ZeitschriftE-Paper kleintiernewsSchnupperabo kleintiernews 3 Monate
10. August 2022 |
Tipps für Anfänger Kaninchenrassen Schaukalender

12. Deutsch-Französisches Züchtertreffen zwischen ZDRK und FFC 2021

Am 25. Oktober 2021 fand im Vereinsheim des Kleintierzuchtverein Thurnau im Landesverband Bayern in unmittelbarem Anschluss an die ZDRK-Bundestagung das 12. Treffen zwischen dem ZDRK und dem FFC statt.

Wie die Jahre zuvor trafen sich die Mitglieder der geschäftsführenden Präsidien der beiden Verbände, ergänzt um Experten zu thematischen Fragen. Dies waren in diesem Jahr der DPV-Vorsitzende sowie der Redaktionsleiter der Standardfachkommission. Wie tiefgreifend die freundschaftlichen Verbindungen sind, wurde gleich zu Anfang klar, als die Präsidentin der FFC, Jeannine Jehl, einen kurzen Bild-Vortrag, der an die bisherigen 12 Jahre der Deutsch-Französischen Treffen erinnerte, präsentierte. Es waren stets gewinnbringende Treffen für den ZDRK als auch für den FFC.


Mittlerweile stimmen sich beide Verbände ab, wenn es um wichtige Belange in der EE oder auch auf der politischen Ebene Europas geht. Nur gemeinsam und mit den notwendigen Kontakten schaffen wir es, unsere Belange der Rassekaninchenzucht im Europäischen Parlament durchzusetzen. Ein Höhepunkt in der gemeinsamen Geschichte war die Verleihung des Ritterordens für Verdienste um die Völkerverständigung zwischen Frankreich und Deutschland durch das Französische Parlament an unseren damaligen Präsidenten des ZDRK Peter Mickmann.

Folgende Tagesordnungspunkte galt es abzuarbeiten.
 

  1. Die französische Bewertungsmethode bei Rassekaninchen
  2. Neu- bzw. Nachzuchten – Verfahren der beiden Länder im Vergleich
  3. Neue Europäische Verordnungen und Vorhaben – Stichwort  Käfighaltung
  4. Neuester Stand zur RHD (Variante 2019) mittels eines Berichts von Dr. Samuel Bouche


Unterschiedliche Methoden der Bewertung führen zu unterschiedlichen Ergebnissen


Im ersten fachlichen Tagesordnungspunkt wurden die Bewertungsmethoden beider Länder bei Rassekaninchen verglichen.

Die Bewertungsmethoden im FFC wurden anhand der einzelnen Positionen erläutert. Unterschiede wurden herausgearbeitet und mit den Positionen des deutschen Standards verglichen. Im Ergebnis der Gegenüberstellungen und Erläuterungen wurde klar, in welchen Positionen Unterschiede, aber auch eine gleiche Herangehensweise festgestellt werden konnte. Befindet sich ein Kaninchen im Rahmen der Standardbeschreibung, so wird in den Positionen in Frankreich folgende Bewertung vergeben:


Besonders positive als auch negative Aspekte sind zu vermerken und führen zu höheren oder niedrigeren Punktzahlen. Wesentlicher Unterschied ist jedoch, dass die Bewertung in Frankreich durchweg mit niedrigeren Punkten erfolgt, als dies in Deutschland der Fall ist. Auch sind Einschränkungen zur Vergabe bereits ab 96,5 Punkten gegeben. Besonders interessant ist, dass in Position 7 nicht nur die Pflege beurteilt wird, sondern auch das Verhalten des Tieres und wie es sich auf dem Preisrichtertisch präsentiert.

Im Ergebnis bleibt festzustellen, dass durch den Gedankenaustausch Verständnis über die unterschiedliche Vergabe der Wertnoten herausgearbeitet werden konnte. Umso wichtiger ist es, dass in der Erarbeitung des neuen Europastandards die Interessen einzelner Länder der EE Berücksichtigung finden sollten. Grundlegend muss ein einheitlicher Standard erarbeitet werden. Dieser muss Grundlage für ein einheitliches Bewertungssystem in der EE darstellen und das trotz aller nationalen Unterschiede eine Harmonisierung erreicht und der europäische Gedanke herausgestellt wird.


Neu- bzw. Nachzuchten – Verfahren der beiden Länder im Vergleich


Im weiteren Verlauf wurden die Zulassungsverfahren der FFC und des ZDRK besprochen.
Grundsätzlich können in beiden Verbänden Neuzüchtungen bzw. Nachzuchten beantragt werden. Auch hier werden unterschiedliche Herangehensweisen praktiziert.

Zulassungsverfahren einer neuen Rasse im französischen Standard

Der betreffende Rasseklub arbeitet einen Standardentwurf aus und legt ihn dem Vorsitzenden der Standardkommission vor. Der Antrag muss durch einige Fotos ergänzt werden. Präsentation auf einer von der Standardkommission bestimmten Ausstellung, von mindestens 8 Tieren (4 Rammler und 4 Häsinnen), in drei aufeinander folgenden Jahren.

Bei jeder Präsentation verfassen die beauftragten Mitglieder der Standardkommission einen Bericht, der dem Club übermittelt wird.

Im dritten Jahr wird die Kommission ihr Urteil abgeben, dann kann die neue Rasse zugelassen und der Standard als offizieller Standard veröffentlicht werden oder es kommt zu einer Ablehnung. Falls erforderlich, kann die Kommission eine oder mehrere zusätzliche Präsentationen verlangen.

Zulassungsverfahren für einen neuen Farbenschlag im französischen Standard

Der betreffende Rasseklub arbeitet einen Standardentwurf aus und legt ihn dem Vorsitzenden der Standardkommission vor. Der Antrag muss durch einige Fotos ergänzt werden.

Präsentation in einer von der Standardkommission festgelegten Ausstellung, von mindestens 8 Tieren (4 Rammler und 4 Häsinnen) von dem selbenm Farbenschlag in 2 aufeinanderfolgenden Jahren. Bei jeder Präsentation verfassen die Mitglieder der Standardkommission einen Bericht, der dem Club übermittelt wird.

Im zweiten Jahr gibt die Kommission ihr Urteil ab, dann kann der neue Farbschlag zugelassen und als offizieller Standard veröffentlicht werden oder wird abgelehnt. Falls erforderlich, kann die Kommission eine oder mehrere zusätzliche Präsentationen verlangen.

Zulassung einer Rasse oder einem Farbenschlag mit ausländischem Ursprung

Dies gilt für Rassen oder Farbenschläge die im europäischen Standard anerkannt sind. Es ist nicht notwendig, ein spezielles Präsentationsverfahren einzurichten, solange der Antrag auf Homologation gemäß der Vorschrift gestellt wird.

Der betreffende Rasseklub muss jedoch dem Vorsitzenden der Standardkommission den ins Französische übersetzten Standardtext des Herkunftslandes sowie einige Fotos zur Verfügung stellen, die für eine eventuelle Veröffentlichung im französischen Standard verwendet werden kann. Nach Prüfung des Antrages durch die Standardkommission kann, die in dem europäischen Standard erfasste Rasse oder der Farbenschlag dann in den französischen Standard aufgenommen werden.

Aussetzung oder Entzug einer Zulassung

Neu zugelassene Rassen und/oder Farbenschläge müssen bei den nationalen F.F.C.-Ausstellungen vorgestellt werden, um die Entwicklung der Selektion und die Ausbreitung der betreffenden Rassen und/oder Farbenschläge zu überprüfen. Sind diese Präsentationen nicht gegeben, kann die Standardkommission alle ihr angemessen erscheinenden Maßnahmen ergreifen bis hin zur Rücknahme der Zulassung.

Grundlagen einer Neuzüchtung im ZDRK

Bernd Graf erläutert die Grundlagen einer Neuzüchtung im ZDRK. Hierzu wurde durch die Standardfachkommission ein Merkblatt erstellt, welches unter www.standardfachkommission.de  runtergeladen werden kann.  Dort sind die einzelnen Verfahren, die Voraussetzungen und Bedingungen sowie die aktuelle Beschlusslage und die Zuständigkeiten der Bearbeitung geregelt. Grundlage bilden §§ 12 und 13 der AAB.


Gemeinsames Handeln im politischen Europa

Einen großen Rahmen nahm die Europäische Verordnung in Fragen Tiergesundheit und Tierschutz ein. Wie wird sich in Zukunft die neue EU-Initiative „End the Cage Age“ zum Ende der Käfighaltung auf die Rassekaninchenzucht auswirken?

In Fragen der Tiergesundheit handelt es sich um folgende VO: Verordnung (EU) 2020/688 der Kommission vom 17. Dezember 2019 zur Ergänzung der Verordnung (EU) 2016/429 des Europäischen Parlaments und des Rates zu Tierseuchen und zur Änderung und Aufhebung einiger Rechtsakte im Bereich der Tiergesundheit.
 
Bernd Graf ging auf die Selbstversorgung und die Biodiversität unserer Kaninchen ein und berichtete über die Zusammenarbeit mit dem BMEL und dem Arbeitskreis Kleintiere der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung, bei dem Markus Eber und er selbst Mitglieder sind.

Um die Belange der Rassekaninchenzucht im Gesundheits- und Tierschutz sichern zu können, ist es unbedingt erforderlich, im engen Austausch mit der Politik und der Wissenschaft nach Lösungen zu suchen. Nur gemeinsam wird es uns gelingen, unsere Interessen zur Erhaltung des schönen Hobbys „Rassekaninchenzucht“ zu bewahren.

Es ist von großer Bedeutung im Rahmen der Initiative „End the Cage Age“ die Abgeordneten der EU aus den Ländern fachlich zu überzeugen und für unsere Interessen zu gewinnen.

Hier werden die FFC-Präsidentin Jeannine Jehl sowie der ZDRK-Präsident Bernd Graf gemeinsam auf Abgeordnete des Agrarausschusses beider Länder zugehen.

Neuigkeiten aus Frankreich zur RHD

Zum Abschluss des Treffens wurde durch Jeannine Jehl der neueste Stand zur RHD (Variante 2019) mittels eines Berichts von Dr. Samuel Bouche, Veterinär und Vorsitzender der Sanitär-Kommission der FFC dargelegt.

Die epidemiologische Situation von RHD ändert sich, wie sieht es mit impfen aus?

Viele Züchter berichten uns über Fälle von RHD geimpften Kaninchen, die trotzdem sterben. Manchmal sterben diese Kaninchen an einer anderen Krankheit (Hitzschlag, Pasteurellose, usw.), die durch ihre klinischen Symptome und Läsionen auf eine virale hämorrhagische Erkrankung hindeutet. Aber einige Fälle, auch in gewerblichen Zuchten, zeigen, dass die Impfungen, wie wir sie praktizieren, manchmal wirkungslos erscheinen. Wieso?

Zuerst müssen die üblichen Impfbedingungen eingehalten werden:
 

  • Keinen abgelaufenen Impfstoff benutzen
  • Keine rekonstituierten Impfstoffe verwenden, die je nach Spezialität länger als 2 bis 4 Stunden aufbewahrt werden
  • Keine lebenden Impfstoffe mit Antiseptikum verwenden (typischer Fall:  Reinigung der  Spritze)
  • Keine zu jungen Tiere impfen (mütterliche Antikörper, die während der Trächtigkeit und/oder Laktation von der Mutter übertragen werden, stören die  Impfung)

Die Impfprotokolle müssen eingehalten werden. Das Befolgen der Anweisungen der Impfbeschreibung ist nicht immer ausreichend. Lassen Sie sich von Ihrem Tierarzt beraten, der das Impfprotokoll nach den derzeitigen epidemiologischen Kenntnissen an die örtlichen Gegebenheiten anpasst. So kann er öfter und früher Ratschläge geben.

Das nächste Deutsch-Französische Treffen ist schon in Planung

Zum Abschluss galt der Dank dem Verein in Thurnau für die Bereitstellung des Vereinsheims und Markus Eber für die Organisation der Tagungslogistik. Angesichts der nicht endenden Themen, die im Abgleich und in der Zusammenarbeit über die Ländergrenzen hinweg zum Wohle unserer Züchterinnen und Züchter und vor allem für unser Kaninchen und unser Hobby bestehen, hat sich der jährliche Austausch sehr bewährt und soll daher im Jahr 2022 fortgesetzt werden.


Peter Kalugin
Schriftführer im ZDRK


*Anmerkung der Redaktion zum Impfstoff „FILAVAC VHD VAR K“: Diese inaktivierte Vakzine ist mit Immunverstärkern auf Öl-Basis versetzt und wird nur in großen Abpackungen vertrieben (100, 500 und 1000 Dosen). In Frankreich wurde am 21.11.2021 durch die Zulassungsbehörde eine vorübergehende Nutzungsberechtigung (Autorisation Temporaire d‘Utilisation ATU) erteilt. Der angepasste Impfstoff darf mit Ausnahmegenehmigung nur in kommerziellen Haltungen, die nachweislich Probleme mit hypervirulenten RHDV2-Stämmen haben, eingesetzt werden. Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI), das für die Zulassung von Impfstoffen und für die Erfassung von Nebenwirkungen oder mangelhafter Wirksamkeit zuständig ist, überwacht die Situation und kann bei einem Nachweis der veränderten RHDV2-Erreger in Deutschland ebenfalls Ausnahmegenehmigungen erteilen. Quelle: Informationsbroschüre „Hinweise zum Auftreten neuer RHD-Varianten“ des Friedrich-Löffler-Institutes, Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit; auch nachzulesen in der 79. Ausgabe der kleintiernews 03/2022
 

Zurück