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25. Juli 2016 |
Tipps für Anfänger Kaninchenrassen Schaukalender

Farbige Angorakaninchen

Schwarzer Angora

Eine Zucht mit vielerlei Herausforderungen

kn. Während die weißen Angorakaninchen in Deutschland auf eine lange Tradition zurückblicken können und zu den ältesten Kaninchenrassen zählen, sind die farbigen Angora erst in den letzten Jahren langsam in die Öffentlichkeit gerückt. Auf der Bundesschau 2005 in Nürnberg wurden zahlreiche Tiere in schwarz, aber auch in blau und gelb vorgestellt. Diese Tiere erreichten teilweise auch recht beachtliche Ergebnisse.
 
Gelbe Angora

Bei diesem Wurf sieht man deutlich die Besonderheiten der farbigen Angorakaninchen. Bei der Häsin ist die Wolle am Körper relativ hell. Bei den etwa 8 Wochen alten Jungtieren, die noch nicht geschoren wurden, ist die Deckfarbe schön intensiv.

Außerdem wurden thüringerfarbige Angora vorgestellt, die aber in Deutschland nicht zugelassen sind. Im Standard heißt es: "…Bei den farbigen Angora sind alle einfarbigen Tiere zugelassen. Die Farben müssen unbedingt rein sein…" Demnach sind die Farben der Zeichnungsrassen bei uns nicht zugelassen. Dazu gehören u. a. die thüringerfarbigen oder auch die russenfarbigen Angora, die seit vielen Jahren als Neuzüchtung auf den Bundesschauen vorgestellt werden.

Schwarze Angora
27. Bundes-Kaninchenschau Nürnberg 2005,
0,1 Angora, blau  96,5 Pkt.
Ernst Hinrichs, Dötlingen

Ihren Ursprung dürften die farbigen Tiere in England haben. Dort wurden schon in den achtziger Jahren nicht nur die Weißen gezüchtet. Zuerst wurden Tiere in die Niederlande importiert, dort weitergezüchtet und auch ausgestellt. Vor bereits rund 20 Jahren kannte man dort die Farbenschläge schwarz, blau, gelb und havannafarbig.

Im deutschen Standard waren diese Tiere auch zugelassen und so war es gar kein Problem, Ausgangstiere aus den Niederlanden zu bekommen. Möglicherweise gingen einzelne Züchter in Deutschland auch den Weg, den schwarzen Farbenschlag selber herauszuzüchten. Der gelbe Farbenschlag dagegen dürfte seinen Ursprung definitiv in den Niederlanden haben.

Bis in die siebziger Jahre brachte die Zucht der weißen Angorakaninchen einen guten Nebenverdienst. Die Wolle wurde gut bezahlt. Heute sind unsere Angorazüchter absolute Idealisten. Die erforderliche Schur der Tiere bereitet mehr Arbeit als bei den anderen Rassen und der Ertrag aus der Wolle ist nicht der Rede wert.

Doch mit Stolz können die deutschen Züchter ihre Woll-Leistungen präsentieren. Diese gehören zu den besten der Welt. Und so hat man es sich zur Aufgabe gemacht, auch die farbigen Tiere als Leistungsgeprüfte Angora zu züchten. Für die Beurteilung der Wollwert-Richtzahl hat man die Leistungsstufen und Punkte entsprechend dem Stand der Rasse angepasst. Die weißen Vertreter bekommen die höchste Leistungspunktzahl bei über 1300g Wolle pro Jahr und die farbigen Angora bei über 1100g. Bei dieser noch vergleichsweise jungen Rasse, die ursprünglich nicht auf Leistung gezüchtet wurde, kann man die hohen Forderungen noch nicht ansetzen.


Relativ große Gewichtsspanne bei Angora
 
Das Normalgewicht für ausgewachsene Angorakaninchen soll bei über 3,5 kg liegen und das Höchstgewicht liegt bei 5,250 kg. Eine so große Gewichtsspanne gibt es bei anderen mittelgroßen Rassen nicht. Gewichtsprobleme gibt es relativ selten.

Die Gewichtsbewertung staffelt sich wie folgt:

 
2,50
bis 2,75
bis 3,00
bis 3,25
bis 3,50
über 3,50
Höchstgewicht (kg)
15 Pkt.
16 Pkt.
17 Pkt.
18 Pkt.
19 Pkt.
20 Pkt.
5,25 kg
 


Mehr auf die Körperformen achten

Bei dem weißen Farbenschlag züchtete man Jahrzehnte lang hauptsächlich auf Wollleistung und vernachlässigte dabei etwas den Anspruch auf eine gute Körperform. Bei den farbigen Tieren stand die Wollleistung nicht entsprechend im Vordergrund und so konnten schon einige schöne Rassevertreter in gelb und schwarz vorgestellt werden. Natürlich ist noch viel züchterische Arbeit notwendig, um eine richtig gute Basis zu schaffen, doch der Anfang ist zweifelsohne gemacht.

Gewünscht wird ein leicht gestreckter, walzenförmiger Körperbau bei genügender Ausgeglichenheit zu Breite und Tiefe des Rumpfes. Die kräftigen Läufe sind mittellang; sie erscheinen der Wolle wegen kürzer und kräftiger als bei den Normalhaarrassen. Der Kopf soll breit und kurz sein. Dieses wird meistens gut erreicht, da die Köpfe aufgrund des etwas längeren Haares automatisch etwas voller erscheinen. Die Struktur der Ohren lässt manchmal noch Wünsche offen. Sie sollen kräftig und fest im Gewebe sein, aufrecht getragen werden und in ihrer Größe dem Körper entsprechen. Manchmal sind diese aber noch ein wenig dünn.

Wolldichte ist noch nicht mit denen der weißen Angora vergleichbar

In den wenigen Jahren, die die schwarzen und gelben Angora in Deutschland gezüchtet werden, hat sich die Wollqualität schon deutlich verbessert. Nur an die Qualität der Weißen kommen sie in der kurzen Zeit nicht heran. Bei einer kontinuierlichen Auswahl der besten Nachkommen kann man aber in dieser Hinsicht relativ schnell gute Verbesserungen erzielen.

Der Standard fordert ein Wollhaar, das sehr dicht entwickelt ist, so dass der Haarboden voll bedeckt ist. Das mischwollige Vlies wird sehr dicht gewünscht. Die Ausstellungen müssen von den Züchtern immer gut geplant werden, damit die Schur mindestens 12 Wochen vor der Bewertung erfolgt und das Haar entsprechend lang ist. Die Wolllänge soll, im Stapel beurteilt, mindestens 6 cm betragen. Bei nicht geprüften Ausstellungstieren und in den Leistungsklassen wird eine Mindestlänge von 3,5 cm verlangt. Die Wolllänge wird allerdings geschätzt und nicht gemessen.
 
Bei der Zucht ist die Aufmerksamkeit ebenfalls auf die Spürhaare zu richten, da gänzlich fehlende Spürhaare als schwerer Fehler gelten.

Neuanfänger der farbigen Angorakaninchen sollten sich immer von erfahrenen Züchtern beraten lassen. Wichtig ist die richtige Wahl der Schurtermine und das ganze Handling. Die Züchter können Tipps zur Auswahl der passenden Schermaschinen und zum gesamten Ablauf der Schur geben. Dieses ist für die neuen Liebhaber dieser Rasse unerlässlich.

Ausgeglichenheit der Wolle und Wollstruktur in einer Position

Da es zusätzlich die Position Farbe gibt, werden diese beiden Kriterien zusammen bewertet.
Die Wolle muss am ganzen Körper des Tieres gleichmäßig dicht sein. Das mischwollige Vlies (das aus drei verschiedenen Haartypen besteht) muss eine gesunde, kräftige, nicht zur Filzbildung neigende Struktur besitzen.

Die drei verschiedenen Haartypen werden im Standard wie folgt beschrieben

Die Unterwolle
 
Besteht aus dem fein gekräuselten, seidenweichen Wollhaar, das sich durch ein gutes Längenwachstum auszeichnen soll. Gewünscht wird ein mittelfeines, gleichmäßiges Wollhaar, das regelmäßig und kurz gewellt ist und einen seidigen Glanz besitzt.

Der Grannenflaum
 
vermittelt in seiner Qualität zwischen der Unterwolle und dem Grannenhaar. Er ist länger und grober gewellt und endet in einer feinen, grannenartigen Spitze.

Das Grannenhaar
 
überragt als ein etwas stärkeres, gerade durchgehendes Haar das Wollvlies. Die Grannenspitze ist kräftig. In der Regel besitzen die Häsinnen eine stärkere Grannenbildung als die Rammler, im besonderen Maße die älteren Häsinnen.
Den Wert der Wollstruktur bestimmt die mittelfeine Unterwolle in Verbindung mit einem gut ausgebildeten Grannenflaum und dem an Länge überragenden, stärkeren Grannenhaar.

Wer selber Angorakaninchen züchtet, kann bestätigen, dass das überstehende Grannenhaar bei dem gelben und besonders bei dem schwarzen und blauen Farbenschlag besonders gut zu erkennen ist, dass diese Haare wesentlich intensiver gefärbt sind als die Unterwolle.
Das ist ganz natürlich dadurch bedingt, dass die Unterfarbe z.B. bei gelben Tieren ins cremefarbene geht und bei schwarzen Rassen blau ist. Die Grannenhaare dagegen sollten ganz klar die eigentliche Deckfarbe widerspiegeln.
 
Die Farbe zeigt sich in Pastelltönen

Gelbe angora

Bei den farbigen Angora sind alle einfarbigen Tiere zugelassen. Das sind im Einzelnen die Farbenschläge schwarz, blau, gelb, havannafarbig und fehfarbig. Die Farben müssen rein sein. Zur Beurteilung liegen die Beschreibungen der Ausgangsrassen zugrunde, die auch für die Augen- und Krallenfarben entscheidend sind. An den kürzer behaarten Körperteilen ist die Farben am leichtesten zu beurteilen, da sie hier am intensivsten ist.
Bedingt durch die Haarlänge des mischwolligen Vlieses und die hellere Unterwolle erscheint die Deckfarbe im Pastellton und bewirkt eine hellere Gesamtfarbe mit etwas weniger intensiv ausgeprägtem Glanz.
Auch hier haben die Züchter schon gute Arbeit geleistet und Tiere mit sehr schöner Farbe gezüchtet.

Die Augen haben freie Sicht

Die markanten Rassemerkmale, bestehend aus dem Kopfbehang (Stirnbüschel und Backenbart), die Ohrbüschel und der Behang der Läufe, sollen schön ausgebildet sein. Die Augen des Tieres sollen jedoch nicht verdeckt sein. Der Backenbart soll gut ausgebildet sein. Die Ohrbüschel sollen sich über die Rundung am Ohrenende erstrecken. Wollbildung am gesamten Ohr ist nicht erforderlich. Der Behang an den Läufen soll gut ausgebildet sein.

Ausblick für die farbigen Angora

Da die Ertrag bringende Wollleistung nicht mehr allein im Vordergrund steht, haben auch die farbigen Angora eine gute Aussicht, neue Freunde zu gewinnen. Die gelben Angora wurden in der Vergangenheit wohl nur auf Lokal- oder Kreisebene gezeigt und stellte man erstmals 2005 eine Zuchtgruppe auf der Bundesschau in Nürnberg. Dieser schöne Farbenschlag dürfte bestimmt noch neue Züchter finden, da auch der Unterschied zwischen Unterwolle und Deckhaar recht ähnlich sind und so insgesamt auch eine schöne Farbgebung entsteht. Auch die blauen Tiere haben eine entsprechend schöne Farbgebung.
Die schwarzen Angora sind mittlerweile sehr beliebt und in Nürnberg mit rund 50 Tieren vertreten. Die Ergebnisse waren sehr beachtlich und zeigen, was die Züchter in den letzten Jahren an Arbeit geleistet haben.

Bleibt zu wünschen, dass sich weitere neue Idealisten für diese Farbenschläge finden und irgendwann auch fehfarbige und havannafarbige Angora ausgestellt werden.

Fotos © kleintiernews

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