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17. Juli 2018 |
Tipps für Anfänger Kaninchenrassen Schaukalender

15. EE-Preisrichterschulung in Oksbøl/Dänemark 2018

Die im November stattfindende 29. Europaschau der Kleintierzüchter in der EE rückt immer näher und in den meisten Zuchten tummelt sich schon der
verheißungsvolle Nachwuchs. Die Züchter in ganz Europa fiebern bereits
jetzt schon diesem Großevent in Herning/Dänemark entgegen und vielfach sind die Unterkünfte auch schon seit Monaten gebucht.



Doch auch die europäischen Preisrichter stehen in den Startlöchern
und blicken erwartungsvoll dem Großereignis entgegen. So folgten wieder mal 140 Preisrichter/-innen aus 23 Mitgliedsverbänden der Einladung der EE und trafen sich vom 23.-25. März zur 15. Preisrichterschulung in Oksbøl/Dänemark,
einem kleinen dänischen Ort nahe der Westküste Jütlands. Dort hatten die dänischen Zuchtfreunde rund um die Organisatoren Carsten Philipsen, dem Landesleiter der Sparte Kaninchen und Urban Hamann (EE-Sekretär) ein interessantes und umfangreiches Schulungsprogramm auf die Beine gestellt,
welches bei den Beteiligten sehr gut ankam.

Lange Anreisen und freundlicher Empfang

Obwohl es ja eigentlich zu erwarten war, wenn im gleichen Jahr eine Europaschau stattfindet, waren die Organisatoren von der Teilnehmerzahl schon ein wenig überrascht. Hatten sich doch wieder 140 Preisrichter/-innen zur Schulung im hohen Norden angemeldet und waren dann auch noch teilweise mit Partnern angereist. Natürlich war der größte Teil (fast 50%) wieder aus Deutschland, doch auch hier mussten viele Zuchtfreunde mehr als 1000 km einfach zurücklegen; die Rumänen, Russen oder Serben hatten sogar einfache Strecken von mehr als 2000 km hinter sich. Man bedenke dabei auch, dass diese Veranstaltung in der Regel von den Teilnehmern selbst finanziert wird. So war es dann umso schöner, dass man von den „glücklichen“ Dänen - ihrem guten Ruf entsprechend -sehr freundlich empfangen wurde. Durch die ruhige und nette Art der Dänen waren die Reisestrapazen sehr schnell verflogen. Somit hatte das Schulungswochenende gleich von Anfang an beste Voraussetzungen, um erfolgreich zu sein.

Allgemeine Schulung und Theorie am Vormittag


Nachdem man am Freitagabend bei einem traditionellen dänischen Essen das Schulungswochenende einleitete und vom Organisator Carsten Philipsen über den Tagungsverlauf informiert wurde, ging es dann am Samstagmorgen nach einem gemeinsamen Frühstück zeitig los. Nach der Begrüßung durch die
Organisatoren referierte Wolfgang Vogt (EE-Standardkommission, DPV-Vorsitzender, Deutschland) im ersten Programmpunkt über wichtige Punkte zu allgemeinen EE-Reglements und zu den Bewertungsbestimmungen nach dem Europastandard. Besonders interessant waren zudem natürlich die Besonderheiten im Hinblick auf die bevorstehende Europaschau, denn neben
einer ordentlichen Qualifikation ist es für alle Preisrichter Voraussetzung,
dass sie eine der drei EE-Sprachen (englisch, französisch, deutsch) oder im speziellen Fall die Sprache des Ausrichterlandes sprechen. Zudem muss man im Vorfeld an mindestens zwei EE-Preisrichterschulungen teilgenommen haben.

Die Bewertung muss selbstverständlich (wie auch auf rassebezogenen Europaschauen) mit dem Europastandard durchgeführt werden, dessen Bewertungs- und Ausschlussbestimmungen auch nochmals detailliert erklärt wurden. Auch die Vergabemodalitäten zum Europameister, zum Europachampion, der EE-Medaillen und anderer Ehrenpreise wurden vorgestellt. Mit Hilfe dieser Aufschlüsselung sollte die Preisverteilung dann in Herning
reibungslos klappen. Für eine entsprechende Vorbereitung konnten die Teilnehmer eine Musterpreisverteilungsliste mit Lösung (als Hausaufgabe) mitnehmen.

Weiße Landkaninchen

Nach einer kurzen Pause stellte EE-Sekretär Urban Hamann (Schweiz) die Nationalrasse Dänemarks vor: Die weißen Landkaninchen, mit welchen wir euch bereits in der letzten Ausgabe schon näher bekannt machten, waren somit eines der Hauptschulungspunkte. Vorab lieferte er ein paar Eckpunkte zur Geschichte und Entwicklung dieser besonderen weißen Rasse, welche bereits 1908 in Kopenhagen anerkannt wurde.

Hierbei soll auch das besondere Engagement des Landespräsidenten Carsten Philipsen nicht unerwähnt bleiben, denn aufgrund seiner guten politischen Kontakte brachte er 2011 die Rasse zur Registration in das nationale Arterhaltungsprogramm.

Inzwischen gibt es wieder mehr Züchter (vor allem aus Skandinavien), so dass etliche Tiere in Herning erwartet werden. Somit wird sie von großer Bedeutung sein, so dass diese Schulung wichtig war: Die Besonderheiten in der Körperform und im Typ dieser Rasse sind, und das ist für die Beurteilung sehr wichtig, die Stellung, die Rückenlinie und die Gesamterscheinung. Sie ist eine „mittelkräftige“ Rasse mit einer gewissen Stellung, die aber in der Gesamterscheinung weniger markant sein soll, als der Weiße Wiener. Zudem verläuft die Rückenlinie zu den Schenkeln hin leicht aufwärts und endet schön ausgerundet. Zum Schluss wurde noch darauf verwiesen, dass eine kleine gutgeformte Wamme zulässig ist.

In punkto Gewicht gibt es eine Anpassung - extra zur und vorerst nur für diese Europaschau gültig: Aufgrund der Tatsache, dass die Zuchten in den nordischen Ländern bei einem geringeren Gewicht beginnen, gibt es hier die entsprechende Anpassung - ab 3,25 kg (siehe Kasten). Zum Fellhaar gibt es zu sagen, dass es schon etwas anders ist, als die Strukturen, die wir in Mitteleuropa so kennen. Es wird zwar eine gewisse Dichte gefordert, allerdings besitzt das Fell auch reichlich Deckhaare und nicht zu grobe Grannen, was einen Glanz bewirkt, wie wir ihn vielleicht einem Satin zuordnen können. Und auch die kräftige mit einem leichten Rams geforderte Kopfform ist eher einem Satin, als einer anderen Rasse nahe, wie auch die mit 11-13cm ideal langen Ohren. Zur weißen Farbe besteht kein Unterschied zu anderen Rassen, allerdings wird in den Fehlern explizit auf die falsche Augenfarbe (nicht rot) und auf zweierlei Krallenfarbe hingewiesen (beim Albino normalerweise gar nicht möglich).

Havanna & Französische Havanna

Im Anschluss stellte Stefan Rötlhisberger (Präsident Fachtechnische Kommission Schweiz) diese zwei uns bekannten havannafarbigen Rassen dort als „einfarbig schokoladen- bzw. kastanienbraune“ Kaninchenrassen vor. Vor allem das Französische Havanna weckte das Interesse der Preisrichter; ist diese Rasse ja nicht überall präsent. Doch ihre gute Verbreitung in Skandinavien, Frankreich, Belgien und der Schweiz stützt sich auch auf inzwischen sehr gute Zuchten, von denen wir uns bestimmt im November ein Bild machen können.

Nachdem beide Rassen nahezu gleichzeitig herausgezüchtet wurden (um 1900), könnte man meinen, dass sie auch im Erscheinungsbild gleich wären. Allerdings haben sie neben der Farbe nicht mehr so richtig viel gemeinsam. Hier beginnt es ja schon bei der Entstehung.

Die Havanna entstanden in Holland und wogen so ca. 4 kg. Die französichen
Havanna kamen hingegen nur auf ca. 3 kg, weshalb sie auch kleine Havanna genannt werden. Derzeit liegen ihre „normalen Höchstgewichte“ auch genau da. Und nach einem kurzen allgemeinen Überblick über die zwei Havannas stellte er die feinen Unterschiede der beiden Rassen heraus.



Wird der Havanna gedrungen, kräftig und walzenförmig gewünscht, so hat der französische Verwandte eher eine elegante Erscheinung und ist mittelkräftig. Ein schöner Unterschied, der auch durch den Europastandard bestärkt wird: So hat er bislang beim Gewicht eine Lücke zwischen beiden Rassen. Allerdings erfolgt auch hier aufgrund der höheren Gewichte in Skandinavien wieder nur für diese Schau eine Gewichtsanpassung; d.h. das Höchstgewicht wurde nun auf 3,25 kg angehoben (siehe Kasten).

Im Fellhaar sind sie sich ähnlich, wobei das Fellhaar der „Großen“ vielleicht nicht nur länger, sondern auch dichter sein sollte. Die Stirn- und Ohrenbüschel (bisweilen überstehende Ohrenrandbehaarung und doppelter Ohrensaum) sind aktuell nur bei den diesen Havannas ein auftretender Fehler.

Beim Kopf ist vieles gleich formuliert. Allerdings belegt schon die Beschreibung der Körperform, dass hier auch im Kopf Unterschiede sein müssen, so dass der Kopf der „Franzosen“ am Ende doch auch eleganter erscheinen sollte. Doch bei den Ohren ist eigentlich nur das Maß unterschiedlich (Havanna um die 11 cm, Französicher Havanna ca. 9 cm).

Feine Unterschiede hat es dann aber bei und in der Deckfarbe. Die Havanna werden als sattbraun beschrieben und die Französischen Havanna als kastanienbraun. Das ist schon „verzwickt“, sehen sie doch irgendwie gleich aus. Generelle Probleme haben beide Rassen mit weiß durchsetzten Ohrenränder, Rost und mit aufgehellten Augenfarben. Bei der Unterfarbe gibt
es - man glaubt es kaum - dann doch die größten Unterschiede. Beim Havanna soll sie blau sein und bis zum Haarboden reichen, und trotzdem mit der Deckfarbe harmonieren; je satter, desto besser. Beim „Franzosen“ hingegen ist sie lichtblau, hat eine 6mm leichte braune Abgrenzung unterhalb der Haarspitzen, welche aber nicht mit einer Zwischenfarbe verwechselt werden darf und reicht ebenfalls bis zum Haarboden. Sie wirkt dann leicht zonig. Bei
beiden aber ist ein weißer Haarboden immer ein schwerer Fehler.

Als Hinweis für die nachfolgende praktische Schulung gab er uns mit auf den Weg: „Man soll sich nicht schämen, auch mal mit den Tieren vor die Tür zu gehen. Nur so kann man sich ein richtiges Bild machen und Vergleiche ziehen.“ Es gibt hier aber auch bei den anderen Havanna- Rassen verschiedene Nuancen. So ging er nochmals kurz z.B. auf das aufgehellte lange Haar beim Angora oder Fuchskaninchen ein. Mit dem passenden Schlusssatz: „Havannas sind schöne Rassen mit einem warmen Farbton“, welcher überall gleichvorhanden sein soll, schloß er seinen Vortrag.

Erst Smørrebrød - dann ran ans Tier

Nachdem wir uns anschließend landestypisch mit Smørrebrød (mit feinsten Fisch- und Wurstvariationen) stärkten, durften wir die theoretischen
Vorgaben und Hinweise zur Bewertung an jeweils vier Tieren überprüfen und diskutieren. In kleinen Preisrichtergruppen (meist 6 Personen verschiedener Nationen) wurde dann eine gemeinsame Bewertung durchgeführt, die auch auf einer Musterurkunde festgehalten wurde. Doch bereits hier zeigte sich, dass man nicht immer in allen Punkten eine Übereinstimmung hatte und dass auch mal individuelle Hinweise die Gruppe ins Überlegen brachten. Dennoch kam
es meistens zu einem Konsens und die Varianz in der Endpunktzahl lag schon jetzt meistens nur bei 1,0 Punkten.

In der Abschlussbesprechung durch die Obmänner wurden dann die Ergebnisse besprochen und die größeren Abweichungen vorgestellt. Hierbei gab es dann bei allen Rassen Ansatzpunkte, wo man bezüglich der Bewertung sich an gemeinsamen und wichtigen Kriterien orientieren sollte: Vor allem betrifft dies die Beurteilung der Stellung und der Problematik mit loser Fellhaut und Wamme. Hier sind unbedingt die Anforderungen des Standards zu lesen und auch entsprechend umzusetzen, denn wenn eine kleine Wamme erlaubt ist, dann sollte z.B. etwas Brustfell nicht gleich mit 18,0 Punkten bewertet werden. Auch wenn am Ende die Spanne bei den Endergebnissen selten sehr weit war (aber leider trotzdem!), so wurde durch die Besprechung klar, dass die Mitte hier anzustreben ist. In anschließenden kleineren Diskussionsrunden wurde ein internationaler Konsens klar und deutlich.

Fingerspitzengefühl, aber keine Zugeständnisse

Trotz mancher internationaler unterschiedliche Meinungen befanden die Fachleute die Schulung als gelungen. Allerdings soll man bei der Bewertung bei jeder Rasse auf ihre Besonderheiten und Eigenheiten achten und diese berücksichtigen. Trotzdem müssen erhebliche Farbfehler, z.B. vor allem weiß
durchsetzte Ohrränder, vehement bestraft werden, da sich diese, wie auch die immer häufiger werdenden überlangen Ohren(rand)behaarungen, hartnäckig ausbreiten. Und auch beim Kopf sollte man auf die Entstehung und den Ursprung einer Rasse achten, denn wir wollen die Vielfalt der Rassekaninchenzucht erhalten. Im Hinblick auf die folgenden Hinweise der Standardkommission scheinen die Preisrichter richtig gut gerüstet zu sein:

Neue Rasse im Europastandard

Mit den Großen Grannen (Ursprungsland Kroatien) wurde eine weitere interessante Rasse in den Farbenschlägen weißgrannen und otterfarbig, jeweils in den Grundfarben schwarz, blau und havanna, aufgenommen, nachdem sie in drei Ländern anerkannt und bereits in Leipzig und Metz ausgestellt
wurden. Des Weiteren wurde nochmals besonders auf die skandinavischen Rassen hingewiesen, denn hiervon werden wir bestimmt mehr sehen: Vor allem weiße Landkaninchen, Isabella und Französische Havanna werden uns ebenso begegnen, wie vielleicht auch die relativ „neuen“ Kleinen Wiener (weiß Blauauge, wildgrau, eisengrau und schwarz) oder die eher seltenen Trønder
aus Norwegen oder die Svensk Pels, Oransje oder die Ørestad aus Schweden.
Abschließend wurden nochmals die bereits beschlossenen Standardänderungen
bei den Punktschecken, den Klein-Rexen und der Langhaarkaninchen vorgestellt.

Auf ein Wiedersehen in Dänemark

Im Großen und Ganzen war dies eine sehr lehrreiche Schulungsveranstaltung und die Preisrichter sollten somit gut auf die Europaschau vorbereitet sein. Hierzu hat natürlich auch die Organisation ihren tollen Beitrag geleistet, denn
viele Teile der Schulungen wurden sogar dreisprachig diskutiert und die Schulungsunterlagen lagen ebenfalls in drei Sprachen vor. Hierfür bedankten sich die Teilnehmer sehr, denn nach einer langen Reise waren sie froh, nicht nur einfach dabei zu sein, sondern - wie es sich gehört - mittendrin. Somit hoffen alle Teilnehmer auf ein Wiedersehen in Dänemark - im November in Herning.
 
 

Bericht: Markus Grillenbeck
Fotos: Michael Gerker


Hinweis: Ein Rasseporträt über die Weißen Landkaninchen ist in der 33. Ausgabe April 2018 der kleintiernews veröffentlicht

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