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16. Dezember 2018 |
Tipps für Anfänger Kaninchenrassen Schaukalender

Blaue Holicer

Nach unseren Recherchen dürften die Blauen Holicer in Deutschland das erste Mal auf der Europaschau 2006 in Leipzig von zwei Slowakischen Züchtern ausgestellt worden sein. Dort waren damals zwei Kollektionen in ansprechender Qualität zu sehen. Einige dieser Blauen Holicer blieben als Ausgangstiere in Deutschland.

Die Anmeldung als Neuzüchtung war damals nicht möglich, da der ZDRK über einen Zeitraum von fünf Jahren keine weiteren neuen Anmeldungen von Rassen oder Farbenschlägen annahm.

Nach dieser Sperrfrist lagen im Frühjar 2011 sieben Anträge aus drei Landesverbänden auf Neuzüchtung vor. Auf der ZDRK-Tagung in Bad Lauterberg wurde dann von der Standard-Fachkommission beschlossen, die Blauen Holicer als Neuzüchtung zuzulassen.

Ein Jahr später waren schon 15 Züchter aus acht Landesverbänden registriert, die sich mit der Zucht beschäftigten und Ende 2013 gab es 22 genehmigte Zuchten aus elf Landesverbänden. Die auf den Landes- und Bundesschauen vorgestellten Tiere zeigten eine stetige Zuchtentwicklung in Quantität und Qualität der neuen Rasse.

Nach der Bundes-Rammlerschau Anfang des Jahres in Ulm folgte dann der Beschluss der Standard-Fachkommission, die Blauen Holicer zum 1. Oktober 2015 als neue Rasse in den Standard aufzunehmen.

Mit dieser Rasse wird ohne Frage eine Lücke in unserem Standard geschlossen. Die Blauen Wiener werden als mittelgroße Rasse mit 4,25 bis 5,25 kg im ZDRK am häufigsten gezüchtet. Eine kleine blaue Rasse gab es zuvor nicht. Da der Trend auf Grund des Platz- und Futterbedarfs einfach mehr zu den Kleinen- und Zwergrassen tendiert, dürfte mit der Anerkennung der Rasse im Prinzip der Startschuss für eine Erfolgsgeschichte gegeben sein.

Zwei Züchter, die bereits seit 2006 Tiere im Stall haben, sind Erich Feigl aus Langerringen (LV Bayern) und Karl Stärkenberg aus Minden (LV Westfalen-Lippe). Letzterer gab uns auch einen Einblick in seine fast neunjährige Zucht der Blauen Holicer. Weitere Einblicke bekamen wir bei Uwe Becher im LV Thüringen.

Als besonderes Highlight schreibt Peter Supuka, Preisrichter und Vizepräsident der Abteilung Kaninchen des Slowakischen Verbandes SZCH, über die Entstehungsgeschichte und den aktuellen Stand der Rasse.

40 Jahre Blaue Holicer

Die Blauen Holicer sind die zweite Rasse, welche in der Slowakei erzüchtet und anerkannt wurde. In diesem Jahr blicken die Züchter dieser schönen Rasse auf den 40. Jahrestag der Anerkennung der Blauen Holicer in der damaligen Tschechoslowakei zurück. Hinter der Entstehung dieser Rasse steht die Zuchtarbeit von Herrn Imrich Vanek aus Holíč, welcher auch die Slowakischen blaugrauen Rexe erzüchtet hat.

Der Blaue Holicer ist eine sehr schöne und aktuell für die Züchter sehr attraktive kleine Kaninchenrasse, welche ihren Weg zu vielen Züchtern in ganz Europa fand.

Die Geschichte


Vorerst war die Erzüchtung einer neuen Rasse eigentlich nicht das Ziel des Züchters, sondern die Regeneration der Lux-Rexe. Für diese Arbeit setzte der

Imrich Vanek (rechts) im Alter von 91 Jahren
Züchter die Rassen Castor-Rex Lux-  Züchter von Blauen Holicern und                   kaninchen ein. Die erste Kreuzung
slowakischen Blaugrauen Rexen mit Herrn     erfolgte im Jahre 1958.
Milan Glimmer (links)


In der zweiten Generation erschienen dem Züchter verschiedene Kaninchen mit normalem Fell und Rexfell. Unter den Jungtieren waren auch blaugefärbte normalhaarige Kaninchen. Aus der Verpaarung solcher Kaninchen fielen nur blaue Nachkommen mit normalem Fell, was den Züchter fesselte.

In den weiteren Jahren bemühte sich Zuchtentwicklung freund Vanek um eine Festigung der Population dieser Rasse und um eine Verbesserung der gezüchteten Tiere. Bei der Erfüllung des Züchtertraumes half ihm die Pädagogische Fakultät in Nitra. Um die Kaninchen kümmerte sich J. Šiška im Rahmen des Unterrichts von Mittelschulstudenten.

Im Jahre 1972 beantragte der Züchter bei dem damaligen Zentralkomitee des Slowakischen Kleinzüchterverbandes die Anerkennung der zweiten slowakischen Nationalkaninchenrasse unter der Bezeichnung „Blauer Holicer“. Nach den Anerkennungsprüfungen wurde das Kaninchen am 15. Oktober 1975 bei der Nationalen Ausstellung der Kaninchen und Pelztiere anerkannt.Der Standard für den Blauen Holicer wurde von V. Roman ausgearbeitet. Anhand der Anmerkungen des Züch ters und der Richter wurde der Standard bearbeitet und bei der Anerkennung der Kaninchen als selbständige
Rasse genehmigt.
Nach diesem Standard wurden die erstenKaninchen von
P. Badžgoň, F. Rybka und V. Roman bewertet. In das Bewusstsein der
Züchteröffentlichkeit traten die Kaninchen nicht nur mittels Ausstellungen, sondern auch durch die in der Zeitschrift „Zahradkar a Chovatel“ (Gartenfreund und Züchter) veröffentlichten Artikel:

  • Das neue Kaninchen von Holíč (1974)
  • Blauer Holicer und seine Genetik (1974)
  • Zuchtziel des Blauen Holicer (1975)
  • Vorschlag des Standards für den Blauen Holicer (1975)
  • Zu der Zucht von slowakischen Kaninchenrassen (1976)
  • Über die Entstehung der ersten slowakischen Kaninchenrassen (1977)

Nach der Anerkennung fand die Rasse allmählich neue Züchter, erst in der Slowakei und später auch in den benachbarten Ländern. Es war aber keine typische „Moderasse“.

Die Gegenwart

Der Blaue Holicer ist eine kleine Kaninchenrasse in lichtblauer Farbe. Der Herauszüchter wünschte sich eine möglichst lichte Farbe – direkt „Wolkenblau“. Obwohl die Farbe lichtblau ist, müssen die Kaninchen auf allen Körperteilen pigmentiert sein, die Krallen und Tasthaare inbegriffen. Der Körper sollte walzenförmig und muskulös gebaut sein, der Kopf ist kräftig. Dem Typ nach sollte der Blaue Holicer an die Kleinsilberkaninchen erinnern. Zuchtziel war es nicht, eine Kleinversion des Blauen Wieners zu erzüchten.

Die Deckfarbe ist am ganzen Körper hell stahlblau. Am Bauch ist die Farbe etwas matter.    
Die
Augenfarbe ist graublau bis graubraun. Dir Krallen sind hornfarbig. Quelle: Standard
ZDRK

Am Anfang war das Interesse der Züchter nicht sehr groß. Es traten viele Fehler zu dem geforderten Standard hervor, wie zum Beispiel weiße Krallen. Die Rasse war im Typ noch nicht gefestigt und infolge der häufigen Verwandtschaftszucht aus Mangel an Zuchttieren sind verschiedene angeborene Degenerationen aufgetreten.

Im Jahre 1993 entstand der Klub der Kaninchenzüchter der slowakischen Rassen und Rexe mit dem Sitz in Michalovce und der Blaue Holicer ist mit der Mehrheit der Nationalrassen in diesem Klub organisiert. Auch hier gab es unter den Züchtern am Anfang kein großes Interesse, auch wenn die Kaninchen auf den meisten Nationalausstellungen ausgestellt wurden. Allerdings wurden immer nur ein paar Tiere gezeigt.

Aufwärts ging es mit dem Blauen Holicer als die Zucht der ersten beiden Züchter durch die Herren Žák und Miča aus der Entstehungsregion (Zahorie) mitwirkten und als das Interesse der Herren Stecz und Hrabovsky in der Ostslowakei geweckt wurde. Danach kam noch die Familie Soukup, die Herren Mgr. Novák, Pósa und Erdélyi hinzu. Und gerade diese Züchterschaft übernahm die Formung der Rasse, wie wir sie heutzutage bei den Ausstellungen sehen können. In dieser Zeit entstand auch der effektivste Gedanke seit der Entstehung des Blauen Holicers und zwar ein Wettbewerb, um den besten Züchter der Blauen Holicer zu ermitteln, der damals in Erinnerung an Imrich Vanek stattfand. Mit dieser Idee kam Herr Jozef Šuster in den Klub, ein Verwandter von Herrn Vanek. Der Wettbewerb wurde später in „Memorial Pavla Žáka“ unbenannt, einem langjährigen Züchter dieser Rasse.

Ab diesem Zeitpunkt stieg die Anzahl der Zuchten der Blauen Holicer steil an und uns begegnen jedes Jahr neu Interessenten bei den Ausstellungen. Die Basis an Züchtern wuchs und die Rasse hat sich in der Quantität als auch Qualität stabilisiert und wurde zu einer typischen Kleinrassen, die wir auf fast jeder Lokalschau finden können.

Der Blaue Holicer ist Teil des neuen Standards der EE und die Kaninchen dieser Rasse werden regelmäßig auf Europaschauen ausgestellt. In den letzten Jahren hat sich die Zucht der Blauen Holicer außer der benachbarten Tschechei auch nach Großbritannien ausgebreitet, wo die Zucht sehr erfolgreich betrieben wird. Dieses ist dem Zuchtfreund Derek Medlock zu verdanken. Nach der Präsentation dieser schönen Rasse auf den Europaschauen verbreitete sich die Zucht auch nach Deutschland, Belgien und Österreich.

Peter Supuka

 
Ein sehr frohwüchsiges Kaninchen

Mit einem Normalgewicht von über 2,75 bis 3,25 kg liegen die Blauen Holicer mit den Kleinchinchilla und Sachsengold in einer Gewichtsklasse.

Es handelt sich hier um eine ausgesprochen frohwüchsige Rasse, die das erforderliche Gewicht verhältnismäßig schnell erreicht. Die Kaninchen haben bei angemessener Fütterung aber auch kein Problem mit Übergewicht.

Körperform und Typ bereits auf einem hohen Stand

In der Körperform konnte die Rasse in den letzten Jahren schon auf einen beachtlichen Zuchtstand gebracht werden. Die Tiere in den zuvor genannten Zuchten zeigen den geforderten walzenförmigen und leicht gedrungenen
Körper. Auch die Hinterpartien sind überwiegend schön abgerundet. Bei Zuchtfreund Stärkenberg konnte man wunderbare typvolle Tiere mit einer hervorragenden Bodenfreiheit bestaunen, die in Position 2 kaum noch Wünsche offen ließen.

Hervorragende Felle

Die begutachteten Felle spiegeln im Großen und Ganzen schon das wider, was im Standard gefordert wird. Das Fellhaar soll mittellang und sehr dicht im Unterhaar sein. Die Grannenhaare sollen elastisch, nicht zu lang und gleichmäßig sein. Auch an den Ohren ist auf eine gute Behaarung zu achten. Zwischen den einzelnen Zuchten wird es sicherlich noch Differenzierungen geben, doch es ist eine hervorragende Basis vorhanden.

Kopf und Ohren unterstreichen den Typ

Zuchtziel ist ein kurzer, breiter und gut abgerundeter Kopf mit einer breiten Stirnpartie. Dieses ist bei den Jungtieren teilweise schon besonders ausgeprägt. Die Ohren sollen harmonisch zum Körper passen und eine kräftige Struktur haben.

Bei den Blauen Holicern ist zu beachten, dass die Ohren gemessen werden. Die ideale Länge beträgt 8,5 bis 10 cm. Eine Ohrenlänge von unter 8 cm oder über 11 cm führen bei der Bewertung zum Ausschluss. Zu Punktabzügen führen dünne oder faltige Ohren und etwas schmale Köpfe.

  Ein Rammler mit einer schönen Stirnbreite,
  ausgeprägten Backen und gut getragenen
  Ohren
  Die Farbe muss eine Nouace heller sein als
  bei den Blauen Wienern. Das rechte Tier
  zeigt eine schöne stahlblaue Deckfarbe


Deckfarbe darf nicht zu dunkel sein

Die Deckfarbe der Blauen Holicer ist etwas heller als bei den Blauen Wienern. Sie soll am ganzen Körper hell stahlblau sein. Nur am Bauch ist sie  etwas matter.                                  

Es ist darauf zu achten, dass die Deckfarbe nicht zu dunkel wird, wie wir es aktuell in einigen Blauen Wiener-Zuchten sehen. Außerdem darf die Deckfarbe keine Schattierung oder Beraupung aufweisen und muss frei von weißen Haaren sein. Bei einem deutlichen fehfarbigenSchleier, wie er bei den Marburger Feh gefordert wird, ist das Tier mit „nicht befriedigend“ zu bewerten. Hier bleibt zu hoffen, dass keine abenteuerlichen Kreuzungsversuche vorgenommen werden.

Die Augenfarbe der Holicer wird als graublau bis graubraun beschrieben. Diese Definition bietet einigen Spielraum, jedoch sollten die Preisrichter bei der Bewertung darauf achten, dass die Tiere keine rein braunen Augen haben.

In einigen Zuchten gibt es noch Probleme mit pigmentlosen Krallen. Hier muss bei der Auswahl der Zuchttiere in den nächsten Jahren noch verstärkt geachtet werden. Laut Standard sollen die Krallen hornfarbig sein. Über die Intensität gibt es keine Aussage. Bei einer idealen Deckfarbe scheint es jedoch häufig so zu sein, dass die Krallen an den Vorderläufen heller als an den Hinterläufen sind. Wenn die Krallen in Richtung dunkelhornfarbig gezüchtet werden, dürfte sich die Deckfarbe wieder mehr den Blauen Wienern annähern.

In der Zucht sollte vor allem darauf geachtet werden, dass die Krallen nicht pigmentlos sind oder an einem Lauf farblich stark voneinander abweichen.

 Die Krallenfarbe an den einzelnen Läufen
 sollte möglichst gleichmäßig sein, damit es
 bei der Bewertung nicht zu Diskussionen
 kommt.
 An diesem Vorderlauf dürfte man ohne Frage
 von zweierlei Krallenfarbe reden. Dieser
 Fehler führt zum Ausschluss in der Position 5
 (Deckfarbe und Gleichmäßigkeit)

Unterfarbe ebenfalls stahlblau

Die Unterfarbe soll sich von der Deckfarbe nicht abheben. Lediglich am Haarboden darf ein sehr schmaler hellerer Streifen sichtbar sein. Zu Punktabzügen führen eine angedeutete Zwischenfarbe sowie eine zonenweise Aufhellung der Unterfarbe. Auch bezüglich der Unterfarbe gibt es bereits einige sehr schöne Vertreter.

Die Zucht

Die Blauen Holicer bringen beachtliche Wurfstärken. Häsinnen mit sieben bis zehn Jungtieren sind keine Seltenheit. Durch die Frohwüchsigkeit und die gute Entwicklung lassen sich die Tiere relativ früh ausstellen, so dass sich auch dieser Aspekt gut auf die Verbreitung der Rasse auswirken kann.
Wenn sich die Qualität der besten Tiere durchsetzt, werden wir hier schnell eine weitere Rasse mit einem sehr guten Zuchtstand haben.

                                                                                     Michael Gerker

Quellnachweise:
http://www.rexklub.estranky.sk, Holíčsky modrý - Hm, 21.12.2013
http://korzar.sme.sk, Králiky vyšľachtené na Slovensku,
Julian Sika,20.08.2004
Standard-Ergänzungsblatt, Blaue Holicer (BlH),
Ausgabestand Mai 2015

 

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