deutschnederlandsenglish
2. Oktober 2014 |
Tipps für Anfänger Kaninchenrassen Schaukalender

Bundessieger in Kassel - Zwergrex Tommy

Vom unscheinbaren Knuddel zum Bundessieger 2009

Nicht ohne Stolz beschreibt Wolfgang Schmidt, Espelkamp, vom W245 Gehlenbeck seine kleine Erfolgsstory: Im August 2008 lag der kleine, lohfarbige Zwergrex „Tommy“ mit seinen Geschwistern im mütterlichen Nest. Es war der zweite Wurf der Häsin, aber der erste in dieser Anpaarung. Schnell wuchsen die Jungen heran und entwickelten bereits als Nestlinge eine viel versprechende Lohe am Bauch sowie an der Brust.

Ein weibliches Jungtier würde im Alter von knapp drei Wochen bereits erkennbar kein Typzwerg bleiben; das Verhältnis der Ohren zum Kopf sowie zum Körper ließ erkennen, dass es den Zwergenfaktor Dw/Dw nicht trägt. Aber ein kleiner runder Kopf bei dem männlichen Jungtier sowie dazu passende kurze Zwergenohren ließen auf einen schönen Typ hoffen. Die Augenringe waren deutlich ausgeprägt und sollten wohl ebenso betont bleiben. Die Brustlohe schien recht breit auszufallen. Die lohfarbigen Seitenspitzen waren zwar schon recht gut vorhanden, traten aber naturgemäß im Babyfell noch nicht so hervor wie im Erwachsenenalter zu wünschen ist.

bundessieger,kassel,zwergrex,tommy,zwergkaninchen,rassekaninchenschau

Die Jungtiere wuchsen heran und im Alter von etwa zwei Monaten (25.10.2008) war aus dem kleinen Rammler ein eher zurückhaltender Halbwüchsiger geworden. Das Verhältnis von Kopf zu Ohren schien etwas ungünstiger geworden zu sein, doch während der Rest weiterhin wuchs, blieben die Ohren bei der erreichten, optimalen Länge von knapp unter 6 cm. An den Seiten waren die Übergänge von der schwarzen Deckfarbe über die lohfarbige Seiteneinfassung in die Bauchlohe weiterhin noch sehr verwaschen. Auch die zwar breite Brustlohe war unsauber im Übergang zum Schwarz der Schulterpartie, ließ aber eine sogar sehr gute und vor allem bleibende Ausprägung erwarten. Die Nasenpartie war recht hell und wirkte ebenfalls noch sehr unsauber.

Der Rammler bestach in diesem Alter in erster Linie durch eine sehr intensive Ausprägung der Lohfarbe, besonders in der Brustlohe und am Bauch. Mehr ließ er eigentlich noch nicht sicher erkennen.
Das Fell schien zwar eine ausreichende Dichte zu bekommen, war aber altersgemäß wie auch haarungsbedingt noch sehr ungleichmäßig.

Da der Vater des Rammlers stets recht dominant war, sollte dieser Jungrammler bereits recht früh in eine Einzelbucht kommen, in der man ihn beim Füttern, aber auch, wenn man nur vorbeiging, gut sehen konnte. Er blieb weiterhin angenehm zurückhaltend und ließ sich stets gerne streicheln, wenn die Tür aufging.

Am 08.11.2008 folgte die erste Bewertung. Er erreichte mit 8/5 ein dem noch jungen Alter angemessenes Ergebnis. Mehrere Rammler sollten voraussichtlich zur Bundesrammlerschau, doch bei vieren von den vorgesehen sechs Rammlern – inklusive Tommy - schritt der Fellwechsel nur langsam voran. Damit einher ging bei meinen Zwergrexen stets eine fortschreitende Kontrastverbesserung in der Farbe und den lohfarbigen Abzeichen. Der bisherigen Erfahrung nach sind die lohfarbigen Zwergrexe in ihrer farblichen Ausprägung inklusive der lohfarbigen Abzeichen im Alter von etwa fünf bis maximal sieben Monaten am besten ausgebildet. Davor sind die Tiere noch nicht ausreichend durchgehaart; danach verliert die Brustlohe oft an Breite und Leuchtkraft. Bei manchen Tieren geht die Brustlohe – insbesondere bei späteren Zuchthäsinnen – oft noch stärker zurück.

Da Tommys Vater jedoch ein erwiesener Vererber für ausgeprägte und oft auch bleibende Brustlohe ist, konnte man bei ihm zuversichtlich sein, dass die Lohe intensiv und angemessen breit bleiben würde.

Die nachfolgende Zeit bis zur Bundesrammlerschau bestand – wie sicherlich bei den meisten Züchtern – immer wieder im Begutachten der vorgesehenen und schließlich gemeldeten Tiere. Besonders erfreulich war, dass die Meldezahlen einen interessanten Wettbewerb mit mehreren anderen Züchtern der schwarz-lohfarbigen Zwergrexe erwarten ließen.

Es kam der Tag der Einlieferung. Eine befreundete Züchterin und die beiden Söhne begleiteten die Fahrt im kleinen Sammeltransport nach Kassel. Nach sonniger Fahrt erreichte die kleine Gruppe die bestens organisierte Anlieferung. Die Jungs waren wie schon öfter begeistert, schon allein von der Vielzahl der Kaninchen und so wurde nach dem Einsetzen und Versorgen der Tiere noch ein Rundgang durch die Käfigreihen gemacht.

Am Schau-Samstag traf man sich – ein mitgereister Vereinskollege sowie die befreundete Züchterin an den Käfigen ein. Und – man kann es sich sicherlich vorstellen – die Freude war riesengroß. Der kleine Rammler – zwischenzeitlich sollte er nun den Namen Tommy bekommen – war Bundessieger geworden. Und nicht nur das; er hatte auch noch traumhafte 97,5 Pkte. erhalten, was insbesondere für einen lohfarbigen Zwergrex bislang noch unerreichbar schien.

bundessieger,kassel,zwergrex,tommy,zwergkaninchen,rassekaninchenschau

Damit hatte sich Tommy sogar gegen die bislang stets deutlich besseren Tiere aus den anderen Zwergrexrassen durchsetzen können. Als sei die Aufregung nicht spurlos an ihm vorbei gegangen hüpfte allerdings der ursprünglich ruhige und zurückhaltende Jungrammler wie aufgezogen hin und her. Glücklicherweise legte er dieses Verhalten just mit Einsetzen in den heimischen Stall wieder ab.

bundessieger,kassel,zwergrex,tommy,zwergkaninchen,rassekaninchenschau

Da strahlten dann auch die beiden Söhne Moritz und Bendix um die Wette und freuten sich über den Erfolg aus dem heimischen Stall.

Damit konnte eine kleine Erfolgsreihe aus dem Zuchtjahr 2008 fortgesetzt werden. So kam zum Rex-Club-Rassemeister sowie ADRC-Meistertitel auch noch ein – und seit dem Zuchtbeginn im Jahr 2003 der bislang einzige – Bundessieger dazu. Dass Tommy zudem mit den drei anderen Rammlern in der ‚Viererkollektion’ ein Gesamtergebnis von immerhin 385,5 Punkten erreichte, bestätigt zudem grundsätzlich den eingeschlagenen, züchterischen Weg auch insgesamt.

Wolfgang Schmidt

Zurück