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15. September 2019 |
Tipps für Anfänger Kaninchenrassen Schaukalender

Ausstellen in Großbritannien

Ausstellen in Grossbritannien

Ausländische Züchter sind herzlich willkommen

Nach Angaben des British Rabbit Council können jetzt auch ausländische Züchter, die in einem der EE angeschlossenen Verband organisiert sind, auf den großen Ausstellungen in Großbritannien ausstellen. Voraussetzung ist, dass Ausstellungstiere eine vom Heimatverband gültige Kennzeichnung vorweisen können und Aussteller die Ausstellungsregeln des BRC und der Organisatoren einhalten. Als große Ausstellungen gelten hier Ausstellungen, die über einen 5 Sterne bzw. 6 Sterne Status verfügen.

5 Sterne Ausstellungen

London Excel Championship Show www.thelondon.co.uk (4./5. September 2010 in Reading, ab 2011 wird die Schau nach Peterborough verlegt)

Bradford Excel Small Animal Show http://www.bradfordexcelshow.co.uk/
(Termin für 2011 ist noch nicht veröffentlicht.)

6 Sterne Ausstellungen

Sonderausstellungen, die nicht jedes Jahr stattfinden. Die nächste Schau ist für das Olympia-Jahr 2012 geplant.

Ausstellen in Grossbritannien

Was muss man beachten?

Anmeldung

Die Anmeldung für Grossausstellungen erfolgt immer schriftlich mit einem Anmeldeformular, welches in der Zeitschrift „Fur & Feather“ mit dem Ausstellungsprogramm veröffentlicht wird. Dieses Formular kann auch von der Webseite der Schau heruntergeladen werden.

Es gibt immer noch zwei Systeme der Anmeldung, und Organisatoren müssen im Programm angeben, welches System sie verwenden:

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Block Entry (London) – man gibt Rasse, Farbe und Geschlecht des Tieres an und wird automatisch in alle Duplikatsklassen angemeldet, die für dieses Tier relevant sind.
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Anmeldung per Klasse (Bradford) – man gibt Rasse, Farbe und Geschlecht des Tieres an und legt fest, in welchen Duplikatsklassen des Programms dieses Tier zusätzlich bewertet werden soll.


Ausstellungsprogramm (Schedule)

Ausstellen in Grossbritannien

Das Ausstellungsprogramm definiert, welche Klassen innerhalb der Ausstellung von welchem Preisrichter bewertet werden, wieviel Stand- und Preisgeld/Sonderpreise zu erwarten sind und bis wann und wohin die Anmeldung zu erfolgen hat.

Die Klassen werden von den Organisatoren festgelegt und richten sich im Allgemeinen danach, welche Rassen/Farben in welchen Mengen erwartet werden. Bei Gro?ausstellungen kann man davon ausgehen, dass jede Rasse eine eigene Klasse hat. Dabei werden populäre Rassen außer nach Farben oder Farbenschlägen und populäre Farben noch nach 1,0 (buck) oder 0,1 (doe) untergliedert. Weniger populäre Farben werden oft zu Farbenschlägen zusammengefasst. Alle Tiere deren Rasse, Farbe oder Markierung nicht in eine definierte Klasse passen, werden in die Klasse AOV (any other variety – andere Rassen) oder AOC (any other colour – andere Farben) geführt.

Die Preisrichter werden ebenfalls von der Ausstellungsleitung bestimmt, aber oft richten sie sich dabei nach den Vorstellungen der nationalen Rasseklubs. Der Grund dafür liegt im wahrsten Sinne des Wortes „in den Sternen“. (Mehr dazu später)

Wichtig ist, dass bei der Anmeldung nicht angegeben wird, welche Kennzeichnung das Tier hat. Dies wird erst beim Einbuchen verlangt. Es werden keine Impfbescheinigungen oder Gesundheitszeugnisse gefordert. Jedoch werden vermutlich kranke Tiere von der Ausstellung ausgeschlossen, wobei der Aussteller eventuelle Tierarztkosten tragen muss.

Die Anmeldung wird von den Organisatoren beantwortet, indem sie dem Aussteller die Formulare zum Einbuchen (penning cards), vorbestellte Karten für Eintritt zur Schau und den Züchterabend am Samstag sowie Hinweise zur Ausstellung zuschicken. Daher wird für die Anmeldung immer ein frankierter Rückumschlag (SAE – stamped addressed envelope) gefordert. Ausländische Aussteller sollten dies vorher mit der Ausstellungsleitung besprechen, da sie schlecht an britische Briefmarken herankommen.

In Großbritannien werden Rassen nicht nach ihrer Größe und Haarstruktur unterteilt, sondern fallen in eine der 4 Gruppen Fancy (die älteste Gruppe), Fur (Fellrassen), Lop (Widder) und Rex. Dies ist für Aussteller wichtig, da bei großen Ausstellungen wegen der Arbeitsteilung die Anmeldungen für jede Gruppe zu einer anderen Person geschickt werden müssen.

Ablauf

Ausstellungen auf der Insel sind ganz anders, als kontinental-europäische Züchter gewohnt sind. Da alle Bewertungen unter Einbeziehung der Öffentlichkeit stattfinden, dauern Grossausstellungen nur 2 Tage – Samstag und Sonntag.

Tiere können schon am Freitagabend eingeliefert werden. Die Ausstellung öffnet aber auch schon früh am Samstag, damit Züchter, die erst am Samstag anreisen, ihre Tiere einbuchen und einstallen können. Vorbereitungen wie Pfoten säubern vor Beginn der Bewertung sind erlaubt, sollten aber besser zu Hause vorgenommen werden. Allerdings ist es durchaus üblich, dass man seine Tiere vor dem Einbuchten noch einmal ordentlich „vorbereitet“. Das alles muss aber beendet sein, wenn die Organisatoren die weißen Tischdecken auf die Bewertungstische legen.
Am Samstag finden die ersten Runden der Bewertung statt. Hier werden alle Tiere in ihren im Programm ausgeschriebenen Grundklassen (z.B. Schwarzrex Rammler, Havanna Häsinnen, Riesen einfarbig usw.) bewertet.
Dazu nehmen die Preisrichter ihre Plätze auf der einen Seite des Tisches ein. Ihnen zur Seite steht ein Schriftführer (Book Steward), der dafür sorgt, dass die richtigen Tiere zum Tisch gebracht werden, jedes Tier eine Kennung erhält und die Bewertungen dokumentiert werden.
Auf der anderen Seite des Tisches stehen die Zuträger (Stewards). Jeder Besucher kann als Steward fungieren (ein Kittel hilft dabei ungemein), obwohl dies meist Züchter der zu bewertenden Rasse sind. Stewards beobachten die Bewertung, dürfen aber nicht andeuten, zu wem ein Tier gehört oder ob sie einen Fehler/Vorzug gefunden haben. Stille ist dabei nicht erfordert, aber der Preisrichter darf nicht abgelenkt oder beeinflusst werden. Zuwiderhandlungen können vom Book Steward oder Preisrichter mit Tischverweis oder Meldung an die Ausstellungsleitung geahndet werden. Meistens ignorieren Preisrichter jedoch solche Vorfälle. Das gilt unter Züchtern als professionelles Verhalten.
Der Book Steward weist die Stewards an, welche Käfignummern für die jeweilige Bewertung zu holen sind. Die Stewards bringen daraufhin die entsprechenden Tiere zum Tisch, wo die Tiere mit einem kleinen Aufkleber und ihrer Käfignummer gekennzeichnet werden. Bei Rassen mit strengen Gewichtsvorschriften werden alle Tiere gewogen und ihr Gewicht im Bewertungsdokument festgehalten. Über- oder untergewichtige Tiere werden disqualifiziert oder – z.B. bei Jungtieren, wo das Gewicht nicht strikt festgelegt ist – als über- bzw. unterentwickelt zurück in den Käfig geschickt.
Die Bewertung erfolgt durch Vergleich. Jedes Tier wird zuerst gegen den Standard verglichen und danach gegen die Konkurrenz in der Klasse. Dabei erhält, obwohl der 100-Punkte Standard gilt, kein Tier eine Einzelnote.
Bei großen Ausstellungen werden immer 7 Platzierungen verlangt. Bei Klassen mit mehr Tieren werden nur die besten 7 platziert. Die anderen bleiben ohne Ergebnis. Das heißt nicht, dass der Preisrichter sie nicht bewertet hat. Es ist erlaubt, den Preisrichter nach Beendigung seiner Arbeit nach seiner Meinung zu einzelnen Tieren zu fragen. Oft geht dann der Preisrichter mit dem Fragesteller noch einmal mündlich im Detail durch die einzelnen Positionen. Da der Preisrichter oft mit seinem Book Steward redet, ist es auch vorteilhaft, bei der Bewertung zuzuschauen. Man kann dadurch seine Entscheidungen oft schon nachvollziehen.

Bewertung

Während der Ausstellung erfahren Besucher immer nur die Rangfolge der ersten 7 (bei kleineren Ausstellungen 3) Tiere jeder Klasse. Dies erfolgt durch Preiskarten – Rot für den Ersten Platz, blau für den zweiten und Gelb für den Dritten. (Bei Preisvergabe an 7 Tiere haben die anderen Platzierungen ebenfalls farblich definierte Preiskarten, allerdings erhalten nur die ersten drei Plätze eine Geldprämie)
Die Bewertung der besten drei Tiere wird in der nächstmöglichen Ausgabe von Fur&Feather veröffentlicht. Dies ist immer eine verbale Kritik des Tieres.

Die Sieger einer jeden Klasse erhalten neben der roten Siegerkarte noch ein Challenge Certificate (über deren Bedeutung später mehr) und gehen weiter in die nächste Runde - die Best in Breed (für Rassen, die in Farbklassen unterteilt wurden).

Der erste Tag beendet oft den Traum eines manchen Züchters, die heißbegehrten Preise zu gewinnen, und mit anderen, die kaum ihre Freude über Klassensiege oder gar Best in Breed und Aufregung für den nächsten Tag verbergen können. Die Best in Breed-Sieger werden besonders geehrt, indem sie am Ende des ersten Tages in die Siegerkäfige (Victory Row) unterhalb der Zentralbühne gesetzt werden.

Am zweiten Tag bewerten vier neue Preisrichter die Best in Breed Sieger des Vortages, um den Sieger in den Klassen Fancy, Fur, Lop bzw. Rex zu ermitteln.
Die Klassensieger Best Fancy, Best Fur, Best Lop und Best Rex werden als Höhepunkt der Ausstellung noch einmal von einem bewehrten und anerkannten Preisrichter verglichen, um den Ausstellungssieger „Best in Show“ zu küren. Ein Best in Show auf einer 5 Sterne Ausstellung ist so ziemlich der Traum und Höhepunkt eines jeden Züchters.

Katalog

Alle großen Ausstellungen veröffentlichen einen Katalog. Neben Fachartikeln, Werbung und Ansprachen der Ausstellungsleitung enthält der Katalog, welche Tiere von welchen Züchtern in den einzelnen Käfigen ausgestellt sind und ob diese zum Verkauf stehen. Ringnummern/Kennzeichnungen werden nicht angegeben. Auch Züchteradressen sind seit einigen Jahren unüblich, da die Organisatoren befürchten, dass militante Tierschützer die Informationen missbrauchen.

Züchterabend

Am Samstag treffen sich Züchter zu einem gemütlichen Abend. Dabei wird kein Essen gestellt; man kann aber gern eigene Knabbereien mitbringen. Eine Bar ist offen für Getränke aller Art. Es gibt Musik und einige organisierte Party-Spiele.

Preise

 

Auf britischen Kaninchen-Ausstellungen kann man nicht reich werden.
Preisgelder, Trophäen und andere Ehrenpreise sind in der Ausschreibung festgelegt. Die Auszahlung erfolgt am zweiten Tag zu einer bestimmten Zeit. Nicht abgeholte Geldpreise werden als Spenden mit Dank einbehalten. Die Preise für die Best Fancy, Best Fur, Best Lop und Best Rex werden bei der Präsentation am Ende der Ausstellung auf der Bühne übergeben.

Challenge Certificates
Klassensieger erhalten außer der roten Siegerkarte und dem damit verbundenen Preisgeld noch eine Rosette und ein Challenge Certificate. Das Challenge Certificate wird von Züchtern benötigt, um ihr Kaninchen als BRC-Champion anzumelden.

Jede Ausstellung erhält vom BRC einen Rang oder „Sterne“wert. Dieser Rang beeinflusst u.a., wieviele Klassen aufgestellt werden müssen, welche Qualifikation die Preisrichter haben und wieviel Preisgeld pro Klasse ausgezahlt werden muss. Das Zeichen für den Rang einer Ausstellung sind die Zahl der Sterne auf dem Challenge Certificate.
Um ein BRC-Champion zu werden, muss ein Kaninchen eine bestimmte Anzahl von Sternen vorweisen. Es ist egal, ob es sich hierbei um eine Eigenzucht oder einen Einkauf handelt. Wichtig ist nur, dass eine bestimmte Anzahl von Sternen von Preisrichtern vergeben wurden, die vom jeweiligen nationalen Rasseklub als Rasseklub-Preisrichter für den derzeitigen Zyklus gewählt wurden.

Dorit Powel

 

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