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25. Oktober 2014 |
Tipps für Anfänger Kaninchenrassen Schaukalender

Löwenköpfchen, rhönfarbig


Löwenköpfchen rhönfarbig aus der Zucht
von Hans-Heiko Böger

Aus dem Schatten ins Licht

Als wir 2004 die Landesschau von Dänemark, damals in Haderslev, besuchten, waren wir sehr überrascht und erstaunt, welche Rassen und Farbenschläge es außerhalb des ZDRK gibt. Da fragt man sich schon mal, für was wir einen Europagedanken pflegen, wenn sowieso jedes Land seine eigenen Gesetzte und Bestimmungen weiterführt. Wir haben Rassen gesehen wie z.B. Deutsche Widder holländerfarbig oder Zobelkaninchen. Am meisten haben uns aber die Löwenköpfchen gefallen. Unter dem Namen „Dværgeløve“ waren sie in mehreren Farbschlägen ausgestellt. Mit diesen Eindrücken fuhren wir wieder heim. Wir, das sind mein Zuchtfreund Axel Linke aus Berlin und ich, Jens Zscharschuch aus Niederfrauendorf. Als ich aber das Erlebte in meinem heimischen Züchterumfeld erzählte, stieß ich unerwarteter Weise auf Belächelung oder auf unschöne Bemerkungen, wie „ …dieses Zoohandlungszeugs, was willst du damit?“ oder „...es gibt schon genug Rassen“. Als Züchter von Rhönkaninchen war man es aber ja gewöhnt, als „Exote“ angesehen zu werden. Da spornt einen solch eine Bemerkung eher noch an. Trotz alledem bremste sich meine Euphorie aber darauffolgend wieder und ich konzentrierte mich auf meine Rhönkaninchenzucht.
Zwei Jahre später bekam ich aber von der sehr gut befreundeten Zuchtgemeinschaft Scholz/Töpel aus Jena ein Löwenköpfchen geschenkt. Sie hielten die Löwen damals aus Liebhaberei. Es war ein dreifarbiger Rammler namens „Gismo“. Durch ihn wurde mein Interesse an den Löwen wieder geweckt.


Bild 1 deutlich sichtbarer „Keil“
Foto: Hornung 2011

Der eigentümliche Keil

Im darauffolgenden Jahr wurden allerhand Verpaarungen mit dem Löwenrammler durchgeführt. Zu meiner Überraschung fand ich in manchen Nestern Jungtiere vor, die anders aussahen als ihre Geschwister. Ich entdeckte den sogenannten „Keil“ (Siehe Bild 1). Um meinen Wissensdurst zu stillen, durchforstete ich bekannte Literatur. Fand aber nichts Erklärendes für meine Beobachtung „Keil“. Erst Gespräche mit anderen, damaligen Löwenhaltern, konnten meine Wissenslücken nach und nach schließen. Auch im Internet wurde ich ausgiebig fündig. Allerdings meist auf Seiten ausländischer Organisationen, vor allem skandinavischen sowie englischen und amerikanischen. Ich erfuhr dadurch, dass man unterschied in „Doppelmähne“ und „Einfachmähne“. In England z. B. wird die „Doppelmähne“ mit MM und die „Einfachmähne“ mit Mm bezeichnet. M steht für Mane (Mähne), m für das Fehlen dieser Anlage. Der augenscheinlichste Unterschied zwischen den beiden Variationen ist die Ausprägung der Mähne und Flankenbehaarung im Erwachsenenalter. Als Keil bezeichnet man die Fläche, welche von Anfang an Fellhaar trägt. An den Stellen wo das Fellhaar jedoch anfänglich noch nicht vorhanden ist, entwickelt sich später die Mähne sowie die Flanken- und Rumpfbehaarung. Also kann man sagen: typische Löwenköpfchen tragen im Nestalter den „Keil“! Durch diese Besonderheit besitzen die Löwenköpfchen ein fast einzigartiges Merkmal unter den Rassekaninchen, lediglich die Belgischen Bartkaninchen besitzen selbiges ebenfalls. Anhand dieser Recherchen realisierte ich erst einmal, wie viele Halter von den Löwenköpfchen es eigentlich gibt. In Zeiten schwindender Mitgliederzahlen eine ernst zu nehmende Größe so dachte ich. Auch war ich überrascht, wer alles von den mir bekannten Züchtern, Preisrichtern oder Funktionären die Löwenköpfchen im Stall hatte. Gleichermaßen war ich von der Nachfrage nach den bei mir gefallenen bunten Löwen - als Heimtiere - erstaunt.

Entwicklungsphasen der Löwenköpfchen

Von der Idee zur Umsetzung

Bedingt durch eine berufliche Veränderung, ergab es sich, dass ich seit dem Jahr 2008 des Öfteren in Berlin tätig bin. Diese Aufenthalte nutzte ich natürlich hin und wieder um meine Zuchtfreunde in und um Berlin zu besuchen. So ergaben sich manchmal lange Züchterabende mit Gesprächen, Stallbesichtigungen oder dergleichen. Da in mir das Vorhaben, Löwenköpfchen zu züchten nie ganz erloschen war, wurde selbstverständlich dieses Thema vielmals angesprochen. Die intensivsten sowie entscheidendsten Gespräche über die Löwenköpfchen führte ich in dem Zeitraum mit meinem sehr guten Freund und Züchter Carsten Brunow aus Berlin. Ein absoluter Fachmann auf dem Gebiet der Zwergkaninchenzucht! Damit war der bestmöglichste Partner für mein Vorhaben gefunden. Aber wie sollte man anfangen, dachten wir uns. Welcher Farbenschlag sollte es werden? Zuerst wurde natürlich einschlägige Literatur genutzt um uns wieder in der Farbvererbung aufzufrischen. Kurze Zeit danach stand unser Entschluss fest – es sollten rhönfarbige Löwenköpfchen werden. Folgend machten wir Nägel mit Köpfen und besorgten uns Zuchttiere außerhalb des ZDRK in den Farben chinchilla- sowie japanerfarbig.

Die ersten Nachkommen waren, laut dem Uniformitätsgesetz nach Mendel, ausschließlich wildfarbene Jungtiere. Aber sie trugen die rezessiven Anlagen für Chinchilla  achin und Japaner bj   

Nun wurden die typischsten Vertreter herausgesucht. Geachtet wurde z.B. auf die Ausprägung von Mähne und Bart. Es wurden also nur Vertreter nachfolgend eingesetzt, die im Jungtieralter den Keil trugen.

F1 = A B C D G = phänotypisch wildfarbig
achin bj C D G

 
Durch die folgende F1 Verpaarung ergab sich:

Statistisch war jedes 16. Jungtier wieder rhönfarbig. Was sich in der Praxis auch bewahrheitete.

achinachinbjbj = rhönfarbig 

Nicht mit aufgeführt ist das Symbol für die besondere Fellhaarstruktur, der so genannte „Mähnenfaktor“. Da für dieses Merkmal noch kein in Deutschland verbindliches Symbol vorhanden ist!

Der Weg der Verbreitung

Da die Züchtergemeinschaft der Rhönkaninchen bzw. rhönfarbiger Rassen relativ überschaubar ist, machte die Nachricht über eine neue Rasse im Rhönspektrum, schnell die Runde. So ergab es sich, dass die Löwenköpfchen in relativ kurzer Zeit Einzug in mehrere Landesverbände fanden. Alle damals beteiligten Züchter arbeiteten ausgezeichnet miteinander, so dass wir unsere Löwenköpfchen, rhönfarbig anlässlich der 20. offenen Rhön & 14. offenen Schwarzgrannenschau im Oktober 2010 in Kaltenlengsfeld vorstellten. Da die Löwen zu damaliger Zeit ja noch gar nicht als Neuzüchtung zugelassen waren, nutzen wir die Schau eigentlich nur zum erstmaligen „Vorstellen“ in der Öffentlichkeit vor größerem Publikum. Die Resonanz war enorm und wir sahen uns in unserer zurückliegenden Arbeit mehr als bestätigt. Auch nutzen wir die Veranstaltung dafür, eine Rassebeschreibung zu entwickeln. In puncto Rassebeschreibung galt unser größtes Interesse, sich an den existierenden Standardbeschreibungen der ausländischen Organisationen zu orientieren.
Was wir auch taten! Somit hatten wir alle Bedingungen seitens des ZDRK für Neu- bzw. Nachzüchtungen erfüllt, so dass wir Anfang Januar 2011 den schriftlichen Antrag an den ZDRK stellten die Löwenköpfchen, rhönfarbig als Neuzüchtung aufzunehmen. Abschließen möchte ich meine Zeilen mit einem Zitat: „Menschen mit einer neuen Idee gelten so lange als Spinner, bis sich die Sache durchgesetzt hat“ (Mark Twain)

 


  

 

 

 

 

 

Die Zulassung

Mit dem offiziellen Antrag kommt die Perspektive der Standard-Fachkommission des ZDRK ins Spiel. Im Januar 2011 war aber nicht die erste Begegnung mit den rhönfarbigen Löwenköpfchen:

Der erste Kontakt war rein theoretischer Natur. Im Oktober 2008 anlässlich der 18. offenen Rhön- und 12. offenen Schwarzgrannenschau in Burgsteinfurt fragten mich, den Rhönkaninchenzüchter, Züchterfreunde aus den Landesverbänden Bremen, Berlin, Thüringen und Sachsen, ob die Zulassungssperre für Neuzüchtungen denn wirklich zum 1.1.2011 beendet werde und ob man im Falle des Falles nun wirklich damit rechnen dürfe, dass auch so etwas Ausgefallenes und gänzlich Neues wie rhönfarbige Löwenköpfchen eventuell zugelassen werden könne. Ich erläuterte die mittlerweile hinlänglich bekannten Bedingungen, verwies auf die Notwendigkeit der Begründung des Zuchtziels und seiner Darstellung mittels einer Musterbeschreibung und versprach als begeisterter Anhänger aller birkenstammfarbigen Rassekaninchen argumentative Unterstützung. Die Freunde wollten an die Zuchtarbeit gehen… Zwei Jahre lang hörte ich nichts mehr von dem Vorhaben.

Der zweite Kontakt im Oktober 2010 auf der bereits erwähnten Schau in Kaltenlengsfeld war „live“: Da standen sie nun auf der Bühne des Bürgerzentrums und schauten mich an. Es war Liebe auf den ersten Blick. Spontan schenkte mir Andrea Scholz, Jena, eine sehr schön gezeichnete Häsin mit schönem, aber nicht übermäßig ausgeprägtem Rasseschmuck. Dazu erwarb ich – um die genetischen Zusammenhänge wissend – einen rhönfarbigen 1.0 Farbenzwerg. Von Jens sollte ich im März einen zum Zeitpunkt der Schau noch zu jungen Löwchen-Rammler bekommen. Ich machte klar, dass ich mich im Rahmen des Zulassungsverfahrens neutral verhalten müsse und daher auch nicht als Antragsteller in der ersten Reihe stehen würde. Organisatorische Ratschläge sowie Mithilfe bei der Antragsbegründung und der Erstellung eines Entwurfs für die Musterbeschreibung war ich natürlich meinen Freunden schuldig.

Die Freunde leisteten daraufhin perfekte fachliche und logistische Arbeit, und so lagen zum Zeitpunkt der Sitzung der Kommission in Rheinberg sechs Anträge aus 4 Landesverbänden vor, an denen nichts zu beanstanden war. Aber wie würden die Freunde der Kommission diesen Innovationsschritt beurteilen? Natürlich hatte sich herumgesprochen, was da nun schon in meiner Zuchtanlage saß. Würde das ein Hemmnis sein? Um es kurz zu machen: Es lief alles nach Plan und Vorschrift, und so konnte ich nach der Sitzung nun selbst einen Antrag über meinen KV hereinreichen.

Nun ist es an der Zeit, den Löwenkopf, wie er im EE-Standard wohl heißen wird, bzw. das rhönfarbige „Löwenköpfchen“ vorzustellen - warum sollen wir in Deutschland den eingebürgerten Begriff leugnen?

Erläuterung der Zuchtziele

Nach den Vorstellungen des British Rabbit Council (BRC) und der American Rabbit Breeders Association (ARBA) haben die Löwenköpfe ein Gewicht von ca. 1,36 bis 1,7 kg. Bei darüber liegender Körpermasse erfolgt die Disqualifikation. Bei der Übertragung auf das Standardsystem des ZDRK ist zu berücksichtigen, dass die Gewichtsbewertung bei uns mit der doppelten Wertpunktzahl zu Buche schlägt, was eine flexiblere Handhabung ratsam sein lässt. Man kann sich nun darüber streiten, ob man die vorgenannte Marge als Normalgewichtsrahmen übernimmt oder ob man den Rahmen festschreibt, den wir für die Zwergschecken bereits kennen: ein Normalgewicht von 1400 bis 1800 Gramm und dazu eine Pufferzone von 100 Gramm bis zum Höchstgewicht von 1,9 kg.

Die Position 2 im Entwurf der Rassebeschreibung für den Europastandard entspricht nach unserer Meinung weder den Vorstellungen im englischsprachigen Raum, noch der bisherigen Systematik des Europastandards:

Tabelle für die Gewichtsbewertung

Kg                       1,35   1,40   1,5 – 1,60   über 1,60 -1,70
Punktzahl              8       9           10                 9                

Die dort vorgesehene Gewichtsmarge für das Normalgewicht von nur 100 Gramm ist bei einer Körpermasse um die 1550 Gramm und einem Gesamtrahmen von 20 Wertungspunkten nach unserer Meinung züchterisch nicht zumutbar, zumal selbst die Farbenzwerge im ZDRK-Standard einen 20-Punkte-Sektor von 250 Gramm haben und im Europastandard 2003 gar einen solchen von 300 Gramm, natürlich bei 10 Wertungspunkten. Zugleich ermöglicht die Übernahme der vertrauten Gewichtsskala der Zwergschecken dem Preisrichter die Arbeit. Gesagt, getan!

In der Position 2 wird ein Typ beschrieben, dessen Rumpf zwar vorn und hinten gleich breit verlangt wird und zum Tragen der Mähne mit einem kräftigen Nacken ausgestattet ist, der aber ansonsten leicht gestreckt erscheint und sich auf kräftigen Vorderläufen majestätisch präsentiert. Da die bei Pos. 5 zu beschreibenden besonderen Rassemerkmale im Langhaarbereich den Löwenköpfchen ohnehin den Eindruck von anmutiger Breite vermitteln, ist ein Typ anzustreben, der nicht von vornherein schon gedrungen, walzenförmig und blockig wirkt, wie die Typenzwerge. Eine äußere Erscheinung des Rumpfes wie bei einem – vergrößerten – Hermelin läge bereits im Grenzbereich des Schweren Fehlers.

Die klassischen bisher bekannten mutativen Veränderungen, welche die Behaarung betrafen, zeigten jeweils Auswirkungen, die sich auf das gesamte Fellhaar auswirkten; so kennen wir das verlängerte Normalhaar (Fuchskaninchen), das in seiner Struktur veränderte und ständig nachwachsende Fellhaar (Angora), das Kurzhaar (Rexkaninchen) und das Seidenhaar mit der Verdünnung des Haarschafts (Satin). Die vorstehenden Mutationen sind allesamt gegenüber dem klassischen Normalhaar rezessiv. Bei den Genter Bartkaninchen und den Löwenköpfchen haben wir es ebenfalls mit einer Mutation zu tun, die allerdings noch wenig erforscht ist. Es handelt sich um ein Phänomen, das in der Literatur als „partielle Langhaarigkeit“ beschrieben wird und sich durch „unvollständige Dominanz“ bemerkbar macht (Eknigk, 2011, S. 91/94). GBK und LK haben im Prinzip die gleiche genetisch verankerte Veränderung der Fellhaarstruktur. Es sind somit zwei relativ neue Haarstrukturrassen mit eng verwandter Genetik. Daher folgt die Musterbeschreibung für die Löwenköpfchen in der Systematik dem aktuellen Entwurf der Standardbeschreibung für die Genter Bartkaninchen (Fassung vom 8. Juli 2011).

Der Text von Position 3 erfasst nur die Anforderungen an die normalhaarigen Körperpartien, während die langhaarigen Erscheinungsformen in Position 5 als besondere Rassemerkmale zur Geltung kommen; übrigens eine Systematik wie wir sie z.B. auch bei den Satinkaninchen mit der besonderen Position 5 antreffen. Der Rücken und die Seiten im Bereich der Bauchmitte sind dem Größenrahmen entsprechend normal behaart mit dazu passender Dichte und etwas feinerer Behaarung. Die Bauchpartie zeigt normale Behaarung. Kürzer behaart ist der Nasenrücken, und kurz behaart sollen die Ohren sein, wobei im Übergang zur Stirnbehaarung ein etwas längeres Haar geduldet wird. Ausgeprägte Ohrenbüschelbildung ist rasseuntypisch und daher ein Schwerer Fehler.

Entsprechend dem in Pos. 2 beschriebenen leicht gestreckten Typ darf auch der Kopf – Position 4 - nicht die von der normalen Kopfform abweichende Kopfbildung der Typenzwerge aufweisen. Er wirkt eher durch die im Folgenden darzustellenden besonderen Rassemerkmale. Zu den Ohren sei kurz gesagt, dass sie in Länge, Struktur und Trageweise denen der Zwergschecken entsprechen sollen - bei einer Normallänge von 6,5 cm und einer Höchstlänge von 8 cm.
 
Das prägende und namengebende Rassemerkmal ist der – wenn auch gegenüber dem Savannenbewohner kleine – aber dennoch imposant wirkende Löwenkopf. Seine Beschreibung findet sich in Position 5. Drei entscheidende Merkmalskomponenten tragen dazu bei: Die Backenbehaarung, „Bart“, die längere Behaarung des oberen Stirnbereichs und des Ohrenansatzes, „Stirnbüschel“ und die langhaarige Ausprägung von Nacken, Schultern und Brust, „Mähne“ erscheinen umso imposanter, desto mehr das unvollständig dominante „M-Gen“ sich auswirkt. Um einer übertriebenen Mähnenbildung entgegen zu wirken, sind der sichtbehindernden und die Augen verdeckenden „vollen Kopfbehaarung“ durch die Nennung bei den Fehlern Grenzen gesetzt. Im Gegensatz zum Genter Bartkaninchen haben die Löwenköpfchen allerdings keine durchgehende Flankenbehaarung. Die englischsprachige Fachliteratur einschließlich der Standardtexte ist sich dahingehend einig, dass diese beim Löwenkopf im Bereich der Rumpfmitte nur bis zum Alter von 5 Monaten geduldet werden darf. In der Musterbeschreibung wird sie daher für die Jungtierbewertung geduldet. Was beim Löwenköpfchen von der Flankenbehaarung übrig bleibt, ist ein Rest von „Wollvlies am Rumpf“ (vgl. Angora, farbig). Das „Rumpfvlies“ schmückt also die Schenkel und die Hinterhand; sein gänzliches Fehlen wäre ein Schwerer Fehler, wenngleich der Genetikerin Brenda Lindner und dem amerikanischen Standard eine gänzliche Beschränkung der Langhaarigkeit auf den Kopf-, Brust- und Schulterbereich vorschwebt.


Die amerikanische Idealvorstellung

„Jungtiere haben ebenfalls Wollvlies am Rumpf, das an der unteren Hinterpartie und den Flanken wächst. Dieses besondere Rumpfvlies (body wool) verliert sich mit der Zeit, wenn sie erwachsen werden. Unglücklicherweise neigen die Löwenköpfe, die stärkeres Rumpfvlies aufweisen, dazu, bessere Mähnen zu haben. Im Idealfall hätten wir gerne volle Mähnen ohne jegliches Wollvlies am Rumpf, aber wir haben mit den genetischen Anlagen zu leben, die gegeben sind.“ (Brenda Lindner, S. 2, Übers. W. Hornung)

Auf den bisher zugelassenen „birkenstammfarbigen“ (vgl. Standard Schweiz) Farbenschlag und die Position 6 „Zeichnung und Farbe“ brauchen wir nicht näher einzugehen, es sei denn mit dem Hinweis, dass die Klarheit der Farben in den langhaarigen Bereichen naturgemäß nicht so gegeben ist wie in den normal- und kurzhaarigen Bereichen und dass immer besonderes Augenmerk auf die Krallenfarbe gerichtet werden sollte. Zwar sind zweierlei gefärbte Krallen kein Fehler, aber bereits eine pigmentlose Kralle ist – wie beim Japanerkaninchen – sowohl nach unserem Standard, als auch nach dem zukünftigen Europastandard als Schwerer Fehler zu bewerten.

Meine ersten Zuchterfahrungen
 
Die bereits erwähnte Häsin aus Thüringer Zucht erwies sich bei mir als ausgesprochener Glücksgriff. Kaum war die Zulassung ausgesprochen, warf sie aus der Verpaarung mit dem rhönfarbigen Farbenzwerg fünf gut gezeichnete Jungtiere, die sie allesamt bestens bei auffallend hoher Milchleistung versorgte. Alle fünf zeigten schon im Alter von vier Wochen eine feine Mähnenbildung, welche sich bestens entwickelte, jedoch im Wandel zur Geschlechtsreife leicht zurückbildete. Sollte es sich trotz des bescheidenen Schmucks um eine „MM-Häsin“ handeln? Der zweite Wurf aus der gleichen Paarung - im März in Frankreich zur Welt gebracht – sorgte für Aufklärung. Zwei ansonsten schöne Häsinnen des Viererwurfs zeigten und zeigen nach wie vor so gut wie keinen Ansatz von Langhaarigkeit. Der Rammler aus Sachsen, von seinem gesamten Outfit her ein „MM-Typ“ sorgte für weitere Aufklärung. Alle fünf Jungtiere aus dem Maiwurf glänzen durch auffallend gut ausgeprägte Rassemerkmale. Das will aber nicht heißen, dass damit schon alles geklärt wäre. Fragen, wie sich das bisher so genannte „M-Gen“ bei Rückpaarungen oder bei der Verpaarung mit Fuchs-, Angora- oder Satinbehaarung usw. verhält, bedürfen der wissenschaftlichen Klärung. Aber das ist nicht die Aufgabe des Züchters, sondern der wissenschaftlichen Hochschulen. So verbleibe ich mit vielen offenen Fragen, auf die auch die Autorin Heidrun Eknigk in ihrem zweiten Band zur Kaninchenvererbung hinweist. (Eknigk, 2011, S. 95)


Am 16.07.2011 geborenes Jungtier 1,0 von Hans-Heiko Böger

Ausblick

Die Idee der Herauszüchtung birkenstammfarbiger, also rhönfarbiger Löwenköpfchen wurde auf dem Hintergrund der Tatsache geboren, dass im ZDRK bisher nur klar umrissene Rassen-, Farb- und Zeichnungseigenschaften eine Chance haben, später in den Standard aufgenommen zu werden. Da aber beim Löwenkopf/Löwenköpfchen international die konkrete Ausfärbung oder Zeichnung als relativ irrelevant angesehen wird, gab es Überlegungen eine völlige Freigabe der Farben und Zeichnungsmuster zuzugestehen. Der in Bad Lauterberg gefasste und den Landesverbänden bereits offiziell mitgeteilte Beschluss, nach Erscheinen des Europastandards alle dort anerkannten Farbenschläge und Zeichnungsmuster zum hiesigen Anerkennungsverfahren zuzulassen, scheint mir ein sinnvoller Kompromiss im Interesse der Züchter und der Verbreitung der Rasse zu sein. An den rhönfarbigen Löwenköpfchen arbeiten mittlerweile mit offizieller Registrierung bereits 8 Zuchten in 5 Landesverbänden.

Gar mancher mag uns belächeln, aber nur ein Verband, der sich dem Neuen öffnet, bleibt lebendig. Daher wandele ich gerne das von Jens am Ende seines Teils verwendete Zitat von Mark Twain ab: „Man mag uns zurzeit als Spinner belächeln, aber wir sind sicher, dass sich die Sache durchsetzen wird“.

Jens Zscharschuch, Walter Hornug


Fundstellenangaben
  
Eknigk, Heidrun: Kaninchenvererbung
Band 2: Einblick in die internationale Rassekaninchenzucht. Oertel+Spörer, Reutlingen 2011 
Lindner, Brenda: The Mane Gene in the Lionhead Rabbit. Internet 2011 lionheadrabbit.net/gen%20manelindner.htm
Plumanns, Dieter: Europastandard (Projekt) – Löwenkopf. (Datei) 2011 
Vogel, Markus (Sekretär der EE-Standardkommission): Genter Bartkaninchen – Arbeitsfassung. (Datei) 2011


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