Leistungsvergleich der Angorazüchter 2011
Leistungsvergleich auf hohem Niveau
Einer der bedeutendsten Höhepunkte im Zuchtjahr eines jeden Angorazüchters ist das Vergleichsscheren der Landesverbände. Dieses fand vom 11. bis 13. März 2011 nunmehr zum 40. Mal statt. Eingeladen hatte in diesem Jahr der Angoraclub Sachsen, der die Veranstaltung in Zusammenarbeit mit dem Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) und dem Landesverband Sächsischer Rassekaninchenzüchter e.V. im Lehr- und Versuchsgut Köllitsch durchführte.
Insgesamt nahmen 46 Züchter aus 7 Landesverbänden mit 72 Kaninchen an diesem Leistungsvergleich teil. Neben dem Gastgeber Sachsen waren die Landesverbände Weser-Ems, Westfalen, Berlin-Mark Brandenburg, Württemberg-Hohenzollern, Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz vertreten.
Nach der Anreise und dem Einsetzen der Tiere wurden am Freitagabend die Kaninchen zunächst durch die Preisrichter Johannes Meyer und Thomas Hoppe in den 7 Positionen Gewicht, Körperform/Bau, Wolldichte und –länge, Ausgeglichenheit und Wollstruktur, Kopf- und Fußbehang sowie Pflegezustand bewertet. In ihrer ruhigen und sachlichen Bewertung bewiesen sie wiederum hohe Sachkenntnis und trennten mit ihrem fachlichen Urteil so die Spreu vom Weizen. Dafür noch einmal herzlichen Dank.
Den besten weißen Rammler zeigte Zuchtfreund Mike Welschke aus Sachsen (98,0 Punkte) und die beste weiße Häsin stellte die Zuchtgemeinschaft Ubbens aus Weser-Ems (ebenfalls 98,0 Punkte).
Die höchsten Bewertungen bei den farbigen Angorakaninchen erzielten ein blauer Rammler von Zuchtfreund Ernst Hinrichs (Weser-Ems) mit 97,0 Punkten und eine schwarze Häsin von Zuchtfreundin Luise Nordquist (Schleswig-Holstein) mit 96,0 Punkten.
In seiner Eröffnungsrede am Samstagvormittag verwies Dr. Uwe Bergfeld, Abteilungsleiter Tierische Erzeugung im Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie darauf, wie wichtig die Zucht von Angorakaninchen sei, da diese mittlerweile zu den extrem gefährdeten Nutztierrassen gehören. Heute sind die Angorakaninchen in der Wirtschaft nicht mehr gefragt, so wie in Kriegsjahren als deren Wolle als kriegswichtiger Rohstoff zur Herstellung warmer Kleidung diente. Dr. Uwe Bergfeld dankte den Angorazüchtern, dass sie trotz aufwendiger Zucht und Haltung sowie mangelnder ökonomischer Ausbeute dieser schönen Kaninchenrasse treu geblieben sind.
Anschließend ging’s den Angorakaninchen an die Wolle, mit Schere oder Schermaschine wurde geschoren. Der Wollertrag wurde in drei Qualitätsklassen erfasst. Durch Summierung der unterschiedlich gewichteten Sorten (die Sorte I mit dem Faktor 4,35, die Sorte II mit 3,26 und der Filz mit 1) wird die auf ein Jahr bezogene Wollwertrichtzahl (WRZ) errechnet. Sie bildet die Grundlage für die Ermittlung der Sieger.
Um die Wartezeit auf die Ergebnisse des Vergleichsscherens und die Fertigstellung des Kataloges zu verkürzen, fand am Samstagnachmittag eine kleine, aber sehr interessante Vortragsveranstaltung statt. Prof. Dr. Heinz Pingel, ehemals Martin-Luther-Universität Halle Wittenberg, sprach über die Angorazucht und Wollleistungsprüfung in der Vergangenheit und Heute. Er verwies dabei auch auf die Angorazucht in China. In den 1960 und 70er Jahren wurden 30.000 bis 40.000 Zuchttiere aus der damaligen DDR und der BRD nach China exportiert, um sie in lokale chinesische Angorakaninchen oder Normalhaarrassen einzukreuzen. Das daraus gezüchtete Thanhang Angora, das bei fünfmaliger Schur im Durchschnitt eine Wollleistung von 1.500 bis 2.000 g im Jahr erzielt, ist folglich eine Weiterzüchtung unserer Deutschen Angorakaninchen. Im Anschluss sprach Ronald Krieg, stellvertretender Vorsitzender des DLG-Fachausschusses Kaninchen, zu „Sinn oder Unsinn von Pelletfutter und Futterzusätzen?“. Er stellte u. a. seine aktuellen Untersuchungsergebnisse zur Substitution von Rohfaser durch Lignocellulose in der Ration und deren Einfluss auf die Erkrankungs- und Mortalitätsrate von Jungkaninchen vor. Von besonderem Interesse waren für die Züchter die Ausführungen zum Einfluss pflanzlicher (phytogener) Zusatzstoffe auf die Tiergesundheit.
Zuchtfreund Mike Welschke bedankt sich bei den Referenten Ronald Krieg (m.) und Prof. Dr. Heinz Pingel (r.)
Eine kulturelle Abwechslung bot am späteren Nachmittag eine Stadtbesichtigung unter dem Motto „Auf den Spuren Martin Luthers“ in der Renaissancestadt Torgau.
Am Abend war es endlich so weit. Beim gemütlichen Züchterabend wurden die Sieger des diesjährigen Vergleichsscherens geehrt.
Bei den weißen Angorakaninchen hatte eine Häsin aus der Zuchtgemeinschaft Appl (Württemberg-Hohenzollern) mit einer Wollwertrichtzahl von 2.321 g den höchsten Wollertrag. Bestes farbiges Angora war der blaue Rammler von Ernst Hinrichs (Weser-Ems) mit einer Wollwertrichtzahl 1.933 g.
Mit besonderer Spannung wurde das Ergebnis zum Landesverbandssieger erwartet. In diesem Jahr konnte der Gastgeber, der Angoraclub Sachsen, die besten 5 Tiere mit einer Wollwertrichtzahl von insgesamt 10.626 g präsentieren. Den 2. Platz belegte mit einer Wollwertrichtzahl von 10.218 g der Landesverband Weser-Ems, gefolgt vom Landesverband Württemberg-Hohenzollern mit 9.538 g.
Hervorzuheben ist, dass von den 5 besten Tieren des Landesverbandes Weser-Ems 4 Rammler waren. Da Rammler bedingt durch den Einfluss der männlichen Geschlechtshormone im Durchschnitt einen über 250 g geringeren Wollertrag als Häsinnen haben, ist diese Leistung der Zweitplatzierten ebenso bemerkenswert.
An dieser Stelle nochmals herzlichen Glückwunsch allen Siegern und Platzierten sowie weiterhin gesunde Bestände und eine erfolgreiche Zuchtarbeit.
Abschließend waren sich alle einig: Wir sehen uns wieder 2012. Dann wird der Landesverband Weser-Ems Gastgeber sein.
Romi Wehlitz, Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie
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