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23. Juni 2017 |
Tipps für Anfänger Kaninchenrassen Schaukalender

46. Angoravergleichsscheren mit offener Angoraschau

Das alljährlich stattfindende Vergleichsscheren der Angoraleistungszüchter findet traditionell Anfang März statt. Als Ausrichter lud dieses Jahr der Angora-Club Sachsen alle interessierten Angorazüchter vom 3. bis 5. März auf das Lehr- und Versuchsgut des Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) nach Köllitsch ein.
 
 
Durch die sehr guten örtlichen Gegebenheiten und der großen Unterstützung seitens des LfULG konnte das Vergleichsscheren wieder einmal zu einem wunderbaren Treffpunkt der Angorazüchter werden. Gleichzeitig bildete die Veranstaltung ein hervorragendes Podium für Zuschauer und Interessierte. Unseren Dank richten wir hier besonders an Romi Wehlitz und Ines Burghardt vom LfULG für die gute Zusammenarbeit.

Einlieferung

Der „Startschuss“ ertönte am Freitag kurz nach 14 Uhr, denn die ersten Tiere bezogen ihre Ausstellungskäfige und die Reihen füllten sich zunehmend. Insgesamt waren 105 Tiere gemeldet. Davon starteten 79 Angorakaninchen in vier Farbenschlägen in der Leistungsklasse. In der offenen Klasse, ohne Schurkontrolle, gingen 21 Angorakaninchen in drei Farbenschlägen an den Start. Eine Premiere bildeten die 4 Zwergwidder-Angora, welche durch ihre Präsentation im Rahmen des Neuzüchtungsverfahrens die Schau sichtlich bereicherten. Wir hoffen deshalb, dass auf den zukünftigen Veranstaltungen dieser Art mit deren Anwesenheit zu rechnen sein wird.

Sinn und Zweck eines Vergleichsscherens

Sinn und Zweck eines Vergleichsscherens ist ja ein Vergleichen des Wollertrags der Tiere. Daher wurde ein verbindlicher Vorschurtermin für alle Beteiligten in der zurückliegenden Ausschreibung zur Veranstaltung fest datiert. Da das Angorakaninchen in Deutschland mittlerweile auf ein 84-tägiges Schurintervall konditioniert ist, ergab sich der 10.12.2016. Somit standen die Tiere quasi „auf den Tag“ in ihrer Blüte. Um sich die Qualität der gezeigten Tiere schwarz auf weiß dokumentieren zu lassen, wurde eine Bewertung nach dem ZDRK-Standard am Freitagabend durch drei amtierende Preisrichter vorgenommen.

Zusammen mit dem Obmann Hans-Reinhard Naumann führte Johannes Meyer und Jörg Grafe wieder einmal souverän und mit viel Fingerspitzengefühl die Beurteilung der Tiere durch. Begleitet wurden die Preisrichter zusätzlich durch die Preisrichteranwärterin Anja Pohl. Sie nutzte an diesem Abend ausgiebig die Gelegenheit, Angorakaninchen in so einer wohl sehr selten anzutreffenden Breite kennenzulernen. Die Abendbewertung bietet den Züchtern den großen Vorteil, dass man sich die Tiere nach der Wertung nochmal in voller Wolle anschauen kann, bevor die Schur durchgeführt wird. Dies wurde auch in den Abendstunden rege genutzt.

Dr. Uwe Bergfeld bestaunt das Scheren.

Der offizielle Startschuß

Pünktlich um 9 Uhr am Samstagmorgen konnten die Besucher, Züchter und Veranstalter den Schirmherren Dr. Uwe Bergfeld (LfULG), den 1. Vorsitzenden des LV Sachsen Jörg Petersheim sowie den Clubvorsitzenden LV Sachsen Jens Petzold begrüßen. Nach überbrachten Grüßen der Ehrengäste eröffneten sie mit ihren Ansprachen den Wettbewerb. Daraufhin gab es kein Halten mehr. Der Sound der Schermaschinen bestimmte die nächsten Stunden das Geschehen.
Grundsätzlich werden die Tiere durch die jeweiligen Züchter selbst geschoren. Beim Scheren wird die Wolle direkt in ihre Güteklassen (Sorte I, Sorte II, Filz) sortiert.
 
Nach erfolgter Schur wurde die Wolle gewogen und im Computer erfasst. Die Wollwägung führten dabei Beauftragte des LfULG durch. Bis zum Mittagessen, so das übliche Zeitfenster, sollten alle Tiere fertig geschoren sein. Dies wurde auch diesmal ohne Probleme erreicht.

Für die Nachmittagsstunden war für die Teilnehmer ein geführter Rundgang über das Versuchsgut organisiert. Dabei konnte man u.a. das Dammwildgehege oder den Lehrbienenstand kennenlernen. Auch konnte man dabei interessante Fakten zur Historie des Landesamtes speziell des Lehr- und Versuchsgutes erfahren.
 
Im historischen Getreidespeicher, heute als Kantine genutzt, fand abschließend der gemeinsame Züchterabend statt. Nachdem sich die Teilnehmer aufs Beste verköstigen konnten, fieberten alle der Siegerehrung entgegen. Prinzipiell kamen zur Vergabe: die besten farbigen sowie weißen Tiere laut Körperbewertung, das Tier mit dem besten Wollertrag und die Sieger im Mannschaftswettbewerb unter den Landesverbänden. Zusätzlich wurden diesmal noch die besten Tiere, pro Farbenschlag, der offenen Klasse ausgezeichnet. Für die Platzierung laut Wollertrag ist die Wollwertrichtzahl (WRZ) maßgebend gewesen. Die WRZ stellt sozusagen eine Hochrechnung auf Jahresleistung ausgehend vom Schurertrag bei der Prüfungsschur dar, wobei eine Wichtung der Wollsorten einfließt. Das Ergebnis ohne Wichtung nennt man Jahreswollertrag (JWE).

Für die Berechnung der Kennzahlen dient nachstehendes System:
Einzelbetrachtung der Farbenschläge

Angora, schwarz
Insgesamt waren leider nur 8 Tiere, davon 2 Tiere in der Leistungsklasse und 6 Tiere in der offenen Abteilung anwesend. Gewichtsmäßig konnten alle überzeugen. Die besten Körperformen hatten die Tiere von Luise Nordquist, Glüsing. Beide erhielten 19 Pkt. in der Pos. 2. Sehr ausgeglichen kamen mir die schwarzen Angoras auch hinsichtlich der Farbeintensität vor. Wollstruktur und Dichte war gut. Eine schöne Häsin hatte auch die ZGM Rentzsch, Großweitzschen in der offenen Abteilung.

Angora, blau
10 Tiere in der Leistungsklasse waren ein sehr gutes Meldeergebnis. Das beste Tier mit 97,5 Pkt. hatte Maria-Elisabeth Hamann, Tasdorf. Diese Häsin war wirklich ein tolles, typvolles Tier! Wollstruktur, Farbe und Körperform waren hier wirklich im Einklang zu erleben. Die Tiere von Ernst Hinrichs, Döttlingen konnten hier nicht ganz mithalten, nicht nur in Größe, auch bezüglich Farbe waren sie etwas schwächer, so mein Eindruck. Man kann gespannt sein wie sich der Farbenschlag entwickeln wird. Einige Zuchttiere wechselten ja den Besitzer und sorgen so hoffentlich für eine gute Verbreitung.
 
Angora, gelb
13 Tiere insgesamt, 9 Tiere in der Leistung und 4 Tiere in der offenen Schau waren ebenfalls ein respektables Ergebnis. Leistungsmäßig liegen die gelben Angoras bekanntermaßen hinter den anderen Farben, doch auch hier sind Fortschritte in den letzten Jahren zu erkennen. Das beste Tier hatte einen Wollertrag von 211g und gehörte Jens Zscharschuch, Glashütte. Verbessert hat sich auf jeden Fall die Körperform der Tiere. Auch farblich konnten sie gefallen. Die Tiere von Corinna Langhammer, Rudolstadt in der offenen Klasse konnten ebenfalls farblich überzeugen nur waren sie typ- und größenmäßig noch nicht voll da.

Angora, weiß
Wie in den letzten Jahren üblich, so bildeten auch dieses Jahr wieder die weißen Angora den größten Leistungsblock. Mit 59 Tieren war ordentlich was geboten. Absolut herausragend war die Siegerhäsin (98,0 Pkt.) von der ZGM Appl, Sachsenheim. So ein Tier sieht man nicht alle Tage. Trotz des Gewichtes an der oberen Grenze zeigte die Häsin eine klasse Körperform verbunden mit einer sagenhaften Wolldichte! Das hier die Preisrichter ein “goldenes Händchen“ gehabt haben bestätigte sich auch bei der Schur! Mit 604g Wolle war sie auch hier ungeschlagen und sicherte sich damit ebenfalls den Siegertitel laut WRZ. Weitere vorzügliche Tiere zeigten Mike Welschke, Obercrinitz und Hinrich Bruns, Jever (beide mit 98er Tieren). Dass die weißen Angora wirkliche Leistungstiere sind, davon konnte man sich eindrucksvoll überzeugen. In puncto Gewicht gab es keine Probleme, Wolldichte, Wollstruktur und Ausgeglichenheit sind die Paradepositionen der weißen Angora. Die Unterschiede sind momentan in den jeweiligen Zuchten in der Pos. 2 Körperform und Bau zu finden. Minimale Differenzen herrschen auch in den Rassemerkmalen beispielsweise betreffend der Ausprägung Ohren- und Stirnbüschel. Das die 10 weißen Angora in der offenen Klasse den Tieren der Leistungsklasse um nicht viel nachstanden war offensichtlich. Auch hier sah man tolle Tiere mit prima Wollstruktur. Peter Kalugin, Schlagresdorf hatte hier das beste Tier mit 97,5 Pkt.

Fazit

Das 46. Vergleichsscheren war eine wirklich tolle Veranstaltung und dabei eine wunderbare Plattform für die Repräsentation der Angorakaninchen, welche wohl als die faszinierendste und unvergleichlichste Kaninchenrasse bezeichnet werden kann!

Das nächste Vergleichsscheren findet vom 09. bis 11. März 2018 in Lorup LV Weser-Ems unter Leitung von Hermann Schürmann statt.


Jens Zscharschuch
 

 

 

 

 

 

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