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Ein Bericht von Walter Hornung
Das Internationale Treffen der R
hönkaninchen- und Schwarzgrannenzüchter in Burgsteinfurt

Als Zuchtwart des ersten deutschen Rhönkaninchenclubs W 611 mit Sitz in Steinfurt war ich quasi von Amts wegen verpflichtet, einen Bericht über die 18. Offene Rhönkaninchen- und 12. Offene Schwarzgrannenschau am 25./26. Oktober 2008 für die gedruckte Fachpresse zu verfassen. Dieser offizielle Bericht ist inzwischen in der Kaninchenzeitung 1/2009 – herausgegeben vom HK-Verlag Berlin – erschienen. Da ich inzwischen zahlreiche positive, aber auch hier und da kritische Rückmeldungen bekommen habe, möchte ich die Gelegenheit nutzen, die Zuchtfreunde, die primär das Internet nutzen, empfehlend hinzuweisen auf diese Veröffentlichung und überhaupt auf diese Fachzeitschrift. Außerdem will ich gerne zusätzlich in dieser zweiten Nachlese auf  einige der kritischen Kommentare eingehen. 
 
Und da Kritik nicht nur zum Nachdenken zwingt, sondern auch Bewegung in die Diskussion bringt, fange ich gleich mit einem Kritikpunkt an. Da wird z.B. zu Recht gesagt, dass trotz der offiziellen Bezeichnung nicht nur Rhön- und
Die Mitglieder beim Katalog zusammen legen.
Schwarzgrannenkaninchen zu dieser Schau eingeladen worden waren, sondern auch z.B. hängeohrige und verzwergte, kurzhaarige und seidenhaarige Varianten der Rassekaninchenzucht mit dem Outfit der Rhönzeichnung oder der eigenartigen Farbbegrannung. Ja, das stimmt. Und in meinem Katalog-Grußwort dieser Schau habe ich sogar mit Stolz darauf hingewiesen: „Obwohl nur zwei Rassen den Rhön- und Schwarzgrannenclubs den Namen geben, kann der Besucher eine große Vielfalt an Rassekaninchen bewundern, denn 10 verschiedene Varianten aus 8 Rassen, von den Ausgangsrassen bis zur Neuzüchtung Satin, rhönfarbig sind vertreten.“

  
Hier und da wurde auch kritisch bemerkt, was denn die Rhönzeichnung und die Farbbegrannung miteinander zu tun hätten. Bei dieser Schau kämen doch Äpfel und Birnen in einen Topf. Ich hatte mir auch dazu Gedanken gemacht, und ich zitiere noch einmal  aus dem Grußwort: „Viele „Rhönclubs“ in den Landesverbänden haben mittlerweile auch die Schwarzgrannenzüchter in ihre
Kopfstudien zweier Zwergwidder.
Reihen aufgenommen und sich entsprechend umbenannt. Warum? Nun, diese beiden Rassen haben viele Gemein-samkeiten: Zum einen sind sie auf dem Gebiet der DDR entstanden und haben ihre Wurzeln in den heute noch als „neue“ Bundesländer bezeichneten Regionen unseres gemeinsamen Vaterlandes, obwohl diese gar nicht mehr so neu sind. Unvergesslich „unser“ Karl Becker, Stadtlengsfeld, der Vater der nach seiner Heimat benannten Rhönkaninchen, der als Ehrenmitglied unseres Clubs W 611 nach der Wende und bis zu seinem Tod - Trotz des erreichten Alters zu früh! - die Früchte seiner züchterischen Arbeit genießen konnte. Zum zweiten sind beide Rassen das Ergebnis einer gezielten Kombinationskreuzung und tragen das entscheidende Erbgut des Chinchillakaninchens - nach dem Motto: Aus Gelb mach Weiß - in sich. Trotz des etwas unterschiedlichen Eingangsgewichts ist der gemeinsame Typ dadurch festgelegt. Und schließlich gibt es trotz des sehr unterschiedlichen farblichen Erscheinungsbilds kaum zwei andere Rassen, die genetisch enger miteinander verwandt sind; der sogenannte Japanerfaktor [bj] und die Anlage für Gelbfarbigkeit [b] – jeweils durch achi „geweißelt“ - liegen in der B-Serie ganz nahe beieinander, wie so manche Überraschung in unseren Würfen beweist. So bietet diese Schau trotz ihres speziellen Charakters eine große Vielfalt.“  In der Nachbetrachtung dieses Grußworts soll auch nicht verschwiegen werden, dass mancher Fachbeitrag – auch aus der eigenen Feder – dazu anregt, den sogenannten Erbfaktor bj näher zu untersuchen, da bei entsprechender Forschung noch manches Neue zu erfahren wäre.

Eine möglichst große Vielfalt war also die Grundidee des leider viel zu früh verstorbenen Mitbegründers dieser Schau und Ehrenmitglieds unseres Clubs, Günter Depenbrock, der schon damals sofort erkannte, dass diese Konzeption nur als besondere Form der „Allgemeinen Schau“ eine Genehmigungschance hatte. Dazu später. Diese 18. Auflage für die Rhönkaninchen und 12. Auflage für die Schwarzgrannen trug auf jeden Fall zu Recht seinen Namen: „Günter-Depenbrock-Gedächtnisschau“. 
 
 
Um die Dimension dieser Schau zu konkretisieren, sollen zunächst ein paar Zahlen genannt werden: Diese 18. Auflage wurde von 58 Ausstellern aus den Niederlanden (2 Aussteller: 5 Rh; 4 ZwW rh; 9 Fbzw rh), der Schweiz (8 Aussteller: 32 Rh; 8 ZwW rh) und 13 Landesverbänden des ZDRK beschickt. Den Löwenanteil stellten die 201 Rhönkaninchen. Aber auch die 40 
 Neuzüchtung Satin, rhönfarbig
rhönfarbigen Zwergwidder, die 35 Farbenzwerge und 14 Deutschen Kleinwidder mit dem gleichen Zeichnungsbild sprechen für die Beliebtheit dieser Farbenschläge. Die Schwarzgrannen waren mit 75 Exemplaren vertreten - begleitet von schwarzgrannenfarbigen Zwergwiddern (4) und Farbenzwergen (5). Bei den Letztgenannten hätte man sich ein besseres Meldeergebnis gewünscht. Insgesamt waren, wie gesagt, auf dieser Schau 10 verschiedene Variationen vertreten bis hin zu den Rhön-Rexen, den rhönfarbigen Zwerg-Rexen und vier Exemplaren der Neuzüchtung Satin, rhönfarbig  - letztere wurden natürlich ohne Bewertung vorgestellt. Vor allem die aus der fernen Schweiz angereisten Züchter prägten das internationale Flair dieser Ausstellung.
 
 
Im Preisrichtergremium, dem anzugehören ich auch die Ehre hatte, sorgte
der die Niederlande vertretende Sachverstand in Person meines Clubfreundes Gerrit Grooten ebenfalls für eine internationale Besetzung. Dieses neunköpfige Gremium unter der Leitung von Obmann Willi Sunder hatte alle Hände voll zu tun, um angesichts des hohen Qualitätsstandards und der Leistungsdichte die Besten der Besten herauszufiltern. So nimmt es nicht Wunder, dass diese Veranstaltung gleichsam zur Feier ihrer Volljährigkeit an den Ort der im April 1986 vollzogenen Gründung des ersten deutschen Rhönkaninchenclubs W 611 Westfalen zurückgekehrt war.
 

Die Eröffnung
Mit dem Präsidenten vom Rhönkaninchenclub Schweiz, Alwin Seiz und dem Obmann Samuel Herren war der Ehrenausschuss ebenso international besetzt  wie das Publikum der Eröffnungsfeier. 
 

Der Ehrenausschusses nach der Eröffnung: von links nach rechts Michael Löhr, stellv Vors. des KV Steinfurt; Samuel Herren, Vors. Rhönkaninchenclub der Schweiz; Andreas Hoge, Bürgermeister der Stadt Steinfurt; Dieter Henke, Vors. W 247 Stemweede-Haldem; Antje Löhr, FfÖ KV Steinfurt; Karl-Heinz Stork, AL Vorsitzender W 103 Steinfurt-Burgsteinfurt (vorne); Carsten Henke, AL Vorsitzender W 611 (Club Westfalen); Anita Depenbrock, Witwe des Schaubegründers; Herbert Schwarzelmüller, Obmann für Schulung und Ausstellungewesen LV W; Rainer Schwarzelmüller, LV Vorsitzender LV W; Otto Berner, Sprecher der Rhön- und Schwarzgrannenclubs im ZDRK und Meine Wenigkeit
 
Das Züchterheim des ausrichtenden Vereins W 103 Burgsteinfurt war rappelvoll, als man zur offiziellen Eröffnung schritt. Hier konnten
die Ausstellungsleiter Karl-Heinz Stork (W 103) und Carsten Henke (W 611) den Schirmherrn der Schau, Herrn Andreas Hoge, Bürgermeister der Stadt Steinfurt, den Landesverbandsvorsitzenden Rainer Schwarzelmüller, den Obmann für Schulung und Ausstellungswesen Herbert Schwarzelmüller, den stellvertretenden KV-Vorsitzenden Michael Löhr, unsere Clubfreunde aus den Niederlanden Gerrit Grooten und Jannes Johann Schipper, den schon erwähnten Samuel Herren, den Präsidenten der Abteilung Europa- und Schaukaninchen in der Schweiz Peter Iseli sowie zahlreiche Clubvorsitzende aus den Landesverbänden und an ihrer Spitze den Sprecher der Rhönka-ninchenclubs Otto Berner begrüßen. Sie bezeichneten es als besondere Ehre und besonderen Beweis der Verbundenheit, dass Anita Depenbrock, die Witwe des Schaubegründers, den Weg nach Burgsteinfurt gefunden habe. Übereinstimmend unterstrichen der LV-Vorsitzende und der Vertreter des KV den besonderen Stellenwert solcher Schauen für die überregionale Zusammenarbeit; sie seien nicht nur ein Prüfstein und eine Standortbestimmung für die Züchter der betreffenden Rassen, sondern auch eine Gelegenheit, durch Erweiterung des Erbguts die Qualität der Tiere zu verbessern. Aus der Sicht der Standard-Fachkommission des ZDRK habe ich auf das in den gezeigten Rassen und Farbenschlägen vereinigte Genpotenzial verwiesen und die eindeutige Leistungsentwicklung seit Gründung der Schau hervorgehoben. Bürgermeister Hoge betonte die Schwerpunktverlagerung in der Rassekaninchenzucht. Während zu früheren Zeiten Nützlichkeitserwägungen eine gewichtige Rolle gespielt hätten, sei Rassekaninchenzucht in unserer Hightechwelt nicht irgendein Hobby, sondern ein Weg sich ein Stück Natur ins Haus zu holen. Viele Studien hätten ergeben, dass Tiere, die wir um uns haben, unser Wohlbefinden steigern und helfen, Stress abzubauen. In diesem Sinne bedankte er sich bei den Veranstaltern für die geleistete Arbeit und wünschte der Schau unter seiner Schirmherrschaft ein erfolgreiches Wochenende.
 

Fachgespräche und ein gemeinsames Mittagessen füllten des weiteren den ersten Ausstellungstag, bevor man sich am Abend wieder im Vereinsheim traf und im Rahmen eines gemütlichen Züchterabends die Ehrung der erfolgreichsten Aussteller vornahm. Gar mancher  - wie z.B. der schwächelnde Berichterstatter  - stieß am Abend des ersten Schautags allerdings an seine Grenzen, denn schon am Vortag hatte es nach der Bewertung ein zünftiges Züchterfest gegeben.
 
 

Ein großes Familienfest
Im Laufe der Jahre sind die Offenen Rhön- und Schwarzgrannenschauen zu einem internationalen Familientreffen der Züchterfreunde nebst Gattinnen geworden, und so gehört es zum Ritual, dass man sich am Freitagabend nach getaner Arbeit im großen Saal des Burgsteinfurter Parkhotels zu einem zünftigen Dinner, zu Musik und Tanz und – wie sollte es anders sein – zu ersten Fachgesprächen traf. Das Tanzbein wurde bis in die späte Nacht geschwungen, so dass sich die fleißige Tanzkapelle veranlasst sah, ohne  Erhöhung des Honorars das eine oder andere Stündchen dranzuhängen. Angeregt durch die festliche Stimmung entdeckte unser Schweizer Zuchtfreund Gottlieb Lanz sein Talent als Entertainer. Manche Anekdote aus Schweizer Landen und in Schweizer Mundart vorgetragen trug zur Erheiterung der Gesellschaft bei, was wiederum Familienmitglieder aus mehr gen Friesland gelegenen Regionen anregte, es ihm gleichzutun. Die als reserviert geltenden Niederländer – ohnehin wegen ihrer sprachlichen Begabung bekannt – taten es dem Gottlieb nach, so dass die Lachmuskeln arg strapaziert wurden. Dass auch manches Liedchen geschmettert wurde und mancher edle Tropfen begleitet vom Züchtergruß GUT ZUCHT Gaumen und Kehle erfreute, versteht sich von selbst. Die Standfestigkeit manches Züchterfreundes erweckte in mir große Bewunderung.
 
 
Die Preisträger 
 

Da die kleinsten in normalen Schauberichten immer am Ende stehen, zumal
dann, wenn sie nicht zu den Normalhaarrassen zählen, und da Michael Gerker der Herauszüchter ist, fange ich mit seiner Häsin der rhönfarbigen Zwerg-Rexe an. Sie erreichte bei recht strenger Bewertung 95,0 Punkte, und da Konkurrenz fehlte, war sie zugleich die beste ihres Schlages.
Mit nur 5 Einzeltieren waren die schwarzgrannenfarbigen Farbenzwerge vertreten, von denen immerhin einer aus meinen Buchten eine vorzügliche Bewertung (97,0) verbuchen konnte und den Preis für das beste Tier einheimste.
 

Die rhönfarbigen Farbenzwerge der Geschwister Wockelmann, Hessen-Nassau erreichten ein ausgezeichnetes Bewertungsergebnis. So überzeugten die Zuchtgruppen des Züchternachwuchses mit 387,0 und 386,0 Punkten, wobei Mama Anja und Opa Gerhard sicherlich beratend zur Seite gestanden hatten. Einen ebenfalls hervorragenden Durchschnitt präsentierte Gerrit Grooten, Niederlande mit 384,0 Punkten. Seine Farbenzwerge wurden wegen des in den Niederlanden deutlich niedriger angesetzten Normalgewichts nach dem Europastandard bewertet. Das Siegertier, ein mit 97,5 Punkten bewerteter Rammler, gehörte den Geschwistern  Wockelmann ebenso wie 3 weitere V-Tiere. Ebenfalls 3 vorzügliche Farbenzwerge waren mit Gerrit Grooten angereist. Die mit 32/18 bewertete Jungtier-ZG von Leona Reimann aus Schleswig-Holstein brauchte sich auch nicht zu verstecken.
 
Bei den Zwergwiddern, rhönfarbig überzeugte Anja Wockelmann, Hessen-Nassau mit 385,0 Punkten und einer weiteren mit 384,5 bewerteten ZG. Ebenfalls 384,5 Punkte erzielte eine ZG aus meiner Zuchtanlage. Auch die mit 382,5 Punkten nächstplatzierte ZG von Ruth Zumbrunnen, Schweiz konnte sich sehen lassen. Die beiden einzigen V-Tiere zeigte Anja Wockelmann, womit sie natürlich auch den Sieger stellte; dieser sitzt jetzt bei mir, und ich bin gespannt auf den Nachwuchs. Ich bin stolz darauf, dass ein altgedienter Rammler aus meiner Zucht nun in Anjas Zuchtanlage seinen Dienst versieht und dass ein wohlgeratener Nachkomme den Weg in Peter Iselis vorbildliche Zuchtanlage gefunden hat. Dass solche Bereicherungen der genetischen Basis unter Freunden quasi ohne nennenswerten finanziellen Aufwand über die Bühne gehen, versteht sich von selbst.  Die Jungtier-ZG von Jan Schipper, Niederlande, erreichte mit 32/14 ebenfalls ein überzeugendes Ergebnis.
 

Hinter den rhönfarbigen brauchten sich die schwarzgrannenfarbigen Zwergwidder von Axel Linke, Berlin-Mark Brandenburg nicht zu verstecken. Im Gegenteil: Sie erreichten ein Zuchtgruppenergebnis von 385,0 Punkten mit einem vorzüglichen, mit 97,5 Punkten bewerteten Rammler. Er bewies  schon allein, warum die Anerkennung dieses Farbenschlags überfällig war.
 
Die mit Abstand beste Zuchtgruppe der Schau war bei den Schwarzgrannen zu finden. Sie gehörte mit einem Traumergebnis von
389,5 Punkten Carsten Henke, Westfalen. Überhaupt lag das Leistungsniveau bei dieser Rasse sehr hoch: Weitere 7 der gezeigten 18 ZG erreichten einen HV-Durchschnitt: Friedhelm Finkmann, Westfalen mit 385,0 und zweimal 384,5; Karl-Heinz Stork, Westfalen mit 384,5 und zweimal 384,0 und schließlich noch einmal Carsten Henke mit 384,5 Punkten. Kein Wunder, dass aus seiner Zucht auch der Siegerrammler (97,5) stammte; die Siegerhäsin (97,0) hatte Karl-Heinz Stork. Weitere 6 V-Tiere kamen aus den Zuchten von Carsten Hen-ke (2 x 97,5; 1 x 97,0), Friedhelm Finkmann, Karl-Heinz Stork und Adolf Fimpeler, Westfalen.
 
Mit 41 Alttier- und 6 Jungtierzuchtgruppen waren die Rhönkaninchen vertreten. Die beste ZG dieser Rasse zeigte Franz Walterskötter, Westfalen mit 387,0 Punkten. An zweiter Stelle landete nur hauchdünn geschlagen Marco Zinke, Hessen-Nassau mit ebenfalls 387,0 Punkten, wofür ihm die ZDRK-Clubmedaille in Silber zuerkannt wurde. Fünf ZG mit einem HV-Durchschnitt im Zeitraffer: Hans Dolgner, Hannover, 386,0; Udo Altenseuer, Westfalen, 385,5; Otto Berner, Westfalen 384,5 und 384,0 sowie Jens Petzold, Sachsen, 384,0. ZG mit 383,5 bzw. 383,0 kamen von Guido Brink, Rita Rottstegge und Lisa Greiwe,
alle Westfalen, sowie  Uwe Pfeil, Württemberg-Hohenzollern und Reinhard Züger, Schweiz. Den mit 97,5 Punkten bewerteten Siegerrammler stellte Franz Walterskötter; dieser Spitzenrammler erhielt bei vier nachfolgenden Schauen ebenfalls ein vorzügliches Bewertungsergebnis das spricht für das Tier, aber auch für die so oft gescholtene Zunft der Preis- oder besser Zuchtrichter. Die Siegerhäsin der ZGM Scholz-Töpel  (v/97,0 Punkte) war aus Thüringen angereist. Weitere 9 Tiere wurden mit vorzüglich bewertet; sie wurden von Gerhard Kullbach (2) und Frank Weiß, Hessen-Nassau, Reinhold Wegner, Hannover sowie Udo Altenseuer, Hans Dolgner, Marco Zinke, Otto Berner und Reinhard Züger ausgestellt und wie alle V-Tiere mit einem Ehrenpreis belohnt.
Bei den Jungtieren hatte Marco Zinke die beste ZG mit 32/22, er verbuchte auch die beste Häsin. Den besten Rammler präsentierte Helmut Bock, Schleswig-Holstein; seine ZG erreichte 32/18 ebenso wie die von Uwe Pfeil.

Die Deutschen Kleinwidder, rhönfarbig waren mit 3 Zuchtgruppen vertreten; die beste Zuchtgruppe mit 382,0 Punkten und das beste Tier, eine mit v/97,0 bewertete Häsin kamen aus der Zucht von Egon Henke, Westfalen. Nur knapp dahinter landete die ZG von Olaf Kruschke, Hannover mit 381,0 Punkten.

 
Am Schluss sei die ZG Rhön-Rexe von
Michael Gerker hervorgehoben. Als Rasse mit der größten Körpermasse  eröffnete sie den Reigen, und so schließt sich der Kreis. Alle Tiere erreichten  „hv“ = 96,0 Punkte,  was ein ebenso hervorragendes Zuchtgruppenergebnis von 384,0 und einen Leistungspreis bedeutete.
Einen wertvollen Sonderpreis erhielten die aus Ahornholz gedrechselten und geschnitzten Ehrenteller, die als materialgebundene Gestaltungen von Jan Schipper, Niederlande hergestellt worden waren; sie wurden jeweils mit 97,0 Punkten bewertet.
 

Die fachliche Nachlese
 
Getreu dem Motto, dass nichts so gut sein kann, als dass man es nicht noch verbessern könnte, sei in Schwerpunkten eine Analyse der Bewertung nachgereicht. Diese wird dem Analysten durch die Neuregelung zum Schreiben bei mehr als einem Punkt Abzug erleichtert, weil diese Anforderung an die Preisrichter eine differenziertere Auswertung als bisher erlaubt.
Trotz der erreichten Typverbesserung mangelt es bei den rhönfarbigen Kleinwiddern weiterhin in der Position 2. Praktisch alle 14 Tiere bekamen hier eine Bemerkung: etwas lose Fellhaut oder verjüngte Form und v.a. wenig abgerundete Hinterpartien wurden bemängelt; bei nur drei Tieren ließen Dichte und Struktur des Fellhaars keine Wünsche offen.
Nur ein Drittel der Rhönkaninchen blieb in Position 2 ohne Bemängelung: lose Brustfellhaut (7%), etwas wenig Rumpfbreite vorne (20%) und vorstehende Hüftbeine (36%)  führten zu Bemängelungen. Bei nur einem Tier wurde die Fellhaarlänge bemängelt, aber bei fast der Hälfte der Tiere (46%) wurden mehr Dichte oder eine bessere Struktur vermisst. Deutlich weniger Bemängelungen gab es in den Positionen Zeichnung und Farbe. Nur einmal wurde die geteilte Kopfzeichnung bemängelt; relativ schwach gezeichnete Tiere waren seltener (2%) als Tiere mit grobem, vollem oder unklarem Zeichnungsbild (11%). Die blassen Zeichnungsfarben sind verschwunden, aber nicht die schwach pigmentierten Krallen (6%); dazu später.
Die Paradedisziplin bei den Schwarzgrannen ist die Unterfarbe. Nur eins der 75 Tiere erhielt hier eine Bemängelung, 35 Tiere bekamen volle Punktzahl, der Rest 9,5 Punkte. Schwieriger scheint es, Deckfarbe, Farbbegrannung und Gleichmäßigkeit in Einklang zu bringen. Zum Zeitpunkt der Bewertung war jedes fünfte Tier auf dem Rumpf fleckig oder unfertig; seltener wurde etwas dunkle (4%) oder schwache (7%) Farbbegrannung bemängelt. Kopf, Ohren und v.a. die Ohrenränder treten noch recht häufig (10%) etwas dunkel in Erscheinung. Mehr als einen Punkt Abzug in der Position 4 „Kopf und Ohren“ gab es nur bei einem Tier. Die Bemängelungen zu Position 2 deckten sich in der Häufigkeit und Verteilung überraschend mit denen der Rhönkaninchen. Deutlich besser wurde das Fellhaar beurteilt, denn hier gab es nur 20% schriftliche Bemängelungen hinsichtlich Dichte, Struktur usw., was bedeutet, dass 80% der Tiere für das Fellhaar mindestens 14 Punkte erreichten. Aber nur ein Tier brachte es auf 14,5 Punke
Die vorstehend beschriebenen Bemängelungen bei den Rhönkaninchen und den Schwarzgrannen kommen in etwa gleicher Verteilung auch bei den entsprechenden Farbenschlägen der Zwergwidder und Farbenzwerge zum Ausdruck, so dass der Berichterstatter es bei diesem Hinweis belassen kann.  
 
Im Rahmen der Züchteraussprache, die am Morgen des letzten Schautags im wiederum prall gefüllten Vereinsheim als „offene Aussprache am lebenden Beispiel“ mit mir als Clubzuchtwart stattfand, konzentrierte sich die Auswertung auf drei Problembereiche: Intensität und Verteilung der Zeichnung sowie Intensität und Gleichmäßigkeit der Pigmentierung der Krallen bei den Rhönfarbigen sowie die Bewertung recht schwacher Farbbegrannung bei den Schwarzgrannenfarbigen. Man war sich einig, dass Rhönfarbige, bei denen die Grundfarbe deutlich überwiegt, leicht an die Grenze der Bewertung mit n.b. wegen zu großer Flächen ohne Zeichnung stoßen, während dies im umgekehrten Fall nicht so ist, weil große farbige Zeichnungsfelder fast nie ganz einheitlich dunkel sind. Es wurde jedoch vermerkt, dass Rhönfarbige mit sehr voller Zeichnung und großflächigen Farbfeldern leicht an die Grenze zur stark verschwommenen Zeichnung stoßen, welche als schwerer Fehler zu ahnden wäre. Hier fehlt es oft noch an Konsequenz bei der Bewertung, denn auch die verwaschene Zeichnung vererbt sich.
Hinsichtlich der Einheitlichkeit der Krallenfarbe gingen die Meinungen auseinander. Von vielen Züchtern wurde die Auffassung vertreten, dass Rhönfarbige mit uneinheitlicher Krallenfarbe einen besseren Farbkontrast in der Zeichnung aufweisen. Dem wurde von mir entgegengehalten, dass diese Meinung aus genetischer Sicht nicht untermauert werden kann. Ich plädiere vielmehr für eine Züchtung in Richtung möglichst einheitlicher und intensiver Pigmentierung der Krallen unabhängig von der Fellhaarfarbe an den Zehen oder Läufen. Intensiv bedeutet mindestens mittelhornfarbig. Dabei darf man allerdings nicht ein kontrastreiches Zeichnungsbild auf dem Rumpf aus den Augen verlieren.
Bei wenigen schwarzgrannenfarbigen Ausstellungstieren war eine fast weiß erscheinende Deckfarbe mit kaum erkennbarer Farbbegrannung aufgefallen. Diese wurde erst beim Hineinblasen in das Fellhaar sichtbar. Es wurde festgestellt, dass der Standardtext einen „Anflug ... von heller bis mittlerer Intensität“ als ideal beschreibt und folglich eine „schwache Farbbegrannung“ bei den leichten Fehlern eigentlich nicht vorgesehen ist. Nur die gänzlich fehlende Farbbegrannung wird dann gleich als schwerer Fehler geahndet. Man war sich einig, dass die Schwarzgrannenclubs dieses Problem im Hinblick auf eine möglicherweise zu beantragende Ergänzung des Standardtextes im Auge behalten sollten.
 

Der Clubwettbewerb
Den Wettstreit der Clubs entschied bei dieser Schau der Rhön- und Schwarzgrannenclub W 611 Westfalen für sich. Die 16 in die Wertung genommenen Tiere erreichten 1552,5 Punkte, was einem Schnitt von über 97,0 Punkten entspricht. Die weiteren Plätze belegten der Club Thüringen mit 1543,5 Punkten und der Rhönkaninchenclub Schweiz mit 1536,5 Punkten.
Im Rahmen der Offenen Schau fand auch die Clubschau vom W 611 statt. Die Clubmeisterschaft entschied Carsten Henke mit 580 Punkten und einem Durchschnitt von 96,7 für sich. Landesverbandsmedaillen erhielten als Rassemeister Franz Walterskötter, Rhönkaninchen, 387,0 Punkte, Karl-Heinz Stork, Schwarzgrannen, 384,5 Punkte und Walter Hornung, Zwergwidder, rhönfarbig, 384,5 Punkte. Otto Berner wurde für eine ZG Rhönkaninchen (384,5) mit dem KVE ausgezeichnet.
 
 Die fleißigen Helfer
 beim Aufräumen

  Die Käfige waren in windeseile abgebaut
 

 

Ausblick
Der eingangs erwähnte Initiator dieser Schau Günter Depenbrock hatte von Anfang an die Festlegung getroffen, das jährliche Meeting nicht auf die Mitglieder der Rhön- (und Schwarzgrannen-) Clubs zu beschränken. Diese Schau sollte zu einem Stelldichein aller Züchter der entsprechenden Rassen und der Farbenschläge mit dem gleichen Phänotyp  werden. Der Gedanke einer „Offenen Schau“, bei der „grundsätzlich nur ... alle Clubzüchter der betreffenden Rasse ... ausstellungsberechtigt sind“ (vgl. AAB § 2h, Seite 8) erschien ihm wenig sinnvoll und zudem widersprüchlich. Die Offenheit für alle Züchter der speziellen Rassen und Farbenschläge verstand er als Anreiz und Anregung, die Vorteile der Clubarbeit kennen zu lernen, und damit als aktive Mitgliederwerbung für die Clubbewegung. Die Konsequenz aus AAB § 2g, Satz 1, die Allgemeinen Schauen betreffend, sah er nie als Hindernis, weil die betreffenden Vereine immer gerne mit unseren Clubs zusammengearbeitet haben und ohne Probleme als durchführender Verein zur Verfügung standen.
Im offiziellen Bericht hat der Verfasser dieser Zeilen dies zum Anlass genommen, die Clubführung im ZDRK einzuladen, darüber nachzudenken, ob diese Einstellung Günter Depenbrocks nicht doch einen vernünftigen Kern hatte und ob die Zulassung von (Noch-)Nicht-Clubmitgliedern zu den Offenen Club-Vergleichsschauen nicht doch eine zukunftsträchtige Vision sei. Die im Entstehen begriffenen Clubrichtlinien könnten möglicherweise diesen Gedanken aufgreifen. Hierzu hat es kritische Rückmeldungen gegeben, und zwar sowohl von  den Befürwortern der Variante „Allgemeine Schauen“ als auch von den Clubanhängern. Erstere bemängeln zu Recht, dass eine Veranstaltung durch die Clubs nie eine solche Vielfalt zuwege bringen könnte, weil die Grenzen durch die im Clubnamen festgehaltenen Rassen bestimmt würden; so könnten z.B. Widderrassen und Rexrassen schnell außen vor bleiben müssen. Die Clubanhänger weisen darauf hin, dass eine so weitgehende Offenheit den Grundgedanken der Clubarbeit im Sinne einer Spezialzuchtgemeinschaft nicht widerspiegeln könnte. Beide Einwände werden zu Recht erhoben. Es bleibt also noch vieles, über das nachgedacht werden muss.
Aus der Sicht der Rhönkaninchen- und Schwarzgrannenzüchter ist jedoch für eine eventuelle Novellierung der Clubrichtlinien und/oder der AAB in diesem Punkte keine Eile geboten, denn die 19. Auflage dieser Veranstaltung findet vom 16. bis 18. Oktober 2009 in CH-9113 Degersheim, also in der Schweiz statt.  So schließt der Sonderbericht über diese Schau in der Gewissheit, dass noch viele Neuauflagen dieses Wettbewerbs folgen werden.
 
Walter Hornung, W 611 Westfalen

Die Erringer der großen Preise 2008




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