausschließlich gegen unser Verständnis des Rassestandards. Dieser Standard vergibt zwar Punkte in den verschiedenen Positionen, aber der Preisrichter muss nicht angeben, wie viele Punkte er vergibt. Dieses System ist zwar für den Zuschauer interessant, aber Züchter lernen nichts, es sei denn, sie fragen den Preisrichter nach der Ausstellung. Man kann dann nur zwei Monate später vielleicht in der Zeitschrift Fur & Feather nachlesen, dass sein Kaninchen eine durchschnittliche Körperform hatte oder fit war. Ich könnte noch viel mehr dazu sagen, aber lassen wir das erstmal.

derek,medlock,kaninchen,kaninchenzüchter,rassekaninchenschauen

Welche Unterschiede gibt es bei der Bewertung zwischen den verschiedenen Verbänden?

Wenn man sein Kaninchen ordentlich bewertet wissen will, dann muss man nach Deutschland oder in die Schweiz fahren. Nur dort finden alle Bewertungen hinter verschlossenen Türen statt. Dafür bekommt man eine schriftliche Bewertung, in der der Preisrichter genau jede Position beschreibt.

Ich habe mir das angesehen: es wird immer nur ein Kaninchen zum Preisrichter getragen, bewertet und wieder weggetragen – 80–100 Stück pro Tag – das ist nicht für Zuschauer. Da kann man besser zusehen, wie die Farbe an der Wand trocknet. Aber ich muss sagen, die Bewertung der Kaninchen ist vorbildlich. Unsere holländischen Zuchtfreunde haben in den letzten 5 Jahren eine tolle Mischung der beiden Systeme eingeführt, bei dem jeder bei der Bewertung zusehen kann und wo die Vergleichsklassen (wo verschiedene Farben und Rassen gegeneinander bewertet werden) immer noch eine hohe Bedeutung erhalten.

Welche Eindrücke konnten Sie von den Tagungen mitbringen? Wie realistisch ist ein einheitlicher Kaninchen-Standard für ganz Europa?
 
Ein europäischer Standard?
Auf dem Festland seid Ihr ja damit schon weit vorangekommen. Aber für uns Briten wird es noch eine ganze Weile dauern, ehe die jüngeren Züchter die Zügel übernehmen und Änderungen erlauben.

Ist es für die Britischen Züchter interessant, sich an den nächsten Europaschauen zu beteiligen (2012 Deutschland, 2015 Frankreich)?
 
Werden wir Briten zu Europa-Ausstellungen gehen?
Mit Sicherheit. Es gab schon viel Interesse an den Ausstellungen in Leipzig und Nitra. Ich muss hier einmal sagen, dass unsere deutschen Zuchtfreunde in Leipzig eine Superarbeit geleistet haben, um eine Ausstellung diesen Ausmaßes auf die Bühne zu bringen. Ob die britischen Züchter auch ausstellen werden, ist eine andere Frage – wir scheuen uns noch, unsere Kaninchen eine ganze Woche aus den Augen zu lassen. Ich denke mal, dass sich die Zahlen beim nächsten Mal erhöhen werden, und noch mehr für die Ausstellung in Frankreich, da die für uns näher ist. Die Ausstellung in Frankreich – wir können es nicht näher haben, es sei denn, wir organisieren die Schau selbst. Ich hoffe, dass diese Ausstellung für uns Briten der Durchbruch zu Europa sein wird.

Wo sehen Sie Ihre Hauptaufgabe im Europaverband?

Mein Eindruck von EE Meetings: Es ist beeindruckend, wie groß die EE ist. Man sitzt da zusammen mit Vertretern von ganz großen bis zu ganz kleinen Verbänden. Wir alle haben dieselben Probleme wie Gesundheit (Blähbauch usw.) und Tierschutzgesetze. Die EU stellt Regeln auf, die von uns erwarten, jahrhundertealte Gewohnheiten über Nacht zu ändern. Besonders für unsere älteren Zuchtfreunde, die Kaninchen schon seit Jahrzehnten halten, fällt jede Änderung schwer. Aber trotz Lobbying von der EE wird darauf kaum Rücksicht genommen.

derek,medlock,kaninchen,kaninchenzüchter,rassekaninchenschauen
Links Urs Freiburghaus, rechts Derek Medlock, 41st Annual Show London; Foto Fur & Feather
  
Die Preisrichterschulungen für EE Preisrichter sind sehr wichtig, da sich hier Preisrichter aus alle Ländern mit dem EE Bewertungssystem vertraut machen können. Das ist von besonderer Bedeutung, wenn mehrere Preisrichter eine Rasse bewerten. Hier bekommen wir auch die Möglichkeit, die anderen EE-Sektionen Geflügel, Tauben, Cavias und Ziervögel zu treffen. Diese Treffen sind sehr nützlich und bringen oft interessante Details auf, die man weitergeben kann.

Was sind aus Ihrer Sicht die größten Hürden beim Zusammenwachsen der europäischen Kleintierzuchtverbände?
  
Ich würde gern als britischer Vertreter in der EE weiterarbeiten, da mich die Organisation interessiert, und vielleicht sogar in die Standardkommission berufen werden. Die Sprachbarriere ist dabei mein größtes Hindernis. Alle EE-Veranstaltungen sollten in Französisch, Deutsch und Englisch abgehalten werden. Das passiert aber leider nur für die Jahreshauptversammlung – alle anderen Treffen finden auf Deutsch statt. Ok, der deutschsprachige Raum stellt nun mal der Hauptteil der Mitglieder, aber wir verlieren damit die vielen kleineren Verbände, wie zum Beispiel Spanien, da sie sich nicht beteiligen können.
 

Übersetzung und Bilder Dorit Powell

Zurück